Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Virāṭaparva

Kapitel 42: Go-harana-parva (19) Duryodhanas Misstrauen

Duryodhana hält eine lange, misstrauische Rede: Er rechnet nach, ob das dreizehnte Jahr der Verkleidung wirklich schon abgelaufen ist, rekapituliert den Anlass des Feldzugs (die Trigarta-Allianz) und wirft Bhīṣma, Droṇa und Kṛpa vor, aus verdeckter Zuneigung zu Arjuna vor dem Kampf zu zögern und dessen schlechte Vorzeichen (vgl. Kap.41) überzubewerten. Mit beißendem Spott stellt er die Weisheit der alten Lehrer infrage und ordnet an, das Heer unverzüglich in Schlachtordnung aufzustellen.

vaiśaṃpāyana uvāca atha duryodhano rājā samare bhīṣmam abravīt droṇaṃ ca rathaśārdūlaṃ kṛpaṃ ca sumahāratham

Vaiśampāyana sprach: Da sprach König Duryodhana im Kampfgetümmel zu Bhīṣma, zu Droṇa, dem Tiger unter den Wagenkämpfern, und zu Kṛpa, dem überaus großen Wagenkämpfer:

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca atha duryodhano rājā samare bhīṣmam abravīt droṇaṃ ca rathaśārdūlaṃ kṛpaṃ ca sumahāratham
Vaiśampāyana sprach: Da sprach König Duryodhana im Kampfgetümmel zu Bhīṣma, zu Droṇa, dem Tiger unter den Wagenkämpfern, und zu Kṛpa, dem überaus großen Wagenkämpfer:

ukto 'yam artha ācāryo mayā karṇena cāsakṛt punar eva ca vakṣyāmi na hi tṛpyāmi taṃ bruvan

‚Dieser Sachverhalt wurde, o Lehrer, von mir und von Karṇa schon wiederholt dargelegt; doch ich will ihn noch einmal vortragen, denn ich werde nicht müde, ihn zu wiederholen.

Wort für Wort
ukto 'yam artha ācāryo mayā karṇena cāsakṛt punar eva ca vakṣyāmi na hi tṛpyāmi taṃ bruvan
‚Dieser Sachverhalt wurde, o Lehrer, von mir und von Karṇa schon wiederholt dargelegt; doch ich will ihn noch einmal vortragen, denn ich werde nicht müde, ihn zu wiederholen.

parājitair hi vastavyaṃ taiś ca dvādaśa vatsarān vane janapade 'jñātair eṣa eva paṇo hi naḥ

Die Besiegten sollten zwölf Jahre im Wald wohnen, und danach ein Jahr unerkannt im Land - eben das war unsere Abmachung.

Wort für Wort
parājitair hi vastavyaṃ taiś ca dvādaśa vatsarān vane janapade 'jñātair eṣa eva paṇo hi naḥ
Die Besiegten sollten zwölf Jahre im Wald wohnen, und danach ein Jahr unerkannt im Land - eben das war unsere Abmachung.

teṣāṃ na tāvan nirvṛttaṃ vartate tu trayodaśam ajñātavāsaṃ bībhatsur athāsmābhiḥ samāgataḥ

Für sie ist diese Frist noch nicht abgelaufen; es läuft aber gerade das dreizehnte Jahr, das Jahr der unerkannten Verkleidung - und da ist uns nun Bībhatsu begegnet.

Wort für Wort
teṣāṃ na tāvan nirvṛttaṃ vartate tu trayodaśam ajñātavāsaṃ bībhatsur athāsmābhiḥ samāgataḥ
Für sie ist diese Frist noch nicht abgelaufen; es läuft aber gerade das dreizehnte Jahr, das Jahr der unerkannten Verkleidung - und da ist uns nun Bībhatsu begegnet.

anivṛtte tu nirvāse yadi bībhatsur āgataḥ punar dvādaśa varṣāṇi vane vatsyanti pāṇḍavāḥ

Wenn Bībhatsu gekommen ist, während die Verbannungsfrist noch nicht abgelaufen ist, dann werden die Pāṇḍavas von neuem zwölf Jahre im Wald wohnen müssen.

