Kapitel 32: bhīmaduryodhanasaṃvādaḥ
Kṛṣṇas Tadel an Yudhiṣṭhira und der Wortwechsel zwischen Bhīma und Duryodhana vor dem Keulenkampf
Kṛṣṇa tadelt Yudhiṣṭhiras riskantes Angebot an Duryodhana, Bhīma sagt den Sieg zu und wird von den Seinen gerühmt; darauf folgen die gegenseitigen Schmähungen der beiden Gegner und die Kampfstimmung der Heere unmittelbar vor dem Zweikampf.
yat tvayā hi kṛtaṃ pūrvaṃ bhīmasenajighāṃsayā; tasyādya kāryavṛttasya vākyasyānṛṇyatāṃ vraja
Was von dir früher, in der Absicht, Bhīmasena zu töten, getan wurde – von jenem nun zur Tat gewordenen Wort komm zur Schuldlosigkeit [?].
Wort für Wort
yat tvayā hi kṛtaṃ pūrvaṃ
was nämlich von dir früher getan wurde (Instr.; Part. Pass. n.)
bhīmasenajighāṃsayā
aus dem Wunsch, Bhīmasena zu töten (Instr. Sg. f.; Desiderativabstraktum)
tasyādya kāryavṛttasya vākyasya
von diesem heute zur Tat gewordenen Wort (Gen. Sg.)
ānṛṇyatāṃ vraja
geh zur Schuldfreiheit (Akk. Sg. f.; Imp. 2.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers, nur in einem Teil der Handschriften; der Sinn ist unsicher, vermutlich Anspielung auf das frühere Vorhaben gegen Bhīma (eiserne Gestalt) und Yudhiṣṭhiras jetziges Wort.
ko nu sarvān vinirjitya śatrūn ekena vairiṇā; paṇitvā caikapāṇena rocayed evam āhavam
Wer würde wohl, nachdem er alle Feinde besiegt hat, gegen einen einzigen Gegner, und nachdem er [alles] auf einen einzigen Wurf gesetzt hat, einen solchen Kampf gutheißen?
Wort für Wort
ko nu sarvān vinirjitya śatrūn
wer wohl, nachdem er alle Feinde besiegt hat (Nom.; Absolutiv; Akk. Pl.)
ekena vairiṇā
mit einem einzigen Gegner (Instr.)
paṇitvā caikapāṇena
und nachdem er um einen einzigen Einsatz gewettet hat (Absolutiv; Instr.)
rocayed evam āhavam
würde gutheißen einen solchen Kampf (Opt. Kaus. 3.Sg.; Akk.)
der heute Duryodhana im Kampf (Rel. Nom.; Akk.; Lok.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers mit Lücke im überlieferten Text (vier Silben fehlen).
Den Keulenträger zu besiegen, vermöchte wohl [nicht einmal] ein Unsterblicher.
Wort für Wort
gadāhastaṃ vijetuṃ vai
den Keulenträger zu besiegen (Akk.; Infinitiv)
śaktaḥ syād amaro 'pi hi
fähig sein könnte selbst ein Unsterblicher (Nom.; Opt. 3.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der Sinn verlangt eine Verneinung („nicht einmal“); das Sanskrit steht formal ohne na, mit api „selbst“. Wortlaut wohl elliptisch.
ekaṃ vāsmān nihatya tvaṃ bhava rājeti vai punaḥ; nūnaṃ na rājyabhāgeṣā pāṇḍoḥ kuntyāś ca saṃtatiḥ; atyantavanavāsāya sṛṣṭā bhaikṣyāya vā punaḥ
„Oder erschlage einen von uns und sei dann König!“ – wieder [sagst du das]. Gewiss ist dies nicht Anteil am Reich [für uns]: die Nachkommenschaft Pāṇḍus und Kuntīs ist [wohl] für ewiges Waldleben oder wieder zum Betteln erschaffen.
Wort für Wort
ekaṃ vāsmān nihatya tvaṃ bhava rājeti vai punaḥ
oder einen von uns erschlagend sei du König, so wieder (Absolutiv; Imp.)
nūnaṃ na rājyabhāgeṣā
gewiss ist dies kein Reichsanteil (Nom. f.)
pāṇḍoḥ kuntyāś ca saṃtatiḥ
Nachkommenschaft Pāṇḍus und Kuntīs (Gen.; Nom. Sg. f.)
atyantavanavāsāya sṛṣṭā
erschaffen für endloses Waldleben (Dat.; Part. Pass. f.)
bhaikṣyāya vā punaḥ
oder wieder zum Betteln (Dat.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers; Konstruktion von „nūnaṃ na rājyabhāgā eṣā“ knapp und daher nicht ganz sicher [?].
