Kapitel 28: duryodhanāpayānaṃ saṃjayavṛttāntaś ca yuyutsuvidurasamāgamaś ca
Untergang des Heeres, Duryodhanas Flucht zum See, Saṃjayas Rückkehr und Yuyutsu bei Vidura
Nach dem Fall Śakunis wird der Rest des Kaurava-Heeres vernichtet; Duryodhana flieht allein zu einem See. Saṃjaya berichtet Dhṛtarāṣṭra von seiner Gefangennahme und Freilassung, von den drei überlebenden Wagenkämpfern und von der Flucht in die Stadt, wo Yuyutsu Vidura Bericht erstattet.
Saṃjaya sprach: Da, o Großkönig, gingen die Gefolgsleute des Saubala [Śakuni], zornerfüllt und ihr Leben preisgebend, im Schlachtgetümmel auf die Pāṇḍavas los und umzingelten sie.
Wort für Wort
saṃjaya uvāca
Saṃjaya sprach (Perf.)
tataḥ kruddhā mahārāja
da, zornig, o Großkönig (Nom.Pl./Vok.)
saubalasya padānugāḥ
des Saubala Fußfolger, Gefolgsleute (Gen./Nom.Pl.)
tyaktvā jīvitam ākrande
das Leben aufgebend im Schlachtruf/Kampfgetümmel (Abs./Lok.)
tān arjunaḥ pratyagṛhṇāt sahadevajaye dhṛtaḥ; bhīmasenaś ca tejasvī kruddhāśīviṣadarśanaḥ
Ihnen trat Arjuna entgegen, entschlossen, den Sieg über Sahadeva [zu verhindern bzw. ihn zu schützen] [?], und Bhīmasena, der Glänzende, mit dem Blick einer zornigen Giftschlange.
Wort für Wort
tān arjunaḥ pratyagṛhṇāt
sie, Arjuna, nahm auf/hielt entgegen (Akk.Pl./Nom.Sg./3.Sg.Impf.)
sahadevajaye dhṛtaḥ
auf den Sieg über Sahadeva bedacht (Lok./Part.Pass.) [?]
bhīmasenaś ca tejasvī
und Bhīmasena, der glanzvolle (Nom.Sg.)
kruddhāśīviṣadarśanaḥ
zornige-Giftschlange-gleich im Anblick (Kompositum, Nom.Sg.)
Sahadevajaye dhṛtaḥ ist unsicher; möglich auch: auf Sahadevas Sieg gerichtet.
Seine Worte nahmen jene im Kampf trunkenen [Krieger] auf dem Haupt entgegen [d. h. ehrerbietig] und zogen auf Befehl deines Sohnes den Pārthas im Kampf entgegen.
Wort für Wort
tasya te śirasā gṛhya
seine, jene, mit dem Kopf ergreifend (Gen./Nom.Pl./Abs.)
vacanaṃ yuddhadurmadāḥ
das Wort, kampfberauscht (Akk./Nom.Pl.)
pratyudyayū raṇe pārthān
zogen entgegen im Kampf den Pārthas (3.Pl.Perf./Lok./Akk.Pl.)
tat sainyaṃ bharataśreṣṭha muhūrtena mahātmabhiḥ; avadhyata raṇaṃ prāpya trātāraṃ nābhyavindata; pratiṣṭhamānaṃ tu bhayān nāvatiṣṭhata daṃśitam
Dieses Heer, o Bester der Bharatas, wurde im Nu von den Hochgesinnten niedergemacht; im Kampf fand es keinen Beschützer. Und es [sc. der gepanzerte Krieger] wich, obwohl er aufbrach, aus Furcht nicht [mehr] zurück, sondern blieb nicht stehen, gepanzert.
Wort für Wort
tat sainyaṃ bharataśreṣṭha
dieses Heer, o Bester der Bharatas (Nom./Vok.)
muhūrtena mahātmabhiḥ avadhyata
in einem Augenblick von den Hochgesinnten wurde erschlagen (Instr./Instr.Pl./3.Sg.Pass.Impf.)
raṇaṃ prāpya trātāraṃ nābhyavindata
den Kampf erreichend, einen Retter fand es nicht (Abs./Akk./3.Sg.Impf.Med.)
pratiṣṭhamānaṃ tu bhayān nāvatiṣṭhata daṃśitam
aufbrechend, aber aus Furcht hielt er nicht stand, der Gepanzerte (Part./Abl./3.Sg.Impf./Part.)