Wort für Wort
anivṛtte tu nirvāse yadi bībhatsur āgataḥ punar dvādaśa varṣāṇi vane vatsyanti pāṇḍavāḥ
Wenn Bībhatsu gekommen ist, während die Verbannungsfrist noch nicht abgelaufen ist, dann werden die Pāṇḍavas von neuem zwölf Jahre im Wald wohnen müssen.

lobhād vā te na jānīyur asmān vā moha āviśat hīnātiriktam eteṣāṃ bhīṣmo veditum arhati

Sei es aus Gier, dass sie die Frist nicht richtig berechnen, oder dass uns ein Irrtum befallen hat - Bhīṣma sollte imstande sein zu wissen, ob bei ihnen ein Tag zu wenig oder zu viel vergangen ist.

Wort für Wort
lobhād vā te na jānīyur asmān vā moha āviśat hīnātiriktam eteṣāṃ bhīṣmo veditum arhati
Sei es aus Gier, dass sie die Frist nicht richtig berechnen, oder dass uns ein Irrtum befallen hat - Bhīṣma sollte imstande sein zu wissen, ob bei ihnen ein Tag zu wenig oder zu viel vergangen ist.

arthānāṃ tu punar dvaidhe nityaṃ bhavati saṃśayaḥ anyathā cintito hy arthaḥ punar bhavati cānyathā

Bei zweideutigen Sachverhalten aber besteht stets Zweifel; ein auf die eine Weise erwogener Sachverhalt erweist sich wieder auf andere Weise.

Wort für Wort
arthānāṃ tu punar dvaidhe nityaṃ bhavati saṃśayaḥ anyathā cintito hy arthaḥ punar bhavati cānyathā
Bei zweideutigen Sachverhalten aber besteht stets Zweifel; ein auf die eine Weise erwogener Sachverhalt erweist sich wieder auf andere Weise.

uttaraṃ mārgamāṇānāṃ matsyasenāṃ yuyutsatām yadi bībhatsur āyātas teṣāṃ kaḥ syāt parāṅmukhaḥ

Während wir, nach Norden vorstoßend, gegen das kampfbereite Matsya-Heer vorgingen - wenn Bībhatsu gekommen ist, wer von ihnen sollte da zurückweichen?

Wort für Wort
uttaraṃ mārgamāṇānāṃ matsyasenāṃ yuyutsatām yadi bībhatsur āyātas teṣāṃ kaḥ syāt parāṅmukhaḥ
Während wir, nach Norden vorstoßend, gegen das kampfbereite Matsya-Heer vorgingen - wenn Bībhatsu gekommen ist, wer von ihnen sollte da zurückweichen?

trigartānāṃ vayaṃ hetor matsyān yoddhum ihāgatāḥ matsyānāṃ viprakārāṃs te bahūn asmān akīrtayan

Wegen der Trigartas sind wir hierher gekommen, um gegen die Matsyas zu kämpfen; sie hatten uns viele Kränkungen durch die Matsyas berichtet.

Wort für Wort
trigartānāṃ vayaṃ hetor matsyān yoddhum ihāgatāḥ matsyānāṃ viprakārāṃs te bahūn asmān akīrtayan
Wegen der Trigartas sind wir hierher gekommen, um gegen die Matsyas zu kämpfen; sie hatten uns viele Kränkungen durch die Matsyas berichtet.

teṣāṃ bhayābhipannānāṃ tad asmābhiḥ pratiśrutam prathamaṃ tair grahītavyaṃ matsyānāṃ godhanaṃ mahat

Ihnen, die von Furcht ergriffen waren, haben wir dies zugesagt: Zuerst sollten sie den großen Rinderreichtum der Matsyas nehmen.

