Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Virāṭaparva

Kapitel 25: Go-harana-parva (2) Beratung am Kaurava-Hof

Duryodhana berät sich mit seiner Versammlung über das nahende Ende des dreizehnten Jahres: Sollten die Pāṇḍavas unentdeckt bleiben, würden sie mit voller Kraft gegen die Kauravas vorgehen; würden sie hingegen noch rechtzeitig entdeckt, müssten sie ihr Exil erneut antreten. Karṇa schlägt vor, noch geschicktere Kundschafter in verkleideter Form auszusenden, um jeden erdenklichen Ort zu durchsuchen. Duḥśāsana stimmt Karṇas Plan zu, gibt jedoch zu bedenken, dass die bisherige Suche ergebnislos geblieben sei und die Pāṇḍavas möglicherweise bereits umgekommen seien - und rät seinem Bruder, sich zu beruhigen und nach eigenem Ermessen zu handeln.

vaiśaṃpāyana uvāca tato duryodhano rājā śrutvā teṣāṃ vacas tadā ciram antarmanā bhūtvā pratyuvāca sabhāsadaḥ

Vaiśampāyana sprach: Da nun, nachdem er ihre Worte gehört hatte, verharrte König Duryodhana lange in tiefes Nachdenken versunken und erwiderte dann den Mitgliedern der Versammlung:

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca tato duryodhano rājā śrutvā teṣāṃ vacas tadā ciram antarmanā bhūtvā pratyuvāca sabhāsadaḥ
Vaiśampāyana sprach: Da nun, nachdem er ihre Worte gehört hatte, verharrte König Duryodhana lange in tiefes Nachdenken versunken und erwiderte dann den Mitgliedern der Versammlung:

suduḥkhā khalu kāryāṇāṃ gatir vijñātum antataḥ tasmāt sarve udīkṣadhvaṃ kva nu syuḥ pāṇḍavā gatāḥ

‚Überaus schwer ist es wahrlich, den Verlauf der Dinge bis zum Ende zu erkennen; darum überlegt alle, wohin die Pāṇḍavas wohl gegangen sein mögen.

Wort für Wort
suduḥkhā khalu kāryāṇāṃ gatir vijñātum antataḥ tasmāt sarve udīkṣadhvaṃ kva nu syuḥ pāṇḍavā gatāḥ
‚Überaus schwer ist es wahrlich, den Verlauf der Dinge bis zum Ende zu erkennen; darum überlegt alle, wohin die Pāṇḍavas wohl gegangen sein mögen.

alpāvaśiṣṭaṃ kālasya gatabhūyiṣṭham antataḥ teṣām ajñātacaryāyām asmin varṣe trayodaśe

Nur wenig Zeit bleibt noch übrig, der größte Teil ist bereits vergangen von ihrer unerkannten Wanderung in diesem dreizehnten Jahr.

Wort für Wort
alpāvaśiṣṭaṃ kālasya gatabhūyiṣṭham antataḥ teṣām ajñātacaryāyām asmin varṣe trayodaśe
Nur wenig Zeit bleibt noch übrig, der größte Teil ist bereits vergangen von ihrer unerkannten Wanderung in diesem dreizehnten Jahr.

asya varṣasya śeṣaṃ ced vyatīyur iha pāṇḍavāḥ nivṛttasamayās te hi satyavrataparāyaṇāḥ

Sollten die Pāṇḍavas den Rest dieses Jahres hier unentdeckt überstehen, so wären sie, ihre Frist beendet, sie, die der Wahrheit ihres Gelübdes ergeben sind,

Wort für Wort
asya varṣasya śeṣaṃ ced vyatīyur iha pāṇḍavāḥ nivṛttasamayās te hi satyavrataparāyaṇāḥ
Sollten die Pāṇḍavas den Rest dieses Jahres hier unentdeckt überstehen, so wären sie, ihre Frist beendet, sie, die der Wahrheit ihres Gelübdes ergeben sind,

kṣaranta iva nāgendrāḥ sarva āśīviṣopamāḥ duḥkhā bhaveyuḥ saṃrabdhāḥ kauravān prati te dhruvam

wie brünstige Elefantenfürsten, allesamt giftigen Schlangen gleich, gewiss aufgebracht und schwer zu bezwingen gegenüber den Kauravas.

