Kapitel 48: ṛgvede 6.48 · yajñā-yajñā vo agnaye girā-girā ca dakṣase
Lob Agnis, der Marut und Pūṣans; Bitten um Schutz und Gut
Verse 1-10 sind an Agni gerichtet, 11-13 handeln (in Bildrede von der Melkkuh) von Lied und Gabe für die Marut und Bharadvāja, 14-19 gelten Pūṣan, 20-22 den Marut. Schwierig und teilweise dunkel sind 6.48.17 (Kākambīra, Vogelhälse), 18 und 20 sowie das Bild der Melkkuh in 11-13.
yajñā-yajñā vo agnaye girā-girā ca dakṣase / pra-pra vayamamṛtaṃ jātavedasaṃ priyaṃ mitraṃ na śaṃsiṣam
Bei jeder Weihehandlung und bei jedem Lied [wollen wir] euch den tüchtigen Agni [preisen]: / vorwärts will ich den Unsterblichen, den Jātavedas, wie einen lieben Freund preisen.
Dem Sohn der Kraft – denn dieser ist uns zugetan – wollen wir huldigen zur Darbringung der Gabe. / Er soll in den Wettkämpfen Helfer sein, soll Förderer sein und Retter unserer Leiber.
Denn ein Bulle bist du, Agni, alterslos, groß; du strahlst mit deiner Flamme. / Mit unaufhörlicher Glut, hell leuchtend, du Heller, leuchte gut mit deinen guten Lichtern.
Die großen Götter verehrst du der Reihe nach, verehre [sie] auch weiter, nach deiner Absicht und deinem Wunderwirken. / Mache sie uns zugewandt, Agni, zur Hilfe; gib Kräfte und verleihe [sie]. [Anm.: sīm = 'sie'; Bezug auf die Götter plausibel]
Ihn, den die Wasser, die Steine, die Hölzer als Leibesfrucht der Ordnung (ṛta) nähren, / der mit Kraft gerieben geboren wird, von Männern, auf dem Rücken der Erde.
Der mit Glanz die beiden Welten füllte, der mit Rauch im Himmel dahinläuft, / durch die Finsternis hindurch wird er gesehen: in den Nächten, den dunklen, der rötliche Bulle; die dunklen [?], der rötliche Bulle. [Anm.: ūrmyā = Nacht; die Schlusswiederholung ist syntaktisch unsicher]
viśvāsāṃ gṛhapatirviśāmasi tvamagne mānuṣīṇām / śataṃ pūrbhiryaviṣṭha pāhyaṃhasaḥ sameddhāraṃ śataṃ himā stotṛbhyo ye ca dadati
Aller menschlichen Sippen bist du der Hausherr, Agni. / Mit hundert Burgen schütze, Jüngster, vor Bedrängnis den Entzünder, hundert Winter lang, und die, die den Sängern geben.
tvaṃ naścitra ūtyā vaso rādhāṃsi codaya / asya rāyastvamagne rathīrasi vidā gādhaṃ tuce tu naḥ
Du, Glänzender, treibe uns mit Hilfe, o Guter, die Gaben an. / Dieses Reichtums bist du, Agni, der Wagenlenker; finde nun festen Grund für unseren Nachkommen.
parṣi tokaṃ tanayaṃ partṛbhiṣ ṭvamadabdhairaprayutvabhiḥ / agne heḷāṃsi daivyā yuyodhi no 'devāni hvarāṃsi ca
Du bringst Sohn und Nachkommen hinüber durch die unbetrügbaren, nicht nachlassenden Hinüberbringer [?]; / Agni, halte den göttlichen Zorn und die gottwidrigen Tücken von uns ab. [Anm.: partṛbhiḥ = Retter/Hinüberbringer, wohl Agnis Flammen oder Helfer; unsicher]
Freunde, treibt die Nektarmilch gebende Kuh herzu mit neuerem Wort; / lasst sie los, die nicht ausschlagende. [Anm.: Kuh wohl Bildrede für Lied/Rede – plausibel, nicht sicher]
Sie, die für die Schar der Marut, die selbstglänzende, unsterblichen Ruhm molken, / sie, die in der Gnade der eilenden Marut [steht], sie, die mit Wohlwollen schnell dahinzieht [?].
