Kapitel 30: hradasthaduryodhanādhikṣepaḥ
Yudhiṣṭhira fordert den im See verborgenen Duryodhana zum Kampf heraus
Die Pāṇḍavas finden Duryodhana im Dvaipāyana-See; Kṛṣṇa mahnt zum listigen Vorgehen, Yudhiṣṭhira schmäht Duryodhana. Dieser lehnt ab und will die Erde abtreten, Yudhiṣṭhira weist dies zurück und fordert den Kampf.
Und als der Kuru-Nachkomme, der beste der Kurus, zum Dvaipāyana-See gelangt war und dieses von Dhṛtarāṣṭras Sohn festgesetzte [d. h. zum Stehen gebrachte] Wasser sah, sprach er, der Freudenbringer der Kurus, diese Worte zu Vāsudeva.
Wort für Wort
āsādya ca kuruśreṣṭha
und angelangt, o Bester der Kurus (Abs.Ger.; Vok.)
tadā dvaipāyanahradam
damals zum Dvaipāyana-See (Akk.Sg.)
stambhitaṃ dhārtarāṣṭreṇa
festgesetzt/starr gemacht von Dhṛtarāṣṭras Sohn (Part.Pass.; Instr.)
dṛṣṭvā taṃ salilāśayam
nachdem er dieses Gewässer gesehen hatte (Abs.Ger.; Akk.Sg.)
vāsudevam idaṃ vākyam
zu Vāsudeva diese Rede (Akk.)
abravīt kurunandanaḥ
sprach der Freude der Kurus (Impf.3.Sg.; Nom.Sg.)
stambhitam: das Wasser ist durch Zauber starr bzw. beiseite gehalten, sodass Duryodhana darin verweilen kann.
„Sieh diesen von Dhṛtarāṣṭras Sohn im Wasser angewandten Zauber: Das Wasser stützend [bzw. anhaltend] liegt er da; vor einem Menschen hat er keine Furcht.“
Wort für Wort
paśyemāṃ dhārtarāṣṭreṇa
sieh diesen [Zauber] von Dhṛtarāṣṭras Sohn (Imp.2.Sg.; Instr.)
māyām apsu prayojitām
Zauber, im Wasser angewandt (Akk.Sg.f.; Lok.Pl.; Part.Pass.)
viṣṭabhya salilaṃ śete
das Wasser festhaltend liegt er (Abs.Ger.; Präs.3.Sg.Med.)
nāsya mānuṣato bhayam
nicht ist für ihn Furcht vor Menschen (Abl.-Adv.; Nom.Sg.)
Der ehrwürdige Vāsudeva sprach: „Diesen Zauber des Zauberers vernichte durch Zauber, o Bhārata; der Zauberer ist durch Zauber zu töten, das ist wahr, Yudhiṣṭhira.“
Wort für Wort
śrīvāsudeva uvāca
der ehrwürdige Vāsudeva sprach (Perf.3.Sg.)
māyāvina imāṃ māyāṃ
diesen Zauber des Zauberers (Gen.Sg.; Akk.Sg.)
māyayā jahi bhārata
durch Zauber vernichte, o Bhārata (Instr.; Imp.2.Sg.; Vok.)
māyāvī māyayā vadhyaḥ
der Zauberer ist durch Zauber zu töten (Nom.; Instr.; Gerundiv)
„Indem du durch viele Mittel des Handelns im Wasser den Zauber anwendest, erschlage, bester der Bharatas, den bösgesinnten Suyodhana.“
Wort für Wort
kriyābhyupāyair bahulair
durch viele Mittel des Handelns (Instr.Pl.)
māyām apsu prayojya ha
den Zauber im Wasser anwendend, fürwahr (Akk.; Lok.Pl.; Abs.Ger.)
jahi tvaṃ bharataśreṣṭha
erschlage du, Bester der Bharatas (Imp.2.Sg.; Vok.)
pāpātmānaṃ suyodhanam
den Bösgesinnten, Suyodhana (Akk.Sg.)
kriyābhyupāya: kriyā (Tat, Handeln, Kunstgriff) und upāya (Mittel); hier als „Mittel des Handelns“ wiedergegeben, im Sinn von Kunstgriff bzw. Tatkraft [?].
