Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Virāṭaparva

Kapitel 15: Kīcakavadhaparva (3) Kīcakas Übergriff in der Versammlungshalle

Kīcaka empfängt Draupadī in seinem Haus und macht ihr unverhohlene Avancen; als sie sich weigert und flieht, ergreift er sie und tritt sie vor den Augen des Königs und der versammelten Höflinge zu Boden - wird jedoch von dem unsichtbaren, Sūrya-entsandten Rākṣasa selbst zu Boden geschleudert. Bhīma will Kīcaka sofort töten, wird aber von Yudhiṣṭhira durch ein stummes Zeichen zurückgehalten. Draupadī klagt in der berühmten fünffachen Anapher ('deren stolze Gattin bin ich, und dennoch hat mich ein Wagenlenkersohn mit dem Fuß geschlagen') über das Versagen ihrer verborgenen Beschützer und wirft Virāṭa Rechtsbruch vor; dieser weicht aus, die Versammlung lobt und bedauert sie. Yudhiṣṭhira weist die vermeintliche Sairandhrī scheinbar streng, tatsächlich aber die Tarnung wahrend, zurück zu Sudeṣṇā; Draupadī deutet verschlüsselt an, dass Kīcaka noch heute sterben wird - nicht durch Yudhiṣṭhira, sondern durch einen anderen. Bei Sudeṣṇā angekommen, lehnt sie deren Angebot, Kīcaka hinrichten zu lassen, ab: Andere werden ihn richten.

kīcaka uvāca svāgataṃ te sukeśānte suvyuṣṭā rajanī mama svāminī tvam anuprāptā prakuruṣva mama priyam

‚Willkommen bist du, du Schönhaarige; wohl verbracht ist mir diese Nacht gewesen. Meine Herrin, du bist gekommen - erweise mir, was mir gefällt.

Wort für Wort
kīcaka uvāca svāgataṃ te sukeśānte suvyuṣṭā rajanī mama svāminī tvam anuprāptā prakuruṣva mama priyam
‚Willkommen bist du, du Schönhaarige; wohl verbracht ist mir diese Nacht gewesen. Meine Herrin, du bist gekommen - erweise mir, was mir gefällt.

suvarṇamālāḥ kambūś ca kuṇḍale parihāṭake āharantu ca vastrāṇi kauśikāny ajināni ca

Man bringe goldene Blumenkränze, muschelförmige Armreifen, Ohrringe, weitere Armbänder, sowie seidene Gewänder und Tierfelle.

Wort für Wort
suvarṇamālāḥ kambūś ca kuṇḍale parihāṭake āharantu ca vastrāṇi kauśikāny ajināni ca
Man bringe goldene Blumenkränze, muschelförmige Armreifen, Ohrringe, weitere Armbänder, sowie seidene Gewänder und Tierfelle.

asti me śayanaṃ śubhraṃ tvadartham upakalpitam ehi tatra mayā sārdhaṃ pibasva madhumādhavīm

Ich habe ein prächtiges Lager, für dich bereitet; komm, trink dort mit mir zusammen den Frühlingswein.‘

Wort für Wort
asti me śayanaṃ śubhraṃ tvadartham upakalpitam ehi tatra mayā sārdhaṃ pibasva madhumādhavīm
Ich habe ein prächtiges Lager, für dich bereitet; komm, trink dort mit mir zusammen den Frühlingswein.‘

draupady uvāca apraiṣīd rājaputrī māṃ surāhārīṃ tavāntikam pānam ānaya me kṣipraṃ pipāsā meti cābravīt

‚Die Königstochter hat mich als Weinholerin zu dir gesandt; sie sagte, ich solle ihr rasch Trank bringen, da sie Durst habe.‘

Wort für Wort
draupady uvāca apraiṣīd rājaputrī māṃ surāhārīṃ tavāntikam pānam ānaya me kṣipraṃ pipāsā meti cābravīt
‚Die Königstochter hat mich als Weinholerin zu dir gesandt; sie sagte, ich solle ihr rasch Trank bringen, da sie Durst habe.‘

Sudeṣṇās Worte werden hier indirekt wiedergegeben, um innerhalb von Draupadīs bereits angeführter Rede keine dritte Zitatebene zu eröffnen.

