Kapitel 15: ṛgvede 6.15 · imamū ṣu vo atithimuṣarbudhaṃ viśvāsāṃ viśāṃ patimṛñjase girā
Agni, Gast der Stämme, Bote und Hausherr
Langes Agni-Lied (19 Verse) mit Mythen (Bhṛgus, Atharvan, Reiben des Feuers), Botenamt zwischen Göttern und Menschen und Bitten um Schutz und Kraft; die letzten Verse sind Kultanweisungen. Der Infinitiv ṛñjase (Verse 1, 4) und einige Stellen in 1, 3, 5, 14 und 17 sind unsicher.
Diesen euren Gast, den bei der Morgenröte Erwachenden, den Herrn aller Stämme, will ich mit dem Lied ehren [Anm.: ṛñjase als Infinitiv 'um zu ehren/schmücken' gefasst]. / Er kommt ja vom Himmel her durch Geburt, der Reine, irgendwie [?]; lange verzehrt er als Keim das Feste [?].
mitraṃ na yaṃ sudhitaṃ bhṛgavo dadhurvanaspatāvīḍyamūrdhvaśociṣam / sa tvaṃ suprīto vītahavye adbhuta praśastibhirmahayase dive dive
Den die Bhṛgus wie einen Mitra (Freund/Bund) wohl gelegt haben im Baum, den Preisenswerten, mit aufwärts gerichtetem Glanz: / du, wohl erfreut, bei Vītahavya, Wunderbarer, wirst mit Lobpreisungen Tag für Tag groß gemacht.
Wort für Wort
mitram
wie einen Mitra/Freund (Akk. Sg.)
na
wie
yam
den (Rel. Akk. Sg.)
su-dhitam
wohl gelegt (Akk. Sg.)
bhṛgavaḥ
die Bhṛgus (Nom. Pl.)
dadhuḥ
haben gesetzt (3. Pl. Perf.)
vanaspatau
im Baum (Lok. Sg.)
īḍyam
preisenswert (Akk. Sg.)
ūrdhva-śociṣam
mit aufwärts gerichtetem Glanz (Akk. Sg.)
saḥ
er/der (Nom.)
tvam
du (Nom.)
su-prītaḥ
wohl erfreut (Nom. Sg.)
vīta-havye
bei Vītahavya/dem Opfergaben-Genießenden (Lok. Sg.)
Du, ungefährdet [Anm.: a-vṛka: nicht wolfhaft/räuberisch], wurdest Förderer der Geschicklichkeit, der Herr, des Fernen und des Nahen Überwinder [?]. / Reichtum, Sohn der Kraft, unter den Sterblichen! Gib Schutzdach (chardis) dem Vītahavya, weiträumig, dem Bharadvāja, weiträumig.
Wort für Wort
saḥ
du/er (Nom.)
tvam
du (Nom.)
dakasya
der Geschicklichkeit (Gen. Sg.) [PP dakasya, wohl dakṣasya]
dyutānaṃ vo atithiṃ svarṇaramagniṃ hotāraṃ manuṣaḥ svadhvaram / vipraṃ na dyukṣavacasaṃ suvṛktibhirhavyavāhamaratiṃ devam ṛñjase
Den leuchtenden, euren Gast, den Mann des Lichts [Anm.: svar-nara: Mann/Herr des Himmelslichts], Agni, den Rufer des Manu, den mit gutem Kultweg, / wie einen Seher himmlischen Wortes [?], mit Lobliedern, den Gabenfahrer, den Diener/Lenker, den Gott will ich ehren.
pāvakayā yaścitayantyā kṛpā kṣāman ruruca uṣaso na bhānunā / tūrvan na yāmannetaśasya nū raṇa ā yo ghṛṇe na tatṛṣāṇo ajaraḥ
Der mit reinigender, wahrnehmbarer Gestalt [?] auf der Erde erstrahlt ist wie mit dem Strahl der Morgenröten, / wie ein Sieger auf der Fahrt des Etaśa, nun im Kampf, der (wie) Dürstender in der Glut, nicht alternd.
agnim-agniṃ vaḥ samidhā duvasyata priyam-priyaṃ vo atithiṃ gṛṇīṣaṇi / upa vo gīrbhiramṛtaṃ vivāsata devo deveṣu vanate hi vāryaṃ devo deveṣu vanate hi no duvaḥ
Agni um Agni [jedes Feuer] ehrt mit Brennholz; euren lieben, jeden lieben Gast will ich preisen. / Mit Liedern bringt den Unsterblichen zu Gunsten; der Gott gewinnt unter den Göttern das Wünschenswerte, der Gott gewinnt unter den Göttern unseren Dienst.
Wort für Wort
agnim-agnim
jedes Feuer/Agni um Agni (Akk. Sg. distributiv)
vaḥ
euch/euer (Dat./Gen. Pl.)
sam-idhā
mit Brennholz (Instr. Sg.)
duvasyata
ehrt (2. Pl. Imp.)
priyam-priyam
jeden lieben (Akk. Sg. distributiv)
vaḥ
euch/euren (Gen. Pl.)
atithim
Gast (Akk. Sg.)
gṛṇīṣaṇi
will preisen (1. Sg. Konj. Med.)
upa
hin zu
vaḥ
euch/euren (Gen.)
gīḥ-bhiḥ
mit Liedern (Instr. Pl.)
amṛtam
Unsterblichen (Akk. Sg.)
vivāsata
bringt zu Gunsten/sucht zu gewinnen (2. Pl. Konj.)
