Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śalyaparva

Kapitel 47: badarapācanatīrthamāhātmyam Das Tīrtha Badarapācana: Srucāvatīs Askese, Indras Prüfung und die Segnung der Arundhatī

Rāma (Balarāma) besucht auf seiner Pilgerfahrt das Tīrtha Badarapācana. Erzählt wird die Askese der Srucāvatī, Tochter des Bharadvāja, die Indra zum Gatten gewinnen will, sowie die Geschichte der Arundhatī und der sieben Weisen, die das Tīrtha heiligt; am Ende beantwortet Vaiśaṃpāyana Janamejayas Frage nach Srucāvatīs Herkunft.

vaiśaṃpāyana uvāca; tatas tīrthavaraṃ rāmo yayau badarapācanam; tapasvisiddhacaritaṃ yatra kanyā dhṛtavratā

Vaiśaṃpāyana sprach: Darauf ging Rāma zum vortrefflichen Tīrtha Badarapācana, dessen Geschichte von Asketen und Vollendeten [erzählt wird], wo die Jungfrau [weilte], die an ihrem Gelübde festhielt.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca
Vaiśaṃpāyana sprach (Perf.)
tatas tīrthavaraṃ rāmaḥ
darauf zum vortrefflichen Tīrtha Rāma (Akk./Nom.)
yayau badarapācanam
ging [zum] Badarapācana (3.Sg.Perf./Akk.)
tapasvisiddhacaritam
von Asketen und Vollendeten bewohnt/besungen, deren Wandel [dort geschah] (Kompositum, Akk.)
yatra kanyā dhṛtavratā
wo eine Jungfrau, das Gelübde tragend/haltend (Nom.Sg.f.)

bharadvājasya duhitā rūpeṇāpratimā bhuvi; srucāvatī nāma vibho kumārī brahmacāriṇī

Srucāvatī mit Namen, Tochter des Bharadvāja, auf Erden an Schönheit ohnegleichen, o Herr, eine Jungfrau, die Brahmacarya übte.

Wort für Wort
bharadvājasya duhitā
Tochter des Bharadvāja (Gen./Nom.Sg.f.)
rūpeṇāpratimā bhuvi
an Schönheit ohnegleichen auf Erden (Instr./Nom.f./Lok.)
srucāvatī nāma
Srucāvatī mit Namen (Nom./Adv.)
vibho
o Herr (Vok.)
kumārī brahmacāriṇī
Jungfrau, Keuschheit übend (Nom.Sg.f.)

tapaś cacāra sātyugraṃ niyamair bahubhir nṛpa; bhartā me devarājaḥ syād iti niścitya bhāminī

Sie übte sehr strenge Askese mit vielen Observanzen, o König; in dem Entschluss: „Der König der Götter soll mein Gatte sein“, die Schöne.

Wort für Wort
tapaś cacāra
Askese übte sie (Akk./3.Sg.Perf.)
sātyugram
sehr streng (sā + atyugram; Akk.)
niyamair bahubhiḥ
mit vielen Observanzen (Instr.Pl.)
nṛpa
o König (Vok.)
bhartā me devarājaḥ syāt
Gatte mir der Götterkönig sei (Nom./Dat.-Gen./Opt.)
iti niścitya bhāminī
so beschlossen habend, die Schöne (Abs./Nom.f.)

samās tasyā vyatikrāntā bahvyaḥ kurukulodvaha; carantyā niyamāṃs tāṃs tān strībhis tīvrān suduścarān

Viele Jahre vergingen für sie, o Spross der Kuru-Sippe, während sie jene und jene strengen, für Frauen sehr schwer auszuübenden Observanzen übte.

Wort für Wort
samās tasyā vyatikrāntāḥ bahvyaḥ
viele Jahre vergingen ihr (Nom.Pl.f./Gen./Part.Pass.)
kurukulodvaha
o Träger/Spross des Kuru-Geschlechts (Vok.)
carantyā
für die Übende (Part.Präs. Instr./Gen.-Lok.f.)
niyamāṃs tāṃs tān
jene und jene Observanzen (Akk.Pl.)
strībhis tīvrān suduścarān
von Frauen [her], strenge, sehr schwer zu vollziehende (Instr.Pl./Akk.Pl.)

tasyās tu tena vṛttena tapasā ca viśāṃ pate; bhaktyā ca bhagavān prītaḥ parayā pākaśāsanaḥ

Über ihr Verhalten, ihre Askese und ihre höchste Hingabe wurde der Herr, der Pākabezwinger, erfreut, o Herr der Menschen.

Wort für Wort
tasyās tu tena vṛttena
an ihr aber durch dieses Verhalten (Gen./Instr.)
tapasā ca viśāṃ pate
und durch Askese, o Herr der Völker (Instr./Vok.)
bhaktyā ca parayā
und durch höchste Hingabe (Instr.f.)
bhagavān prītaḥ
der Erhabene erfreut (Nom./Part.Pass.)
pākaśāsanaḥ
der Pāka-Bezwinger, Indra (Nom.)

ājagāmāśramaṃ tasyās tridaśādhipatiḥ prabhuḥ; āsthāya rūpaṃ viprarṣer vasiṣṭhasya mahātmanaḥ

Der Herr, der Oberste der Dreißig [Götter], kam zu ihrer Einsiedelei, nachdem er die Gestalt des hochgesinnten Brahmanen-Sehers Vasiṣṭha angenommen hatte.

Wort für Wort
ājagāma āśramaṃ tasyāḥ
kam zu ihrer Einsiedelei (3.Sg.Perf./Akk./Gen.)
tridaśādhipatiḥ prabhuḥ
der Oberherr der Dreißig, der Herr (Nom.)
āsthāya rūpam
angenommen habend eine Gestalt (Abs./Akk.)
viprarṣeḥ vasiṣṭhasya mahātmanaḥ
des Brahmanen-Sehers Vasiṣṭha, des Hochgesinnten (Gen.)

sā taṃ dṛṣṭvogratapasaṃ vasiṣṭhaṃ tapatāṃ varam; ācārair munibhir dṛṣṭaiḥ pūjayām āsa bhārata

Sie sah ihn, den strenge Askese übenden Vasiṣṭha, den Besten der Büßer, und ehrte ihn, o Bhārata, mit den von den Weisen gebilligten Bräuchen.

Wort für Wort
sā taṃ dṛṣṭvā
sie, ihn gesehen habend (Nom.f./Akk./Abs.)
ugratapasaṃ vasiṣṭham
den streng Asketischen, Vasiṣṭha (Akk.)
tapatāṃ varam
den Besten der Büßenden (Gen.Pl./Akk.)
ācārair munibhir dṛṣṭaiḥ
mit von Weisen gesehenen/gebilligten Bräuchen (Instr.Pl.)
pūjayām āsa bhārata
ehrte sie, o Bhārata (Perf.periphr./Vok.)

uvāca niyamajñā ca kalyāṇī sā priyaṃvadā; bhagavan muniśārdūla kim ājñāpayasi prabho

Sie sprach, die Observanzen kennende, glückverheißende, freundlich Redende: „Erhabener, Tiger unter den Weisen, was befiehlst du, o Herr?“

Wort für Wort
uvāca niyamajñā ca
sprach, die Regeln Kundige und (Perf./Nom.f.)
kalyāṇī sā priyaṃvadā
die Glückliche, sie, die Liebes Redende (Nom.f.)
bhagavan muniśārdūla
Erhabener, Tiger unter den Weisen (Vok.)
kim ājñāpayasi prabho
was befiehlst du, o Herr (2.Sg.Präs./Vok.)

sarvam adya yathāśakti tava dāsyāmi suvrata; śakrabhaktyā tu te pāṇiṃ na dāsyāmi kathaṃ cana

„Alles will ich dir heute nach Kräften geben, du der schöne Gelübde Übender; doch meine Hand werde ich dir aus Hingabe an Śakra auf keine Weise geben.“

