Kapitel 25: bhīmasena-dhārtarāṣṭra-vadhaḥ
Bhīmasena erschlägt die übrigen Söhne Dhṛtarāṣṭras und den Rest des Heeres
Nach dem Fall des Elefantenheeres stürmen Dhṛtarāṣṭras verbliebene Söhne auf Bhīmasena ein und fallen der Reihe nach durch seine Pfeile; auch ihr Heer wird weitgehend vernichtet.
Saṃjaya sprach: Als jenes Elefantenheer vom Sohn des Pāṇḍu erschlagen war, o Bhārata, und das [übrige] Heer im Kampf von Bhīmasena weiter niedergemacht wurde,
Wort für Wort
saṃjaya uvāca
Saṃjaya sprach (Perf. 3.Sg.)
gajānīke hate tasmin
als jenes Elefantenheer erschlagen war (Lok. abs.)
pāṇḍuputreṇa bhārata
vom Sohn des Pāṇḍu, o Bhārata (Instr./Vok.)
vadhyamāne bale ca eva
und als das Heer getötet wurde (Lok. abs., Pass. Part.)
kamen die Übriggebliebenen deiner erschlagenen Söhne, o König, im Kampf zusammen; und da der Kaurava, dein Sohn Duryodhana, nicht mehr zu sehen war, stürmten sie, als leibliche Brüder vereint, auf Bhīmasena los.
Wort für Wort
sametya samare rājan
zusammengekommen im Kampf, o König (Abs./Lok./Vok.)
hataśeṣāḥ sutās tava
die Überreste der Erschlagenen, deine Söhne (Nom. Pl., Kompositum)
adṛśyamāne kauravye putre duryodhane tava
da der Kaurava, dein Sohn Duryodhana, nicht gesehen wurde (Lok. abs., Pass. Part.)
sodaryāḥ sahitā bhūtvā
als leibliche Brüder vereint geworden (Nom. Pl./Abs.)
bhīmasenam upādravan
stürmten auf Bhīmasena zu (Impf. 3.Pl.)
Der Satz ist als Sammelsatz gebaut; sutāḥ tava und sodaryāḥ beziehen sich auf dieselben Dhārtarāṣṭras.
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Namenslisten der Zusatzverse weichen voneinander ab; Durvimocana/Durvimocaka teils doppelt.
jayatsenaṃ tato viddhvā nārācena hasann iva; pātayām āsa kauravyaṃ rathopasthād ariṃdamaḥ; sa papāta rathād rājan bhūmau tūrṇaṃ mamāra ca
Dann traf der Feindbezwinger Jayatsena mit einem Eisenpfeil, gleichsam lachend, und stieß den Kaurava vom Wagensitz hinab; er stürzte, o König, vom Wagen zu Boden und starb sogleich.
Wort für Wort
jayatsenaṃ tataḥ viddhvā
Jayatsena dann getroffen habend (Akk./Abs.)
nārācena hasan iva
mit einem Eisenpfeil, gleichsam lachend (Instr./Part.)
pātayām āsa kauravyam
ließ fallen den Kaurava (Perf. Kaus./Akk.)
rathopasthāt ariṃdamaḥ
vom Wagensitz, der Feindbezwinger (Abl./Nom.)
sa papāta rathāt rājan
er fiel vom Wagen, o König (Perf. 3.Sg./Abl./Vok.)
duṣpradharṣaṃ tataś caiva sujātaṃ ca sutau tava; ekaikaṃ nyavadhīt saṃkhye dvābhyāṃ dvābhyāṃ camūmukhe; tau śilīmukhaviddhāṅgau petatū rathasattamau
Darauf tötete er Duṣpradharṣa und Sujāta, deine beiden Söhne, im Kampf einen nach dem anderen, jeweils mit zwei Pfeilen an der Spitze des Heeres; die beiden, von Pfeilen am Leib durchbohrt, fielen, die vortrefflichen Wagenkämpfer.
Wort für Wort
duṣpradharṣaṃ tataḥ ca eva sujātaṃ ca
Duṣpradharṣa und dann Sujāta (Akk.)
sutau tava
deine beiden Söhne (Akk. Du.)
ekaikaṃ nyavadhīt saṃkhye
einen nach dem anderen erschlug er im Kampf (Akk./Aor. 3.Sg./Lok.)
dvābhyāṃ dvābhyāṃ camūmukhe
mit je zweien an der Heeresspitze (Instr. Du./Lok.)
tau śilīmukhaviddhāṅgau
beide mit von Pfeilen durchbohrten Gliedern (Nom. Du., Kompositum)
tato yatantam aparam abhivīkṣya sutaṃ tava; bhallena yudhi vivyādha bhīmo durviṣahaṃ raṇe; sa papāta hato vāhāt paśyatāṃ sarvadhanvinām
Als dann Bhīma einen weiteren Sohn von dir sich abmühen sah, durchbohrte er ihn im Kampf mit einem Breitpfeil; er fiel getötet vom Wagen, vor den Augen aller Bogenschützen.