Bhīma sprach: „Madhusūdana, verfalle nicht in Mutlosigkeit, Yadunandana; heute werde ich das äußerst schwer zu durchquerende jenseitige Ufer der Feindschaft erreichen.
Wort für Wort
bhīma uvāca
Bhīma sprach
madhusūdana mā kārṣīr viṣādaṃ yadunandana
Madhusūdana, mach nicht Mutlosigkeit, Freude der Yadus (Vok.; Aorist-Injunktiv mit mā; Akk.)
adya pāraṃ gamiṣyāmi
heute werde ich das andere Ufer erreichen (Fut. 1.Sg.)
vairasya bhṛśadurgamam
der Feindschaft, sehr schwer zugängliches (Gen.; Akk. n.)
sāmarān api lokāṃs trīn nānāśastradharān yudhi; yodhayeyaṃ raṇe hṛṣṭaḥ kim utādya suyodhanam
Selbst die drei Welten samt den Unsterblichen, mit allerlei Waffen in der Schlacht, würde ich im Kampf freudig bekämpfen – um wie viel eher heute Suyodhana!“
Wort für Wort
sāmarān api lokāṃs trīn
selbst die drei Welten samt den Göttern (Akk. Pl.)
nānāśastradharān yudhi
die vielerlei Waffen führen, im Kampf (Akk. Pl.; Lok.)
yodhayeyaṃ raṇe hṛṣṭaḥ
würde ich kämpfen lassen [d. h. bekämpfen] im Kampf, froh (Opt. Kaus. 1.Sg.; Nom.)
saṃjaya uvāca; tathā saṃbhāṣamāṇe tu harṣād utphullalocane; hasamāne bṛṃhamāṇe nardamāne ca naikaśaḥ; muhur muhur balāmāne kṣveḍāṃ muñcati cāsakṛt; vikārān naikarūpāṃś ca manyusaṃjananān bhṛśam; putrasyotpāṭanārthāya tava kurvati vāyuje; vāsudevaḥ pratītātmā bhīmaṃ vākyam athābravīt; naitac citraṃ mahābāho hanyās tvaṃ yat suyodhanam; yena vaiśravaṇo yuddhe maṇibhadraś ca yakṣarāṭ; yakṣarākṣasabhūtānāṃ sahasrāṇi hi naikaśaḥ; tasya te gaṇanāṃ yuddhe kaḥ kuryād dhṛtarāṣṭraje; yas tvaṃ nāgāyutaprāṇaṃ hiḍimbaṃ bhīmarūpiṇam; bakaṃ taddviguṇaṃ saṃkhye kirmīraṃ ca caturguṇam; hatavān astrarahitaḥ kīcakaṃ cāmaropamam; sa tvaṃ nihantā kauravyam atra kasyāsti saṃśayaḥ; tathokte vāsudevena dharmarājo 'bravīd idam; tavaiva tejasā kṛṣṇa haniṣyati suyodhanam; pūrṇapratijña evāyaṃ śatrūṇām antakṛt tathā; vipriyaṃ bhīmasenasya kṛtvā ko 'sti sukhī naraḥ; sātyakiḥ prāha kṛṣṇātmā bhīmaṃ saṃvīkṣya keśavam; nāyaṃ keśava sāmānyo gadāyuddhe vṛkodaraḥ; girīn aśeṣān saṃkruddhaś cūrṇayed yaḥ kṣaṇena ha; tasyāmānuṣadehasya kṣatriyasyāsti kā kathā; gajair gajān hayair aśvān rathāṃś caiva rathais tathā; apātayat samakṣaṃ te mama prītyartham eva ca; tathā saṃpūjayām āsa śauryaṃ bhīmasya phalgunaḥ; nakulaḥ sahadevaś ca praśaśaṃsuḥ punaḥ punaḥ; dhṛṣṭadyumnamukhāś caiva pāñcālāḥ somakaiḥ saha; rājāno hataśiṣṭāś ca praśaśaṃsur vṛkodaram; vividhābhiś ca vāgbhiś ca pūjayām āsur ādṛtāḥ; tad vaco bhīmasenasya sarva evābhyapūjayan; tato bhīmabalo bhīmo vāsudevapurogamaiḥ; pāṇḍavaḥ saha pāñcālaiḥ saṃstutaḥ karmabhis tathā; pūjitaś ca maheṣvāsas tadaiva tejito bhṛśam; avardhata balenāsau parvaṇīva mahodadhiḥ; uvāca suhṛdaḥ sarvān hṛṣṭaromodgamo mudā; keśavaṃ dharmarājaṃ ca samastān anujāṃs tathā; adya krodhaṃ vimokṣyāmi cirakālābhisaṃvṛtam; śalyam adyoddhariṣyāmi nihitaṃ dhṛtarāṣṭrajaiḥ
