Kapitel 4: Pāṇḍavapraveśaparva (4)
Dhaumyas Lehre vom Leben am Königshof
Yudhiṣṭhira ordnet die letzten organisatorischen Angelegenheiten (Priester und Personal nach Pāñcāla bzw. Dvārakā, Tarnung der Abreise) und schließt damit seine seit Kap.3 laufende Rede ab. Dhaumya hält daraufhin eine lange, sprichwortartige Lehrrede über das rechte Verhalten am Königshof (rājavasatiḥ) - Zurückhaltung, Wachsamkeit, Meiden von Übermut und Vertraulichkeit, Loyalität, Anpassung an die Wünsche des Herrschers -, die Yudhiṣṭhira dankbar als der Weisheit seiner Mutter Kuntī und Viduras ebenbürtig würdigt. Vaiśampāyana berichtet den abschließenden Abreiseritus: Dhaumya vollzieht die vorgeschriebenen Feueropfer, und die sechs (die fünf Pāṇḍavas und Draupadī) brechen, Yājñasenī vorausgehend, auf.
dhaumya uvāca vidite cāpi vaktavyaṃ suhṛdbhir anurāgataḥ ato 'ham api vakṣyāmi hetumātraṃ nibodhata
‚Auch wenn es bereits bekannt ist, muss es von wohlgesinnten Freunden ausgesprochen werden; deshalb werde ich es ebenfalls sagen - vernehmt nur den Grund.
Wort für Wort
dhaumya uvāca vidite cāpi vaktavyaṃ suhṛdbhir anurāgataḥ ato 'ham api vakṣyāmi hetumātraṃ nibodhata
‚Auch wenn es bereits bekannt ist, muss es von wohlgesinnten Freunden ausgesprochen werden; deshalb werde ich es ebenfalls sagen - vernehmt nur den Grund.
hantemāṃ rājavasatiṃ rājaputrā bravīmi vaḥ yathā rājakulaṃ prāpya caran preṣyo na riṣyati
Wohlan, dieses Wissen vom Leben am Königshof will ich euch, Königssöhne, mitteilen, wie ein Diener, der an den Königshof gelangt ist, dort wandelnd keinen Schaden nimmt.
Wort für Wort
hantemāṃ rājavasatiṃ rājaputrā bravīmi vaḥ yathā rājakulaṃ prāpya caran preṣyo na riṣyati
Wohlan, dieses Wissen vom Leben am Königshof will ich euch, Königssöhne, mitteilen, wie ein Diener, der an den Königshof gelangt ist, dort wandelnd keinen Schaden nimmt.
durvasaṃ tv eva kauravyā jānatā rājaveśmani amānitaiḥ sumānārhā ajñātaiḥ parivatsaram
Denn schwer zu ertragen ist, ihr Kauravyas, das Wohnen im Königspalast für den, der weiß, dass er, obwohl der Ehre würdig, von den Unwissenden ein ganzes Jahr lang ungeehrt bleiben wird.
Wort für Wort
durvasaṃ tv eva kauravyā jānatā rājaveśmani amānitaiḥ sumānārhā ajñātaiḥ parivatsaram
Denn schwer zu ertragen ist, ihr Kauravyas, das Wohnen im Königspalast für den, der weiß, dass er, obwohl der Ehre würdig, von den Unwissenden ein ganzes Jahr lang ungeehrt bleiben wird.
diṣṭadvāro labhed dvāraṃ na ca rājasu viśvaset tad evāsanam anvicched yatra nābhiṣajet paraḥ
Nur durch die zugewiesene Tür trete man ein, und man vertraue Königen nicht blind; man suche sich nur einen solchen Sitzplatz, wo einen kein anderer verdrängen kann.
Wort für Wort
diṣṭadvāro labhed dvāraṃ na ca rājasu viśvaset tad evāsanam anvicched yatra nābhiṣajet paraḥ
Nur durch die zugewiesene Tür trete man ein, und man vertraue Königen nicht blind; man suche sich nur einen solchen Sitzplatz, wo einen kein anderer verdrängen kann.
nāsya yānaṃ na paryaṅkaṃ na pīṭhaṃ na gajaṃ ratham ārohet saṃmato 'smīti sa rājavasatiṃ vaset
Weder sein Fahrzeug noch sein Ruhebett, weder seinen Sessel noch seinen Elefanten oder Wagen besteige man in der Meinung, man sei geehrt - so lebe man am Königshof.