Wort für Wort
sarvam adya yathāśakti
alles heute nach Kraft/Vermögen (Akk./Adv.)
tava dāsyāmi suvrata
dir werde ich geben, o du mit guten Gelübden (Gen.-Dat./1.Sg.Fut./Vok.)
śakrabhaktyā tu
aber aus Hingabe an Śakra (Instr.)
te pāṇiṃ na dāsyāmi
dir die Hand nicht werde ich geben (Dat./Akk./1.Sg.Fut.)
kathaṃ cana
auf keine Weise (Adv.)

vrataiś ca niyamaiś caiva tapasā ca tapodhana; śakras toṣayitavyo vai mayā tribhuvaneśvaraḥ

„Durch Gelübde und Observanzen und durch Askese, du Reicher an Askese, muss von mir Śakra, der Herr der drei Welten, zufriedengestellt werden.“

Wort für Wort
vrataiś ca niyamaiś caiva
durch Gelübde und Observanzen (Instr.Pl.)
tapasā ca tapodhana
und durch Askese, du Askese-Reicher (Instr./Vok.)
śakras toṣayitavyaḥ
Śakra ist zufriedenzustellen (Nom./Gerundiv)
vai mayā
wahrlich von mir (Instr.)
tribhuvaneśvaraḥ
der Herr der drei Welten (Nom.)

ity ukto bhagavān devaḥ smayann iva nirīkṣya tām; uvāca niyamajñāṃ tāṃ sāntvayann iva bhārata

So angesprochen, sah der erhabene Gott sie gleichsam lächelnd an und sprach, o Bhārata, zu der Regelkundigen wie besänftigend.

Wort für Wort
ity uktaḥ bhagavān devaḥ
so angesprochen der erhabene Gott (Part.Pass./Nom.)
smayann iva nirīkṣya tām
gleichsam lächelnd, sie angeblickt habend (Part.Präs./Abs./Akk.)
uvāca niyamajñāṃ tām
sprach zu der Regelkundigen, ihr (Perf./Akk.f.)
sāntvayann iva bhārata
gleichsam besänftigend, o Bhārata (Part.Präs./Vok.)

ugraṃ tapaś carasi vai viditā me 'si suvrate; yadartham ayam ārambhas tava kalyāṇi hṛdgataḥ

„Strenge Askese übst du wahrlich; du bist mir bekannt, o Schönfromme. Wozu dieses Unternehmen dir ins Herz gekommen ist, o Glückliche, [das weiß ich].“

Wort für Wort
ugraṃ tapaś carasi vai
strenge Askese übst du wahrlich (Akk./2.Sg.Präs.)
viditā me 'si suvrate
bekannt mir bist du, o Gutgelobende (Part.Pass./Gen.-Dat./Vok.)
yadartham ayam ārambhaḥ
wozu dieses Unternehmen (Adv./Nom.)
tava kalyāṇi hṛdgataḥ
dein, o Glückliche, ins Herz gegangen (Gen./Vok./Part.Pass.)

tac ca sarvaṃ yathābhūtaṃ bhaviṣyati varānane; tapasā labhyate sarvaṃ sarvaṃ tapasi tiṣṭhati

„Und all das wird so werden, wie es ist, o Schönwangige; durch Askese wird alles erlangt, alles gründet in der Askese.“

Wort für Wort
tac ca sarvaṃ yathābhūtam
und all dies, wie es ist (Nom.n./Adv.)
bhaviṣyati varānane
wird werden, o Schönantlitzige (3.Sg.Fut./Vok.)
tapasā labhyate sarvam
durch Askese wird erlangt alles (Instr./Präs.Pass./Nom.)
sarvaṃ tapasi tiṣṭhati
alles in der Askese steht (Nom./Lok./3.Sg.Präs.)

yāni sthānāni divyāni vibudhānāṃ śubhānane; tapasā tāni prāpyāni tapomūlaṃ mahat sukham

„Die himmlischen Stätten der Götter, o Schönantlitzige, sind durch Askese zu erlangen; Askese ist die Wurzel großen Glücks.“

Wort für Wort
yāni sthānāni divyāni
welche Stätten himmlische (Nom.Pl.n.)
vibudhānāṃ śubhānane
der Götter, o Schönantlitzige (Gen.Pl./Vok.)
tapasā tāni prāpyāni
durch Askese diese erreichbar (Instr./Gerundiv)
tapomūlaṃ mahat sukham
in der Askese wurzelnd großes Glück (Kompositum/Nom.n.)

iha kṛtvā tapo ghoraṃ dehaṃ saṃnyasya mānavāḥ; devatvaṃ yānti kalyāṇi śṛṇu cedaṃ vaco mama

„Hier strenge Askese getan und den Leib niedergelegt, gelangen Menschen zur Göttlichkeit, o Glückliche; und höre dieses mein Wort.“

Wort für Wort
iha kṛtvā tapo ghoram
hier getan habend furchtbare Askese (Adv./Abs./Akk.)
dehaṃ saṃnyasya mānavāḥ
den Leib abgelegt habend, Menschen (Abs./Nom.Pl.)
devatvaṃ yānti kalyāṇi
zur Göttlichkeit gehen sie, o Glückliche (Akk./3.Pl.Präs./Vok.)
śṛṇu cedaṃ vaco mama
höre und dieses Wort von mir (Imp./Akk./Gen.)

pacasvaitāni subhage badarāṇi śubhavrate; pacety uktvā sa bhagavāñ jagāma balasūdanaḥ

„Koche diese Jujubenfrüchte, o Schöne, du schönes Gelübde Haltende.“ Nachdem er „Koche!“ gesagt hatte, ging der Erhabene, der Vernichter des Bala, fort.

Wort für Wort
pacasvaitāni subhage
koche diese, o Schöne (Imp.Med./Akk.Pl.n./Vok.)
badarāṇi śubhavrate
Jujubenfrüchte, o Schöngelobende (Akk.Pl./Vok.)
pacety uktvā
„koche“ so gesagt habend (Imp./Abs.)
sa bhagavāñ jagāma
er, der Erhabene, ging (Nom./3.Sg.Perf.)
balasūdanaḥ
der Bala-Töter, Indra (Nom.)

āmantrya tāṃ tu kalyāṇīṃ tato japyaṃ jajāpa saḥ; avidūre tatas tasmād āśramāt tīrtha uttame

Nachdem er sie, die Glückliche, verabschiedet hatte, murmelte er darauf ein Gebet, nicht weit von der Einsiedelei entfernt, an einem vortrefflichen Tīrtha.

Wort für Wort
āmantrya tāṃ tu kalyāṇīm
verabschiedet habend sie, die Glückliche (Abs./Akk.f.)
tato japyaṃ jajāpa saḥ
darauf ein Murmelgebet murmelte er (Akk./3.Sg.Perf./Nom.)
avidūre tatas tasmāt
nicht fern von dort/davon (Lok./Adv./Abl.)
āśramāt tīrtha uttame
von der Einsiedelei, an einem vortrefflichen Tīrtha (Abl./Lok.)

Der Vers wird in Einheit 19 fortgesetzt; dazwischen steht die Sternpassage 18.

tac ca tīrthaṃ mahārāja yatra japyaṃ jajāpa saḥ

Und das ist das Tīrtha, o Großkönig, wo er das Gebet murmelte.

Wort für Wort
tac ca tīrthaṃ mahārāja
und dies ist das Tīrtha, o Großkönig (Nom.n./Vok.)
yatra japyaṃ jajāpa saḥ
wo ein Murmelgebet er murmelte (Adv./Akk./3.Sg.Perf./Nom.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (*0285).

indratīrthe mahārāja triṣu lokeṣu viśrute

Am Indra-Tīrtha, o Großkönig, das in den drei Welten berühmt ist.

