Rāmāyaṇa · Araṇyakāṇḍa
Sarga 16: Hemaṃta Varṇanam
Der Winter bricht an; Lakṣmaṇa erzählt von Bharatas Askese, Rāma spricht von seiner Sehnsucht nach den Brüdern
vasataḥ tasya tu sukham rāghavasya mahātmanaḥ |
śarad vyapāye hemaṃtaṛtur iṣṭaḥ pravartata || 3-16-1
Während der großherzige Rāghava glücklich dort weilte, brach, als der Herbst zu Ende ging, die geliebte Winterzeit an.
Wort für Wort vasataḥ tasya tu sukham während er dort glücklich weilte rāghavasya mahātmanaḥ des großherzigen Rāghava śarad vyapāye als der Herbst zu Ende ging hemaṃtaṛtur iṣṭaḥ pravartata brach die geliebte Winterzeit an sa kadācit prabhātāyām śarvaryām raghunaṃdanaḥ |
prayayāva abhiṣekārtham ramyam godāvarīm nadīm || 3-16-2
Einst, als die Nacht dem Morgen wich, zog der Freudenbringer der Raghus zum rituellen Bad zum lieblichen Fluss Godāvarī.
Wort für Wort sa kadācit prabhātāyām śarvaryām einst, als die Nacht dem Morgen wich raghunaṃdanaḥ der Freudenbringer der Raghus prayayāva abhiṣekārtham zog zum rituellen Bad ramyam godāvarīm nadīm zum lieblichen Fluss Godāvarī prahvaḥ kalaśa hasataḥ tam sītayā saha vīryavān |
pṛṣṭhato anuvrajan bhrātā saumitrir idam abravīt || 3-16-3
Ihm, dem Kraftvollen, der mit gesenktem Haupt den Wasserkrug trug, zusammen mit Sītā, sprach der ihm folgende Bruder, der Sohn Sumitrās, dies:
Wort für Wort prahvaḥ kalaśa hasataḥ tam ihm, mit gesenktem Haupt, den Wasserkrug tragend sītayā saha vīryavān mit Sītā, dem Kraftvollen pṛṣṭhato anuvrajan bhrātā der von hinten folgende Bruder saumitrir idam abravīt der Sohn Sumitrās sprach dies ayam sa kālaḥ saṃprāptaḥ priyo yaḥ te priyaṃvada |
alaṃkṛta iva ābhāti yena saṃvatsaraḥ śubhaḥ || 3-16-4
'Diese Jahreszeit ist nun angebrochen, die dir lieb ist, Freundlichredender; durch sie erscheint das glückverheißende Jahr wie geschmückt.
Wort für Wort ayam sa kālaḥ saṃprāptaḥ diese Zeit ist nun angebrochen priyo yaḥ te priyaṃvada die dir lieb ist, Freundlichredender alaṃkṛta iva ābhāti erscheint wie geschmückt yena saṃvatsaraḥ śubhaḥ durch die das glückverheißende Jahr nīhāra paruṣo lokaḥ pṛthivī sasya mālinī |
jalāni anupabhogyāni subhago havya vāhanaḥ || 3-16-5
Rau vom Reif ist die Welt, die Erde mit einem Kranz von Getreide geschmückt, die Gewässer sind ungenießbar geworden, glückverheißend ist der Opferträger.
Wort für Wort nīhāra paruṣo lokaḥ rau vom Reif ist die Welt pṛthivī sasya mālinī die Erde mit einem Kranz von Getreide jalāni anupabhogyāni die Gewässer sind ungenießbar subhago havya vāhanaḥ glückverheißend ist der Opferträger nava āgrayaṇa pūjābhir abhyarcya pitṛ devatāḥ |
kṛta āgrayaṇakāḥ kāle santo vigata kalmaṣāḥ || 3-16-6
Mit Opfern der ersten Ernte haben die Guten, von jeder Trübung befreit, zur rechten Zeit die Ahnen und Götter verehrt und das Erstlingsopfer dargebracht.