kīcaka uvāca anyā bhadre nayiṣyanti rājaputryāḥ parisrutam

‚Andere, du Gute, werden der Königstochter den Wein bringen.‘

Wort für Wort
kīcaka uvāca anyā bhadre nayiṣyanti rājaputryāḥ parisrutam
‚Andere, du Gute, werden der Königstochter den Wein bringen.‘

vaiśaṃpāyana uvāca ity enāṃ dakṣiṇe pāṇau sūtaputraḥ parāmṛśat sā gṛhītā vidhunvānā bhūmāv ākṣipya kīcakam sabhāṃ śaraṇam ādhāvad yatra rājā yudhiṣṭhiraḥ

Vaiśampāyana sprach: So sprechend, ergriff der Wagenlenkersohn sie an der rechten Hand; sie aber, ergriffen, sich losreißend, warf Kīcaka zu Boden und floh zur Versammlungshalle, wo König Yudhiṣṭhira war, um dort Zuflucht zu suchen.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca ity enāṃ dakṣiṇe pāṇau sūtaputraḥ parāmṛśat sā gṛhītā vidhunvānā bhūmāv ākṣipya kīcakam sabhāṃ śaraṇam ādhāvad yatra rājā yudhiṣṭhiraḥ
Vaiśampāyana sprach: So sprechend, ergriff der Wagenlenkersohn sie an der rechten Hand; sie aber, ergriffen, sich losreißend, warf Kīcaka zu Boden und floh zur Versammlungshalle, wo König Yudhiṣṭhira war, um dort Zuflucht zu suchen.

tāṃ kīcakaḥ pradhāvantīṃ keśapakṣe parāmṛśat athaināṃ paśyato rājñaḥ pātayitvā padāvadhīt

Kīcaka ergriff sie, wie sie so davonlief, bei ihrem gelösten Haar; dann, vor den Augen des Königs, warf er sie zu Boden und schlug sie mit dem Fuß.

Wort für Wort
tāṃ kīcakaḥ pradhāvantīṃ keśapakṣe parāmṛśat athaināṃ paśyato rājñaḥ pātayitvā padāvadhīt
Kīcaka ergriff sie, wie sie so davonlief, bei ihrem gelösten Haar; dann, vor den Augen des Königs, warf er sie zu Boden und schlug sie mit dem Fuß.

tato yo 'sau tadārkeṇa rākṣasaḥ saṃniyojitaḥ sa kīcakam apovāha vātavegena bhārata

Da schleuderte jener Rākṣasa, der von der Sonne bestimmt worden war, Kīcaka mit der Wucht eines Windstoßes fort, o Bhārata.

Wort für Wort
tato yo 'sau tadārkeṇa rākṣasaḥ saṃniyojitaḥ sa kīcakam apovāha vātavegena bhārata
Da schleuderte jener Rākṣasa, der von der Sonne bestimmt worden war, Kīcaka mit der Wucht eines Windstoßes fort, o Bhārata.

sa papāta tato bhūmau rakṣobalasamāhataḥ vighūrṇamāno niśceṣṭaś chinnamūla iva drumaḥ

Er stürzte darauf, von der Kraft des Rākṣasa getroffen, taumelnd und regungslos zu Boden, wie ein an der Wurzel gefällter Baum.

Wort für Wort
sa papāta tato bhūmau rakṣobalasamāhataḥ vighūrṇamāno niśceṣṭaś chinnamūla iva drumaḥ
Er stürzte darauf, von der Kraft des Rākṣasa getroffen, taumelnd und regungslos zu Boden, wie ein an der Wurzel gefällter Baum.

tāṃ cāsīnau dadṛśatur bhīmasenayudhiṣṭhirau amṛṣyamāṇau kṛṣṇāyāḥ kīcakena padā vadham

Und Bhīmasena und Yudhiṣṭhira, die dort saßen, sahen sie und konnten die Misshandlung Kṛṣṇās durch Kīcakas Fußtritt kaum ertragen.