Wort für Wort
indratīrthe mahārāja
am Indra-Tīrtha, o Großkönig (Lok./Vok.)
triṣu lokeṣu viśrute
in den drei Welten berühmt (Lok.Pl./Lok.n.)

Syntaktisch Fortsetzung von Einheit 17.

tasyā jijñāsanārthaṃ sa bhagavān pākaśāsanaḥ; badarāṇām apacanaṃ cakāra vibudhādhipaḥ

Um sie zu prüfen, bewirkte jener erhabene Pākabezwinger, der Herr der Götter, dass die Jujubenfrüchte nicht gar wurden.

Wort für Wort
tasyā jijñāsanārtham
um sie zu prüfen (Gen./Akk. Adv.)
sa bhagavān pākaśāsanaḥ
jener Erhabene, der Pāka-Bezwinger (Nom.)
badarāṇām apacanam
das Nichtgarwerden der Jujubenfrüchte (Gen.Pl./Akk.)
cakāra vibudhādhipaḥ
bewirkte der Götterherr (3.Sg.Perf./Nom.)

tataḥ sa prayatā rājan vāgyatā vigataklamā; tatparā śucisaṃvītā pāvake samadhiśrayat; apacad rājaśārdūla badarāṇi mahāvratā

Da setzte sie, o König, gesammelt, schweigend, frei von Ermüdung, ganz hingegeben, in Reinheit gekleidet, [die Früchte] aufs Feuer; sie kochte, o Tiger unter den Königen, die Jujubenfrüchte, die große Gelübde Haltende.

Wort für Wort
tataḥ sā prayatā rājan
da sie, gesammelt, o König (Nom.f./Vok.)
vāgyatā vigataklamā
sprachbeherrscht, ohne Ermattung (Nom.f.)
tatparā śucisaṃvītā
ganz hingegeben, in Reines gehüllt (Nom.f.)
pāvake samadhiśrayat
auf das Feuer setzte [sie] auf (Lok./3.Sg.Impf.)
apacad rājaśārdūla
sie kochte, o Königstiger (Impf./Vok.)
badarāṇi mahāvratā
Jujuben, die Großgelübdige (Akk.Pl./Nom.f.)

tasyāḥ pacantyāḥ sumahān kālo 'gāt puruṣarṣabha; na ca sma tāny apacyanta dinaṃ ca kṣayam abhyagāt

Während sie kochte, verging sehr viel Zeit, o Stier unter den Männern; doch wurden jene [Früchte] nicht gar, und der Tag ging zur Neige.

Wort für Wort
tasyāḥ pacantyāḥ
ihr, der Kochenden (Gen.abs.f.)
sumahān kālo 'gāt
sehr große Zeit ging dahin (Nom./3.Sg.Aor.)
puruṣarṣabha
o Stier unter den Männern (Vok.)
na ca sma tāny apacyanta
und nicht wurden jene gar (Impf.Pass.)
dinaṃ ca kṣayam abhyagāt
und der Tag ging zum Ende (Nom./Akk./3.Sg.Aor.)

hutāśanena dagdhaś ca yas tasyāḥ kāṣṭhasaṃcayaḥ; akāṣṭham agniṃ sā dṛṣṭvā svaśarīram athādahat

Und das Holz, das sie angehäuft hatte, wurde vom Feuer verbrannt; als sie das Feuer ohne Holz sah, verbrannte sie darauf ihren eigenen Leib.

Wort für Wort
hutāśanena dagdhaś ca
vom Feuer verbrannt und (Instr./Part.Pass.)
yas tasyāḥ kāṣṭhasaṃcayaḥ
welcher ihr Holzhaufen (Nom./Gen.)
akāṣṭham agniṃ sā dṛṣṭvā
das holzlose Feuer sie gesehen habend (Akk./Nom.f./Abs.)
svaśarīram athādahat
den eigenen Leib da verbrannte sie (Akk./Impf.)

pādau prakṣipya sā pūrvaṃ pāvake cārudarśanā; dagdhau dagdhau punaḥ pādāv upāvartayatānaghā

Zuerst legte sie, die Anmutige, ihre Füße ins Feuer; und wenn die Füße verbrannt waren, wandte die Makellose sie immer wieder [dem Feuer] zu.

Wort für Wort
pādau prakṣipya
die beiden Füße hineingeworfen habend (Akk.Du./Abs.)
sā pūrvaṃ pāvake
sie zuerst ins Feuer (Nom.f./Adv./Lok.)
cārudarśanā
die Schönanzuschauende (Nom.f.)
dagdhau dagdhau punaḥ pādau
verbrannt, verbrannt wieder die Füße (Part.Pass. Du.)
upāvartayatānaghā
wandte sie hin, die Makellose (Impf.Kaus./Nom.f.)

caraṇau dahyamānau ca nācintayad aninditā; duḥkhaṃ kamalapatrākṣī maharṣeḥ priyakāmyayā

Und die Untadelige, die Lotosblätteräugige, achtete den Schmerz der verbrennenden Füße nicht, um dem großen Seher einen Gefallen zu tun.

Wort für Wort
caraṇau dahyamānau ca
und die beiden Füße, die verbrannt wurden (Nom./Akk.Du., Part.Pass.)
nācintayad aninditā
beachtete nicht die Untadelige (Impf./Nom.f.)
duḥkhaṃ kamalapatrākṣī
den Schmerz, die Lotosblatt-Äugige (Akk./Nom.f.)
maharṣeḥ priyakāmyayā
aus dem Wunsch, dem großen Seher zu gefallen (Gen./Instr.)

na vaimanasyaṃ tasyāstu mukhabhedo 'tha vābhavat; śarīram agninādīpya jalamadhyeva harṣitā; tac cāsyā vacanaṃ nityam avartad dhṛdi bhārata; sarvathā badarāṇy eva paktavyānīti kanyakā; sā tan manasi kṛtvaiva maharṣer vacanaṃ śubhā; apacad badarāṇy eva na cāpacyanta bhārata; tasyāstu caraṇau vahnir dadāha bhagavān svayam; na ca tasyā manoduḥkhaṃ svalpam apy abhavat tadā

Weder Missmut zeigte sich an ihr noch eine Veränderung ihrer Miene; sie entzündete ihren Leib am Feuer und war froh wie mitten im Wasser. Und dieses sein Wort blieb ihr stets im Herzen gegenwärtig, o Bhārata: „Auf jeden Fall müssen die Jujubenfrüchte gekocht werden.“ So [dachte] die Jungfrau. Die Schöne nahm das Wort des großen Sehers in ihr Sinnen auf und kochte eben die Jujubenfrüchte, doch sie wurden nicht gar, o Bhārata. Ihre beiden Füße aber verbrannte das Feuer, der Erhabene selbst; und doch entstand ihr damals nicht einmal ein wenig seelischer Schmerz.

Wort für Wort
na vaimanasyaṃ tasyāḥ
nicht Missmut an ihr (Nom./Gen.)
mukhabhedo 'tha vābhavat
noch Veränderung der Miene entstand (Nom./Impf.)
śarīram agninādīpya jalamadhyeva harṣitā
den Leib durch Feuer entzündet, wie mitten im Wasser erfreut (Akk./Instr./Abs./Nom.f.)
tac cāsyā vacanaṃ nityam avartad dhṛdi
und dieses ihr Wort blieb stets im Herzen (Nom./Gen./Adv./Impf./Lok.)
sarvathā badarāṇy eva paktavyānīti kanyakā
auf jeden Fall Jujuben nur zu kochen, so [dachte] die Jungfrau (Adv./Gerundiv/Nom.f.)
sā tan manasi kṛtvaiva maharṣer vacanaṃ śubhā
sie, dies im Sinn gefasst habend, das Wort des Sehers, die Schöne (Abs./Lok.)
apacad badarāṇy eva na cāpacyanta bhārata
kochte nur Jujuben, sie wurden nicht gar (Impf./Impf.Pass./Vok.)
tasyāstu caraṇau vahnir dadāha bhagavān svayam
ihre Füße verbrannte Feuer, der Erhabene selbst (Akk.Du./Nom./3.Sg.Perf.)
na ca tasyā manoduḥkhaṃ svalpam apy abhavat tadā
und nicht ihr Seelenschmerz auch nur wenig entstand damals (Nom./Impf.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (*0286); „bhagavān“ für Agni ist ungewöhnlich, aber grammatisch eindeutig.

atha tat karma dṛṣṭvāsyāḥ prītas tribhuvaneśvaraḥ; tataḥ saṃdarśayām āsa kanyāyai rūpam ātmanaḥ

Da, als er dieses ihr Tun sah, wurde der Herr der drei Welten erfreut; darauf zeigte er der Jungfrau seine eigene Gestalt.

