Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śalyaparva

Kapitel 51: vṛddhakanyākathā Die Geschichte von der alten Jungfrau und Balarāmas Vernehmen des Kurukṣetra-Verdienstes

Auf Janamejayas Frage erzählt Vaiśaṃpāyana von der Tochter des Kuṇi Gārgya, die in strenger Askese alt wird, von Nārada auf ihre Ehelosigkeit hingewiesen wird und schließlich Śṛṅgavān heiratet. Am Ende hört Baladeva vom Tod Śalyas und fragt die Weisen nach dem Verdienst des Kurukṣetra.

janamejaya uvāca; kathaṃ kumārī bhagavaṃs tapoyuktā hy abhūt purā; kimarthaṃ ca tapas tepe ko vāsyā niyamo 'bhavat

Janamejaya sprach: Wie, o Ehrwürdiger, war einst eine Jungfrau der Askese ergeben? Zu welchem Zweck übte sie Askese, und welches Gelübde hatte sie?

Wort für Wort
janamejaya uvāca
Janamejaya sprach (Perf.)
kathaṃ kumārī bhagavan
wie [war] die Jungfrau, o Ehrwürdiger (Nom.Sg.f./Vok.)
tapoyuktā hy abhūt purā
der Askese ergeben, wahrlich, war sie einst (Aor. 3.Sg.)
kimarthaṃ ca tapas tepe
und zu welchem Zweck übte sie Askese (Perf. 3.Sg.)
ko vāsyā niyamo 'bhavat
oder welches Gelübde war ihr eigen (Nom.Sg.m./Gen.Sg.f., Impf.)

suduṣkaram idaṃ brahmaṃs tvattaḥ śrutam anuttamam; ākhyāhi tattvam akhilaṃ yathā tapasi sā sthitā

Sehr schwer zu vollbringen ist dies, o Brahmane, das ich von dir als Unübertroffenes vernommen habe. Berichte die ganze Wahrheit darüber, wie sie in der Askese verharrte.

Wort für Wort
suduṣkaram idaṃ brahman
sehr schwer zu tun [ist] dies, o Brahmane (Nom./Akk.Sg.n./Vok.)
tvattaḥ śrutam anuttamam
von dir gehört, unübertroffen (Abl./Part.Pass. Nom.Sg.n.)
ākhyāhi tattvam akhilam
berichte die Wahrheit, vollständig (Imp. 2.Sg./Akk.Sg.n.)
yathā tapasi sā sthitā
wie sie in der Askese feststand (Lok.Sg./Part.Pass. Nom.Sg.f.)

vaiśaṃpāyana uvāca; ṛṣir āsīn mahāvīryaḥ kuṇir gārgyo mahāyaśāḥ; sa taptvā vipulaṃ rājaṃs tapo vai tapatāṃ varaḥ; mānasīṃ sa sutāṃ subhrūṃ samutpāditavān vibhuḥ

Vaiśaṃpāyana sprach: Es war ein Seher von großer Kraft, Kuṇi Gārgya, von großem Ruhm. Nachdem er, o König, gewaltige Askese geübt hatte, er, der Beste unter den Asketen, brachte der Allmächtige aus dem Geist eine Tochter mit schönen Brauen hervor.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca
Vaiśaṃpāyana sprach (Perf.)
ṛṣir āsīn mahāvīryaḥ
ein Seher war da, von großer Kraft (Nom.Sg.m., Impf.)
kuṇir gārgyo mahāyaśāḥ
Kuṇi Gārgya, von großem Ruhm (Nom.Sg.m.)
sa taptvā vipulaṃ rājan tapo
er, nachdem er gewaltige Askese geübt hatte, o König (Abs./Vok.)
tapatāṃ varaḥ
der Beste der Asketen (Gen.Pl./Nom.Sg.m.)
mānasīṃ sa sutāṃ subhrūṃ samutpāditavān vibhuḥ
eine geistgeborene Tochter mit schönen Brauen brachte er hervor, der Allmächtige (Akk.Sg.f./Part.Perf.Akt.)

tāṃ ca dṛṣṭvā bhṛśaṃ prītaḥ kuṇir gārgyo mahāyaśāḥ; jagāma tridivaṃ rājan saṃtyajyeha kalevaram

Und als Kuṇi Gārgya, von großem Ruhm, sie sah, war er überaus erfreut; er ging, o König, nachdem er hier den Körper verlassen hatte, in den dritten Himmel.

