Kapitel 9: Pāṇḍavapraveśaparva (9)
Sahadeva als Viehzähler am Hof Virāṭas
Sahadeva tritt in der Gestalt eines Kuhhirten vor Virāṭa, der von seiner königlichen Erscheinung überrascht ist und nach seiner wahren Herkunft fragt. Sahadeva gibt sich als Vaiśya namens Ariṣṭanemi aus, der einst Viehzähler (Tantipāla) für die gewaltigen Rinderherden Yudhiṣṭhiras war, und rühmt seine umfassende Kenntnis der Rinderzucht. Virāṭa übergibt ihm daraufhin seine eigenen Rinderherden samt Hirten zur Aufsicht; Sahadeva lebt fortan unerkannt und wunschgemäß versorgt am Hof.
Vaiśampāyana sprach: Auch Sahadeva, nachdem er die vorzügliche Gestalt eines Kuhhirten angenommen und sich deren Sprechweise angeeignet hatte, ging darauf zu Virāṭa.
Vaiśampāyana sprach: Auch Sahadeva, nachdem er die vorzügliche Gestalt eines Kuhhirten angenommen und sich deren Sprechweise angeeignet hatte, ging darauf zu Virāṭa.
kasya vā tvaṃ kuto vā tvaṃ kiṃ vā tāta cikīrṣasi na hi me dṛṣṭapūrvas tvaṃ tattvaṃ brūhi nararṣabha
‚Wessen bist du, oder woher kommst du, oder was, mein Lieber, hast du vor? Denn ich habe dich nie zuvor gesehen - sag mir die Wahrheit, Stier unter den Männern.‘
Wort für Wort
kasya vā tvaṃ kuto vā tvaṃ kiṃ vā tāta cikīrṣasi na hi me dṛṣṭapūrvas tvaṃ tattvaṃ brūhi nararṣabha
‚Wessen bist du, oder woher kommst du, oder was, mein Lieber, hast du vor? Denn ich habe dich nie zuvor gesehen - sag mir die Wahrheit, Stier unter den Männern.‘
sa prāpya rājānam amitratāpanas; tato 'bravīn meghamahaughaniḥsvanaḥ vaiśyo 'smi nāmnāham ariṣṭanemir; gosaṃkhya āsaṃ kurupuṃgavānām
Er, der Bedränger der Feinde, sprach, nachdem er zum König getreten war, mit einer Stimme wie das tiefe Grollen gewaltiger Wolkenmassen: ‚Ein Vaiśya bin ich, mit Namen Ariṣṭanemi; ich war der Viehzähler der Stiere unter den Kurus.
Wort für Wort
sa prāpya rājānam amitratāpanas; tato 'bravīn meghamahaughaniḥsvanaḥ vaiśyo 'smi nāmnāham ariṣṭanemir; gosaṃkhya āsaṃ kurupuṃgavānām
Er, der Bedränger der Feinde, sprach, nachdem er zum König getreten war, mit einer Stimme wie das tiefe Grollen gewaltiger Wolkenmassen: ‚Ein Vaiśya bin ich, mit Namen Ariṣṭanemi; ich war der Viehzähler der Stiere unter den Kurus.
Sahadeva nennt sich hier bei einem zweiten Decknamen, Ariṣṭanemi, zusätzlich zu dem in Kap.3 bereits angekündigten Rollennamen Tantipāla (der in V.009 dieses Kapitels ebenfalls fällt).
vastuṃ tvayīcchāmi viśāṃ variṣṭha; tān rājasiṃhān na hi vedmi pārthān na śakyate jīvitum anyakarmaṇā; na ca tvad anyo mama rocate nṛpaḥ
Bei dir möchte ich wohnen, du Trefflichster der Herrscher; von jenen Löwenkönigen, den Söhnen der Pṛthā, weiß ich nichts; von anderer Arbeit kann man nicht leben, und kein anderer König als du gefällt mir.‘
Wort für Wort
vastuṃ tvayīcchāmi viśāṃ variṣṭha; tān rājasiṃhān na hi vedmi pārthān na śakyate jīvitum anyakarmaṇā; na ca tvad anyo mama rocate nṛpaḥ
Bei dir möchte ich wohnen, du Trefflichster der Herrscher; von jenen Löwenkönigen, den Söhnen der Pṛthā, weiß ich nichts; von anderer Arbeit kann man nicht leben, und kein anderer König als du gefällt mir.‘
virāṭa uvāca tvaṃ brāhmaṇo yadi vā kṣatriyo 'si; samudranemīśvararūpavān asi ācakṣva me tattvam amitrakarśana; na vaiśyakarma tvayi vidyate samam
‚Entweder ein Brahmane oder ein Kṣatriya bist du; die Gestalt eines Herrschers bis zum Rand des Ozeans hast du. Sage mir die Wahrheit, Bedränger der Feinde; die Arbeit eines Vaiśya passt nicht zu dir.