Saṃjaya sprach: Während er so sprach, mit vor Freude aufgeblühten Augen, lachend, brüllend und mehrfach schreiend, immer wieder [springend/sich reckend] [?], immer wieder das Kampfgebrüll ausstoßend und allerlei zornerregende Gebärden in Fülle zeigend – so tat der Sohn des Windes es zur Entwurzelung deines Sohnes – da sprach Vāsudeva, freudigen Sinnes, zu Bhīma dieses Wort: „Nicht erstaunlich ist es, Starkarmiger, dass du Suyodhana erschlagen wirst – du, von dem im Kampf Vaiśravaṇa und Maṇibhadra, der König der Yakṣas, [bedrängt wurden?] [?], und tausende Yakṣas, Rākṣasas und Wesen, mehrfach. Wer könnte bei dir im Kampf gegen den Dhṛtarāṣṭra-Sohn [noch] eine Rechnung [über den Ausgang] aufstellen? Du, der du den Hiḍimba, von zehntausend Elefanten an Kraft, den Furchtbaren, den Baka, doppelt so [stark], im Kampf den Kirmīra, viermal so [stark], und den Kīcaka, den Göttern gleich, erschlagen hast, ohne Waffen: du wirst den Kauravya erschlagen – wer hätte hierbei Zweifel?“ Als Vāsudeva so gesprochen hatte, sprach der Dharmakönig dies: „Durch deine Kraft, Kṛṣṇa, wird er Suyodhana erschlagen; dieser hier hat sein Gelübde erfüllt und ist so der Vernichter der Feinde; wer wäre glücklich, wenn er Bhīmasena Unliebes angetan hat?“ Sātyaki, Kṛṣṇa ergeben, sprach, Bhīma und Keśava anblickend: „Nicht gewöhnlich, Keśava, ist Vṛkodara im Keulenkampf; er könnte im Zorn alle Berge in einem Augenblick zermalmen; was ist da erst von einem Kṣatriya mit diesem übermenschlichen Körper zu sagen? Mit Elefanten hat er Elefanten, mit Rossen Rosse und mit Wagen Wagen niedergeworfen, vor deinen Augen und auch mir zur Freude.“ So pries Phalguna Bhīmas Tapferkeit; Nakula und Sahadeva lobten ihn immer wieder. Dhṛṣṭadyumna an der Spitze, die Pāñcālas mit den Somakas und die [übrigen] Könige, die dem Tod entronnen waren, lobten Vṛkodara; mit mancherlei Worten ehrten sie ihn ehrerbietig; jenes Wort Bhīmasenas priesen sie alle. Da wurde Bhīma, der Furchtbare an Kraft, von den Pāṇḍavas mit den Pāñcālas, die Vāsudeva an der Spitze hatten, für seine Taten gepriesen und geehrt, der große Bogenschütze, und sogleich sehr angefeuert; er wuchs an Kraft wie das große Meer zur Parvan-Zeit. Mit vor Freude gesträubten Körperhaaren sprach er zu allen Freunden, zu Keśava, dem Dharmakönig und allen jüngeren Brüdern: „Heute werde ich den lange aufgestauten Zorn lösen; den von den Dhṛtarāṣṭra-Söhnen [mir] eingesenkten Stachel (śalya) werde ich heute herausziehen.“
Wort für Wort
saṃjaya uvāca; tathā saṃbhāṣamāṇe tu
Saṃjaya sprach: als er so redete (Lok. abs., Part. Präs. Med.)
harṣād utphullalocane
mit vor Freude aufgeblühten Augen (Abl.; Bahuvrīhi Lok.)
hasamāne bṛṃhamāṇe nardamāne ca naikaśaḥ
lachend, brüllend und mehrfach schreiend (Part. Präs. Med. Lok.)
