Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Virāṭaparva

Kapitel 3: Pāṇḍavapraveśaparva (3) Nakulas, Sahadevas und Draupadīs Verkleidungspläne

Nakula kündigt seine Deckidentität als Pferdeknecht Granthika an, Sahadeva als Viehzähler/Kuhhirte Tantipāla. Auf Yudhiṣṭhiras besorgte Frage, wie sich die an höfischen Luxus gewöhnte Draupadī werde durchschlagen können, antwortet sie, sie werde sich als Sairandhrī - eine anerkannte Kategorie freier, unbeschützter Kammerzofen - ausgeben, geschickt im Haarflechten, und sich in den Dienst von Sudeṣṇā, Virāṭas Gattin, stellen. Yudhiṣṭhira lobt ihre kluge, tugendhafte Antwort und beginnt (Fortsetzung in Kap.4) die letzten organisatorischen Anweisungen zu geben.

yudhiṣṭhira uvāca kiṃ tvaṃ nakula kurvāṇas tatra tāta cariṣyasi sukumāraś ca śūraś ca darśanīyaḥ sukhocitaḥ

‚Was wirst du, Nakula, dort tun und wie wirst du dich verhalten, mein Lieber, du Zartgliedriger und Tapferer, Ansehnlicher, an Wohlleben Gewöhnter?‘

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca kiṃ tvaṃ nakula kurvāṇas tatra tāta cariṣyasi sukumāraś ca śūraś ca darśanīyaḥ sukhocitaḥ
‚Was wirst du, Nakula, dort tun und wie wirst du dich verhalten, mein Lieber, du Zartgliedriger und Tapferer, Ansehnlicher, an Wohlleben Gewöhnter?‘

nakula uvāca aśvabandho bhaviṣyāmi virāṭanṛpater aham granthiko nāma nāmnāhaṃ karmaitat supriyaṃ mama

‚Ich werde Pferdeknecht des Königs Virāṭa sein, mit Namen Granthika; diese Arbeit ist mir sehr lieb.

Wort für Wort
nakula uvāca aśvabandho bhaviṣyāmi virāṭanṛpater aham granthiko nāma nāmnāhaṃ karmaitat supriyaṃ mama
‚Ich werde Pferdeknecht des Königs Virāṭa sein, mit Namen Granthika; diese Arbeit ist mir sehr lieb.

kuśalo 'smy aśvaśikṣāyāṃ tathaivāśvacikitsite priyāś ca satataṃ me 'śvāḥ kururāja yathā tava

Ich bin geschickt in der Pferdeausbildung sowie in der Pferdeheilkunde; und die Pferde sind mir stets so lieb, König der Kurus, wie sie es dir sind.

Wort für Wort
kuśalo 'smy aśvaśikṣāyāṃ tathaivāśvacikitsite priyāś ca satataṃ me 'śvāḥ kururāja yathā tava
Ich bin geschickt in der Pferdeausbildung sowie in der Pferdeheilkunde; und die Pferde sind mir stets so lieb, König der Kurus, wie sie es dir sind.

ye mām āmantrayiṣyanti virāṭanagare janāḥ tebhya evaṃ pravakṣyāmi vihariṣyāmy ahaṃ yathā

Den Leuten, die mich in der Stadt Virāṭas ansprechen werden, werde ich dies sagen - so werde ich mich beschäftigen.‘

Wort für Wort
ye mām āmantrayiṣyanti virāṭanagare janāḥ tebhya evaṃ pravakṣyāmi vihariṣyāmy ahaṃ yathā
Den Leuten, die mich in der Stadt Virāṭas ansprechen werden, werde ich dies sagen - so werde ich mich beschäftigen.‘

yudhiṣṭhira uvāca sahadeva kathaṃ tasya samīpe vihariṣyasi kiṃ vā tvaṃ tāta kurvāṇaḥ pracchanno vicariṣyasi

‚Sahadeva, wie wirst du in seiner Nähe leben, oder was wirst du tun, mein Lieber, verborgen umhergehend?‘

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca sahadeva kathaṃ tasya samīpe vihariṣyasi kiṃ vā tvaṃ tāta kurvāṇaḥ pracchanno vicariṣyasi
‚Sahadeva, wie wirst du in seiner Nähe leben, oder was wirst du tun, mein Lieber, verborgen umhergehend?‘

sahadeva uvāca gosaṃkhyātā bhaviṣyāmi virāṭasya mahīpateḥ pratiṣeddhā ca dogdhā ca saṃkhyāne kuśalo gavām

‚Ich werde Viehzähler des Königs Virāṭa sein, ein Aufseher und Melker, geschickt im Zählen der Rinder.