„Durch Mittel des Handelns wurden von Indra die Daityas und Dānavas erschlagen; durch viele Mittel des Handelns wurde Bali vom Hochgesinnten gefesselt.“
Wort für Wort
kriyābhyupāyair indreṇa
durch Mittel des Handelns von Indra (Instr.Pl.; Instr.Sg.)
nihatā daityadānavāḥ
erschlagen wurden Daityas und Dānavas (Part.Pass.; Nom.Pl.)
kriyābhyupāyair bahubhiḥ
durch viele Mittel des Handelns (Instr.Pl.)
balir baddho mahātmanā
Bali wurde gefesselt vom Hochgesinnten (Nom.; Part.Pass.; Instr.Sg.)
kriyābhyupāyaiḥ pūrvaṃ hi hiraṇyākṣo mahāsuraḥ; hiraṇyakaśipuś caiva kriyayaiva niṣūditau; vṛtraś ca nihato rājan kriyayaiva na saṃśayaḥ
„Denn durch Mittel des Handelns wurden vormals der große Asura Hiraṇyākṣa und auch Hiraṇyakaśipu durch Handeln allein erschlagen; und Vṛtra wurde, o König, durch Handeln allein getötet, ohne Zweifel.“
Wort für Wort
kriyābhyupāyaiḥ pūrvaṃ hi
denn vormals durch Mittel des Handelns (Instr.Pl.)
hiraṇyākṣo mahāsuraḥ
Hiraṇyākṣa, der große Asura (Nom.Sg.)
hiraṇyakaśipuś caiva
und auch Hiraṇyakaśipu (Nom.Sg.)
kriyayaiva niṣūditau
durch Handeln allein erschlagen (Instr.; Part.Pass.Du.)
vṛtraś ca nihato rājan
und Vṛtra wurde getötet, o König (Nom.; Part.Pass.; Vok.)
kriyayaiva na saṃśayaḥ
durch Handeln allein, kein Zweifel (Instr.; Nom.Sg.)
„So wurde auch der Rākṣasa namens Rāvaṇa, der Sohn des Pulastya-Nachkommen, o König, von Rāma samt seiner Gefolgschaft und seinen Begleitern erschlagen, indem dieser sich durch Handeln auf Yoga [Tatkraft] stützte; ebenso zeige auch du Tapferkeit.“
Wort für Wort
tathā paulastyatanayo
so der Sohn des Paulastya (Nom.Sg.)
rāvaṇo nāma rākṣasaḥ
Rāvaṇa mit Namen, ein Rākṣasa (Nom.Sg.)
rāmeṇa nihato rājan
von Rāma erschlagen, o König (Instr.; Part.Pass.; Vok.)
sānubandhaḥ sahānugaḥ
mit Anhang, mit Gefolge (Nom.Sg.)
kriyayā yogam āsthāya
durch Handeln sich auf Yoga [Mittel/Tatkraft] stützend (Instr.; Akk.; Abs.Ger.)
tathā tvam api vikrama
ebenso auch du beweise Tapferkeit (Imp.2.Sg.)
yogam āsthāya: yoga hier eher „Anwendung des rechten Mittels, Tatkraft“ [?].
„Tāraka, der große Daitya, und Andhaka wurden erschlagen.“
Wort für Wort
tārakaś ca mahādaityo
und Tāraka, der große Daitya (Nom.Sg.)
hy andhakaś ca
und Andhaka fürwahr (Nom.Sg.)
niṣūditaḥ
wurde erschlagen (Part.Pass.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile der kritischen Ausgabe (Stern-Passage); wiederholt Tāraka aus 11.