Der letzte Pāda ist syntaktisch schwierig; die Wiedergabe ist unsicher.
aśvair viparidhāvadbhiḥ sainyena rajasā vṛte; na prājñāyanta samare diśaś ca pradiśas tathā
Als die Pferde nach allen Seiten liefen und das Heer von Staub bedeckt war, konnte man im Kampf weder die Himmelsrichtungen noch die Zwischenrichtungen erkennen.
Wort für Wort
aśvair viparidhāvadbhiḥ
durch die umherlaufenden Pferde (Instr.Pl./Part.)
sainyena rajasā vṛte
vom Heer, vom Staub bedeckt (Instr./Instr./Lok.abs.)
na prājñāyanta samare
man erkannte nicht im Kampf (3.Pl.Pass.Impf./Lok.)
diśaś ca pradiśas tathā
Himmelsrichtungen und Zwischenrichtungen ebenso (Nom.Pl.)
tatas tu pāṇḍavānīkān niḥsṛtya bahavo janāḥ; abhyaghnaṃs tāvakān yuddhe muhūrtād iva bhārata; tato niḥśeṣam abhavat tat sainyaṃ tava bhārata
Da aber traten viele Männer aus den Reihen der Pāṇḍavas hervor und schlugen im Kampf die Deinen, o Bhārata, gleichsam in einem Augenblick; dann blieb, o Bhārata, von diesem deinem Heer nichts übrig.
Wort für Wort
tatas tu pāṇḍavānīkān niḥsṛtya
da aber, aus dem Pāṇḍava-Heer hervorgetreten (Abl./Abs.)
bahavo janāḥ abhyaghnaṃs tāvakān
viele Leute schlugen die Deinen (Nom.Pl./3.Pl.Impf./Akk.Pl.)
yuddhe muhūrtād iva bhārata
im Kampf wie in einem Augenblick, o Bhārata (Lok./Abl./Vok.)
dhṛtarāṣṭra uvāca; nihate māmake sainye niḥśeṣe śibire kṛte; pāṇḍavānāṃ balaṃ sūta kiṃ nu śeṣam abhūt tadā; etan me pṛcchato brūhi kuśalo hy asi saṃjaya
Dhṛtarāṣṭra sprach: „Als mein Heer erschlagen und das Lager leer gemacht war, was blieb da, Wagenlenker, noch von der Streitmacht der Pāṇḍavas übrig? Sag mir, der ich frage, dies; denn du bist kundig, Saṃjaya.“
Wort für Wort
dhṛtarāṣṭra uvāca
Dhṛtarāṣṭra sprach
nihate māmake sainye
als mein Heer erschlagen war (Lok.abs.)
niḥśeṣe śibire kṛte
das Lager ohne Rest gemacht (Lok.abs.)
pāṇḍavānāṃ balaṃ sūta
der Pāṇḍavas Streitmacht, o Wagenlenker (Gen.Pl./Nom./Vok.)
kiṃ nu śeṣam abhūt tadā
was nun als Rest war damals (Nom./3.Sg.Aor.)
etan me pṛcchato brūhi
dies sag mir Fragendem (Akk./Dat./Imp.)
kuśalo hy asi saṃjaya
denn geschickt bist du, Saṃjaya (Nom./2.Sg.Präs./Vok.)
Nachdem er sie samt Ministern und Verwandten mit scharfen Pfeilen erschlagen hatte, strahlte Arjuna, auf dem Wagen mit weißen Rossen stehend, gewaltig.
Wort für Wort
tān hatvā niśitair bāṇaiḥ
sie erschlagend mit scharfen Pfeilen (Akk.Pl./Abs./Instr.Pl.)
sāmātyān saha bandhubhiḥ
samt Ministern, mit Verwandten (Akk.Pl./Instr.Pl.)
rathe śvetahaye tiṣṭhann
auf dem Wagen mit weißen Rossen stehend (Lok./Part.)
Als Dvaipāyanas Wort gehört war, sagte der Urenkel des Śini mit gefalteten Händen zu mir und ließ mich frei: „Geh in Frieden, Saṃjaya, vollende [dein Vorhaben].“
Wort für Wort
dvaipāyanavacaḥ śrutvā
Dvaipāyanas Wort gehört habend (Abs.)