Wort für Wort
atha tat karma dṛṣṭvāsyāḥ
da dieses Tun gesehen habend von ihr (Abs./Akk./Gen.)
prītas tribhuvaneśvaraḥ
erfreut der Herr der drei Welten (Part.Pass./Nom.)
tataḥ saṃdarśayām āsa
darauf zeigte er (Periphr.Perf.)
kanyāyai rūpam ātmanaḥ
der Jungfrau die Gestalt seiner selbst (Dat./Akk./Gen.)

uvāca ca suraśreṣṭhas tāṃ kanyāṃ sudṛḍhavratām; prīto 'smi te śubhe bhaktyā tapasā niyamena ca

Und der Beste der Götter sprach zu der Jungfrau mit sehr festem Gelübde: „Ich bin dir zugetan, o Schöne, durch Hingabe, Askese und Regelzucht.“

Wort für Wort
uvāca ca suraśreṣṭhaḥ
und sprach der Beste der Götter (Perf./Nom.)
tāṃ kanyāṃ sudṛḍhavratām
zu jener Jungfrau, der fest an ihrem Gelübde Haltenden (Akk.f.)
prīto 'smi te śubhe
erfreut bin ich über dich, o Schöne (Part./1.Sg./Gen.-Lok./Vok.)
bhaktyā tapasā niyamena ca
durch Hingabe, Askese und Regelzucht (Instr.)

tasmād yo 'bhimataḥ kāmaḥ sa te saṃpatsyate śubhe; dehaṃ tyaktvā mahābhāge tridive mayi vatsyasi

„Darum wird dir der ersehnte Wunsch in Erfüllung gehen, o Schöne; nach Ablegen des Leibes wirst du, du Hochbeglückte, im Himmel bei mir wohnen.“

Wort für Wort
tasmād yo 'bhimataḥ kāmaḥ
darum welcher erwünschte Wunsch (Abl./Nom.)
sa te saṃpatsyate śubhe
der dir wird sich erfüllen, o Schöne (3.Sg.Fut./Dat.-Gen./Vok.)
dehaṃ tyaktvā mahābhāge
den Leib verlassen habend, o Hochbeglückte (Abs./Vok.)
tridive mayi vatsyasi
im Himmel bei mir wirst du wohnen (Lok./2.Sg.Fut.)

idaṃ ca te tīrthavaraṃ sthiraṃ loke bhaviṣyati; sarvapāpāpahaṃ subhru nāmnā badarapācanam; vikhyātaṃ triṣu lokeṣu brahmarṣibhir abhiplutam

„Und dieses vortreffliche Tīrtha von dir wird in der Welt beständig sein, den Sünden wehrend, o Schönbrauige, mit dem Namen Badarapācana, berühmt in den drei Welten, von Brahmanen-Sehern besucht [und gebadet].“

Wort für Wort
idaṃ ca te tīrthavaram
und dieses dein vortreffliches Tīrtha (Nom./Gen./Nom.n.)
sthiraṃ loke bhaviṣyati
beständig in der Welt wird sein (Nom./Lok./Fut.)
sarvapāpāpahaṃ subhru
alle Sünden vertreibend, o Schönbrauige (Nom.n./Vok.)
nāmnā badarapācanam
mit Namen Badarapācana (Instr./Nom.)
vikhyātaṃ triṣu lokeṣu
berühmt in den drei Welten (Part.Pass./Lok.Pl.)
brahmarṣibhir abhiplutam
von Brahmanen-Sehern aufgesucht/überströmt (Instr.Pl./Part.Pass.)

asmin khalu mahābhāge śubhe tīrthavare purā; tyaktvā saptarṣayo jagmur himavantam arundhatīm

„An diesem, o Hochbeglückte, wahrlich schönen, vortrefflichen Tīrtha ließen einst die sieben Weisen Arundhatī zurück und gingen zum Himavat.“

Wort für Wort
asmin khalu mahābhāge
an diesem wahrlich, o Hochbeglückte (Lok./Vok.)
śubhe tīrthavare purā
am schönen, vortrefflichen Tīrtha einst (Lok./Adv.)
tyaktvā saptarṣayaḥ
verlassen habend, die sieben Seher (Abs./Nom.Pl.)
jagmur himavantam
gingen zum Himavat (3.Pl.Perf./Akk.)
arundhatīm
Arundhatī [verlassend] (Akk.)

tatas te vai mahābhāgā gatvā tatra susaṃśitāḥ; vṛttyarthaṃ phalamūlāni samāhartuṃ yayuḥ kila

„Dann gingen jene Hochbeglückten dorthin, gut geschult in Gelübden, um, wie es heißt, zum Lebensunterhalt Früchte und Wurzeln zu sammeln.“

Wort für Wort
tatas te vai mahābhāgāḥ
darauf jene, die Hochbeglückten (Nom.Pl.)
gatvā tatra susaṃśitāḥ
dorthin gegangen, streng in Gelübden (Abs./Nom.Pl.)
vṛttyarthaṃ phalamūlāni
zum Lebensunterhalt Früchte und Wurzeln (Adv./Akk.Pl.)
samāhartuṃ yayuḥ kila
zu sammeln gingen sie, wie es heißt (Inf./3.Pl.Perf./Part.)

teṣāṃ vṛttyarthināṃ tatra vasatāṃ himavadvane; anāvṛṣṭir anuprāptā tadā dvādaśavārṣikī

„Als sie, den Lebensunterhalt suchend, dort im Himavat-Wald weilten, trat damals eine zwölf Jahre währende Dürre ein.“

Wort für Wort
teṣāṃ vṛttyarthināṃ tatra
ihnen, den Lebensunterhalt Suchenden, dort (Gen.abs.Pl.)
vasatāṃ himavadvane
den Weilenden im Himavat-Wald (Gen.Pl./Lok.)
anāvṛṣṭir anuprāptā
Regenlosigkeit eingetreten (Nom.f./Part.Pass.)
tadā dvādaśavārṣikī
damals zwölfjährige (Adv./Nom.f.)

te kṛtvā cāśramaṃ tatra nyavasanta tapasvinaḥ; arundhaty api kalyāṇī taponityābhavat tadā

Nachdem sie dort eine Einsiedelei errichtet hatten, ließen sich die Asketen nieder; auch die glückverheißende Arundhatī war damals beständig der Askese hingegeben.

Wort für Wort
te kṛtvā ca āśramaṃ tatra
sie, nachdem sie eine Einsiedelei dort errichtet hatten (Nom.Pl.m., Abs.Ger.)
nyavasanta tapasvinaḥ
ließen sich nieder, die Asketen (3.Pl.Impf.Med./Nom.Pl.)
arundhatī api kalyāṇī
auch Arundhatī, die Glückverheißende (Nom.Sg.f.)
tapo-nityā abhavat tadā
der Askese beständig ergeben war da (Kompositum, Nom.Sg.f.; 3.Sg.Impf.)

arundhatīṃ tato dṛṣṭvā tīvraṃ niyamam āsthitām; athāgamat trinayanaḥ suprīto varadas tadā

Als er Arundhatī dann in strenge Observanz gefestigt sah, kam da der Dreiäugige, hocherfreut und Gaben gewährend.

