Kapitel 34: balarāmatīrthayātrā prabhāsotpattiś ca
Balarāmas Pilgerfahrt an der Sarasvatī und die Entstehung des Prabhāsa-Tīrthas
Nach dem gescheiterten Friedensversuch Kṛṣṇas bleibt Balarāma neutral und zieht mit großem Gefolge und reichen Spenden auf Pilgerfahrt die Sarasvatī entlang. Auf Janamejayas Frage folgt die Erzählung von Somas Fluch, seiner Auszehrung und seiner Heilung in Prabhāsa.
Janamejaya sprach: Schon zuvor, als dieser Kampf bevorstand, war Rāma, der Herr, nachdem er Keśava angesprochen [und verabschiedet] hatte, zusammen mit den Vṛṣṇis fortgezogen [und sprach:]
Wort für Wort
janamejaya uvāca
Janamejaya sprach (Perf.)
pūrvam eva yadā rāmaḥ
schon zuvor, als Rāma (Adv./Nom.)
tasmin yuddha upasthite
als dieser Kampf bevorstand (Lok. abs.)
āmantrya keśavam
Keśava ansprechend/verabschiedend (Abs./Akk.)
yāto vṛṣṇibhiḥ sahitaḥ prabhuḥ
ging fort, mit den Vṛṣṇis vereint, der Herr (Part. Pass./Instr./Nom.)
sāhāyyaṃ dhārtarāṣṭrasya na ca kartāsmi keśava; na caiva pāṇḍuputrāṇāṃ gamiṣyāmi yathāgatam
„Dem Sohn des Dhṛtarāṣṭra werde ich keine Hilfe leisten, Keśava, und ebenso werde ich nicht zu den Söhnen des Pāṇḍu gehen, [sondern] so, wie ich gekommen bin [gehe ich].“
Wort für Wort
sāhāyyaṃ dhārtarāṣṭrasya
Hilfe dem Dhārtarāṣṭra (Akk./Gen.)
na ca kartāsmi keśava
und nicht werde ich leisten, Keśava (Fut. periphr. 1.Sg./Vok.)
Vaiśaṃpāyana sprach: Als die hochgesinnten Pāṇḍavas in Upaplavya Wohnung genommen hatten, wurde Madhusūdana zu Dhṛtarāṣṭra gesandt, wegen des Friedens, Starkarmiger, zum Wohl aller Lebewesen.
Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca
Vaiśaṃpāyana sprach (Perf.)
upaplavye niviṣṭeṣu pāṇḍaveṣu mahātmasu
als in Upaplavya niedergelassen die hochgesinnten Pāṇḍavas (Lok. abs.)
preṣito dhṛtarāṣṭrasya samīpam
wurde gesandt in die Nähe des Dhṛtarāṣṭra (Part. Pass./Gen./Akk.)
madhusūdanaḥ
Madhusūdana (Nom.)
śamaṃ prati mahābāho
im Hinblick auf Frieden, Starkarmiger (Präp./Vok.)
sa gatvā hāstinapuraṃ dhṛtarāṣṭraṃ sametya ca; uktavān vacanaṃ tathyaṃ hitaṃ caiva viśeṣataḥ; na ca tat kṛtavān rājā yathākhyātaṃ hi te purā
Er ging nach Hāstinapura, traf Dhṛtarāṣṭra und sprach ein wahres und vor allem heilsames Wort. Doch der König tat es nicht, wie dir ja früher berichtet wurde.
Wort für Wort
sa gatvā hāstinapuram
er, nach Hāstinapura gegangen (Nom./Abs./Akk.)
dhṛtarāṣṭraṃ sametya ca
und Dhṛtarāṣṭra begegnet (Akk./Abs.)
uktavān vacanaṃ tathyam
sprach ein wahres Wort (Part. Perf. Akt./Akk.)
hitaṃ caiva viśeṣataḥ
und heilsam, besonders (Akk./Adv.)
na ca tat kṛtavān rājā
und der König tat das nicht (Part. Perf. Akt./Nom.)
yathākhyātaṃ hi te purā
wie dir früher berichtet wurde (Part. Pass./Dat./Gen.)
dhīmān arivināśāya kṛtaṃ sarvaṃ sadā hariḥ; sasmāra sa tadā tatra idaṃ tatra punaḥ punaḥ
Der kluge Hari machte alles stets zur Vernichtung der Feinde; damals erinnerte er sich dort daran, dies dort wieder und wieder [?].