Wort für Wort
tāṃ ca dṛṣṭvā bhṛśaṃ prītaḥ
und sie erblickt habend, überaus erfreut (Abs./Part.Pass. Nom.Sg.m.)
kuṇir gārgyo mahāyaśāḥ
Kuṇi Gārgya, von großem Ruhm (Nom.Sg.m.)
jagāma tridivaṃ rājan
ging zum Himmel, o König (Perf. 3.Sg./Akk.Sg.n./Vok.)
saṃtyajyeha kalevaram
hier den Körper verlassen habend (Abs./Akk.Sg.n.)

subhrūḥ sā hy atha kalyāṇī puṇḍarīkanibhekṣaṇā; mahatā tapasogreṇa kṛtvāśramam aninditā

Jene Schönbrauige aber, die Glückverheißende, mit Augen gleich Lotosblüten, die Untadelige, errichtete durch große, strenge Askese eine Einsiedelei.

Wort für Wort
subhrūḥ sā hy atha kalyāṇī
die Schönbrauige, sie nun, die Glückverheißende (Nom.Sg.f.)
puṇḍarīkanibhekṣaṇā
mit lotosgleichen Augen (Bahuvrīhi Nom.Sg.f.)
mahatā tapasogreṇa
durch große, strenge Askese (Instr.Sg.n.)
kṛtvāśramam aninditā
eine Einsiedelei errichtet habend, die Untadelige (Abs./Akk.Sg.m./Nom.Sg.f.)

upavāsaiḥ pūjayantī pitṝn devāṃś ca sā purā; tasyās tu tapasogreṇa mahān kālo 'tyagān nṛpa

Einst verehrte sie mit Fasten die Väter und die Götter. Durch ihre strenge Askese, o König, verging eine lange Zeit.

Wort für Wort
upavāsaiḥ pūjayantī
mit Fasten verehrend (Instr.Pl./Part.Präs.Nom.Sg.f.)
pitṝn devāṃś ca sā purā
die Väter und die Götter, sie einst (Akk.Pl.)
tasyās tu tapasogreṇa
ihrer aber, durch strenge Askese (Gen.Sg.f./Instr.Sg.n.)
mahān kālo 'tyagān nṛpa
eine große Zeit verstrich, o König (Nom.Sg.m./Aor. 3.Sg./Vok.)

sā pitrā dīyamānāpi bhartre naicchad aninditā; ātmanaḥ sadṛśaṃ sā tu bhartāraṃ nānvapaśyata

Auch als sie vom Vater [einem Gatten] gegeben werden sollte, wollte sie, die Untadelige, keinen Ehemann. Einen Gatten, der ihr selbst entsprach, fand sie aber nicht.

Wort für Wort
sā pitrā dīyamānāpi
sie, auch wenn vom Vater gegeben werdend (Instr.Sg.m./Part.Pass.Präs. Nom.Sg.f.)
bhartre naicchad aninditā
wollte keinen Gatten, die Untadelige (Dat.Sg.m./Impf. 3.Sg.)
ātmanaḥ sadṛśaṃ sā tu
einen ihr selbst Entsprechenden, sie aber (Gen.Sg.m./Akk.Sg.m.)
bhartāraṃ nānvapaśyata
sah keinen Gatten (Akk.Sg.m./Impf. 3.Sg.Med.)

Der Text sagt nur „vom Vater gegeben werdend“; der Vater ist nach 051.004 bereits gestorben, gemeint ist wohl frühere Absicht oder ein Vorgriff [?].

tataḥ sā tapasogreṇa pīḍayitvātmanas tanum; pitṛdevārcanaratā babhūva vijane vane

Danach, ihren Körper durch strenge Askese peinigend, widmete sie sich der Verehrung der Väter und Götter im einsamen Wald.