śiner naptā kṛtāñjaliḥ
der Enkel des Śini, mit gefalteten Händen (Nom. Sg. m., Bahuvrīhi)
tato mām abravīn muktvā
dann sprach er zu mir, freigelassen habend (Impf. 3.Sg./Abs.)
yasya mūrdhāvasiktānāṃ sahasraṃ maṇimaulinām; āhṛtya ca karaṃ sarvaṃ svasya vai vaśam āgatam; catuḥsāgaraparyantā pṛthivī ratnabhūṣitā; karṇenaikena yasyārthe karam āhāritā purā; yasyājñā pararāṣṭreṣu karṇenaiva prasāritā; nābhavad yasya śastreṣu khedo rājñaḥ praśāsataḥ; āsīno hastinapure kṣemaṃ rājyam akaṇṭakam; anvapālayad aiśvaryāt kuberam api nāsmarat; bhavanād bhavanaṃ rājan prayātuṃ pṛthivīpate; devālayapraveśe ca panthā yasya hiraṇmayaḥ; patākāvṛtasūryāṃśutoraṇocchritaśobhinaḥ; prayāṇe pṛthivībhartur dhanyānām abhavan gṛhāḥ; āruhyairāvataprakhyaṃ nāgam indrasamo balī; vibhūtyā sumahatyā yaḥ prayāti pṛthivīpate; taṃ bhṛśaṃ kṣatam indrābhaṃ padbhyām eva dharātale; tiṣṭhantam ekaṃ dṛṣṭvā tu mamābhūt kleśa uttamaḥ; tasya caivaṃvidhasyādya jagannāthasya bhūpate; āpadapratimaivābhūd balīyān vidhir eva hi
[Dessen] tausend gekrönte Fürsten mit Juwelendiademen, nachdem er alle Abgaben eingetrieben hatte, unter seine eigene Gewalt gekommen waren; für den die von den vier Meeren begrenzte, juwelengeschmückte Erde einst allein durch Karṇa Tribut brachte; dessen Befehl in fremden Reichen allein durch Karṇa verbreitet wurde; dem, als er herrschte, keine Mühe an den Waffen entstand; der in Hāstinapura sitzend das friedliche, dornenlose Reich kraft seiner Herrschermacht hütete und nicht einmal an Kubera dachte; dessen Weg, Herr der Erde, wenn er von Haus zu Haus ging und die Göttertempel betrat, golden war; beim Auszug des Erdherrn wurden die Häuser der Glücklichen durch Banner, verhüllte Sonnenstrahlen und hochragende Torbögen prächtig; der, Indra gleich und mächtig, auf einem dem Airāvata gleichen Elefanten mit gewaltiger Pracht auszog, Herr der Erde: ihn, den schwer Verwundeten, Indra Gleichen, nur auf seinen Füßen auf dem Erdboden allein stehen zu sehen, bereitete mir höchsten Kummer; und diesem, so beschaffen, dem Herrn der Welt, König, [wurde] heute [das Schicksal] gleichsam zum Unglück: das Geschick ist wahrlich stärker.
Wort für Wort
yasya mūrdhāvasiktānāṃ sahasraṃ maṇimaulinām
dessen tausend gekrönte, juwelenbediademte [Fürsten] (Gen. Pl. m., Kompositum)
āhṛtya ca karaṃ sarvaṃ svasya vai vaśam āgatam
und alle Abgaben herbeigebracht, unter die eigene Macht gekommen (Abs./Akk./Part. Pass.)
catuḥsāgaraparyantā pṛthivī ratnabhūṣitā
die von vier Meeren begrenzte, mit Juwelen geschmückte Erde (Nom. Sg. f.)
karṇenaikena yasyārthe karam āhāritā purā
allein durch Karṇa um dessentwillen Tribut gebracht, einst (Instr. / Part. Kaus.)
yasyājñā pararāṣṭreṣu karṇenaiva prasāritā
dessen Befehl in fremden Reichen durch Karṇa selbst verbreitet (Nom. Sg. f. / Lok. Pl. / Instr.)
nābhavad yasya śastreṣu khedo rājñaḥ praśāsataḥ
es gab keine Mühe an den Waffen für den regierenden König (Impf. 3.Sg. / Gen.)