Wort für Wort
tāṃ cāsīnau dadṛśatur bhīmasenayudhiṣṭhirau amṛṣyamāṇau kṛṣṇāyāḥ kīcakena padā vadham
Und Bhīmasena und Yudhiṣṭhira, die dort saßen, sahen sie und konnten die Misshandlung Kṛṣṇās durch Kīcakas Fußtritt kaum ertragen.

tasya bhīmo vadhaprepsuḥ kīcakasya durātmanaḥ dantair dantāṃs tadā roṣān niṣpipeṣa mahāmanāḥ

Bhīma, der jenen bösartigen Kīcaka zu töten wünschte, der Hochgesinnte, knirschte da vor Zorn mit den Zähnen.

Wort für Wort
tasya bhīmo vadhaprepsuḥ kīcakasya durātmanaḥ dantair dantāṃs tadā roṣān niṣpipeṣa mahāmanāḥ
Bhīma, der jenen bösartigen Kīcaka zu töten wünschte, der Hochgesinnte, knirschte da vor Zorn mit den Zähnen.

athāṅguṣṭhenāvamṛdnād aṅguṣṭhaṃ tasya dharmarāṭ prabodhanabhayād rājan bhīmasya pratyaṣedhayat

Da drückte der Rechtskönig mit dem Daumen auf seinen eigenen Daumen und hielt, aus Furcht vor Enttarnung, o König, Bhīma zurück.

Wort für Wort
athāṅguṣṭhenāvamṛdnād aṅguṣṭhaṃ tasya dharmarāṭ prabodhanabhayād rājan bhīmasya pratyaṣedhayat
Da drückte der Rechtskönig mit dem Daumen auf seinen eigenen Daumen und hielt, aus Furcht vor Enttarnung, o König, Bhīma zurück.

Yudhiṣṭhira gibt Bhīma durch dieses stumme Zeichen (Druck des eigenen Daumens) zu verstehen, sich zu beherrschen, um ihre Tarnung nicht zu gefährden.

sā sabhādvāram āsādya rudatī matsyam abravīt avekṣamāṇā suśroṇī patīṃs tān dīnacetasaḥ

Sie, am Tor der Versammlungshalle angelangt, weinend, sprach zu dem Matsya-König, die Schönhüftige, indem sie jene ihre Gatten anblickte, deren Herzen vor Kummer litten.

Wort für Wort
sā sabhādvāram āsādya rudatī matsyam abravīt avekṣamāṇā suśroṇī patīṃs tān dīnacetasaḥ
Sie, am Tor der Versammlungshalle angelangt, weinend, sprach zu dem Matsya-König, die Schönhüftige, indem sie jene ihre Gatten anblickte, deren Herzen vor Kummer litten.

ākāram abhirakṣantī pratijñāṃ dharmasaṃhitām dahyamāneva raudreṇa cakṣuṣā drupadātmajā

während sie ihre äußere Haltung wahrte, ihrem an den Dharma gebundenen Gelübde treu, wie von einem schrecklichen Blick verzehrt, die Tochter Drupadas.

Wort für Wort
ākāram abhirakṣantī pratijñāṃ dharmasaṃhitām dahyamāneva raudreṇa cakṣuṣā drupadātmajā
während sie ihre äußere Haltung wahrte, ihrem an den Dharma gebundenen Gelübde treu, wie von einem schrecklichen Blick verzehrt, die Tochter Drupadas.

draupady uvāca yeṣāṃ vairī na svapiti padā bhūmim upaspṛśan teṣāṃ māṃ māninīṃ bhāryāṃ sūtaputraḥ padāvadhīt

‚Derer Feind nicht einmal ruhig schlafen kann, wenn er nur mit dem Fuß den Boden berührt - deren stolze Gattin bin ich, und dennoch hat mich ein Wagenlenkersohn mit dem Fuß geschlagen!

Wort für Wort
draupady uvāca yeṣāṃ vairī na svapiti padā bhūmim upaspṛśan teṣāṃ māṃ māninīṃ bhāryāṃ sūtaputraḥ padāvadhīt
‚Derer Feind nicht einmal ruhig schlafen kann, wenn er nur mit dem Fuß den Boden berührt - deren stolze Gattin bin ich, und dennoch hat mich ein Wagenlenkersohn mit dem Fuß geschlagen!

ye dadyur na ca yāceyur brahmaṇyāḥ satyavādinaḥ teṣāṃ māṃ māninīṃ bhāryāṃ sūtaputraḥ padāvadhīt

Die nur geben und niemals betteln würden, die den Brahmanen ergeben, wahrhaftig in ihrer Rede sind - deren stolze Gattin bin ich, und dennoch hat mich ein Wagenlenkersohn mit dem Fuß geschlagen!

