Beim Anblick des gewaltigen, von Bhīṣma, Droṇa, Karṇa, Kṛpa, Aśvatthāman und Duryodhana angeführten Kaurava-Heeres verliert Uttara jeden Mut, springt vom Wagen und flieht panisch, seine Waffen wegwerfend. Arjuna verfolgt ihn zu Fuß und packt ihn bei den Haaren, während die verwunderten Kurus untereinander debattieren, wer der androgyn wirkende Verfolger sein könnte, und richtig vermuten, dass es sich um den als Wagenlenker verkleideten Arjuna handeln muss. Uttara bietet Bṛhannaḍā vergeblich Reichtümer für seine Freilassung an; Arjuna überredet ihn schließlich, wenigstens die Zügel zu halten, während er selbst kämpft, und hebt ihn auf den Wagen.
vaiśaṃpāyana uvāca sa rājadhānyā niryāya vairāṭiḥ pṛthivīṃjayaḥ prayāhīty abravīt sūtaṃ yatra te kuravo gatāḥ
Vaiśampāyana sprach: Nachdem er aus der Königsstadt ausgezogen war, sprach jener Sohn Virāṭas, Pṛthivīṃjaya, zum Wagenlenker: ‚Fahre dorthin, wohin jene Kurus gezogen sind.
Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca sa rājadhānyā niryāya vairāṭiḥ pṛthivīṃjayaḥ prayāhīty abravīt sūtaṃ yatra te kuravo gatāḥ
Vaiśampāyana sprach: Nachdem er aus der Königsstadt ausgezogen war, sprach jener Sohn Virāṭas, Pṛthivīṃjaya, zum Wagenlenker: ‚Fahre dorthin, wohin jene Kurus gezogen sind.
Pṛthivīṃjaya ('Welteroberer') ist ein weiterer, hier bewusst grandioser Beiname Uttaras/Bhūmiṃjayas - ironisch angesichts seiner bald folgenden Furcht.
Da trieb der Sohn des Pāṇḍu jene edlen Rosse an; von dem Löwen unter den Männern angetrieben, trugen jene windschnellen, goldgeschmückten Pferde den Wagen, als ritzten sie den Himmel.
Da trieb der Sohn des Pāṇḍu jene edlen Rosse an; von dem Löwen unter den Männern angetrieben, trugen jene windschnellen, goldgeschmückten Pferde den Wagen, als ritzten sie den Himmel.
Nachdem sie nicht allzu weit gefahren waren, erblickten der Matsya-Sohn und Dhanaṃjaya, die beiden Feindevernichter, das Heer der starken Kurus; nachdem er am Leichenfeld vorbeigefahren war, erreichte er die Kurus.
Nachdem sie nicht allzu weit gefahren waren, erblickten der Matsya-Sohn und Dhanaṃjaya, die beiden Feindevernichter, das Heer der starken Kurus; nachdem er am Leichenfeld vorbeigefahren war, erreichte er die Kurus.
Das hier erwähnte Leichenfeld (śmaśāna) dürfte dieselbe Örtlichkeit sein, in deren Nähe der Śamī-Baum mit den versteckten Waffen steht (vgl. Kap.5).
droṇena ca saputreṇa maheṣvāsena dhīmatā hṛṣṭaromā bhayodvignaḥ pārthaṃ vairāṭir abravīt
sowie von Droṇa samt seinem Sohn, dem großen, weisen Bogenschützen - da sprach, mit gesträubten Haaren, von Furcht erregt, der Sohn Virāṭas zum Pārtha:
Wort für Wort
droṇena ca saputreṇa maheṣvāsena dhīmatā hṛṣṭaromā bhayodvignaḥ pārthaṃ vairāṭir abravīt
sowie von Droṇa samt seinem Sohn, dem großen, weisen Bogenschützen - da sprach, mit gesträubten Haaren, von Furcht erregt, der Sohn Virāṭas zum Pārtha:
notsahe kurubhir yoddhuṃ romaharṣaṃ hi paśya me bahupravīram atyugraṃ devair api durāsadam pratiyoddhuṃ na śakṣyāmi kurusainyam anantakam
‚Ich vermag es nicht, mit den Kurus zu kämpfen; sieh nur, wie sich mir die Haare sträuben! Ich werde nicht imstande sein, dem an vielen Helden reichen, überaus furchtbaren, selbst für Götter unangreifbaren, endlosen Kuru-Heer entgegenzutreten.