Wort für Wort
dhīmān arivināśāya
der Kluge, zur Vernichtung der Feinde (Nom./Dat.)
kṛtaṃ sarvaṃ sadā hariḥ
alles Getane stets, Hari (Part. Pass./Adv./Nom.)
sasmāra sa tadā tatra
erinnerte sich er damals dort (Perf. 3.Sg.)
idaṃ tatra punaḥ punaḥ
dies dort wieder und wieder (Pron./Adv.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Textlich unsicher und verderbt (Zusatzpassage); Sinn und Bezug von „idam“ unklar.
tato manyuparītātmā jagāma yadunandanaḥ; tīrthayātrāṃ haladharaḥ sarasvatyāṃ mahāyaśāḥ; maitre nakṣatrayoge sma sahitaḥ sarvayādavaiḥ
Da zog der Freudenspender der Yadus, der Pflugträger, im Innern von Zorn erfüllt, der hochberühmte, auf Pilgerfahrt zur Sarasvatī, unter dem Mond-Haus Maitra, zusammen mit allen Yādavas.
gacchann eva pathisthas tu rāmaḥ preṣyān uvāca ha; saṃbhārāṃs tīrthayātrāyāṃ sarvopakaraṇāni ca; ānayadhvaṃ dvārakāyā agnīn vai yājakāṃs tathā
Noch auf dem Weg im Gehen sprach Rāma zu [seinen] Dienern: „Bringt aus Dvārakā die Vorräte für die Pilgerfahrt und alle Gerätschaften, ferner die Feuer und die Opferpriester.“
Wort für Wort
gacchann eva pathisthaḥ tu
gerade im Gehen, auf dem Weg befindlich (Part. Präs./Nom.)
Gold und Silber, Kühe, Gewänder, Pferde, Elefanten und Wagen, Esel, Kamele und Lasttiere: Schnell soll alles Gerät für die Pilgerstätten herbeigebracht werden.
Wort für Wort
suvarṇaṃ rajataṃ caiva
Gold und Silber (Akk.)
dhenūr vāsāṃsi vājinaḥ
Kühe, Gewänder, Pferde (Akk. Pl.)
kuñjarāṃś ca rathāṃś caiva
und Elefanten und Wagen (Akk. Pl.)
kharoṣṭraṃ vāhanāni ca
Esel und Kamele, und Lasttiere (Akk.)
kṣipram ānīyatām sarvam
schnell soll gebracht werden alles (Imp. Pass./Nom.)
Nachdem Baladeva, der Großstarke, den Dienern so Weisung gegeben hatte, zog er, König, damals auf Pilgerfahrt, zur Zeit des Untergangs der Kurus; er hatte die Sarasvatī gegen den Strom, vom Meer her, aufgesucht.
Wort für Wort
evaṃ saṃdiśya tu preṣyān
so aufgetragen habend den Dienern (Abs./Akk.)
baladevo mahābalaḥ
Baladeva, der Großstarke (Nom.)
tīrthayātrāṃ yayau rājan
zog auf Pilgerfahrt, König (Akk./Perf./Vok.)
kurūṇāṃ vaiśase tadā
beim Verderben der Kurus damals (Gen./Lok./Adv.)
sarasvatīṃ pratisrotaḥ
die Sarasvatī gegen den Strom (Akk./Adv.)
samudrād abhijagmivān
vom Meer her aufgesucht habend (Abl./Part. Perf. Akt.)
ṛtvigbhiś ca suhṛdbhiś ca tathānyair dvijasattamaiḥ; rathair gajais tathāśvaiś ca preṣyaiś ca bharatarṣabha; gokharoṣṭraprayuktaiś ca yānaiś ca bahubhir vṛtaḥ
Er war umgeben von Opferpriestern und Freunden und anderen vorzüglichen Brahmanen, von Wagen, Elefanten und Pferden und Dienern, Stier der Bharatas, und von vielen Fahrzeugen, die von Rindern, Eseln und Kamelen gezogen wurden.
Wort für Wort
ṛtvigbhiś ca suhṛdbhiś ca
von Opferpriestern und Freunden (Instr. Pl.)
tathānyair dvijasattamaiḥ
und von anderen besten Brahmanen (Instr. Pl.)
rathair gajais tathāśvaiś ca
von Wagen, Elefanten und Pferden (Instr. Pl.)
preṣyaiś ca bharatarṣabha
und von Dienern, Stier der Bharatas (Instr. Pl./Vok.)
gokharoṣṭraprayuktaiś ca yānaiś ca
und von Fahrzeugen, mit Rindern, Eseln, Kamelen bespannt (Instr. Pl.)
