Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śalyaparva

Kapitel 50: sārasvatopākhyāna Die Geschichte von Sārasvata, Sohn des Dadhīca, und der Sarasvatī; Bala besucht die Tīrtha, Vṛddhakanyā

Balarāma besucht die Tīrtha des Sārasvata; erzählt werden Dadhīcas Sohn, die Dürre, das Vajra aus Dadhīcas Knochen und Balas Weiterzug zur Tīrtha der Vṛddhakanyā.

vaiśaṃpāyana uvāca; yatrejivān uḍupatī rājasūyena bhārata; tasmin vṛtte mahān āsīt saṃgrāmas tārakāmayaḥ

Vaiśaṃpāyana sprach: Dort, wo der Herr der Gestirne [Soma] das Rājasūya-Opfer vollzog, o Bhārata – als dieses vollendet war, entstand dort eine gewaltige Schlacht, die um die Sterne [geführt wurde].

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca
Vaiśaṃpāyana sprach (Perf.)
yatra ījivān uḍupatī rājasūyena bhārata
wo der Herr der Gestirne geopfert hatte (Perf.Part.) mit dem Rājasūya, o Bhārata (Vok.)
tasmin vṛtte
als dies vollendet war (Lok. abs.)
mahān āsīt saṃgrāmaḥ
es entstand eine große Schlacht (Impf.)
tārakāmayaḥ
um Tārakā [oder: durch die Sterne verursacht] (Adj.)

tārakāmaya: Anspielung auf den Kampf um Tārakā, die Gattin des Bṛhaspati (Tārakāmaya-Krieg).

tatrāpy upaspṛśya balo dattvā dānāni cātmavān; sārasvatasya dharmātmā munes tīrthaṃ jagāma ha

Auch dort badete Bala, der Selbstbeherrschte, verteilte Gaben und begab sich, der Gerechte, zur Tīrtha des Weisen Sārasvata.

Wort für Wort
tatra api upaspṛśya
auch dort nach dem Baden/Wasserberühren (Abs.)
balaḥ dattvā dānāni ca
Bala, nachdem er Gaben gegeben (Abs.)
ātmavān
der Selbstbeherrschte (Nom.Sg.)
sārasvatasya dharmātmā muneḥ tīrtham
der Gerechte [ging] zur Tīrtha des Weisen Sārasvata (Gen./Akk.)
jagāma ha
ging fürwahr (Perf.)

yatra dvādaśavārṣikyām anāvṛṣṭyāṃ dvijottamān; vedān adhyāpayām āsa purā sārasvato muniḥ

Dort, wo einst der Weise Sārasvata in einer zwölf Jahre währenden Dürre die besten der Zweimalgeborenen die Veden lehrte.

Wort für Wort
yatra dvādaśavārṣikyām anāvṛṣṭyām
wo in einer zwölfjährigen Dürre (Lok.Sg.f.)
dvijottamān
die besten der Zweimalgeborenen (Akk.Pl.)
vedān adhyāpayām āsa
die Veden lehrte (Perf. periphr., Kaus.)
purā sārasvataḥ muniḥ
einst der Weise Sārasvata (Nom.)

janamejaya uvāca; kathaṃ dvādaśavārṣikyām anāvṛṣṭyāṃ tapodhanaḥ; vedān adhyāpayām āsa purā sārasvato muniḥ

Janamejaya sprach: Wie lehrte einst der Weise Sārasvata, reich an Askese, in einer zwölf Jahre währenden Dürre die Veden?

Wort für Wort
janamejaya uvāca
Janamejaya sprach
katham
wie?
dvādaśavārṣikyām anāvṛṣṭyām
in der zwölfjährigen Dürre (Lok.)
tapodhanaḥ
dessen Reichtum die Askese ist (Nom.)
vedān adhyāpayām āsa
lehrte die Veden (Perf.)
purā sārasvataḥ muniḥ
einst der Weise Sārasvata

vaiśaṃpāyana uvāca; āsīt pūrvaṃ mahārāja munir dhīmān mahātapāḥ; dadhīca iti vikhyāto brahmacārī jitendriyaḥ

Vaiśaṃpāyana sprach: Es war einst, großer König, ein weiser Muni von großer Askese, bekannt als Dadhīca, ein Keuschheitsschüler, der die Sinne bezwungen hatte.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca
Vaiśaṃpāyana sprach
āsīt pūrvam mahārāja
es war früher, o Großkönig (Impf./Vok.)
muniḥ dhīmān mahātapāḥ
ein Muni, weise, von großer Askese (Nom.)
dadhīcaḥ iti vikhyātaḥ
als Dadhīca bekannt (Part.)
brahmacārī jitendriyaḥ
Brahmacārin, Bezwinger der Sinne (Nom.)

tasyātitapasaḥ śakro bibheti satataṃ vibho; na sa lobhayituṃ śakyaḥ phalair bahuvidhair api

Vor ihm, dem überaus Asketischen, fürchtet sich Śakra beständig, o Herr; er ließ sich auch durch vielerlei Früchte nicht verlocken.

Wort für Wort
tasya atitapasaḥ
vor ihm, dem sehr Asketischen (Gen.)
śakraḥ bibheti satatam vibho
Śakra fürchtet sich stets, o Herr (Präs./Vok.)
na saḥ lobhayitum śakyaḥ
er ist nicht zu verlocken (Inf./Gerundiv)
phalaiḥ bahuvidhaiḥ api
selbst mit vielerlei Früchten [Lohn] (Instr.Pl.)

phalaiḥ kann auch „Belohnungen“ bedeuten.

pralobhanārthaṃ tasyātha prāhiṇot pākaśāsanaḥ; divyām apsarasaṃ puṇyāṃ darśanīyām alambusām

Um ihn zu verlocken, sandte darauf der Pākaśāsana [Indra] die himmlische, reine, sehenswerte Apsaras Alambusā.

