Kapitel 47: ṛgvede 6.47 · svāduṣ kilāyaṃ madhumānutāyaṃ tīvraḥ kilāyaṃ rasavānutāyam
Lob des Soma und Indras; Bitten; Kriegswagen und Kriegstrommel
Zusammengesetztes Lied: Verse 1-5 preisen den Soma und den von ihm gestärkten Indra, 6-13 sind Bitten an Indra um Führung, Schutz und Gunst, 14-19 schildern Indras Macht und Vielgestaltigkeit, 20-25 enthalten Rückblick und eine Gabenpreisung (Divodāsa, Prastoka u. a.), 26-31 gelten dem Kriegswagen, der Trommel und dem Sieg. Schwierig sind u. a. 15-17 (Wortspiele, coṣkūyate, ananubhūtīḥ) und 6.47.8 (verderbter Padapāṭha).
Süß fürwahr ist dieser, und honigreich dieser; scharf fürwahr ist dieser, und saftreich dieser. / Und nun: Indra, der von ihm getrunken hat – keiner bewältigt ihn in den Kämpfen.
ayaṃ svāduriha madiṣṭha āsa yasyendro vṛtrahatye mamāda / purūṇi yaścyautnā śambarasya vi navatiṃ nava ca dehyo han
Dieser süße war hier der berauschendste, an dem Indra sich im Vṛtra-Erschlagen berauschte, / der viele Gewalttaten Śambaras zerschlug und die neunundneunzig Wälle erschlug [?]. [Anm.: cyautnā = Vorstöße/Gewalttaten (unsicher); dehyaḥ = Wälle/Mauern von Burgen (Akk. Pl.)]
ayaṃ me pīta udiyarti vacamayaṃ manīṣāmuśatīmajīgaḥ / ayaṃ ṣaḷ urvīramimīta dhīro na yābhyo bhuvanaṃ kaccanāre
Dieser, getrunken, erhebt mir die Rede; dieser hat den verlangenden Gedanken (die Dichtung) geweckt. / Dieser, der Besonnene, vermaß die sechs weiten [Räume?]; von ihnen ist keine Welt irgendwie fern. [Anm.: ajīgaḥ = wohl 'weckte'; die sechs Weiten = wohl die Räume von Himmel, Luftraum, Erde (paarweise) – plausibel]
ayaṃ sa yo varimāṇaṃ pṛthivyā varṣmāṇaṃ divo akṛṇodayaṃ saḥ / ayaṃ pīyūṣaṃ tisṛṣu pravatsu somo dādhārorvantarikṣam
Dieser ist es, der die Weite der Erde, die Höhe des Himmels schuf – dieser ist es. / Dieser Soma hat das Labsal (die Erstmilch) in den drei Abhängen [?] und den weiten Luftraum getragen. [Anm.: pīyūṣa = Biestmilch/Labsal; 'drei Abhänge' wohl die drei Räume oder Somapressungen – spekulativ]
Dieser fand die Flut von buntem Aussehen im Angesicht der in hellen Sitzen weilenden Morgenröten; / dieser Große stützte mit großer Stütze den Himmel empor, der Bulle, begleitet von den Marut.
Trink kühn den Soma im Krug, Indra, Vṛtra-Töter, Held, im Wettstreit um die Güter; / in der Mittagspressung entfalte dich als Bulle her; du, der du Reichtum innehast, lege Reichtum bei uns nieder.
Wort für Wort
dhṛṣat
kühn (Adv.)
piba
trink (2. Sg. Imp.)
kalaśe
im Krug, Kelch (Lok. Sg.)
somam
Soma (Akk. Sg.)
indra
Indra (Vok.)
vṛtra-hā
Vṛtra-Töter (Nom./Vok. Sg.)
śūra
Held (Vok.)
sam-are
im Zusammentreffen, Wettstreit (Lok. Sg.)
vasūnām
der Güter (Gen. Pl.)
mādhyandine
in der Mittagszeit (Lok. Sg.)
savane
in der Pressung (Lok. Sg.)