Für Erschöpfte, an den Gliedern Ermattete, für Kinder und Hochbetagte wurden jene Fahrzeuge an den Orten bereitgehalten, Bhārata; für Hungrige war ringsum Speise bereitgestellt.
Wort für Wort
śrāntānāṃ klāntavapuṣām
für Erschöpfte, an Körper Ermattete (Gen. Pl.)
śiśūnāṃ vipulāyuṣām
für Kinder, für Langlebige/Hochbetagte (Gen. Pl.)
tāni yānāni deśeṣu
jene Fahrzeuge an den Orten (Nom. Pl./Lok. Pl.)
pratīkṣyante sma bhārata
wurden erwartet/bereitgehalten, Bhārata (Präs. Pass. + sma/Vok.)
[Er war] reich an stets Frohen, mit wohlschmeckender Speise, glückverheißend, mit Marktgassen, Verkaufsständen und Waren, umgeben von Hunderten mannigfacher Leute, mit vielerlei Bäumen und Schlingpflanzen, mit mancherlei Juwelen geschmückt.
Wort für Wort
nityapramuditopetaḥ
versehen mit stets Frohen (Nom., Kompositum)
svādubhakṣaḥ śubhānvitaḥ
mit wohlschmeckenden Speisen, Glück begleitet (Nom.)
vipaṇyāpaṇapaṇyānām
von Marktgassen, Verkaufsständen und Waren (Gen. Pl.)
nānājanaśatair vṛtaḥ
umgeben von Hunderten verschiedener Leute (Instr. Pl./Part. Pass.)
nānādrumalatopetaḥ
mit vielerlei Bäumen und Lianen versehen (Nom.)
nānāratnavibhūṣitaḥ
mit mancherlei Juwelen geschmückt (Nom.)
Der Satz von 34 ist nur Prädikativ ohne Verb; Anschluss an „sa panthāḥ“ (33).
Dann gab der Hochgesinnte, in der Zucht Gefestigte, an heiligen Tīrthas, König, den Brahmanen Reichtümer und Opferlöhne, der Yadu-Held, der Pflugträger, erfreut.
Wort für Wort
tato mahātmā niyame sthitātmā
dann der Hochgesinnte, in der Observanz gefestigt (Nom.)
puṇyeṣu tīrtheṣu vasūni rājan
an heiligen Tīrthas Güter, König (Lok. Pl./Akk. Pl./Vok.)
dogdhrīś ca dhenūś ca sahasraśo vai; suvāsasaḥ kāñcanabaddhaśṛṅgīḥ; hayāṃś ca nānāvidhadeśajātān; yānāni dāsīś ca tathā dvijebhyaḥ
Milchkühe und Kühe zu Tausenden, schön gekleidet, mit goldgefassten Hörnern, Pferde aus Ländern verschiedener Art, Fahrzeuge und Dienerinnen [gab er] ebenso den Brahmanen.
Wort für Wort
dogdhrīś ca dhenūś ca sahasraśo vai
Milchkühe und Kühe zu Tausenden (Akk. Pl./Adv.)
suvāsasaḥ kāñcanabaddhaśṛṅgīḥ
schön gekleidete, mit goldgefassten Hörnern (Akk. Pl. fem.)
hayāṃś ca nānāvidhadeśajātān
und Pferde, aus vielerlei Ländern gebürtig (Akk. Pl.)
ratnāni muktāmaṇividrumaṃ ca; śṛṅgīsuvarṇaṃ rajataṃ ca śubhram; ayasmayaṃ tāmramayaṃ ca bhāṇḍaṃ; dadau dvijātipravareṣu rāmaḥ
Juwelen, Perlen, Edelsteine und Korallen, Horngold [?] und glänzendes Silber, Gerät aus Eisen und aus Kupfer gab Rāma den Vorzüglichsten der Zweimalgeborenen.
Wort für Wort
ratnāni muktāmaṇividrumaṃ ca
Juwelen, Perlen, Edelsteine und Koralle (Akk.)