āsīno hastinapure kṣemaṃ rājyam akaṇṭakam
in Hāstinapura sitzend, das friedliche, dornenlose Reich (Part. Präs. Med. / Akk. Sg. n.)
anvapālayad aiśvaryāt kuberam api nāsmarat
er hütete aus Herrschermacht, an Kubera nicht einmal dachte (Impf. Kaus. 3.Sg.)
bhavanād bhavanaṃ rājan prayātuṃ pṛthivīpate
von Haus zu Haus zu gehen, König, Herr der Erde (Inf. / Vok.)
devālayapraveśe ca panthā yasya hiraṇmayaḥ
und beim Betreten der Göttertempel war dessen Weg golden (Lok. / Nom. Sg. m.)
patākāvṛtasūryāṃśutoraṇocchritaśobhinaḥ
mit Bannern, verhüllten Sonnenstrahlen, hochragenden Torbögen prächtig (Gen./Nom. Pl. m., Kompositum)
prayāṇe pṛthivībhartur dhanyānām abhavan gṛhāḥ
beim Auszug des Erdherrn wurden der Glücklichen Häuser [so] (Lok. / Gen. / Impf. 3.Pl.)
der mit sehr großer Pracht auszieht, Herr der Erde (Instr. Sg. f. / Präs. 3.Sg.)
taṃ bhṛśaṃ kṣatam indrābhaṃ padbhyām eva dharātale
ihn, schwer verwundet, Indra gleich, nur auf den Füßen auf dem Erdboden (Akk. / Instr. Du. / Lok.)
tiṣṭhantam ekaṃ dṛṣṭvā tu mamābhūt kleśa uttamaḥ
allein stehend gesehen, entstand mir höchster Kummer (Akk. Part. / Abs. / Aor. 3.Sg.)
tasya caivaṃvidhasyādya jagannāthasya bhūpate
und diesem solchen heute, dem Herrn der Welt, König (Gen. Sg. / Vok.)
āpadapratimaivābhūd balīyān vidhir eva hi
wie ein Unglück war es; das Geschick ist fürwahr stärker (Impf. 3.Sg. / Nom. Sg. m. Komp.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Syntax der Verse teils lückenhaft bzw. verderbt (v. a. Pādas 1-2, 3-4, 19-20), Wiedergabe unsicher [?].
Da berichtete ich ihnen, dass der König wohlauf sei, und erzählte ihnen alles, was Duryodhana zu mir gesagt hatte, und nannte den See, in den der Herr der Menschen eingetreten war.
Wort für Wort
ākhyātavān ahaṃ tebhyas
ich berichtete ihnen (Part. Perf. Akt. Nom. / Dat. Pl.)
tadā kuśalinaṃ nṛpam
damals, dass der König wohlauf sei (Akk. Sg. m.)
tac caiva sarvam ācakṣaṃ
und all das erzählte ich (Impf. 1.Sg.)
yan māṃ duryodhano 'bravīt
was Duryodhana zu mir sagte (Impf. 3.Sg.)
hradaṃ caivāham ācaṣṭa
und den See nannte ich (Aor./Impf. 1.Sg. Med.)
yaṃ praviṣṭo narādhipaḥ
in den der Herr der Menschen eingetreten war (Part. Pass. Nom. Sg. m.)
ācaṣṭa ist als 1.Sg. formal ungewöhnlich (Impf. Med. 3.Sg. bzw. verderbt); Sinn klar [?].
Auch die Torhüter, o Herr der Menschen, mit zerfaserten Rohrstöcken in den Händen, nahmen glänzende Ruhebetten mit kostbaren Decken und zogen, die Frauen bewachend, eilig zur Stadt.
Wort für Wort
vetra-jarjara-hastāḥ ca dvāra-adhyakṣāḥ viśāṃ pate
und die Torhüter mit zerfaserten Rohrstöcken in den Händen, o Herr der Menschen (Nom.Pl. / Vok.)
śayanīyāni śubhrāṇi
Ruhebetten, glänzende (Akk.Pl.n.)
spardhya-āstaraṇavanti ca
und mit begehrenswerten Decken versehen (Akk.Pl.n.)
„Duryodhana, der Herr der elf Heere, ist im Kampf von den Pāṇḍavas mit furchtbarer Tapferkeit besiegt; seine Brüder sind erschlagen, und erschlagen sind alle Kurus, die Bhīṣma und Droṇa an der Spitze hatten.“
Wort für Wort
jitaḥ duryodhanaḥ saṃkhye
besiegt ist Duryodhana im Kampf (PPP Nom.Sg. / Lok.)
pāṇḍavaiḥ bhīma-vikramaiḥ
von den Pāṇḍavas mit furchtbarer Tapferkeit (Instr.Pl.)