Wort für Wort
teṣāṃ bhayābhipannānāṃ tad asmābhiḥ pratiśrutam prathamaṃ tair grahītavyaṃ matsyānāṃ godhanaṃ mahat
Ihnen, die von Furcht ergriffen waren, haben wir dies zugesagt: Zuerst sollten sie den großen Rinderreichtum der Matsyas nehmen.

saptamīm aparāhṇe vai tathā nas taiḥ samāhitam aṣṭamyāṃ punar asmābhir ādityasyodayaṃ prati

Am Nachmittag des siebten Tages war dies mit ihnen vereinbart, und am achten Tag, zum Sonnenaufgang, sollten wir angreifen.

Wort für Wort
saptamīm aparāhṇe vai tathā nas taiḥ samāhitam aṣṭamyāṃ punar asmābhir ādityasyodayaṃ prati
Am Nachmittag des siebten Tages war dies mit ihnen vereinbart, und am achten Tag, zum Sonnenaufgang, sollten wir angreifen.

te vā gāvo na paśyanti yadi va syuḥ parājitāḥ asmān vāpy atisaṃdhāya kuryur matsyena saṃgatam

Entweder haben sie die Rinder nicht erbeutet, oder sie wurden besiegt, oder sie haben uns getäuscht und sich mit den Matsyas verbündet.

Wort für Wort
te vā gāvo na paśyanti yadi va syuḥ parājitāḥ asmān vāpy atisaṃdhāya kuryur matsyena saṃgatam
Entweder haben sie die Rinder nicht erbeutet, oder sie wurden besiegt, oder sie haben uns getäuscht und sich mit den Matsyas verbündet.

atha vā tān upāyāto matsyo jānapadaiḥ saha sarvayā senayā sārdham asmān yoddhum upāgataḥ

Oder aber der Matsya-König ist gegen sie gezogen, zusammen mit den Landbewohnern, und ist nun mit seinem ganzen Heer gekommen, um gegen uns zu kämpfen.

Wort für Wort
atha vā tān upāyāto matsyo jānapadaiḥ saha sarvayā senayā sārdham asmān yoddhum upāgataḥ
Oder aber der Matsya-König ist gegen sie gezogen, zusammen mit den Landbewohnern, und ist nun mit seinem ganzen Heer gekommen, um gegen uns zu kämpfen.

teṣām eva mahāvīryaḥ kaś cid eva puraḥsaraḥ asmāñ jetum ihāyāto matsyo vāpi svayaṃ bhavet

Oder es ist irgendein überaus tapferer Vorkämpfer von ihnen gekommen, um uns zu besiegen, oder es könnte der Matsya-König selbst sein.

Wort für Wort
teṣām eva mahāvīryaḥ kaś cid eva puraḥsaraḥ asmāñ jetum ihāyāto matsyo vāpi svayaṃ bhavet
Oder es ist irgendein überaus tapferer Vorkämpfer von ihnen gekommen, um uns zu besiegen, oder es könnte der Matsya-König selbst sein.

yady eṣa rājā matsyānāṃ yadi bībhatsur āgataḥ sarvair yoddhavyam asmābhir iti naḥ samayaḥ kṛtaḥ

Ob dies nun der König der Matsyas ist, oder ob Bībhatsu gekommen ist - wir alle müssen kämpfen; das ist unsere Abmachung.

Wort für Wort
yady eṣa rājā matsyānāṃ yadi bībhatsur āgataḥ sarvair yoddhavyam asmābhir iti naḥ samayaḥ kṛtaḥ
Ob dies nun der König der Matsyas ist, oder ob Bībhatsu gekommen ist - wir alle müssen kämpfen; das ist unsere Abmachung.

atha kasmāt sthitā hy ete ratheṣu rathasattamāḥ bhīṣmo droṇaḥ kṛpaś caiva vikarṇo drauṇir eva ca

Warum aber stehen diese, die Besten der Wagenkämpfer - Bhīṣma, Droṇa, Kṛpa, Vikarṇa und Drauṇi - unschlüssig auf ihren Wagen?