śṛṅgīsuvarṇaṃ rajataṃ ca śubhram
Horngold [?], und glänzendes Silber (Akk.)
ayasmayaṃ tāmramayaṃ ca bhāṇḍam
Gerät aus Eisen und aus Kupfer (Akk.)
dadau dvijātipravareṣu rāmaḥ
gab den Vorzüglichsten der Zweimalgeborenen, Rāma (Perf./Lok. Pl./Nom.)
„śṛṅgīsuvarṇa“ unsicher (Gold in Hornform bzw. eine bestimmte Goldart).
So gab der Hochgesinnte viel Vermögen an den vorzüglichsten Tīrthas der Sarasvatī; von unvergleichlicher Macht, edlen Wandels, zog er der Reihe nach dann nach Kurukṣetra.
Wort für Wort
evaṃ sa vittaṃ pradadau mahātmā
so gab er Vermögen, der Hochgesinnte (Perf./Akk./Nom.)
sarasvatītīrthavareṣu bhūri
an den besten Tīrthas der Sarasvatī reichlich (Lok. Pl./Adv.)
yayau krameṇāpratimaprabhāvaḥ
zog der Reihe nach, von unvergleichlicher Macht (Perf./Instr./Nom.)
janamejaya uvāca; sārasvatānāṃ tīrthānāṃ guṇotpattiṃ vadasva me; phalaṃ ca dvipadāṃ śreṣṭha karmanirvṛttim eva ca
Janamejaya sprach: „Sage mir die Entstehung der Vorzüge der Sārasvata-Tīrthas, und den Lohn, Bester der Zweifüßler, und auch die Vollbringung der Werke [dort].
Wort für Wort
janamejaya uvāca
Janamejaya sprach (Perf.)
sārasvatānāṃ tīrthānām
der Sārasvata-Tīrthas (Gen. Pl.)
guṇotpattiṃ vadasva me
die Entstehung der Vorzüge sage mir (Akk./Imp. Med./Dat.)
phalaṃ ca dvipadāṃ śreṣṭha
und den Lohn, Bester der Zweifüßler (Akk./Gen. Pl./Vok.)
vaiśaṃpāyana uvāca; tīrthānāṃ vistaraṃ rājan guṇotpattiṃ ca sarvaśaḥ; mayocyamānāṃ śṛṇu vai puṇyāṃ rājendra kṛtsnaśaḥ
Vaiśaṃpāyana sprach: „Höre, König, die von mir erzählte, heilige [Geschichte] von der Ausdehnung der Tīrthas und der Entstehung ihrer Vorzüge, Herr der Könige, vollständig und in allem.
Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca
Vaiśaṃpāyana sprach (Perf.)
tīrthānāṃ vistaraṃ rājan
der Tīrthas Ausdehnung, König (Gen. Pl./Akk./Vok.)
guṇotpattiṃ ca sarvaśaḥ
und die Entstehung der Vorzüge, ganz (Akk./Adv.)
mayocyamānāṃ śṛṇu vai
von mir Erzähltes höre (Part. Pass. Präs./Imp.)
puṇyāṃ rājendra kṛtsnaśaḥ
die heilige, Königsfürst, vollständig (Akk. fem./Vok./Adv.)
Zuerst, Großkönig, kam der Yadu-Held zusammen mit Priestern, Freunden und Scharen von Brahmanen zum heiligen Prabhāsa, wo der Herr der Sterne [der Mond] von der Schwindsucht geplagt wurde,
Wort für Wort
pūrvaṃ mahārāja yadupravīra
zuerst, Großkönig, der Yadu-Held (Adv./Vok./Nom.)
ṛtviksuhṛdvipragaṇaiś ca sārdham
zusammen mit Priestern, Freunden und Brahmanenscharen (Instr. Pl./Adv.)
puṇyaṃ prabhāsaṃ samupājagāma
zum heiligen Prabhāsa kam er (Akk./Perf.)
yatroḍurāḍ yakṣmaṇā kliśyamānaḥ
wo der Sternenkönig von der Schwindsucht geplagt wurde (Nom./Instr./Part. Pass.)
[und wo er] vom Fluch befreit, wieder Glanz erlangt hat und die ganze Welt erleuchtet, Männerfürst. So ist dies das vorzüglichste Tīrtha auf Erden; wegen seines Erstrahlens dort heißt es Prabhāsa.
