Kapitel 13: Kīcakavadhaparva (1)
Kīcakas Begehren und Draupadīs Zurückweisung
Nach zehn Monaten unerkannten Aufenthalts erblickt Kīcaka, Virāṭas Heerführer und Sudeṣṇās Bruder, die als Sairandhrī dienende Draupadī und entbrennt in Begierde für sie. Er bittet seine Schwester Sudeṣṇā um Vermittlung und wirbt dann selbst, in schmeichelnden Worten, um Draupadī, wobei er ihr anbietet, seine bisherigen Frauen zu verstoßen und sie zur Herrin seines Hauses zu machen. Draupadī weist ihn entschieden zurück: Sie sei die Gattin eines anderen, stehe unter dem Schutz ihrer (angeblichen) Gandharva-Gatten und Kīcakas Begehren gleiche dem törichten Wunsch eines Kindes, den Mond zu ergreifen - er werde dafür sein Leben verlieren.
Nie zuvor habe ich sie hier gesehen, im Hause des Königs Virāṭa; die Schöne versetzt mich durch ihre Gestalt heftig in Rausch, diese strahlende Frau, wie ein Wein, der allein schon aus seinem Duft zu entstehen scheint.
Nie zuvor habe ich sie hier gesehen, im Hause des Königs Virāṭa; die Schöne versetzt mich durch ihre Gestalt heftig in Rausch, diese strahlende Frau, wie ein Wein, der allein schon aus seinem Duft zu entstehen scheint.
kā devarūpā hṛdayaṃgamā śubhe; ācakṣva me kā ca kutaś ca śobhanā cittaṃ hi nirmathya karoti māṃ vaśe; na cānyad atrauṣadham adya me matam
Wer ist diese Gottgestaltige, Herzbezwingende, du Schöne? Sage mir, wer sie ist und woher, diese Anmutige; denn sie hat, mein Herz aufwühlend, mich in ihre Gewalt gebracht - und kein anderes Heilmittel dagegen kenne ich heute.
Wort für Wort
kā devarūpā hṛdayaṃgamā śubhe; ācakṣva me kā ca kutaś ca śobhanā cittaṃ hi nirmathya karoti māṃ vaśe; na cānyad atrauṣadham adya me matam
Wer ist diese Gottgestaltige, Herzbezwingende, du Schöne? Sage mir, wer sie ist und woher, diese Anmutige; denn sie hat, mein Herz aufwühlend, mich in ihre Gewalt gebracht - und kein anderes Heilmittel dagegen kenne ich heute.
aho taveyaṃ paricārikā śubhā; pratyagrarūpā pratibhāti mām iyam ayuktarūpaṃ hi karoti karma te; praśāstu māṃ yac ca mamāsti kiṃ cana
Ach, diese deine schöne Dienerin, von überragender Schönheit, erscheint mir so; unpassende Arbeit verrichtet sie doch für dich - sie möge über mich gebieten, und was auch immer mein ist, sei ihr zu eigen.
Wort für Wort
aho taveyaṃ paricārikā śubhā; pratyagrarūpā pratibhāti mām iyam ayuktarūpaṃ hi karoti karma te; praśāstu māṃ yac ca mamāsti kiṃ cana
Ach, diese deine schöne Dienerin, von überragender Schönheit, erscheint mir so; unpassende Arbeit verrichtet sie doch für dich - sie möge über mich gebieten, und was auch immer mein ist, sei ihr zu eigen.
Mein großes Haus, reich an Elefanten, Pferden und Wagen, von großem Reichtum, voller Fülle, mit reichlichem Trank und Speise, entzückend, mit goldenem, mannigfaltigem Schmuck versehen - dieses möge sie zieren.‘
Mein großes Haus, reich an Elefanten, Pferden und Wagen, von großem Reichtum, voller Fülle, mit reichlichem Trank und Speise, entzückend, mit goldenem, mannigfaltigem Schmuck versehen - dieses möge sie zieren.‘
Dann, nachdem er sich mit Sudeṣṇā beraten hatte, trat Kīcaka zu Kṛṣṇā, der Königstochter, heran und sprach begütigend zu ihr, wie ein Schakal im Wald zur Tochter eines Löwenkönigs spricht.