Wort für Wort
virāṭa uvāca tvaṃ brāhmaṇo yadi vā kṣatriyo 'si; samudranemīśvararūpavān asi ācakṣva me tattvam amitrakarśana; na vaiśyakarma tvayi vidyate samam
‚Entweder ein Brahmane oder ein Kṣatriya bist du; die Gestalt eines Herrschers bis zum Rand des Ozeans hast du. Sage mir die Wahrheit, Bedränger der Feinde; die Arbeit eines Vaiśya passt nicht zu dir.
Aus wessen Königs Gebiet bist du hierher gekommen? Und welche Fertigkeit besitzt du? Wie wirst du stets bei uns wohnen? Und sage mir auch, welchen Lohn du hier begehrst.‘
Aus wessen Königs Gebiet bist du hierher gekommen? Und welche Fertigkeit besitzt du? Wie wirst du stets bei uns wohnen? Und sage mir auch, welchen Lohn du hier begehrst.‘
‚Der älteste der fünf Söhne des Pāṇḍu ist König Yudhiṣṭhira; von ihm gibt es Rinderherden zu je achthunderttausend Stück, hundertmal hundert solcher Herden,
‚Der älteste der fünf Söhne des Pāṇḍu ist König Yudhiṣṭhira; von ihm gibt es Rinderherden zu je achthunderttausend Stück, hundertmal hundert solcher Herden,
Die hier und in den folgenden Versen genannten Rinderzahlen sind, wie im Epos bei Reichtumskatalogen üblich, hyperbolisch gemeint und nicht als exakte Rechengrößen zu verstehen.
bhūtaṃ bhavyaṃ bhaviṣyac ca yac ca saṃkhyāgataṃ kva cit na me 'sty aviditaṃ kiṃ cit samantād daśayojanam
Was gewesen ist, was ist und was sein wird, und was auch immer irgendwo zum Zählen gehört - nichts davon ist mir unbekannt, im Umkreis von zehn Yojanas.
Wort für Wort
bhūtaṃ bhavyaṃ bhaviṣyac ca yac ca saṃkhyāgataṃ kva cit na me 'sty aviditaṃ kiṃ cit samantād daśayojanam
Was gewesen ist, was ist und was sein wird, und was auch immer irgendwo zum Zählen gehört - nichts davon ist mir unbekannt, im Umkreis von zehn Yojanas.
kṣipraṃ hi gāvo bahulā bhavanti; na tāsu rogo bhavatīha kaś cit tais tair upāyair viditaṃ mayaitad; etāni śilpāni mayi sthitāni
Denn rasch vermehren sich die Rinder, und keinerlei Krankheit befällt sie; durch dieses und jenes Mittel ist mir dies bekannt - diese Künste wohnen mir inne.
Wort für Wort
kṣipraṃ hi gāvo bahulā bhavanti; na tāsu rogo bhavatīha kaś cit tais tair upāyair viditaṃ mayaitad; etāni śilpāni mayi sthitāni
Denn rasch vermehren sich die Rinder, und keinerlei Krankheit befällt sie; durch dieses und jenes Mittel ist mir dies bekannt - diese Künste wohnen mir inne.
‚Hunderttausend Stück, gesammelt, nach Rasse und Rasse durch ihre Vorzüge unterschieden - diese Rinder samt ihren Hirten übergebe ich dir; unter deiner Obhut sollen meine Rinder hier stehen.‘
‚Hunderttausend Stück, gesammelt, nach Rasse und Rasse durch ihre Vorzüge unterschieden - diese Rinder samt ihren Hirten übergebe ich dir; unter deiner Obhut sollen meine Rinder hier stehen.‘
vaiśaṃpāyana uvāca tathā sa rājño 'vidito viśāṃ pate; uvāsa tatraiva sukhaṃ nareśvaraḥ na cainam anye 'pi viduḥ kathaṃ cana; prādāc ca tasmai bharaṇaṃ yathepsitam
So lebte jener Herrscher der Menschen, vom König unerkannt, o Herr der Untertanen, dort glücklich; und auch sonst erkannte ihn niemand; und der König gewährte ihm Unterhalt nach Wunsch.
Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca tathā sa rājño 'vidito viśāṃ pate; uvāsa tatraiva sukhaṃ nareśvaraḥ na cainam anye 'pi viduḥ kathaṃ cana; prādāc ca tasmai bharaṇaṃ yathepsitam
So lebte jener Herrscher der Menschen, vom König unerkannt, o Herr der Untertanen, dort glücklich; und auch sonst erkannte ihn niemand; und der König gewährte ihm Unterhalt nach Wunsch.