Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Virāṭaparva

Kapitel 8: Pāṇḍavapraveśaparva (8) Draupadī als Sairandhrī bei Königin Sudeṣṇā

Draupadī legt ein einziges schmutziges Gewand an und wandert, als notleidende Sairandhrī verkleidet, durch die Stadt, wird aber wegen ihrer Schönheit und feinen Sprache von niemandem für eine gewöhnliche Dienerin gehalten. Königin Sudeṣṇā entdeckt sie vom Palast aus, lässt sie zu sich rufen und fragt eindringlich nach ihrer wahren Natur, wobei sie in einer langen, katalogartigen Schönheitsbeschreibung Draupadīs übermenschliche Anmut rühmt und befürchtet, ihre Anwesenheit werde dem König selbst gefährlich werden. Draupadī gibt sich als freie Sairandhrī namens Mālinī aus, die einst Satyabhāmā und - in geschickter Verschleierung ihrer selbst - 'Kṛṣṇā, die Gattin der Pāṇḍus' bediente, und behauptet, fünf Gandharva-Fürsten seien ihre Gatten, die jeden Übergriff auf sie tödlich rächen würden. Beruhigt gewährt Sudeṣṇā ihr Aufnahme unter der Bedingung, dass sie keine erniedrigenden Dienste verrichten müsse.

vaiśaṃpāyana uvāca tataḥ keśān samutkṣipya vellitāgrān aninditān jugūha dakṣiṇe pārśve mṛdūn asitalocanā

Vaiśampāyana sprach: Da raffte sie, die Dunkeläugige, ihr Haar - lockig an den Spitzen, makellos, weich - zusammen und verbarg es an ihrer rechten Seite.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca tataḥ keśān samutkṣipya vellitāgrān aninditān jugūha dakṣiṇe pārśve mṛdūn asitalocanā
Vaiśampāyana sprach: Da raffte sie, die Dunkeläugige, ihr Haar - lockig an den Spitzen, makellos, weich - zusammen und verbarg es an ihrer rechten Seite.

vāsaś ca paridhāyaikaṃ kṛṣṇaṃ sumalinaṃ mahat kṛtvā veṣaṃ ca sairandhryāḥ kṛṣṇā vyacarad ārtavat

Und nachdem sie ein einziges schwarzes, stark verschmutztes, großes Gewand angelegt und die Erscheinung einer Sairandhrī angenommen hatte, ging Kṛṣṇā umher wie eine Notleidende.

Wort für Wort
vāsaś ca paridhāyaikaṃ kṛṣṇaṃ sumalinaṃ mahat kṛtvā veṣaṃ ca sairandhryāḥ kṛṣṇā vyacarad ārtavat
Und nachdem sie ein einziges schwarzes, stark verschmutztes, großes Gewand angelegt und die Erscheinung einer Sairandhrī angenommen hatte, ging Kṛṣṇā umher wie eine Notleidende.

tāṃ narāḥ paridhāvantīṃ striyaś ca samupādravan apṛcchaṃś caiva tāṃ dṛṣṭvā kā tvaṃ kiṃ ca cikīrṣasi

Männer und Frauen liefen ihr, wie sie so umherging, nach und fragten sie beim Anblick: ‚Wer bist du, und was hast du vor?‘

Wort für Wort
tāṃ narāḥ paridhāvantīṃ striyaś ca samupādravan apṛcchaṃś caiva tāṃ dṛṣṭvā kā tvaṃ kiṃ ca cikīrṣasi
Männer und Frauen liefen ihr, wie sie so umherging, nach und fragten sie beim Anblick: ‚Wer bist du, und was hast du vor?‘

sā tān uvāca rājendra sairandhry aham upāgatā karma cecchāmi vai kartuṃ tasya yo māṃ pupukṣati

Sie sprach zu ihnen: ‚Fürst, als Sairandhrī bin ich hergekommen; und ich wünsche in der Tat demjenigen zu dienen, der mich zu ernähren wünscht.‘