Wort für Wort
pralobhanārtham
zum Zweck der Verlockung (Adv.)
tasya atha prāhiṇot
zu ihm sandte dann (Impf.)
pākaśāsanaḥ
Pākaśāsana [Indra] (Nom.)
divyām apsarasam puṇyām
eine himmlische, reine Apsaras (Akk.Sg.f.)
darśanīyām alambusām
die schöne Alambusā (Akk.)

tasya tarpayato devān sarasvatyāṃ mahātmanaḥ; samīpato mahārāja sopātiṣṭhata bhāminī

Als er, der Hochgesinnte, an der Sarasvatī den Göttern Wasserspenden darbrachte, trat sie, die Leidenschaftliche, in seiner Nähe vor ihn, o Großkönig.

Wort für Wort
tasya tarpayataḥ devān
als er die Götter labte (Gen. abs., Part.Präs.)
sarasvatyām mahātmanaḥ
an der Sarasvatī, der Hochgesinnte (Lok./Gen.)
samīpataḥ mahārāja
aus der Nähe, o Großkönig
sā upātiṣṭhata bhāminī
sie trat heran, die Zornige/Leidenschaftliche (Impf.Med.)

bhāminī: „die Leidenschaftliche/Schöne“, auch „die Zornige“.

tāṃ divyavapuṣaṃ dṛṣṭvā tasyarṣer bhāvitātmanaḥ; retaḥ skannaṃ sarasvatyāṃ tat sā jagrāha nimnagā

Als er ihren göttlichen Körper sah, fiel dem Ṛṣi mit dem geläuterten Selbst der Same in die Sarasvatī; diesen nahm der Fluss auf.

Wort für Wort
tām divyavapuṣam dṛṣṭvā
sie, die göttliche Gestalt, gesehen habend (Abs.)
tasya ṛṣeḥ bhāvitātmanaḥ
des Ṛṣi, dessen Selbst geläutert war (Gen.)
retaḥ skannam sarasvatyām
der Same, gefallen in die Sarasvatī (Part./Lok.)
tat sā jagrāha nimnagā
diesen nahm sie auf, die Fließende [Fluss] (Perf.)

kukṣau cāpy adadhad dṛṣṭvā tad retaḥ puruṣarṣabha; sā dadhāra ca taṃ garbhaṃ putrahetor mahānadī

Und der Fluss barg den Samen, als sie ihn sah, in ihrem Schoß, o Stier unter den Männern, und die große Strömende trug den Keim um eines Sohnes willen.

Wort für Wort
kukṣau ca api adadhat
und sie legte auch in den Leib (Impf.)
dṛṣṭvā tat retaḥ
nachdem sie diesen Samen gesehen (Abs.)
puruṣarṣabha
o Stier unter den Männern (Vok.)
sā dadhāra ca tam garbham
und sie trug diesen Keim (Perf.)
putrahetoḥ mahānadī
um eines Sohnes willen, der große Fluss (Abl./Nom.)

suṣuve cāpi samaye putraṃ sā saritāṃ varā; jagāma putram ādāya tam ṛṣiṃ prati ca prabho

Und zur rechten Zeit gebar sie, die Beste der Flüsse, einen Sohn, und sie ging, o Herr, mit dem Sohn zu jenem Ṛṣi.

Wort für Wort
suṣuve ca api samaye
und gebar auch zur [rechten] Zeit (Perf.)
putram sā saritām varā
einen Sohn, sie, die Beste der Flüsse
jagāma putram ādāya
ging, den Sohn mitnehmend (Perf./Abs.)
tam ṛṣim prati ca prabho
zu jenem Ṛṣi hin, o Herr (Vok.)

ṛṣisaṃsadi taṃ dṛṣṭvā sā nadī munisattamam; tataḥ provāca rājendra dadatī putram asya tam; brahmarṣe tava putro 'yaṃ tvadbhaktyā dhārito mayā

Als der Fluss ihn in der Versammlung der Ṛṣis, den Besten der Munis, erblickte, sprach sie darauf, o König der Könige, ihm diesen seinen Sohn übergebend: „Brahmarṣi, dieser ist dein Sohn, aus Ergebenheit zu dir von mir getragen.“

Wort für Wort
ṛṣisaṃsadi tam dṛṣṭvā
in der Ṛṣi-Versammlung ihn erblickt habend
sā nadī munisattamam
der Fluss [sah] den Besten der Munis
tataḥ provāca rājendra
darauf sprach sie, o Fürst der Könige
dadatī putram asya tam
ihm jenen Sohn gebend (Part.f.)
brahmarṣe tava putraḥ ayam
Brahmarṣi, dein Sohn ist dieser (Vok./Nom.)
tvadbhaktyā dhāritaḥ mayā
aus Ergebenheit zu dir getragen von mir (Instr./Part.)

dṛṣṭvā te 'psarasaṃ reto yat skannaṃ prāg alambusām; tat kukṣiṇā vai brahmarṣe tvadbhaktyā dhṛtavaty aham

„Als ich, Brahmarṣi, den Samen sah, der vor der Apsaras Alambusā herabgefallen war, habe ich ihn aus Ergebenheit zu dir im Leib getragen.“

Wort für Wort
dṛṣṭvā te apsarasam
als ich dich [und] die Apsaras sah (Abs.)
retaḥ yat skannam prāk alambusām
den Samen, der zuvor herabfiel, [als] Alambusā [da war]
tat kukṣiṇā vai brahmarṣe
diesen fürwahr im Schoß, Brahmarṣi (Instr./Vok.)
tvadbhaktyā dhṛtavatī aham
aus Ergebenheit zu dir habe ich [ihn] getragen