Den entfachten Agni preise ich mit dem Brennholz und dem Lied, den Reinen, Läuternden, vorn im Kult Feststehenden, / den Seher, Rufer, vielerwünschten, nicht schädigenden, den Dichter, erbitten wir mit Gunst, den Jātavedas.
Dich, den Boten, Agni, den Unsterblichen, haben Zeitalter um Zeitalter als Gabenfahrer, Hüter, Preisenswerten eingesetzt; / Götter und Sterbliche haben sich beim wachen, alldurchdringenden Herrn der Stämme mit Verneigung niedergelassen.
Beide (Seiten) gemäß den Geboten schmückend, Agni, gehst du als Bote der Götter zwischen die beiden Räume zusammen; / da wir deine Andacht und dein Wohlwollen erwählen, so sei uns nun dreifach schützend, gütig.
taṃ supratīkaṃ sudṛśaṃ svañcamavidvāṃso viduṣṭaraṃ sapema / sa yakṣad viśvā vayunāni vidvān pra havyamagniramṛteṣu vocat
Ihn, den Schönantlitzigen, Schönblickenden, Wohlzugewandten, wollen wir, die Unwissenden, den Wissenderen, verehren. / Er möge verehren alle Erkenntnisse, der Wissende; Agni möge die Opfergabe unter den Unsterblichen verkünden.
Den schützt du, Agni, und den förderst du, der dir, Held, dem Seher, einen Gedanken dargebracht hat; / sei es die Schärfung (Ansporn) der Weihehandlung oder ihre Erhebung: eben den erfüllst du mit Kraft und Reichtum.
Du, Agni, schütze (uns) vor dem Feindseligen; du (schütze) uns, Kraftvoller, vor Tadel. / Zu dir möge rauchend [?] Bereich [?] kommen und begehrenswerter, tausendfacher Reichtum.
agnirhotā gṛhapatiḥ sa rājā viśvā veda janimā jātavedaḥ / devānāmuta yo martyānāṃ yajiṣṭhaḥ sa pra yajatām ṛtāvā
Agni ist der Rufer, der Hausherr, er der König, er kennt alle Herkünfte, Jātavedas; / wer unter Göttern und Sterblichen der am besten Verehrende ist, er möge verehren, der Wahrhaftige.
agne yadadya viśo adhvarasya hotaḥ pāvakaśoce veṣ ṭvaṃ hi yajvā / ṛtā yajāsi mahinā vi yad bhūrhavyā vaha yaviṣṭha yā te adya
Agni, wenn du heute, Rufer des Kultes, Reinglänzender, die Stämme (aufsuchst) [?], denn du bist Verehrer; / verehre wahrhaftig in Größe, wie du warst; bringe die Gaben herbei, Jüngster, die dir heute (gehören).
abhi prayāṃsi sudhitāni hi khyo ni tvā dadhīta rodasī yajadhyai / avā no maghavan vājasātāvagne viśvāni duritā tarema tā tarema tavāvasā tarema
Auf die wohlgelegten Gaben hast du geschaut; der Mensch soll dich einsetzen, um Himmel und Erde zu verehren. / Hilf uns, Gabenreicher, bei der Beutegewinnung, Agni; alle Nöte mögen wir überwinden; diese mögen wir überwinden, mit deiner Hilfe mögen wir überwinden.
Agni, schönantlitziger, mit allen Göttern setze dich als Erster auf den wollenen Sitz, die Heimstatt [Anm.: kulāyanim/kulāyinam: Nest/Heimstatt; Lesung unsicher]; / den schmalzhaltigen; führe die Weihehandlung dem Savitṛ, dem Verehrer, gut zu.
Diesen da reiben wie Atharvan die Ordner als Agni; den, der mit dem Haken geht [?], haben sie hergeholt, den nicht Verwirrten, für die Dunkelbraunen [?].
Wort für Wort
imam
diesen (Akk. Sg.)
oṃ iti
fürwahr
tyam
jenen (Akk. Sg.)
atharva-vat
wie Atharvan (Adv.)
agnim
Agni (Akk.)
manthanti
reiben (3. Pl.)
vedhasaḥ
die Ordner (Nom. Pl.)
yam
den (Rel. Akk. Sg.)
aṅku-yantam
mit dem Haken gehend/hakend (Akk. Sg.) [?]
ā
her
anayan
brachten (3. Pl. Impf.)
amūram
nicht verwirrt (Akk. Sg.)
syāvyābhyaḥ
für die Dunkelbraunen/Śyāvī-Frauen (Dat. Pl. Fem.) [?]
Werde geboren zum Genuss der Götter, zum Wohlergehen, in der Gesamtheit; / bringe die Götter herbei, die Unsterblichen, die die Ordnung mehren; berühre [?] die Weihehandlung unter den Göttern.
vayamu tvā gṛhapate janānāmagne akarma samidhā bṛhantam / asthūri no gārhapatyāni santu tigmena nastejasā saṃ śiśādhi
Wir haben dich, Hausherr der Menschen, Agni, mit Brennholz groß gemacht. / Ungeschmälert [?; asthūri] seien uns die Hausherrenrechte; mit scharfem Glanz schärfe uns.