ā
her (Präverb)
vṛṣasva
sei kraftvoll, bullenhaft, ströme (2. Sg. Imp. Med.)
indra pra ṇaḥ puraeteva paśya pra no naya prataraṃ vasyo acha / bhavā supāro atipārayo no bhavā sunītiruta vāmanītiḥ
Indra, schau für uns voraus wie ein Vorangeher; führe uns vorwärts, weiter zu Besserem hin. / Sei ein guter Hinüberbringer, uns hinüberbringend; sei gute Führung und Führung zum Schönen.
uruṃ no lokamanu neṣi vidvān svarvajjyotirabhayaṃ svasti / ṛṣvā ta indra sthavirasya bāhū upa stheyāma śaraṇā bṛhantā [Anm.: Saṃhitā-Text und Padapāṭha der Quelle stimmen an dieser Stelle nicht überein (verschoben oder gekürzt). Padapāṭha: iti upa stheyāma śaraṇā bṛhantā]
Einen weiten Raum führst du uns entlang, du Wissender: Licht, das die Sonne (den Himmel) hat, Furchtlosigkeit, Wohlsein. / Erhaben sind deine Arme, Indra, des Mächtigen; zu ihnen als großem Schutz wollen wir treten. [Anm.: Der Padapāṭha der Quelle ist hier verderbt und bricht nach fünf Tokens ab; übersetzt nach der Saṃhitā]
Setze uns, Indra, auf den weitesten Wagensitz der zwei besten Zieher, der beiden Rosse, du Hundertfältiger; / bring Labung her, die überreichste der Labungen. Nicht soll uns, Maghavan, ein Fremder [oder: Herr?] des Reichtums übertreffen [?].
Indra, sei gnädig; erstrebe Leben für mich; treibe mein Denken an [schärfe es] wie die Schneide des Eisens. / Was immer ich, dich begehrend, hier sage, das nimm freudig an; mache mich zu einem, der die Götter bei sich hat.
Den Retter Indra, den Helfer Indra, bei jedem Ruf leicht Anrufbaren, den Helden Indra – / ich rufe den Mächtigen an, den vielgerufenen Indra; Wohlsein soll uns der Gabenreiche, Indra, verleihen.
Indra, der gute Beschützer, der eigenständig Helfende, soll durch seine Hilfen sehr gnädig sein, der Allfinder. / Er soll die Feindschaft abdrängen und Furchtlosigkeit schaffen; wir wollen Herren guter Manneskraft sein.
Wort für Wort
indraḥ
Indra (Nom. Sg.)
su-trāmā
guter Beschützer (Nom. Sg.)
sva-vān
eigene Kraft besitzend, hilfsbereit (Nom. Sg. m.) [?]
In der Gunst dieses Verehrungswürdigen wollen wir sein, ja in [seiner] heilvollen Wohlgesinntheit. / Dieser gute Beschützer, der hilfsbereite Indra, soll uns die Feindschaft von fern, ganz weg trennen.
ava tve indra pravato normirgiro brahmāṇi niyuto dhavante / urū na rādhaḥ savanā purūṇyapo gā vajrin yuvase samindūn
In dir, Indra, strömen hinab wie die Woge vom Abhang die Lieder, die Gebetsformungen, die Gespanne. / Weit sind, gleichsam wie eine Gabe [?], viele Pressungen; Wasser und Kühe (Milch) mischst du, Keulenträger, mit den Soma-Tropfen [?].
ka īṃ stavat kaḥ pṛṇāt ko yajāte yadugramin maghavā viśvahāvet / pādāviva praharannanyam-anyaṃ kṛṇoti pūrvamaparaṃ śacībhiḥ
Wer wird ihn preisen, wer ihn erfreuen, wer ihn verehren, da der Gabenreiche allezeit nur dem Gewaltigen hilft? / Wie mit den beiden Füßen, den einen um den anderen vorstoßend, macht er mit seinen Kräften den früheren zum späteren [?]. [Anm.: Bild des abwechselnd schreitenden Fußpaares; Deutung der Schlusszeile unsicher, vermutlich wechselnde Rangfolge der Gegner/Bewerber]
Berühmt ist der Held, einen Gewaltigen um den anderen bezwingend, einen um den anderen überholend [?]; / Feind des Aufstrebenden [?], König beider – Indra zieht [?] die Sippen, die Menschen an sich. [Anm.: coṣkūyate unsicher, PP-Form manuṣayān = manuṣyān]
Wort für Wort
śṛṇve
wird gehört, ist berühmt (1./3. Sg. Präs. Pass.)
vīraḥ
Held (Nom. Sg.)
ugram-ugram
einen Gewaltigen nach dem anderen (Akk. Sg. m.)
dama-yan
bezwingend (Nom. Sg. m.)
anyam-anyam
einen nach dem anderen (Akk. Sg.)
ati-nenīyamānaḥ
hinausführend, überholend (Nom. Sg. m. Intens. Pass.) [?]
Die Freundschaften der Früheren bricht er ab; hindurcheilend geht er mit den Späteren. / Das Unerreichbare [?] abschüttelnd, durchmisst Indra viele Herbste (Jahre).