Wort für Wort
tataḥ sā tapasogreṇa
danach sie, durch strenge Askese (Instr.Sg.n.)
pīḍayitvātmanas tanum
peinigend den eigenen Körper (Abs./Gen.Sg.m./Akk.Sg.f.)
pitṛdevārcanaratā
an der Verehrung von Vätern und Göttern hängend (Tatpuruṣa Nom.Sg.f.)
babhūva vijane vane
wurde/war im einsamen Wald (Perf. 3.Sg./Lok.Sg.n.)

sātmānaṃ manyamānāpi kṛtakṛtyaṃ śramānvitā

Obwohl sie sich selbst für am Ziel [ihres Tuns] Angekommen hielt, war sie erschöpft von Mühsal;

Wort für Wort
sā ātmānaṃ manyamānā api
sie, obwohl sich haltend für (Part.Präs.Med. Nom.Sg.f./Akk.Sg.m.)
kṛtakṛtyaṃ
einen, der das Zu-Tuende getan hat (Akk.Sg.m.)
śramānvitā
von Mühsal erfüllt, erschöpft (Nom.Sg.f.)

Der Satz setzt sich in der folgenden Einheit fort.

jagāma vṛddhabhāvaṃ ca kaumārabrahmacāriṇī

und sie gelangte ins Greisenalter, [sie,] die von Jugend an Keuschheit übende.

Wort für Wort
jagāma vṛddhabhāvaṃ ca
und ging ins Greisenalter (Perf. 3.Sg./Akk.Sg.m.)
kaumārabrahmacāriṇī
von Jugend an Keuschheit übend (Nom.Sg.f.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften).

vārddhakena ca rājendra tapasā caiva karśitā

und, o Fürst der Könige, durch das Alter und durch die Askese wurde sie ausgezehrt.

Wort für Wort
vārddhakena ca rājendra
und durch das Alter, o Fürst der Könige (Instr.Sg.n./Vok.)
tapasā caiva
und durch die Askese (Instr.Sg.n.)
karśitā
abgemagert, ausgezehrt (Part.Pass. Nom.Sg.f.)

sā nāśakad yadā gantuṃ padāt padam api svayam; cakāra gamane buddhiṃ paralokāya vai tadā

Als sie nicht mehr imstande war, selbst auch nur einen Schritt vor den anderen zu gehen, fasste sie damals den Entschluss zum Aufbruch in die andere Welt.

Wort für Wort
sā nāśakad yadā gantum
sie vermochte nicht, als, zu gehen (Aor. 3.Sg./Inf.)
padāt padam api svayam
von Schritt zu Schritt auch nur, selbst (Abl./Akk.Sg.n.)
cakāra gamane buddhim
fasste in Bezug auf das Gehen den Entschluss (Perf. 3.Sg./Lok.Sg.n./Akk.Sg.f.)
paralokāya vai tadā
zur jenseitigen Welt, wahrlich, da (Dat.Sg.m.)

moktukāmāṃ tu tāṃ dṛṣṭvā śarīraṃ nārado 'bravīt; asaṃskṛtāyāḥ kanyāyāḥ kuto lokās tavānaghe

Als Nārada sie sah, wie sie den Körper verlassen wollte, sagte er: „Woher [sollten] einer ungeweihten Jungfrau Welten [zuteilwerden], du Makellose?“

Wort für Wort
moktukāmāṃ tu tāṃ dṛṣṭvā
sie aber, die verlassen wollte, erblickt habend (Akk.Sg.f./Abs.)
śarīraṃ nārado 'bravīt
den Körper; Nārada sagte (Akk.Sg.n./Impf. 3.Sg.)
asaṃskṛtāyāḥ kanyāyāḥ
einer ungeweihten Jungfrau (Gen.Sg.f.)
kuto lokās tavānaghe
woher Welten dir, du Makellose (Nom.Pl.m./Gen./Dat.Sg./Vok.Sg.f.)