Wort für Wort nava āgrayaṇa pūjābhir mit Opfern der ersten Ernte abhyarcya pitṛ devatāḥ die Ahnen und Götter verehrend kṛta āgrayaṇakāḥ kāle das Erstlingsopfer zur rechten Zeit dargebracht habend santo vigata kalmaṣāḥ die Guten, von Trübung befreit prājyakāmā janapadāḥ saṃpannatara go rasāḥ |
vicaranti mahīpālā yātra artham vijigīṣavaḥ || 3-16-7
Reich an Wünschen sind die Landschaften, reicher an Kuhmilch-Erzeugnissen; die Erdenherrscher ziehen umher, siegbegierig, auf Feldzügen.
Wort für Wort prājyakāmā janapadāḥ reich an Wünschen die Landschaften saṃpannatara go rasāḥ reicher an Kuhmilch-Erzeugnissen vicaranti mahīpālā die Erdenherrscher ziehen umher yātra artham vijigīṣavaḥ siegbegierig auf Feldzügen sevamāne dṛḍham sūrye diśam antaka sevitām |
vihīna tilakā iva strī na uttarā dik prakāśate || 3-16-8
Da die Sonne stark der Richtung zugewandt ist, die von Antaka bewohnt wird, erstrahlt der Norden nicht, wie eine Frau ohne Stirnzeichen.
Wort für Wort sevamāne dṛḍham sūrye da die Sonne stark zugewandt ist diśam antaka sevitām der von Antaka bewohnten Richtung vihīna tilakā iva strī wie eine Frau ohne Stirnzeichen na uttarā dik prakāśate erstrahlt der Norden nicht prakṛtyā hima kośa āḍhyo dūra sūryāḥ ca sāṃpratam |
yathārtha nāmā suvyaktam himavān himavān giriḥ || 3-16-9
Von Natur reich an einem Schatz von Schnee, und nun fern der Sonne – deutlich zeigt der Berg Himavat, dass sein Name der Wahrheit entspricht: der Schneebedeckte.
Wort für Wort prakṛtyā hima kośa āḍhyo von Natur reich an einem Schatz von Schnee dūra sūryāḥ ca sāṃpratam und nun fern der Sonne yathārtha nāmā suvyaktam deutlich, mit wahrheitsgemäßem Namen himavān himavān giriḥ der Berg Himavat, der Schneebedeckte atyanta sukha saṃcārā madhyāhne sparśataḥ sukhāḥ |
divasāḥ subhaga ādityāaḥ chhāyā salila durbhagāḥ || 3-16-10
Höchst angenehm zum Wandeln, angenehm zur Berührung am Mittag, mit lieblicher Sonne sind die Tage, doch Schatten und Wasser sind unangenehm geworden.
Wort für Wort atyanta sukha saṃcārā höchst angenehm zum Wandeln madhyāhne sparśataḥ sukhāḥ am Mittag angenehm zur Berührung divasāḥ subhaga ādityāaḥ die Tage mit lieblicher Sonne chhāyā salila durbhagāḥ Schatten und Wasser sind unangenehm mṛdu sūryāḥ sanīhārāḥ paṭu śītāḥ samārutāḥ |
śūnya araṇyā hima dhvastā divasā bhānti sāṃpratam || 3-16-11
Mit milder Sonne, mit Reif, mit scharfer Kälte und Wind, mit leeren Wäldern, vom Reif verwüstet, erscheinen nun die Tage.
Wort für Wort mṛdu sūryāḥ sanīhārāḥ mit milder Sonne, mit Reif paṭu śītāḥ samārutāḥ mit scharfer Kälte und Wind śūnya araṇyā hima dhvastā mit leeren, vom Reif verwüsteten Wäldern divasā bhānti sāṃpratam erscheinen nun die Tage nivṛtta ākāśa śayanāḥ puṣyanītā hima aruṇāḥ |
śītā vṛddhatara āyāmaḥ tri yāmā yānti sāṃpratam || 3-16-12
Frei vom Schlaf unter freiem Himmel, vom Sternbild Puṣya gelenkt, rötlich vom Reif, kalt, mit verlängerter Dauer, vergehen nun die drei Nachtwachen.
Wort für Wort nivṛtta ākāśa śayanāḥ frei vom Schlaf unter freiem Himmel puṣyanītā hima aruṇāḥ vom Puṣya-Stern gelenkt, rötlich vom Reif śītā vṛddhatara āyāmaḥ kalt, mit verlängerter Dauer tri yāmā yānti sāṃpratam vergehen nun die drei Nachtwachen ravi saṃkrānta saubhāgyaḥ tuṣāra aruṇa maṇḍalaḥ |
niḥśvāsa andha iva ādarśāḥ caṃdramā na prakāśate || 3-16-13
Der Mond, dessen Glanz auf die Sonne übergegangen ist, dessen Scheibe vom Reif gerötet ist, strahlt nicht mehr, wie ein Spiegel, blind vom Anhauchen.
Wort für Wort ravi saṃkrānta saubhāgyaḥ dessen Glanz auf die Sonne übergegangen ist tuṣāra aruṇa maṇḍalaḥ dessen Scheibe vom Reif gerötet ist niḥśvāsa andha iva ādarśāḥ wie ein vom Anhauchen blinder Spiegel caṃdramā na prakāśate strahlt der Mond nicht mehr jyotsnā tuṣāra malinā paurṇamāsyām na rājate |
sītā iva ca ātapa śyāmā lakṣyate na tu śobhate || 3-16-14
Das Mondlicht, vom Reif getrübt, glänzt nicht mehr in der Vollmondnacht; wie eine von Sonnenhitze gebräunte Sītā erscheint es, doch strahlt es nicht mehr.
Wort für Wort jyotsnā tuṣāra malinā das Mondlicht, vom Reif getrübt paurṇamāsyām na rājate glänzt nicht in der Vollmondnacht sītā iva ca ātapa śyāmā wie eine von Sonnenhitze gebräunte Sītā lakṣyate na tu śobhate erscheint es, strahlt aber nicht prakṛtyā śītala sparśo hima viddhāḥ ca sāṃpratam |
pravāti paścimo vāyuḥ kāle dvi guṇa śītalaḥ || 3-16-15
Von Natur kalt zur Berührung, und nun vom Frost durchdrungen, weht der Westwind, zu dieser Zeit doppelt so kalt.
Wort für Wort prakṛtyā śītala sparśo von Natur kalt zur Berührung hima viddhāḥ ca sāṃpratam und nun vom Frost durchdrungen pravāti paścimo vāyuḥ weht der Westwind kāle dvi guṇa śītalaḥ zu dieser Zeit doppelt so kalt bāṣpa cchhannāni araṇyāni yava godhūmavaṃti ca |
śobhante abhyudite sūrye nadadbhiḥ kraunca sārasaiḥ || 3-16-16
Von Nebel bedeckt sind die Wälder, mit Gerste und Weizen bestanden; sie erstrahlen, wenn die Sonne aufgegangen ist, ertönend von Kraunca- und Sārasa-Kranichen.
Wort für Wort bāṣpa cchhannāni araṇyāni von Nebel bedeckte Wälder yava godhūmavaṃti ca mit Gerste und Weizen bestanden śobhante abhyudite sūrye sie erstrahlen, wenn die Sonne aufgegangen ist nadadbhiḥ kraunca sārasaiḥ ertönend von Kraunca- und Sārasa-Kranichen kharjūra puṣpa ākṛtibhiḥ śirobhiḥ pūrṇa taṇḍulaiḥ |
śobhante kiṃcid ālaṃbāḥ śālayaḥ kanaka prabhāḥ || 3-16-17
Mit Ähren gleich Dattelblüten, voll von Reiskörnern, ein wenig geneigt, erstrahlen die Reisfelder mit goldenem Glanz.
Wort für Wort kharjūra puṣpa ākṛtibhiḥ śirobhiḥ mit Ähren gleich Dattelblüten pūrṇa taṇḍulaiḥ voll von Reiskörnern śobhante kiṃcid ālaṃbāḥ erstrahlen, ein wenig geneigt śālayaḥ kanaka prabhāḥ die Reisfelder mit goldenem Glanz mayūkhaiḥ upasarpadbhiḥ hima nīhāra saṃvṛtaiḥ |
dūram abhyuditaḥ sūryaḥ śaśāṃka iva lakṣyate || 3-16-18
Mit langsam heranschleichenden, von Frost und Nebel verhüllten Strahlen erscheint die von fern aufgegangene Sonne wie der Mond.