Wort für Wort
kṣaranta iva nāgendrāḥ sarva āśīviṣopamāḥ duḥkhā bhaveyuḥ saṃrabdhāḥ kauravān prati te dhruvam
wie brünstige Elefantenfürsten, allesamt giftigen Schlangen gleich, gewiss aufgebracht und schwer zu bezwingen gegenüber den Kauravas.

arvāk kālasya vijñātāḥ kṛcchrarūpadharāḥ punaḥ praviśeyur jitakrodhās tāvad eva punar vanam

Würden sie hingegen vor Ablauf der Frist, während sie noch ihre mühevollen verhüllten Gestalten tragen, entdeckt, so müssten sie, ihren Zorn bezwingend, für ebenso lange erneut in den Wald zurückkehren.

Wort für Wort
arvāk kālasya vijñātāḥ kṛcchrarūpadharāḥ punaḥ praviśeyur jitakrodhās tāvad eva punar vanam
Würden sie hingegen vor Ablauf der Frist, während sie noch ihre mühevollen verhüllten Gestalten tragen, entdeckt, so müssten sie, ihren Zorn bezwingend, für ebenso lange erneut in den Wald zurückkehren.

tasmāt kṣipraṃ bubhutsadhvaṃ yathā no 'tyantam avyayam rājyaṃ nirdvandvam avyagraṃ niḥsapatnaṃ ciraṃ bhavet

Darum sucht rasch, es herauszufinden, damit unser Reich für lange Zeit gänzlich unerschüttert, frei von Streit, ungestört und ohne Widersacher bleibe.‘

Wort für Wort
tasmāt kṣipraṃ bubhutsadhvaṃ yathā no 'tyantam avyayam rājyaṃ nirdvandvam avyagraṃ niḥsapatnaṃ ciraṃ bhavet
Darum sucht rasch, es herauszufinden, damit unser Reich für lange Zeit gänzlich unerschüttert, frei von Streit, ungestört und ohne Widersacher bleibe.‘

athābravīt tataḥ karṇaḥ kṣipraṃ gacchantu bhārata anye dhūrtatarā dakṣā nibhṛtāḥ sādhukāriṇaḥ

Dann sprach Karṇa: ‚Andere, noch listigere, geschickte, verschwiegene und zuverlässige Männer sollen rasch aufbrechen, o Bhārata,

Wort für Wort
athābravīt tataḥ karṇaḥ kṣipraṃ gacchantu bhārata anye dhūrtatarā dakṣā nibhṛtāḥ sādhukāriṇaḥ
Dann sprach Karṇa: ‚Andere, noch listigere, geschickte, verschwiegene und zuverlässige Männer sollen rasch aufbrechen, o Bhārata,

carantu deśān saṃvītāḥ sphītāñ janapadākulān tatra goṣṭhīṣv athānyāsu siddhapravrajiteṣu ca

sie sollen verkleidet die blühenden, dicht bevölkerten Länder durchstreifen - dort in Versammlungen und unter anderen, unter vollendeten Asketen und Wanderern,

Wort für Wort
carantu deśān saṃvītāḥ sphītāñ janapadākulān tatra goṣṭhīṣv athānyāsu siddhapravrajiteṣu ca
sie sollen verkleidet die blühenden, dicht bevölkerten Länder durchstreifen - dort in Versammlungen und unter anderen, unter vollendeten Asketen und Wanderern,

paricāreṣu tīrtheṣu vividheṣv ākareṣu ca vijñātavyā manuṣyais tais tarkayā suvinītayā

an Dienstplätzen, an heiligen Badeplätzen und in mancherlei Bergwerken sollen sie durch jene wohlgeschulten Männer mit klugem Schlussfolgern aufgespürt werden,

Wort für Wort
paricāreṣu tīrtheṣu vividheṣv ākareṣu ca vijñātavyā manuṣyais tais tarkayā suvinītayā
an Dienstplätzen, an heiligen Badeplätzen und in mancherlei Bergwerken sollen sie durch jene wohlgeschulten Männer mit klugem Schlussfolgern aufgespürt werden,

vividhais tatparaiḥ samyak tajjñair nipuṇasaṃvṛtaiḥ anveṣṭavyāś ca nipuṇaṃ pāṇḍavāś channavāsinaḥ

durch mancherlei diesem Ziel ergebene, kundige, geschickt verkleidete Männer; die im Verborgenen lebenden Pāṇḍavas sollen mit Geschick gesucht werden,

Wort für Wort
vividhais tatparaiḥ samyak tajjñair nipuṇasaṃvṛtaiḥ anveṣṭavyāś ca nipuṇaṃ pāṇḍavāś channavāsinaḥ
durch mancherlei diesem Ziel ergebene, kundige, geschickt verkleidete Männer; die im Verborgenen lebenden Pāṇḍavas sollen mit Geschick gesucht werden,

nadīkuñjeṣu tīrtheṣu grāmeṣu nagareṣu ca āśrameṣu ca ramyeṣu parvateṣu guhāsu ca

in Flussauen und an Badeplätzen, in Dörfern und Städten, in lieblichen Einsiedeleien, auf Bergen und in Höhlen.‘