„Ungeweiht“ (asaṃskṛtā): ohne die Ehe als Weihehandlung [?].

evaṃ hi śrutam asmābhir devaloke mahāvrate; tapaḥ paramakaṃ prāptaṃ na tu lokās tvayā jitāḥ

„So haben wir es in der Götterwelt vernommen, du Strenggelobende: Höchste Askese hast du erlangt, doch die Welten hast du nicht gewonnen.“

Wort für Wort
evaṃ hi śrutam asmābhiḥ
so ja ist es von uns gehört worden (Part.Pass./Instr.Pl.)
devaloke mahāvrate
in der Götterwelt, du mit großem Gelübde (Lok.Sg.m./Vok.Sg.f.)
tapaḥ paramakaṃ prāptam
höchste Askese ist erlangt (Nom.Sg.n./Part.Pass.)
na tu lokās tvayā jitāḥ
aber nicht die Welten von dir gewonnen (Nom.Pl.m./Instr.Sg./Part.Pass.)

tan nāradavacaḥ śrutvā sābravīd ṛṣisaṃsadi; tapaso 'rdhaṃ prayacchāmi pāṇigrāhasya sattamāḥ

Als sie diese Rede Nāradas gehört hatte, sprach sie in der Versammlung der Seher: „Die Hälfte meiner Askese gebe ich dem, der meine Hand ergreift, ihr Besten.“

Wort für Wort
tan nāradavacaḥ śrutvā
diese Rede Nāradas gehört habend (Akk.Sg.n./Abs.)
sābravīd ṛṣisaṃsadi
sie sprach in der Seherversammlung (Impf. 3.Sg./Lok.Sg.f.)
tapaso 'rdhaṃ prayacchāmi
die Hälfte der Askese gebe ich (Gen.Sg.n./Akk.Sg.n./Präs. 1.Sg.)
pāṇigrāhasya sattamāḥ
dem Hand-Ergreifer, ihr Besten (Dat./Gen.Sg.m./Vok.Pl.m.)

ity ukte cāsyā jagrāha pāṇiṃ gālavasaṃbhavaḥ; ṛṣiḥ prāk śṛṅgavān nāma samayaṃ cedam abravīt

Als dies gesagt war, ergriff ihre Hand der Seher namens Śṛṅgavān, ein Nachkomme des Gālava, aus dem Osten, und sprach diese Bedingung aus.

Wort für Wort
ity ukte cāsyā jagrāha
als so gesagt war, ergriff er ihre (Lok.abs./Gen.Sg.f./Perf. 3.Sg.)
pāṇiṃ gālavasaṃbhavaḥ
die Hand, der Gālava-Abkömmling (Akk.Sg.m./Nom.Sg.m.)
ṛṣiḥ prāk śṛṅgavān nāma
der Seher, östlich/zuvor, Śṛṅgavān mit Namen (Nom.Sg.m./Adv.)
samayaṃ cedam abravīt
und diese Bedingung sprach er (Akk.Sg.m./Impf. 3.Sg.)

„prāk“ ist als „aus dem Osten“ bzw. „zuvor“ deutbar [?].

samayena tavādyāhaṃ pāṇiṃ sprakṣyāmi śobhane; yady ekarātraṃ vastavyaṃ tvayā saha mayeti ha

„Unter einer Bedingung werde ich heute deine Hand berühren, du Schöne: wenn du mit mir eine Nacht zusammenwohnen sollst.“

Wort für Wort
samayena tavādyāham
unter einer Bedingung, heute, ich, dein (Instr.Sg.m./Nom.Sg.)
pāṇiṃ sprakṣyāmi śobhane
die Hand werde ich berühren, du Schöne (Fut. 1.Sg./Vok.Sg.f.)
yady ekarātraṃ vastavyaṃ
wenn eine Nacht zu wohnen ist (Akk.Sg.n./Gerundiv)
tvayā saha mayeti ha
von dir mit mir, so fürwahr (Instr.Sg./Part.)

tatheti sā pratiśrutya tasmai pāṇiṃ dadau tadā

„So sei es“, versprach sie und gab ihm damals die Hand.

