Kapitel 20: Kīcakavadhaparva (8)
Bhīmas Trost und Draupadīs Bericht von Kīcakas Werbung
Bhīma tröstet die weinende Draupadī, verweist auf die noch ausstehende Rache an den Kauravas und zählt ihr Beispiele treu ausharrender Frauen der Mythologie auf (Sukanyā, Indrasenā, Sītā, Lopāmudrā), um sie zum Aushalten der letzten anderthalb Monate zu bewegen. Draupadī erwidert, sie mache dem König keine Vorwürfe, und schildert nun ausführlich, wie sie Kīcakas Werbung mit dem Hinweis auf ihre (erfundenen) fünf Gandharva-Gatten abwehrte und wie Kīcaka trotzig entgegnete, er fürchte die Gandharven nicht. Sie schließt mit der eindringlichen Forderung, Bhīma solle Kīcaka noch vor dem nächsten Sonnenaufgang töten, da sie andernfalls Gift trinken werde, um nicht in seine Gewalt zu geraten.
sabhāyāṃ sma virāṭasya karomi kadanaṃ mahat tatra māṃ dharmarājas tu kaṭākṣeṇa nyavārayat tad ahaṃ tasya vijñāya sthita evāsmi bhāmini
In Virāṭas Versammlungshalle wollte ich damals ein gewaltiges Blutbad anrichten; doch der Dharmarāja hielt mich mit einem Seitenblick zurück - und da ich seinen Willen erkannte, hielt ich still, du Zornerfüllte.
Wort für Wort
sabhāyāṃ sma virāṭasya karomi kadanaṃ mahat tatra māṃ dharmarājas tu kaṭākṣeṇa nyavārayat tad ahaṃ tasya vijñāya sthita evāsmi bhāmini
In Virāṭas Versammlungshalle wollte ich damals ein gewaltiges Blutbad anrichten; doch der Dharmarāja hielt mich mit einem Seitenblick zurück - und da ich seinen Willen erkannte, hielt ich still, du Zornerfüllte.
duḥśāsanasya pāpasya yan mayā na hṛtaṃ śiraḥ tan me dahati kalyāṇi hṛdi śalyam ivārpitam mā dharmaṃ jahi suśroṇi krodhaṃ jahi mahāmate
und dass ich dem bösen Duḥśāsana noch nicht das Haupt abgeschlagen habe - das brennt in mir, du Gütige, wie ein Pfeil, der im Herzen steckt. Verlasse nicht die Rechtschaffenheit, du Schöne; lass ab von deinem Zorn, du Hochgesinnte.
Wort für Wort
duḥśāsanasya pāpasya yan mayā na hṛtaṃ śiraḥ tan me dahati kalyāṇi hṛdi śalyam ivārpitam mā dharmaṃ jahi suśroṇi krodhaṃ jahi mahāmate
und dass ich dem bösen Duḥśāsana noch nicht das Haupt abgeschlagen habe - das brennt in mir, du Gütige, wie ein Pfeil, der im Herzen steckt. Verlasse nicht die Rechtschaffenheit, du Schöne; lass ab von deinem Zorn, du Hochgesinnte.
Sukanyā, die Tochter Śaryātis, die Schöne, blieb im Wald dem Bhārgava Cyavana treu ergeben, der, von einem Ameisenhügel überwachsen, in Versenkung verharrte.
Sukanyā, die Tochter Śaryātis, die Schöne, blieb im Wald dem Bhārgava Cyavana treu ergeben, der, von einem Ameisenhügel überwachsen, in Versenkung verharrte.
Und wenn du von Indrasenā, der Tochter Naḍas, gehört hast, berühmt durch ihre Schönheit - sie diente einst treu ihrem greisen, tausend Jahre alten Gatten.
Und wenn du von Indrasenā, der Tochter Naḍas, gehört hast, berühmt durch ihre Schönheit - sie diente einst treu ihrem greisen, tausend Jahre alten Gatten.
Draupadī sprach: ‚In meiner Not habe ich diese Tränen vergossen, Bhīma, weil ich mein Leid nicht länger ertragen konnte; nicht dem König mache ich Vorwürfe.