Saṃjaya sprach: So von Vāsudeva angesprochen, richtete der Pāṇḍava, fest in seinem Gelübde, o große Herrscher, an deinen im Wasser befindlichen, gewaltigen Sohn das Wort, der Kuntī-Sohn, o Bhārata, gleichsam lachend.
Wort für Wort
saṃjaya uvāca
Saṃjaya sprach (Perf.3.Sg.)
ity ukto vāsudevena
so angesprochen von Vāsudeva (Part.Pass.; Instr.)
pāṇḍavaḥ saṃśitavrataḥ
der Pāṇḍava, streng im Gelübde (Nom.Sg.)
jalasthaṃ taṃ mahārāja
den im Wasser Stehenden, o großer König (Akk.; Vok.)
tava putraṃ mahābalam
deinen Sohn, den sehr Starken (Akk.Sg.)
abhyabhāṣata kaunteyaḥ prahasann iva bhārata
sprach an der Kuntī-Sohn, gleichsam lachend, o Bhārata (Impf.3.Sg.Med.; Part.Präs.)
„Suyodhana, wozu hast du dieses Unternehmen im Wasser begonnen, nachdem du die ganze Kriegerschaft und auch dein eigenes Geschlecht hast erschlagen lassen, o Herr der Menschen?“
Wort für Wort
suyodhana kimartho 'yam
Suyodhana, wozu dieses (Vok.; Nom.)
ārambho 'psu kṛtas tvayā
Unternehmen im Wasser von dir gemacht (Nom.; Lok.Pl.; Part.Pass.; Instr.)
sarvaṃ kṣatraṃ ghātayitvā
die ganze Kriegerschaft erschlagen lassend (Akk.; Abs.Ger.Kaus.)
svakulaṃ ca viśāṃ pate
und das eigene Geschlecht, o Herr der Menschen (Akk.; Vok.)
„Nicht-Kampf, Nicht-Standhalten: das ist nicht die ewige Pflicht; von Nicht-Ariern geübt, nicht zum Himmel führend ist, o König, die Flucht aus der Schlacht.“
Wort für Wort
ayuddham avyavasthānaṃ
Nicht-Kampf, Nicht-Standhalten (Nom.Sg.n.)
naiṣa dharmaḥ sanātanaḥ
dies ist nicht die ewige Pflicht (Nom.Sg.)
anāryajuṣṭam asvargyaṃ
von Nicht-Ariern geübt, nicht himmelwärts führend (Nom.Sg.n.)
raṇe rājan palāyanam
im Kampf, o König, die Flucht (Lok.; Vok.; Nom.Sg.n.)
kathaṃ pāram agatvā hi yuddhe tvaṃ vai jijīviṣuḥ; imān nipatitān dṛṣṭvā putrān bhrātṝn pitṝṃs tathā
„Wie kannst du, ohne im Kampf das jenseitige Ufer erreicht zu haben, leben wollen, nachdem du diese gefallenen Söhne, Brüder und ebenso Väter gesehen hast?“
Wort für Wort
kathaṃ pāram agatvā hi
wie, ohne das jenseitige Ufer erreicht zu haben (Neg.Abs.Ger.; Akk.)
yuddhe tvaṃ vai jijīviṣuḥ
im Kampf du, leben wollend (Lok.; Nom.Sg.)
imān nipatitān dṛṣṭvā
diese gefallenen gesehen habend (Akk.Pl.; Part.Pass.; Abs.Ger.)
„Du bist einer, der sich für einen Helden hält, kein Held; falsch redest du, o Bhārata: ‚Ich bin ein Held‘, du Verblendeter, während alle Welt zuhört.“
Wort für Wort
śūramānī na śūras tvaṃ
sich für einen Helden haltend, kein Held, du (Nom.Sg.)
mithyā vadasi bhārata
falsch redest du, Bhārata (Adv.; Präs.2.Sg.; Vok.)