Wort für Wort
sā tān uvāca rājendra sairandhry aham upāgatā karma cecchāmi vai kartuṃ tasya yo māṃ pupukṣati
Sie sprach zu ihnen: ‚Fürst, als Sairandhrī bin ich hergekommen; und ich wünsche in der Tat demjenigen zu dienen, der mich zu ernähren wünscht.‘

Die Anrede 'Fürst' (rājendra) ist hier eigentlich an eine anonyme Menschenmenge gerichtet; der Vers ist beinahe wortgleich mit V.008, wo dieselbe Anrede sinngemäß an Königin Sudeṣṇā gerichtet ist - ein formelhafter, wiederverwendeter Vers, wie im mündlich tradierten Epos üblich.

tasyā rūpeṇa veṣeṇa ślakṣṇayā ca tathā girā nāśraddadhata tāṃ dāsīm annahetor upasthitām

Ob ihrer Gestalt, ihrer Kleidung und ebenso ihrer sanften Sprache glaubten sie nicht, dass sie eine bloß der Nahrung wegen erschienene Dienerin sei.

Wort für Wort
tasyā rūpeṇa veṣeṇa ślakṣṇayā ca tathā girā nāśraddadhata tāṃ dāsīm annahetor upasthitām
Ob ihrer Gestalt, ihrer Kleidung und ebenso ihrer sanften Sprache glaubten sie nicht, dass sie eine bloß der Nahrung wegen erschienene Dienerin sei.

virāṭasya tu kaikeyī bhāryā paramasaṃmatā avalokayantī dadṛśe prāsādād drupadātmajām

Virāṭas Gattin aber, eine Kaikeyī, hochangesehen, erblickte, vom Palast herabblickend, die Tochter Drupadas.

Wort für Wort
virāṭasya tu kaikeyī bhāryā paramasaṃmatā avalokayantī dadṛśe prāsādād drupadātmajām
Virāṭas Gattin aber, eine Kaikeyī, hochangesehen, erblickte, vom Palast herabblickend, die Tochter Drupadas.

'Kaikeyī' bezeichnet hier, in generischem Sinn, eine Fürstin aus dem Volk der Kekayas - gemeint ist Königin Sudeṣṇā (vgl. Kap.2); eine Verwechslung mit der gleichnamigen Gemahlin Daśarathas aus dem Rāmāyaṇa ist ausgeschlossen.

sā samīkṣya tathārūpām anāthām ekavāsasam samāhūyābravīd bhadre kā tvaṃ kiṃ ca cikīrṣasi

Sie, als sie diese so schöne, schutzlose, in ein einziges Gewand gehüllte Frau erblickte, rief sie herbei und sprach: ‚Gute Frau, wer bist du, und was hast du vor?‘

Wort für Wort
sā samīkṣya tathārūpām anāthām ekavāsasam samāhūyābravīd bhadre kā tvaṃ kiṃ ca cikīrṣasi
Sie, als sie diese so schöne, schutzlose, in ein einziges Gewand gehüllte Frau erblickte, rief sie herbei und sprach: ‚Gute Frau, wer bist du, und was hast du vor?‘

sā tām uvāca rājendra sairandhry aham upāgatā karma cecchāmy ahaṃ kartuṃ tasya yo māṃ pupukṣati

Sie sprach zu ihr: ‚Hohe Herrin, als Sairandhrī bin ich hergekommen; und ich wünsche demjenigen zu dienen, der mich zu ernähren wünscht.‘

Wort für Wort
sā tām uvāca rājendra sairandhry aham upāgatā karma cecchāmy ahaṃ kartuṃ tasya yo māṃ pupukṣati
Sie sprach zu ihr: ‚Hohe Herrin, als Sairandhrī bin ich hergekommen; und ich wünsche demjenigen zu dienen, der mich zu ernähren wünscht.‘

sudeṣṇovāca naivaṃrūpā bhavanty evaṃ yathā vadasi bhāmini preṣayanti ca vai dāsīr dāsāṃś caivaṃvidhān bahūn

‚Menschen von solcher Gestalt, wie du sie hast, werden nicht auf die Weise zu Dienerinnen, wie du sagst, du Strahlende; wohl aber entsenden große Häuser viele Dienerinnen und Diener gewöhnlicher Art.