Draupadī sprach: ‚In meiner Not habe ich diese Tränen vergossen, Bhīma, weil ich mein Leid nicht länger ertragen konnte; nicht dem König mache ich Vorwürfe.
Hier, Bhīma, ist Kaikeyī stets in Sorge, aus Furcht, meine Schönheit könnte Unheil anrichten - sie fürchtet, der König könnte durch mich in Versuchung geraten.
Hier, Bhīma, ist Kaikeyī stets in Sorge, aus Furcht, meine Schönheit könnte Unheil anrichten - sie fürchtet, der König könnte durch mich in Versuchung geraten.
Das mit 'iti' eingeführte Gedankenzitat Sudeṣṇās wird als indirekte Rede wiedergegeben, um eine dritte Zitatebene innerhalb von Draupadīs Rede zu vermeiden.
pāpātmā pāpabhāvaś ca kāmarāgavaśānugaḥ avinītaś ca duṣṭātmā pratyākhyātaḥ punaḥ punaḥ darśane darśane hanyāt tathā jahyāṃ ca jīvitam
Böse an Seele und Gesinnung, der Gewalt der Begierde unterworfen, zügellos und bösartigen Sinnes, wiewohl immer wieder zurückgewiesen - bei jedem Wiedersehen könnte er mich töten, oder ich müsste mein Leben lassen.
Wort für Wort
pāpātmā pāpabhāvaś ca kāmarāgavaśānugaḥ avinītaś ca duṣṭātmā pratyākhyātaḥ punaḥ punaḥ darśane darśane hanyāt tathā jahyāṃ ca jīvitam
Böse an Seele und Gesinnung, der Gewalt der Begierde unterworfen, zügellos und bösartigen Sinnes, wiewohl immer wieder zurückgewiesen - bei jedem Wiedersehen könnte er mich töten, oder ich müsste mein Leben lassen.
tad dharme yatamānānāṃ mahān dharmo naśiṣyati samayaṃ rakṣamāṇānāṃ bhāryā vo na bhaviṣyati
Für euch, die ihr um Rechtschaffenheit bemüht seid, würde dann große Rechtschaffenheit zunichtewerden; und euch, die ihr euer Gelübde wahrt, würde eure Gattin verlorengehen.
Wort für Wort
tad dharme yatamānānāṃ mahān dharmo naśiṣyati samayaṃ rakṣamāṇānāṃ bhāryā vo na bhaviṣyati
Für euch, die ihr um Rechtschaffenheit bemüht seid, würde dann große Rechtschaffenheit zunichtewerden; und euch, die ihr euer Gelübde wahrt, würde eure Gattin verlorengehen.
Und sollte die Sonne morgen früh aufgehen, während er noch lebt, so werde ich Gift mischen und trinken - nur um nicht in Kīcakas Gewalt zu geraten. Denn besser ist mir der Tod, Bhīmasena, vor deinen Augen.‘
Und sollte die Sonne morgen früh aufgehen, während er noch lebt, so werde ich Gift mischen und trinken - nur um nicht in Kīcakas Gewalt zu geraten. Denn besser ist mir der Tod, Bhīmasena, vor deinen Augen.‘
vaiśaṃpāyana uvāca ity uktvā prārudat kṛṣṇā bhīmasyoraḥ samāśritā bhīmaś ca tāṃ pariṣvajya mahat sāntvaṃ prayujya ca kīcakaṃ manasāgacchat sṛkkiṇī parisaṃlihan
Vaiśampāyana sprach: So sprechend, weinte Kṛṣṇā, an Bhīmas Brust gelehnt; und Bhīma, sie umarmend und ihr großen Trost spendend, wandte seine Gedanken Kīcaka zu, indem er sich die Mundwinkel leckte.
Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca ity uktvā prārudat kṛṣṇā bhīmasyoraḥ samāśritā bhīmaś ca tāṃ pariṣvajya mahat sāntvaṃ prayujya ca kīcakaṃ manasāgacchat sṛkkiṇī parisaṃlihan
Vaiśampāyana sprach: So sprechend, weinte Kṛṣṇā, an Bhīmas Brust gelehnt; und Bhīma, sie umarmend und ihr großen Trost spendend, wandte seine Gedanken Kīcaka zu, indem er sich die Mundwinkel leckte.