Wort für Wort mayūkhaiḥ upasarpadbhiḥ mit langsam heranschleichenden Strahlen hima nīhāra saṃvṛtaiḥ von Frost und Nebel verhüllten dūram abhyuditaḥ sūryaḥ die von fern aufgegangene Sonne śaśāṃka iva lakṣyate erscheint wie der Mond agrāhya vīryaḥ pūrvāhṇe madhyāhne sparśataḥ sukhaḥ |
saṃraktaḥ kiṃcid āpāṇḍuḥ ātapaḥ śobhate kṣitau || 3-16-19
Am Vormittag von unmerklicher Kraft, am Mittag angenehm zur Berührung, leicht gerötet und ein wenig blass, erstrahlt der Sonnenschein auf der Erde.
Wort für Wort agrāhya vīryaḥ pūrvāhṇe am Vormittag von unmerklicher Kraft madhyāhne sparśataḥ sukhaḥ am Mittag angenehm zur Berührung saṃraktaḥ kiṃcid āpāṇḍuḥ leicht gerötet, ein wenig blass ātapaḥ śobhate kṣitau erstrahlt der Sonnenschein auf der Erde avaśyāya nipātena kiṃcit praklinna śādvalā |
vanānām śobhate bhūmir niviṣṭa taruṇa ātapā || 3-16-20
Durch das Fallen des Taus ein wenig feuchtes Grasland – so erstrahlt der Boden der Wälder, in den das zarte Sonnenlicht eingedrungen ist.
Wort für Wort avaśyāya nipātena durch das Fallen des Taus kiṃcit praklinna śādvalā ein wenig feuchtes Grasland vanānām śobhate bhūmir der Boden der Wälder erstrahlt niviṣṭa taruṇa ātapā in den das zarte Sonnenlicht eingedrungen ist spṛśan tu suvipulam śītam udakam dviradaḥ sukham |
atyanta tṛṣito vanyaḥ pratisaṃharate karam || 3-16-21
Der wilde Elefant, obwohl überaus durstig, berührt das reichliche, kalte Wasser, doch zieht er seinen Rüssel wieder zurück, ohne behaglich zu trinken.
Wort für Wort spṛśan tu suvipulam śītam das reichliche, kalte berührend udakam dviradaḥ sukham das Wasser, der Elefant, behaglich atyanta tṛṣito vanyaḥ überaus durstig, der wilde pratisaṃharate karam zieht er den Rüssel wieder zurück ete hi samupāsīnā vihagā jalacāriṇaḥ |
na avagāhanti salilam apragalbhā iva āvaham || 3-16-22
Auch die Wasservögel, die dort versammelt sitzen, tauchen nicht in das strömende Wasser ein, gleichsam zaghaft.
Wort für Wort ete hi samupāsīnā auch diese, die versammelt sitzen vihagā jalacāriṇaḥ die Wasservögel na avagāhanti salilam tauchen nicht ins Wasser ein apragalbhā iva āvaham gleichsam zaghaft, in das strömende avaśyāya tamo naddhā nīhāra tamasā āvṛtāḥ |
prasuptā iva lakṣyante vipuṣpā vana rājayaḥ || 3-16-23
Von der Dunkelheit des Taus umfangen, vom Dunkel des Nebels umhüllt, erscheinen die blütenlosen Waldreihen wie schlafend.
Wort für Wort avaśyāya tamo naddhā von der Dunkelheit des Taus umfangen nīhāra tamasā āvṛtāḥ vom Dunkel des Nebels umhüllt prasuptā iva lakṣyante erscheinen wie schlafend vipuṣpā vana rājayaḥ die blütenlosen Waldreihen bāṣpa saṃcanna salilā ruta vijñeya sārasāḥ |
himāardra vālukaiḥ tīraiḥ sarito bhānti sāṃpratam || 3-16-24
Mit von Nebel verhülltem Wasser, deren Sārasa-Kraniche man nur am Ruf erkennt, mit vom Frost feuchtem Sand an den Ufern – so erstrahlen jetzt die Flüsse.
Wort für Wort bāṣpa saṃcanna salilā mit von Nebel verhülltem Wasser ruta vijñeya sārasāḥ deren Sārasa-Kraniche man am Ruf erkennt himāardra vālukaiḥ tīraiḥ mit vom Frost feuchtem Sand an den Ufern sarito bhānti sāṃpratam so erstrahlen jetzt die Flüsse tuṣāra patanāt caiva mṛdutvāt bhāskarasya ca |
śaityāt aga agrastham api prāyeṇa rasavat jalam || 3-16-25
Durch das Fallen des Reifs und durch die Milde der Sonne, aus Kälte, ist das Wasser, obwohl von den Bergen kommend, meist wohlschmeckend geworden.