Wort für Wort
sudeṣṇovāca naivaṃrūpā bhavanty evaṃ yathā vadasi bhāmini preṣayanti ca vai dāsīr dāsāṃś caivaṃvidhān bahūn
‚Menschen von solcher Gestalt, wie du sie hast, werden nicht auf die Weise zu Dienerinnen, wie du sagst, du Strahlende; wohl aber entsenden große Häuser viele Dienerinnen und Diener gewöhnlicher Art.

gūḍhagulphā saṃhatorus trigambhīrā ṣaḍunnatā raktā pañcasu rakteṣu haṃsagadgadabhāṣiṇī

Verborgene Fußknöchel hast du, straffe Schenkel, bist an drei Stellen tief, an sechs erhöht, an fünf rötlichen Stellen rot, und sprichst mit einer Stimme, sanft wie der Ruf eines Schwans.

Wort für Wort
gūḍhagulphā saṃhatorus trigambhīrā ṣaḍunnatā raktā pañcasu rakteṣu haṃsagadgadabhāṣiṇī
Verborgene Fußknöchel hast du, straffe Schenkel, bist an drei Stellen tief, an sechs erhöht, an fünf rötlichen Stellen rot, und sprichst mit einer Stimme, sanft wie der Ruf eines Schwans.

Diese Verse folgen einer traditionellen Konvention altindischer Schönheitsbeschreibung, bei der bestimmte Körpermerkmale in Gruppen von drei ('tief'), sechs ('erhöht') und fünf ('rot') aufgezählt werden (etwa Nabel, Stimme und Blick als die drei 'Tiefen'; Brüste, Hüften, Nägel, Knie, Nase und Schultern als die sechs 'Erhöhten'; Handflächen, Fußsohlen, Nägel, Augenwinkel und Lippen als die fünf 'Roten') - die genaue Zuordnung ist unter den Kommentatoren nicht einheitlich.

sukeśī sustanī śyāmā pīnaśroṇipayodharā tena tenaiva saṃpannā kāśmīrīva turaṃgamā

Du hast schönes Haar, schöne Brüste, bist dunkel, von vollen Hüften und Brüsten, mit jeder einzelnen Vorzüglichkeit ausgestattet, wie eine kaschmirische Stute.

Wort für Wort
sukeśī sustanī śyāmā pīnaśroṇipayodharā tena tenaiva saṃpannā kāśmīrīva turaṃgamā
Du hast schönes Haar, schöne Brüste, bist dunkel, von vollen Hüften und Brüsten, mit jeder einzelnen Vorzüglichkeit ausgestattet, wie eine kaschmirische Stute.

svarālapakṣmanayanā bimboṣṭhī tanumadhyamā kambugrīvā gūḍhasirā pūrṇacandranibhānanā

Du hast Augen mit geschwungenen Wimpern, Lippen wie die Bimba-Frucht, eine schlanke Taille, einen muschelförmig geringelten Hals, unsichtbare Adern, ein Gesicht wie der Vollmond.

Wort für Wort
svarālapakṣmanayanā bimboṣṭhī tanumadhyamā kambugrīvā gūḍhasirā pūrṇacandranibhānanā
Du hast Augen mit geschwungenen Wimpern, Lippen wie die Bimba-Frucht, eine schlanke Taille, einen muschelförmig geringelten Hals, unsichtbare Adern, ein Gesicht wie der Vollmond.

kā tvaṃ brūhi yathā bhadre nāsi dāsī kathaṃ cana yakṣī vā yadi vā devī gandharvī yadi vāpsarāḥ

Wer bist du? Sag es mir wahrheitsgemäß, du Gute - du bist gewiss keine Dienerin. Bist du eine Yakṣī, oder eine Göttin, eine Gandharvī, oder eine Apsaras?