Wort für Wort
ye dadyur na ca yāceyur brahmaṇyāḥ satyavādinaḥ teṣāṃ māṃ māninīṃ bhāryāṃ sūtaputraḥ padāvadhīt
Die nur geben und niemals betteln würden, die den Brahmanen ergeben, wahrhaftig in ihrer Rede sind - deren stolze Gattin bin ich, und dennoch hat mich ein Wagenlenkersohn mit dem Fuß geschlagen!

yeṣāṃ dundubhinirghoṣo jyāghoṣaḥ śrūyate 'niśam teṣāṃ māṃ māninīṃ bhāryāṃ sūtaputraḥ padāvadhīt

Deren Kriegstrommeln und Bogensehnenklang unaufhörlich zu hören sind - deren stolze Gattin bin ich, und dennoch hat mich ein Wagenlenkersohn mit dem Fuß geschlagen!

Wort für Wort
yeṣāṃ dundubhinirghoṣo jyāghoṣaḥ śrūyate 'niśam teṣāṃ māṃ māninīṃ bhāryāṃ sūtaputraḥ padāvadhīt
Deren Kriegstrommeln und Bogensehnenklang unaufhörlich zu hören sind - deren stolze Gattin bin ich, und dennoch hat mich ein Wagenlenkersohn mit dem Fuß geschlagen!

ye te tejasvino dāntā balavanto 'bhimāninaḥ teṣāṃ māṃ māninīṃ bhāryāṃ sūtaputraḥ padāvadhīt

Die voller Glanz, selbstbeherrscht, gewaltig, auf ihre Ehre bedacht sind - deren stolze Gattin bin ich, und dennoch hat mich ein Wagenlenkersohn mit dem Fuß geschlagen!

Wort für Wort
ye te tejasvino dāntā balavanto 'bhimāninaḥ teṣāṃ māṃ māninīṃ bhāryāṃ sūtaputraḥ padāvadhīt
Die voller Glanz, selbstbeherrscht, gewaltig, auf ihre Ehre bedacht sind - deren stolze Gattin bin ich, und dennoch hat mich ein Wagenlenkersohn mit dem Fuß geschlagen!

sarvalokam imaṃ hanyur dharmapāśasitās tu ye teṣāṃ māṃ māninīṃ bhāryāṃ sūtaputraḥ padāvadhīt

Die, wenn nur nicht vom Band des Dharma gefesselt, diese ganze Welt vernichten könnten - deren stolze Gattin bin ich, und dennoch hat mich ein Wagenlenkersohn mit dem Fuß geschlagen!

Wort für Wort
sarvalokam imaṃ hanyur dharmapāśasitās tu ye teṣāṃ māṃ māninīṃ bhāryāṃ sūtaputraḥ padāvadhīt
Die, wenn nur nicht vom Band des Dharma gefesselt, diese ganze Welt vernichten könnten - deren stolze Gattin bin ich, und dennoch hat mich ein Wagenlenkersohn mit dem Fuß geschlagen!

Die fünffache Wiederholung dieses Klagerefrains (V.015-019) ist eine der bekanntesten Anaphern des Epos.

śaraṇaṃ ye prapannānāṃ bhavanti śaraṇārthinām caranti loke pracchannāḥ kva nu te 'dya mahārathāḥ

Die denen, die Zuflucht suchen und sich ihnen anvertrauen, zur Zuflucht werden - wo nur sind heute jene großen Wagenkämpfer, die verborgen durch die Welt ziehen?

Wort für Wort
śaraṇaṃ ye prapannānāṃ bhavanti śaraṇārthinām caranti loke pracchannāḥ kva nu te 'dya mahārathāḥ
Die denen, die Zuflucht suchen und sich ihnen anvertrauen, zur Zuflucht werden - wo nur sind heute jene großen Wagenkämpfer, die verborgen durch die Welt ziehen?

kathaṃ te sūtaputreṇa vadhyamānāṃ priyāṃ satīm marṣayanti yathā klībā balavanto 'mitaujasaḥ

Wie nur können sie es ertragen, dass ihre geliebte, tugendhafte Gattin von einem Wagenlenkersohn geschlagen wird, als wären sie machtlos, sie, die doch gewaltig und von unermesslichem Glanz sind?