muhur muhur balāmāne kṣveḍāṃ muñcati cāsakṛt
immer wieder [sich reckend] [?], Kampfgebrüll ausstoßend und wiederholt (Part. Lok.; Akk.; Part. Präs. Lok.)
vikārān naikarūpāṃś ca manyusaṃjananān bhṛśam
und vielgestaltige Gebärden, zornerregend, sehr (Akk. Pl.)
putrasyotpāṭanārthāya tava kurvati vāyuje
als der Windsohn sie zur Entwurzelung deines Sohnes vollführte (Dat.; Gen.; Lok. abs.)
vāsudevaḥ pratītātmā bhīmaṃ vākyam athābravīt
da sprach Vāsudeva, freudigen Sinnes, zu Bhīma das Wort (Nom.; Akk.; Impf.)
naitac citraṃ mahābāho hanyās tvaṃ yat suyodhanam
das ist nicht erstaunlich, Starkarmiger, dass du Suyodhana erschlägst (Opt. 2.Sg.; Vok.)
yena vaiśravaṇo yuddhe maṇibhadraś ca yakṣarāṭ; yakṣarākṣasabhūtānāṃ sahasrāṇi hi naikaśaḥ
von dem im Kampf Vaiśravaṇa und Maṇibhadra, König der Yakṣas, [bedrängt wurden?] [?], und tausende Yakṣas, Rākṣasas, Wesen (Instr.; Nom.; Gen. Pl.)
tasya te gaṇanāṃ yuddhe kaḥ kuryād dhṛtarāṣṭraje
wer könnte bei dir eine Rechnung im Kampf aufstellen gegen den Dhṛtarāṣṭra-Sohn (Opt. 3.Sg.; Lok.)
heute werde ich den lange aufgestauten Zorn lösen; den von den Dhṛtarāṣṭra-Söhnen eingesenkten Stachel werde ich heute herausziehen (Fut. 1.Sg.; Part. Pass.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Umfangreicher Zusatztext (nur in einem Teil der Handschriften). Unsicher: „balāmāne“ (vermutlich verderbt für valgamāne „springend“) und der Bezug des Relativsatzes „yena vaiśravaṇo …“ (Konstruktion elliptisch). Bei „śalyam“ Wortspiel: Stachel/Pfeil und der Name des Königs Śalya.
„Auf dich gestützt, Starkarmiger, hat der Dharmakönig Yudhiṣṭhira seine Feinde erschlagen und seinen leuchtenden Glanz erlangt, daran ist kein Zweifel.
Wort für Wort
tvām āśritya mahābāho
auf dich gestützt, Starkarmiger (Akk.; Absolutiv; Vok.)
dharmarājo yudhiṣṭhiraḥ
der Dharmakönig Yudhiṣṭhira (Nom.)
nihatāriḥ svakāṃ dīptāṃ śriyaṃ prāpto
der die Feinde erschlagen hat, seinen leuchtenden Glanz erlangt hat (Bahuvrīhi; Akk. f.; Part. Perf. Pass.)
Kaliṅgas, Māgadhas, Östliche, Gāndhāras und ebenso die Kurus sind, nachdem sie im großen Kampf auf dich getroffen sind, erschlagen worden, Freude der Pāṇḍavas.
Wort für Wort
kaliṅgā māgadhāḥ prācyā gāndhārāḥ kuravas tathā
Kaliṅgas, Māgadhas, Östliche, Gāndhāras und ebenso Kurus (Nom. Pl.)
tvām āsādya mahāyuddhe
nachdem sie dich getroffen im großen Kampf (Absolutiv; Lok.)
nihatāḥ pāṇḍunandana
sind erschlagen, Freude Pāṇḍus (Part. Pass. Nom. Pl.; Vok.)
Und nachdem du auch Duryodhana erschlagen hast, übergib die meerumgürtete Erde dem Dharmarāja, Sohn der Kuntī, wie Viṣṇu [sie] dem Gatten der Śacī [übergab].
Wort für Wort
hatvā duryodhanaṃ ca api
nachdem du erschlagen hast, Duryodhana auch (Abs./Akk./Partikel)
prayaccha urvīṃ sasāgarām
übergib die Erde samt den Meeren (Imp.2.Sg./Akk.Sg.f.)
Heute werde ich den Stachel [śalya], der in deinem Herzen steckt, herausziehen, Pāṇḍava; nachdem ich den Sünder mit der Keule erschlagen habe, sei heute glücklich, König.