Text unklar (te apsarasaṃ / prāg alambusām); Übersetzung sinngemäß [?].

na vināśam idaṃ gacchet tvatteja iti niścayāt; pratigṛhṇīṣva putraṃ svaṃ mayā dattam aninditam

„Dein Feuer [deine Kraft] soll nicht zugrunde gehen“, [so war] mein Entschluss; nimm deinen eigenen, von mir gegebenen, untadeligen Sohn an.“

Wort für Wort
na vināśam idam gacchet
dies soll nicht zugrunde gehen (Opt.)
tvatteja iti niścayāt
„es ist deine Kraft“, aus diesem Entschluss (Abl.)
pratigṛhṇīṣva putram svam
nimm an den eigenen Sohn (Imp.Med.)
mayā dattam aninditam
von mir gegeben, untadelig (Part./Akk.)

ity uktaḥ pratijagrāha prītiṃ cāvāpa uttamām; mantravac copajighrat taṃ mūrdhni premṇā dvijottamaḥ

So angesprochen, nahm er ihn an und empfand höchste Freude; und er, der beste der Zweimalgeborenen, roch mit Mantra-Spruch voll Liebe an seinem Scheitel.

Wort für Wort
iti uktaḥ pratijagrāha
so angesprochen nahm er an (Perf.)
prītim ca āvāpa uttamām
und erlangte höchste Freude (Perf.)
mantravat ca upājighrat tam
und beroch ihn mit Mantra (Impf.)
mūrdhni premṇā dvijottamaḥ
am Haupt mit Liebe, der beste der Zweimalgeborenen

pariṣvajya ciraṃ kālaṃ tadā bharatasattama; sarasvatyai varaṃ prādāt prīyamāṇo mahāmuniḥ

Nachdem er ihn lange umarmt hatte, gewährte da, bester der Bharata, der große Muni, erfreut, der Sarasvatī einen Wunsch.

Wort für Wort
pariṣvajya ciram kālam
umarmt habend, lange Zeit (Abs./Akk.)
tadā bharatasattama
da, o Bester der Bharata (Vok.)
sarasvatyai varam prādāt
der Sarasvatī einen Wunsch gab (Aor./Impf.)
prīyamāṇaḥ mahāmuniḥ
erfreut, der große Muni (Part.Pass.)

viśve devāḥ sapitaro gandharvāpsarasāṃ gaṇāḥ; tṛptiṃ yāsyanti subhage tarpyamāṇās tavāmbhasā

„Die Allgötter samt den Ahnen und die Scharen der Gandharven und Apsaras werden Sättigung erlangen, Schöne, wenn sie mit deinem Wasser gelabt werden.“

Wort für Wort
viśve devāḥ sapitaraḥ
die Allgötter samt den Vätern (Nom.Pl.)
gandharvāpsarasām gaṇāḥ
die Scharen der Gandharven und Apsaras
tṛptim yāsyanti
werden Sättigung erlangen (Fut.)
subhage
Schöne (Vok.)
tarpyamāṇāḥ tava ambhasā
gelabt werdend mit deinem Wasser (Part.Pass./Instr.)

ity uktvā sa tu tuṣṭāva vacobhir vai mahānadīm; prītaḥ paramahṛṣṭātmā yathāvac chṛṇu pārthiva

So gesprochen, lobpries er den großen Fluss mit Worten, erfreut, höchst frohen Herzens; höre es der Reihe nach, o Herrscher.

Wort für Wort
iti uktvā saḥ tu tuṣṭāva
so gesprochen habend, lobte er (Perf.)
vacobhiḥ vai mahānadīm
mit Worten den großen Fluss (Instr./Akk.)
prītaḥ paramahṛṣṭātmā
erfreut, höchst frohen Herzens
yathāvat śṛṇu pārthiva
höre gebührend, o König (Imp./Vok.)

prasṛtāsi mahābhāge saraso brahmaṇaḥ purā; jānanti tvāṃ saricchreṣṭhe munayaḥ saṃśitavratāḥ

„Du bist einst aus dem See des Brahmā hervorgegangen, Hochbeglückte; die Munis mit strengen Gelübden kennen dich, Beste der Flüsse.“

Wort für Wort
prasṛtā asi mahābhāge
hervorgegangen bist du, Hochbeglückte (Vok.)
sarasaḥ brahmaṇaḥ purā
aus dem See des Brahmā einst (Abl./Gen.)
jānanti tvām saricchreṣṭhe
kennen dich, Beste der Flüsse (Vok.)
munayaḥ saṃśitavratāḥ
die Munis mit strengen Gelübden

mama priyakarī cāpi satataṃ priyadarśane; tasmāt sārasvataḥ putro mahāṃs te varavarṇini

„Auch bist du mir stets gefällig, Schön-Anzusehende; darum ist dein Sohn groß [bedeutend], Schönfarbige.“

Wort für Wort
mama priyakarī ca api
und auch mir Liebes tuend (Nom.f.)
satatam priyadarśane
stets, Liebliche-Anzuschauende (Vok.)
tasmāt sārasvataḥ putraḥ
daher [wird dein] Sohn Sārasvata
mahān te varavarṇini
groß dein [Sohn], Schönfarbige (Vok.)

tavaiva nāmnā prathitaḥ putras te lokabhāvanaḥ; sārasvata iti khyāto bhaviṣyati mahātapāḥ

„Nach deinem Namen berühmt, wird dein Sohn, der Förderer der Welten, als Sārasvata bekannt sein, ein großer Asket.“