„Hierhin und dorthin fliehen sie, ohne Herrn, der Kraft beraubt, nie zuvor gesehen [in solcher Lage], vom Leid gequält, die Augen von Furcht verstört, gleich verängstigten Gazellen, [ringsum] in die zehn Himmelsrichtungen blickend.“
Wort für Wort
itaḥ tataḥ palāyante
hierhin und dorthin fliehen sie (3.Pl.Präs.Med.)
hata-nāthāḥ hata-ojasaḥ
deren Herr erschlagen, deren Kraft zerstört (Nom.Pl.)
adṛṣṭa-pūrvāḥ duḥkha-ārtāḥ
nie zuvor gesehen, von Leid bedrängt (Nom.Pl.)
bhaya-vyākula-locanāḥ
mit von Furcht verstörten Augen (Nom.Pl.)
hariṇāḥ iva vitrastāḥ
wie erschreckte Gazellen (Nom.Pl. / PPP)
prekṣyamāṇāḥ diśaḥ daśa
in die zehn Richtungen blickend (Part. Pass.-Form, Nom.Pl. / Akk.Pl.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). prekṣyamāṇāḥ steht passivisch; sinngemäß „(um sich) blickend“. Zusatzpassage der kritischen Ausgabe.
„Ich halte es für an der Zeit, o Mächtiger, mit ihnen [in die Stadt] einzuziehen, nachdem ich von Yudhiṣṭhira und ebenso von Bhīmasena die Erlaubnis erhalten habe.“
Wort für Wort
prāpta-kālam aham manye
ich halte für an der Zeit (Akk.n. / 1.Sg.Präs.)
praveśam taiḥ saha
den Einzug mit ihnen (Akk. / Instr.Pl. + Postp.)
abhibho
o Mächtiger (Vok.Sg.)
yudhiṣṭhiram anujñāpya
Yudhiṣṭhira um Erlaubnis gebeten habend (Akk. / Abs.)
Diese Sache trug der Starkarmige den beiden vor; der König freute sich darüber, der stets Mitgefühl Kennende. Der Starkarmige umarmte den Sohn der Vaiśyā und entließ ihn.
Wort für Wort
etam artham mahā-bāhuḥ
diese Sache, der Starkarmige (Akk. / Nom.Sg.)
ubhayoḥ saḥ nyavedayat
den beiden trug er vor (Gen.Du. / Impf.3.Sg.)
tasya prītaḥ abhavat rājā
darüber wurde erfreut der König (Gen. / PPP / Impf.)
nityam karuṇa-veditā
stets Mitleid Kennender (Nom.Sg.)
pariṣvajya mahā-bāhuḥ
umarmt habend, der Starkarmige (Abs. / Nom.Sg.)
vaiśyā-putram vyasarjayat
den Sohn der Vaiśyā entließ er (Akk. / Impf.3.Sg.)
Der zweite „Starkarmige“ ist nach dem Zusammenhang Yudhiṣṭhira; „karuṇaveditā“ sinngemäß gedeutet [?].
tam abravīt satyadhṛtiḥ praṇataṃ tv agrataḥ sthitam; asmin kurukṣaye vṛtte diṣṭyā tvaṃ putra jīvasi
Zu ihm, der sich verneigt vor ihm hingestellt hatte, sprach der Wahrhaftige: „Da dieser Untergang der Kurus eingetreten ist, lebst du, mein Sohn, zum Glück noch.“
Wort für Wort
tam abravīt satya-dhṛtiḥ
zu ihm sprach der in der Wahrheit Feste (Akk. / Impf. / Nom.Sg.)
praṇatam tu agrataḥ sthitam
der sich verneigt hatte und davor stand (PPP Akk.)
asmin kuru-kṣaye vṛtte
da dieser Untergang der Kurus eingetreten ist (Lok.abs.)
diṣṭyā tvam putra jīvasi
zum Glück, du, Sohn, lebst (Instr. / Nom. / Vok. / 2.Sg.Präs.)
