Kapitel 7: Pāṇḍavapraveśaparva (7)
Bhīma als Ballava am Hof Virāṭas
Bhīma tritt, mit Rührlöffel, Schöpfkelle und Schwert bewaffnet, in der Gestalt eines Koches vor Virāṭa, der von seiner löwenhaften, geradezu göttlichen Erscheinung verwundert ist und im Stillen über seine wahre Herkunft rätselt. Bhīma gibt sich als Koch namens Ballava aus, der einst für König Yudhiṣṭhira kochte, und rühmt zugleich seine außerordentliche Kraft und Ringkampferfahrung. Virāṭa, der ihm eigentlich die Herrschaft über die ganze Erde zutrauen würde, setzt ihn dennoch, seinem Wunsch entsprechend, als Vorsteher der königlichen Küche ein. Bhīma lebt fortan unerkannt und hoch geschätzt am Hof.
vaiśaṃpāyana uvāca athāparo bhīmabalaḥ śriyā jvalann; upāyayau siṃhavilāsavikramaḥ khajaṃ ca darvīṃ ca kareṇa dhārayann; asiṃ ca kālāṅgam akośam avraṇam
Vaiśampāyana sprach: Da kam ein anderer heran, kraftvoll wie Bhīma selbst, vor Glanz erstrahlend, mit dem geschmeidigen Gang eines Löwen, einen Rührlöffel und eine Schöpfkelle in der Hand haltend, sowie ein Schwert mit dunkler Klinge, ohne Scheide, makellos.
Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca athāparo bhīmabalaḥ śriyā jvalann; upāyayau siṃhavilāsavikramaḥ khajaṃ ca darvīṃ ca kareṇa dhārayann; asiṃ ca kālāṅgam akośam avraṇam
Vaiśampāyana sprach: Da kam ein anderer heran, kraftvoll wie Bhīma selbst, vor Glanz erstrahlend, mit dem geschmeidigen Gang eines Löwen, einen Rührlöffel und eine Schöpfkelle in der Hand haltend, sowie ein Schwert mit dunkler Klinge, ohne Scheide, makellos.
sa sūdarūpaḥ parameṇa varcasā; ravir yathā lokam imaṃ prabhāsayan sukṛṣṇavāsā girirājasāravān; sa matsyarājaṃ samupetya tasthivān
Er, in der Gestalt eines Koches, doch von höchstem Glanz, wie die Sonne diese Welt erleuchtend, in feine schwarze Gewänder gekleidet, von der Kraft des Bergkönigs, trat vor den Matsya-König und blieb stehen.
Wort für Wort
sa sūdarūpaḥ parameṇa varcasā; ravir yathā lokam imaṃ prabhāsayan sukṛṣṇavāsā girirājasāravān; sa matsyarājaṃ samupetya tasthivān
Er, in der Gestalt eines Koches, doch von höchstem Glanz, wie die Sonne diese Welt erleuchtend, in feine schwarze Gewänder gekleidet, von der Kraft des Bergkönigs, trat vor den Matsya-König und blieb stehen.
taṃ prekṣya rājā varayann upāgataṃ; tato 'bravīj jānapadān samāgatān siṃhonnatāṃso 'yam atīva rūpavān; pradṛśyate ko nu nararṣabho yuvā
Als der König ihn herankommen sah, gleichsam ihn erwählend, sprach er darauf zu den versammelten Untertanen: ‚Dieser da, mit löwenhaft gewölbten Schultern, überaus schön anzusehen - wer mag dieser jugendliche Stier unter den Männern nur sein?
Wort für Wort
taṃ prekṣya rājā varayann upāgataṃ; tato 'bravīj jānapadān samāgatān siṃhonnatāṃso 'yam atīva rūpavān; pradṛśyate ko nu nararṣabho yuvā
Als der König ihn herankommen sah, gleichsam ihn erwählend, sprach er darauf zu den versammelten Untertanen: ‚Dieser da, mit löwenhaft gewölbten Schultern, überaus schön anzusehen - wer mag dieser jugendliche Stier unter den Männern nur sein?
adṛṣṭapūrvaḥ puruṣo ravir yathā; vitarkayan nāsya labhāmi saṃpadam tathāsya cittaṃ hy api saṃvitarkayan; nararṣabhasyādya na yāmi tattvataḥ
Nie zuvor gesehen ist dieser Mann, wie die Sonne; sinnend vermag ich seine wahre Beschaffenheit nicht zu erfassen; und ebenso, über sein Wesen nachdenkend, gelange ich heute nicht zur Wahrheit über diesen Stier unter den Männern.‘
Wort für Wort
adṛṣṭapūrvaḥ puruṣo ravir yathā; vitarkayan nāsya labhāmi saṃpadam tathāsya cittaṃ hy api saṃvitarkayan; nararṣabhasyādya na yāmi tattvataḥ
Nie zuvor gesehen ist dieser Mann, wie die Sonne; sinnend vermag ich seine wahre Beschaffenheit nicht zu erfassen; und ebenso, über sein Wesen nachdenkend, gelange ich heute nicht zur Wahrheit über diesen Stier unter den Männern.‘
Wie schon bei Yudhiṣṭhiras Empfang (Kap.6, V.005f.) wird Virāṭas stiller Gedankengang wie eine Rede in einfachen Anführungszeichen wiedergegeben.