Wort für Wort
nāsya yānaṃ na paryaṅkaṃ na pīṭhaṃ na gajaṃ ratham ārohet saṃmato 'smīti sa rājavasatiṃ vaset
Weder sein Fahrzeug noch sein Ruhebett, weder seinen Sessel noch seinen Elefanten oder Wagen besteige man in der Meinung, man sei geehrt - so lebe man am Königshof.
Der mit 'iti' markierte Gedanke ('ich bin geehrt') wird hier als indirekte Rede wiedergegeben, um innerhalb von Dhaumyas bereits einfach angeführter Rede keine dritte Zitatebene zu eröffnen.
naiṣāṃ dāreṣu kurvīta maitrīṃ prājñaḥ kathaṃ cana antaḥpuracarā ye ca dveṣṭi yānahitāś ca ye
Mit deren Frauen schließe der Kluge niemals Freundschaft, ebensowenig mit denen, die im Frauengemach verkehren, noch mit solchen, die er hasst, oder die ihm feindlich gesinnt sind.
Wort für Wort
naiṣāṃ dāreṣu kurvīta maitrīṃ prājñaḥ kathaṃ cana antaḥpuracarā ye ca dveṣṭi yānahitāś ca ye
Mit deren Frauen schließe der Kluge niemals Freundschaft, ebensowenig mit denen, die im Frauengemach verkehren, noch mit solchen, die er hasst, oder die ihm feindlich gesinnt sind.
samarthanāsu sarvāsu hitaṃ ca priyam eva ca saṃvarṇayet tad evāsya priyād api hitaṃ vadet
Bei allen Zustimmungen preise man das Zuträgliche und zugleich das Angenehme; man spreche zu ihm, was ihm zuträglich ist, selbst wenn es dem Angenehmen vorzuziehen ist.
Wort für Wort
samarthanāsu sarvāsu hitaṃ ca priyam eva ca saṃvarṇayet tad evāsya priyād api hitaṃ vadet
Bei allen Zustimmungen preise man das Zuträgliche und zugleich das Angenehme; man spreche zu ihm, was ihm zuträglich ist, selbst wenn es dem Angenehmen vorzuziehen ist.
nāham asya priyo 'smīti matvā seveta paṇḍitaḥ apramattaś ca yattaś ca hitaṃ kuryāt priyaṃ ca yat
In der Meinung, er sei ihm nicht lieb, diene der Kluge dennoch; unachtsam und bemüht zugleich tue er, was zuträglich und angenehm ist.
Wort für Wort
nāham asya priyo 'smīti matvā seveta paṇḍitaḥ apramattaś ca yattaś ca hitaṃ kuryāt priyaṃ ca yat
In der Meinung, er sei ihm nicht lieb, diene der Kluge dennoch; unachtsam und bemüht zugleich tue er, was zuträglich und angenehm ist.
Der mit 'iti' markierte Gedanke ('ich bin ihm nicht lieb') wird hier als indirekte Rede wiedergegeben, um innerhalb von Dhaumyas bereits einfach angeführter Rede keine dritte Zitatebene zu eröffnen.
nāsyāniṣṭāni seveta nāhitaiḥ saha saṃvaset svasthānān na vikampeta sa rājavasatiṃ vaset
Man diene ihm nicht in dem, was ihm unlieb ist; man wohne nicht mit seinen Feinden zusammen; man weiche nicht von seinem zugewiesenen Platz - so lebe man am Königshof.
Wort für Wort
nāsyāniṣṭāni seveta nāhitaiḥ saha saṃvaset svasthānān na vikampeta sa rājavasatiṃ vaset
Man diene ihm nicht in dem, was ihm unlieb ist; man wohne nicht mit seinen Feinden zusammen; man weiche nicht von seinem zugewiesenen Platz - so lebe man am Königshof.
dakṣiṇaṃ vātha vāmaṃ vā pārśvam āsīta paṇḍitaḥ rakṣiṇāṃ hy āttaśastrāṇāṃ sthānaṃ paścād vidhīyate nityaṃ vipratiṣiddhaṃ tu purastād āsanaṃ mahat
Zur Rechten oder zur Linken setze sich der Kluge; denn der Platz der bewaffneten Wächter ist stets hinten vorgesehen, während ein erhabener Sitzplatz vorne stets untersagt ist.
