Kapitel 9: ṛgvede 6.9 · ahaśca kṛṣṇamahararjunaṃ ca vi vartete rajasī vedyābhiḥ
Vaiśvānara und das Rätsel von Wissen und Licht
Ein Lied von Tag und Nacht, Licht und Finsternis: Agni Vaiśvānara überwältigt die Finsternis (1), der Sprecher bekennt sein Nichtwissen im Bild des Gewebes (2), der Wissende wird als Hüter des Unsterblichen beschrieben (3), das feste Licht und der Geist (4-6), Schluss mit Anruf zur Hilfe (7). Bild von Gewebe, Licht im Herzen und schweifendem Geist mehrdeutig: rituell (fest), kosmisch (plausibel), innerlich-psychologisch (plausibel, nicht gesichert).
ahaśca kṛṣṇamahararjunaṃ ca vi vartete rajasī vedyābhiḥ / vaiśvānaro jāyamāno na rājāvātirajjyotiṣāgnistamāṃsi
Der schwarze Tag und der helle Tag drehen sich auseinander, die beiden Räume [?], mit Erkennbarem [?]. Vaiśvānara, wie ein geborener König, hat mit Licht, Agni, die Finsternisse niedergezwungen [Anm.: 'schwarzer/heller Tag' = Nacht und Tag].
nāhaṃ tantuṃ na vi jānāmyotuṃ na yaṃ vayanti samare'tamānāḥ / kasya svit putra iha vaktvāni paro vadātyavareṇa pitrā
Weder den Aufzug kenne ich noch den Einschlag, noch den, den sie im Treffen [?] weben, ohne zu ermüden [?]. Wessen Sohn wird hier Reden halten, als der Höhere [?] mit dem niedrigeren Vater? [Anm.: Weberbild; Deutung offen, rituell/kosmisch/innerlich möglich, spekulativ.]
Wort für Wort
na
nicht
aham
ich (Nom. Sg.)
tantum
Aufzug, Kettfaden (Akk. Sg.)
na
nicht
vi
auseinander (Vorsilbe)
jānāmi
ich kenne (1. Sg.)
otum
Einschlag, Schussfaden (Akk. Sg.)
na
nicht
yam
den (Akk. Sg.)
vayanti
sie weben (3. Pl.)
sam-are
im Zusammentreffen, an der Webstelle [?] (Lok. Sg.)
sa it tantuṃ sa vi jānātyotuṃ sa vaktvāny ṛtuthā vadāti / ya īṃ ciketadamṛtasya gopā avaścaran paro anyena paśyan
Der kennt den Aufzug, der kennt den Einschlag; der spricht die Reden zur rechten Zeit, der ihn erkannt hat, der Hüter des Unsterblichen, unten gehend, höher mit einem anderen [Auge] sehend [?].
Dieser ist der Rufer, der erste; seht ihn, dieses Licht, unsterblich unter den Sterblichen. Dieser ist geboren, fest eingesessen, unsterblich, mit seinem Leib wachsend.
Das feste Licht ist zum Sehen niedergelegt, zum Wohl [?]; der Geist, der schnellste unter den Fliegenden, drinnen. Alle Götter, gleichen Sinnes, gleicher Einsicht, gehen auf den einen Beschluss hin gut auseinander [?].
vi me karṇā patayato vi cakṣurvīdaṃ jyotirhṛdaya āhitaṃ yat / vi me manaścarati dūraādhīḥ kiṃ svid vakṣyāmikimu nū maniṣye
Auseinander fliegen mir die Ohren, auseinander das Auge, auseinander [strebt] dieses Licht, das im Herzen niedergelegt ist; auseinander schweift mir der Geist, dessen Sinnen in der Ferne ist. Was werde ich nun sagen, was denken? [Anm.: Zustand der Verwirrung/Ergriffenheit; innere Deutung plausibel, aber Wortlaut lässt es offen.]
Alle Götter verneigten sich, fürchtend, vor dir, Agni, der du in der Finsternis standest. Vaiśvānara soll uns zur Hilfe beistehen, der Unsterbliche soll uns zur Hilfe beistehen.