Kapitel 18: Kīcakavadhaparva (6)
Draupadīs Klage über Arjuna und Sahadeva
Draupadī setzt ihre Klage vor Bhīma fort. Sie berichtet, wie Kaikeyī (Sudeṣṇā) bei Bhīmas Kampfvorführungen gegen wilde Tiere Verdacht gegen sie und Ballava hegt, und schildert dann in eindringlichen Kontrastbildern, wie Arjuna als Tanzlehrer der Königstöchter (mit Ohrringen und geflochtenem Haar) und Sahadeva als verkleideter Rinderhirte unter Virāṭas Herden ihre einstige Größe verloren zu haben scheinen - eine Erinnerung an Kuntīs einstiges Lob Sahadevas eingeschlossen. Die Rede bleibt unabgeschlossen: Draupadī kündigt an, noch von weiteren, besonderen Leiden zu berichten.
draupady uvāca idaṃ tu me mahad duḥkhaṃ yat pravakṣyāmi bhārata na me 'bhyasūyā kartavyā duḥkhād etad bravīmy aham
Draupadī sprach: ‚Dies aber ist mein großes Leid, das ich dir nun berichten will, o Bhārata; du sollst mir deswegen nicht zürnen - ich sage dies aus Kummer.
Wort für Wort
draupady uvāca idaṃ tu me mahad duḥkhaṃ yat pravakṣyāmi bhārata na me 'bhyasūyā kartavyā duḥkhād etad bravīmy aham
Draupadī sprach: ‚Dies aber ist mein großes Leid, das ich dir nun berichten will, o Bhārata; du sollst mir deswegen nicht zürnen - ich sage dies aus Kummer.
Aus Zuneigung, die aus dem Zusammenleben entsteht, glaube ich, betrauert diese Lieblich-Lächelnde diesen Koch, der gegen überaus starke Kämpfer antritt.
Aus Zuneigung, die aus dem Zusammenleben entsteht, glaube ich, betrauert diese Lieblich-Lächelnde diesen Koch, der gegen überaus starke Kämpfer antritt.
kalyāṇarūpā sairandhrī ballavaś cātisundaraḥ strīṇāṃ ca cittaṃ durjñeyaṃ yuktarūpau ca me matau
Die Sairandhrī ist von schöner Gestalt, und Ballava ist überaus schön; der Sinn der Frauen ist schwer zu ergründen, doch mir scheinen die beiden gut zueinander zu passen.
Wort für Wort
kalyāṇarūpā sairandhrī ballavaś cātisundaraḥ strīṇāṃ ca cittaṃ durjñeyaṃ yuktarūpau ca me matau
Die Sairandhrī ist von schöner Gestalt, und Ballava ist überaus schön; der Sinn der Frauen ist schwer zu ergründen, doch mir scheinen die beiden gut zueinander zu passen.
Die Sairandhrī ist, aus liebevoller Verbundenheit des Zusammenlebens, stets voll Mitgefühl; und diese beiden wohnen schon seit derselben Zeitspanne in diesem Königshaus.“
Die Sairandhrī ist, aus liebevoller Verbundenheit des Zusammenlebens, stets voll Mitgefühl; und diese beiden wohnen schon seit derselben Zeitspanne in diesem Königshaus.“
Solche Worte sprechend, pflegte sie mir dies immer wieder mitzuteilen; und da sie mich zornig werden sah, hegte sie deinetwegen einen Verdacht gegen mich.
Solche Worte sprechend, pflegte sie mir dies immer wieder mitzuteilen; und da sie mich zornig werden sah, hegte sie deinetwegen einen Verdacht gegen mich.
yaḥ sadevān manuṣyāṃś ca sarpāṃś caikaratho 'jayat so 'yaṃ rājño virāṭasya kanyānāṃ nartako yuvā
Er, der einst allein auf seinem Wagen Götter, Menschen und Schlangen besiegte - eben dieser junge Mann ist nun der Tanzlehrer der Töchter des Königs Virāṭa.
Wort für Wort
yaḥ sadevān manuṣyāṃś ca sarpāṃś caikaratho 'jayat so 'yaṃ rājño virāṭasya kanyānāṃ nartako yuvā
Er, der einst allein auf seinem Wagen Götter, Menschen und Schlangen besiegte - eben dieser junge Mann ist nun der Tanzlehrer der Töchter des Königs Virāṭa.
yo 'tarpayad ameyātmā khāṇḍave jātavedasam so 'ntaḥpuragataḥ pārthaḥ kūpe 'gnir iva saṃvṛtaḥ
Er, von unermesslichem Geist, der einst den Feuergott im Khāṇḍava-Wald sättigte - eben dieser Pārtha, in die inneren Gemächer eingetreten, ist verborgen wie Feuer in einem Brunnen.
Wort für Wort
yo 'tarpayad ameyātmā khāṇḍave jātavedasam so 'ntaḥpuragataḥ pārthaḥ kūpe 'gnir iva saṃvṛtaḥ
Er, von unermesslichem Geist, der einst den Feuergott im Khāṇḍava-Wald sättigte - eben dieser Pārtha, in die inneren Gemächer eingetreten, ist verborgen wie Feuer in einem Brunnen.
yasmād bhayam amitrāṇāṃ sadaiva puruṣarṣabhāt sa lokaparibhūtena veṣeṇāste dhanaṃjayaḥ
Er, vor dem die Feinde stets Furcht empfanden, der Stier unter den Männern - eben dieser Dhanaṃjaya lebt nun in einer von der Welt verachteten Verkleidung.