Wort für Wort
dakṣiṇaṃ vātha vāmaṃ vā pārśvam āsīta paṇḍitaḥ rakṣiṇāṃ hy āttaśastrāṇāṃ sthānaṃ paścād vidhīyate nityaṃ vipratiṣiddhaṃ tu purastād āsanaṃ mahat
Zur Rechten oder zur Linken setze sich der Kluge; denn der Platz der bewaffneten Wächter ist stets hinten vorgesehen, während ein erhabener Sitzplatz vorne stets untersagt ist.
na ca saṃdarśane kiṃ cit pravṛddham api saṃjapet api hy etad daridrāṇāṃ vyalīkasthānam uttamam
Und vor aller Augen flüstere man nichts, mag es auch bedeutsam sein; denn dies ist selbst für Geringgestellte der beste Anlass für Argwohn. [?]
Wort für Wort
na ca saṃdarśane kiṃ cit pravṛddham api saṃjapet api hy etad daridrāṇāṃ vyalīkasthānam uttamam
Und vor aller Augen flüstere man nichts, mag es auch bedeutsam sein; denn dies ist selbst für Geringgestellte der beste Anlass für Argwohn. [?]
Der genaue Sinn von 'daridrāṇāṃ vyalīkasthānam uttamam' ('der beste Anlass zum Missfallen/Argwohn für die Armen/Geringen') bleibt unklar; sinngemäß übersetzt.
Man sei nicht hochmütig in der Meinung, man sei tapfer, oder wiederum, man sei klug; nur wer dem König Angenehmes erweist, wird ihm lieb und gelangt zu Wohlstand.
Man sei nicht hochmütig in der Meinung, man sei tapfer, oder wiederum, man sei klug; nur wer dem König Angenehmes erweist, wird ihm lieb und gelangt zu Wohlstand.
Die beiden mit 'iti' markierten Gedanken ('ich bin tapfer', 'ich bin klug') werden hier als indirekte Rede wiedergegeben, um innerhalb von Dhaumyas bereits einfach angeführter Rede keine dritte Zitatebene zu eröffnen.
aiśvaryaṃ prāpya duṣprāpaṃ priyaṃ prāpya ca rājataḥ apramatto bhaved rājñaḥ priyeṣu ca hiteṣu ca
Hat man schwer erlangbare Macht erlangt und die Gunst des Königs gewonnen, so bleibe man wachsam - sowohl hinsichtlich dessen, was ihm lieb, als auch dessen, was ihm zuträglich ist.
Wort für Wort
aiśvaryaṃ prāpya duṣprāpaṃ priyaṃ prāpya ca rājataḥ apramatto bhaved rājñaḥ priyeṣu ca hiteṣu ca
Hat man schwer erlangbare Macht erlangt und die Gunst des Königs gewonnen, so bleibe man wachsam - sowohl hinsichtlich dessen, was ihm lieb, als auch dessen, was ihm zuträglich ist.
yasya kopo mahābādhaḥ prasādaś ca mahāphalaḥ kas tasya manasāpīcched anarthaṃ prājñasaṃmataḥ
Wessen Zorn eine große Plage und wessen Gnade eine große Frucht ist - wer, der bei den Klugen Ansehen genießt, würde dem auch nur in Gedanken Schaden wünschen?
Wort für Wort
yasya kopo mahābādhaḥ prasādaś ca mahāphalaḥ kas tasya manasāpīcched anarthaṃ prājñasaṃmataḥ
Wessen Zorn eine große Plage und wessen Gnade eine große Frucht ist - wer, der bei den Klugen Ansehen genießt, würde dem auch nur in Gedanken Schaden wünschen?
na cātidhairyeṇa cared gurutāṃ hi vrajet tathā smitaṃ tu mṛdupūrveṇa darśayeta prasādajam
Man handle auch nicht mit allzu großer Selbstsicherheit, denn dadurch würde man als überheblich gelten; ein sanftes, aus Wohlwollen entstandenes Lächeln aber zeige man mit vorangehender Milde.