Wort für Wort
kathaṃ te sūtaputreṇa vadhyamānāṃ priyāṃ satīm marṣayanti yathā klībā balavanto 'mitaujasaḥ
Wie nur können sie es ertragen, dass ihre geliebte, tugendhafte Gattin von einem Wagenlenkersohn geschlagen wird, als wären sie machtlos, sie, die doch gewaltig und von unermesslichem Glanz sind?

kva nu teṣām amarṣaś ca vīryaṃ tejaś ca vartate na parīpsanti ye bhāryāṃ vadhyamānāṃ durātmanā

Wo nur bleiben jetzt ihr Unmut, ihre Tapferkeit und ihr Glanz, da sie ihre von einem Bösewicht geschlagene Gattin nicht zu retten suchen?

Wort für Wort
kva nu teṣām amarṣaś ca vīryaṃ tejaś ca vartate na parīpsanti ye bhāryāṃ vadhyamānāṃ durātmanā
Wo nur bleiben jetzt ihr Unmut, ihre Tapferkeit und ihr Glanz, da sie ihre von einem Bösewicht geschlagene Gattin nicht zu retten suchen?

mayātra śakyaṃ kiṃ kartuṃ virāṭe dharmadūṣaṇam yaḥ paśyan māṃ marṣayati vadhyamānām anāgasam

Was kann ich hier tun, wo doch mitten in Virāṭas eigenem Reich der Dharma verletzt wird, wo er selbst, es sehend, duldet, dass ich, die Unschuldige, geschlagen werde?

Wort für Wort
mayātra śakyaṃ kiṃ kartuṃ virāṭe dharmadūṣaṇam yaḥ paśyan māṃ marṣayati vadhyamānām anāgasam
Was kann ich hier tun, wo doch mitten in Virāṭas eigenem Reich der Dharma verletzt wird, wo er selbst, es sehend, duldet, dass ich, die Unschuldige, geschlagen werde?

na rājan rājavat kiṃ cit samācarasi kīcake dasyūnām iva dharmas te na hi saṃsadi śobhate

Nicht wie ein König, o König, verhältst du dich gegenüber Kīcaka; wie die Gerechtigkeit von Räubern ist die deine - sie ziert eine Versammlung nicht.

Wort für Wort
na rājan rājavat kiṃ cit samācarasi kīcake dasyūnām iva dharmas te na hi saṃsadi śobhate
Nicht wie ein König, o König, verhältst du dich gegenüber Kīcaka; wie die Gerechtigkeit von Räubern ist die deine - sie ziert eine Versammlung nicht.

na kīcakaḥ svadharmastho na ca matsyaḥ kathaṃ cana sabhāsado 'py adharmajñā ya imaṃ paryupāsate

Weder steht Kīcaka in seiner eigenen Pflicht, noch der Matsya-König in irgendeiner Weise; auch die Mitglieder der Versammlung kennen den Dharma nicht, die diesem Vorgang untätig beiwohnen.

Wort für Wort
na kīcakaḥ svadharmastho na ca matsyaḥ kathaṃ cana sabhāsado 'py adharmajñā ya imaṃ paryupāsate
Weder steht Kīcaka in seiner eigenen Pflicht, noch der Matsya-König in irgendeiner Weise; auch die Mitglieder der Versammlung kennen den Dharma nicht, die diesem Vorgang untätig beiwohnen.

nopālabhe tvāṃ nṛpate virāṭa janasaṃsadi nāham etena yuktā vai hantuṃ matsya tavāntike sabhāsadas tu paśyantu kīcakasya vyatikramam

Nicht mache ich dir, König Virāṭa, in dieser Versammlung des Volkes einen Vorwurf; nicht steht es mir zu, in deiner Gegenwart, Matsya-König, von seiner Tötung zu sprechen - doch mögen die Mitglieder der Versammlung Kīcakas Übertretung bezeugen.‘