„Jetzt ist der Sinn nicht mehr auf das Leben zu richten, aus dem Wunsch, das Recht zu tun, indem einer wie du, Suyodhana, die Kṣatriya-Pflicht beiseite lässt.“
Wort für Wort
nedānīṃ jīvite buddhiḥ
nicht jetzt auf das Leben der Sinn (Lok.; Nom.Sg.f.)
kāryā dharmacikīrṣayā
ist zu richten, aus dem Wunsch, Recht zu tun (Gerundiv; Instr.Sg.)
kṣatradharmam apāśritya
die Kṣatriya-Pflicht beiseite lassend (Akk.; Abs.Ger.)
tvadvidhena suyodhana
von einem wie du, Suyodhana (Instr.; Vok.)
Der Vers ist syntaktisch knapp; Sinn: Wer die Kṣatriya-Pflicht preisgegeben hat, darf sich jetzt nicht auf Lebenserhalt oder Frömmigkeit berufen [?].
duryodhana uvāca; naitac citraṃ mahārāja yad bhīḥ prāṇinam āviśet; na ca prāṇabhayād bhīto vyapayāto 'smi bhārata
Duryodhana sprach: „Das ist nicht wunderbar, großer König, dass Furcht ein Lebewesen befällt; und nicht aus Todesangst bin ich furchtsam davongegangen, o Bhārata.“
Wort für Wort
duryodhana uvāca
Duryodhana sprach (Perf.3.Sg.)
naitac citraṃ mahārāja
das ist nicht wunderbar, großer König (Nom.n.; Vok.)
yad bhīḥ prāṇinam āviśet
dass Furcht ein Lebewesen befalle (Nom.f.; Akk.; Opt.3.Sg.)
na ca prāṇabhayād bhīto
und nicht aus Angst um das Leben furchtsam (Abl.; Part.Pass.)
vyapayāto 'smi bhārata
bin ich weggegangen, Bhārata (Part.Perf.+ Präs.1.Sg.; Vok.)
na prāṇahetor na bhayān na viṣādād viśāṃ pate; idam ambhaḥ praviṣṭo 'smi śramāt tv idam anuṣṭhitam
Nicht um des Lebens willen, nicht aus Furcht, nicht aus Verzagtheit, Herr der Menschen, bin ich in dieses Wasser getreten; aus Erschöpfung aber ist dies unternommen worden.
Wort für Wort
na prāṇahetoḥ na bhayāt
nicht um des Lebens willen, nicht aus Furcht (Abl.)
na viṣādāt viśāṃ pate
nicht aus Verzagtheit, Herr der Menschen (Abl./Vok.)
idam ambhaḥ praviṣṭaḥ asmi
in dieses Wasser bin ich getreten (Akk./Part.Perf.+Kopula)
śramāt tu idam anuṣṭhitam
aus Erschöpfung aber ist dies unternommen (Abl./Part.Pass.)
duryodhana uvāca; yadarthaṃ rājyam icchāmi kurūṇāṃ kurunandana; ta ime nihatāḥ sarve bhrātaro me janeśvara
Duryodhana sprach: „Um derentwillen ich das Reich wünsche, Wonne der Kurus, Sohn der Kuru, ebendiese meine Brüder sind alle erschlagen, Herr der Menschen.“
Wort für Wort
duryodhanaḥ uvāca
Duryodhana sprach (Perf.3.Sg.)
yadartham rājyam icchāmi
um deretwillen ich das Reich wünsche (Adv./Akk./Präs.1.Sg.)
kurūṇāṃ kurunandana
der Kurus, Freude der Kuru (Gen.Pl./Vok.)
te ime nihatāḥ sarve
diese sind erschlagen, alle (Nom.Pl./Part.)
bhrātaraḥ me janeśvara
Brüder von mir, Herr der Menschen (Nom.Pl./Gen./Vok.)
na tv idānīm ahaṃ manye kāryaṃ yuddhena karhi cit; droṇe karṇe ca saṃśānte nihate ca pitāmahe
Doch jetzt denke ich nicht, dass durch Kampf irgendwann etwas zu erreichen wäre, da Droṇa und Karṇa zur Ruhe gekommen und der Großvater erschlagen ist.