Wort für Wort
kā tvaṃ brūhi yathā bhadre nāsi dāsī kathaṃ cana yakṣī vā yadi vā devī gandharvī yadi vāpsarāḥ
Wer bist du? Sag es mir wahrheitsgemäß, du Gute - du bist gewiss keine Dienerin. Bist du eine Yakṣī, oder eine Göttin, eine Gandharvī, oder eine Apsaras?

alambusā miśrakeśī puṇḍarīkātha mālinī indrāṇī vāruṇī vā tvaṃ tvaṣṭur dhātuḥ prajāpateḥ devyo deveṣu vikhyātās tāsāṃ tvaṃ katamā śubhe

Bist du Alambusā, Miśrakeśī, oder Puṇḍarīkā, oder Mālinī? Oder bist du Indrāṇī, oder Vāruṇī, oder eine Gattin Tvaṣṭṛs, Dhātṛs, Prajāpatis - Göttinnen, berühmt unter den Göttern - welche von diesen bist du, du Anmutsvolle?‘

Wort für Wort
alambusā miśrakeśī puṇḍarīkātha mālinī indrāṇī vāruṇī vā tvaṃ tvaṣṭur dhātuḥ prajāpateḥ devyo deveṣu vikhyātās tāsāṃ tvaṃ katamā śubhe
Bist du Alambusā, Miśrakeśī, oder Puṇḍarīkā, oder Mālinī? Oder bist du Indrāṇī, oder Vāruṇī, oder eine Gattin Tvaṣṭṛs, Dhātṛs, Prajāpatis - Göttinnen, berühmt unter den Göttern - welche von diesen bist du, du Anmutsvolle?‘

Unter den hier aufgezählten Apsaras-Namen findet sich auch 'Mālinī' - derselbe Name, den Draupadī sich sogleich in V.019 als Decknamen zulegt; ob dies ein bewusstes Wortspiel des Dichters ist, lässt sich nicht sicher entscheiden.

draupady uvāca nāsmi devī na gandharvī nāsurī na ca rākṣasī sairandhrī tu bhujiṣyāsmi satyam etad bravīmi te

‚Ich bin keine Göttin, keine Gandharvī, keine Asurī, auch keine Rākṣasī; eine freie Sairandhrī aber bin ich - dies sage ich dir wahrheitsgemäß.

Wort für Wort
draupady uvāca nāsmi devī na gandharvī nāsurī na ca rākṣasī sairandhrī tu bhujiṣyāsmi satyam etad bravīmi te
‚Ich bin keine Göttin, keine Gandharvī, keine Asurī, auch keine Rākṣasī; eine freie Sairandhrī aber bin ich - dies sage ich dir wahrheitsgemäß.

keśāñ jānāmy ahaṃ kartuṃ piṃṣe sādhu vilepanam grathayiṣye vicitrāś ca srajaḥ paramaśobhanāḥ

Ich verstehe mich auf das Herrichten von Haar; ich mahle vortrefflich Salben; kunstvolle, überaus prächtige Blumenkränze werde ich flechten.

Wort für Wort
keśāñ jānāmy ahaṃ kartuṃ piṃṣe sādhu vilepanam grathayiṣye vicitrāś ca srajaḥ paramaśobhanāḥ
Ich verstehe mich auf das Herrichten von Haar; ich mahle vortrefflich Salben; kunstvolle, überaus prächtige Blumenkränze werde ich flechten.

ārādhayaṃ satyabhāmāṃ kṛṣṇasya mahiṣīṃ priyām kṛṣṇāṃ ca bhāryāṃ pāṇḍūnāṃ kurūṇām ekasundarīm

Ich habe Satyabhāmā zufriedengestellt, Kṛṣṇas geliebte Gemahlin, sowie Kṛṣṇā, die Gattin der Pāṇḍus, die einzigartige Schönheit der Kurus.

Wort für Wort
ārādhayaṃ satyabhāmāṃ kṛṣṇasya mahiṣīṃ priyām kṛṣṇāṃ ca bhāryāṃ pāṇḍūnāṃ kurūṇām ekasundarīm
Ich habe Satyabhāmā zufriedengestellt, Kṛṣṇas geliebte Gemahlin, sowie Kṛṣṇā, die Gattin der Pāṇḍus, die einzigartige Schönheit der Kurus.