Wort für Wort tuṣāra patanāt caiva durch das Fallen des Reifs mṛdutvāt bhāskarasya ca und durch die Milde der Sonne śaityāt aga agrastham api aus Kälte, obwohl von den Bergen kommend prāyeṇa rasavat jalam meist wohlschmeckend das Wasser jarā jarjaritaiḥ patraiḥ śīrṇa kesara karṇikaiḥ |
nāla śeṣā hima dhvastā na bhānti kamalākarāḥ || 3-16-26
Mit von Alter zerfressenen Blättern, mit zerfallenen Staubgefäßen und Fruchtknoten, nur noch mit Stängeln, vom Reif zerstört, erstrahlen die Lotosteiche nicht mehr.
Wort für Wort jarā jarjaritaiḥ patraiḥ mit von Alter zerfressenen Blättern śīrṇa kesara karṇikaiḥ mit zerfallenen Staubgefäßen und Fruchtknoten nāla śeṣā hima dhvastā nur noch mit Stängeln, vom Reif zerstört na bhānti kamalākarāḥ erstrahlen die Lotosteiche nicht mehr asmin tu puruṣavyāghra kāle duḥkha samanvitaḥ |
tapaścarati dharmātmā tvat bhaktyā bharataḥ pure || 3-16-27
Doch in dieser Zeit, Tiger unter den Männern, von Leid erfüllt, übt der dharmagesinnte Bharata, aus Ergebenheit zu dir, in der Stadt Askese.
Wort für Wort asmin tu puruṣavyāghra kāle doch in dieser Zeit, Tiger unter den Männern duḥkha samanvitaḥ von Leid erfüllt tapaścarati dharmātmā übt der Dharmagesinnte Askese tvat bhaktyā bharataḥ pure Bharata, aus Ergebenheit zu dir, in der Stadt tyaktvā rājyam ca mānam ca bhogāṃśca vividhān bahūn |
tapasvī niyatāhāraḥ śete śīte mahītale || 3-16-28
Königreich, Ehre und viele mannigfache Genüsse aufgebend, mit geregelter Nahrung, als Asket, schläft er auf kaltem Erdboden.
Wort für Wort tyaktvā rājyam ca mānam ca Königreich und Ehre aufgebend bhogāṃśca vividhān bahūn und viele mannigfache Genüsse tapasvī niyatāhāraḥ als Asket, mit geregelter Nahrung śete śīte mahītale schläft er auf kaltem Erdboden so.api velām imām nūnam abhiṣeka artham udyataḥ |
vṛtaḥ prakṛtibhir nityam prayāti sarayūm nadīm || 3-16-29
Auch er begibt sich gewiss zu dieser Zeit, zum rituellen Bad bereit, ständig von den Bürgern umgeben, zum Fluss Sarayū.
Wort für Wort so.api velām imām nūnam auch er gewiss zu dieser Zeit abhiṣeka artham udyataḥ zum rituellen Bad bereit vṛtaḥ prakṛtibhir nityam ständig von den Bürgern umgeben prayāti sarayūm nadīm begibt sich zum Fluss Sarayū atyanta sukha saṃvṛddhaḥ sukumāro himārditaḥ |
katham tu apara rātreṣu sarayūm avagāhate || 3-16-30
Er, der in höchstem Wohlleben aufgewachsen, zartgliedrig, vom Frost gequält – wie taucht er wohl in den späten Nachtstunden in die Sarayū ein?
Wort für Wort atyanta sukha saṃvṛddhaḥ in höchstem Wohlleben aufgewachsen sukumāro himārditaḥ zartgliedrig, vom Frost gequält katham tu apara rātreṣu wie wohl in den späten Nachtstunden sarayūm avagāhate taucht er in die Sarayū ein padmapatrekṣaṇaḥ śyāmaḥ śrīmān nirudaro mahān |
dharmajñaḥ satyavādī ca hrī niṣedho jitendriyaḥ || 3-16-31
Lotosblattäugig, dunkel, glänzend, mit schlankem Leib, groß, dharmakundig, wahrhaft redend, von Scham zurückgehalten, seine Sinne bezwungen,
Wort für Wort padmapatrekṣaṇaḥ śyāmaḥ lotosblattäugig, dunkel śrīmān nirudaro mahān glänzend, mit schlankem Leib, groß dharmajñaḥ satyavādī ca dharmakundig und wahrhaft redend hrī niṣedho jitendriyaḥ von Scham zurückgehalten, seine Sinne bezwungen priyābhibhāṣī madhuro dīrghabāhuḥ arindamaḥ |
saṃtyajya vividhān bhogān āryam sarvātmanā āśritaḥ || 3-16-32
freundlich redend, sanft, langarmig, Feindebezwinger – nachdem er mancherlei Genüsse aufgegeben hat, hat er sich mit ganzer Seele dem Edlen zugewandt.
