Kapitel 53: balarāmatīrthayātrāsamāpti nāradāgamanaṃ ca
Balarāmas Rückkehr von der Pilgerfahrt: Nārada berichtet vom Ende des Kurukrieges
Auf dem Weg zurück zum Kampfplatz besucht Balarāma heilige Stätten an der Sarasvatī; Nārada kommt hinzu, erzählt vom Untergang der Kuru-Heere und kündigt das Keulenduell von Bhīma und Duryodhana an, worauf Balarāma sich zum Ort des Zweikampfs aufmacht.
vaiśaṃpāyana uvāca; kurukṣetraṃ tato dṛṣṭvā dattvā dāyāṃś ca sātvataḥ; āśramaṃ sumahad divyam agamaj janamejaya
Vaiśaṃpāyana sprach: Nachdem er dann Kurukṣetra gesehen und der Sātvata [Balarāma] Gaben gespendet hatte, kam er, o Janamejaya, zu einer überaus großen, göttlichen Einsiedelei.
Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca
Vaiśaṃpāyana sprach (Perf.)
kurukṣetraṃ tato dṛṣṭvā
Kurukṣetra dann gesehen habend (Akk.; Abs.)
dattvā dāyāṃś ca sātvataḥ
und Gaben gegeben habend, der Sātvata (Akk.Pl.; Nom.Sg.; Abs.)
āśramaṃ sumahad divyam
zu einer sehr großen, göttlichen Einsiedelei (Akk.Sg.n.)
[Sie war] mit Madhūka- und Mango-Wäldern versehen, von Plakṣa- und Nyagrodha-Bäumen erfüllt, mit Ciribilva-Bäumen verbunden, heilig, von Jackfruchtbäumen und Arjuna-Bäumen erfüllt.
Wort für Wort
madhūkāmravanopetam
mit Madhūka- und Mangohainen versehen (Akk.Sg.n.; Kompositum)
plakṣanyagrodhasaṃkulam
von Plakṣa- und Nyagrodha-Feigenbäumen erfüllt (Akk.Sg.n.)
ciribilvayutam
mit Ciribilva-Bäumen verbunden (Akk.Sg.n.)
puṇyam
heilig, verdienstvoll (Akk.Sg.n.)
panasārjunasaṃkulam
von Jackfrucht- und Arjuna-Bäumen erfüllt (Akk.Sg.n.)
Als der beste der Yādavas sie gesehen hatte, die vortreffliche, mit heiligen Merkmalen [versehene], fragte er alle jene Seher: „Wessen vorzügliche Einsiedelei ist dies?“
Wort für Wort
taṃ dṛṣṭvā yādavaśreṣṭhaḥ
diese gesehen habend, der Beste der Yādavas (Abs.; Nom.Sg.)
pravaraṃ puṇyalakṣaṇam
die vortreffliche, mit heiligen Merkmalen (Akk.Sg.m.)
papraccha tān ṛṣīn sarvān
fragte jene Seher alle (Perf.3.Sg.; Akk.Pl.)
kasyāśramavaras tv ayam
wessen [ist] diese vorzügliche Einsiedelei aber (Gen.Sg.; Nom.Sg.m.)
Gerade hier ging eine Brahmanin, die als Mädchen die Keuschheit [des Vedaschülers] hielt, vollendet und im Yoga gefestigt, zum Himmel ein, eine durch Askese Vollendete, eine Asketin.
Wort für Wort
atraiva brāhmaṇī siddhā
gerade hier eine Brahmanin, vollendet (Nom.Sg.f.)
kaumārabrahmacāriṇī
von Mädchenzeit an keusch lebend (Nom.Sg.f.)
yogayuktā divaṃ yātā
im Yoga gefestigt, zum Himmel gegangen (Nom.Sg.f.; Part.Perf.Pass.)
Nachdem sie aber höchsten Yoga erlangt hatte, ging sie in den unübertrefflichen Himmel; in der Einsiedelei hatte die Glückliche die Frucht des Rossopfers genossen, [die Frucht] der Fruchtbringenden; die Hochbegnadete ging in den Himmel, geehrt von den Selbstbeherrschten.
