Kapitel 11: Pāṇḍavapraveśaparva (11)
Nakula als Granthika am Hof Virāṭas
Als Letzter der Brüder tritt Nakula, während Virāṭa gerade seine Pferde begutachtet, in Erscheinung: Der König bemerkt, wie sachkundig der Fremde die Tiere mustert, und lässt ihn zu sich rufen. Nakula gibt sich als der einst bei Yudhiṣṭhira beschäftigte Pferdekenner Granthika aus und rühmt seine umfassenden Kenntnisse in Pferdezucht, -abrichtung und -heilkunde. Virāṭa, erneut von der königlichen Ausstrahlung des vermeintlichen Dieners beeindruckt und unwillkürlich an Yudhiṣṭhira selbst erinnert, überträgt ihm die Aufsicht über seine gesamten Pferde und Wagenlenker. Ein zusammenfassender Schlussvers beschließt die gesamte Episode der unerkannten Ankunft aller fünf Pāṇḍavas und Draupadīs an Virāṭas Hof (Kap.1-11).
Vaiśampāyana sprach: Da erschien ein anderer, ein gebietender Pāṇḍava, während König Virāṭa gerade seine Pferde musterte; das gewöhnliche Volk sah ihn herankommen, wie die Sonnenscheibe, aus einer Wolke befreit.
Vaiśampāyana sprach: Da erschien ein anderer, ein gebietender Pāṇḍava, während König Virāṭa gerade seine Pferde musterte; das gewöhnliche Volk sah ihn herankommen, wie die Sonnenscheibe, aus einer Wolke befreit.
sa vai hayān aikṣata tāṃs tatas tataḥ; samīkṣamāṇaṃ ca dadarśa matsyarāṭ tato 'bravīt tān anugān amitrahā; kuto 'yam āyāti naro 'maraprabhaḥ
Er musterte jene Pferde hier und dort; und der Matsya-König sah ihn beim Mustern. Da sprach der Feindevernichter zu seinem Gefolge: ‚Woher kommt dieser Mann, strahlend wie ein Unsterblicher?‘
Wort für Wort
sa vai hayān aikṣata tāṃs tatas tataḥ; samīkṣamāṇaṃ ca dadarśa matsyarāṭ tato 'bravīt tān anugān amitrahā; kuto 'yam āyāti naro 'maraprabhaḥ
Er musterte jene Pferde hier und dort; und der Matsya-König sah ihn beim Mustern. Da sprach der Feindevernichter zu seinem Gefolge: ‚Woher kommt dieser Mann, strahlend wie ein Unsterblicher?‘
‚Dieser da mustert meine Pferde so genau; gewiss muss er ein scharfsinniger Pferdekenner sein. Man führe ihn sogleich zu mir; denn dieser Held erstrahlt geradeso wie ein Unsterblicher.‘
‚Dieser da mustert meine Pferde so genau; gewiss muss er ein scharfsinniger Pferdekenner sein. Man führe ihn sogleich zu mir; denn dieser Held erstrahlt geradeso wie ein Unsterblicher.‘
abhyetya rājānam amitrahābravīj; jayo 'stu te pārthiva bhadram astu ca hayeṣu yukto nṛpa saṃmataḥ sadā; tavāśvasūto nipuṇo bhavāmy aham
Nachdem er zum König getreten war, sprach der Feindevernichter: ‚Sieg sei dir, o König, und Segen sei mit dir; den Pferden ergeben, o König, stets geschätzt, werde ich dein kundiger Pferdeknecht sein.‘
Wort für Wort
abhyetya rājānam amitrahābravīj; jayo 'stu te pārthiva bhadram astu ca hayeṣu yukto nṛpa saṃmataḥ sadā; tavāśvasūto nipuṇo bhavāmy aham
Nachdem er zum König getreten war, sprach der Feindevernichter: ‚Sieg sei dir, o König, und Segen sei mit dir; den Pferden ergeben, o König, stets geschätzt, werde ich dein kundiger Pferdeknecht sein.‘
‚Ich gewähre dir Fahrzeuge, Reichtum, eine Wohnstatt; du verdienst es, mein Pferdeknecht zu werden. Woher bist du, wessen bist du, wie bist du hierher gekommen? Sage mir auch, welche Fertigkeit du besitzt.‘
‚Ich gewähre dir Fahrzeuge, Reichtum, eine Wohnstatt; du verdienst es, mein Pferdeknecht zu werden. Woher bist du, wessen bist du, wie bist du hierher gekommen? Sage mir auch, welche Fertigkeit du besitzt.‘
na kātaraṃ syān mama jātu vāhanaṃ; na me 'sti duṣṭā vaḍavā kuto hayāḥ janas tu mām āha sa cāpi pāṇḍavo; yudhiṣṭhiro granthikam eva nāmataḥ
Niemals würde ein Reittier von mir scheu oder mangelhaft werden; keine bösartige Stute habe ich, geschweige denn bösartige Hengste. Die Leute aber, und auch jener Pāṇḍava Yudhiṣṭhira, nannten mich nur mit dem Namen Granthika.‘
Wort für Wort
na kātaraṃ syān mama jātu vāhanaṃ; na me 'sti duṣṭā vaḍavā kuto hayāḥ janas tu mām āha sa cāpi pāṇḍavo; yudhiṣṭhiro granthikam eva nāmataḥ
Niemals würde ein Reittier von mir scheu oder mangelhaft werden; keine bösartige Stute habe ich, geschweige denn bösartige Hengste. Die Leute aber, und auch jener Pāṇḍava Yudhiṣṭhira, nannten mich nur mit dem Namen Granthika.‘
virāṭa uvāca yad asti kiṃ cin mama vājivāhanaṃ; tad astu sarvaṃ tvadadhīnam adya vai ye cāpi ke cin mama vājiyojakās; tvadāśrayāḥ sārathayaś ca santu me
‚Was auch immer ich an Pferdegespannen besitze, all das sei von heute an dir unterstellt; und wer auch immer meine Pferdelenker sind, sie sollen ebenso wie meine Wagenlenker unter deiner Obhut stehen.
