Kapitel 62: ṛgvede 6.62 · stuṣe narā divo asya prasantāśvinā huve jaramāṇo arkaiḥ
Anruf an die Aśvins, die Wagenfahrer
Lied an die beiden Aśvins: ihre Fahrt über Räume und Wasser, ihre Rettertaten (Bhujyu, Śayu) und die Bitte um Hilfe gegen Feinde, um Gaben und um das Öffnen der Rinderhürde. Mehrere Verse (3, 8, 9, 10) sind syntaktisch und lexikalisch schwierig und nur vorsichtig wiedergegeben.
Ich preise die beiden Männer dieses Himmels, die Verkünder (?); die Aśvins rufe ich, der Alternde, mit Preisliedern, / die ihr, ihr Rötlichen, sofort bei der Morgendämmerung die Enden der Erde, die weiten Räume ringsum [durchmessen wollt] [?].
Wort für Wort
stuṣe
ich preise (1. Sg. Med.)
narā
Männer, Führer (Akk. Du.)
divaḥ
des Himmels (Gen. Sg.)
asya
dieses (Gen. Sg.)
pra-santā
Verkünder, Preiser (Akk. Du.) [?]
aśvinā
Aśvins (Akk. Du.)
huve
ich rufe (1. Sg. Med.)
jaramāṇaḥ
alternd, singend (Nom. Sg.)
arkaiḥ
mit Preisliedern (Instr. Pl.)
yā
die (Nom. Du.)
sadyaḥ
sofort
usrā
Rötliche, morgendliche (Nom. Du.)
vi-uṣi
bei der Morgendämmerung (Lok. Sg.)
jmaḥ
der Erde (Gen. Sg.)
antān
Enden (Akk. Pl.)
yuyāūṣataḥ
die ihr abhalten/umschließen wollt (Nom. Du., Desiderativ) [?]
Diese beiden, zur Weihehandlung hin mit reinen [Strahlen] schreitend, haben das Licht des Wagens durch die Räume aufleuchten lassen; / viele unermessliche Weiten messend, fahrt ihr über Wasser, Trockenland [und] Fluren hinweg.
tā ha tyad vartiryadaradhramugretthā dhiya ūhathuḥ śaśvadaśvaiḥ / manojavebhiriṣiraiḥ śayadhyai pari vyathirdāśuṣo martyasya
Ihr beiden habt jene Bahn, [die] nicht versagt, ihr Gewaltigen, so die Gedanken (Gebete) immer mit den gedankenschnellen, eilenden Rossen [herbeigefahren], / um [den Sänger] ruhen zu lassen [?]; ringsum [wehrt ihr] die Bedrängnis des gebenden Sterblichen [?]. [Anm.: Vers sehr unsicher; PP 'vyarthiḥ' wohl für vyathiḥ 'Wanken, Bedrängnis'.]
Diese beiden ehren das Lied des neueren, alternden [Sängers]; ihr, die Rosse Angeschirrt-Habenden, / Glanz, Sättigung, Stärkung, Kraft bringend – der Rufer, der alte, untrügliche, soll [euch] verehren, ihr Jungen.
Diese beiden, die lieblichen Wunderwirker, sehr hilfreich, [die] alten, will ich mit neuem Wort herbeilocken, / die dem Lobenden, dem Preisenden die heilbringendsten waren, dem Singenden [mit] glänzenden Gaben.
tā bhujyuṃ vibhiradbhyaḥ samudrāt tugrasya sūnumūhathūrajobhiḥ / areṇubhiryojanebhirbhujantā patatribhirarṇasonirupasthāt
Diese beiden habt den Bhujyu, den Sohn des Tugra, mit Vögeln aus den Wassern, aus dem Meer emporgetragen, durch Räume, / durch staubfreie Strecken, [ihn] genießend/schützend, mit Fliegenden, aus dem Schoß der Flut heraus. [Anm.: 'Vögel' = geflügelte Rosse der Aśvins; Bhujyu-Rettung: fest belegter Mythos.]
Fahrt auseinander, ihr siegreichen Wagenfahrer, den Fels [auf]; hört den Ruf der Vadhrimatī, ihr Bullen; / dem Śayu habt ihr, ihr Gütigen, die Kuh schwellen lassen – so [seid ihr] aufbrechend, die Gunst, ihr Regen (?) [?].
yad rodasī pradivo asti bhūmā heḷo devānāmuta martyatrā / tadādityā vasavo rudriyāso rakṣoyuje tapuraghaṃ dadhāta
Was seit alters die Fülle (Macht) von Himmel und Erde ist, [was] Groll der Götter und auch unter den Sterblichen [ist], / das legt, ihr Ādityas, Vasus, Rudra-Gleichen, als Glut [und] Unheil dem Rakṣas-Verbündeten auf.
Wer diese beiden Könige zu den rechten Zeiten ordnend [ehrt] – Mitra [und] Varuṇa erkennen ihn im Raum [?]; / dem tückischen Rakṣas, dessen Geschoss [richtet ihr] gegen [dieses] Trugwort des Ānava. [Anm.: Vers sehr unsicher; Ānava = wohl Angehöriger eines Stammes/Geschlechts.]
Mit inneren Rädern [fahrt ihr die] Bahn zum Nachkommen [hin]; fahrt mit lichtvollem, männerreichem Wagen; / mit dem heimlichen [?] Verlassen des Sterblichen habt ihr den Angreifenden auch die Köpfe abgewandt [?].
Kommt mit den höchsten und mittleren, mit den untersten Gespannen hierher; / die Tür der festen, rinderreichen Hürde öffnet [auf], ihr Wunderreichen, dem Singenden.