Kapitel 52: kurukṣetramāhātmya
Kuru pflügt das Feld: Ursprung und Heiligkeit von Kurukṣetra
Die Weisen erzählen Rāma (Balarāma), wie König Kuru das Feld Samantapañcaka pflügte und Indra ihm die Heilsverheißung für alle dort Sterbenden gewährte. Es folgt der Preis der Heiligkeit von Kurukṣetra.
Die Seher sprachen: „Prajāpatis nördliche Opferstätte wird es genannt, die ewige, o Rāma, Samantapañcaka, wo einst die Himmelsbewohner, die Spender großer Gaben, mit einem vortrefflichen Opferfest opferten.“
Wort für Wort
ṛṣaya ūcuḥ
die Seher sprachen (Nom.Pl.; Perf.3.Pl.)
prajāpater uttaravedir ucyate
Prajāpatis nördliche Altarstätte wird genannt (Gen.Sg./Nom.Sg./3.Sg.Pass.)
sanātanā rāma samantapañcakam
die ewige, o Rāma, Samantapañcaka (Nom.Sg.f./Vok./Nom.Sg.n.)
samījire yatra purā divaukasaḥ
wo einst die Himmelsbewohner opferten (3.Pl.Perf.Med./Nom.Pl.)
vareṇa satreṇa mahāvarapradāḥ
mit vortrefflichem Opferfest, die Spender großer Gaben (Instr.Sg./Nom.Pl.)
Und einst wurde es von dem klugen, besten der Königsseher, dem großherzigen Kuru, mit unermesslicher Glut viele Jahre lang beackert; daher wurde es hier als Kurukṣetra [„Kurus Feld“] weithin bekannt.
Wort für Wort
purā ca rājarṣivareṇa dhīmatā
und einst vom klugen besten der Königsseher (Instr.Sg.)
bahūni varṣāṇy amitena tejasā
viele Jahre lang, mit unermesslicher Glut (Akk.Pl./Instr.Sg.)
prakṛṣṭam etat kuruṇā mahātmanā
beackert wurde dieses vom großherzigen Kuru (PPP Nom.Sg.n./Instr.Sg.)
tataḥ kurukṣetram itīha paprathe
daher [wurde es] als „Kurukṣetra“ hier bekannt (Adv./3.Sg.Perf.Med.)
Als die Götter das hörten, sprachen sie zum Tausendäugigen diese Worte: „Man soll den Königsseher mit einer Gunstgabe zufriedenstellen, Śakra, wenn es möglich ist.“
Wort für Wort
tac chrutvā cābruvan devāḥ
dies gehört habend, sprachen die Götter (Abs./Impf.3.Pl./Nom.Pl.)
sahasrākṣam idaṃ vacaḥ
zum Tausendäugigen diese Rede (Akk.Sg./Akk.Sg.n.)
vareṇa cchandyatāṃ śakra
mit einer Gabe soll er umworben werden, Śakra (Instr.Sg./3.Sg.Imp.Pass./Vok.)
rājarṣir yadi śakyate
der Königsseher, wenn es möglich ist (Nom.Sg./Konj./3.Sg.Pass.)
mānavā ye nirāhārā dehaṃ tyakṣyanty atandritāḥ; yudhi vā nihatāḥ samyag api tiryaggatā nṛpa
„Menschen, die ohne Nahrung unermüdlich den Leib verlassen, oder die im Kampf recht erschlagen werden, ja sogar, o König, die in Tiergestalt Gegangenen [d. h. Tiere],“
Wort für Wort
mānavā ye nirāhārā
Menschen, die ohne Nahrung (Nom.Pl./Rel./Nom.Pl.)
dehaṃ tyakṣyanty atandritāḥ
den Leib aufgeben werden, unermüdlich (Akk.Sg./3.Pl.Fut./Nom.Pl.)
yudhi vā nihatāḥ samyag
oder im Kampf erschlagen, recht (Lok.Sg./PPP Nom.Pl./Adv.)
api tiryaggatā nṛpa
sogar zum Tierdasein Gegangene, o König (Nom.Pl./Vok.)
Konstruktion des Satzes über zwei Verse (13-14). tiryaggatāḥ: wörtlich „zum Tierdasein gegangen“.
„So, du Bester der Yadus, wurde dies einst vom Königsseher beackert, und auch von Śakra ist es gewährt worden: heilig für die, die ihren Lebenshauch entlassen,“
Wort für Wort
evam etad yaduśreṣṭha
so dies, Bester der Yadus (Adv./Nom.Sg.n./Vok.)
kṛṣṭaṃ rājarṣiṇā purā
gepflügt vom Königsseher einst (PPP Nom.Sg.n./Instr.Sg./Adv.)