Wort für Wort
parā
weg (Präverb)
pūrveṣām
der Früheren (Gen. Pl.)
sakhyā
Freundschaften (Akk. Pl.)
vṛṇakti
bricht ab, wendet sich ab (3. Sg. Präs.)
vi-tarturāṇaḥ
hindurcheilend (Nom. Sg. m.)
aparebhiḥ
mit den Späteren (Instr. Pl.)
eti
geht (3. Sg. Präs.)
ananu-bhūtīḥ
Unnachvollziehbares, Nichterreichtes (Akk. Pl. f.) [?]
Jeder Gestalt wurde er zum Gegenbild; das ist seine Gestalt, um sie anzuschauen. / Indra geht durch Zaubermächte vielgestaltig; denn angeschirrt sind ihm die Falben, zehn Hundert [d. h. tausend].
Die beiden Falben am Wagen anschirrend, herrscht Tvaṣṭar hier gar sehr [?]. / Wer sitzt allezeit an den Seiten der Feinde, auch wenn die Gönner (Herren) ruhig dasitzen? [?]
In ein Land ohne Rinderweide sind wir Götter gekommen; die Erde, obwohl weit, wurde zur Enge. / Bṛhaspati, nimm dich an bei der Rindersuche; so [bahne] dem [wirklich] vorhandenen Sänger, Indra, den Weg. [Anm.: Ergänzung 'bahne' sowie die Sprecher-Situation unsicher; die Götter (devāḥ) als Sprecher sind ungewöhnlich, evtl. Anspielung auf die Rinderbefreiung]
Tag für Tag gleichförmige [?], trieb er die andere Hälfte, die Schwarzen, weg, die im Sitz Geborenen [?]. / Der Bulle erschlug die beiden Dāsas, die Beute begehrenden [?], in der Wasserhürde: Varcin und Śambara.
prastoka in nu rādhasasta indra daśa kośayīrdaśa vājino 'dāt / divodāsādatithigvasya rādhaḥ śāmbaraṃ vasu pratyagrabhīṣma
Prastoka, ja, gab nun von deiner Gabe, Indra, zehn Truhen [?], zehn Rennpferde. / Von Divodāsa Atithigva haben wir die Gabe, das Gut Śambaras, entgegengenommen. [Anm.: Preislied auf einen Gönner (dānastuti); kośayīḥ unsicher]
vanaspate vīḍvaṅgo hi bhūyā asmatsakhā prataraṇaḥ suvīraḥ / gobhiḥ saṃnaddho asi vīḷayasvāsthātā te jayatu jetvāni
Herr des Waldes (Baum, Wagenholz), sei festgliedrig, unser Freund, uns weiterbringend, mit guten Helden. / Mit Rindsriemen bist du zusammengeschnürt; halte fest. Dein Besteiger soll das Zu-Besiegende besiegen. [Anm.: wörtlich der Kriegswagen aus Holz; plausibel]
divas pṛthivyāḥ paryoja udbhṛtaṃ vanaspatibhyaḥ paryābhṛtaṃ sahaḥ / apāmojmānaṃ pari gobhirāvṛtamindrasya vajraṃ haviṣā rathaṃ yaja
Die Kraft, vom Himmel und von der Erde her emporgeholt, die Stärke, von den Bäumen her herbeigebracht, / die Wucht der Wasser, rings mit Rindsleder umhüllt – verehre (weihe) mit der Gabe Indras Keule, den Wagen.
indrasya vajro marutāmanīkaṃ mitrasya garbho varuṇasya nābhiḥ / semāṃ no havyadātiṃ juṣāṇo deva ratha prati havyā gṛbhāya
Indras Keule, der Marut Antlitz (Front), Mitras Leibesfrucht, Varuṇas Nabel – / er, an dieser unserer Darbringung Gefallen findend, o göttlicher Wagen, ergreife entgegen die Gaben.
upa śvāsaya pṛthivīmuta dyāṃ purutrā te manutāṃ viṣṭhitaṃ jagat / sa dundubhe sajūrindreṇa devairdūrād davīyoapa sedha śatrūn
Lass Erde und Himmel aufatmen [erbeben?]; vielfach sollen sie dich bedenken, die ausgebreitete Welt. / Du da, Trommel, mit Indra und den Göttern verbunden, wehre die Feinde ab, ferner als fern.
ā krandaya balamojo na ā dhā ni ṣṭanihi duritā bādhamānaḥ / apa protha dundubhe duchunā ita indrasya muṣṭirasi vīḷayasva
Lass Kraft und Macht laut aufbrüllen, lege sie in uns; donnere heraus, die Übel abdrängend. / Blas das Unheil von hier weg, Trommel; du bist Indras Faust: sei fest.