Kapitel 26: śakuniyuddhārambhaḥ
Kṛṣṇas Weisung, Arjunas Schwur und die Wende der Schlacht gegen Śakuni und die Trigartas
Nach dem Fall der großen Heerführer bleibt Duryodhana fast allein zurück; Kṛṣṇa und Arjuna beraten sich, und die Pāṇḍavas greifen die Reste des Kaurava-Heeres an, wobei Suśarman und Sudarśana fallen.
Saṃjaya sprach: Duryodhana, o Großkönig, und auch dein Sohn Sudarśana, die beiden [als] Rest der Erschlagenen, standen damals in der Schlacht inmitten der Rosse.
Wort für Wort
saṃjaya uvāca
Saṃjaya sprach (Perf. 3.Sg.)
duryodhano mahārāja
Duryodhana, o Großkönig (Nom./Vok.)
sudarśaś cāpi te sutaḥ
und auch Sudarśana, dein Sohn (Nom.)
hataśeṣau tadā saṃkhye
die beiden Überreste der Erschlagenen, damals im Kampf (Nom. Du./Lok.)
[Kṛṣṇa sprach:] „Die Feinde sind großenteils erschlagen, die Verwandten beschützt. Jener Stier unter den Śini [Sātyaki] hat Saṃjaya gefangen genommen und ist umgekehrt.“
Wort für Wort
śatravo hatabhūyiṣṭhāḥ
die Feinde, größtenteils erschlagen (Nom. Pl.)
jñātayaḥ paripālitāḥ
die Verwandten beschützt (Nom. Pl./Part. Pass.)
gṛhītvā saṃjayaṃ ca
und Saṃjaya ergriffen habend (Abs./Akk.)
asau nivṛttaḥ śinipuṃgavaḥ
jener kehrte um, der Stier der Śini (Nom./Part. Pass.)
Kṛṣṇas Rede beginnt hier; die Sprecherangabe fehlt im Text, der Übergang von uvāca (Vers 2) ist implizit.
Er steht mitten im Kampfgetümmel, nachdem er sein ganzes Heer in Gegenaufstellung geordnet hat. Wenn du ihn mit scharfen Pfeilen erschlagen hast, wirst du am Ziel deiner Aufgabe sein.
Wort für Wort
prativyūhya balaṃ sarvam
das ganze Heer in Gegenaufstellung ordnend (Abs./Akk.)
raṇamadhye vyavasthitaḥ
mitten im Kampf stehend (Lok./Part. Nom.)
enaṃ hatvā śitair bāṇaiḥ
ihn erschlagen habend mit scharfen Pfeilen (Akk./Abs./Instr. Pl.)
kṛtakṛtyo bhaviṣyasi
wirst du einer, der sein Werk vollendet hat (Nom./2.Sg.Fut.)
gajānīkaṃ hataṃ dṛṣṭvā tvāṃ ca prāptam ariṃdama; yāvan na vidravanty ete tāvaj jahi suyodhanam
Da du die Elefantenschar erschlagen und dich [hier] angelangt gesehen hast, o Bezwinger der Feinde: Solange diese nicht fliehen, erschlage Suyodhana!
Wort für Wort
gajānīkaṃ hataṃ dṛṣṭvā
die Elefantenschar erschlagen sehend (Akk./Part./Abs.)
tvāṃ ca prāptam ariṃdama
und dich angelangt [sehend], o Feindbezwinger (Akk./Part./Vok.)
yāvan na vidravanty ete
solange diese nicht fliehen (3.Pl.Präs.)
tāvaj jahi suyodhanam
so lange erschlage Suyodhana (Imp. 2.Sg./Akk.)
Der Vers ist knapp; ‚gesehen haben‘ bezieht sich auf die Feinde als Subjekt (ete): sinngemäß „solange sie, die die Elefantenschar erschlagen und dich angekommen sehen, nicht fliehen“.