Wort für Wort
arundhatīṃ tataḥ dṛṣṭvā
Arundhatī darauf gesehen habend (Akk.Sg.f., Abs.Ger.)
tīvraṃ niyamam āsthitām
die zu strenger Observanz sich Begebene (Akk.Sg.m./f., Part.Perf.Pass. mit Akt.-Sinn)
atha āgamat trinayanaḥ
da kam der Dreiäugige (3.Sg.Aor./Impf., Nom.Sg.)
suprītaḥ vara-daḥ tadā
sehr erfreut, Gaben gewährend, damals (Nom.Sg.m., Kompositum)

brāhmaṃ rūpaṃ tataḥ kṛtvā mahādevo mahāyaśāḥ; tām abhyetyābravīd devo bhikṣām icchāmy ahaṃ śubhe

Nachdem er eine brahmanische Gestalt angenommen hatte, trat der ruhmreiche Mahādeva, der Gott, zu ihr hin und sprach: „Almosen wünsche ich, Schöne.“

Wort für Wort
brāhmaṃ rūpaṃ tataḥ kṛtvā
eine brahmanische Gestalt dann angenommen habend (Akk.Sg.n., Abs.Ger.)
mahādevaḥ mahā-yaśāḥ
Mahādeva, der hochberühmte (Nom.Sg.m.)
tām abhyetya abravīt devaḥ
zu ihr hingetreten sprach der Gott (Abs.Ger.; 3.Sg.Impf.)
bhikṣām icchāmi aham śubhe
Almosen wünsche ich, Schöne (Akk.Sg.f.; 1.Sg.Präs.; Vok.Sg.f.)

pratyuvāca tataḥ sā taṃ brāhmaṇaṃ cārudarśanā; kṣīṇo 'nnasaṃcayo vipra badarāṇīha bhakṣaya; tato 'bravīn mahādevaḥ pacasvaitāni suvrate

Da antwortete ihr, die Anmutige, jenem Brahmanen: „Der Speisevorrat ist aufgezehrt, Brahmane; iss hier Jujubenfrüchte.“ Darauf sprach Mahādeva: „Koche diese, du Gelübdetreue.“

Wort für Wort
pratyuvāca tataḥ sā taṃ brāhmaṇam
antwortete darauf sie ihm, dem Brahmanen (3.Sg.Perf.; Akk.Sg.)
cāru-darśanā
die Anmutig-Anzusehende (Nom.Sg.f., Kompositum)
kṣīṇaḥ anna-saṃcayaḥ vipra
aufgezehrt der Speisevorrat, Brahmane (Part.Perf.Pass./Nom.Sg.; Vok.Sg.)
badarāṇi iha bhakṣaya
Jujubenfrüchte hier iss (Akk.Pl.n.; Imp.2.Sg.Kaus./Sg.)
tataḥ abravīt mahādevaḥ
darauf sprach Mahādeva (3.Sg.Impf.)
pacasva etāni suvrate
koche diese, Gelübdetreue (Imp.2.Sg.Med.; Akk.Pl.n.; Vok.Sg.f.)

ity uktā sāpacat tāni brāhmaṇapriyakāmyayā; adhiśritya samiddhe 'gnau badarāṇi yaśasvinī

So angesprochen, kochte die Ruhmreiche die Jujubenfrüchte aus dem Wunsch, dem Brahmanen zu gefallen, indem sie sie auf das entfachte Feuer setzte.

Wort für Wort
iti uktā sā apacat tāni
so angesprochen, sie kochte diese (Part.Perf.Pass. Nom.Sg.f.; 3.Sg.Impf.)
brāhmaṇa-priya-kāmyayā
aus dem Wunsch, dem Brahmanen Liebes zu tun (Instr.Sg.f., Kompositum)
adhiśritya samiddhe agnau
aufgesetzt habend auf das entfachte Feuer (Abs.Ger.; Lok.Sg.m.)
badarāṇi yaśasvinī
die Jujubenfrüchte, die Ruhmreiche (Akk.Pl.n.; Nom.Sg.f.)

divyā manoramāḥ puṇyāḥ kathāḥ śuśrāva sā tadā; atītā sā tv anāvṛṣṭir ghorā dvādaśavārṣikī

Göttliche, herzerfreuende, heilige Erzählungen hörte sie damals; jene schreckliche zwölfjährige Dürre aber ging vorüber.

Wort für Wort
divyāḥ manoramāḥ puṇyāḥ kathāḥ
göttliche, herzerfreuende, heilige Erzählungen (Akk.Pl.f.)
śuśrāva sā tadā
hörte sie damals (3.Sg.Perf.)
atītā sā tu anāvṛṣṭiḥ
vorüber war jene aber, die Dürre (Part.Perf.Pass. Nom.Sg.f.)
ghorā dvādaśa-vārṣikī
schreckliche, zwölfjährige (Nom.Sg.f.)

anaśnantyāḥ pacantyāś ca śṛṇvantyāś ca kathāḥ śubhāḥ; ahaḥsamaḥ sa tasyās tu kālo 'tītaḥ sudāruṇaḥ

Während sie nichts aß, kochte und die guten Erzählungen hörte, verging ihr jene überaus furchtbare Zeit wie ein einziger Tag.

Wort für Wort
anaśnantyāḥ pacantyāḥ ca
der Nichtessenden und Kochenden (Gen.Sg.f., Part.Präs. – Gen. absolutus)
śṛṇvantyāḥ ca kathāḥ śubhāḥ
und der Hörenden gute Erzählungen (Gen.Sg.f.; Akk.Pl.f.)
ahaḥ-samaḥ saḥ tasyāḥ tu
einem Tag gleich jene ihr aber (Nom.Sg.m., Kompositum; Gen.Sg.f.)
kālaḥ atītaḥ su-dāruṇaḥ
die Zeit verging, überaus furchtbar (Nom.Sg.m., Part.Perf.Pass.)

tatas te munayaḥ prāptāḥ phalāny ādāya parvatāt; tataḥ sa bhagavān prītaḥ provācārundhatīṃ tadā

Da kamen jene Weisen vom Berg und brachten Früchte mit; da sprach der erfreute Erhabene damals zu Arundhatī:

Wort für Wort
tataḥ te munayaḥ prāptāḥ
da jene Weisen angekommen (Nom.Pl.m., Part.Perf.Pass.)
phalāni ādāya parvatāt
Früchte genommen habend, vom Berg (Akk.Pl.n., Abs.Ger.; Abl.Sg.)
tataḥ saḥ bhagavān prītaḥ
da jener Erhabene, erfreut (Nom.Sg.m.)
provāca arundhatīṃ tadā
sprach zu Arundhatī damals (3.Sg.Perf.; Akk.Sg.f.)

upasarpasva dharmajñe yathāpūrvam imān ṛṣīn; prīto 'smi tava dharmajñe tapasā niyamena ca

„Geh wie zuvor zu diesen Sehern hin, Kundige des Dharma; ich bin zufrieden mit dir, Kundige des Dharma, wegen deiner Askese und deiner Observanz.“

Wort für Wort
upasarpasva dharma-jñe
geh hin, Dharma-Kundige (Imp.2.Sg.Med.; Vok.Sg.f.)
yathā-pūrvam imān ṛṣīn
wie zuvor, zu diesen Sehern (Adv.; Akk.Pl.m.)
prītaḥ asmi tava dharma-jñe
erfreut bin ich mit dir, Dharma-Kundige (Nom.Sg.m.; 1.Sg.Präs.; Gen./Dat.Sg.)
tapasā niyamena ca
durch Askese und durch Observanz (Instr.Sg.)