Wort für Wort
na tu idānīm aham manye
doch jetzt meine ich nicht (Präs.1.Sg.)
kāryaṃ yuddhena karhi cit
dass durch Kampf irgendwann etwas zu tun sei (Ger./Instr.)
hatabāndhavabhūyiṣṭhā hatāśvā hatakuñjarā; eṣā te pṛthivī rājan bhuṅkṣvaināṃ vigatajvaraḥ
Diese Erde, in der die Verwandten großenteils erschlagen, die Rosse erschlagen, die Elefanten erschlagen sind, gehört dir, König; genieße sie, frei von Fieber.
Wort für Wort
hatabāndhavabhūyiṣṭhā
in der meist Verwandte erschlagen sind (Bahuvrīhi/Nom.Sg.f.)
hatāśvā hatakuñjarā
mit erschlagenen Rossen, mit erschlagenen Elefanten (Nom.Sg.f.)
Geh, genieße, König der Könige, die Erde, deren Herren erschlagen sind, deren Krieger erschlagen, deren Schätze verloren und deren Wälle [?] geschwunden sind, nach Belieben.
Wort für Wort
gaccha tvam bhuṅkṣva
geh du, genieße (Imp.2.Sg.)
rājendra pṛthivīm
König der Könige, die Erde (Vok./Akk.)
nihateśvarām hatayodhām
mit erschlagenen Herren, mit erschlagenen Kriegern (Bahuvrīhi/Akk.Sg.f.)
naṣṭaratnāṃ kṣīṇavaprām
mit verlorenen Schätzen, mit geschwundenen Wällen (Bahuvrīhi/Akk.Sg.f.)
yathāsukham
nach Belieben (Adv.)
kṣīṇavaprā: vapra bedeutet Wall, Damm oder Acker; Deutung unsicher.
Saṃjaya sprach: Als der hochberühmte Yudhiṣṭhira diese jammervolle Rede deines im Wasser stehenden Sohnes Duryodhana gehört hatte, sprach er.
Wort für Wort
saṃjayaḥ uvāca
Saṃjaya sprach (Perf.3.Sg.)
duryodhanaṃ tava sutam
Duryodhana, deinen Sohn (Akk.Sg.m.)
salilasthaṃ mahāyaśāḥ
der im Wasser stand; der Hochberühmte (Akk./Nom.)
śrutvā tu karuṇaṃ vākyam
aber gehört habend die jammervolle Rede (Abs./Akk.)
abhāṣata yudhiṣṭhiraḥ
sprach Yudhiṣṭhira (Impf.3.Sg.Med.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften).
Yudhiṣṭhira sprach: „Sprich nicht solche Klagereden, mein Lieber, im Wasser stehend; das geht mir nicht zu Herzen, König, wie der Schrei eines Vogels [?].“
Wort für Wort
yudhiṣṭhiraḥ uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.3.Sg.)
ārtapralāpāt mā tāta
aus Klagegeschrei nicht, Lieber (Abl./Vok.)
salilasthaḥ prabhāṣathāḥ
im Wasser stehend sprich (Nom./Inj.2.Sg.Med.)
na etat manasi me rājan
nicht [geht] dies mir zu Herzen, König (Lok./Vok.)
vāśitaṃ śakuneḥ iva
wie der Schrei eines Vogels (Nom./Gen.)
śakuner iva: entweder „wie der Schrei eines Vogels“ oder mit Anspielung auf Śakuni.
adharmeṇa na gṛhṇīyāṃ tvayā dattāṃ mahīm imām; na hi dharmaḥ smṛto rājan kṣatriyasya pratigrahaḥ
Wider das Dharma würde ich diese von dir geschenkte Erde nicht annehmen; denn als Dharma ist, König, für einen Kṣatriya das Annehmen von Geschenken nicht überliefert.