Wort für Wort
vimuktaśāpaḥ punar āpya tejaḥ
vom Fluch befreit, wieder Glanz erlangt habend (Nom./Adv./Abs./Akk.)
sarvaṃ jagad bhāsayate narendra
erleuchtet die ganze Welt, Männerfürst (Akk./3.Sg.Kaus./Vok.)
evaṃ tu tīrthapravaraṃ pṛthivyām
so ist das vorzüglichste Tīrtha auf Erden (Adv./Nom./Lok.)
prabhāsanāt tasya tataḥ prabhāsaḥ
wegen seines Erstrahlens daher Prabhāsa (Abl./Gen./Adv./Nom.)
nakṣatrayoganiratāḥ saṃkhyānārthaṃ ca bhārata; patnyo vai tasya rājendra somasya śubhalakṣaṇāḥ
Sie waren, Bhārata, der Verbindung mit den Mondhäusern ergeben, und zwar zum Zweck der Zählung [der Tage]; [sie waren] die Gattinnen jenes Soma, Königsfürst, mit glückverheißenden Merkmalen.
Wort für Wort
nakṣatrayoganiratāḥ
der Mondhaus-Verbindung ergeben (Nom. Pl. fem.)
saṃkhyānārthaṃ ca bhārata
und zum Zweck der Zählung, Bhārata (Adv./Vok.)
patnyo vai tasya rājendra
Gattinnen von ihm, Königsfürst (Nom. Pl./Gen./Vok.)
somasya śubhalakṣaṇāḥ
des Soma, von glückverheißenden Merkmalen (Gen./Nom. Pl.)
Als Dakṣa ihre Worte gehört hatte, sprach er zu Soma: „Verhalte dich gegenüber [deinen] Gattinnen gleich, damit dich nicht großes Unrecht [Adharma] befällt.“
Wort für Wort
śrutvā tāsāṃ tu vacanaṃ
gehört habend, ihre Worte (Abs./Gen.Pl.f./Part./Akk.Sg.n.)
dakṣaḥ somam athābravīt
Dakṣa sprach da zu Soma (Nom.Sg./Akk.Sg./Adv./Impf.3.Sg.)
samaṃ vartasva bhāryāsu
verhalte dich gleich gegenüber den Gattinnen (Adv./Imp.2.Sg.Med./Lok.Pl.)
mā tvā adharmo mahān spṛśet
nicht soll dich großes Unrecht berühren (Prohib./Akk.Sg./Nom.Sg./Nom.Sg./Opt.3.Sg.)
tāś ca sarvābravīd dakṣo gacchadhvaṃ somam antikāt; samaṃ vatsyati sarvāsu candramā mama śāsanāt
Und zu ihnen allen sagte Dakṣa: „Geht weg von Soma; der Mond wird auf meine Weisung hin bei allen gleichmäßig weilen.“
Wort für Wort
tāś ca sarvā abravīd dakṣo
und zu allen sprach Dakṣa (Akk.Pl.f./Part./Akk.Pl.f./Impf.3.Sg./Nom.Sg.)
gacchadhvaṃ somam antikāt
geht weg von Soma (Imp.2.Pl./Akk.Sg./Abl.Sg.)
samaṃ vatsyati sarvāsu
gleichmäßig wird er weilen bei allen (Adv./Fut.3.Sg./Lok.Pl.f.)
candramā mama śāsanāt
der Mond, auf meine Weisung (Nom.Sg./Gen.Sg./Abl.Sg.)
„gacchadhvaṃ somam antikāt“: wörtlich „geht von Somas Nähe weg“; die Konstruktion mit Akk. somam ist ungewöhnlich, Sinn wahrscheinlich „geht [zu ihm] und weg von [meiner] Nähe“ – unsicher.
visṛṣṭās tās tadā jagmuḥ śītāṃśubhavanaṃ tadā; tathāpi somo bhagavān punar eva mahīpate; rohiṇīṃ nivasaty eva prīyamāṇo muhur muhuḥ
Entlassen gingen sie damals zur Wohnstatt des Kühlstrahligen [des Mondes]; dennoch, o Erdherr, hielt sich der erhabene Soma abermals nur bei Rohiṇī auf, immer wieder von Zuneigung erfüllt.
Wort für Wort
visṛṣṭās tās tadā jagmuḥ
entlassen, sie gingen damals (PPP Nom.Pl.f./Nom.Pl.f./Adv./Perf.3.Pl.)