tataḥ saṃdarśayām āsa svarūpaṃ bhagavān haraḥ; tato 'bravīt tadā tebhyas tasyās tac caritaṃ mahat

Darauf zeigte der erhabene Hara seine eigene Gestalt; dann sprach er zu jenen über ihr großes Tun:

Wort für Wort
tataḥ saṃdarśayām āsa
dann zeigte er (Periphrast.Perf.Kaus.)
sva-rūpaṃ bhagavān haraḥ
die eigene Gestalt, der Erhabene, Hara (Akk.Sg.n.; Nom.Sg.m.)
tataḥ abravīt tadā tebhyaḥ
dann sprach er damals zu ihnen (3.Sg.Impf.; Dat.Pl.)
tasyāḥ tat caritaṃ mahat
über ihr jenes Tun, das große (Gen.Sg.f.; Akk.Sg.n.)

bhavadbhir himavatpṛṣṭhe yat tapaḥ samupārjitam; asyāś ca yat tapo viprā na samaṃ tan mataṃ mama

„Die Askese, die ihr auf dem Rücken des Himavat erworben habt, ihr Brahmanen, und die Askese dieser hier: die halte ich nicht für gleich.“

Wort für Wort
bhavadbhiḥ himavat-pṛṣṭhe
von euch auf dem Rücken des Himavat (Instr.Pl.; Lok.Sg.n.)
yat tapaḥ samupārjitam
welche Askese erworben wurde (Nom.Sg.n., Part.Perf.Pass.)
asyāḥ ca yat tapaḥ viprāḥ
und dieser welche Askese, Brahmanen (Gen.Sg.f.; Vok.Pl.)
na samaṃ tat matam mama
nicht gleich, jene, gilt als von mir (Nom.Sg.n., Part.Perf.Pass.; Gen.Sg.)

anayā hi tapasvinyā tapas taptaṃ suduścaram; anaśnantyā pacantyā ca samā dvādaśa pāritāḥ

„Denn diese Asketin hat eine überaus schwer auszuübende Askese geübt; nichtessend und kochend hat sie zwölf Jahre vollendet.“

Wort für Wort
anayā hi tapasvinyā
denn von dieser Asketin (Instr.Sg.f.)
tapaḥ taptam su-duścaram
Askese wurde geübt, sehr schwer auszuüben (Nom.Sg.n., Part.Perf.Pass.)
anaśnantyā pacantyā ca
von der Nichtessenden und Kochenden (Instr.Sg.f., Part.Präs.)
samāḥ dvādaśa pāritāḥ
zwölf Jahre wurden durchgestanden (Akk.Pl.f. Zeitdauer; Part.Perf.Pass.)

tataḥ provāca bhagavāṃs tām evārundhatīṃ punaḥ; varaṃ vṛṇīṣva kalyāṇi yat te 'bhilaṣitaṃ hṛdi

Darauf sprach der Erhabene abermals zu eben dieser Arundhatī: „Wähle eine Gunst, Glückverheißende, was immer dir im Herzen ersehnt ist.“

Wort für Wort
tataḥ provāca bhagavān
darauf sprach der Erhabene (3.Sg.Perf.)
tām eva arundhatīṃ punaḥ
zu eben dieser Arundhatī wieder (Akk.Sg.f.)
varaṃ vṛṇīṣva kalyāṇi
wähle eine Gunst, Glückverheißende (Akk.Sg.m.; Imp.2.Sg.Med.; Vok.Sg.f.)
yat te abhilaṣitaṃ hṛdi
was dir ersehnt ist im Herzen (Nom.Sg.n., Part.Perf.Pass.; Lok.Sg.n.)

sābravīt pṛthutāmrākṣī devaṃ saptarṣisaṃsadi; bhagavān yadi me prītas tīrthaṃ syād idam uttamam; siddhadevarṣidayitaṃ nāmnā badarapācanam

Da sprach sie mit breiten, rötlichen Augen zu dem Gott in der Versammlung der Sieben Seher: „Wenn du, Erhabener, mit mir zufrieden bist, so soll dies hier ein vortreffliches Tīrtha sein, den Siddhas, Göttern und Sehern lieb, mit Namen ‚Jujubenkochstätte‘ (Badarapācana).“

Wort für Wort
sā abravīt pṛthu-tāmra-akṣī
sie sprach, breit- und rotäugig (3.Sg.Impf.; Nom.Sg.f., Kompositum)
devaṃ sapta-ṛṣi-saṃsadi
zum Gott in der Versammlung der Sieben Seher (Akk.Sg.; Lok.Sg.f.)
bhagavan yadi me prītaḥ
Erhabener, wenn mir zugetan (Vok.; Dat./Gen.Sg.; Nom.Sg.m.)
tīrthaṃ syāt idam uttamam
ein Tīrtha soll sein dieses beste (Opt.3.Sg.)
siddha-deva-ṛṣi-dayitam
Siddhas, Göttern, Sehern lieb (Nom.Sg.n., Kompositum)
nāmnā badara-pācanam
mit Namen Badarapācana (Instr.Sg.n.)

tathāsmin devadeveśa trirātram uṣitaḥ śuciḥ; prāpnuyād upavāsena phalaṃ dvādaśavārṣikam; evam astv iti tāṃ coktvā haro yātas tadā divam

„Wer, Gott der Götter, hier drei Nächte rein verweilt, soll durch Fasten den Lohn von zwölf Jahren erlangen.“ „So sei es“, sprach Hara zu ihr und ging da zum Himmel.

Wort für Wort
tathā asmin deva-deva-īśa
ebenso in diesem, Herr der Götter der Götter (Lok.Sg.n.; Vok.Sg.)
tri-rātram uṣitaḥ śuciḥ
drei Nächte verweilt habend, rein (Akk.Sg.n.; Part.Perf.Pass., Nom.Sg.m.)
prāpnuyāt upavāsena phalam
möge erlangen durch Fasten den Lohn (Opt.3.Sg.; Instr.Sg.)
dvādaśa-vārṣikam
den zwölfjährigen (Akk.Sg.n.)
evam astu iti tām ca uktvā
„so sei es“, und zu ihr gesagt habend (Imp.3.Sg.; Abs.Ger.)
haraḥ yātaḥ tadā divam
Hara ging da zum Himmel (Nom.Sg.m., Part.Perf.Pass.; Akk.Sg.m.)

**** **** pratyuvāca tapasvinīm; saptarṣibhiḥ stuto devas

[Lücke] sprach zur Asketin; [der Gott, von den Sieben Sehern gepriesen] [?]

Wort für Wort
**** ****
[Lücke im Text]
pratyuvāca tapasvinīm
antwortete/sprach zur Asketin (3.Sg.Perf.; Akk.Sg.f.)
sapta-ṛṣibhiḥ stutaḥ devaḥ
von den Sieben Sehern gepriesen, der Gott (Instr.Pl.; Part.Perf.Pass., Nom.Sg.m.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile der kritischen Ausgabe mit Textlücke (****); der Satzzusammenhang ist nicht herstellbar, der Schluss „devas“ wohl zu devaḥ (Nom.) im Sinne des gepriesenen Gottes zu ergänzen.

ṛṣayo vismayaṃ jagmus tāṃ dṛṣṭvā cāpy arundhatīm; aśrāntāṃ cāvivarṇāṃ ca kṣutpipāsāsahāṃ satīm

Die Seher gerieten in Staunen, als sie auch Arundhatī sahen, unermüdet, unverblasst, Hunger und Durst ertragend, die Tugendhafte.