Wort für Wort
adharmeṇa na gṛhṇīyām
auf unrechte Weise würde ich nicht nehmen (Instr./Opt.1.Sg.)
tvayā dattāṃ mahīm imām
diese von dir gegebene Erde (Instr./Part./Akk.)
na hi dharmaḥ smṛtaḥ rājan
denn nicht ist Dharma überliefert, König (Part./Vok.)
kṣatriyasya pratigrahaḥ
für den Kṣatriya das Annehmen [von Gaben] (Gen./Nom.)
na tvam adya mahīṃ dātum īśaḥ kauravanandana; ācchettuṃ vā balād rājan sa kathaṃ dātum icchasi; māṃ tu nirjitya saṃgrāme pālayemāṃ vasuṃdharām
Du bist heute nicht Herr, die Erde zu geben, Wonne der Kauravas, noch sie mit Gewalt zu entreißen, König; wie willst du sie da geben? Mich aber im Kampf besiegend, beschütze diese Erde.
Wort für Wort
na tvam adya mahīṃ dātum
nicht du heute die Erde zu geben (Akk./Inf.)
īśaḥ kauravanandana
Herr, Freude der Kauravas (Nom./Vok.)
ācchettuṃ vā balāt rājan
oder [sie] zu entreißen mit Gewalt, König (Inf./Abl.)
sūcyagreṇāpi yad bhūmer api dhrīyeta bhārata; tanmātram api no mahyaṃ na dadāti purā bhavān
Was mit der Spitze einer Nadel von der Erde gehalten [d. h. aufgenommen] werden kann, Bhārata, auch nur so viel hast du uns früher nicht gegeben, mir, Herr.
Wort für Wort
sūcyagreṇa api yat bhūmeḥ
was mit der Nadelspitze von der Erde (Instr./Abl./Gen.)
api dhriyeta bhārata
gehalten werden könnte, Bhārata (Opt.Pass.3.Sg./Vok.)
tanmātram api naḥ mahyam
auch nur so viel, uns, mir (Nom./Dat.)
na dadāti purā bhavān
gibst du nicht früher, Ehrwürdiger (Präs.3.Sg./Adv./Nom.)
jīvitaṃ tava duṣprajña mayi saṃprati vartate; jīvayeyaṃ tv ahaṃ kāmaṃ na tu tvaṃ jīvituṃ kṣamaḥ
Dein Leben, du Schlechtberatener, liegt jetzt bei mir; ich könnte dich nach Belieben leben lassen, du aber bist nicht imstande [bzw. nicht würdig], zu leben.
Wort für Wort
jīvitam tava duṣprajña
dein Leben, du Übelverständiger (Nom./Gen./Vok.)
mayi saṃprati vartate
liegt bei mir jetzt (Lok./Adv./Präs.3.Sg.Med.)
jīvayeyam tu aham kāmam
leben lassen könnte ich freilich nach Wunsch (Kaus.Opt.1.Sg./Adv.)
dahane hi kṛto yatnas tvayāsmāsu viśeṣataḥ; āśīviṣair viṣaiś cāpi jale cāpi praveśanaiḥ; tvayā vinikṛtā rājan rājyasya haraṇena ca
Denn im Brandanschlag wurde von dir besonders Mühe gegen uns aufgewendet, und mit Giftschlangen und Giften, und mit Versenkungen ins Wasser; von dir wurden wir betrogen, König, und durch den Raub des Reiches.
Wort für Wort
dahane hi kṛtaḥ yatnaḥ
denn beim Verbrennen [ist] Mühe aufgewendet (Lok./Part./Nom.)
Und durch unfreundliche Worte und durch das Zerren Draupadīs.
Wort für Wort
apriyāṇām ca vacanaiḥ
und durch unfreundliche Worte (Gen.Pl./Instr.Pl.)
draupadyāḥ karṣaṇena ca
und durch das Zerren Draupadīs (Gen./Instr.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage der kritischen Ausgabe; grammatisch an den vorigen Vers anschließend.