Wort für Wort
yasmād bhayam amitrāṇāṃ sadaiva puruṣarṣabhāt sa lokaparibhūtena veṣeṇāste dhanaṃjayaḥ
Er, vor dem die Feinde stets Furcht empfanden, der Stier unter den Männern - eben dieser Dhanaṃjaya lebt nun in einer von der Welt verachteten Verkleidung.
Gewiss weiß die Edle nicht, dass Dhanaṃjaya in solche Not geraten ist, und dass Ajātaśatru, der Kauravya, durch seine Sucht nach schlechtem Würfelspiel versunken ist.
Gewiss weiß die Edle nicht, dass Dhanaṃjaya in solche Not geraten ist, und dass Ajātaśatru, der Kauravya, durch seine Sucht nach schlechtem Würfelspiel versunken ist.
Ebenso werde ich bleich, o Bhārata, wenn ich den Jüngeren, Sahadeva, den Herrn der Krieger, in der Gestalt eines Kuhhirten unter den Rindern herankommen sehe.
Ebenso werde ich bleich, o Bhārata, wenn ich den Jüngeren, Sahadeva, den Herrn der Krieger, in der Gestalt eines Kuhhirten unter den Rindern herankommen sehe.
Immer wieder über Sahadevas Verhalten nachdenkend, finde ich kein Vergehen Sahadevas, du Starkarmiger, weswegen er, der von wahrhaftiger Kraft ist, ein solches Leid erleiden müsste.
Immer wieder über Sahadevas Verhalten nachdenkend, finde ich kein Vergehen Sahadevas, du Starkarmiger, weswegen er, der von wahrhaftiger Kraft ist, ein solches Leid erleiden müsste.
dūyāmi bharataśreṣṭha dṛṣṭvā te bhrātaraṃ priyam goṣu govṛṣasaṃkāśaṃ matsyenābhiniveśitam
Ich leide, du Bester der Bharatas, wenn ich deinen geliebten Bruder sehe, einem Stier unter den Rindern gleich, von dem Matsya-König unter die Kühe gestellt.
Wort für Wort
dūyāmi bharataśreṣṭha dṛṣṭvā te bhrātaraṃ priyam goṣu govṛṣasaṃkāśaṃ matsyenābhiniveśitam
Ich leide, du Bester der Bharatas, wenn ich deinen geliebten Bruder sehe, einem Stier unter den Rindern gleich, von dem Matsya-König unter die Kühe gestellt.
hrīniṣedho madhuravāg dhārmikaś ca priyaś ca me sa te 'raṇyeṣu boddhavyo yājñaseni kṣapāsv api
von Scham zurückgehalten, süßredend, rechtschaffen und mir lieb ist er; ihn sollst du erkennen, Yājñasenī, selbst in den Wäldern, auch in den Nächten.“
Wort für Wort
hrīniṣedho madhuravāg dhārmikaś ca priyaś ca me sa te 'raṇyeṣu boddhavyo yājñaseni kṣapāsv api
von Scham zurückgehalten, süßredend, rechtschaffen und mir lieb ist er; ihn sollst du erkennen, Yājñasenī, selbst in den Wäldern, auch in den Nächten.“
Ihn, Sahadeva, den Besten der Krieger, so unter den Rindern beschäftigt zu sehen, nachts auf Kalbshäuten schlafend - wie könnte ich da noch leben, Pāṇḍava?
Ihn, Sahadeva, den Besten der Krieger, so unter den Rindern beschäftigt zu sehen, nachts auf Kalbshäuten schlafend - wie könnte ich da noch leben, Pāṇḍava?
Er, der stets mit drei Dingen ausgestattet war - mit Schönheit, mit Waffenkunst, mit Klugheit -, ist nun Virāṭas Pferdeknecht; sieh den Wandel der Zeit!
Er, der stets mit drei Dingen ausgestattet war - mit Schönheit, mit Waffenkunst, mit Klugheit -, ist nun Virāṭas Pferdeknecht; sieh den Wandel der Zeit!
Scharen strömten zusammen, um Dāmagranthi zuzuschauen, wie er mit geschickter Hand die schnellen Pferde lenkte, während der Großkönig zusah.
'Dāmagranthi' ('der die Knoten der Schnur bindet') ist ein weiterer Beiname Nakulas in seiner Verkleidung als Pferdeknecht, neben dem bereits eingeführten Namen Granthika.
kiṃ nu māṃ manyase pārtha sukhiteti paraṃtapa evaṃ duḥkhaśatāviṣṭā yudhiṣṭhiranimittataḥ
Glaubst du wirklich, ich sei glücklich, Pārtha, du Bezwinger der Feinde - ich, die so von hundertfachem Leid befallen ist, das von Yudhiṣṭhira herrührt?
Wort für Wort
kiṃ nu māṃ manyase pārtha sukhiteti paraṃtapa evaṃ duḥkhaśatāviṣṭā yudhiṣṭhiranimittataḥ
Glaubst du wirklich, ich sei glücklich, Pārtha, du Bezwinger der Feinde - ich, die so von hundertfachem Leid befallen ist, das von Yudhiṣṭhira herrührt?