Wort für Wort
nopālabhe tvāṃ nṛpate virāṭa janasaṃsadi nāham etena yuktā vai hantuṃ matsya tavāntike sabhāsadas tu paśyantu kīcakasya vyatikramam
Nicht mache ich dir, König Virāṭa, in dieser Versammlung des Volkes einen Vorwurf; nicht steht es mir zu, in deiner Gegenwart, Matsya-König, von seiner Tötung zu sprechen - doch mögen die Mitglieder der Versammlung Kīcakas Übertretung bezeugen.‘

virāṭa uvāca parokṣaṃ nābhijānāmi vigrahaṃ yuvayor aham arthatattvam avijñāya kiṃ nu syāt kuśalaṃ mama

‚Ich weiß nichts von dem, was sich außerhalb meines Blickfelds zwischen euch beiden zugetragen hat; ohne den wahren Sachverhalt zu kennen, was könnte da meinerseits recht sein?‘

Wort für Wort
virāṭa uvāca parokṣaṃ nābhijānāmi vigrahaṃ yuvayor aham arthatattvam avijñāya kiṃ nu syāt kuśalaṃ mama
‚Ich weiß nichts von dem, was sich außerhalb meines Blickfelds zwischen euch beiden zugetragen hat; ohne den wahren Sachverhalt zu kennen, was könnte da meinerseits recht sein?‘

vaiśaṃpāyana uvāca tatas tu sabhyā vijñāya kṛṣṇāṃ bhūyo 'bhyapūjayan sādhu sādhv iti cāpy āhuḥ kīcakaṃ ca vyagarhayan

Vaiśampāyana sprach: Da lobten die Mitglieder der Versammlung, die den Sachverhalt erkannt hatten, Kṛṣṇā aufs Neue und riefen ‚Wohl getan, wohl getan!‘, und tadelten Kīcaka.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca tatas tu sabhyā vijñāya kṛṣṇāṃ bhūyo 'bhyapūjayan sādhu sādhv iti cāpy āhuḥ kīcakaṃ ca vyagarhayan
Vaiśampāyana sprach: Da lobten die Mitglieder der Versammlung, die den Sachverhalt erkannt hatten, Kṛṣṇā aufs Neue und riefen ‚Wohl getan, wohl getan!‘, und tadelten Kīcaka.

sabhyā ūcuḥ yasyeyaṃ cārusarvāṅgī bhāryā syād āyatekṣaṇā paro lābhaś ca tasya syān na sa śocet kadā cana

‚Wessen Gattin diese an jedem Glied Schöne, Langäugige wäre, für den wäre dies der höchste Gewinn; er müsste sich niemals grämen.‘

Wort für Wort
sabhyā ūcuḥ yasyeyaṃ cārusarvāṅgī bhāryā syād āyatekṣaṇā paro lābhaś ca tasya syān na sa śocet kadā cana
‚Wessen Gattin diese an jedem Glied Schöne, Langäugige wäre, für den wäre dies der höchste Gewinn; er müsste sich niemals grämen.‘

vaiśaṃpāyana uvāca evaṃ saṃpūjayaṃs tatra kṛṣṇāṃ prekṣya sabhāsadaḥ yudhiṣṭhirasya kopāt tu lalāṭe sveda āsajat

So lobten dort die Mitglieder der Versammlung Kṛṣṇā, als sie sie erblickten; doch auf Yudhiṣṭhiras Stirn brach vor Zorn der Schweiß aus.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca evaṃ saṃpūjayaṃs tatra kṛṣṇāṃ prekṣya sabhāsadaḥ yudhiṣṭhirasya kopāt tu lalāṭe sveda āsajat
So lobten dort die Mitglieder der Versammlung Kṛṣṇā, als sie sie erblickten; doch auf Yudhiṣṭhiras Stirn brach vor Zorn der Schweiß aus.

athābravīd rājaputrīṃ kauravyo mahiṣīṃ priyām gaccha sairandhri mātra sthāḥ sudeṣṇāyā niveśanam

Da sprach der Kauravya zu der Königstochter, seiner geliebten hohen Herrin: ‚Geh, Sairandhrī, bleib nicht hier; geh zu Sudeṣṇās Wohnstatt.

Wort für Wort
athābravīd rājaputrīṃ kauravyo mahiṣīṃ priyām gaccha sairandhri mātra sthāḥ sudeṣṇāyā niveśanam
Da sprach der Kauravya zu der Königstochter, seiner geliebten hohen Herrin: ‚Geh, Sairandhrī, bleib nicht hier; geh zu Sudeṣṇās Wohnstatt.