Wort für Wort
atha kasmāt sthitā hy ete ratheṣu rathasattamāḥ bhīṣmo droṇaḥ kṛpaś caiva vikarṇo drauṇir eva ca
Warum aber stehen diese, die Besten der Wagenkämpfer - Bhīṣma, Droṇa, Kṛpa, Vikarṇa und Drauṇi - unschlüssig auf ihren Wagen?

saṃbhrāntamanasaḥ sarve kāle hy asmin mahārathāḥ nānyatra yuddhāc chreyo 'sti tathātmā praṇidhīyatām

Alle großen Wagenkämpfer sind in diesem Augenblick in ihrem Sinn verwirrt; es gibt nichts Besseres als den Kampf - so möge sich euer Geist darauf richten.

Wort für Wort
saṃbhrāntamanasaḥ sarve kāle hy asmin mahārathāḥ nānyatra yuddhāc chreyo 'sti tathātmā praṇidhīyatām
Alle großen Wagenkämpfer sind in diesem Augenblick in ihrem Sinn verwirrt; es gibt nichts Besseres als den Kampf - so möge sich euer Geist darauf richten.

ācchinne godhane 'smākam api devena vajriṇā yamena vāpi saṃgrāme ko hāstinapuraṃ vrajet

Selbst wenn unser Rinderreichtum vom Blitzträger selbst oder von Yama in der Schlacht genommen würde - wer sollte da feige nach Hastinapura zurückkehren?

Wort für Wort
ācchinne godhane 'smākam api devena vajriṇā yamena vāpi saṃgrāme ko hāstinapuraṃ vrajet
Selbst wenn unser Rinderreichtum vom Blitzträger selbst oder von Yama in der Schlacht genommen würde - wer sollte da feige nach Hastinapura zurückkehren?

śarair abhipraṇunnānāṃ bhagnānāṃ gahane vane ko hi jīvet padātīnāṃ bhaved aśveṣu saṃśayaḥ ācāryaṃ pṛṣṭhataḥ kṛtvā tathā nītir vidhīyatām

Wer von den durch Pfeile Vertriebenen, Geschlagenen, sollte im dichten Wald zu Fuß überleben? Auch bei den Berittenen bestünde Zweifel. Lasst uns, den Lehrer als Rückhalt, eine entsprechende Strategie festlegen.

Wort für Wort
śarair abhipraṇunnānāṃ bhagnānāṃ gahane vane ko hi jīvet padātīnāṃ bhaved aśveṣu saṃśayaḥ ācāryaṃ pṛṣṭhataḥ kṛtvā tathā nītir vidhīyatām
Wer von den durch Pfeile Vertriebenen, Geschlagenen, sollte im dichten Wald zu Fuß überleben? Auch bei den Berittenen bestünde Zweifel. Lasst uns, den Lehrer als Rückhalt, eine entsprechende Strategie festlegen.

jānāti hi mataṃ teṣām atas trāsayatīva naḥ arjunenāsya saṃprītim adhikām upalakṣaye

Er kennt nämlich ihre Gesinnung, deshalb erschreckt er uns gleichsam absichtlich; ich bemerke seine übergroße Zuneigung zu diesem Arjuna.

Wort für Wort
jānāti hi mataṃ teṣām atas trāsayatīva naḥ arjunenāsya saṃprītim adhikām upalakṣaye
Er kennt nämlich ihre Gesinnung, deshalb erschreckt er uns gleichsam absichtlich; ich bemerke seine übergroße Zuneigung zu diesem Arjuna.

Mit 'er' ist Droṇa gemeint, dessen Vorzeichendeutung in Kap.41 Duryodhana hier misstrauisch als verdeckte Parteinahme für seinen einstigen Schüler Arjuna auslegt.

tathā hi dṛṣṭvā bībhatsum upāyāntaṃ praśaṃsati yathā senā na bhajyeta tathā nītir vidhīyatām

Denn kaum hat er Bībhatsu herannahen sehen, lobt er ihn schon. Damit unser Heer nicht auseinanderbricht, soll eine entsprechende Strategie festgelegt werden.