Wort für Wort
virāṭa uvāca yad asti kiṃ cin mama vājivāhanaṃ; tad astu sarvaṃ tvadadhīnam adya vai ye cāpi ke cin mama vājiyojakās; tvadāśrayāḥ sārathayaś ca santu me
‚Was auch immer ich an Pferdegespannen besitze, all das sei von heute an dir unterstellt; und wer auch immer meine Pferdelenker sind, sie sollen ebenso wie meine Wagenlenker unter deiner Obhut stehen.
idaṃ taveṣṭaṃ yadi vai suropama; bravīhi yat te prasamīkṣitaṃ vasu na te 'nurūpaṃ hayakarma vidyate; prabhāsi rājeva hi saṃmato mama
Wenn dir dies genehm ist, du Gottgleicher, so sage mir, welchen Reichtum du dir wünschst; die Arbeit mit Pferden erscheint mir nicht angemessen für dich - denn du erstrahlst, von mir hochgeschätzt, geradeso wie ein König.
Wort für Wort
idaṃ taveṣṭaṃ yadi vai suropama; bravīhi yat te prasamīkṣitaṃ vasu na te 'nurūpaṃ hayakarma vidyate; prabhāsi rājeva hi saṃmato mama
Wenn dir dies genehm ist, du Gottgleicher, so sage mir, welchen Reichtum du dir wünschst; die Arbeit mit Pferden erscheint mir nicht angemessen für dich - denn du erstrahlst, von mir hochgeschätzt, geradeso wie ein König.
yudhiṣṭhirasyeva hi darśanena me; samaṃ tavedaṃ priyadarśa darśanam kathaṃ tu bhṛtyaiḥ sa vinākṛto vane; vasaty anindyo ramate ca pāṇḍavaḥ
Denn mir erscheint dieser Anblick von dir dem Anblick Yudhiṣṭhiras selbst gleich, du Lieblich-Anzuschauender; doch wie nur lebt jener makellose Pāṇḍava, seiner Diener beraubt, im Wald, und findet er dort noch Freude?‘
Wort für Wort
yudhiṣṭhirasyeva hi darśanena me; samaṃ tavedaṃ priyadarśa darśanam kathaṃ tu bhṛtyaiḥ sa vinākṛto vane; vasaty anindyo ramate ca pāṇḍavaḥ
Denn mir erscheint dieser Anblick von dir dem Anblick Yudhiṣṭhiras selbst gleich, du Lieblich-Anzuschauender; doch wie nur lebt jener makellose Pāṇḍava, seiner Diener beraubt, im Wald, und findet er dort noch Freude?‘
vaiśaṃpāyana uvāca tathā sa gandharvavaropamo yuvā; virāṭarājñā muditena pūjitaḥ na cainam anye 'pi viduḥ kathaṃ cana; priyābhirāmaṃ vicarantam antarā
Vaiśampāyana sprach: So wurde jener Jüngling, dem Vortrefflichsten der Gandharvas vergleichbar, vom erfreuten König Virāṭa geehrt; und auch sonst erkannte ihn niemand, wie er, liebreizend und anmutig, unter ihnen umherging.
Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca tathā sa gandharvavaropamo yuvā; virāṭarājñā muditena pūjitaḥ na cainam anye 'pi viduḥ kathaṃ cana; priyābhirāmaṃ vicarantam antarā
Vaiśampāyana sprach: So wurde jener Jüngling, dem Vortrefflichsten der Gandharvas vergleichbar, vom erfreuten König Virāṭa geehrt; und auch sonst erkannte ihn niemand, wie er, liebreizend und anmutig, unter ihnen umherging.
So also lebten die Pāṇḍavas, deren Blick niemals wirkungslos blieb, ihren Gelübden gemäß im Reich der Matsyas; gefasst führten sie ihr unerkanntes Dasein, sie, die Herren der vom Ozean umgürteten Erde, tief bekümmert.
So also lebten die Pāṇḍavas, deren Blick niemals wirkungslos blieb, ihren Gelübden gemäß im Reich der Matsyas; gefasst führten sie ihr unerkanntes Dasein, sie, die Herren der vom Ozean umgürteten Erde, tief bekümmert.
Dieser Vers schließt die gesamte Episode des Pāṇḍavapraveśaparva (Kap.1-11: die Ankunft und den unerkannten Eintritt aller fünf Brüder und Draupadīs an Virāṭas Hof) zusammenfassend ab.