Wort für Wort
notsahe kurubhir yoddhuṃ romaharṣaṃ hi paśya me bahupravīram atyugraṃ devair api durāsadam pratiyoddhuṃ na śakṣyāmi kurusainyam anantakam
‚Ich vermag es nicht, mit den Kurus zu kämpfen; sieh nur, wie sich mir die Haare sträuben! Ich werde nicht imstande sein, dem an vielen Helden reichen, überaus furchtbaren, selbst für Götter unangreifbaren, endlosen Kuru-Heer entgegenzutreten.
nāśaṃse bhāratīṃ senāṃ praveṣṭuṃ bhīmakārmukām rathanāgāśvakalilāṃ pattidhvajasamākulām dṛṣṭvaiva hi parān ājāv ātmā pravyathatīva me
Ich wage nicht zu hoffen, in das Bhārata-Heer einzudringen, das von furchtbaren Bögen strotzt, von Wagen, Elefanten und Pferden wimmelt, von Fußvolk und Bannern durcheinandergewirbelt ist; schon beim bloßen Anblick der Feinde in der Schlacht zittert mir gleichsam die Seele.
Wort für Wort
nāśaṃse bhāratīṃ senāṃ praveṣṭuṃ bhīmakārmukām rathanāgāśvakalilāṃ pattidhvajasamākulām dṛṣṭvaiva hi parān ājāv ātmā pravyathatīva me
Ich wage nicht zu hoffen, in das Bhārata-Heer einzudringen, das von furchtbaren Bögen strotzt, von Wagen, Elefanten und Pferden wimmelt, von Fußvolk und Bannern durcheinandergewirbelt ist; schon beim bloßen Anblick der Feinde in der Schlacht zittert mir gleichsam die Seele.
Vaiśampāyana sprach: Während jener Verschlagene, der wirklich vorangegangen war, zusah, jammerte der Törichte, der in Wahrheit nicht vorangegangen war, aus bloßer Dummheit in Gegenwart des Savyasācin. [?]
Vaiśampāyana sprach: Während jener Verschlagene, der wirklich vorangegangen war, zusah, jammerte der Törichte, der in Wahrheit nicht vorangegangen war, aus bloßer Dummheit in Gegenwart des Savyasācin. [?]
Der Vers spielt mit dem Wortpaar 'aviyāta' (nicht vorangegangen) und 'viyāta' (vorangegangen) und ist syntaktisch schwer eindeutig aufzulösen; die Zuordnung von 'dhūrtasya' (des Verschlagenen/Klugen) zu Arjuna und die genaue Konstruktion bleiben unsicher.
arjuna uvāca bhayena dīnarūpo 'si dviṣatāṃ harṣavardhanaḥ na ca tāvat kṛtaṃ kiṃ cit paraiḥ karma raṇājire
Arjuna sprach: ‚Vor Furcht bist du kläglich anzusehen, ein Mehrer der Freude deiner Feinde; und doch haben die Gegner bislang noch gar nichts auf dem Schlachtfeld getan.
Wort für Wort
arjuna uvāca bhayena dīnarūpo 'si dviṣatāṃ harṣavardhanaḥ na ca tāvat kṛtaṃ kiṃ cit paraiḥ karma raṇājire
Arjuna sprach: ‚Vor Furcht bist du kläglich anzusehen, ein Mehrer der Freude deiner Feinde; und doch haben die Gegner bislang noch gar nichts auf dem Schlachtfeld getan.
svayam eva ca mām āttha vaha māṃ kauravān prati so 'haṃ tvāṃ tatra neṣyāmi yatraite bahulā dhvajāḥ
Du selbst hast mich ja gebeten: 'Fahre mich zu den Kauravas' - eben dorthin, wo diese vielen Banner sind, werde ich dich nun führen.
Wort für Wort
svayam eva ca mām āttha vaha māṃ kauravān prati so 'haṃ tvāṃ tatra neṣyāmi yatraite bahulā dhvajāḥ
Du selbst hast mich ja gebeten: 'Fahre mich zu den Kauravas' - eben dorthin, wo diese vielen Banner sind, werde ich dich nun führen.
Das eingebettete kurze Selbstzitat Uttaras ('Fahre mich zu den Kauravas') wird hier direkt wiedergegeben, da es knapp und nicht selbst weiter verschachtelt ist.
tathā strīṣu pratiśrutya pauruṣaṃ puruṣeṣu ca katthamāno 'bhiniryāya kimarthaṃ na yuyutsase
Nachdem du doch vor den Frauen und auch vor den Männern deine Mannhaftigkeit gelobt und dich gerühmt hattest, warum willst du nun, da du ausgezogen bist, nicht kämpfen?
Wort für Wort
tathā strīṣu pratiśrutya pauruṣaṃ puruṣeṣu ca katthamāno 'bhiniryāya kimarthaṃ na yuyutsase
Nachdem du doch vor den Frauen und auch vor den Männern deine Mannhaftigkeit gelobt und dich gerühmt hattest, warum willst du nun, da du ausgezogen bist, nicht kämpfen?
aham apy atra sairandhryā stutaḥ sārathyakarmaṇi na hi śakṣyāmy anirjitya gāḥ prayātuṃ puraṃ prati
Auch ich bin hier von der Sairandhrī für das Wagenlenkeramt gerühmt worden; ich werde nicht, ohne die Rinder zurückerobert zu haben, in die Stadt zurückkehren können.
Wort für Wort
aham apy atra sairandhryā stutaḥ sārathyakarmaṇi na hi śakṣyāmy anirjitya gāḥ prayātuṃ puraṃ prati
Auch ich bin hier von der Sairandhrī für das Wagenlenkeramt gerühmt worden; ich werde nicht, ohne die Rinder zurückerobert zu haben, in die Stadt zurückkehren können.
Vaiśampāyana sprach: Nachdem er dies gesagt hatte, sprang der mit Ohrringen Geschmückte, von Furcht erfasst, vom Wagen und rannte davon; jener Schwachsinnige warf, den Stolz preisgebend, Bogen samt Pfeilen von sich.
Vaiśampāyana sprach: Nachdem er dies gesagt hatte, sprang der mit Ohrringen Geschmückte, von Furcht erfasst, vom Wagen und rannte davon; jener Schwachsinnige warf, den Stolz preisgebend, Bogen samt Pfeilen von sich.
bṛhannaḍovāca naiṣa pūrvaiḥ smṛto dharmaḥ kṣatriyasya palāyanam śreyas te maraṇaṃ yuddhe na bhītasya palāyanam
Bṛhannaḍā sprach: ‚Dies ist nicht die von den Alten überlieferte Pflicht eines Kṣatriya - die Flucht! Besser ist dir der Tod in der Schlacht als die Flucht aus Furcht.‘
Wort für Wort
bṛhannaḍovāca naiṣa pūrvaiḥ smṛto dharmaḥ kṣatriyasya palāyanam śreyas te maraṇaṃ yuddhe na bhītasya palāyanam
Bṛhannaḍā sprach: ‚Dies ist nicht die von den Alten überlieferte Pflicht eines Kṣatriya - die Flucht! Besser ist dir der Tod in der Schlacht als die Flucht aus Furcht.‘
vaiśaṃpāyana uvāca evam uktvā tu kaunteyaḥ so 'vaplutya rathottamāt tam anvadhāvad dhāvantaṃ rājaputraṃ dhanaṃjayaḥ dīrghāṃ veṇīṃ vidhunvānaḥ sādhu rakte ca vāsasī
Vaiśampāyana sprach: Nachdem er dies gesagt hatte, sprang der Sohn der Kuntī, Dhanaṃjaya, von seinem vortrefflichen Wagen und verfolgte den davonlaufenden Königssohn, dabei seinen langen Zopf schwenkend, in seinen schön geröteten Gewändern.
Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca evam uktvā tu kaunteyaḥ so 'vaplutya rathottamāt tam anvadhāvad dhāvantaṃ rājaputraṃ dhanaṃjayaḥ dīrghāṃ veṇīṃ vidhunvānaḥ sādhu rakte ca vāsasī
Vaiśampāyana sprach: Nachdem er dies gesagt hatte, sprang der Sohn der Kuntī, Dhanaṃjaya, von seinem vortrefflichen Wagen und verfolgte den davonlaufenden Königssohn, dabei seinen langen Zopf schwenkend, in seinen schön geröteten Gewändern.
vidhūya veṇīṃ dhāvantam ajānanto 'rjunaṃ tadā sainikāḥ prāhasan ke cit tathārūpam avekṣya tam
Als sie ihn, den Zopf schwenkend, dahinlaufen sahen, ohne zu wissen, dass es Arjuna war, lachten einige der Soldaten, als sie ihn in dieser Gestalt erblickten.
Wort für Wort
vidhūya veṇīṃ dhāvantam ajānanto 'rjunaṃ tadā sainikāḥ prāhasan ke cit tathārūpam avekṣya tam
Als sie ihn, den Zopf schwenkend, dahinlaufen sahen, ohne zu wissen, dass es Arjuna war, lachten einige der Soldaten, als sie ihn in dieser Gestalt erblickten.
ekaḥ putro virāṭasya śūnye saṃnihitaḥ pure sa eṣa kila niryāto bālabhāvān na pauruṣāt
Der einzige Sohn Virāṭas wurde in der nun leeren Stadt zurückgelassen; er ist es wohl, der da ausgezogen ist, aus Knabenhaftigkeit, nicht aus wahrer Mannhaftigkeit.
Wort für Wort
ekaḥ putro virāṭasya śūnye saṃnihitaḥ pure sa eṣa kila niryāto bālabhāvān na pauruṣāt
Der einzige Sohn Virāṭas wurde in der nun leeren Stadt zurückgelassen; er ist es wohl, der da ausgezogen ist, aus Knabenhaftigkeit, nicht aus wahrer Mannhaftigkeit.
sa no manye dhvajān dṛṣṭvā bhīta eṣa palāyati taṃ nūnam eṣa dhāvantaṃ jighṛkṣati dhanaṃjayaḥ
Der ist es, denke ich, der beim Anblick unserer Banner erschrocken flieht; und jener, der ihm nachläuft und ihn, den Fliehenden, gewiss ergreifen will - das ist Dhanaṃjaya.‘
Wort für Wort
sa no manye dhvajān dṛṣṭvā bhīta eṣa palāyati taṃ nūnam eṣa dhāvantaṃ jighṛkṣati dhanaṃjayaḥ
Der ist es, denke ich, der beim Anblick unserer Banner erschrocken flieht; und jener, der ihm nachläuft und ihn, den Fliehenden, gewiss ergreifen will - das ist Dhanaṃjaya.‘
iti sma kuravaḥ sarve vimṛśantaḥ pṛthak pṛthak na ca vyavasituṃ kiṃ cid uttaraṃ śaknuvanti te channaṃ tathā taṃ satreṇa pāṇḍavaṃ prekṣya bhārata
So überlegten alle Kurus, jeder für sich, doch zu keiner endgültigen Antwort konnten sie kommen, als sie jenen so durch sein Gelübde verhüllten Pāṇḍava sahen, o Bhārata.
Wort für Wort
iti sma kuravaḥ sarve vimṛśantaḥ pṛthak pṛthak na ca vyavasituṃ kiṃ cid uttaraṃ śaknuvanti te channaṃ tathā taṃ satreṇa pāṇḍavaṃ prekṣya bhārata
So überlegten alle Kurus, jeder für sich, doch zu keiner endgültigen Antwort konnten sie kommen, als sie jenen so durch sein Gelübde verhüllten Pāṇḍava sahen, o Bhārata.
Vaiśampāyana sprach: Über solche und ähnliche Worte, die der von Sinnen Geratene jammernd von sich gab, lachend, brachte der Tiger unter den Männern ihn zum Wagen zurück.
Vaiśampāyana sprach: Über solche und ähnliche Worte, die der von Sinnen Geratene jammernd von sich gab, lachend, brachte der Tiger unter den Männern ihn zum Wagen zurück.
Da sprach der Pārtha zu ihm, der von Furcht gequält und von Sinnen war: ‚Wenn du dich nicht getraust, mit den Feinden zu kämpfen, o Feindebezwinger, so komm und halte du mir die Zügel, während ich mit den Feinden kämpfe.
Da sprach der Pārtha zu ihm, der von Furcht gequält und von Sinnen war: ‚Wenn du dich nicht getraust, mit den Feinden zu kämpfen, o Feindebezwinger, so komm und halte du mir die Zügel, während ich mit den Feinden kämpfe.
Fahre in dieses Wagenheer hinein, geschützt von der Kraft meiner Arme - jenes überaus unangreifbare, furchtbare, von heldenhaften großen Wagenkämpfern bewachte Heer.
Fahre in dieses Wagenheer hinein, geschützt von der Kraft meiner Arme - jenes überaus unangreifbare, furchtbare, von heldenhaften großen Wagenkämpfern bewachte Heer.
mā bhais tvaṃ rājaputrāgrya kṣatriyo 'si paraṃtapa ahaṃ vai kurubhir yotsyāmy avajeṣyāmi te paśūn
Fürchte dich nicht, du Erster der Königssöhne, du bist ja ein Kṣatriya, Bezwinger der Feinde; ich werde mit den Kurus kämpfen und dir die Rinder zurückerobern.
Wort für Wort
mā bhais tvaṃ rājaputrāgrya kṣatriyo 'si paraṃtapa ahaṃ vai kurubhir yotsyāmy avajeṣyāmi te paśūn
Fürchte dich nicht, du Erster der Königssöhne, du bist ja ein Kṣatriya, Bezwinger der Feinde; ich werde mit den Kurus kämpfen und dir die Rinder zurückerobern.