Wort für Wort
tava eva nāmnā prathitaḥ
eben nach deinem Namen berühmt (Instr./Part.)
putraḥ te lokabhāvanaḥ
dein Sohn, Welten-Förderer
sārasvataḥ iti khyātaḥ
als Sārasvata bekannt
bhaviṣyati mahātapāḥ
wird sein, von großer Askese (Fut.)

eṣa dvādaśavārṣikyām anāvṛṣṭyāṃ dvijarṣabhān; sārasvato mahābhāge vedān adhyāpayiṣyati

„Er, Sārasvata, wird in einer zwölf Jahre währenden Dürre, Hochbeglückte, die Stiere unter den Zweimalgeborenen die Veden lehren.“

Wort für Wort
eṣaḥ dvādaśavārṣikyām anāvṛṣṭyām
dieser in der zwölfjährigen Dürre
dvijarṣabhān
die Stiere der Zweimalgeborenen (Akk.Pl.)
sārasvataḥ mahābhāge
Sārasvata, Hochbeglückte
vedān adhyāpayiṣyati
wird die Veden lehren (Fut.Kaus.)

puṇyābhyaś ca saridbhyas tvaṃ sadā puṇyatamā śubhe; bhaviṣyasi mahābhāge matprasādāt sarasvati

„Und du wirst unter den reinen Flüssen stets die reinste sein, Schöne, Hochbeglückte, durch meine Gnade, Sarasvatī.“

Wort für Wort
puṇyābhyaḥ ca saridbhyaḥ tvam
und unter den reinen Flüssen du (Abl.Pl.)
sadā puṇyatamā śubhe
stets die reinste, Glänzende (Vok.)
bhaviṣyasi mahābhāge
wirst sein, Hochbeglückte (Fut.)
matprasādāt sarasvati
durch meine Gnade, Sarasvatī (Abl./Vok.)

evaṃ sā saṃstutā tena varaṃ labdhvā mahānadī; putram ādāya muditā jagāma bharatarṣabha

So von ihm gepriesen, ging der große Fluss, nachdem er den Wunsch erlangt hatte, erfreut mit dem Sohn davon, o Stier der Bharata.

Wort für Wort
evam sā saṃstutā tena
so von ihm gepriesen (Part.Pass.)
varam labdhvā mahānadī
einen Wunsch erlangt habend, der große Fluss
putram ādāya muditā
den Sohn nehmend, erfreut
jagāma bharatarṣabha
ging, o Stier der Bharata (Perf./Vok.)

etasminn eva kāle tu virodhe devadānavaiḥ; śakraḥ praharaṇānveṣī lokāṃs trīn vicacāra ha

Eben zu dieser Zeit aber, in der Feindschaft zwischen Göttern und Dānavas, durchstreifte Śakra, eine Waffe suchend, die drei Welten.

Wort für Wort
etasmin eva kāle tu
eben in dieser Zeit aber
virodhe devadānavaiḥ
bei der Feindschaft mit den Göttern und Dānavas (Lok./Instr.)
śakraḥ praharaṇānveṣī
Śakra, eine Waffe suchend (Nom.)
lokān trīn vicacāra ha
durchwanderte die drei Welten (Perf.)

na copalebhe bhagavāñ śakraḥ praharaṇaṃ tadā; yad vai teṣāṃ bhaved yogyaṃ vadhāya vibudhadviṣām

Und der Erhabene Śakra fand damals keine Waffe, die für sie geeignet wäre, um die Götterfeinde zu erschlagen.

Wort für Wort
na ca upalebhe bhagavān śakraḥ
und der Erhabene Śakra fand nicht (Perf.Med.)
praharaṇam tadā
eine Waffe damals
yat vai teṣām bhavet yogyam
die für sie geeignet wäre (Opt.)
vadhāya vibudhadviṣām
zur Erschlagung der Götterfeinde (Dat./Gen.)

tato 'bravīt surāñ śakro na me śakyā mahāsurāḥ; ṛte 'sthibhir dadhīcasya nihantuṃ tridaśadviṣaḥ

Da sprach Śakra zu den Göttern: „Die großen Asuras, die Feinde der Dreißig [Götter], sind für mich nicht zu erschlagen außer mit den Knochen des Dadhīca.“

Wort für Wort
tato 'bravīt surāñ śakro
da sprach zu den Göttern Śakra (3.Sg.Impf./Akk.Pl./Nom.Sg.)
na me śakyā mahāsurāḥ
nicht sind für mich möglich [zu töten] die großen Asuras (Nom.Pl.)
ṛte 'sthibhir dadhīcasya
außer mit den Knochen des Dadhīca (Instr.Pl./Gen.)
nihantuṃ tridaśadviṣaḥ
zu erschlagen die Feinde der Dreißig [Götter] (Inf./Akk.Pl.)

tasmād gatvā ṛṣiśreṣṭho yācyatāṃ surasattamāḥ; dadhīcāsthīni dehīti tair vadhiṣyāmahe ripūn

„Darum geht hin und bittet den besten der Seher, ihr besten der Götter: ‚Gib [uns] die Knochen, Dadhīca!‘ Mit ihnen werden wir die Feinde erschlagen.“

Wort für Wort
tasmād gatvā
darum, nachdem ihr gegangen seid (Abl./Abs.)
ṛṣiśreṣṭho yācyatām
der beste der Seher werde gebeten (Nom.Sg./3.Sg.Imp.Pass.)
surasattamāḥ
ihr Besten der Götter (Vok.Pl.)
dadhīcāsthīni dehīti
‚Dadhīca, gib die Knochen‘ (Vok./Akk.Pl./2.Sg.Imp.)
tair vadhiṣyāmahe ripūn
mit ihnen werden wir erschlagen die Feinde (Instr.Pl./1.Pl.Fut.Med./Akk.Pl.)

sa devair yācito 'sthīni yatnād ṛṣivaras tadā; prāṇatyāgaṃ kuruṣveti cakāraivāvicārayan; sa lokān akṣayān prāpto devapriyakaras tadā

Von den Göttern um die Knochen gebeten, tat der vortreffliche Seher damals ohne zu zögern, was sie erbaten [und sprach]: „Gebt das Leben auf!“ Und er erlangte da unvergängliche Welten, der den Göttern Liebes tat.

