Kapitel 44: ṛgvede 6.44 · yo rayivo rayintamo yo dyumnairdyumnavattamaḥ
Indras Soma: Lob, Bitte und Preis des Trankes
Langes Lied auf Indra und den Soma: Verse 1 bis 3 mit Kehrvers (‚gepresster Soma, dein Rausch, Herr der svadhā‘), dann Anrufe, Bitten um Schutz und Kraft, zum Schluss (21 bis 24) ein Preis des Soma als Stier und Weltordner, der Himmel und Erde stützt. Rätselhaft sind 6 und 7 (upastṛṇīṣaṇi, staulābhiḥ dhautarībhiḥ) sowie 23 (triteṣu).
yo rayivo rayintamo yo dyumnairdyumnavattamaḥ / somaḥ sutaḥ sa indra te 'sti svadhāpate madaḥ
Der, o Reichbegabter, der reichste ist, der durch Glanzkräfte der glanzvollste: / Soma, der gepresste, der ist, Indra, dein Rausch, Herr der Eigenmacht.
Wort für Wort
yaḥ
der (Nom.)
rayi-vaḥ
reichbegabt (Vok.)
rayim-tamaḥ
reichster (Nom.)
yaḥ
der (Nom.)
dyumnaiḥ
durch Glanzkräfte (Instr. Pl.)
dyumnavat-tamaḥ
glanzvollster (Nom.)
somaḥ
Soma (Nom.)
sutaḥ
gepresst (Nom.)
saḥ
der (Nom.)
indra
Indra (Vok.)
te
dein (Gen.)
asti
ist (3. Sg.)
svadhāpatemadaḥ
Herr der Eigenmacht – Rausch [PP: zusammengezogen]
yaḥ śagmastuviśagma te rāyo dāmā matīnām / somaḥ sutaḥ ...
Der hilfreiche, vielhelfende [Soma], der dein ist, der Spender von Reichtum für die Gedanken [?]: / Soma, der gepresste, der ist, Indra, dein Rausch, Herr der Eigenmacht.
Wort für Wort
yaḥ
der (Nom.)
śagmaḥ
hilfreich (Nom.)
tuvi-śagma
vielhelfend (Vok./Nom.)
te
dein (Gen.)
rāyaḥ
des Reichtums (Gen.)
dāmā
Spender (Nom.) [?]
matīnām
der Gedanken/Gebete (Gen. Pl.)
somaḥ
Soma (Nom.)
sutaḥ
gepresst (Nom.)
saḥ
der (Nom.)
indra
Indra (Vok.)
te
dein (Gen.)
asti
ist (3. Sg.)
svadhāpatemadaḥ
Herr der Eigenmacht – Rausch [PP: zusammengezogen]
yena vṛddho na śavasā turo na svābhirūtibhiḥ / somaḥ sutaḥ ...
Durch den du gleichsam an Kraft gewachsen [bist], gleichsam ein Rascher durch deine eigenen Hilfen: / Soma, der gepresste, der ist, Indra, dein Rausch, Herr der Eigenmacht.
Wort für Wort
yena
durch den (Instr.)
vṛddhaḥ
gewachsen (Nom.)
na
wie
śavasā
durch Kraft (Instr.)
turaḥ
Rascher, Überlegener (Nom.)
na
wie
svābhiḥ
durch eigene (Instr. Pl. f.)
ūti-bhiḥ
Hilfen (Instr. Pl.)
somaḥ
Soma (Nom.)
sutaḥ
gepresst (Nom.)
saḥ
der (Nom.)
indra
Indra (Vok.)
te
dein (Gen.)
asti
ist (3. Sg.)
svadhāpatemadaḥ
Herr der Eigenmacht – Rausch [PP: zusammengezogen]
Jenen preise ich euch, den Unabwehrbaren, den Herrn der Kraft: / Indra, den Allbezwinger, den Mann, den Freigebigsten, den, der alle Völker überblickt.
tad va ukthasya barhaṇendrāyopastṛṇīṣaṇi / vipo na yasyotayo vi yad rohanti sakṣitaḥ
Das [sei] für euch: mit der Stärkung des Preisliedes will ich es für Indra ausbreiten [?], / dessen Hilfen wie Zweige [?] emporwachsen, wenn sie beisammenwohnend [sind]. [Anm.: upastṛṇīṣaṇi und vipaḥ unsicher; Konstruktion des Verses undurchsichtig.]
Der neue Freund [Mitra?] fand die Tüchtigkeit; trinkend machte er den Göttern das Bessere kenntlich. / Als Gewinner ... mit den staulā- und dhautarī-Strömen [?] wurde er durch Schutz zum Hüter für die Gefährten. [Anm.: Die Wörter staulābhiḥ dhautarībhiḥ sind unklar; mitraḥ evtl. Eigenname Mitra oder ‚Freund‘ (Soma); Deutung spekulativ.]
Auf dem Pfad der Ordnung (ṛta) wurde der Kundige getrunken, zur Pracht; / die Götter richteten ihre Sinne [auf ihn]. / Einen großen Namen tragend, mit Rufen, / hat der Liebenswerte die Gestalt zum Sehen enthüllt. [Anm.: vedhāḥ = ‚Kundiger, Ordner‘, hier Soma/Indra unklar.]
Setze in uns die glänzendste Tüchtigkeit; wehre die vielen Feindseligkeiten der Leute ab. / Mach [uns] höhere Lebenskraft mit deinen Kräften; / bei der Gewinnung von Reichtum begünstige uns.