Wort für Wort
śalyam adya uddhariṣyāmi
den Stachel heute werde ich herausziehen (Akk./Adv./1.Sg.Fut.)
tava pāṇḍava hṛcchayam
deinen, Pāṇḍava, im Herzen liegenden (Gen./Vok./Akk.)
nihatya gadayā pāpam
erschlagen habend mit der Keule den Sünder (Abs./Instr./Akk.)
adya rājan sukhī bhava
heute, König, glücklich sei (Adv./Vok./Imp.2.Sg.)
Wortspiel: śalya bedeutet zugleich „Stachel, Pfeil“ und ist der Name des gefallenen Königs Śalya.
Diese Herausforderung nicht duldend, trat dein überaus kraftvoller Sohn sogleich entgegen, wie ein brünstiger Elefant einem brünstigen. Deinen Sohn, die Keule in der Hand, zum Kampf angetreten, sahen alle Pāṇḍavas gleich dem gipfelreichen Kailāsa.
Wort für Wort
tad āhvānam amṛṣyan vai
diese Herausforderung nicht duldend (Akk./Part.Präs./Partikel)
tava putraḥ ativīryavān
dein Sohn, überaus kraftvoll (Gen./Nom.)
pratyupasthitaḥ eva āśu
trat entgegen sogleich (Part.Nom./Adv.)
mattaḥ mattam iva dvipam
brünstig, wie einen brünstigen Elefanten (Nom./Akk.)
gadāhastaṃ tava sutaṃ
deinen Sohn, die Keule in der Hand (Akk.)
yuddhāya samupasthitam
zum Kampf herangetreten (Dat./Part.Akk.)
dadṛśuḥ pāṇḍavāḥ sarve
sahen alle Pāṇḍavas (Perf.3.Pl./Nom.)
kailāsam iva śṛṅgiṇam
wie den gipfeltragenden Kailāsa (Akk.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage (star), nur in einem Teil der Handschriften.
draupadī ca parikliṣṭā sabhāmadhye rajasvalā; dyūte yad vijito rājā śakuner buddhiniścayāt
Und Draupadī wurde inmitten der Versammlung misshandelt, in ihrer Blutung, als der König beim Würfelspiel besiegt wurde durch Śakunis Verstandesentschluss.
Wort für Wort
draupadī ca parikliṣṭā
und Draupadī, gequält (Nom./Part.Nom.f.)
sabhāmadhye rajasvalā
inmitten der Versammlung, menstruierend (Lok./Nom.f.)
dyūte yat vijitaḥ rājā
im Würfelspiel als besiegt wurde der König (Lok./Konj./Part./Nom.)
gadinaṃ ko 'dya māṃ pāpa jetum utsahate ripuḥ; nyāyato yudhyamānasya deveṣv api puraṃdaraḥ
Welcher Feind wagt es heute, mich, den Keulenträger, zu besiegen, Sünder? Selbst unter den Göttern [vermag es] Puraṃdara nicht, wenn ich nach dem Recht kämpfe.
Wort für Wort
gadinaṃ kaḥ adya māṃ pāpa
den Keulenträger, welcher heute mich, Sünder (Akk./Interr./Akk./Vok.)
jetum utsahate ripuḥ
zu besiegen wagt der Feind (Inf./3.Sg.Präs.Med./Nom.)
nyāyataḥ yudhyamānasya
der ich rechtmäßig kämpfe (Adv./Part.Gen.)
deveṣu api puraṃdaraḥ
unter den Göttern selbst Puraṃdara (Lok.Pl./Nom.)
Das Verb im zweiten Halbvers ist zu ergänzen („vermag es nicht“).