Wort für Wort
sā tu prāpya paraṃ yogam
sie aber, erlangt habend höchsten Yoga (Abs.; Akk.Sg.m.)
gatā svargam anuttamam
ging zum Himmel, dem unübertrefflichen (Part.Perf.Pass. f.; Akk.)
bhuktvāśrame 'śvamedhasya
genossen habend in der Einsiedelei des Rossopfers (Abs.; Lok.; Gen.)
phalaṃ phalavatāṃ śubhā
die Frucht der Fruchtbringenden, die Glückliche (Akk.; Gen.Pl.; Nom.f.)
gatā svargaṃ mahābhāgā
zum Himmel gegangen, die Hochbegnadete (Part.; Akk.; Nom.f.)
pūjitā niyatātmabhiḥ
geehrt von den Selbstbeherrschten (Part.Pass.; Instr.Pl.)
Nachdem der starke Träger der Palmyra-Fahne dann nicht sehr weit gegangen war, sah er auf dem Berg ein heiliges, vortreffliches Pilgerbad und geriet in höchstes Staunen.
Wort für Wort
nātidūraṃ tato gatvā
nicht sehr weit dann gegangen (Adv.; Abs.)
nagaṃ tāladhvajo balī
den Berg, der Palmyra-Fahne Trägerhabende, der Starke (Akk.; Nom.Sg.)
puṇyaṃ tīrthavaraṃ dṛṣṭvā
ein heiliges, vorzügliches Pilgerbad gesehen habend (Akk.; Abs.)
vismayaṃ paramaṃ gataḥ
in höchstes Staunen geriet er (Akk.; Part.Perf.Pass.)
halāyudhas tatra cāpi dattvā dānaṃ mahābalaḥ; āplutaḥ salile śīte tasmāc cāpi jagāma ha; āśramaṃ paramaprīto mitrasya varuṇasya ca
Auch dort spendete der starke Halāyudha Gaben und badete im kühlen Wasser; von dort ging er dann weiter, höchst erfreut, zur Einsiedelei des Mitra und des Varuṇa.
Wort für Wort
halāyudhas tatra cāpi
Halāyudha auch dort (Nom.Sg.)
dattvā dānaṃ mahābalaḥ
Gabe gegeben habend, der sehr Starke (Abs.; Akk.; Nom.)
āplutaḥ salile śīte
badete (eingetaucht) im kühlen Wasser (Part.Pass.; Lok.Sg.n.)
Er badete im heiligen, sehr kühlen, klaren, reinen Wasser und erquickte die Väter und die Götter, er, im Kampf schwer zu bändigen; nachdem er dort eine Nacht mit Asketen und Brahmanen verbracht hatte, ging der Unerschütterliche zur heiligen Einsiedelei von Mitra und Varuṇa.
Wort für Wort
āplutaḥ salile puṇye
gebadet im heiligen Wasser (Part.Pass.; Lok.)
suśīte vimale śucau
sehr kühl, klar, rein (Lok.Sg.n.)
saṃtarpayām āsa pitṝn
erquickte die Väter (Periphr.Perf.; Akk.Pl.)
devāṃś ca raṇadurmadaḥ
und die Götter, der im Kampf Ungestüme (Akk.Pl.; Nom.Sg.)
tatroṣyaikāṃ tu rajanīm
dort verweilt habend eine Nacht (Abs.; Akk.Sg.)
yatibhir brāhmaṇaiḥ saha
mit Asketen [und] Brahmanen (Instr.Pl.)
mitrāvaruṇayoḥ puṇyam
der heiligen des Mitra und Varuṇa (Gen.Du.)
jagāmāśramam acyutaḥ
ging zur Einsiedelei der Unerschütterte (Perf.3.Sg.; Akk.; Nom.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).
snātvā tatrāpi dharmātmā parāṃ tuṣṭim avāpya ca; ṛṣibhiś caiva siddhaiś ca sahito vai mahābalaḥ; upaviṣṭaḥ kathāḥ śubhrāḥ śuśrāva yadupuṃgavaḥ
Auch dort badete der der Pflicht ergebene [Rāma], erlangte höchste Zufriedenheit und hörte, zusammen mit Sehern und Vollendeten sitzend, der Stier der Yadus, herrliche Erzählungen, der sehr Starke.
Wort für Wort
snātvā tatrāpi dharmātmā
gebadet habend auch dort, der Pflichtgesinnte (Abs.; Nom.Sg.)
parāṃ tuṣṭim avāpya ca
und höchste Zufriedenheit erlangt habend (Akk.; Abs.)
ṛṣibhiś caiva siddhaiś ca sahitaḥ
mit Sehern und Vollendeten zusammen (Instr.Pl.; Nom.Sg.)