śītāṃśubhavanaṃ tadā
zur Wohnung des Kühlstrahligen, damals (Akk.Sg.n./Adv.)
tathāpi somo bhagavān
dennoch Soma, der Erhabene (Adv./Nom.Sg./Nom.Sg.)
punar eva mahīpate
abermals eben, Erdherr (Adv./Vok.Sg.)
rohiṇīṃ nivasaty eva
bei Rohiṇī wohnt eben (Akk.Sg./Präs.3.Sg./Part.)
prīyamāṇo muhur muhuḥ
sich freuend, immer wieder (Part.Präs.Pass./Med. Nom.Sg./Adv.)
Da sagten sie alle vereint wieder zum Vater: „Wir werden in deinem Einsiedlerhain wohnen, dem Dienst an dir ergeben. Soma weilt nicht bei uns, er hat dein Wort nicht befolgt.“
Wort für Wort
tatas tāḥ sahitāḥ sarvā
da sie, vereint, alle (Adv./Nom.Pl.f./Nom.Pl.f./Nom.Pl.f.)
bhūyaḥ pitaram abruvan
wieder sprachen sie zum Vater (Adv./Akk.Sg./Impf.3.Pl.)
tava śuśrūṣaṇe yuktā
dir im Dienst hingegeben (Gen.Sg./Lok.Sg.n./PPP Nom.Pl.f.)
vatsyāmo hi tavāśrame
wir werden ja wohnen in deinem Einsiedlerhain (Fut.1.Pl./Part./Gen.Sg./Lok.Sg.)
somo vasati na asmāsu
Soma weilt nicht bei uns (Nom.Sg./Präs.3.Sg./Neg./Lok.Pl.)
na akarod vacanaṃ tava
er tat nicht dein Wort (Neg./Aor./Impf.3.Sg./Akk.Sg.n./Gen.Sg.)
„nākarod vacanaṃ tava“: wörtlich „er führte dein Wort nicht aus“.
Als der Erhabene dies gehört hatte, wurde er zornig, o Herr der Erde, und sandte im Groll die Auszehrung [yakṣman] gegen Soma aus; und sie ergriff den Herrn der Gestirne.
Wort für Wort
tac chrutvā bhagavān kruddho
dies gehört habend, der Erhabene, zornig (Akk.Sg.n./Abs./Nom.Sg./PPP Nom.Sg.)
yakṣmāṇaṃ pṛthivīpate
die Auszehrung, Herr der Erde (Akk.Sg./Vok.Sg.)
sasarja roṣāt somāya
sandte er aus im Zorn gegen Soma (Perf.3.Sg./Abl.Sg./Dat.Sg.)
sa ca uḍupatim āviśat
und sie den Herrn der Gestirne ergriff (Nom.Sg./Part./Akk.Sg./Impf.3.Sg.)
„yakṣman“: Auszehrung/Schwindsucht (Krankheit); „sa“ am Ende bezieht sich auf die Krankheit, grammatisch maskulin.
Von der Auszehrung überwältigt in seinem Wesen, nahm der Mond Tag für Tag ab; und er unternahm, o König, Anstrengungen zur Befreiung von dieser Auszehrung.
Wort für Wort
sa yakṣmaṇā abhibhūtātmā
er, von der Auszehrung, überwältigten Wesens (Nom.Sg./Instr.Sg./Bahuvrīhi Nom.Sg.)
akṣīyata ahar ahaḥ śaśī
nahm ab Tag für Tag der Mond (Impf.3.Sg.Pass./Adv./Nom.Sg.)
yatnaṃ ca api akarod rājan
und Mühe auch wandte er auf, König (Akk.Sg./Part./Part./Impf.3.Sg./Vok.Sg.)
mokṣārthaṃ tasya yakṣmaṇaḥ
zur Befreiung von dieser Auszehrung (Adv./Gen.Sg./Gen.Sg.)
kāraṇaṃ brūhi naḥ sarvaṃ yenedaṃ te mahad bhayam; śrutvā tu vacanaṃ tvatto vidhāsyāmas tato vayam
Nenne uns den ganzen Grund, weswegen dir dieses große Unheil [Furcht] [widerfährt]; wenn wir dann von dir das Wort gehört haben, werden wir [das Nötige] tun.“
Wort für Wort
kāraṇaṃ brūhi naḥ sarvam
den Grund sage uns ganz (Akk.Sg.n./Imp.2.Sg./Dat.Pl./Akk.Sg.n.)
yena idaṃ te mahad bhayam
wodurch dir dieses große Bedrängnis (Instr.Sg.n./Nom.Sg.n./Dat./Gen.Sg./Nom.Sg.n./Nom.Sg.n.)