Wort für Wort
sa devair yācito 'sthīni
er, von den Göttern um die Knochen gebeten (Nom./Instr.Pl./Part.Pass./Akk.Pl.)
yatnād ṛṣivaras tadā
mit Eifer, der beste der Seher, damals (Abl./Nom.Sg./Adv.)
prāṇatyāgaṃ kuruṣveti
‚vollzieh die Lebensaufgabe!‘ (Akk./2.Sg.Imp.Med.)
cakāraivāvicārayan
tat es ohne zu überlegen (3.Sg.Perf./Part.Präs.)
sa lokān akṣayān prāpto
er, unvergängliche Welten erlangt habend (Akk.Pl./Part.Perf.Pass.)
devapriyakaras tadā
der den Göttern Liebes tat, damals (Nom.Sg./Adv.)

Die Reihenfolge der Wendungen im Sanskrit (prāṇatyāgaṃ kuruṣveti cakāra) ist verkürzt; gemeint ist, dass Dadhīca sein Leben hingab.

tasyāsthibhir atho śakraḥ saṃprahṛṣṭamanās tadā; kārayām āsa divyāni nānāpraharaṇāny uta; vajrāṇi cakrāṇi gadā gurudaṇḍāṃś ca puṣkalān

Aus seinen Knochen ließ nun Śakra, im Herzen hocherfreut, göttliche Waffen verschiedener Art anfertigen: Donnerkeile, Wurfscheiben, Keulen und mächtige schwere Stäbe in Menge.

Wort für Wort
tasyāsthibhir atho śakraḥ
aus seinen Knochen sodann Śakra (Instr.Pl./Nom.Sg.)
saṃprahṛṣṭamanās tadā
mit hocherfreutem Sinn damals (Bahuvrīhi Nom.Sg.)
kārayām āsa divyāni
ließ machen göttliche (Periphr.Perf.Kaus./Akk.Pl.n.)
nānāpraharaṇāny uta
Waffen mannigfacher Art, ferner (Akk.Pl.n.)
vajrāṇi cakrāṇi gadā
Donnerkeile, Wurfscheiben, Keulen (Akk.Pl./Akk.Pl. n. gadāḥ)
gurudaṇḍāṃś ca puṣkalān
und schwere Stäbe, reichlich (Akk.Pl.m.)

sa hi tīvreṇa tapasā saṃbhṛtaḥ paramarṣiṇā; prajāpatisutenātha bhṛguṇā lokabhāvanaḥ

Denn er [der Donnerkeil] wurde durch strenge Askese vom höchsten Seher Bhṛgu, dem Sohn des Prajāpati, zusammengefügt, der die Welten gedeihen lässt [?].

Wort für Wort
sa hi tīvreṇa tapasā
denn er durch strenge Askese (Nom./Instr.Sg.)
saṃbhṛtaḥ paramarṣiṇā
zusammengefügt/genährt vom höchsten Seher (Part.Pass./Instr.Sg.)
prajāpatisutenātha bhṛguṇā
vom Sohn des Prajāpati, ferner von Bhṛgu (Instr.Sg.)
lokabhāvanaḥ
Welten hervorbringend/gedeihen lassend (Nom.Sg.)

Bezug von sa und lokabhāvanaḥ unsicher: entweder der Donnerkeil oder Dadhīca bzw. Bhṛgu.

atikāyaḥ sa tejasvī lokasāravinirmitaḥ; jajñe śailaguruḥ prāṃśur mahimnā prathitaḥ prabhuḥ; nityam udvijate cāsya tejasā pākaśāsanaḥ

Riesenleibig war er, strahlend, aus dem Kern der Welten gebildet; geboren wurde er schwer wie ein Berg, hochragend, durch seine Größe berühmt, ein Herr. Vor seinem Glanz erschrickt der Bezwinger des Pāka stets.

Wort für Wort
atikāyaḥ sa tejasvī
übergroß von Leib, er, glanzvoll (Nom.Sg.)
lokasāravinirmitaḥ
aus dem Kern der Welten gebildet (Part.Pass.)
jajñe śailaguruḥ prāṃśur
wurde geboren, schwer wie ein Berg, hochragend (3.Sg.Perf.Med./Nom.Sg.)
mahimnā prathitaḥ prabhuḥ
durch Größe berühmt, mächtig (Instr.Sg./Part.Pass./Nom.Sg.)
nityam udvijate cāsya
stets erschrickt und vor seinem (3.Sg.Präs.Med./Gen.Sg.)
tejasā pākaśāsanaḥ
durch/vor Glanz der Bezwinger des Pāka [Indra] (Instr.Sg./Nom.Sg.)

tena vajreṇa bhagavān mantrayuktena bhārata; bhṛśaṃ krodhavisṛṣṭena brahmatejobhavena ca; daityadānavavīrāṇāṃ jaghāna navatīr nava

Mit diesem Donnerkeil, o Bhārata, der mit Zaubersprüchen geladen war, in heftigem Zorn geschleudert und aus der Glut des Brahman entstanden, erschlug der Erhabene neunmal neunzig [?] der Helden der Daityas und Dānavas.