Yuyutsu sprach: „Nachdem Śakuni mit seiner Verwandtschaft, seinen Söhnen und Angehörigen erschlagen war, o Vater, floh König Duryodhana, nur noch mit dem Rest seines Gefolges, sein Pferd zurücklassend, aus Furcht mit dem Gesicht nach Osten.“
Wort für Wort
yuyutsuḥ uvāca
Yuyutsu sprach (Perf.3.Sg.)
nihate śakunau tāta
als Śakuni erschlagen war, o Vater (Lok.abs. / Vok.)
sa-jñāti-suta-bāndhave
samt Verwandten, Söhnen und Angehörigen (Lok.Sg.)
hata-śeṣa-parivāraḥ rājā duryodhanaḥ tataḥ
mit übrig gebliebenem Gefolge, König Duryodhana, darauf (Nom.Sg.)
svakam sa hayam utsṛjya
sein eigenes Pferd zurücklassend (Akk. / Abs.)
prāṅmukhaḥ prādravat bhayāt
nach Osten gewandt floh er aus Furcht (Nom.Sg. / Impf.3.Sg. / Abl.)
„hataśeṣaparīvāraḥ“ auch als „dessen Gefolge erschlagen war, [nur Rest]“ verständlich.
„Darauf zog ich, nachdem ich den König samt Keśava um Erlaubnis gebeten hatte, in Hāstinapura ein, [sie] schützend, damit man nicht vom Volk getadelt werde.“
Wort für Wort
tataḥ aham samanujñāpya
darauf ich, um Erlaubnis gebeten habend (Abs.)
rājānam saha-keśavam
den König samt Keśava (Akk.)
praviṣṭaḥ hāstinapuram
zog ein in Hāstinapura (PPP Nom.Sg. / Akk.)
rakṣan lokāt hi vācyatām
schützend, wegen Tadels vom Volk (Part.Präs. / Abl. / Akk.)
„lokād dhi vācyatām“ unsicher; sinngemäß: um Tadel der Leute zu vermeiden [?].
Als Vidura, der alle Pflichten kannte, diese von dem Sohn der Vaiśyā gesprochene Rede gehört und erkannt hatte, dass es an der Zeit war, ehrte der Unermessliche den redekundigen Yuyutsu.
„Von dir wurde aus Mitgefühl die Familienpflicht bedacht. Zum Glück, mein Lieber, haben wir dich aus diesem Kampf, dem Untergang der Helden, zur Stadt gekommen gesehen, wir, das Volk, wie [man] die Sonne [sieht]. Des blinden Königs Stab bist du, des Gierigen, nicht weit Blickenden, der oft [um Rat] gebeten wurde, dessen Sinn vom Schicksal geschlagen ist; du allein, mein Sohn, wirst dem vom Unglück Gequälten stets zur Stütze gehalten.“
der Stab des blinden Königs, des gierigen, kurzsichtigen (Gen. / Nom.Sg.)
bahuśaḥ yācyamānasya daiva-upahata-cetasaḥ
oft Gebetenen, dessen Geist vom Schicksal geschlagen (Gen.)
tvam ekaḥ vyasana-ārtasya dhriyase putra sarvadā
du allein wirst dem Leidbedrängten gehalten, Sohn, stets (Pass.2.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage. Die Konstruktion von „aṃśumantam iva prajāḥ“ ist unsicher; „dhriyase“ sinngemäß als „bist die Stütze“ wiedergegeben [?].
Als er die Stadt- und Landbewohner vor Kummer laut „Weh, weh!“ rufen hörte und [den Palast] freudlos, glanzlos sah, wie einen Teich, dessen Elefanten geraubt sind, leer, zerstört, wurde er noch niedergeschlagener. Vidura, der alle Pflichten kannte, trat mit erschüttertem Inneren ein, o König, und seufzte leise, immer wieder.
Wort für Wort
paura-jānapadaiḥ duḥkhāt hā hā iti bhṛśa-nāditam
von Stadt- und Landbewohnern aus Leid laut mit „Weh, weh!“ erfüllt (Instr.Pl. / Abl. / PPP)
nirānandam gata-śrīkam
freudlos, glanzlos (Akk.Sg.)
hṛta-nāgam iva āśayam
wie einen Teich, dem die Elefanten geraubt (Akk.)
śūnya-rūpam apadhvastam dṛṣṭvā
leer aussehend, zerstört, gesehen habend (Abs.)
dhvastataraḥ abhavat viduraḥ sarva-dharma-jñaḥ
noch niedergeschlagener wurde Vidura, der alle Pflichten kennt (Komp. Nom. / Impf.)
mit verstörtem Inneren trat er ein, o König, seufzte leise (Instr. / Perf. / Vok. / Perf.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; „nṛpate rājan“ doppelte Anrede, vermutlich verderbt.