Wort für Wort
nadīkuñjeṣu tīrtheṣu grāmeṣu nagareṣu ca āśrameṣu ca ramyeṣu parvateṣu guhāsu ca
in Flussauen und an Badeplätzen, in Dörfern und Städten, in lieblichen Einsiedeleien, auf Bergen und in Höhlen.‘

athāgrajānantarajaḥ pāpabhāvānurāgiṇam jyeṣṭhaṃ duḥśāsanas tatra bhrātā bhrātaram abravīt

Dann sprach dort der nächstjüngere Bruder, Duḥśāsana, zu seinem älteren, dem Bösen zugeneigten Bruder - Bruder zu Bruder:

Wort für Wort
athāgrajānantarajaḥ pāpabhāvānurāgiṇam jyeṣṭhaṃ duḥśāsanas tatra bhrātā bhrātaram abravīt
Dann sprach dort der nächstjüngere Bruder, Duḥśāsana, zu seinem älteren, dem Bösen zugeneigten Bruder - Bruder zu Bruder:

etac ca karṇo yat prāha sarvam īkṣāmahe tathā yathoddiṣṭaṃ carāḥ sarve mṛgayantu tatas tataḥ ete cānye ca bhūyāṃso deśād deśaṃ yathāvidhi

‚Alles, was Karṇa gesagt hat, halten wir für richtig; demgemäß sollen alle Kundschafter, wie angewiesen, hier und dort suchen - diese und noch zahlreiche andere, von Land zu Land, wie es sich gebührt.

Wort für Wort
etac ca karṇo yat prāha sarvam īkṣāmahe tathā yathoddiṣṭaṃ carāḥ sarve mṛgayantu tatas tataḥ ete cānye ca bhūyāṃso deśād deśaṃ yathāvidhi
‚Alles, was Karṇa gesagt hat, halten wir für richtig; demgemäß sollen alle Kundschafter, wie angewiesen, hier und dort suchen - diese und noch zahlreiche andere, von Land zu Land, wie es sich gebührt.

na tu teṣāṃ gatir vāsaḥ pravṛttiś copalabhyate atyāhitaṃ vā gūḍhās te pāraṃ vormimato gatāḥ

Doch weder ihr Verbleib noch ihr Aufenthalt noch irgendeine Nachricht von ihnen ist zu erlangen; vielleicht ist ihnen ein großes Unheil widerfahren, oder sie sind, verborgen, ans jenseitige Ufer eines wogenden Gewässers gelangt,

Wort für Wort
na tu teṣāṃ gatir vāsaḥ pravṛttiś copalabhyate atyāhitaṃ vā gūḍhās te pāraṃ vormimato gatāḥ
Doch weder ihr Verbleib noch ihr Aufenthalt noch irgendeine Nachricht von ihnen ist zu erlangen; vielleicht ist ihnen ein großes Unheil widerfahren, oder sie sind, verborgen, ans jenseitige Ufer eines wogenden Gewässers gelangt,

vyālair vāpi mahāraṇye bhakṣitāḥ śūramāninaḥ atha vā viṣamaṃ prāpya vinaṣṭāḥ śāśvatīḥ samāḥ

oder sie, die sich für Helden hielten, wurden im großen Wald von wilden Tieren gefressen, oder sie sind, in eine gefährliche Lage geraten, für alle Zeit umgekommen.

Wort für Wort
vyālair vāpi mahāraṇye bhakṣitāḥ śūramāninaḥ atha vā viṣamaṃ prāpya vinaṣṭāḥ śāśvatīḥ samāḥ
oder sie, die sich für Helden hielten, wurden im großen Wald von wilden Tieren gefressen, oder sie sind, in eine gefährliche Lage geraten, für alle Zeit umgekommen.

tasmān mānasam avyagraṃ kṛtvā tvaṃ kurunandana kuru kāryaṃ yathotsāhaṃ manyase yan narādhipa

Darum beruhige deinen Geist, du Freude der Kurus, und tue, was immer dir mit Eifer geboten scheint, o Herrscher der Menschen.‘

Wort für Wort
tasmān mānasam avyagraṃ kṛtvā tvaṃ kurunandana kuru kāryaṃ yathotsāhaṃ manyase yan narādhipa
Darum beruhige deinen Geist, du Freude der Kurus, und tue, was immer dir mit Eifer geboten scheint, o Herrscher der Menschen.‘

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