Darauf trat der Pāṇḍava, in überaus demütiger Gestalt, doch hochgesinnt, vor Virāṭa und sprach diese Worte: ‚Ich bin ein Koch, Herrscher der Menschen, mit Namen Ballava; nimm mich als vortrefflichen Zubereiter von Würzspeisen in deinen Dienst.‘
Darauf trat der Pāṇḍava, in überaus demütiger Gestalt, doch hochgesinnt, vor Virāṭa und sprach diese Worte: ‚Ich bin ein Koch, Herrscher der Menschen, mit Namen Ballava; nimm mich als vortrefflichen Zubereiter von Würzspeisen in deinen Dienst.‘
virāṭa uvāca na sūdatāṃ mānada śraddadhāmi te; sahasranetrapratimo hi dṛśyase śriyā ca rūpeṇa ca vikrameṇa ca; prabhāsi tātānavaro nareṣv iha
‚Nicht glaube ich, du Ehrenspender, dass du von der Art eines Koches bist; denn du erscheinst wie der Tausendäugige - an Glanz, an Gestalt und an Kraft erstrahlst du hier, mein Lieber, unübertroffen unter den Menschen.‘
Wort für Wort
virāṭa uvāca na sūdatāṃ mānada śraddadhāmi te; sahasranetrapratimo hi dṛśyase śriyā ca rūpeṇa ca vikrameṇa ca; prabhāsi tātānavaro nareṣv iha
‚Nicht glaube ich, du Ehrenspender, dass du von der Art eines Koches bist; denn du erscheinst wie der Tausendäugige - an Glanz, an Gestalt und an Kraft erstrahlst du hier, mein Lieber, unübertroffen unter den Menschen.‘
‚Herrscher der Menschen, ich bin dein Diener, ein Koch; ich verstehe mich einzig auf erstklassige Suppen, wie sie einst, o König, in jeder Hinsicht selbst von König Yudhiṣṭhira gekostet wurden.
‚Herrscher der Menschen, ich bin dein Diener, ein Koch; ich verstehe mich einzig auf erstklassige Suppen, wie sie einst, o König, in jeder Hinsicht selbst von König Yudhiṣṭhira gekostet wurden.
balena tulyaś ca na vidyate mayā; niyuddhaśīlaś ca sadaiva pārthiva gajaiś ca siṃhaiś ca sameyivān ahaṃ; sadā kariṣyāmi tavānagha priyam
Und niemand gibt es, der mir an Kraft gleichkäme, und stets bin ich dem Ringkampf zugetan, o Herrscher; mit Elefanten und Löwen bin ich schon zusammengetroffen - stets werde ich dir zu Gefallen handeln, du Makelloser.‘
Wort für Wort
balena tulyaś ca na vidyate mayā; niyuddhaśīlaś ca sadaiva pārthiva gajaiś ca siṃhaiś ca sameyivān ahaṃ; sadā kariṣyāmi tavānagha priyam
Und niemand gibt es, der mir an Kraft gleichkäme, und stets bin ich dem Ringkampf zugetan, o Herrscher; mit Elefanten und Löwen bin ich schon zusammengetroffen - stets werde ich dir zu Gefallen handeln, du Makelloser.‘
virāṭa uvāca dadāmi te hanta varaṃ mahānase; tathā ca kuryāḥ kuśalaṃ hi bhāṣase na caiva manye tava karma tat samaṃ; samudranemiṃ pṛthivīṃ tvam arhasi
‚Wohlan, ich gewähre dir als Gabe die Küche; so handle denn, denn geschickt sprichst du; doch halte ich diese Aufgabe für nicht angemessen - die vom Ozean umgürtete Erde würdest du verdienen.
Wort für Wort
virāṭa uvāca dadāmi te hanta varaṃ mahānase; tathā ca kuryāḥ kuśalaṃ hi bhāṣase na caiva manye tava karma tat samaṃ; samudranemiṃ pṛthivīṃ tvam arhasi
‚Wohlan, ich gewähre dir als Gabe die Küche; so handle denn, denn geschickt sprichst du; doch halte ich diese Aufgabe für nicht angemessen - die vom Ozean umgürtete Erde würdest du verdienen.
yathā hi kāmas tava tat tathā kṛtaṃ; mahānase tvaṃ bhava me puraskṛtaḥ narāś ca ye tatra mamocitāḥ purā; bhavasva teṣām adhipo mayā kṛtaḥ
Wie es dein Wunsch ist, so sei es getan; sei an der Spitze meiner Küche eingesetzt; und die Männer, die zuvor dort von mir beschäftigt wurden - zu deren Vorsteher sollst du von mir gemacht werden.‘
Wort für Wort
yathā hi kāmas tava tat tathā kṛtaṃ; mahānase tvaṃ bhava me puraskṛtaḥ narāś ca ye tatra mamocitāḥ purā; bhavasva teṣām adhipo mayā kṛtaḥ
Wie es dein Wunsch ist, so sei es getan; sei an der Spitze meiner Küche eingesetzt; und die Männer, die zuvor dort von mir beschäftigt wurden - zu deren Vorsteher sollst du von mir gemacht werden.‘
vaiśaṃpāyana uvāca tathā sa bhīmo vihito mahānase; virāṭarājño dayito 'bhavad dṛḍham uvāsa rājan na ca taṃ pṛthagjano; bubodha tatrānucaraś ca kaś cana
So wurde Bhīma, in der Küche eingesetzt, dem König Virāṭa fest ans Herz gewachsen; er lebte dort, o König, und weder gewöhnliche Leute noch irgendein Gefolgsmann erkannten ihn dort.
Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca tathā sa bhīmo vihito mahānase; virāṭarājño dayito 'bhavad dṛḍham uvāsa rājan na ca taṃ pṛthagjano; bubodha tatrānucaraś ca kaś cana
So wurde Bhīma, in der Küche eingesetzt, dem König Virāṭa fest ans Herz gewachsen; er lebte dort, o König, und weder gewöhnliche Leute noch irgendein Gefolgsmann erkannten ihn dort.