Wort für Wort
tathā hi dṛṣṭvā bībhatsum upāyāntaṃ praśaṃsati yathā senā na bhajyeta tathā nītir vidhīyatām
Denn kaum hat er Bībhatsu herannahen sehen, lobt er ihn schon. Damit unser Heer nicht auseinanderbricht, soll eine entsprechende Strategie festgelegt werden.

adeśikā mahāraṇye grīṣme śatruvaśaṃ gatā yathā na vibhramet senā tathā nītir vidhīyatām

Damit unser Heer, ohne ortskundigen Führer, in der großen Wildnis, in der Hitze, nicht in die Gewalt des Feindes gerät und in Verwirrung fällt, soll eine Strategie festgelegt werden.

Wort für Wort
adeśikā mahāraṇye grīṣme śatruvaśaṃ gatā yathā na vibhramet senā tathā nītir vidhīyatām
Damit unser Heer, ohne ortskundigen Führer, in der großen Wildnis, in der Hitze, nicht in die Gewalt des Feindes gerät und in Verwirrung fällt, soll eine Strategie festgelegt werden.

aśvānāṃ heṣitaṃ śrutvā kā praśaṃsā bhavet pare sthāne vāpi vrajanto vā sadā heṣanti vājinaḥ

Was für ein Lob soll es sein, wenn man das Wiehern der Pferde hört? Auch im Stand oder unterwegs wiehern die Rosse ja stets.

Wort für Wort
aśvānāṃ heṣitaṃ śrutvā kā praśaṃsā bhavet pare sthāne vāpi vrajanto vā sadā heṣanti vājinaḥ
Was für ein Lob soll es sein, wenn man das Wiehern der Pferde hört? Auch im Stand oder unterwegs wiehern die Rosse ja stets.

sadā ca vāyavo vānti nityaṃ varṣati vāsavaḥ stanayitnoś ca nirghoṣaḥ śrūyate bahuśas tathā

Stets wehen die Winde, ständig regnet Vāsava; und das Grollen des Donners wird ebenso oftmals gehört.

Wort für Wort
sadā ca vāyavo vānti nityaṃ varṣati vāsavaḥ stanayitnoś ca nirghoṣaḥ śrūyate bahuśas tathā
Stets wehen die Winde, ständig regnet Vāsava; und das Grollen des Donners wird ebenso oftmals gehört.

Duryodhana entkräftet hier Droṇas Vorzeichendeutung aus Kap.41, indem er die genannten Erscheinungen als gewöhnliche Naturphänomene ohne besondere Bedeutung abtut.

kim atra kāryaṃ pārthasya kathaṃ vā sa praśasyate anyatra kāmād dveṣād vā roṣād vāsmāsu kevalāt

Was hat der Pārtha hier schon geleistet? Warum wird er von dir gelobt - es sei denn aus Zuneigung, oder aus Abneigung, oder aus bloßem Zorn gegen uns?

Wort für Wort
kim atra kāryaṃ pārthasya kathaṃ vā sa praśasyate anyatra kāmād dveṣād vā roṣād vāsmāsu kevalāt
Was hat der Pārtha hier schon geleistet? Warum wird er von dir gelobt - es sei denn aus Zuneigung, oder aus Abneigung, oder aus bloßem Zorn gegen uns?

ācāryā vai kāruṇikāḥ prājñāś cāpāyadarśinaḥ naite mahābhaye prāpte saṃpraṣṭavyāḥ kathaṃ cana

Lehrer sind ja mitfühlend und weise, sie sehen die drohenden Nachteile voraus; doch gerade deshalb sollte man sie in solch großer Gefahr keineswegs um Rat fragen.

Wort für Wort
ācāryā vai kāruṇikāḥ prājñāś cāpāyadarśinaḥ naite mahābhaye prāpte saṃpraṣṭavyāḥ kathaṃ cana
Lehrer sind ja mitfühlend und weise, sie sehen die drohenden Nachteile voraus; doch gerade deshalb sollte man sie in solch großer Gefahr keineswegs um Rat fragen.

prāsādeṣu vicitreṣu goṣṭhīṣv āvasatheṣu ca kathā vicitrāḥ kurvāṇāḥ paṇḍitās tatra śobhanāḥ

In prächtigen Palästen, in geselligen Runden und in Wohnstätten, wo man kunstvolle Gespräche führt - dort sind die Gelehrten am Platz.