Draupadī spricht hier, ihre Verkleidung wahrend, von 'Kṛṣṇā' - ihrem eigenen Namen - in der dritten Person, als habe sie einer anderen Frau gedient.

tatra tatra carāmy evaṃ labhamānā suśobhanam vāsāṃsi yāvac ca labhe tāvat tāvad rame tathā

So wandere ich von Ort zu Ort, wobei ich schöne Gewänder erhalte; und je mehr ich davon bekomme, desto mehr erfreue ich mich daran.

Wort für Wort
tatra tatra carāmy evaṃ labhamānā suśobhanam vāsāṃsi yāvac ca labhe tāvat tāvad rame tathā
So wandere ich von Ort zu Ort, wobei ich schöne Gewänder erhalte; und je mehr ich davon bekomme, desto mehr erfreue ich mich daran.

mālinīty eva me nāma svayaṃ devī cakāra sā sāham abhyāgatā devi sudeṣṇe tvanniveśanam

Mālinī eben ist mein Name - jene Herrin selbst hat ihn mir gegeben; und nun bin ich, o Herrin Sudeṣṇā, zu deiner Wohnstatt gekommen.‘

Wort für Wort
mālinīty eva me nāma svayaṃ devī cakāra sā sāham abhyāgatā devi sudeṣṇe tvanniveśanam
Mālinī eben ist mein Name - jene Herrin selbst hat ihn mir gegeben; und nun bin ich, o Herrin Sudeṣṇā, zu deiner Wohnstatt gekommen.‘

sudeṣṇovāca mūrdhni tvāṃ vāsayeyaṃ vai saṃśayo me na vidyate no ced iha tu rājā tvāṃ gacchet sarveṇa cetasā

‚Auf meinem eigenen Haupt würde ich dich wohnen lassen, daran habe ich keinen Zweifel; wäre da nicht die Sorge, dass der König sich hier mit ganzem Herzen dir zuwenden könnte.

Wort für Wort
sudeṣṇovāca mūrdhni tvāṃ vāsayeyaṃ vai saṃśayo me na vidyate no ced iha tu rājā tvāṃ gacchet sarveṇa cetasā
‚Auf meinem eigenen Haupt würde ich dich wohnen lassen, daran habe ich keinen Zweifel; wäre da nicht die Sorge, dass der König sich hier mit ganzem Herzen dir zuwenden könnte.

striyo rājakule paśya yāś cemā mama veśmani prasaktās tvāṃ nirīkṣante pumāṃsaṃ kaṃ na mohayeḥ

Sieh die Frauen im Königshaus, die hier in meinem Palast sind - gebannt starren sie dich an; welchen Mann würdest du nicht bezaubern?

Wort für Wort
striyo rājakule paśya yāś cemā mama veśmani prasaktās tvāṃ nirīkṣante pumāṃsaṃ kaṃ na mohayeḥ
Sieh die Frauen im Königshaus, die hier in meinem Palast sind - gebannt starren sie dich an; welchen Mann würdest du nicht bezaubern?

vṛkṣāṃś cāvasthitān paśya ya ime mama veśmani te 'pi tvāṃ saṃnamantīva pumāṃsaṃ kaṃ na mohayeḥ

Und sieh die Bäume, die hier in meinem Palast stehen - selbst sie scheinen sich dir zuzuneigen; welchen Mann würdest du nicht bezaubern?

Wort für Wort
vṛkṣāṃś cāvasthitān paśya ya ime mama veśmani te 'pi tvāṃ saṃnamantīva pumāṃsaṃ kaṃ na mohayeḥ
Und sieh die Bäume, die hier in meinem Palast stehen - selbst sie scheinen sich dir zuzuneigen; welchen Mann würdest du nicht bezaubern?

rājā virāṭaḥ suśroṇi dṛṣṭvā vapur amānuṣam vihāya māṃ varārohe tvāṃ gacchet sarvacetasā

König Virāṭa, du Schönhüftige, würde beim Anblick deiner übermenschlichen Gestalt mich verlassen, du Anmutsvolle, und sich dir mit ganzem Herzen zuwenden.