Wort für Wort
ṛṣayaḥ vismayaṃ jagmuḥ
die Seher gerieten in Staunen (Nom.Pl.; Akk.Sg.; 3.Pl.Perf.)
tām dṛṣṭvā ca api arundhatīm
sie gesehen habend, auch Arundhatī (Abs.Ger.; Akk.Sg.f.)
a-śrāntāṃ ca a-vivarṇāṃ ca
unermüdet und unverfärbt (Akk.Sg.f.)
kṣut-pipāsā-sahāṃ satīm
Hunger und Durst ertragend, die Gute/Tugendhafte (Akk.Sg.f.)

evaṃ siddhiḥ parā prāptā arundhatyā viśuddhayā; yathā tvayā mahābhāge madarthaṃ saṃśitavrate

„So wurde von der reinen Arundhatī die höchste Vollkommenheit erlangt, wie von dir, Hochgesegnete, meinetwegen, du im Gelübde Strenge.“

Wort für Wort
evaṃ siddhiḥ parā prāptā
so wurde die höchste Vollkommenheit erlangt (Nom.Sg.f., Part.Perf.Pass.)
arundhatyā viśuddhayā
von der reinen Arundhatī (Instr.Sg.f.)
yathā tvayā mahā-bhāge
wie von dir, Hochgesegnete (Instr.Sg.; Vok.Sg.f.)
mad-artham saṃśita-vrate
meinetwegen, Strenge im Gelübde (Adv.; Vok.Sg.f.)

Sprecher ab hier: Indra zu Srucāvatī (aus dem Zusammenhang).

viśeṣo hi tvayā bhadre vrate hy asmin samarpitaḥ; tathā cedaṃ dadāmy adya niyamena sutoṣitaḥ

„Denn du hast in diesem Gelübde Besonderes geleistet, Gute; und so gebe ich dir heute dies, durch deine Observanz wohl zufriedengestellt.“

Wort für Wort
viśeṣaḥ hi tvayā bhadre
Besonderes ja von dir, Gute (Nom.Sg.m.; Instr.; Vok.Sg.f.)
vrate hi asmin samarpitaḥ
im Gelübde, in diesem, ist erbracht (Lok.; Part.Perf.Pass.)
tathā ca idam dadāmi adya
und so dies gebe ich heute (1.Sg.Präs.)
niyamena su-toṣitaḥ
durch Observanz wohl zufriedengestellt (Instr.; Part.Perf.Pass.Kaus.)

viśeṣaṃ tava kalyāṇi prayacchāmi varaṃ vare; arundhatyā varas tasyā yo datto vai mahātmanā

„Dir, Glückverheißende, gewähre ich eine besondere Gunst, du Erlesene: jene Gunst, die der Arundhatī von dem Hochgesinnten gegeben wurde.“

Wort für Wort
viśeṣaṃ tava kalyāṇi
eine besondere [Gunst] dir, Glückverheißende (Akk.Sg.m.; Gen./Dat.; Vok.)
prayacchāmi varaṃ vare
gewähre ich, die Gunst, Erlesene (1.Sg.Präs.; Akk.; Vok.Sg.f.)
arundhatyāḥ varaḥ tasyāḥ
der Arundhatī Gunst, ihre (Gen.Sg.f.; Nom.Sg.m.)
yaḥ dattaḥ vai mahā-ātmanā
welche gegeben wurde vom Hochgesinnten (Part.Perf.Pass.; Instr.Sg.m.)

Textlich unsicher: „arundhatyā“ (Instr.) statt Gen. steht im Text; verstanden als Gunst „für Arundhatī“ [?].

tasya cāhaṃ prasādena tava kalyāṇi tejasā; pravakṣyāmy aparaṃ bhūyo varam atra yathāvidhi

„Und durch dessen Gnade werde ich dir, Glückverheißende, kraft meiner Glut abermals eine weitere Gunst hier gemäß der Ordnung verkünden.“

Wort für Wort
tasya ca aham prasādena
und durch dessen Gnade ich (Gen.; Instr.Sg.)
tava kalyāṇi tejasā
dir, Glückverheißende, durch Glut (Gen./Dat.; Vok.; Instr.Sg.n.)
pravakṣyāmi aparaṃ bhūyaḥ
werde verkünden eine weitere wieder (1.Sg.Fut.; Akk.Sg.m.)
varam atra yathā-vidhi
eine Gunst hier ordnungsgemäß (Akk.Sg.m.; Adv.)

yas tv ekāṃ rajanīṃ tīrthe vatsyate susamāhitaḥ; sa snātvā prāpsyate lokān dehanyāsāc ca durlabhān

„Wer aber eine Nacht an diesem Tīrtha wohlgesammelt verweilen wird, der wird, nach dem Bad, Welten erlangen, die sonst schwer erreichbar sind, und zwar durch das Ablegen des Leibes.“

Wort für Wort
yaḥ tu ekāṃ rajanīṃ tīrthe
wer aber eine Nacht am Tīrtha (Nom.; Akk.Sg.f.; Lok.Sg.n.)
vatsyate su-samāhitaḥ
verweilen wird, wohlgesammelt (3.Sg.Fut.Med.; Nom.Sg.m.)
saḥ snātvā prāpsyate lokān
der, nachdem er gebadet hat, wird erlangen Welten (Abs.Ger.; 3.Sg.Fut.Med.; Akk.Pl.)
deha-nyāsāt ca durlabhān
und durch das Ablegen des Leibes, schwer erreichbare (Abl.Sg.m.; Akk.Pl.m.)

ity uktvā bhagavān devaḥ sahasrākṣaḥ pratāpavān; srucāvatīṃ tataḥ puṇyāṃ jagāma tridivaṃ punaḥ

Nachdem er so gesprochen hatte, ging der erhabene Gott, der Tausendäugige, der Machtvolle, von der heiligen Srucāvatī wieder zum Himmel fort.

Wort für Wort
iti uktvā bhagavān devaḥ
so gesagt habend, der erhabene Gott (Abs.Ger.)
sahasra-akṣaḥ pratāpavān
der Tausendäugige, der Machtvolle (Nom.Sg.m.)
srucāvatīm tataḥ puṇyām
zur Srucāvatī, der heiligen, darauf (Akk.Sg.f.)
jagāma tri-divaṃ punaḥ
ging zum Himmel wieder (3.Sg.Perf.; Akk.Sg.m.)

Der Text bietet srucāvatīm (Akk.), wohl als [Tīrtha] Srucāvatī oder Verlassen der Srucāvatī zu verstehen [?].

gate vajradhare rājaṃs tatra varṣaṃ papāta ha; puṣpāṇāṃ bharataśreṣṭha divyānāṃ divyagandhinām

Als der Vajra-Träger fortgegangen war, König, fiel dort ein Regen von Blumen, ihr Bester der Bhārata, göttlichen, göttlich duftenden.

Wort für Wort
gate vajra-dhare rājan
als der Vajra-Träger gegangen war, König (Lok.abs.; Vok.Sg.)
tatra varṣaṃ papāta ha
dort fiel ein Regen (Nom.Sg.n.; 3.Sg.Perf.)
puṣpāṇāṃ bharata-śreṣṭha
von Blumen, Bester der Bharata (Gen.Pl.; Vok.Sg.)
divyānāṃ divya-gandhinām
göttlicher, göttlich duftender (Gen.Pl.n.)

nedur dundubhayaś cāpi samantāt sumahāsvanāḥ; mārutaś ca vavau yuktyā puṇyagandho viśāṃ pate

Und Pauken dröhnten ringsum mit gewaltigem Schall, und ein heiliger Duft tragender Wind wehte in rechter Weise, Herr der Menschen.