śrutvā tu vacanaṃ tvattaḥ
gehört habend aber das Wort von dir (Abs./Part./Akk.Sg.n./Abl.Sg.)
vidhāsyāmas tato vayam
werden wir handeln dann wir (Fut.1.Pl./Adv./Nom.Pl.)
„mahad bhayam“: „große Furcht/Gefahr“; der Sinn „weswegen du in solcher Gefahr bist“ ist wahrscheinlich.
devās tasya vacaḥ śrutvā gatvā dakṣam athābruvan; prasīda bhagavan some śāpaś caiṣa nivartyatām
Nachdem die Götter seine Worte gehört hatten, gingen sie zu Dakṣa und sprachen: „Sei gnädig, Erhabener, gegenüber Soma; dieser Fluch möge aufgehoben werden!
Wort für Wort
devās tasya vacaḥ śrutvā
die Götter, seine Worte gehört habend (Nom.Pl./Gen.Sg./Akk.Sg.n./Abs.)
gatvā dakṣam athābruvan
gegangen, zu Dakṣa sprachen sie da (Abs./Akk.Sg./Adv./Impf.3.Pl.)
prasīda bhagavan some
sei gnädig, Erhabener, gegenüber Soma (Imp.2.Sg./Vok.Sg./Lok.Sg.)
śāpaś ca eṣa nivartyatām
und dieser Fluch werde zurückgenommen (Nom.Sg./Part./Nom.Sg./Imp.3.Sg.Pass.)
asau hi candramāḥ kṣīṇaḥ kiṃciccheṣo hi lakṣyate; kṣayāc caivāsya deveśa prajāś cāpi gatāḥ kṣayam
Denn dieser Mond ist geschwunden, nur ein Rest wird sichtbar; und durch sein Schwinden, Herr der Götter, sind auch die Geschöpfe dem Schwund verfallen.
Wort für Wort
asau hi candramāḥ kṣīṇaḥ
dieser ja, der Mond, geschwunden (Nom.Sg./Part./Nom.Sg./PPP Nom.Sg.)
kiṃcic cheṣo hi lakṣyate
nur ein wenig Rest wird wahrgenommen (Nom.Sg./Bahuvrīhi Nom.Sg./Part./Präs.3.Sg.Pass.)
kṣayāc ca eva asya deveśa
und durch eben sein Schwinden, Götterherr (Abl.Sg./Part./Part./Gen.Sg./Vok.Sg.)
prajāś ca api gatāḥ kṣayam
auch die Geschöpfe sind in den Untergang gegangen (Nom.Pl.f./Part./Part./PPP Nom.Pl.f./Akk.Sg.)
evam uktas tadā cintya prāha vākyaṃ prajāpatiḥ; naitac chakyaṃ mama vaco vyāvartayitum anyathā; hetunā tu mahābhāgā nivartiṣyati kena cit
So angesprochen, dachte der Prajāpati nach und sagte damals: „Dieses mein Wort lässt sich nicht anders wenden; doch aus einem [bestimmten] Grund, ihr Hochglücklichen, wird es sich irgendwie aufheben.
Wort für Wort
evam uktas tadā cintya
so angesprochen, damals, nachgedacht habend (Adv./PPP Nom.Sg./Adv./Abs.)
prāha vākyaṃ prajāpatiḥ
sprach die Rede, der Prajāpati (Perf.3.Sg./Akk.Sg.n./Nom.Sg.)
na etac chakyaṃ mama vaco
nicht ist dies möglich, mein Wort (Neg./Nom.Sg.n./Adj.Nom.Sg.n./Gen.Sg./Nom.Sg.n.)
vyāvartayitum anyathā
anders zu wenden (Inf.Kaus./Adv.)
hetunā tu mahābhāgā
doch durch einen Grund, ihr Hochglücklichen (Instr.Sg./Part./Vok.Pl.f.)
nivartiṣyati kena cit
wird es sich aufheben durch irgendeinen (Fut.3.Sg./Instr.Sg./Part.)
samaṃ vartatu sarvāsu śaśī bhāryāsu nityaśaḥ; sarasvatyā vare tīrthe unmajjañ śaśalakṣaṇaḥ; punar vardhiṣyate devās tad vai satyaṃ vaco mama
Soma möge sich gegenüber allen Gattinnen beständig gleich verhalten; wenn der Hasenzeichenträger in der vortrefflichen Tīrtha der Sarasvatī untertaucht, wird er wieder wachsen, ihr Götter; dies mein Wort ist wahr.