Wort für Wort
tena vajreṇa bhagavān
mit diesem Donnerkeil der Erhabene (Instr.Sg./Nom.Sg.)
mantrayuktena bhārata
mit Spruch verbunden, Bhārata (Instr.Sg./Vok.Sg.)
bhṛśaṃ krodhavisṛṣṭena
heftig in Zorn geschleudert (Adv./Instr.Sg.)
brahmatejobhavena ca
und aus dem Glanz des Brahman entstanden (Instr.Sg.)
daityadānavavīrāṇāṃ
der Helden der Daityas und Dānavas (Gen.Pl.)
jaghāna navatīr nava
erschlug neun Neunziger (3.Sg.Perf./Akk.Pl.)

„navatīr nava“ wörtlich neun Neunziger, d. h. 810; Sinn nicht ganz sicher.

atha kāle vyatikrānte mahaty atibhayaṃkare; anāvṛṣṭir anuprāptā rājan dvādaśavārṣikī

Dann, als eine lange, sehr furchtbare Zeit verstrichen war, trat eine zwölfjährige Dürre ein, o König.

Wort für Wort
atha kāle vyatikrānte
dann, als die Zeit verstrichen war (Lok.Abs.)
mahaty atibhayaṃkare
in der großen, überaus furchtbaren (Lok.Sg.)
anāvṛṣṭir anuprāptā
Regenlosigkeit trat ein (Nom.Sg.f./Part.Pass.)
rājan dvādaśavārṣikī
o König, zwölfjährige (Vok./Nom.Sg.f.)

tasyāṃ dvādaśavārṣikyām anāvṛṣṭyāṃ maharṣayaḥ; vṛttyarthaṃ prādravan rājan kṣudhārtāḥ sarvatodiśam

In dieser zwölfjährigen Dürre liefen die großen Seher, vom Hunger gequält, um ihren Lebensunterhalt zu finden, nach allen Himmelsrichtungen auseinander, o König.

Wort für Wort
tasyāṃ dvādaśavārṣikyām
in dieser zwölfjährigen (Lok.Sg.f.)
anāvṛṣṭyāṃ maharṣayaḥ
in der Dürre, die großen Seher (Lok.Sg./Nom.Pl.)
vṛttyarthaṃ prādravan
um des Lebensunterhalts willen liefen sie auseinander (Adv./3.Pl.Impf.)
rājan kṣudhārtāḥ
o König, vom Hunger geplagt (Vok./Nom.Pl.)
sarvatodiśam
nach allen Himmelsrichtungen (Adv.)

digbhyas tān pradrutān dṛṣṭvā muniḥ sārasvatas tadā; gamanāya matiṃ cakre taṃ provāca sarasvatī

Als der Muni Sārasvata sie da aus allen Richtungen fortlaufen sah, fasste er den Entschluss zu gehen. Zu ihm sprach Sarasvatī:

Wort für Wort
digbhyas tān pradrutān dṛṣṭvā
aus den Richtungen sie fliehen sehend (Abl.Pl./Akk.Pl./Part.Pass./Abs.)
muniḥ sārasvatas tadā
der Muni Sārasvata damals (Nom.Sg.)
gamanāya matiṃ cakre
zum Gehen einen Entschluss fasste er (Dat./Akk./3.Sg.Perf.Med.)
taṃ provāca sarasvatī
zu ihm sprach Sarasvatī (Akk./3.Sg.Perf./Nom.Sg.)

na gantavyam itaḥ putra tavāhāram ahaṃ sadā; dāsyāmi matsyapravarān uṣyatām iha bhārata

„Du sollst von hier nicht fortgehen, mein Sohn. Ich werde dir stets Nahrung geben, die besten Fische; bleibe hier, Bhārata.“

Wort für Wort
na gantavyam itaḥ putra
nicht ist von hier zu gehen, Sohn (Gerundiv/Adv./Vok.)
tavāhāram ahaṃ sadā
dir Nahrung ich stets (Dat./Gen.Sg./Akk./Nom.)
dāsyāmi matsyapravarān
ich werde geben die besten Fische (1.Sg.Fut./Akk.Pl.)
uṣyatām iha bhārata
es werde hier geweilt, Bhārata (3.Sg.Imp.Pass./Vok.)

ity uktas tarpayām āsa sa pitṝn devatās tathā; āhāram akaron nityaṃ prāṇān vedāṃś ca dhārayan

So angesprochen, labte er die Ahnen und Götter, nahm stets Nahrung zu sich und erhielt so Lebenshauch und Vedas aufrecht.

Wort für Wort
ity uktas tarpayām āsa
so angesprochen, labte er (Part.Pass./Periphr.Perf.Kaus.)
sa pitṝn devatās tathā
er die Ahnen und Gottheiten ebenso (Nom./Akk.Pl.)
āhāram akaron nityaṃ
Nahrung nahm er zu sich (wörtl. machte), stets (Akk./3.Sg.Impf.Med.)
prāṇān vedāṃś ca dhārayan
Lebenshauch und Vedas erhaltend (Akk.Pl./Part.Präs.)

atha tasyām atītāyām anāvṛṣṭyāṃ maharṣayaḥ; anyonyaṃ paripapracchuḥ punaḥ svādhyāyakāraṇāt

Als dann diese Dürre vorüber war, befragten die großen Seher einander wieder um des Vedastudiums willen.

Wort für Wort
atha tasyām atītāyām
dann, als diese vergangen war (Lok.Abs.f.)
anāvṛṣṭyāṃ maharṣayaḥ
Dürre, die großen Seher (Lok.Sg./Nom.Pl.)
anyonyaṃ paripapracchuḥ
einander fragten sie (Adv./3.Pl.Perf.)
punaḥ svādhyāyakāraṇāt
wieder, wegen des Selbststudiums (Adv./Abl.)

teṣāṃ kṣudhāparītānāṃ naṣṭā vedā vidhāvatām; sarveṣām eva rājendra na kaś cit pratibhānavān

Bei ihnen allen, die, vom Hunger überwältigt, umhergelaufen waren, waren die Vedas verloren gegangen, o Herr der Könige; keiner war [des Wortes] mächtig.