Yudhiṣṭhira redet Draupadī hier, trotz ihrer Verkleidung, unwillkürlich mit den Ehrentiteln 'Königstochter' und 'hohe Herrin' an - ein zarter Hinweis auf ihre wahre Würde, den er sogleich mit betont beiläufigen Ermahnungen zu überspielen sucht.

bhartāram anurudhyantyaḥ kliśyante vīrapatnayaḥ śuśrūṣayā kliśyamānāḥ patilokaṃ jayanty uta

Heldenfrauen, die sich dem Willen ihres Gatten fügen, ertragen Mühsal; durch dienende Ergebenheit Mühsal ertragend, gewinnen sie die Welt ihres Gatten.

Wort für Wort
bhartāram anurudhyantyaḥ kliśyante vīrapatnayaḥ śuśrūṣayā kliśyamānāḥ patilokaṃ jayanty uta
Heldenfrauen, die sich dem Willen ihres Gatten fügen, ertragen Mühsal; durch dienende Ergebenheit Mühsal ertragend, gewinnen sie die Welt ihres Gatten.

manye na kālaṃ krodhasya paśyanti patayas tava tena tvāṃ nābhidhāvanti gandharvāḥ sūryavarcasaḥ

Ich denke, deine Gatten sehen hierin nicht die rechte Zeit für Zorn; deshalb eilen dir die sonnengleich strahlenden Gandharvas nicht zu Hilfe.

Wort für Wort
manye na kālaṃ krodhasya paśyanti patayas tava tena tvāṃ nābhidhāvanti gandharvāḥ sūryavarcasaḥ
Ich denke, deine Gatten sehen hierin nicht die rechte Zeit für Zorn; deshalb eilen dir die sonnengleich strahlenden Gandharvas nicht zu Hilfe.

akālajñāsi sairandhri śailūṣīva vidhāvasi vighnaṃ karoṣi matsyānāṃ dīvyatāṃ rājasaṃsadi gaccha sairandhri gandharvāḥ kariṣyanti tava priyam

Du kennst die rechte Zeit nicht, Sairandhrī; wie eine Schauspielerin läufst du umher; du verursachst Störung unter den Matsyas, die in der königlichen Versammlung würfeln. Geh, Sairandhrī; die Gandharvas werden dir schon zu Gefallen handeln.‘

Wort für Wort
akālajñāsi sairandhri śailūṣīva vidhāvasi vighnaṃ karoṣi matsyānāṃ dīvyatāṃ rājasaṃsadi gaccha sairandhri gandharvāḥ kariṣyanti tava priyam
Du kennst die rechte Zeit nicht, Sairandhrī; wie eine Schauspielerin läufst du umher; du verursachst Störung unter den Matsyas, die in der königlichen Versammlung würfeln. Geh, Sairandhrī; die Gandharvas werden dir schon zu Gefallen handeln.‘

draupady uvāca atīva teṣāṃ ghṛṇinām arthe 'haṃ dharmacāriṇī tasya tasyeha te vadhyā yeṣāṃ jyeṣṭho 'kṣadevitā

‚Nur aus Rücksicht auf jene Mitleidigen bleibe ich dem Dharma treu; doch er wird von denen erschlagen werden, deren Ältester nur ein Würfelspieler ist.‘

Wort für Wort
draupady uvāca atīva teṣāṃ ghṛṇinām arthe 'haṃ dharmacāriṇī tasya tasyeha te vadhyā yeṣāṃ jyeṣṭho 'kṣadevitā
‚Nur aus Rücksicht auf jene Mitleidigen bleibe ich dem Dharma treu; doch er wird von denen erschlagen werden, deren Ältester nur ein Würfelspieler ist.‘

Draupadī deutet hier verschlüsselt an, dass zwar Yudhiṣṭhira in seiner Rolle als Würfelspieler Kaṅka nicht eingreifen wird, wohl aber ein anderer (implizit Bhīma) Kīcaka töten wird.

vaiśaṃpāyana uvāca ity uktvā prādravat kṛṣṇā sudeṣṇāyā niveśanam keśān muktvā tu suśroṇī saṃrambhāl lohitekṣaṇā

Vaiśampāyana sprach: So sprechend, eilte Kṛṣṇā zu Sudeṣṇās Wohnstatt; ihr Haar gelöst, die Schönhüftige, vor Erregung mit geröteten Augen.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca ity uktvā prādravat kṛṣṇā sudeṣṇāyā niveśanam keśān muktvā tu suśroṇī saṃrambhāl lohitekṣaṇā
Vaiśampāyana sprach: So sprechend, eilte Kṛṣṇā zu Sudeṣṇās Wohnstatt; ihr Haar gelöst, die Schönhüftige, vor Erregung mit geröteten Augen.