Nachdem der Sohn des Dhṛtarāṣṭra im Kampf dein ganzes Heer erschlagen hat, nimmt er, die Söhne des Pāṇḍu für besiegt haltend, eine gewaltige Gestalt an.
Wort für Wort
tava hatvā balaṃ sarvam
dein [ganzes] Heer erschlagen habend (Abs./Akk.)
saṃgrāme dhṛtarāṣṭrajaḥ
im Kampf, der Dhṛtarāṣṭra-Sohn (Lok./Nom.)
jitān pāṇḍusutān matvā
die Pāṇḍusöhne als besiegt erachtend (Akk./Abs.)
rūpaṃ dhārayate mahat
nimmt/trägt eine große Gestalt an (3.Sg.Med./Akk.)
evam uktaḥ phalgunas tu kṛṣṇaṃ vacanam abravīt; dhṛtarāṣṭrasutāḥ sarve hatā bhīmena mānada; yāv etāv āsthitau kṛṣṇa tāv adya na bhaviṣyataḥ
So angesprochen, sagte Phalguna [Arjuna] zu Kṛṣṇa die Worte: „Alle Söhne des Dhṛtarāṣṭra sind von Bhīma erschlagen worden, o Ehrengeber. Diese beiden, die dort noch stehen, o Kṛṣṇa, werden heute nicht mehr sein.“
Wort für Wort
evam uktaḥ phalgunas tu
so angesprochen aber Phalguna (Part. Nom.)
kṛṣṇaṃ vacanam abravīt
zu Kṛṣṇa sprach die Worte (Akk./Impf. 3.Sg.)
dhṛtarāṣṭrasutāḥ sarve hatā bhīmena mānada
alle Söhne des Dhṛtarāṣṭra sind von Bhīma erschlagen, o Ehrengeber (Nom. Pl./Instr./Vok.)
yāv etāv āsthitau kṛṣṇa
diese beiden, die [hier] stehen, o Kṛṣṇa (Nom. Du./Vok.)
tāv adya na bhaviṣyataḥ
die beiden werden heute nicht mehr sein (Fut. 3.Du.)
yāv etāv āsthitau: die beiden noch Stehenden sind Duryodhana und Sudarśana (vgl. Vers 1); „alle“ ist Übertreibung.
„Bhīṣma ist erschlagen, Droṇa ist erschlagen, Karṇa, der Sohn des Vikartana, ist erschlagen; der König der Madras, Śalya, ist erschlagen, erschlagen, o Kṛṣṇa, ist Jayadratha.“
Wort für Wort
hato bhīṣmo hato droṇaḥ
erschlagen ist Bhīṣma, erschlagen Droṇa (Part. Nom.)
hayāḥ pañcaśatāḥ śiṣṭāḥ śakuneḥ saubalasya ca; rathānāṃ tu śate śiṣṭe dve eva tu janārdana; dantināṃ ca śataṃ sāgraṃ trisāhasrāḥ padātayaḥ
„Von Śakuni, dem Sohn der Subala, sind fünfhundert Pferde übrig, an Wagen nur noch zwei Hundert, o Janārdana; an Elefanten gut hundert, und dreitausend Fußsoldaten.“
Wort für Wort
hayāḥ pañcaśatāḥ śiṣṭāḥ
Pferde, fünfhundert, sind übrig (Nom. Pl.)
śakuneḥ saubalasya ca
des Śakuni, des Saubala (Gen.)
rathānāṃ tu śate śiṣṭe dve eva tu janārdana
an Wagen aber zwei Hundert übrig, o Janārdana (Gen. Pl./Nom. Du./Vok.)
dantināṃ ca śataṃ sāgram
und an Elefanten ein volles Hundert und mehr (Gen. Pl./Nom.)
na hi me mokṣyate kaś cit pareṣām iti cintaye; ye tv adya samaraṃ kṛṣṇa na hāsyanti raṇotkaṭāḥ; tān vai sarvān haniṣyāmi yady api syur amānuṣāḥ
„Denn keiner der Feinde wird mir entkommen, so denke ich. Doch die heute, o Kṛṣṇa, die Schlacht nicht verlassen werden, die Kampfgierigen, sie alle werde ich erschlagen, auch wenn sie Übermenschliche wären.“
Wort für Wort
na hi me mokṣyate kaś cit
denn nicht wird mir irgendeiner entkommen (Fut. Pass. 3.Sg.)