Wort für Wort
samaṃ vartatu sarvāsu
gleich verhalte er sich gegenüber allen (Adv./Imp.3.Sg./Lok.Pl.f.)
śaśī bhāryāsu nityaśaḥ
der Mond, gegenüber den Gattinnen, beständig (Nom.Sg./Lok.Pl./Adv.)
sarasvatyā vare tīrthe
in der vortrefflichen Furt der Sarasvatī (Gen.Sg./Lok.Sg.n./Lok.Sg.n.)
unmajjañ śaśalakṣaṇaḥ
auftauchend/untertauchend, der Hasenzeichenträger (Part.Präs. Nom.Sg./Nom.Sg.)
punar vardhiṣyate devāḥ
wieder wird er wachsen, ihr Götter (Adv./Fut.3.Sg.Med./Vok.Pl.)
tad vai satyaṃ vaco mama
dies ist wahr, mein Wort (Nom.Sg.n./Part./Nom.Sg.n./Nom.Sg.n./Gen.Sg.)
„unmajjan“: eigentlich „auftauchend“ (ud-majj); im Kontext des rituellen Bades wohl „nach dem Untertauchen auftauchend“, also „sich im Bad regenerierend“.
Zum westlichen Meer gelangt, dem Zusammenfluss der Sarasvatī mit dem Ozean, möge er den Herrn der Götter verehren; dann wird er [seinen] Glanz zurückerlangen.
Wort für Wort
samudraṃ paścimaṃ gatvā
zum westlichen Meer gegangen (Akk.Sg./Akk.Sg./Abs.)
sarasvatyabdhisaṃgamam
zum Zusammenfluss der Sarasvatī und des Meeres (Tatpuruṣa Akk.Sg.)
ārādhayatu deveśaṃ
verehre er den Götterherrn (Imp.3.Sg.Kaus./Akk.Sg.)
tataḥ kāntim avāpsyati
dann wird er Glanz erlangen (Adv./Akk.Sg./Fut.3.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage der kritischen Ausgabe.
amāvāsyāṃ mahātejās tatronmajjan mahādyutiḥ; lokān prabhāsayām āsa śītāṃśutvam avāpa ca
Der Hochglänzende, von großer Strahlkraft, tauchte dort am Neumondtag auf [aus dem Bad], erleuchtete die Welten und erlangte [wieder] die Kühlstrahligkeit.
Wort für Wort
amāvāsyāṃ mahātejās
am Neumondtag, der Hochkräftige (Akk.Sg.f./Nom.Sg.)
tatra unmajjan mahādyutiḥ
dort auftauchend, der Hochglänzende (Adv./Part.Präs. Nom.Sg./Nom.Sg.)
lokān prabhāsayām āsa
die Welten erleuchtete er (Akk.Pl./Perf.Kaus.3.Sg.)
śītāṃśutvam avāpa ca
und Kühlstrahligkeit erlangte er (Akk.Sg.n./Perf.3.Sg./Part.)
lokān prabhāsayām āsa pupoṣa ca vapus tathā; tatra snātvā halī rāmo dattvā prīto 'tha dakṣiṇām
Er erleuchtete die Welten und ließ auch [seinen] Körper wieder gedeihen. Dort badete Rāma, der Pflugträger, und gab erfreut Geschenke [Dakṣiṇā].
Wort für Wort
lokān prabhāsayām āsa
die Welten erleuchtete er (Akk.Pl./Perf.Kaus.3.Sg.)
pupoṣa ca vapus tathā
und ließ gedeihen den Körper ebenso (Perf.3.Sg./Part./Akk.Sg.n./Adv.)
tatra snātvā halī rāmo
dort gebadet habend, der Pflugträger Rāma (Adv./Abs./Nom.Sg./Nom.Sg.)
dattvā prīto atha dakṣiṇām
gegeben habend, erfreut, dann Opfergabe/Geschenk (Abs./PPP Nom.Sg./Adv./Akk.Sg.f.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; „pupoṣa“ (Perf. von puṣ) ist hier transitiv gebraucht (vapus als Objekt) oder das Subjekt Soma; Text unsicher. Der Satz endet in v. 92 (Rāma ging dann zu Camasodbheda).