Wort für Wort
prāsādeṣu vicitreṣu goṣṭhīṣv āvasatheṣu ca kathā vicitrāḥ kurvāṇāḥ paṇḍitās tatra śobhanāḥ
In prächtigen Palästen, in geselligen Runden und in Wohnstätten, wo man kunstvolle Gespräche führt - dort sind die Gelehrten am Platz.

bahūny āścaryarūpāṇi kurvanto janasaṃsadi iṣvastre cārusaṃdhāne paṇḍitās tatra śobhanāḥ

Wenn sie viele erstaunliche Kunststücke in der Volksversammlung vollführen, oder beim kunstvollen Zielen mit dem Bogen - dort sind die Gelehrten am Platz.

Wort für Wort
bahūny āścaryarūpāṇi kurvanto janasaṃsadi iṣvastre cārusaṃdhāne paṇḍitās tatra śobhanāḥ
Wenn sie viele erstaunliche Kunststücke in der Volksversammlung vollführen, oder beim kunstvollen Zielen mit dem Bogen - dort sind die Gelehrten am Platz.

pareṣāṃ vivarajñāne manuṣyācariteṣu ca annasaṃskāradoṣeṣu paṇḍitās tatra śobhanāḥ

Beim Erkennen fremder Schwächen, bei der Beurteilung von Menschenverhalten, bei Fehlern in der Speisezubereitung - dort sind die Gelehrten am Platz.

Wort für Wort
pareṣāṃ vivarajñāne manuṣyācariteṣu ca annasaṃskāradoṣeṣu paṇḍitās tatra śobhanāḥ
Beim Erkennen fremder Schwächen, bei der Beurteilung von Menschenverhalten, bei Fehlern in der Speisezubereitung - dort sind die Gelehrten am Platz.

Die Verse 027-029 sind eine spöttische, dreifach wiederholte Herabwürdigung der Gelehrten (Droṇa/Bhīṣma) durch Duryodhana: ihre Weisheit tauge nur für höfische Geselligkeit, nicht für Kriegsentscheidungen.

paṇḍitān pṛṣṭhataḥ kṛtvā pareṣāṃ guṇavādinaḥ vidhīyatāṃ tathā nītir yathā vadhyeta vai paraḥ

Nachdem wir die Gelehrten, die nur das Lob anderer verkünden, beiseitegestellt haben, soll eine solche Strategie festgelegt werden, dass der Feind erschlagen wird.

Wort für Wort
paṇḍitān pṛṣṭhataḥ kṛtvā pareṣāṃ guṇavādinaḥ vidhīyatāṃ tathā nītir yathā vadhyeta vai paraḥ
Nachdem wir die Gelehrten, die nur das Lob anderer verkünden, beiseitegestellt haben, soll eine solche Strategie festgelegt werden, dass der Feind erschlagen wird.

gāvaś caiva pratiṣṭhantāṃ senāṃ vyūhantu māciram ārakṣāś ca vidhīyantāṃ yatra yotsyāmahe parān

Die Rinder sollen in Sicherheit gebracht werden; man stelle ohne Verzug das Heer in Schlachtordnung auf, und Wachposten sollen dort eingerichtet werden, wo wir gegen die Feinde kämpfen werden.‘

Wort für Wort
gāvaś caiva pratiṣṭhantāṃ senāṃ vyūhantu māciram ārakṣāś ca vidhīyantāṃ yatra yotsyāmahe parān
Die Rinder sollen in Sicherheit gebracht werden; man stelle ohne Verzug das Heer in Schlachtordnung auf, und Wachposten sollen dort eingerichtet werden, wo wir gegen die Feinde kämpfen werden.‘

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