Indra, dir eben gehören wir, Gabenherr, wir, dem Geber – Falbenherr, wende dich nicht ab. / Kein Verwandter ist unter Sterblichen zu sehen; / was nennt man dich denn, wenn nicht Antreiber des Schwachen? [Anm.: radhra = ‚gefügig, schwach‘; Deutung des letzten Pādas unsicher.]
mā jasvane vṛṣabha no rarīthā mā te revataḥ sakhye riṣāma / pūrvīṣ ṭa indra niṣṣidho janeṣu jahyasuṣvīn pra vṛhāpṛṇataḥ
Gib uns, Stier, nicht dem Ermatteten [?] preis; nicht mögen wir in der Freundschaft mit dir, dem Reichen, Schaden nehmen. / Viele sind deine Abwehren gegen die Leute, Indra: / erschlage die Nichtpressenden, reiß die Nichtspendenden aus.
Wie Wolken donnernd treibt Indra die Gaben hervor, die rosse- und rinderreichen. / Du bist von jeher der Sängerernährer; / nicht sollen dich die Nichtgebenden schädigen, [selbst wenn sie] Reiche [sind] [?].
adhvaryo vīra pra mahe sutānāmindrāya bhara sa hyasya rājā / yaḥ pūrvyābhiruta nūtanābhirgīrbhirvāvṛdhe gṛṇatām ṛṣīṇām
Adhvaryu, Held, bring dem Großen vom Gepressten für Indra heran; denn er ist dessen König, / der durch alte und neue Lieder gewachsen ist – / der singenden Ṛṣis.
asya made puru varpāṃsi vidvānindro vṛtrāṇyapratī jaghāna / tamu pra hoṣi madhumantamasmai somaṃ vīrāya śipriṇe pibadhyai
In dessen Rausch hat Indra, vieler Gestalten kundig, die Vṛtras unwiderstehlich erschlagen. / Ihn gießt du nun ein, den honigreichen, / diesen Soma für diesen Helden, den Helmträger [?], zum Trinken. [Anm.: śipriṇe = ‚mit śipra (Helm/Kinnbacken/Lippen) versehen‘, unsicher.]
Trinker des gepressten Soma soll Indra sein, Töter des Vṛtra mit der Keule, sich berauschend; / Kommer zur Weihehandlung selbst von fern her, / Gut der Gedanken, Helfer, Sängerernährer.
Dies jenes Gefäß, Indras Trank, / Indras liebes Unsterbliches, ist getrunken worden. / Es möge den Gott berauschen zur Wohlgesinntheit, / und Feindschaft soll es von uns wegwehren, [ebenso] Bedrängnis.
enā mandāno jahi śūra śatrūñ jāmimajāmiṃ maghavannamitrān / abhiṣeṇānabhyādediśānān parāca indra pra mṛṇājahī ca
Hiermit berauscht erschlage, Held, die Feinde, / die Gleichartigen und Nichtgleichartigen [?], Gabenherr, die Unfreunde; / die mit Heer Angreifenden, die uns Anzielenden [?], / die Abgewandten zerschmettere, Indra, und erschlage. [Anm.: jāmi/ajāmi: ‚Verwandte, Vertraute‘ / ‚Nicht-Verwandte‘ oder ‚gleichartig/ungleichartig‘.]
In diesen Kämpfen, Gabenherr Indra, mach uns weiten Raum, gut gangbar. / Beim Gewinnen der Wasser, des Nachwuchses, der Nachkommen: / Indra, mach die Gönner zu unserem Anteil [?].
Zu dir sollen die Falben herfahren, die stierstarken, angeschirrt, mit stierhaften Wagen und Zügeln, die Renner, / uns zugewandt, stark, die Keule tragend, / gut angeschirrt, zum kraftvollen Rausch für den Stier.
ā te vṛṣan vṛṣaṇo droṇamasthurghṛtapruṣo normayo madantaḥ / indra pra tubhyaṃ vṛṣabhiḥ sutānāṃ vṛṣṇe bharantivṛṣabhāya somam
Zu deinem Kübel sind, Stier, die strotzenden [Säfte] getreten, schmalzsprühend, wie berauschende Wogen. / Indra, dir tragen sie mit den Stieren [?] von den Gepressten / dem Stier, dem Kraftvollen, den Soma vor. [Anm.: ‚mit Stieren‘ evtl. die Pressenden; unsicher.]
Ein Stier bist du des Himmels, ein Stier der Erde, ein Stier der Ströme, ein Stier der Stehenden [?]. / Für dich, den Kraftvollen, hat der Tropfen sich geschwellt, Stier: / süß der Saft, honigtrinkenswert, zur Wahl [?].
Dieser Gott, durch Kraft geboren, hat mit Indra als Gefährten den Paṇi festgestellt; / dieser Tropfen raubte die Waffen des eigenen Vaters, / die Listen des Unheilvollen. [Anm.: ‚Vater‘ und ‚Unheilvoller‘ nicht sicher bestimmbar.]
Dieser machte die Morgenröten zu wohlvermählten; dieser setzte in die Sonne das Licht hinein. / Dieser fand in den Lichträumen des Himmels, bei den Triten [?], / das dreifache Unsterbliche, das versteckt war. [Anm.: triteṣu unsicher: ‚bei den Tritas‘ oder ‚im Dritten (Raum)‘.]
Dieser stützte Himmel und Erde auseinander; dieser schirrte den Wagen an, den mit sieben Zügeln. / Dieser: in den Kühen trägt Soma mit Kraft das Gekochte/Gare, / die Quelle mit zehn Haltern. [Anm.: ‚Kühe‘ = Milch, ‚zehn Halter‘ vermutlich die zehn Finger; plausibel.]