Wort für Wort
sahadeva uvāca gosaṃkhyātā bhaviṣyāmi virāṭasya mahīpateḥ pratiṣeddhā ca dogdhā ca saṃkhyāne kuśalo gavām
‚Ich werde Viehzähler des Königs Virāṭa sein, ein Aufseher und Melker, geschickt im Zählen der Rinder.

tantipāla iti khyāto nāmnā viditam astu te nipuṇaṃ ca cariṣyāmi vyetu te mānaso jvaraḥ

Als Tantipāla bekannt, sei dir dies mit Namen kundgetan; und geschickt werde ich handeln - lass dein geistiges Fieber vergehen.

Wort für Wort
tantipāla iti khyāto nāmnā viditam astu te nipuṇaṃ ca cariṣyāmi vyetu te mānaso jvaraḥ
Als Tantipāla bekannt, sei dir dies mit Namen kundgetan; und geschickt werde ich handeln - lass dein geistiges Fieber vergehen.

ahaṃ hi bhavatā goṣu satataṃ prakṛtaḥ purā tatra me kauśalaṃ karma avabuddhaṃ viśāṃ pate

Denn ich wurde von dir stets früher für die Rinder eingesetzt; dort ist mein geschicktes Wirken dir wohlbekannt, Herr der Untertanen.

Wort für Wort
ahaṃ hi bhavatā goṣu satataṃ prakṛtaḥ purā tatra me kauśalaṃ karma avabuddhaṃ viśāṃ pate
Denn ich wurde von dir stets früher für die Rinder eingesetzt; dort ist mein geschicktes Wirken dir wohlbekannt, Herr der Untertanen.

lakṣaṇaṃ caritaṃ cāpi gavāṃ yac cāpi maṅgalam tat sarvaṃ me suviditam anyac cāpi mahīpate

Die Kennzeichen, das Verhalten der Rinder, und auch was ihnen Glück verheißt - dies alles ist mir wohlbekannt, und auch anderes noch, Herr der Erde.

Wort für Wort
lakṣaṇaṃ caritaṃ cāpi gavāṃ yac cāpi maṅgalam tat sarvaṃ me suviditam anyac cāpi mahīpate
Die Kennzeichen, das Verhalten der Rinder, und auch was ihnen Glück verheißt - dies alles ist mir wohlbekannt, und auch anderes noch, Herr der Erde.

vṛṣabhān api jānāmi rājan pūjitalakṣaṇān yeṣāṃ mūtram upāghrāya api vandhyā prasūyate

Ich kenne auch, o König, Stiere von verehrten Kennzeichen, an deren Urin zu riechen sogar eine unfruchtbare Kuh gebären lässt.

Wort für Wort
vṛṣabhān api jānāmi rājan pūjitalakṣaṇān yeṣāṃ mūtram upāghrāya api vandhyā prasūyate
Ich kenne auch, o König, Stiere von verehrten Kennzeichen, an deren Urin zu riechen sogar eine unfruchtbare Kuh gebären lässt.

so 'ham evaṃ cariṣyāmi prītir atra hi me sadā na ca māṃ vetsyati paras tat te rocatu pārthiva

So werde ich mich verhalten - denn daran habe ich stets Freude; und niemand anderes wird mich erkennen. Möge dir dies gefallen, Herrscher.‘

Wort für Wort
so 'ham evaṃ cariṣyāmi prītir atra hi me sadā na ca māṃ vetsyati paras tat te rocatu pārthiva
So werde ich mich verhalten - denn daran habe ich stets Freude; und niemand anderes wird mich erkennen. Möge dir dies gefallen, Herrscher.‘

yudhiṣṭhira uvāca iyaṃ tu naḥ priyā bhāryā prāṇebhyo 'pi garīyasī māteva paripālyā ca pūjyā jyeṣṭheva ca svasā

‚Diese aber, unsere geliebte Gattin, uns teurer noch als das Leben, zu behüten wie eine Mutter, zu verehren wie eine ältere Schwester -

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca iyaṃ tu naḥ priyā bhāryā prāṇebhyo 'pi garīyasī māteva paripālyā ca pūjyā jyeṣṭheva ca svasā
‚Diese aber, unsere geliebte Gattin, uns teurer noch als das Leben, zu behüten wie eine Mutter, zu verehren wie eine ältere Schwester -

kena sma karmaṇā kṛṣṇā draupadī vicariṣyati na hi kiṃ cid vijānāti karma kartuṃ yathā striyaḥ

mit welcher Tätigkeit wird Kṛṣṇā Draupadī sich beschäftigen? Denn sie versteht sich auf keinerlei Arbeit, wie andere Frauen sie verrichten.