Wort für Wort
rājā virāṭaḥ suśroṇi dṛṣṭvā vapur amānuṣam vihāya māṃ varārohe tvāṃ gacchet sarvacetasā
König Virāṭa, du Schönhüftige, würde beim Anblick deiner übermenschlichen Gestalt mich verlassen, du Anmutsvolle, und sich dir mit ganzem Herzen zuwenden.

yaṃ hi tvam anavadyāṅgi naram āyatalocane prasaktam abhivīkṣethāḥ sa kāmavaśago bhavet

Denn welchen Mann du auch, du Makellosgliedrige, Langäugige, mit verweilendem Blick ansehen würdest, der würde der Macht des Begehrens verfallen.

Wort für Wort
yaṃ hi tvam anavadyāṅgi naram āyatalocane prasaktam abhivīkṣethāḥ sa kāmavaśago bhavet
Denn welchen Mann du auch, du Makellosgliedrige, Langäugige, mit verweilendem Blick ansehen würdest, der würde der Macht des Begehrens verfallen.

yaś ca tvāṃ satataṃ paśyet puruṣaś cāruhāsini evaṃ sarvānavadyāṅgi sa cānaṅgavaśo bhavet

Und welcher Mann dich auch beständig anschauen würde, du Lieblich-Lächelnde, so würde auch er, du an jedem Glied Makellose, der Macht des Körperlosen verfallen.

Wort für Wort
yaś ca tvāṃ satataṃ paśyet puruṣaś cāruhāsini evaṃ sarvānavadyāṅgi sa cānaṅgavaśo bhavet
Und welcher Mann dich auch beständig anschauen würde, du Lieblich-Lächelnde, so würde auch er, du an jedem Glied Makellose, der Macht des Körperlosen verfallen.

'Der Körperlose' (Ananga) ist ein Beiname des Liebesgottes Kāma, der einst von Śiva verbrannt wurde und seither körperlos ist.

yathā karkaṭakī garbham ādhatte mṛtyum ātmanaḥ tathāvidham ahaṃ manye vāsaṃ tava śucismite

Wie das Weibchen des Krebses seinen eigenen Tod in sich empfängt, so, meine ich, du Rein-Lächelnde, wird dein Aufenthalt hier für mich sein.‘

Wort für Wort
yathā karkaṭakī garbham ādhatte mṛtyum ātmanaḥ tathāvidham ahaṃ manye vāsaṃ tava śucismite
Wie das Weibchen des Krebses seinen eigenen Tod in sich empfängt, so, meine ich, du Rein-Lächelnde, wird dein Aufenthalt hier für mich sein.‘

Der Vergleich bezieht sich auf die volkstümliche Vorstellung, dass das Krebsweibchen bei der Geburt ihrer Jungen selbst stirbt; Sudeṣṇā befürchtet, Draupadīs Schönheit werde ihr selbst zum Verhängnis werden.

draupady uvāca nāsmi labhyā virāṭena na cānyena kathaṃ cana gandharvāḥ patayo mahyaṃ yuvānaḥ pañca bhāmini

‚Weder von Virāṭa noch von irgendeinem anderen bin ich zu gewinnen; fünf jugendliche Gandharvas sind meine Gatten, du Strahlende.

Wort für Wort
draupady uvāca nāsmi labhyā virāṭena na cānyena kathaṃ cana gandharvāḥ patayo mahyaṃ yuvānaḥ pañca bhāmini
‚Weder von Virāṭa noch von irgendeinem anderen bin ich zu gewinnen; fünf jugendliche Gandharvas sind meine Gatten, du Strahlende.

Draupadīs Behauptung, fünf Gandharvas seien ihre Gatten, ist eine geschickte Halbwahrheit: Tatsächlich sind es ihre fünf Pāṇḍava-Ehemänner, die sie so verschlüsselt andeutet, um sich vor Übergriffen zu schützen.

putrā gandharvarājasya mahāsattvasya kasya cit rakṣanti te ca māṃ nityaṃ duḥkhācārā tathā nv aham

Sie sind die Söhne eines gewissen hochgewaltigen Gandharva-Königs; und sie beschützen mich stets, auch wenn ich, wie jetzt, ein leidvolles Leben führe, und ebenso halte ich es ihnen gegenüber.