Wort für Wort
tatheti sā pratiśrutya
„so [sei es]“, sie, zugesagt habend (Abs.)
tasmai pāṇiṃ dadau tadā
ihm die Hand gab sie damals (Dat.Sg.m./Perf. 3.Sg.)

yathādṛṣṭena vidhinā hutvā cāgniṃ vidhānataḥ

Nach der gesehenen [d. h. überlieferten] Vorschrift, nachdem er das Feuer regelgemäß mit Opfergaben bedacht hatte,

Wort für Wort
yathādṛṣṭena vidhinā
nach dem wie gesehenen Ritus (Instr.Sg.m.)
hutvā cāgniṃ vidhānataḥ
und Opfer ins Feuer dargebracht habend, regelgemäß (Abs./Akk.Sg.m./Adv.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften).

cakre ca pāṇigrahaṇaṃ tasyodvāhaṃ ca gālaviḥ

vollzog der Gālavi die Handergreifung und die Heimführung an ihr.

Wort für Wort
cakre ca pāṇigrahaṇam
und vollzog die Handergreifung (Perf. 3.Sg.Med./Akk.Sg.n.)
tasyodvāhaṃ ca gālaviḥ
und ihre Heimführung, der Gālavi (Gen.Sg.f./Akk.Sg.m./Nom.Sg.m.)

sā rātrāv abhavad rājaṃs taruṇī devavarṇinī; divyābharaṇavastrā ca divyasraganulepanā

In der Nacht wurde sie, o König, zu einer jungen Frau von götterhafter Gestalt, mit himmlischem Schmuck und Gewändern, mit himmlischen Girlanden und Salben.

Wort für Wort
sā rātrāv abhavad rājan
sie wurde in der Nacht, o König (Lok.Sg.f./Impf. 3.Sg./Vok.)
taruṇī devavarṇinī
eine junge Frau, götterfarbig/götterhaft (Nom.Sg.f.)
divyābharaṇavastrā ca
und mit himmlischem Schmuck und Gewändern (Bahuvrīhi Nom.Sg.f.)
divyasraganulepanā
mit himmlischen Girlanden und Salben (Bahuvrīhi Nom.Sg.f.)

tāṃ dṛṣṭvā gālaviḥ prīto dīpayantīm ivātmanā; uvāsa ca kṣapām ekāṃ prabhāte sābravīc ca tam

Als der Gālavi sie sah, wie sie gleichsam aus sich selbst leuchtete, war er erfreut; er weilte eine Nacht [bei ihr], und am Morgen sprach sie zu ihm:

Wort für Wort
tāṃ dṛṣṭvā gālaviḥ prītaḥ
sie erblickt habend, der Gālavi, erfreut (Abs./Nom.Sg.m.)
dīpayantīm ivātmanā
gleichsam leuchtend machend, durch sich selbst (Part.Kaus. Akk.Sg.f./Instr.Sg.m.)
uvāsa ca kṣapām ekām
und weilte eine Nacht (Perf. 3.Sg./Akk.Sg.f.)
prabhāte sābravīc ca tam
am Morgen sprach sie und zu ihm (Lok.Sg.n./Impf. 3.Sg./Akk.Sg.m.)

yas tvayā samayo vipra kṛto me tapatāṃ vara; tenoṣitāsmi bhadraṃ te svasti te 'stu vrajāmy aham

„Die Bedingung, die du, o Brahmane, mit mir gemacht hast, du Bester der Asketen: gemäß ihr habe ich [hier] gewohnt. Heil dir, Glück sei dir; ich gehe.“

Wort für Wort
yas tvayā samayo vipra kṛto me
die Bedingung, die von dir, o Brahmane, mir gemacht wurde (Instr.Sg./Vok./Part.Pass./Dat.Sg.)
tapatāṃ vara
du Bester der Asketen (Gen.Pl./Vok.Sg.m.)
tenoṣitāsmi
dadurch habe ich gewohnt (Part.Pass. + Präs. 1.Sg.)
bhadraṃ te svasti te 'stu
Heil dir, Wohl sei dir (Nom.Sg.n./Imp. 3.Sg.)
vrajāmy aham
ich gehe (Präs. 1.Sg.)

sānujñātābravīd bhūyo yo 'smiṃs tīrthe samāhitaḥ; vatsyate rajanīm ekāṃ tarpayitvā divaukasaḥ

Nachdem er Erlaubnis erhalten hatte, sprach sie weiter: „Wer an dieser Furt gesammelten Geistes eine Nacht verweilen wird, nachdem er die Himmelsbewohner [mit Wasser] gelabt hat,

Wort für Wort
sānujñātābravīd bhūyaḥ
sie, entlassen, sprach weiter (Part.Pass. Nom.Sg.f./Impf./Adv.)
yo 'smiṃs tīrthe samāhitaḥ
wer an dieser Furt, gesammelt (Lok.Sg.n./Nom.Sg.m.)
vatsyate rajanīm ekām
wird verweilen eine Nacht (Fut. 3.Sg./Akk.Sg.f.)
tarpayitvā divaukasaḥ
gelabt habend die Himmelsbewohner (Abs./Akk.Pl.m.)