Dann, nachdem er sich mit Sudeṣṇā beraten hatte, trat Kīcaka zu Kṛṣṇā, der Königstochter, heran und sprach begütigend zu ihr, wie ein Schakal im Wald zur Tochter eines Löwenkönigs spricht.
'Königstochter' bezieht sich hier auf Draupadīs Herkunft als Tochter König Drupadas, nicht auf eine Tochter Virāṭas.
idaṃ ca rūpaṃ prathamaṃ ca te vayo; nirarthakaṃ kevalam adya bhāmini adhāryamāṇā srag ivottamā yathā; na śobhase sundari śobhanā satī
‚Diese deine Schönheit und deine erste Jugendblüte sind heute völlig zwecklos, du Strahlende; wie ein vortrefflicher, ungetragener Blumenkranz erstrahlst du nicht, du Schöne, obwohl du wahrhaft schön bist.
Wort für Wort
idaṃ ca rūpaṃ prathamaṃ ca te vayo; nirarthakaṃ kevalam adya bhāmini adhāryamāṇā srag ivottamā yathā; na śobhase sundari śobhanā satī
‚Diese deine Schönheit und deine erste Jugendblüte sind heute völlig zwecklos, du Strahlende; wie ein vortrefflicher, ungetragener Blumenkranz erstrahlst du nicht, du Schöne, obwohl du wahrhaft schön bist.
tyajāmi dārān mama ye purātanā; bhavantu dāsyas tava cāruhāsini ahaṃ ca te sundari dāsavat sthitaḥ; sadā bhaviṣye vaśago varānane
Ich werde meine bisherigen Gattinnen verstoßen; sie sollen deine Dienerinnen werden, du Lieblich-Lächelnde. Und ich selbst, du Schöne, will wie dein Diener dastehen; stets werde ich dir gehorsam sein, du Schönantlitzige.‘
Wort für Wort
tyajāmi dārān mama ye purātanā; bhavantu dāsyas tava cāruhāsini ahaṃ ca te sundari dāsavat sthitaḥ; sadā bhaviṣye vaśago varānane
Ich werde meine bisherigen Gattinnen verstoßen; sie sollen deine Dienerinnen werden, du Lieblich-Lächelnde. Und ich selbst, du Schöne, will wie dein Diener dastehen; stets werde ich dir gehorsam sein, du Schönantlitzige.‘
‚Du begehrst mich, Sohn eines Wagenlenkers, mich, die ich hier gar nicht begehrenswert bin - eine Sairandhrī niedrigen Standes, hässlich, eine bloße Haarflechterin.
‚Du begehrst mich, Sohn eines Wagenlenkers, mich, die ich hier gar nicht begehrenswert bin - eine Sairandhrī niedrigen Standes, hässlich, eine bloße Haarflechterin.
paradārāsmi bhadraṃ te na yuktaṃ tvayi sāṃpratam dayitāḥ prāṇināṃ dārā dharmaṃ samanucintaya
Die Gattin eines anderen bin ich - Segen sei mit dir -, dies geziemt sich jetzt nicht für dich; Gattinnen sind den Lebewesen teuer - bedenke wohl den Dharma.
Wort für Wort
paradārāsmi bhadraṃ te na yuktaṃ tvayi sāṃpratam dayitāḥ prāṇināṃ dārā dharmaṃ samanucintaya
Die Gattin eines anderen bin ich - Segen sei mit dir -, dies geziemt sich jetzt nicht für dich; Gattinnen sind den Lebewesen teuer - bedenke wohl den Dharma.
paradāre na te buddhir jātu kāryā kathaṃ cana vivarjanaṃ hy akāryāṇām etat satpuruṣavratam
Niemals sollte dein Sinn in irgendeiner Weise auf die Gattin eines anderen gerichtet sein; denn das Meiden unrechter Taten - dies ist das Gelübde rechtschaffener Männer.
