Kapitel 70: ṛgvede 6.70 · ghṛtavatī bhuvanānāmabhiśriyorvī pṛthvī madhudughe supeśasā
Himmel und Erde, honigmelkend und schmalzreich
Lied an Dyāvāpṛthivī (Himmel und Erde) mit den Bildern des Melkens von Schmalz und Honig sowie der Bitte um Kraft und Reichtum. Unsicher: V. 3 (Konstruktion) und Einzelwörter wie manurhita.
Schmalzreich, die Welten umfassend [?], weit, breit, honigmelkend, schön gestaltet: Himmel und Erde, durch Varuṇas Halt auseinandergestützt, nicht alternd, vielsamig.
Unversiegend, vielströmig, milchreich, melken die beiden Schmalz, gut wirkend, mit reinen Geboten; die beiden Welten, die über diese Welt herrschen: gießt uns den Samen ein, der zum Wohl des Manu bestimmt ist [?]. [Anm.: retas 'Samen' als Bild der Fruchtbarkeit; manurhita unsicher.]
yo vām ṛjave kramaṇāya rodasī marto dadāśa dhiṣaṇe sa sādhati / pra prajābhirjāyate dharmaṇas pari yuvoḥ siktā viṣurūpāṇi savratā
Der Sterbliche, der euch beiden, Welten, dem geraden Schritt gibt (dient) [?], ihr Schalen: der bringt (es) zustande. Er wird mit Nachkommenschaft aus (eurem) Halt hervor geboren; von euch beiden ausgegossen sind vielgestaltige (Wesen), ihr Gleichgesinnten. [Anm.: dhiṣaṇe 'Schalen/Behältnisse' als Bild für Himmel und Erde; PP dhamarṇaḥ ist Tippfehler für dharmaṇaḥ.]
Wort für Wort
yaḥ
welcher (Nom. Sg.)
vām
euch beiden (Dat. Du.)
ṛjave
für den geraden (Dat. Sg.)
kramaṇāya
für den Schritt (Dat. Sg.)
rodasī iti
ihr beiden Welten (Vok. Du.)
martaḥ
Sterblicher (Nom. Sg.)
dadāśa
hat gegeben, gedient (Perf. 3. Sg.)
dhiṣaṇeiti
ihr Schalen, Behältnisse (Vok. Du.)
saḥ
der (Nom. Sg.)
sādhati
bringt zustande, erreicht (3. Sg.)
pra
vorwärts (Präverb)
pra-jābhiḥ
mit Nachkommenschaft (Instr. Pl.)
jāyate
wird geboren (3. Sg. Med.)
dhamarṇaḥ
aus dem Halt, der Ordnung (Abl. Sg.) [Tippfehler im PP]
ghṛtena dyāvāpṛthivī abhīvṛte ghṛtaśriyā ghṛtapṛcā ghṛtāvṛdhā / urvī pṛthvī hotṛvūrye purohite te id viprā īḷate sumnamiṣṭaye
Mit Schmalz umhüllt, Himmel und Erde, mit Schmalz als Schmuck, mit Schmalz vermischt, mit Schmalz mehrend, weit, breit, bei der Erwählung des Rufers als die Vorangestellten: eben diese beiden bitten die Inspirierten um Gunst, um das Ersehnte zu erlangen.
Wort für Wort
ghṛtena
mit Schmalz (Instr. Sg.)
dyāvāpṛthivī iti
Himmel und Erde (Nom. Du.)
abhīvṛteity abhi-vṛte
umhüllt (Nom. Du.)
ghṛta-śriyā
mit Schmalz als Schmuck (Nom. Du.)
ghṛta-pṛcā
mit Schmalz vermischt (Nom. Du.)
ghṛta-vṛdhā
mit Schmalz mehrend (Nom. Du.)
urvī iti
weit (Nom. Du.)
pṛthvī iti
breit (Nom. Du.)
hotṛ-vūrye
bei der Erwählung des Rufers (Lok. Sg.) [?]
purohiteitipuraḥ-hite
als Vorangestellte (Nom. Du.)
te iti
diese beiden (Akk. Du.)
it
eben
viprāḥ
Inspirierte (Nom. Pl.)
īḷate
bitten, flehen an (3. Pl. Med.)
sumnam
Gunst (Akk. Sg.)
iṣṭayega
zum Wunsch, zur Erlangung (Dat. Sg.) [PP-Tippfehler iṣṭayega]
madhu no dyāvāpṛthivī mimikṣatāṃ madhuścutā madhudughe madhuvrate / dadhāne yajñaṃ draviṇaṃ ca devatā mahi śravo vājamasme suvīryam
Honig sollen uns Himmel und Erde beimischen, honigtriefend, honigmelkend, mit honigsüßen Geboten; sie, die die Weihehandlung und Gut halten, bei den Göttern: große Berühmtheit, Kraft(beute), gute Heldenschaft für uns.
ūrjaṃ no dyauśca pṛthivī ca pinvatāṃ pitā mātā viśvavidā sudaṃsasā / saṃrarāṇe rodasī viśvaśambhuvā saniṃ vājaṃ rayimasme saminvatām [Anm.: Saṃhitā-Text und Padapāṭha der Quelle stimmen an dieser Stelle nicht überein (verschoben oder gekürzt). Padapāṭha: iti viśva-śambhuvā sanim vājam rayim asme iti sam invatām]
Kraft sollen uns Himmel und Erde schwellen lassen, Vater und Mutter, allwissend, von guter Wirkkraft; freigebig, die beiden Welten, allheilbringend: Gewinn, Kraft (und) Reichtum sollen sie uns zutreiben. [Anm.: Der PP der Quelle ist verkürzt; die Glossen folgen den erhaltenen Tokens, die Übersetzung dem Saṃhitā-Text.]
Wort für Wort
iti
Zitierpartikel iti (Rest des Verses im PP der Quelle ausgefallen)