Der Satz setzt sich in der folgenden Einheit fort.

catvāriṃśatam aṣṭau ca dve cāṣṭau samyag ācaret; yo brahmacaryaṃ varṣāṇi phalaṃ tasya labheta saḥ; evam uktvā tataḥ sādhvī dehaṃ tyaktvā divaṃ gatā

der erlangt den Lohn dessen, der acht und vierzig, und zwei und acht Jahre lang recht die Keuschheit geübt hat.“ Nachdem die Tugendhafte so gesprochen hatte, verließ sie den Körper und ging zum Himmel.

Wort für Wort
catvāriṃśatam aṣṭau ca
achtundvierzig und (Akk.)
dve cāṣṭau samyag ācaret
zwei und acht, recht geübt haben mag (Opt. 3.Sg.)
yo brahmacaryaṃ varṣāṇi
wer Keuschheit Jahre lang (Nom.Sg.m./Akk.Sg.n./Akk.Pl.n.)
phalaṃ tasya labheta saḥ
den Lohn dessen erlange er (Akk.Sg.n./Gen./Opt.Med.)
evam uktvā tataḥ sādhvī
so gesprochen habend, dann die Tugendhafte (Abs./Nom.Sg.f.)
dehaṃ tyaktvā divaṃ gatā
den Leib verlassen habend, zum Himmel gegangen (Abs./Akk.Sg.m./Part.Pass. Nom.Sg.f.)

Die Zahl ist als 48 plus 2 plus 8, also 58 Jahre, aufgefasst [?].

ṛṣir apy abhavad dīnas tasyā rūpaṃ vicintayan; samayena tapo 'rdhaṃ ca kṛcchrāt pratigṛhītavān

Auch der Seher wurde niedergeschlagen, indem er ihre Gestalt sich vergegenwärtigte; und gemäß der Bedingung nahm er mit Mühe die Hälfte der Askese an.

Wort für Wort
ṛṣir apy abhavad dīnaḥ
auch der Seher wurde niedergeschlagen (Nom.Sg.m./Impf. 3.Sg.)
tasyā rūpaṃ vicintayan
ihre Gestalt bedenkend (Gen.Sg.f./Akk.Sg.n./Part.Präs.)
samayena tapo 'rdhaṃ ca
gemäß der Bedingung und die Hälfte der Askese (Instr.Sg.m./Nom.Akk.Sg.n.)
kṛcchrāt pratigṛhītavān
mit Mühe angenommen habend (Abl./Part.Perf.Akt.)

sādhayitvā tadātmānaṃ tasyāḥ sa gatim anvayāt; duḥkhito bharataśreṣṭha tasyā rūpabalātkṛtaḥ; etat te vṛddhakanyāyā vyākhyātaṃ caritaṃ mahat

Nachdem er sich dann selbst [durch Askese] bereitet hatte, folgte er ihrem Weg, betrübt, o Bester der Bharata, überwältigt von ihrer Schönheit. Dies ist dir die große Geschichte von der alten Jungfrau berichtet.

Wort für Wort
sādhayitvā tadātmānam
sich bereitet/vollendet habend, dann sich selbst (Abs.Kaus./Akk.Sg.m.)
tasyāḥ sa gatim anvayāt
ihrem Weg folgte er (Gen.Sg.f./Akk.Sg.f./Aor. 3.Sg.)
duḥkhito bharataśreṣṭha
betrübt, o Bester der Bharata (Nom.Sg.m./Vok.)
tasyā rūpabalātkṛtaḥ
von ihrer Schönheit überwältigt (Gen./Bahuvrīhi/Part.Pass. Nom.Sg.m.)
etat te vṛddhakanyāyā
dies dir von der alten Jungfrau (Nom.Sg.n./Dat.Sg./Gen.Sg.f.)
vyākhyātaṃ caritaṃ mahat
berichtet, die Geschichte, groß (Part.Pass. Nom.Sg.n.)