śakreṇa cāpy anujñātaṃ
und auch von Śakra genehmigt (Instr.Sg./PPP Nom.Sg.n.)
puṇyaṃ prāṇān vimuñcatām
heilig für die, die die Lebenshauche lösen (Nom.Sg.n./Akk.Pl./Part.Gen.Pl.)
brahmādyaiś ca suraśreṣṭhaiḥ puṇyai rājarṣibhis tathā
„und von Brahmā und den anderen, den besten Göttern, sowie von den heiligen Königsehern ebenso [bestätigt].“
Wort für Wort
brahmādyaiś ca suraśreṣṭhaiḥ
und von Brahmā und anderen, besten Göttern (Instr.Pl.)
puṇyai rājarṣibhis tathā
von heiligen Königsseher-Weisen ebenso (Instr.Pl./Instr.Pl./Adv.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers; „von den heiligen Königsseher-Weisen“ = rājarṣibhiḥ. Konstruktion: Ergänzung von „gewährt/bestätigt“ aus dem Vorvers.
nātaḥ parataraṃ puṇyaṃ bhūmeḥ sthānaṃ bhaviṣyati; iha tapsyanti ye ke cit tapaḥ paramakaṃ narāḥ; dehatyāgena te sarve yāsyanti brahmaṇaḥ kṣayam; ye punaḥ puṇyabhājo vai dānaṃ dāsyanti mānavāḥ; teṣāṃ sahasraguṇitaṃ bhaviṣyaty acireṇa vai; ye ceha nityaṃ manujā nivatsyanti śubhaiṣiṇaḥ; yamasya viṣayaṃ te tu na drakṣyanti kadā cana; yakṣyanti ye ca kratubhir mahadbhir manujeśvarāḥ; teṣāṃ triviṣṭape vāso yāvad bhūmir dhariṣyati
„Darüber hinaus wird es keinen heiligeren Ort der Erde mehr geben. Alle Menschen, die hier irgendeine höchste Askese üben, werden durch das Verlassen des Leibes in Brahmās Wohnstätte gelangen. Die aber, die heilbringend Gaben spenden, deren Verdienst wird bald tausendfach anwachsen. Die Menschen, die hier beständig wohnen, Gutes erstrebend, werden Yamas Reich niemals sehen. Und die Herren der Menschen, die mit großen Opfern opfern, deren Wohnen im Himmel währt, solange die Erde bestehen wird.“
Wort für Wort
nātaḥ parataraṃ puṇyaṃ
nicht [gibt es] darüber hinaus Heiligeres (Adv./Komp.Nom.Sg.n.)
bhūmeḥ sthānaṃ bhaviṣyati
einen Ort der Erde wird es geben (Gen.Sg./Nom.Sg.n./3.Sg.Fut.)
iha tapsyanti ye ke cit tapaḥ paramakaṃ narāḥ
hier die irgendwelche höchste Askese üben, Männer (3.Pl.Fut.Med./Akk.Sg.n./Nom.Pl.)
dehatyāgena te sarve yāsyanti brahmaṇaḥ kṣayam
durch Leibesaufgabe gehen sie alle in Brahmās Wohnsitz (Instr.Sg./3.Pl.Fut./Gen.Sg./Akk.Sg.)
ye punaḥ puṇyabhājo vai dānaṃ dāsyanti mānavāḥ
die aber verdienstvollen Menschen, die Gaben geben werden (Nom.Pl./Akk.Sg./3.Pl.Fut.)
teṣāṃ sahasraguṇitaṃ bhaviṣyaty acireṇa vai
deren [Lohn] wird bald tausendfach sein (Gen.Pl./PPP Nom.Sg.n./3.Sg.Fut./Instr.Sg.)
ye ceha nityaṃ manujā nivatsyanti śubhaiṣiṇaḥ
und die Menschen, die hier immer wohnen werden, Gutes suchend (Nom.Pl./3.Pl.Fut./Nom.Pl.)
yamasya viṣayaṃ te tu na drakṣyanti kadā cana
Yamas Bereich werden sie niemals sehen (Gen.Sg./Akk.Sg./3.Pl.Fut.)
yakṣyanti ye ca kratubhir mahadbhir manujeśvarāḥ
und die mit großen Opfern opfern werden, Menschenherren (3.Pl.Fut./Instr.Pl./Nom.Pl.)
teṣāṃ triviṣṭape vāso yāvad bhūmir dhariṣyati
deren Wohnen im Himmel, solange die Erde bestehen wird (Gen.Pl./Lok.Sg./Nom.Sg./3.Sg.Fut.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; ye ... puṇyabhājaḥ ist als „die Verdienstvollen“ zu verstehen; „heilbringend“ ist Wiedergabe von puṇyabhājo (?).
api cātra svayaṃ śakro jagau gāthāṃ surādhipaḥ; kurukṣetre nibaddhāṃ vai tāṃ śṛṇuṣva halāyudha
„Auch hierzu hat Śakra selbst, der Herr der Götter, eine Strophe gesungen, die auf Kurukṣetra gedichtet ist; die höre, Pflugschwert-Träger [Halāyudha].“
Wort für Wort
api cātra svayaṃ śakro
und auch hierzu selbst Śakra (Adv./Adv./Nom.Sg.)
jagau gāthāṃ surādhipaḥ
sang eine Strophe, der Götterherr (Perf.3.Sg./Akk.Sg./Nom.Sg.)
kurukṣetre nibaddhāṃ vai
auf Kurukṣetra gedichtet, fürwahr (Lok.Sg./PPP Akk.Sg.f.)
