Kapitel 17: Kīcakavadhaparva (5)
Draupadīs Klage über Yudhiṣṭhiras Erniedrigung
In einer einzigen, ununterbrochenen Klagerede schildert Draupadī Bhīma ihr gesamtes Leid: die Erniedrigung durch Prātikāmin in der Würfelsaal-Szene, den Übergriff des Saindhava-Königs im Waldexil, und nun Kīcakas Fußtritt vor aller Augen. Sie fordert Bhīma auf, ihren ältesten Bruder - gemeint ist Yudhiṣṭhira - für seine Spielsucht zu tadeln, und stellt in einer eindringlichen Reihe von Kontrastbildern Yudhiṣṭhiras einstige Herrlichkeit als Großkönig von Indraprastha (Elefanten, Dienerscharen, Weise, Freigebigkeit, Fürsorge für die Bedürftigen) seinem gegenwärtigen Zustand als Kaṅka, dem dem Würfelspiel verfallenen Hofunterhalter im Dienst eines fremden Königs, gegenüber.
‚Wie sollte es für die, deren Gatte Yudhiṣṭhira ist, irgendetwas geben, das nicht zu beklagen wäre? Du kennst doch all mein Leid - warum fragst du mich erst danach?
‚Wie sollte es für die, deren Gatte Yudhiṣṭhira ist, irgendetwas geben, das nicht zu beklagen wäre? Du kennst doch all mein Leid - warum fragst du mich erst danach?
yan māṃ dāsīpravādena prātikāmī tadānayat sabhāyāṃ pārṣado madhye tan māṃ dahati bhārata
Dass mich damals Prātikāmin, indem er mich als Sklavin bezeichnete, in die Versammlung führte, mitten unter die Höflinge - das brennt in mir, o Bhārata.
Wort für Wort
yan māṃ dāsīpravādena prātikāmī tadānayat sabhāyāṃ pārṣado madhye tan māṃ dahati bhārata
Dass mich damals Prātikāmin, indem er mich als Sklavin bezeichnete, in die Versammlung führte, mitten unter die Höflinge - das brennt in mir, o Bhārata.
matsyarājñaḥ samakṣaṃ ca tasya dhūrtasya paśyataḥ kīcakena padā spṛṣṭā kā nu jīveta mādṛśī
Und wer könnte, wie ich, weiterleben, nachdem sie von Kīcakas Fuß berührt wurde, unmittelbar vor den Augen des Matsya-Königs, vor den Augen jenes Schurken?
Wort für Wort
matsyarājñaḥ samakṣaṃ ca tasya dhūrtasya paśyataḥ kīcakena padā spṛṣṭā kā nu jīveta mādṛśī
Und wer könnte, wie ich, weiterleben, nachdem sie von Kīcakas Fuß berührt wurde, unmittelbar vor den Augen des Matsya-Königs, vor den Augen jenes Schurken?
ko hi rājyaṃ parityajya sarvasvaṃ cātmanā saha pravrajyāyaiva dīvyeta vinā durdyūtadevinam
Denn wer würde, nachdem er sein Königreich und all seinen Besitz samt sich selbst aufgegeben hat, nur um der Verbannung willen würfeln, außer einem dem schlechten Würfelspiel Verfallenen?
Wort für Wort
ko hi rājyaṃ parityajya sarvasvaṃ cātmanā saha pravrajyāyaiva dīvyeta vinā durdyūtadevinam
Denn wer würde, nachdem er sein Königreich und all seinen Besitz samt sich selbst aufgegeben hat, nur um der Verbannung willen würfeln, außer einem dem schlechten Würfelspiel Verfallenen?
Hätte er doch mit tausend Goldstücken, und mit welchem anderen wertvollen Gut auch immer, abends und morgens gespielt, selbst über viele Jahre hinweg -
Hätte er doch mit tausend Goldstücken, und mit welchem anderen wertvollen Gut auch immer, abends und morgens gespielt, selbst über viele Jahre hinweg -
eṣa niṣkasahasrāṇi pradāya dadatāṃ varaḥ dyūtajena hy anarthena mahatā samupāvṛtaḥ
Eben dieser, der Beste der Schenkenden, der einst Tausende von Goldstücken verschenkte, ist nun von dem gewaltigen, aus dem Würfelspiel entstandenen Unheil ereilt worden.
Wort für Wort
eṣa niṣkasahasrāṇi pradāya dadatāṃ varaḥ dyūtajena hy anarthena mahatā samupāvṛtaḥ
Eben dieser, der Beste der Schenkenden, der einst Tausende von Goldstücken verschenkte, ist nun von dem gewaltigen, aus dem Würfelspiel entstandenen Unheil ereilt worden.
Eben dieser ist nun in eine Hölle geraten - ein Diener des Matsya-Königs, ein Würfelspieler in der Versammlung des Königs, der sich Kaṅka nennt - das ist Yudhiṣṭhira!
Eben dieser ist nun in eine Hölle geraten - ein Diener des Matsya-Königs, ein Würfelspieler in der Versammlung des Königs, der sich Kaṅka nennt - das ist Yudhiṣṭhira!
Die Könige, die Hüter der Erde, die einst seinem Willen unterstanden - jener König steht heute, seiner selbst nicht mehr mächtig, in der Gewalt anderer.
Die Könige, die Hüter der Erde, die einst seinem Willen unterstanden - jener König steht heute, seiner selbst nicht mehr mächtig, in der Gewalt anderer.
Er, der einst die gesamte Erde mit seinem Glanz erhitzte, wie die Sonne mit ihren Strahlen - eben dieser Yudhiṣṭhira ist jetzt der Hofunterhalter des Königs Virāṭa.
Er, der einst die gesamte Erde mit seinem Glanz erhitzte, wie die Sonne mit ihren Strahlen - eben dieser Yudhiṣṭhira ist jetzt der Hofunterhalter des Königs Virāṭa.
So, von mancherlei Leiden gepeinigt, wie eine Beschützerlose, inmitten eines Ozeans des Kummers stehend - warum, Bhīma, siehst du mich nicht, wie ich wirklich bin?‘
So, von mancherlei Leiden gepeinigt, wie eine Beschützerlose, inmitten eines Ozeans des Kummers stehend - warum, Bhīma, siehst du mich nicht, wie ich wirklich bin?‘