Wort für Wort
paradāre na te buddhir jātu kāryā kathaṃ cana vivarjanaṃ hy akāryāṇām etat satpuruṣavratam
Niemals sollte dein Sinn in irgendeiner Weise auf die Gattin eines anderen gerichtet sein; denn das Meiden unrechter Taten - dies ist das Gelübde rechtschaffener Männer.
Freue dich nicht, Sohn eines Wagenlenkers; du wirst heute noch dein Leben verlieren, wenn du mich begehrst, die Unerreichbare, die von Helden beschützt wird.
Freue dich nicht, Sohn eines Wagenlenkers; du wirst heute noch dein Leben verlieren, wenn du mich begehrst, die Unerreichbare, die von Helden beschützt wird.
na cāpy ahaṃ tvayā śakyā gandharvāḥ patayo mama te tvāṃ nihanyuḥ kupitāḥ sādhv alaṃ mā vyanīnaśaḥ
Auch bin ich für dich nicht zu gewinnen; die Gandharvas sind meine Gatten; sie würden dich, erzürnt, erschlagen. Genug damit, sei klug - richte dich nicht selbst zugrunde.
Wort für Wort
na cāpy ahaṃ tvayā śakyā gandharvāḥ patayo mama te tvāṃ nihanyuḥ kupitāḥ sādhv alaṃ mā vyanīnaśaḥ
Auch bin ich für dich nicht zu gewinnen; die Gandharvas sind meine Gatten; sie würden dich, erzürnt, erschlagen. Genug damit, sei klug - richte dich nicht selbst zugrunde.
Du willst einen Weg beschreiten, der nur Männern von unerreichbarer Art offensteht; wie ein unbesonnenes Kind, das am Ufer steht und töricht das jenseitige Ufer zu erreichen wünscht, so willst auch du handeln.
Du willst einen Weg beschreiten, der nur Männern von unerreichbarer Art offensteht; wie ein unbesonnenes Kind, das am Ufer steht und töricht das jenseitige Ufer zu erreichen wünscht, so willst auch du handeln.
antarmahīṃ vā yadi vordhvam utpateḥ; samudrapāraṃ yadi vā pradhāvasi tathāpi teṣāṃ na vimokṣam arhasi; pramāthino devasutā hi me varāḥ
Magst du auch in die Tiefe der Erde entfliehen, oder nach oben auffliegen, oder über das Meer ans andere Ufer eilen - dennoch wirst du ihnen nicht entkommen; denn meine vortrefflichen Gatten, Göttersöhne, sind Vernichter.
Wort für Wort
antarmahīṃ vā yadi vordhvam utpateḥ; samudrapāraṃ yadi vā pradhāvasi tathāpi teṣāṃ na vimokṣam arhasi; pramāthino devasutā hi me varāḥ
Magst du auch in die Tiefe der Erde entfliehen, oder nach oben auffliegen, oder über das Meer ans andere Ufer eilen - dennoch wirst du ihnen nicht entkommen; denn meine vortrefflichen Gatten, Göttersöhne, sind Vernichter.
Wie ein Kranker, der die Nacht des Weltuntergangs selbst begehrt - warum wirbst du heute so beharrlich um mich, Kīcaka? Hältst du mich etwa für den Mond, den ein Kind, im Schoß seiner Mutter liegend, zu ergreifen wünscht?‘
Wie ein Kranker, der die Nacht des Weltuntergangs selbst begehrt - warum wirbst du heute so beharrlich um mich, Kīcaka? Hältst du mich etwa für den Mond, den ein Kind, im Schoß seiner Mutter liegend, zu ergreifen wünscht?‘