„‚Nach Kurukṣetra werde ich gehen, in Kurukṣetra wohne ich‘: wer so entschlossen ist, wird eben dadurch in den Himmel gelangen. ‚Nach Kurukṣetra werde ich gehen, in Kurukṣetra wohne ich‘; so pflegen wir Aufenthalt, Schweigen und die Heldenhaltung. Auch wer so murmelt und wieder und wieder darüber nachsinnt, wird, selbst wenn er fern weilt, entschlossen den Himmel gewinnen.“
Wort für Wort
kurukṣetraṃ gamiṣyāmi kurukṣetre vasāmy aham
nach Kurukṣetra werde ich gehen, in Kurukṣetra wohne ich (Akk./1.Sg.Fut./Lok./1.Sg.Präs.)
ity evaṃ niścito bhūtvā
so entschlossen geworden (Abs.)
tenaiva svargam eṣyati
eben dadurch wird er zum Himmel gelangen (Instr./Akk./3.Sg.Fut.)
kurukṣetraṃ gamiṣyāmi kurukṣetre vasāmy aham
nach Kurukṣetra werde ich gehen, in Kurukṣetra wohne ich (1.Sg.Fut./1.Sg.Präs.)
tathā sthānaṃ ca maunaṃ ca vīrāsanam upāsmahe
so pflegen wir Aufenthalt, Schweigen und Heldensitz (Akk.Sg./1.Pl.Präs.Med.)
evaṃ pralapamāno 'pi cintayaṃś ca muhur muhuḥ
auch so murmelnd und immer wieder nachsinnend (Part.Präs.Med./Part.Präs.)
auch wenn er fern weilt, wird er den Himmel gewinnen, entschlossen (Nom.Sg./Opt.3.Sg./Akk.Sg./PPP)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; upāsmahe (1.Pl.Med.) im Text als „wir pflegen“ gedeutet (?); der Sinn der Zeile tathā sthānaṃ ca maunaṃ ca vīrāsanam ist unsicher.
„Die Besten der Götter und die trefflichsten Brahmanen, ebenso Nṛga und andere, die Hauptkönige, haben, o Menschenlöwe, mit kostbaren Opfern geopfert, ihre Leiber niedergelegt und sind auf einen guten Weg gelangt.“
Wort für Wort
surarṣabhā brāhmaṇasattamāś ca
die Götterstiere und die besten Brahmanen (Nom.Pl.)
tathā nṛgādyā naradevamukhyāḥ
ebenso Nṛga u. a., die vornehmsten Könige (Nom.Pl.)
iṣṭvā mahārhaiḥ kratubhir nṛsiṃha
geopfert habend mit kostbaren Opfern, o Menschenlöwe (Abs./Instr.Pl./Vok.)
saṃnyasya dehān sugatiṃ prapannāḥ
die Leiber niedergelegt, zum guten Ziel gelangt (Abs./Akk.Pl./Akk.Sg./PPP Nom.Pl.)
tarantukārantukayor yad antaraṃ; rāmahradānāṃ ca macakrukasya; etat kurukṣetrasamantapañcakaṃ; prajāpater uttaravedir ucyate
„Was zwischen Tarantuka und Arantuka liegt, und [zwischen] den Rāma-Seen und Macakruka: dies ist Kurukṣetra-Samantapañcaka, das man Prajāpatis nördliche Opferstätte nennt.“
Wort für Wort
tarantukārantukayor yad antaraṃ
was zwischen Tarantuka und Arantuka [liegt] (Gen.Du./Nom.Sg.n.)
rāmahradānāṃ ca macakrukasya
und [zwischen] den Rāma-Seen und Macakruka (Gen.Pl./Gen.Sg.)
etat kurukṣetrasamantapañcakaṃ
dies [ist] Kurukṣetra-Samantapañcaka (Nom.Sg.n.)
prajāpater uttaravedir ucyate
Prajāpatis nördliche Altarstätte wird genannt (Gen.Sg./Nom.Sg./3.Sg.Pass.)
„Heilvoll, groß, heilig ist dies für die Himmelsbewohner, hoch geschätzt, mit himmlischen Vorzügen ausgestattet; darum werden auch alle Herrscher der Erde, wenn sie [hier] erschlagen sind, den Weg der Hochgesinnten gehen.“
Wort für Wort
śivaṃ mahat puṇyam idaṃ divaukasāṃ
heilvoll, groß, heilig dies der Himmelsbewohner (Nom.Sg.n./Gen.Pl.)
susaṃmataṃ svargaguṇaiḥ samanvitam
hochgeschätzt, mit himmlischen Vorzügen versehen (Nom.Sg.n./Instr.Pl./PPP)
ataś ca sarve 'pi vasuṃdharādhipā
und darum auch alle Erdherren (Adv./Nom.Pl.)
hatā gamiṣyanti mahātmanāṃ gatim
erschlagen werden sie den Weg der Hochgesinnten gehen (PPP Nom.Pl./3.Pl.Fut./Gen.Pl./Akk.Sg.)