Kapitel 19: Kīcakavadhaparva (7)
Draupadīs Klage über ihre eigene Erniedrigung; Bhīmas Tränen
Draupadī führt ihre Klage fort und wendet sich nun ihrem eigenen Schicksal zu: von der Hauptgemahlin der Pāṇḍavas zur Wäschemagd Sudeṣṇās herabgesunken, mit von Schwielen überzogenen Händen, die einst nie selbst hätten arbeiten müssen. Nach einer kurzen erzählerischen Unterbrechung, in der sie Bhīma ihre schwieligen Hände zeigt, setzt sie ihre Rede fort und schließt sie ab. Eine kurze, gesonderte letzte Äußerung folgt, in der sie ihr eigenes Leben als unverdiente Gnade der Götter beklagt. Bhīma, überwältigt, nimmt ihre Hände und weint - das Kapitel endet damit, dass er zu sprechen beginnt.
Ich, die ich im Gewand einer Sairandhrī im Königshaus umhergehe, bin wegen jenes Würfelspielers zur Wäschemagd Sudeṣṇās geworden.
Die Anrede 'draupady uvāca' (Draupadī sprach) markiert hier nur formelhaft den Fortgang derselben, seit Kapitel 17 ununterbrochenen Klagerede - kein neuer Redeansatz.
Sieh meine bittere Erniedrigung, du Bezwinger der Feinde! Ich sitze da, der Königstochter aufwartend, und ertrage all das Leid, als wäre es nur eine wiederkehrende, jahreszeitliche Pein.
Sieh meine bittere Erniedrigung, du Bezwinger der Feinde! Ich sitze da, der Königstochter aufwartend, und ertrage all das Leid, als wäre es nur eine wiederkehrende, jahreszeitliche Pein.
dattvā yācanti puruṣā hatvā vadhyanti cāpare pātayitvā ca pātyante parair iti ca me śrutam
Auch dies habe ich gehört: Männer, die einst gaben, betteln später; manche, die getötet haben, werden selbst getötet; und die, die andere gestürzt haben, werden ihrerseits von anderen gestürzt.
Wort für Wort
dattvā yācanti puruṣā hatvā vadhyanti cāpare pātayitvā ca pātyante parair iti ca me śrutam
Auch dies habe ich gehört: Männer, die einst gaben, betteln später; manche, die getötet haben, werden selbst getötet; und die, die andere gestürzt haben, werden ihrerseits von anderen gestürzt.
na daivasyātibhāro 'sti na daivasyātivartanam iti cāpy āgamaṃ bhūyo daivasya pratipālaye
Und indem ich mir diese Lehre erneut vergegenwärtige - dass es für das Schicksal keine zu große Last gibt und nichts, was das Schicksal nicht umzukehren vermag -, harre ich auf das Schicksal.
Wort für Wort
na daivasyātibhāro 'sti na daivasyātivartanam iti cāpy āgamaṃ bhūyo daivasya pratipālaye
Und indem ich mir diese Lehre erneut vergegenwärtige - dass es für das Schicksal keine zu große Last gibt und nichts, was das Schicksal nicht umzukehren vermag -, harre ich auf das Schicksal.
Ich halte es für nichts als das Wirken des Schicksals, dass Pārtha Dhanaṃjaya, der Großarmige mit dem furchtbaren Bogen, dasitzt wie ein erloschenes Feuer.
Ich halte es für nichts als das Wirken des Schicksals, dass Pārtha Dhanaṃjaya, der Großarmige mit dem furchtbaren Bogen, dasitzt wie ein erloschenes Feuer.
yasyāḥ puraḥsarā āsan pṛṣṭhataś cānugāminaḥ sāham adya sudeṣṇāyāḥ puraḥ paścāc ca gāminī idaṃ tu duḥkhaṃ kaunteya mamāsahyaṃ nibodha tat
Ich, vor der einst Vorausgeher schritten und der Gefolgsleute nachfolgten, gehe nun selbst vor Sudeṣṇā her und hinter ihr - dieses Leid, o Sohn der Kuntī, ist mir unerträglich; das sollst du wissen.