Wort für Wort priyābhibhāṣī madhuro freundlich redend, sanft dīrghabāhuḥ arindamaḥ langarmig, Feindebezwinger saṃtyajya vividhān bhogān mancherlei Genüsse aufgebend āryam sarvātmanā āśritaḥ hat er sich mit ganzer Seele dem Edlen zugewandt jitaḥ svargaḥ tava bhrātrā bharatena mahātmanā |
vanastham api tāpasye yaḥ tvām anuvidhīyate || 3-16-33
Erobert hat der Himmel dein Bruder, der großherzige Bharata, der, obwohl du im Wald weilst, in Askese dir nacheifert.
Wort für Wort jitaḥ svargaḥ tava bhrātrā erobert hat den Himmel dein Bruder bharatena mahātmanā Bharata, der Großherzige vanastham api tāpasye obwohl du im Wald weilst, in Askese yaḥ tvām anuvidhīyate der dir nacheifert na pitryam anuvarntante mātṛkam dvipadā iti |
khyāto loka pravādo ayam bharatena anyathā kṛtaḥ || 3-16-34
'Zweifüßler folgen nicht dem Wesen des Vaters, sondern dem der Mutter' – so lautet ein bekanntes, weitverbreitetes Sprichwort, das durch Bharata widerlegt wurde.
Wort für Wort na pitryam anuvarntante sie folgen nicht dem väterlichen mātṛkam dvipadā iti sondern dem mütterlichen, die Zweifüßler, so khyāto loka pravādo ayam dies ist ein bekanntes, weitverbreitetes Sprichwort bharatena anyathā kṛtaḥ durch Bharata anders gemacht, widerlegt bhartā daśaratho yasyāḥ sādhuḥ ca bharataḥ sutaḥ |
katham nu sā ambā kaikeyī tādṛśī krūradarśinī || 3-16-35
Deren Gatte Daśaratha war und deren Sohn der Fromme Bharata ist – wie kann jene Mutter Kaikeyī nur so grausamen Sinnes sein?
Wort für Wort bhartā daśaratho yasyāḥ deren Gatte Daśaratha war sādhuḥ ca bharataḥ sutaḥ und deren Sohn der Fromme Bharata ist katham nu sā ambā kaikeyī wie kann jene Mutter Kaikeyī tādṛśī krūradarśinī so grausamen Sinnes sein iti evam lakṣmaṇe vākyam snehāt vadati dharmike |
parivādam jananyaḥ tam asahan rāghavo abravīt || 3-16-36
Während Lakṣmaṇa, der Dharmakundige, so aus Liebe dieses Wort sprach, konnte der Rāghava diese Schmähung der Mutter nicht ertragen und sprach:
Wort für Wort iti evam lakṣmaṇe vākyam während Lakṣmaṇa so dieses Wort snehāt vadati dharmike aus Liebe sprach, der Dharmakundige parivādam jananyaḥ tam diese Schmähung der Mutter asahan rāghavo abravīt nicht ertragend sprach der Rāghava na te ambā madhyamā tāta garhitavyā kathaṃcana |
tām eva ikṣvāku nāthasya bharatasya kathām kuru || 3-16-37
'Nicht soll deine mittlere Mutter, mein Sohn, in irgendeiner Weise getadelt werden. Sprich lieber von Bharata, dem Herrn der Ikṣvākus.'