pareṣām iti cintaye
von den Feinden, so denke ich (Gen. Pl./1.Sg.Präs.)
ye tv adya samaraṃ kṛṣṇa
die aber heute den Kampf, o Kṛṣṇa (Nom./Akk./Vok.)
na hāsyanti raṇotkaṭāḥ
nicht verlassen werden, kampfwütig (Fut. 3.Pl./Nom.)
tān vai sarvān haniṣyāmi
sie fürwahr alle werde ich erschlagen (Akk./Fut. 1.Sg.)
yady api syur amānuṣāḥ
auch wenn sie Nichtmenschliche wären (Opt. 3.Pl./Nom.)
adya tā api vetsyanti sarvā nāgapurastriyaḥ; śrutvā patīṃś ca putrāṃś ca pāṇḍavair nihatān yudhi
Heute werden auch jene alle, die Frauen der Elefantenstadt, es erfahren, wenn sie hören, dass ihre Gatten und Söhne von den Pāṇḍavas in der Schlacht erschlagen sind.
Wort für Wort
adya tā api vetsyanti
heute werden auch sie erfahren (Fut. 3.Pl.)
sarvā nāgapurastriyaḥ
alle Frauen der Elefantenstadt [Hāstinapura] (Nom. Pl.)
śrutvā patīṃś ca putrāṃś ca
nachdem sie gehört haben, [dass] die Gatten und die Söhne (Abs./Akk. Pl.)
pāṇḍavair nihatān yudhi
von den Pāṇḍavas erschlagen sind, in der Schlacht (Instr./Part. Akk./Lok.)
tad anīkam abhiprekṣya trayaḥ sajjā mahārathāḥ; bhīmaseno 'rjunaś caiva sahadevaś ca māriṣa; prayayuḥ siṃhanādena duryodhanajighāṃsayā
Als sie jenes Heer erblickten, zogen die drei kampfbereiten großen Wagenkämpfer, Bhīmasena, Arjuna und Sahadeva, o Ehrwürdiger, mit Löwengebrüll los, in der Absicht, Duryodhana zu töten.
Wort für Wort
tad anīkam abhiprekṣya
jenes Heer erblickend (Abs.)
trayaḥ sajjā mahārathāḥ
die drei bereiten großen Wagenkämpfer (Nom. Pl.)
bhīmaseno 'rjunaś caiva sahadevaś ca māriṣa
Bhīmasena und Arjuna und Sahadeva, o Ehrwürdiger (Nom./Vok.)
Sudarśana, dein Sohn, griff Bhīmasena an; Suśarmā und Śakuni kämpften mit dem Kirīṭin [Arjuna]; und dein Sohn [Duryodhana], auf dem Rücken eines Pferdes, griff Sahadeva an.
Wort für Wort
sudarśanas tava suto
Sudarśana, dein Sohn (Nom.Sg.)
bhīmasenaṃ samabhyayāt
griff Bhīmasena an (Akk.; 3.Sg.Impf.)
suśarmā śakuniś ca eva
Suśarmā und Śakuni ebenso (Nom.)
yuyudhāte kirīṭinā
die beiden kämpften mit dem Kirīṭin (3.Du.Perf.; Instr.)
sahadevaṃ tava suto
Sahadeva, dein Sohn (Akk.; Nom.)
hayapṛṣṭhagato 'bhyayāt
auf dem Pferderücken befindlich griff an (Nom.; 3.Sg.Impf.)
śilāśitena ca vibho kṣurapreṇa mahāyaśāḥ; śiraś ciccheda prahasaṃs taptakuṇḍalabhūṣaṇam
Und mit einem am Stein geschliffenen Schneidepfeil, o Herr, schlug der hochberühmte [Arjuna] lachend [ihm] das von glühenden Ohrringen geschmückte Haupt ab.