Wort für Wort
yasyāḥ puraḥsarā āsan pṛṣṭhataś cānugāminaḥ sāham adya sudeṣṇāyāḥ puraḥ paścāc ca gāminī idaṃ tu duḥkhaṃ kaunteya mamāsahyaṃ nibodha tat
Ich, vor der einst Vorausgeher schritten und der Gefolgsleute nachfolgten, gehe nun selbst vor Sudeṣṇā her und hinter ihr - dieses Leid, o Sohn der Kuntī, ist mir unerträglich; das sollst du wissen.
yā na jātu svayaṃ piṃṣe gātrodvartanam ātmanaḥ anyatra kuntyā bhadraṃ te sādya piṃṣāmi candanam paśya kaunteya pāṇī me naivaṃ yau bhavataḥ purā
Ich, die ich niemals selbst die Salbe für die Reinigung meines eigenen Körpers zerrieb, außer vor Kuntī - ich zerreibe nun Sandelholzpaste. Wohl dir! Sieh, o Sohn der Kuntī, meine Hände - so waren sie früher nicht.
Wort für Wort
yā na jātu svayaṃ piṃṣe gātrodvartanam ātmanaḥ anyatra kuntyā bhadraṃ te sādya piṃṣāmi candanam paśya kaunteya pāṇī me naivaṃ yau bhavataḥ purā
Ich, die ich niemals selbst die Salbe für die Reinigung meines eigenen Körpers zerrieb, außer vor Kuntī - ich zerreibe nun Sandelholzpaste. Wohl dir! Sieh, o Sohn der Kuntī, meine Hände - so waren sie früher nicht.
kiṃ nu vakṣyati samrāṇ māṃ varṇakaḥ sukṛto na vā nānyapiṣṭaṃ hi matsyasya candanaṃ kila rocate
Was wird wohl der Herrscher zu mir sagen - ob die Paste gut gemacht sei oder nicht? Denn, wie es heißt, gefällt dem Matsya-König keine Paste, die von einer anderen gerieben wurde.‘
Wort für Wort
kiṃ nu vakṣyati samrāṇ māṃ varṇakaḥ sukṛto na vā nānyapiṣṭaṃ hi matsyasya candanaṃ kila rocate
Was wird wohl der Herrscher zu mir sagen - ob die Paste gut gemacht sei oder nicht? Denn, wie es heißt, gefällt dem Matsya-König keine Paste, die von einer anderen gerieben wurde.‘
nālpaṃ kṛtaṃ mayā bhīma devānāṃ kilbiṣaṃ purā abhāgyā yat tu jīvāmi martavye sati pāṇḍava
‚Nicht gering war das Unrecht, das ich einst gegen die Götter beging, Bhīma - unselig bin ich, dass ich noch lebe, wo doch der Tod angemessen wäre, Pāṇḍava.‘
Wort für Wort
nālpaṃ kṛtaṃ mayā bhīma devānāṃ kilbiṣaṃ purā abhāgyā yat tu jīvāmi martavye sati pāṇḍava
‚Nicht gering war das Unrecht, das ich einst gegen die Götter beging, Bhīma - unselig bin ich, dass ich noch lebe, wo doch der Tod angemessen wäre, Pāṇḍava.‘
Da nahm Vṛkodara ihre geschwollenen, von Schwielen bedeckten Hände, führte sie, die zitterten, an sein Gesicht, und weinte, er, der Feindeshelden-Töter.
Da nahm Vṛkodara ihre geschwollenen, von Schwielen bedeckten Hände, führte sie, die zitterten, an sein Gesicht, und weinte, er, der Feindeshelden-Töter.
tau gṛhītvā ca kaunteyo bāṣpam utsṛjya vīryavān tataḥ paramaduḥkhārta idaṃ vacanam abravīt
Und nachdem der Sohn der Kuntī, der Gewaltige, ihre Hände ergriffen und Tränen vergossen hatte, sprach er da, von höchstem Schmerz überwältigt, folgende Worte:
Wort für Wort
tau gṛhītvā ca kaunteyo bāṣpam utsṛjya vīryavān tataḥ paramaduḥkhārta idaṃ vacanam abravīt
Und nachdem der Sohn der Kuntī, der Gewaltige, ihre Hände ergriffen und Tränen vergossen hatte, sprach er da, von höchstem Schmerz überwältigt, folgende Worte: