Kapitel 17: ṛgvede 6.17 · pibā somamabhi yamugra tarda ūrvaṃ gavyaṃ mahi gṛṇānaindra
Anruf an Indra: Soma, Vṛtra-Schlag und Rinderbefreiung
Indra-Lied (15 Verse) über den Somatrunk und die Taten Indras (Aufbrechen des Pferchs, Sonne und Uṣas, Keule des Tvaṣṭṛ, Wasserfreisetzung), am Ende Bitte um Kraftpreis und langes Leben; Vers 6 enthält ein Rätselbild (Gekochtes in Rohen), Vers 10-11 einige unsichere Wörter.
pibā somamabhi yamugra tarda ūrvaṃ gavyaṃ mahi gṛṇānaindra / vi yo dhṛṣṇo vadhiṣo vajrahasta viśvā vṛtramamitriyā śavobhiḥ
Trink den Soma, mit dem du, Gewaltiger, den Rinderpferch aufgebrochen hast, groß gepriesen, Indra; der du, Kühner, Keulenträger, Vṛtra und alle Feindseligkeiten mit deinen Kräften niedergeschlagen hast. [Anm.: ūrva "Einhegung, Pferch", gavya "aus Rindern bestehend"; mythisch die Befreiung der Rinder (Vala), Bildrede möglich.]
sa īṃ pāhi ya ṛjīṣī tarutro yaḥ śipravān vṛṣabho yo matīnām / yo gotrabhid vajrabhṛd yo hariṣṭhāḥ sa indra citrānabhi tṛndhi vājān
Diesen trink, der Ṛjīṣa-Besitzer [?], der Überwinder, der mit Kinnbacken (Helm) versehene, der Stier der Gedanken, der Rinderstall-Spalter, Keulenträger, Falben-Fahrer; du, Indra, öffne uns die glänzenden Kraftpreise. [Anm.: ṛjīṣin, śipra unsicher.]
So trink, wie von alters her; es soll dich berauschen; höre das brahman, wachse durch die Lieder; mache die Sonne offenbar, lass Labungen strömen, schlage die Feinde, brich die Rinder hin auf, Indra.
te tvā madā bṛhadindra svadhāva ime pītā ukṣayanta dyumantam / mahāmanūnaṃ tavasaṃ vibhūtiṃ matsarāso jarhṛṣanta prasāham
Diese Rauschtränke haben dich, Indra, Eigenmächtiger, hoch bespritzt (gestärkt), den Glänzenden, den Großen, den Unverminderten, Starken, den Vielvermögenden; die Berauschenden haben den Überwältiger erregt.
yebhiḥ sūryamuṣasaṃ mandasāno 'vāsayo 'pa dṛlhāni dardrat / mahāmadriṃ pari gā indra santaṃ nutthā acyutaṃ sadasas pari svāt
Mit denen du, dich berauschend, die Sonne (und) Uṣas leuchten ließest, das Feste zerrissen hast; den großen Fels, der die Rinder umgab, den unerschütterlichen, stießest du, Indra, von seinem Sitz weg.
tava kratvā tava tad daṃsanābhirāmāsu pakvaṃ śacyā ni dīdhaḥ / aurṇordura usriyābhyo vi dṛḷhodūrvād gā asṛjo aṅgirasvān
Durch deine Einsicht, durch deine Werke, durch (dein) Können hast du das in den Rohen Gekochte hingesetzt. Du deckest die Türen für die Kuhrudel auf, das Feste hast du aufgeschlossen; aus dem Verschluss ließest du die Rinder frei, mit den Aṅgiras. [Anm.: "in den rohen (Kühen) das Gekochte" ist ein Rätselbild: Milch in noch ungereiften Kühen (plausibel); im Vala-Mythos Bild für Licht in den Rindern.]
Du hast die Erde erfüllt, groß an Tatkraft, ausgedehnt; zum Himmel hin hast du dich, erhaben, hoch gestützt, Indra. Du hieltest die beiden Welten, die gottentsprossenen, die alten Mütter, die regen [?] der Ordnung.
Da haben dich alle Götter, Indra, voran gesetzt, den einen Starken, für den Kampf. Als der Nicht-Gott gegen die Götter anging, wählten sie hier im Sonnengewinn Indra.
adha dyauścit te apa sā nu vajrād dvitānamad bhiyasā svasya manyoḥ / ahiṃ yadindro abhyohasānaṃ ni cid viśvāyuḥ śayathe jaghāna
Da wich sogar der Himmel, jener, vor deiner Keule zurück; zweifach beugte er sich aus Furcht vor dem Zorn seines eigenen (Herrn) [?], als Indra, der Lebensvolle, die anstürmende Schlange auf ihrem Lager niederschlug. [Anm.: svasya manyoḥ und śayathe unsicher.]
adha tvaṣṭā te maha ugra vajraṃ sahasrabhṛṣṭiṃ vavṛtacchatāśrim / nikāmamaramaṇasaṃ yena navantamahiṃ saṃ piṇagṛjīṣin
Da hat dir Tvaṣṭṛ, Gewaltiger, die große Keule gedreht, tausendspitzig, hundertkantig, nach Wunsch, genügend im Sinn [?], mit der du den brüllenden [?] Schlange zerstampft hast, Ṛjīṣin. [Anm.: navantam "brüllend / neunundneunzig (?)" unsicher.]
Ihn stärkten alle Marut gleichgesinnt; hundert Büffel kochte man dir, Indra; Pūṣan (und) Viṣṇu ließen drei Seen(?) strömen, den Vṛtra-Töter, den berauschenden Stengel für diesen. [Anm.: sarāṃsi "Seen" hier wohl Somakufen/-gefäße [?]; dhāvan "strömen lassen / spülen" [?].]
Du hast die große, von den Flüssen umlagerte Flut, die Woge der Wasser, losgelassen. Auf deren Bahnen, Indra, triebst du die abwärts strömenden Wasser zum Meer.
So (ist es), der du all dies vollbracht hast: dich, Indra, den großen, gewaltigen, alterslosen Kraftgeber, den mit guten Männern, guten Waffen, guter Keule, soll das neue brahman zur Hilfe herwenden.
sa no vājāya śravasa iṣe ca rāye dhehi dyumata indra viprān / bharadvāje nṛvata indra sūrīn divi ca smaidhi pārye na indra
Du, gib uns Kraftpreis, Ruhm, Labung und Reichtum; Indra, setze (uns) glänzende Seher; unter den Bharadvājas (setze) die männerreichen Gönner; und am Himmel sei du uns, Indra, beim Durchbringen (Beistand).