Wort für Wort
teṣāṃ kṣudhāparītānāṃ
bei ihnen, vom Hunger Überwältigten (Gen.Pl.)
naṣṭā vedā vidhāvatām
verloren waren die Vedas, bei den Umherlaufenden (Nom.Pl./Gen.Pl.Part.)
sarveṣām eva rājendra
bei allen, o Herr der Könige (Gen.Pl./Vok.)
na kaś cit pratibhānavān
keiner war geistesgegenwärtig/fähig (Nom.Sg.)

„pratibhānavān“: geistesgegenwärtig, im Gedächtnis fest; hier: keiner konnte die Texte vortragen.

atha kaś cid ṛṣis teṣāṃ sārasvatam upeyivān; kurvāṇaṃ saṃśitātmānaṃ svādhyāyam ṛṣisattamam

Da ging einer der Seher zu Sārasvata hin, der mit gefestigtem Sinn das Selbststudium betrieb, dem Besten der Seher.

Wort für Wort
atha kaś cid ṛṣis teṣāṃ
da einer der Seher von ihnen (Nom.Sg./Gen.Pl.)
sārasvatam upeyivān
zu Sārasvata hingegangen (Akk./Part.Perf.Akt.)
kurvāṇaṃ saṃśitātmānaṃ
der betreibt, mit geschärftem/festem Selbst (Part.Med./Akk.Sg.)
svādhyāyam ṛṣisattamam
Selbststudium, den Besten der Seher (Akk.Sg.)

sa gatvācaṣṭa tebhyaś ca sārasvatam atiprabham; svādhyāyam amaraprakhyaṃ kurvāṇaṃ vijane jane

Er ging und berichtete ihnen von dem überaus strahlenden Sārasvata, der in menschenleerer Gegend das Selbststudium betrieb, den Unsterblichen gleich.

Wort für Wort
sa gatvācaṣṭa tebhyaś ca
er ging und berichtete ihnen (Abs./3.Sg.Impf.Med./Dat.Pl.)
sārasvatam atiprabham
Sārasvata, den überaus strahlenden (Akk.Sg.)
svādhyāyam amaraprakhyaṃ
das Selbststudium, den Unsterblichen ähnlich (Akk./Akk.Sg.)
kurvāṇaṃ vijane jane
der betreibt in menschenleerem Ort (Part.Med./Lok.Sg.)

tataḥ sarve samājagmus tatra rājan maharṣayaḥ; sārasvataṃ muniśreṣṭham idam ūcuḥ samāgatāḥ

Da versammelten sich alle großen Seher dort, o König, und sprachen, zusammengekommen, zu Sārasvata, dem Besten der Munis, dies:

Wort für Wort
tataḥ sarve samājagmus
da kamen alle zusammen (Adv./Nom.Pl./3.Pl.Perf.)
tatra rājan maharṣayaḥ
dort, o König, die großen Seher (Adv./Vok./Nom.Pl.)
sārasvataṃ muniśreṣṭham
zu Sārasvata, dem besten Muni (Akk.Sg.)
idam ūcuḥ samāgatāḥ
dies sprachen sie, zusammengekommen (3.Pl.Perf./Nom.Pl.Part.)

asmān adhyāpayasveti tān uvāca tato muniḥ; śiṣyatvam upagacchadhvaṃ vidhivad bho mamety uta

„Unterrichte uns!“, [sagten sie]. Da sprach der Muni zu ihnen: „Werdet, ihr Herren, nach Vorschrift meine Schüler.“

Wort für Wort
asmān adhyāpayasveti
‚uns unterrichte!‘ (Akk.Pl./2.Sg.Imp.Med.Kaus.)
tān uvāca tato muniḥ
zu ihnen sprach da der Muni (Akk.Pl./3.Sg.Perf./Nom.)
śiṣyatvam upagacchadhvaṃ
Schülerschaft geht ein (Akk./2.Pl.Imp.Med.)
vidhivad bho mamety uta
vorschriftsgemäß, ihr Herren, meine (Adv./Vok./Gen.Sg.)

tato 'bravīd ṛṣigaṇo bālas tvam asi putraka; sa tān āha na me dharmo naśyed iti punar munīn

Da sagte die Schar der Seher: „Ein Knabe bist du, Söhnchen.“ Er aber sagte den Munis wiederum: „Mein Dharma soll nicht zugrunde gehen.“

Wort für Wort
tato 'bravīd ṛṣigaṇo
da sprach die Seherschar (3.Sg.Impf./Nom.Sg.)
bālas tvam asi putraka
ein Knabe bist du, Söhnchen (Nom./2.Sg.Präs./Vok.)
sa tān āha
er sagte zu ihnen (Nom./Akk.Pl./3.Sg.Perf.)
na me dharmo naśyed
nicht mein Dharma gehe zugrunde (Gen./Nom./3.Sg.Opt.)
iti punar munīn
so wiederum zu den Munis (Adv./Akk.Pl.)

yo hy adharmeṇa vibrūyād gṛhṇīyād vāpy adharmataḥ; mriyatāṃ tāv ubhau kṣipraṃ syātāṃ vā vairiṇāv ubhau

„Wer nämlich wider das Dharma lehrt oder wider das Dharma annimmt, die beiden sollen rasch sterben, oder beide sollen zu Feinden werden.“