Wort für Wort
kena sma karmaṇā kṛṣṇā draupadī vicariṣyati na hi kiṃ cid vijānāti karma kartuṃ yathā striyaḥ
mit welcher Tätigkeit wird Kṛṣṇā Draupadī sich beschäftigen? Denn sie versteht sich auf keinerlei Arbeit, wie andere Frauen sie verrichten.

sukumārī ca bālā ca rājaputrī yaśasvinī pativratā mahābhāgā kathaṃ nu vicariṣyati

Zartgliedrig, jung, eine Königstochter, ruhmreich, ihrem Gatten ergeben, hochgesegnet - wie wird sie sich wohl beschäftigen?

Wort für Wort
sukumārī ca bālā ca rājaputrī yaśasvinī pativratā mahābhāgā kathaṃ nu vicariṣyati
Zartgliedrig, jung, eine Königstochter, ruhmreich, ihrem Gatten ergeben, hochgesegnet - wie wird sie sich wohl beschäftigen?

mālyagandhān alaṃkārān vastrāṇi vividhāni ca etāny evābhijānāti yato jātā hi bhāminī

Nur Blumenkränze, Wohlgerüche, Schmuck und mancherlei Gewänder kennt sie, die Schöne, seit ihrer Geburt.‘

Wort für Wort
mālyagandhān alaṃkārān vastrāṇi vividhāni ca etāny evābhijānāti yato jātā hi bhāminī
Nur Blumenkränze, Wohlgerüche, Schmuck und mancherlei Gewänder kennt sie, die Schöne, seit ihrer Geburt.‘

draupady uvāca sairandhryo 'rakṣitā loke bhujiṣyāḥ santi bhārata naivam anyāḥ striyo yānti iti lokasya niścayaḥ

‚Sairandhrīs - unbeschützte, aber freie Frauen - gibt es in der Welt, o Bhārata; andere Frauen gehen nicht so umher - dies ist die feste Überzeugung der Welt.

Wort für Wort
draupady uvāca sairandhryo 'rakṣitā loke bhujiṣyāḥ santi bhārata naivam anyāḥ striyo yānti iti lokasya niścayaḥ
‚Sairandhrīs - unbeschützte, aber freie Frauen - gibt es in der Welt, o Bhārata; andere Frauen gehen nicht so umher - dies ist die feste Überzeugung der Welt.

Eine Sairandhrī ist eine anerkannte gesellschaftliche Kategorie: eine freie (nicht versklavte) Frau, die ohne männlichen Vormund als Kammerzofe im Dienst eines Hofes steht - dies erklärt, warum Draupadī gerade diese Rolle wählt, um unauffällig allein am Hof zu leben.

sāhaṃ bruvāṇā sairandhrī kuśalā keśakarmaṇi ātmaguptā cariṣyāmi yan māṃ tvam anupṛcchasi

Als eine solche Sairandhrī mich ausgebend, geschickt im Haarflechten, werde ich, mich selbst behütend, so leben - da du mich danach fragst.

Wort für Wort
sāhaṃ bruvāṇā sairandhrī kuśalā keśakarmaṇi ātmaguptā cariṣyāmi yan māṃ tvam anupṛcchasi
Als eine solche Sairandhrī mich ausgebend, geschickt im Haarflechten, werde ich, mich selbst behütend, so leben - da du mich danach fragst.

sudeṣṇāṃ pratyupasthāsye rājabhāryāṃ yaśasvinīm sā rakṣiṣyati māṃ prāptāṃ mā te bhūd duḥkham īdṛśam

Ich werde mich Sudeṣṇā, der ruhmreichen Gattin des Königs, zur Verfügung stellen; sie wird mich, wenn ich zu ihr komme, beschützen - habe deshalb keinen solchen Kummer.‘

Wort für Wort
sudeṣṇāṃ pratyupasthāsye rājabhāryāṃ yaśasvinīm sā rakṣiṣyati māṃ prāptāṃ mā te bhūd duḥkham īdṛśam
Ich werde mich Sudeṣṇā, der ruhmreichen Gattin des Königs, zur Verfügung stellen; sie wird mich, wenn ich zu ihr komme, beschützen - habe deshalb keinen solchen Kummer.‘

yudhiṣṭhira uvāca kalyāṇaṃ bhāṣase kṛṣṇe kule jātā yathā vadet na pāpam abhijānāsi sādhu sādhvīvrate sthitā

‚Gutes sprichst du, Kṛṣṇā, wie es sich für eine edel Geborene ziemt zu sprechen; du kennst nichts Böses, du Gute, fest im Gelübde der Tugendhaften stehend.

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca kalyāṇaṃ bhāṣase kṛṣṇe kule jātā yathā vadet na pāpam abhijānāsi sādhu sādhvīvrate sthitā
‚Gutes sprichst du, Kṛṣṇā, wie es sich für eine edel Geborene ziemt zu sprechen; du kennst nichts Böses, du Gute, fest im Gelübde der Tugendhaften stehend.

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