Wort für Wort
putrā gandharvarājasya mahāsattvasya kasya cit rakṣanti te ca māṃ nityaṃ duḥkhācārā tathā nv aham
Sie sind die Söhne eines gewissen hochgewaltigen Gandharva-Königs; und sie beschützen mich stets, auch wenn ich, wie jetzt, ein leidvolles Leben führe, und ebenso halte ich es ihnen gegenüber.

yo me na dadyād ucchiṣṭaṃ na ca pādau pradhāvayet prīyeyus tena vāsena gandharvāḥ patayo mama

Wer mir keine Speisereste zu essen gäbe und mich auch nicht die Füße anderer waschen ließe - mit einem solchen Aufenthalt wären die Gandharvas, meine Gatten, zufrieden.

Wort für Wort
yo me na dadyād ucchiṣṭaṃ na ca pādau pradhāvayet prīyeyus tena vāsena gandharvāḥ patayo mama
Wer mir keine Speisereste zu essen gäbe und mich auch nicht die Füße anderer waschen ließe - mit einem solchen Aufenthalt wären die Gandharvas, meine Gatten, zufrieden.

yo hi māṃ puruṣo gṛdhyed yathānyāḥ prākṛtastriyaḥ tām eva sa tato rātriṃ praviśed aparāṃ tanum

Denn welcher Mann mich begehren würde, wie man andere gewöhnliche Frauen begehrt, der würde noch in derselben Nacht einen anderen Körper eingehen müssen.

Wort für Wort
yo hi māṃ puruṣo gṛdhyed yathānyāḥ prākṛtastriyaḥ tām eva sa tato rātriṃ praviśed aparāṃ tanum
Denn welcher Mann mich begehren würde, wie man andere gewöhnliche Frauen begehrt, der würde noch in derselben Nacht einen anderen Körper eingehen müssen.

Eine verhüllende Umschreibung des Todes: Wer sich an Draupadī vergreift, wird von den Gandharvas getötet und muss reinkarnieren.

na cāpy ahaṃ cālayituṃ śakyā kena cid aṅgane duḥkhaśīlā hi gandharvās te ca me balavattarāḥ

Und ich kann auch von niemandem, o Herrin, verführt werden; denn die Gandharvas sind von strenger Wesensart, und sie stehen überaus mächtig zu mir.‘

Wort für Wort
na cāpy ahaṃ cālayituṃ śakyā kena cid aṅgane duḥkhaśīlā hi gandharvās te ca me balavattarāḥ
Und ich kann auch von niemandem, o Herrin, verführt werden; denn die Gandharvas sind von strenger Wesensart, und sie stehen überaus mächtig zu mir.‘

sudeṣṇovāca evaṃ tvāṃ vāsayiṣyāmi yathā tvaṃ nandinīcchasi na ca pādau na cocchiṣṭaṃ sprakṣyasi tvaṃ kathaṃ cana

‚So werde ich dich beherbergen, wie du es wünschst, du Freudenbringerin; weder Füße noch Speisereste sollst du auf irgendeine Weise berühren müssen.‘

Wort für Wort
sudeṣṇovāca evaṃ tvāṃ vāsayiṣyāmi yathā tvaṃ nandinīcchasi na ca pādau na cocchiṣṭaṃ sprakṣyasi tvaṃ kathaṃ cana
‚So werde ich dich beherbergen, wie du es wünschst, du Freudenbringerin; weder Füße noch Speisereste sollst du auf irgendeine Weise berühren müssen.‘

vaiśaṃpāyana uvāca evaṃ kṛṣṇā virāṭasya bhāryayā parisāntvitā na caināṃ veda tatrānyas tattvena janamejaya

So wurde Kṛṣṇā von Virāṭas Gattin besänftigt; und niemand sonst dort, o Janamejaya, erkannte ihr wahres Wesen.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca evaṃ kṛṣṇā virāṭasya bhāryayā parisāntvitā na caināṃ veda tatrānyas tattvena janamejaya
So wurde Kṛṣṇā von Virāṭas Gattin besänftigt; und niemand sonst dort, o Janamejaya, erkannte ihr wahres Wesen.

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