śuśubhe vadanaṃ tasyā rudantyā virataṃ tadā meghalekhāvinirmuktaṃ divīva śaśimaṇḍalam

Ihr Gesicht, als sie weinte und dann innehielt, erstrahlte da wie die Mondscheibe am Himmel, aus einem Wolkenstreifen befreit.

Wort für Wort
śuśubhe vadanaṃ tasyā rudantyā virataṃ tadā meghalekhāvinirmuktaṃ divīva śaśimaṇḍalam
Ihr Gesicht, als sie weinte und dann innehielt, erstrahlte da wie die Mondscheibe am Himmel, aus einem Wolkenstreifen befreit.

sudeṣṇovāca kas tvāvadhīd varārohe kasmād rodiṣi śobhane kasyādya na sukhaṃ bhadre kena te vipriyaṃ kṛtam

‚Wer hat dich geschlagen, du Anmutsvolle? Weshalb weinst du, du Schöne? Wem geht es heute nicht gut, du Gute? Wer hat dir Unrecht getan?‘

Wort für Wort
sudeṣṇovāca kas tvāvadhīd varārohe kasmād rodiṣi śobhane kasyādya na sukhaṃ bhadre kena te vipriyaṃ kṛtam
‚Wer hat dich geschlagen, du Anmutsvolle? Weshalb weinst du, du Schöne? Wem geht es heute nicht gut, du Gute? Wer hat dir Unrecht getan?‘

draupady uvāca kīcako māvadhīt tatra surāhārīṃ gatāṃ tava sabhāyāṃ paśyato rājño yathaiva vijane tathā

‚Kīcaka hat mich dort geschlagen, als ich als Weinholerin für dich gekommen war, in der Versammlung, vor den Augen des Königs, geradeso, als wären wir allein gewesen.‘

Wort für Wort
draupady uvāca kīcako māvadhīt tatra surāhārīṃ gatāṃ tava sabhāyāṃ paśyato rājño yathaiva vijane tathā
‚Kīcaka hat mich dort geschlagen, als ich als Weinholerin für dich gekommen war, in der Versammlung, vor den Augen des Königs, geradeso, als wären wir allein gewesen.‘

sudeṣṇovāca ghātayāmi sukeśānte kīcakaṃ yadi manyase yo 'sau tvāṃ kāmasaṃmatto durlabhām abhimanyate

‚Ich werde Kīcaka töten lassen, du Schönhaarige, wenn du es wünschst - ihn, der, von Begierde rasend, um dich wirbt, obwohl du unerreichbar bist.‘

Wort für Wort
sudeṣṇovāca ghātayāmi sukeśānte kīcakaṃ yadi manyase yo 'sau tvāṃ kāmasaṃmatto durlabhām abhimanyate
‚Ich werde Kīcaka töten lassen, du Schönhaarige, wenn du es wünschst - ihn, der, von Begierde rasend, um dich wirbt, obwohl du unerreichbar bist.‘

draupady uvāca anye vai taṃ vadhiṣyanti yeṣām āgaḥ karoti saḥ manye cādyaiva suvyaktaṃ paralokaṃ gamiṣyati

‚Andere werden ihn töten, gegen die er sich vergangen hat; und ich denke, dass er schon heute, ganz gewiss, in die andere Welt eingehen wird.‘

Wort für Wort
draupady uvāca anye vai taṃ vadhiṣyanti yeṣām āgaḥ karoti saḥ manye cādyaiva suvyaktaṃ paralokaṃ gamiṣyati
‚Andere werden ihn töten, gegen die er sich vergangen hat; und ich denke, dass er schon heute, ganz gewiss, in die andere Welt eingehen wird.‘

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