„sādhayitvā ātmānam“ ist unsicher; auch „nachdem er sich vollendet hatte“ möglich [?].

tathaiva brahmacaryaṃ ca svargasya ca gatiḥ śubhā

Ebenso [ist berichtet] die Keuschheit und der glückliche Weg zum Himmel.

Wort für Wort
tathaiva brahmacaryaṃ ca
ebenso und die Keuschheit (Nom.Sg.n.)
svargasya ca gatiḥ śubhā
und der Weg des Himmels, glücklich (Gen.Sg.m./Nom.Sg.f.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften); Bezug elliptisch.

tatrasthaś cāpi śuśrāva hataṃ śalyaṃ halāyudhaḥ; tatrāpi dattvā dānāni dvijātibhyaḥ paraṃtapa; śuśoca śalyaṃ saṃgrāme nihataṃ pāṇḍavais tadā

Als er dort weilte, hörte der Pflugbewaffnete auch, dass Śalya erschlagen war. Auch dort gab er den Zweimalgeborenen Gaben, o Bezwinger der Feinde, und trauerte um Śalya, der damals im Kampf von den Pāṇḍavas getötet worden war.

Wort für Wort
tatrasthaś cāpi śuśrāva
und dort weilend hörte auch (Nom.Sg.m./Perf. 3.Sg.)
hataṃ śalyaṃ halāyudhaḥ
Śalya erschlagen, der Pflugbewaffnete (Part.Pass. Akk.Sg.m./Nom.Sg.m.)
tatrāpi dattvā dānāni
auch dort Gaben gegeben habend (Abs./Akk.Pl.n.)
dvijātibhyaḥ paraṃtapa
den Zweimalgeborenen, o Feindebezwinger (Dat.Pl.m./Vok.)
śuśoca śalyaṃ saṃgrāme
trauerte um Śalya im Kampf (Perf. 3.Sg./Lok.Sg.m.)
nihataṃ pāṇḍavais tadā
getötet von den Pāṇḍavas damals (Part.Pass./Instr.Pl.)

samantapañcakadvārāt tato niṣkramya mādhavaḥ; papraccharṣigaṇān rāmaḥ kurukṣetrasya yat phalam

Dann brach der Mādhava [Balarāma] vom Tor des Samantapañcaka auf und fragte die Scharen der Seher nach dem Verdienst des Kurukṣetra.

Wort für Wort
samantapañcakadvārāt
vom Tor des Samantapañcaka (Abl.Sg.n.)
tato niṣkramya mādhavaḥ
dann herausgetreten, der Mādhava (Abs./Nom.Sg.m.)
papracchar ṣigaṇān rāmaḥ
fragte die Scharen der Seher, Rāma (Perf. 3.Sg./Akk.Pl.m./Nom.Sg.m.)
kurukṣetrasya yat phalam
des Kurukṣetra, was der Lohn [ist] (Gen.Sg.n./Nom.Sg.n.)

te pṛṣṭā yadusiṃhena kurukṣetraphalaṃ vibho; samācakhyur mahātmānas tasmai sarvaṃ yathātatham

Von dem Löwen der Yadu befragt, o Herr, berichteten die Hochgesinnten dem [Balarāma] über den Lohn des Kurukṣetra alles, wie es sich verhielt.

Wort für Wort
te pṛṣṭā yadusiṃhena
sie, befragt vom Löwen der Yadu (Part.Pass. Nom.Pl.m./Instr.Sg.m.)
kurukṣetraphalaṃ vibho
den Lohn des Kurukṣetra, o Herr (Akk.Sg.n./Vok.)
samācakhyur mahātmānaḥ
berichteten die Hochgesinnten (Perf. 3.Pl./Nom.Pl.m.)
tasmai sarvaṃ yathātatham
ihm alles der Wahrheit gemäß (Dat.Sg.m./Akk.Sg.n./Adv.)

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