Wort für Wort
neduḥ dundubhayaḥ ca api
und dröhnten die Pauken auch (3.Pl.Perf.; Nom.Pl.f.)
samantāt su-mahā-svanāḥ
ringsum, mit sehr großem Schall (Adv.; Nom.Pl.f.)
mārutaḥ ca vavau yuktyā
und der Wind wehte in geziemender Weise (Nom.Sg.; 3.Sg.Perf.; Instr.Sg.f.)
puṇya-gandhaḥ viśām pate
heiligen Duft tragend, Herr der Menschen (Nom.Sg.m.; Vok.Sg.)

utsṛjya tu śubhaṃ dehaṃ jagāmendrasya bhāryatām; tapasogreṇa sā labdhvā tena reme sahācyuta

Sie aber legte den schönen Leib ab und ging ein in die Stellung von Indras Gattin; durch die grimme Askese erlangte sie ihn und erfreute sich mit dem Unerschütterlichen.

Wort für Wort
utsṛjya tu śubhaṃ deham
abgelegt habend aber den schönen Leib (Abs.Ger.; Akk.Sg.m.)
jagāma indrasya bhāryatām
ging zu Indras Gattinnenschaft (3.Sg.Perf.; Gen.; Akk.Sg.f.)
tapasā ugreṇa sā labdhvā
durch grimme Askese sie, erlangt habend (Instr.; Nom.Sg.f.; Abs.Ger.)
tena reme saha acyuta
mit ihm erfreute sie sich, [mit dem] Unerschütterlichen (Instr.; 3.Sg.Perf.Med.; Adv.; Akk./Kompos.)

„sahācyuta“ hier als „saha + acyuta“ (Beiname Indras) verstanden [?]; alternativ Vokativ „Unfallener“ an Janamejaya.

janamejaya uvāca; kā tasyā bhagavan mātā kva saṃvṛddhā ca śobhanā; śrotum icchāmy ahaṃ brahman paraṃ kautūhalaṃ hi me

Janamejaya sprach: „Wer war ihre Mutter, Erhabener, und wo wuchs die Schöne heran? Das möchte ich hören, Brahmane; denn meine Neugier ist überaus groß.“

Wort für Wort
janamejayaḥ uvāca
Janamejaya sprach (Nom.; 3.Sg.Perf.)
kā tasyāḥ bhagavan mātā
wer war ihre Mutter, Erhabener (Nom.Sg.f.; Gen.; Vok.)
kva saṃvṛddhā ca śobhanā
und wo wuchs sie heran, die Schöne (Part.Perf.Pass. Nom.Sg.f.)
śrotum icchāmi aham brahman
hören will ich, Brahmane (Inf.; 1.Sg.Präs.; Vok.)
param kautūhalam hi me
überaus große Neugier ja mir (Nom.Sg.n.; Dat./Gen.)

vaiśaṃpāyana uvāca; bhāradvājasya viprarṣeḥ skannaṃ reto mahātmanaḥ; dṛṣṭvāpsarasam āyāntīṃ ghṛtācīṃ pṛthulocanām

Vaiśaṃpāyana sprach: „Der Same des großherzigen Brahmanenweisen Bhāradvāja fiel herab, als er die Apsaras Ghṛtācī mit breiten Augen herankommen sah.“

Wort für Wort
vaiśaṃpāyanaḥ uvāca
Vaiśaṃpāyana sprach (3.Sg.Perf.)
bhāradvājasya vipra-ṛṣeḥ
des Bhāradvāja, des Brahmanenweisen (Gen.Sg.)
skannaṃ retaḥ mahā-ātmanaḥ
fiel der Same, des Großherzigen (Nom.Sg.n., Part.Perf.Pass.; Gen.)
dṛṣṭvā apsarasam āyāntīm
gesehen habend die Apsaras herankommend (Abs.Ger.; Akk.Sg.f., Part.Präs.)
ghṛtācīm pṛthu-locanām
Ghṛtācī, die Breitäugige (Akk.Sg.f.)

sa tu jagrāha tad retaḥ kareṇa japatāṃ varaḥ; tadāvapat parṇapuṭe tatra sā saṃbhavac chubhā

Er, der Beste der Rezitierenden, fing jenen Samen mit der Hand auf; dann legte er ihn in einen Blätterbecher, und dort entstand die Schöne.

Wort für Wort
saḥ tu jagrāha tat retaḥ
er aber fing jenen Samen (3.Sg.Perf.; Akk.Sg.n.)
kareṇa japatām varaḥ
mit der Hand, der Beste der Murmelnden [Betenden] (Instr.; Gen.Pl.; Nom.Sg.)
tadā avapat parṇa-puṭe
da legte er hin in einen Blätterbecher (3.Sg.Impf.; Lok.Sg.m.)
tatra sā saṃbhavat śubhā
dort sie entstand, die Schöne (3.Sg.Impf.; Nom.Sg.f.)

tasyās tu jātakarmādi kṛtvā sarvaṃ tapodhanaḥ; nāma cāsyāḥ sa kṛtavān bhāradvājo mahāmuniḥ

Nachdem er, dessen Reichtum die Askese war, für sie alles vollzogen hatte, beginnend mit der Geburtsweihe, gab ihr der große Weise Bhāradvāja auch den Namen:

Wort für Wort
tasyāḥ tu jāta-karma-ādi
für sie aber die Geburtsweihe und das Weitere (Gen.Sg.f.; Akk.Sg.n.)
kṛtvā sarvam tapaḥ-dhanaḥ
alles vollzogen habend, der Askese-Reiche (Abs.Ger.; Nom.Sg.m.)
nāma ca asyāḥ saḥ kṛtavān
und den Namen für sie gab (machte) er (Akk.Sg.n.; Gen.Sg.f.; Part.Perf.Akt.)
bhāradvājaḥ mahā-muniḥ
Bhāradvāja, der große Weise (Nom.Sg.m.)

srucāvatīti dharmātmā tadarṣigaṇasaṃsadi; sa ca tām āśrame nyasya jagāma himavadvanam

„Srucāvatī“ — [so nannte sie] der dharmagesinnte [Weise] in der Versammlung der Seherscharen; und er ließ sie in der Einsiedelei zurück und ging in den Wald des Himavat.

Wort für Wort
srucāvatī iti dharma-ātmā
„Srucāvatī“ so, der Dharma-gesinnte (Nom.Sg.f.; Nom.Sg.m.)
tad-ṛṣi-gaṇa-saṃsadi
in der Versammlung der Seherscharen dort (Lok.Sg.f.)
saḥ ca tām āśrame nyasya
und er ließ sie in der Einsiedelei zurück (Abs.Ger.; Akk.Sg.f.; Lok.)
jagāma himavat-vanam
ging in den Wald des Himavat (3.Sg.Perf.; Akk.Sg.n.)

Der Name „srucāvatī“ ist Objekt zu kṛtavān aus dem vorigen Vers; „srucā“ = Opferlöffel (sruc) + vatī.

tatrāpy upaspṛśya mahānubhāvo; vasūni dattvā ca mahādvijebhyaḥ; jagāma tīrthaṃ susamāhitātmā; śakrasya vṛṣṇipravaras tadānīm

Dort ebenfalls badete der Großmächtige und schenkte den großen Brahmanen Reichtümer; dann zog der Erste der Vṛṣṇi, mit gesammeltem Geist, damals zum Tīrtha des Śakra.

Wort für Wort
tatra api upaspṛśya mahā-anubhāvaḥ
auch dort, nachdem er das rituelle Bad genommen hatte, der Großmächtige (Abs.Ger.; Nom.Sg.m.)
vasūni dattvā ca
und Reichtümer gegeben habend (Akk.Pl.n.; Abs.Ger.)
mahā-dvijebhyaḥ
den großen Brahmanen (Dat.Pl.)
jagāma tīrtham su-samāhita-ātmā
ging zum Tīrtha, mit wohlgesammeltem Geist (3.Sg.Perf.; Akk.; Nom.Sg.m.)
śakrasya vṛṣṇi-pravaraḥ tadānīm
des Śakra, der Beste der Vṛṣṇi, damals (Gen.; Nom.Sg.m.)

Subjekt ist Balarāma (Rāma), der Vṛṣṇi-Held aus 047.001.

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