taṃ va indraṃ na sukratuṃ varuṇamiva māyinam / aryamaṇaṃ na mandraṃ sṛprabhojasaṃ viṣṇuṃ na stuṣa ādiśe
Ihn [preise ich] euch, den wie Indra Einsichtsvollen, wie Varuṇa Zauberkundigen, / den wie Aryaman Erfreuenden, Reichlich-Speisenden; wie Viṣṇu preise ich ihn zum Weisen (Anzeigen) [?]. [Anm.: sṛprabhojasam und ādiśe unsicher]
Wort für Wort
tam
ihn (Akk. Sg. m.)
vaḥ
euch (Dat./Gen. Pl.)
indram
Indra (Akk. Sg.)
na
wie
su-kratum
einsichtsvoll, mit guter Kraft (Akk. Sg. m.)
varuṇam-iva
wie Varuṇa (Akk. Sg. + wie)
māyinam
zauberkundig (Akk. Sg. m.)
aryamaṇam
Aryaman (Akk. Sg.)
na
wie
mandram
erfreuend (Akk. Sg. m.)
sṛpra-bhojasam
reichlich speisend, nahrungsreich (Akk. Sg. m.) [?]
tveṣaṃ śardho na mārutaṃ tuviṣvaṇyanarvāṇaṃ pūṣaṇaṃ saṃ yathā śatā / saṃ sahasrā kāriṣaccarṣaṇibhya ānāvirgūḷhā vasū karat suvedā no vasū karat
Den glänzenden, laut tosenden, ungehemmten Pūṣan [preise ich], wie die Schar der Marut, / damit er Hunderte, Tausende für die Leute zusammenbringe; er soll die verborgenen Güter offenbar machen, uns die Güter leicht auffindbar machen.
mā kākambīramud vṛho vanaspatimaśastīrvi hi nīnaśaḥ / mota sūro aha evā cana grīvā ādadhate veḥ
Reiß den Kākambīra, den Baum, nicht aus; denn die Schmähungen hast du zunichtegemacht. / Und nicht [soll] die Sonne/der Gönner [?] – [sagt man]: 'Tag' – ... die Hälse des Vogels legen sie auch so an [?]. [Anm.: Verse dunkel; Kākambīra vermutlich ein Baumname; Bezug der Zeile unsicher, keine gesicherte Deutung]
dṛteriva te 'vṛkamastu sakhyam / achidrasya dadhanvataḥ supūrṇasya dadhanvataḥ
Wie [bei] einem Schlauch soll deine Freundschaft ungefährdet sein, / [bei] einem unversehrten, strömenden, ganz gefüllten, strömenden [?]. [Anm.: avṛka = ungefährdet/wolfsfrei; Bild vom vollen Schlauch, Deutung unsicher]
Schönes [ist] der Schönen, ihr Schüttler; freundlich-wahre Führung soll sein – sei es eines Gottes oder eines Sterblichen, / der sich regt [?], ihr Marut, Verehrungswürdige. [Anm.: Syntax und Bezug unsicher; vāmī/vāmasya vermutlich 'Schönes/Begehrenswertes']
Dessen Lobgesang (Ruhmestat) sofort um den Himmel herumgeht wie der Gott Sonne: / die Marut haben glänzende Kraft angenommen, ihren verehrungswürdigen Namen, die Vṛtra-erschlagende Kraft, die größte, die Vṛtra-erschlagende Kraft. [Anm.: carkṛtiḥ = Intensivbildung 'Lobgesang/Ruhmestat'; Bezug zu den Marut plausibel]
Einmal nur wurde der Himmel geboren, einmal wurde die Erde geboren; / einmal ward die Milch der Pṛśni gemolken; danach wird nichts anderes mehr geboren. [Anm.: Pṛśni = die gefleckte Kuh, Mutter der Marut; kosmisch-mythologische Ebene, plausibel]