Wort für Wort
yo hy adharmeṇa vibrūyād
wer nämlich gegen das Dharma lehren sollte (Nom./Instr.Sg./3.Sg.Opt.)
gṛhṇīyād vāpy adharmataḥ
oder annehmen sollte, auch gegen das Dharma (3.Sg.Opt./Abl.-Adv.)
mriyatāṃ tāv ubhau kṣipraṃ
sterben sollen diese beiden bald (3.Du.Imp.Med./Nom.Du./Adv.)
syātāṃ vā vairiṇāv ubhau
oder sie sollen werden zu Feinden beide (3.Du.Opt./Nom.Du.)

na hāyanair na palitair na vittena na bandhubhiḥ; ṛṣayaś cakrire dharmaṃ yo 'nūcānaḥ sa no mahān

„Nicht durch Jahre, nicht durch graue Haare, nicht durch Reichtum, nicht durch Verwandte machten die Seher das Dharma [aus]; wer das Veda-Wissen besitzt, der ist für uns groß.“

Wort für Wort
na hāyanair na palitair
nicht durch Jahre, nicht durch graue Haare (Instr.Pl.)
na vittena na bandhubhiḥ
nicht durch Vermögen, nicht durch Verwandte (Instr.Sg./Instr.Pl.)
ṛṣayaś cakrire dharmaṃ
die Seher setzten fest das Dharma (Nom.Pl./3.Pl.Perf.Med./Akk.)
yo 'nūcānaḥ sa no mahān
wer Veda-Kundiger ist, der ist uns groß (Nom./Nom./Gen.Pl./Nom.)

„dharmaṃ cakrire“: eine Regel aufstellen, festsetzen; Sinn: der Rang bemisst sich nach Vedakenntnis.

etac chrutvā vacas tasya munayas te vidhānataḥ; tasmād vedān anuprāpya punar dharmaṃ pracakrire

Als sie diese Worte von ihm gehört hatten, erlangten jene Munis darauf regelgemäß die Vedas von ihm und betrieben danach wieder das Dharma.

Wort für Wort
etac chrutvā vacas tasya
dies Wort gehört habend, von ihm (Abs./Akk./Gen.)
munayas te vidhānataḥ
jene Munis, nach Vorschrift (Nom.Pl./Abl.-Adv.)
tasmād vedān anuprāpya
von ihm die Vedas erlangt habend (Abl./Akk.Pl./Abs.)
punar dharmaṃ pracakrire
wieder das Dharma übten sie aus (Adv./Akk./3.Pl.Perf.Med.)

ṣaṣṭir munisahasrāṇi śiṣyatvaṃ pratipedire; sārasvatasya viprarṣer vedasvādhyāyakāraṇāt

Sechzigtausend Munis wurden Schüler des Brahmanen-Sehers Sārasvata, um der Veda-Rezitation willen.

Wort für Wort
ṣaṣṭir munisahasrāṇi
sechzig Tausende von Munis (Nom.Pl.)
śiṣyatvaṃ pratipedire
erlangten die Schülerschaft (Akk./3.Pl.Perf.Med.)
sārasvatasya viprarṣer
des Sārasvata, des Brahmanen-Sehers (Gen.Sg.)
vedasvādhyāyakāraṇāt
wegen des Veda-Studiums (Abl.)

„ṣaṣṭir munisahasrāṇi“ wörtlich: sechzig Munitausende bzw. sechzigtausend.

muṣṭiṃ muṣṭiṃ tataḥ sarve darbhāṇāṃ te 'bhyupāharan; tasyāsanārthaṃ viprarṣer bālasyāpi vaśe sthitāḥ

Jeder brachte da eine Handvoll Darbha-Gras nach der anderen als Sitz für den Brahmanen-Seher herbei; obwohl er noch ein Knabe war, standen sie in seiner Gewalt.

Wort für Wort
muṣṭiṃ muṣṭiṃ tataḥ sarve
Handvoll um Handvoll, da alle (Akk.Sg./Adv./Nom.Pl.)
darbhāṇāṃ te 'bhyupāharan
von Darbha-Gras brachten sie herbei (Gen.Pl./3.Pl.Impf.)
tasyāsanārthaṃ viprarṣer
für seinen Sitz, den Brahmanen-Seher (Adv./Gen.Sg.)
bālasyāpi vaśe sthitāḥ
auch eines Knaben, in der Gewalt stehend (Gen.Sg./Lok.Sg./Nom.Pl.Part.)

tatrāpi dattvā vasu rauhiṇeyo; mahābalaḥ keśavapūrvajo 'tha; jagāma tīrthaṃ muditaḥ krameṇa; khyātaṃ mahad vṛddhakanyā sma yatra

Auch dort gab Rauhiṇeya [Baladeva], der Starkarmige, der ältere Bruder Keśavas, Reichtum und zog dann froh der Reihe nach zu dem berühmten großen Tīrtha, wo das Vṛddhakanyā [Ereignis stattfand] [?].

Wort für Wort
tatrāpi dattvā vasu
auch dort, Reichtum gegeben habend (Adv./Abs./Akk.)
rauhiṇeyo mahābalaḥ
Rauhiṇeya, der Starke (Nom.Sg.)
keśavapūrvajo 'tha
der ältere Bruder Keśavas, dann (Nom.Sg.)
jagāma tīrthaṃ muditaḥ krameṇa
ging zum Tīrtha, froh, der Reihe nach (3.Sg.Perf./Akk./Nom./Instr.)
khyātaṃ mahad vṛddhakanyā sma yatra
berühmt, groß; Vṛddhakanyā war [?] wo (Akk.n./Nom.f./Part./Adv.)

Der Vers bricht syntaktisch ab: „yatra vṛddhakanyā sma“ ist unvollständig; „sma“ und die Verbindung sind unsicher (Fortsetzung im nächsten Vers).

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