Wort für Wort na te ambā madhyamā tāta nicht deine mittlere Mutter, mein Sohn garhitavyā kathaṃcana soll in irgendeiner Weise getadelt werden tām eva ikṣvāku nāthasya von diesem Herrn der Ikṣvākus bharatasya kathām kuru von Bharata sprich lieber niścitā eva hi me buddhiḥ vana vāse dṛḍha vratā |
bharata sneha saṃtaptā bāliśī kriyate punaḥ || 3-16-38
'Denn mein Entschluss zum Waldaufenthalt ist fest und unerschütterlich; doch von Liebe zu Bharata erwärmt, wird er wieder kindisch schwach.'
Wort für Wort niścitā eva hi me buddhiḥ denn mein Entschluss ist fest vana vāse dṛḍha vratā zum Waldaufenthalt, unerschütterlich bharata sneha saṃtaptā von Liebe zu Bharata erwärmt bāliśī kriyate punaḥ wird er wieder kindisch schwach saṃsmarāmi asya vākyāni priyāṇi madhurāṇi ca |
hṛdyāni amṛta kalpāni manaḥ prahlādāni ca || 3-16-39
Ich erinnere mich an seine lieben und süßen Worte, herzerfreuend, nektargleich, das Herz erquickend.
Wort für Wort saṃsmarāmi asya vākyāni ich erinnere mich an seine Worte priyāṇi madhurāṇi ca lieb und süß hṛdyāni amṛta kalpāni herzerfreuend, nektargleich manaḥ prahlādāni ca das Herz erquickend kadā hi aham sameṣyāmi bharatena mahātmanā |
śatrughnena ca vīreṇa tvayā ca raghunaṃdana || 3-16-40
Wann werde ich wohl wieder mit dem großherzigen Bharata zusammentreffen, und mit dem heldenhaften Śatrughna, und mit dir, Freudenbringer der Raghus?
Wort für Wort kadā hi aham sameṣyāmi wann werde ich wohl zusammentreffen bharatena mahātmanā mit dem großherzigen Bharata śatrughnena ca vīreṇa und mit dem heldenhaften Śatrughna tvayā ca raghunaṃdana und mit dir, Freudenbringer der Raghus iti evam vilapan tatra prāpya godāvarīm nadīm |
cakre abhiṣekam kākutsthaḥ sānujaḥ saha sītayā || 3-16-41
So klagend, dort am Fluss Godāvarī angekommen, vollzog der Kakutstha, zusammen mit seinem jüngeren Bruder und mit Sītā, das rituelle Bad.
Wort für Wort iti evam vilapan tatra so klagend dort prāpya godāvarīm nadīm am Fluss Godāvarī angekommen cakre abhiṣekam kākutsthaḥ vollzog der Kakutstha das rituelle Bad sānujaḥ saha sītayā mit dem jüngeren Bruder und mit Sītā tarpayitvā atha salilaiḥ taiḥ pitṝn daivatāni ca |
stuvanti sma uditam sūryam devatāaḥ ca tathā anaghāḥ || 3-16-42
Nachdem sie mit jenem Wasser die Ahnen und Götter gestillt hatten, priesen die Makellosen die aufgegangene Sonne und ebenso die Gottheiten.
Wort für Wort tarpayitvā atha salilaiḥ taiḥ nachdem sie mit jenem Wasser gestillt hatten pitṝn daivatāni ca die Ahnen und Götter stuvanti sma uditam sūryam priesen die aufgegangene Sonne devatāaḥ ca tathā anaghāḥ und ebenso die Gottheiten, die Makellosen kṛtābhiṣekaḥ sa rarāja rāmaḥ
sītā dvitīyaḥ saha lakṣmaṇena |
kṛta abhiṣeko tu aga rāja putryā
rudraḥ sa nandiḥ bhagavān iva īśaḥ || 3-16-43
Nach vollzogenem Bad erstrahlte Rāma, mit Sītā als Gefährtin, zusammen mit Lakṣmaṇa, wie der erhabene Rudra, der Herr, nach vollzogenem Bad, mit der Tochter des Bergkönigs und mit Nandi.
Wort für Wort kṛtābhiṣekaḥ sa rarāja rāmaḥ nach vollzogenem Bad erstrahlte Rāma sītā dvitīyaḥ saha lakṣmaṇena mit Sītā als Gefährtin, mit Lakṣmaṇa kṛta abhiṣeko tu aga rāja putryā nach vollzogenem Bad, mit der Tochter des Bergkönigs rudraḥ sa nandiḥ bhagavān iva īśaḥ wie der erhabene Rudra, der Herr, mit Nandi
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