Vom Kreis seiner Flechten umgeben, in goldfarbenem Bastgewand, von großer Askese, o König, einen goldenen Stab tragend und ebenso einen Wasserkrug tragend.
Wort für Wort
jaṭāmaṇḍalasaṃvītaḥ
vom Kreis der Flechten umhüllt (Nom.Sg.m.)
svarṇacīrī mahātapāḥ
goldenes Bastgewand tragend, von großer Askese (Nom.Sg.)
Nārada sprach: Zuerst wurden schon Bhīṣma, Droṇa und der Herr der Sindhus erschlagen, erschlagen [wurde] Karṇa, der Vaikartana, und seine Söhne, die großen Wagenkämpfer.
ahatāṃs tu mahābāho śṛṇu me tatra mādhava; dhārtarāṣṭrabale śeṣāḥ kṛpo bhojaś ca vīryavān; aśvatthāmā ca vikrānto bhagnasainyā diśo gatāḥ
Höre aber von mir, o Starkarmiger, o Mādhava, die dort Unerschlagenen: Im Heer der Dhṛtarāṣṭra-Söhne blieben übrig Kṛpa und der heldenhafte Bhoja sowie der tapfere Aśvatthāman; sie flohen mit zerschlagenem Heer in die Himmelsrichtungen.
Wort für Wort
ahatāṃs tu mahābāho
die Unerschlagenen aber, o Starkarmiger (Akk.Pl.; Vok.)
śṛṇu me tatra mādhava
höre von mir dort, o Mādhava (Imp.2.Sg.; Vok.)
dhārtarāṣṭrabale śeṣāḥ
im Heer der Dhṛtarāṣṭra-Söhne übrig [sind] (Lok.; Nom.Pl.)
kṛpo bhojaś ca vīryavān
Kṛpa und Bhoja, der heldenhafte (Nom.Sg.)
aśvatthāmā ca vikrāntaḥ
und Aśvatthāman, der tapfere (Nom.Sg.)
bhagnasainyā diśo gatāḥ
mit zerschlagenem Heer in die Richtungen gegangen (Nom.Pl.; Akk.Pl.)
**** **** trayaḥ samitimardanāḥ; kṛpaś ca kṛtavarmā ca droṇaputraś ca vīryavān; te 'pi vai vidrutā rāma diśo daśa bhayāt tadā
[Lücke] drei, die Bezwinger der Schlachtreihen; Kṛpa und Kṛtavarman und der heldenhafte Sohn des Droṇa: auch sie flohen, o Rāma, damals aus Furcht in die zehn Himmelsrichtungen.
Wort für Wort
trayaḥ samitimardanāḥ
drei, Schlachtenzermalmer (Nom.Pl.m.)
kṛpaś ca kṛtavarmā ca
Kṛpa und Kṛtavarman (Nom.Sg.)
droṇaputraś ca vīryavān
und der Sohn des Droṇa, heldenhaft (Nom.Sg.)
te 'pi vai vidrutā rāma
auch sie fürwahr geflohen, o Rāma (Nom.Pl.; Part.Pass.; Vok.)
diśo daśa bhayāt tadā
in die zehn Richtungen aus Furcht damals (Akk.Pl.; Abl.; Adv.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der erste Halbvers ist im Text lückenhaft (****); nur „drei, die Bezwinger der Schlachtreihen“ ist lesbar.
śayānaṃ dhārtarāṣṭraṃ tu stambhite salile tadā; pāṇḍavāḥ saha kṛṣṇena vāgbhir ugrābhir ārdayan
Als aber der Dhṛtarāṣṭra-Sohn dalag, während das Wasser damals festgehalten [gebannt] war, quälten ihn die Pāṇḍavas zusammen mit Kṛṣṇa mit scharfen Worten.