Wort für Wort
śilāśitena ca vibho
und mit dem am Stein geschärften, o Herr (Instr.; Vok.)
kṣurapreṇa mahāyaśāḥ
mit dem Schneidepfeil, der hochberühmte (Instr.; Nom.)
śiraś ciccheda
das Haupt schlug er ab (Akk.; 3.Sg.Perf.)
prahasan
lachend (Part.Präs.)
taptakuṇḍalabhūṣaṇam
das mit glühenden Ohrringen als Schmuck [versehene] (Bahuvrīhi, Akk.)
Bezug des Kopfes unklar (Satyakarman?); Str. 39 nennt Suśarman als Gefallenen, dieser fällt aber erst in 45 f.
Danach, nachdem der Großwagenkämpfer mit seinen scharfen Pfeilen alle seine Gefolgsleute erschlagen hatte, ging er gegen das Heer der Bhārata, das [nur noch] aus Übriggebliebenen der Erschlagenen bestand.
Wort für Wort
tato 'sya niśitair bāṇaiḥ
darauf mit seinen scharfen Pfeilen (Instr.Pl.)
sarvān hatvā padānugān
alle Gefolgsleute erschlagen habend (Akk.Pl.; Abs.)
abhyagād
ging entgegen (3.Sg.Aor.)
bhāratīṃ senāṃ
das Heer der Bhārata (Akk.)
hataśeṣāṃ mahārathaḥ
das aus Resten der Erschlagenen [bestand], der Großwagenkämpfer (Akk.; Nom.)
tatas tu niśitair bāṇais tad anīkaṃ vṛkodaraḥ; indrāśanisamasparśaiḥ samantāt paryavākirat; tataḥ kṣaṇena tad bhīmo nyahanad bharatarṣabha
Da überschüttete der Wolfsbauch [Bhīma] jenes Heer ringsum mit scharfen Pfeilen, die in der Berührung dem Blitz Indras glichen; in einem Augenblick erschlug Bhīma es, o Stier der Bharata.
Wort für Wort
tatas tu niśitair bāṇais
darauf aber mit scharfen Pfeilen (Instr.Pl.)
tad anīkaṃ vṛkodaraḥ
jenes Heer, der Wolfsbauch (Akk.; Nom.)
indrāśanisamasparśaiḥ
deren Berührung dem Donnerkeil Indras gleicht (Bahuvrīhi, Instr.Pl.)
samantāt paryavākirat
ringsum überschüttete er (Adv.; 3.Sg.Impf.)
tataḥ kṣaṇena tad bhīmo
darauf in einem Augenblick es, Bhīma (Instr.; Nom.)
nyahanad bharatarṣabha
erschlug er, o Stier der Bharata (3.Sg.Impf.; Vok.)
teṣu tūtsādyamāneṣu senādhyakṣā mahābalāḥ; bhīmasenaṃ samāsādya tato 'yudhyanta bhārata; tāṃs tu sarvāñ śarair ghorair avākirata pāṇḍavaḥ
Als diese aber vernichtet wurden, kamen die überaus starken Heerführer auf Bhīmasena zu und kämpften dann, o Bhārata; doch sie alle überschüttete der Pāṇḍava mit furchtbaren Pfeilen.
Wort für Wort
teṣu tu utsādyamāneṣu
als diese aber vernichtet wurden (Lok.abs.; Part.Präs.Pass.)
senādhyakṣā mahābalāḥ
die Heerführer, sehr starken (Nom.Pl.)
bhīmasenaṃ samāsādya
Bhīmasena erreicht habend (Akk.; Abs.)
tato 'yudhyanta bhārata
dann kämpften sie, o Bhārata (3.Pl.Impf.Med.; Vok.)
tāṃs tu sarvāñ śarair ghorair
sie aber alle mit furchtbaren Pfeilen (Akk.Pl.; Instr.Pl.)