Wort für Wort
tataḥ yatantam aparam abhivīkṣya
dann den sich mühenden anderen erblickend (Akk. Part./Abs.)
sutaṃ tava
deinen Sohn (Akk.)
bhallena yudhi vivyādha
mit einem Breitpfeil im Kampf durchbohrte er (Instr./Perf.)
Als aber Śrutarvan sah, dass so viele Brüder von einem einzigen im Kampf erschlagen waren, geriet er unter die Macht des Grimms und ging auf Bhīma los.
Wort für Wort
dṛṣṭvā tu nihatān bhrātṝn
gesehen habend die erschlagenen Brüder (Abs./Akk. Pl.)
bahūn ekena saṃyuge
viele, von einem, in der Schlacht (Akk./Instr./Lok.)
amarṣavaśam āpannaḥ
in die Gewalt des Grimms geraten (Akk./Part. Nom.)
śrutarvā bhīmam abhyayāt
Śrutarvan ging auf Bhīma los (Nom./Akk./Impf. 3.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile mit Lücke in der Überlieferung; Text verderbt/unvollständig.
Als er ihn wagenlos sah, überschüttete er ihn, der Unermessliche, mit Pfeilen, die mit Haaren [Federn] besetzt waren, und zeigte dabei seine Handgeschicklichkeit.
Wort für Wort
virathaṃ tam samālakṣya
ihn wagenlos erblickt habend (Akk./Abs.)
viśikhaiḥ lomavāhibhiḥ
mit Pfeilen, die Federn tragen (Instr. Pl.)
avākirat ameyātmā
überschüttete er, der Unermessliche (Impf./Nom.)
darśayan pāṇilāghavam
zeigend seine Handgewandtheit (Part./Akk.)
lomavāhin: wörtlich „haartragend“; hier auf die Befiederung bezogen [?].
Śrutarvan, wagenlos geworden, o König, nahm Schwert und Schild; doch als er das Schwert, hundertmondig und glänzend, ergriff, ließ der Pāṇḍava ihm mit einem Schabepfeil den Kopf vom Rumpf fallen.
Wort für Wort
śrutarvā virathaḥ rājan
Śrutarvan, wagenlos, o König (Nom./Vok.)
ādade khaḍgacarmaṇī
nahm Schwert und Schild (Perf. 3.Sg./Akk. Du.)
atha asya ādadataḥ khaḍgam
da, als er das Schwert ergriff (Gen. abs./Akk.)
śatacandraṃ ca bhānumat
hundertmondig und leuchtend (Akk. n.)
kṣurapreṇa śiraḥ kāyāt
mit Schabepfeil den Kopf vom Körper (Instr./Akk./Abl.)
pātayām āsa pāṇḍavaḥ
ließ fallen der Pāṇḍava (Perf. Kaus./Nom.)
śatacandra: Schild mit hundert Mondsicheln/Augen [?]; hier syntaktisch am Schwert.
tān āpatata evāśu hataśeṣād balārṇavāt; daṃśitaḥ pratijagrāha bhīmasenaḥ pratāpavān; te tu taṃ vai samāsādya parivavruḥ samantataḥ
Der gerüstete, machtvolle Bhīmasena nahm diese, die alsbald aus dem übrig gebliebenen Heermeer heranstürmten, auf; sie aber umringten ihn, als sie ihn erreicht hatten, ringsum.
Wort für Wort
tān āpatataḥ eva āśu
diese, die eben heranstürmten, rasch (Akk. Pl./Part.)
hataśeṣāt balārṇavāt
aus dem Rest des Heermeeres (Abl., Kompositum)
daṃśitaḥ pratijagrāha
gepanzert nahm er auf (Nom./Perf. 3.Sg.)
bhīmasenaḥ pratāpavān
Bhīmasena, der Glutvolle (Nom.)
te tu tam vai samāsādya
sie aber ihn eben erreicht habend (Nom. Pl./Akk./Abs.)
vidrāvya tu kurūn sarvāṃs tāṃś ca hatvā padānugān; dorbhyāṃ śabdaṃ tataś cakre trāsayāno mahādvipān
Nachdem er alle Kurus zersprengt und deren Gefolgsleute getötet hatte, erhob er mit seinen Armen einen [Schlacht-]Schrei und ließ die großen Elefanten erzittern.
Wort für Wort
vidrāvya tu kurūn sarvān
zersprengt habend alle Kurus (Abs./Akk. Pl.)
tān ca hatvā padānugān
und jene, die Fußfolger, erschlagen habend (Akk./Abs.)
dorbhyām śabdam tataḥ cakre
mit beiden Armen ein Geräusch dann erzeugte (Instr. Du./Akk./Perf.)
trāsayānaḥ mahādvipān
erschreckend die großen Elefanten (Part. Kaus./Akk. Pl.)
dorbhyāṃ śabdam: wohl das Schlagen der Arme (Armklatschen) als Kampfgeste [?].