Wort für Wort
na cātidhairyeṇa cared gurutāṃ hi vrajet tathā smitaṃ tu mṛdupūrveṇa darśayeta prasādajam
Man handle auch nicht mit allzu großer Selbstsicherheit, denn dadurch würde man als überheblich gelten; ein sanftes, aus Wohlwollen entstandenes Lächeln aber zeige man mit vorangehender Milde.
pratyakṣaṃ ca parokṣaṃ ca guṇavādī vicakṣaṇaḥ upajīvī bhaved rājño viṣaye cāpi yo vaset
Wer im Herrschaftsbereich des Königs lebt, sei ihm gegenüber, in Gegenwart wie in Abwesenheit, ein Lobredner seiner Vorzüge, umsichtig, und lebe als sein Schützling.
Wort für Wort
pratyakṣaṃ ca parokṣaṃ ca guṇavādī vicakṣaṇaḥ upajīvī bhaved rājño viṣaye cāpi yo vaset
Wer im Herrschaftsbereich des Königs lebt, sei ihm gegenüber, in Gegenwart wie in Abwesenheit, ein Lobredner seiner Vorzüge, umsichtig, und lebe als sein Schützling.
śreyaḥ sadātmano dṛṣṭvā paraṃ rājñā na saṃvadet viśeṣayen na rājānaṃ yogyābhūmiṣu sarvadā
Stets das eigene Wohl im Blick, widerspreche man dem König nicht heftig; man übertreffe den König niemals, auch nicht in an sich angemessenen Belangen.
Wort für Wort
śreyaḥ sadātmano dṛṣṭvā paraṃ rājñā na saṃvadet viśeṣayen na rājānaṃ yogyābhūmiṣu sarvadā
Stets das eigene Wohl im Blick, widerspreche man dem König nicht heftig; man übertreffe den König niemals, auch nicht in an sich angemessenen Belangen.
Unermüdlich, kraftvoll, tapfer, stets wie ein Schatten unabweichend an seiner Seite, wahrhaftig redend, sanft, selbstbeherrscht - so lebe man am Königshof.
Unermüdlich, kraftvoll, tapfer, stets wie ein Schatten unabweichend an seiner Seite, wahrhaftig redend, sanft, selbstbeherrscht - so lebe man am Königshof.
samaveṣaṃ na kurvīta nātyuccaiḥ saṃnidhau haset mantraṃ na bahudhā kuryād evaṃ rājñaḥ priyo bhavet
Man trage keine ihm gleichende Kleidung, man lache in seiner Gegenwart nicht allzu laut, man führe Beratungen nicht unnötig auf vielerlei Weise - so wird man dem König lieb.
Wort für Wort
samaveṣaṃ na kurvīta nātyuccaiḥ saṃnidhau haset mantraṃ na bahudhā kuryād evaṃ rājñaḥ priyo bhavet
Man trage keine ihm gleichende Kleidung, man lache in seiner Gegenwart nicht allzu laut, man führe Beratungen nicht unnötig auf vielerlei Weise - so wird man dem König lieb.
So gesinnt, meine Lieben, möget ihr dieses eine Jahr zu bestehen wünschen; danach, wenn ihr euer eigenes Reich wiedererlangt habt, werdet ihr nach Belieben handeln.‘
So gesinnt, meine Lieben, möget ihr dieses eine Jahr zu bestehen wünschen; danach, wenn ihr euer eigenes Reich wiedererlangt habt, werdet ihr nach Belieben handeln.‘
teṣāṃ samidhya tān agnīn mantravac ca juhāva saḥ samṛddhivṛddhilābhāya pṛthivīvijayāya ca
Er entfachte für sie jene Feuer und opferte darin, den Mantras gemäß, zum Zweck des Gedeihens, des Wachstums und Gewinns sowie des Sieges über die Erde.
Wort für Wort
teṣāṃ samidhya tān agnīn mantravac ca juhāva saḥ samṛddhivṛddhilābhāya pṛthivīvijayāya ca
Er entfachte für sie jene Feuer und opferte darin, den Mantras gemäß, zum Zweck des Gedeihens, des Wachstums und Gewinns sowie des Sieges über die Erde.