Wort für Wort
śayānaṃ dhārtarāṣṭraṃ tu
den Daliegenden, den Dhṛtarāṣṭra-Sohn aber (Part.Präs.; Akk.Sg.)
stambhite salile tadā
als das Wasser gebannt war damals (Lok.abs.)
pāṇḍavāḥ saha kṛṣṇena
die Pāṇḍavas mit Kṛṣṇa (Nom.Pl.; Instr.)
vāgbhir ugrābhir ārdayan
mit Worten, schrecklichen, quälten [ihn] (Instr.Pl.; Impf.3.Pl.)
vaiśaṃpāyana uvāca; nāradasya vacaḥ śrutvā tān abhyarcya dvijarṣabhān; sarvān visarjayām āsa ye tenābhyāgatāḥ saha; gamyatāṃ dvārakāṃ ceti so 'nvaśād anuyāyinaḥ
Vaiśaṃpāyana sprach: Nachdem er Nāradas Worte gehört und jene Besten der Zweimalgeborenen geehrt hatte, entließ er alle, die mit ihm gekommen waren, und wies seine Gefolgsleute an: „Geht nach Dvārakā!“
Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca
Vaiśaṃpāyana sprach (Perf.)
nāradasya vacaḥ śrutvā
Nāradas Wort gehört habend (Gen.; Akk.; Abs.)
tān abhyarcya dvijarṣabhān
jene geehrt habend, die Stiere der Zweimalgeborenen (Akk.Pl.; Abs.)
sarvān visarjayām āsa
alle entließ er (Akk.Pl.; Periphr.Perf.)
ye tenābhyāgatāḥ saha
die mit ihm gekommen waren (Nom.Pl.; Instr.)
gamyatāṃ dvārakāṃ ceti
„es werde gegangen nach Dvārakā“ und so (Imp.Pass.; Akk.)
so 'vatīryācalaśreṣṭhāt plakṣaprasravaṇāc chubhāt; tataḥ prītamanā rāmaḥ śrutvā tīrthaphalaṃ mahat; viprāṇāṃ saṃnidhau ślokam agāyad idam acyutaḥ
Vom vorzüglichsten der Berge, von der schönen Plakṣa-Quelle stieg er herab; dann sang Rāma, der Unerschütterliche, frohen Herzens, als er von der großen Frucht der Pilgerstätte gehört hatte, in Gegenwart der Brahmanen diesen Vers.
Wort für Wort
so 'vatīryācalaśreṣṭhāt
er, herabgestiegen vom besten der Berge (Abs.; Abl.)
plakṣaprasravaṇāc chubhāt
von der Plakṣa-Quelle, der schönen (Abl.Sg.)
tataḥ prītamanā rāmaḥ
dann frohen Herzens Rāma (Nom.Sg.)
śrutvā tīrthaphalaṃ mahat
gehört habend die große Frucht des Pilgerbads (Abs.; Akk.Sg.n.)
viprāṇāṃ saṃnidhau ślokam
in Gegenwart der Brahmanen einen Vers (Gen.Pl.; Lok.; Akk.)
agāyad idam acyutaḥ
sang diesen der Unerschütterliche (Impf.3.Sg.; Akk.; Nom.)
Wo gäbe es eine Freude, die dem Wohnen an der Sarasvatī gleichkäme? Wo gäbe es Vorzüge, die dem Wohnen an der Sarasvatī gleichkämen? Die Menschen, die zur Sarasvatī gelangt sind, sind in den Himmel gegangen; stets werden sie sich der Flussgöttin Sarasvatī erinnern.
Wort für Wort
sarasvatīvāsasamā kuto ratiḥ
dem Wohnen an der Sarasvatī gleich, woher Freude (Nom.Sg.f.; Adv.)
sarasvatīvāsasamāḥ kuto guṇāḥ
dem Wohnen an der Sarasvatī gleich, woher Vorzüge (Nom.Pl.m.)
sarasvatīṃ prāpya
zur Sarasvatī gelangt (Abs.; Akk.)
divaṃ gatā janāḥ
in den Himmel gegangen [sind] die Menschen (Akk.; Part.; Nom.Pl.)
sarasvatī sarvanadīṣu puṇyā; sarasvatī lokasukhāvahā sadā; sarasvatīṃ prāpya janāḥ suduṣkṛtāḥ; sadā na śocanti paratra ceha ca
Die Sarasvatī ist unter allen Flüssen die heilige; die Sarasvatī bringt stets der Welt Glück; wer zur Sarasvatī gelangt ist, trauert, selbst wenn er große Übeltaten begangen hat, nie, weder im Jenseits noch hier.
Wort für Wort
sarasvatī sarvanadīṣu puṇyā
die Sarasvatī unter allen Flüssen heilig (Nom.Sg.f.; Lok.Pl.)
sarasvatī lokasukhāvahā sadā
die Sarasvatī der Welt Glück bringend stets (Nom.Sg.f.)
sarasvatīṃ prāpya janāḥ
zur Sarasvatī gelangt, die Menschen (Abs.; Nom.Pl.)