yad etat kathitaṃ pūrvaṃ madīyaṃ durviceṣṭitam; sarvaṃ tan na ca me kiṃ cic chaṅkitaṃ kartum eva hi; araṇye cāpi vasatiṃ dāsyaṃ ca paraveśmasu; tathā rūpaviparyāsam akariṣyam ahaṃ balāt; hatāś ca bāndhavās tubhyaṃ kṣayas tulyo 'yam āvayoḥ; patanaṃ saṃprati tu me yadi nāma bhaved yudhi; tad atiślāghyam eva syāt kālo vā tatra kāraṇam; adyāpi hi na me jetā dharmeṇāsti raṇājire; chadmanā yadi jeṣyadhvam akīrtiḥ sthāsyati dhruvam; adharmyā vāyaśasyā ca paścāt tapsyatha vai dhruvam
Was du da vorhin von meinem üblen Tun gesagt hast – von alldem war nichts, was ich zu tun gescheut hätte: auch das Wohnen im Wald und die Knechtschaft in fremden Häusern; ebenso hätte ich mit Gewalt die Verwandlung der Gestalt [?] vollzogen. Und erschlagen sind auch deine Verwandten; dieser Untergang ist uns beiden gleich. Sollte mir aber jetzt im Kampf der Fall bestimmt sein, so wäre das höchst rühmlich, oder die Zeit ist dafür der Grund. Auch jetzt ist mein Besieger im Kampf nach dem Recht nicht da; wenn ihr durch Trug siegen werdet, wird gewiss Unehre bleiben; [das ist] unrechtmäßig und ruhmlos – danach werdet ihr gewiss büßen.
Wort für Wort
yat etat kathitaṃ pūrvaṃ
was dies erzählt wurde vorhin (Rel./Dem./Part./Adv.)
madīyaṃ durviceṣṭitam
mein übles Tun (Akk./Akk.)
sarvaṃ tat na ca me kiṃ cit
von all dem nicht mir irgendetwas (Nom./Dem./Dat./Indef.)
śaṅkitaṃ kartum eva hi
gescheut, zu tun eben (Part./Inf./Partikel)
araṇye ca api vasatiṃ dāsyaṃ ca
im Wald auch Wohnen und Knechtschaft (Lok./Akk./Akk.)
paraveśmasu tathā rūpaviparyāsam
in fremden Häusern, ebenso Gestaltverwandlung (Lok.Pl./Adv./Akk.)
akariṣyam aham balāt
hätte ich vollzogen, ich, mit Gewalt (Kond.1.Sg./Nom./Abl.) [?]
hatāḥ ca bāndhavāḥ tubhyam
und erschlagen die Verwandten dir (Part.Nom.Pl./Nom.Pl./Dat.)
kṣayaḥ tulyaḥ ayam āvayoḥ
Untergang gleich dieser uns beiden (Nom./Nom./Dem./Gen.Du.)
patanaṃ saṃprati tu me
Fall aber jetzt mir (Nom./Adv./Gen.)
yadi nāma bhavet yudhi
wenn es etwa wäre im Kampf (Konj./Opt.3.Sg./Lok.)
tat atiślāghyam eva syāt
das höchst rühmlich wäre (Nom./Opt.3.Sg.)
kālaḥ vā tatra kāraṇam
oder die Zeit dabei Ursache (Nom./Konj./Adv./Nom.)
adya api hi na me jetā
auch jetzt ja nicht mein Besieger (Adv./Nom.)
dharmeṇa asti raṇājire
nach dem Recht ist im Kampfplatz (Instr./3.Sg.Präs./Lok.)
chadmanā yadi jeṣyadhve
durch Trug wenn ihr siegen werdet (Instr./Konj./2.Pl.Fut.Med.)
akīrtiḥ sthāsyati dhruvam
Unehre wird bleiben gewiss (Nom./3.Sg.Fut./Adv.)
adharmyā ca ayaśasyā ca
unrechtmäßig und ruhmlos (Nom.f.)
paścāt tapsyatha vai dhruvam
danach werdet ihr büßen gewiss (Adv./2.Pl.Fut./Partikel/Adv.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage (star); der Text ist an mehreren Stellen dunkel (bes. tathā rūpaviparyāsam akariṣyam ahaṃ balāt und hatāś ca bāndhavās tubhyam).
Und die Männer erfreuten ihn, gleich einem brünstigen Elefanten, wieder mit Händeklatschen, König – den König Duryodhana.
Wort für Wort
tam mattam iva mātaṅgam
ihn wie einen brünstigen Elefanten (Akk.)
talaśabdena mānavāḥ
mit Händeklatschen die Menschen (Instr./Nom.Pl.)
bhūyaḥ saṃharṣayām āsuḥ
wiederum erfreuten (Adv./Perf.Periphr.3.Pl.Kaus.)
rājan duryodhanaṃ nṛpam
König, den Duryodhana, den Herrscher (Vok./Akk./Akk.)
Der Bezug von taṃ ... duryodhanaṃ nṛpam ist syntaktisch auffällig; wörtlich wiedergegeben, ein Wechsel des Bezugs zu Bhīma erscheint nicht ausgeschlossen [?].