pratigṛhya tu kaikeyī śvaśuram sukṛtena me |
mama pravrājanam bhartur bharatasya abhiṣecanam |
dvau ayācata bhartāram satyasaṃdham nṛpottamam | 3-47-7,8a
denn Kaikeyī hatte durch mein Wohltun einst meinen Schwiegervater [zu einem Versprechen] verpflichtet; zwei Dinge erbat sie von ihrem Gatten, dem wahrhaft treuen, vorzüglichsten König: meine Verbannung und Bharatas Salbung.
Wort für Wort
pratigṛhya tu kaikeyī śvaśuram sukṛtena me
denn Kaikeyī hatte durch mein Wohltun meinen Schwiegervater verpflichtet
mama pravrājanam
meine Verbannung
bhartur bharatasya abhiṣecanam
und Bharatas Salbung, [ihres] Gatten
dvau ayācata bhartāram satyasaṃdham nṛpottamam
zwei [Dinge] erbat sie von ihrem Gatten, dem wahrhaft treuen, vorzüglichsten König
na adya bhokṣye na ca svapsye na pāsye kadācana |
eṣa me jīvitasya anto rāmo yadi abhiṣicyate |
iti bruvāṇām kaikeyīm śvaśuro me sa pārthivaḥ |
ayācata arthaiḥ anvarthaiḥ na ca yāṃcām cakāra sā | 3-47-8b,9,10a
‚Heute werde ich weder essen noch schlafen noch je trinken; dies ist das Ende meines Lebens, wenn Rāma gesalbt wird' – so sprach Kaikeyī; jener Herrscher, mein Schwiegervater, bat sie mit stichhaltigen Gründen davon abzulassen, doch sie gab ihre Forderung nicht auf.
Wort für Wort
na adya bhokṣye na ca svapsye na pāsye kadācana
heute werde ich weder essen noch schlafen noch je trinken
eṣa me jīvitasya anto rāmo yadi abhiṣicyate
dies ist das Ende meines Lebens, wenn Rāma gesalbt wird
iti bruvāṇām kaikeyīm śvaśuro me sa pārthivaḥ
so sprach Kaikeyī; jener Herrscher, mein Schwiegervater
ayācata arthaiḥ anvarthaiḥ na ca yāṃcām cakāra sā
bat mit stichhaltigen Gründen, doch sie gab ihre Forderung nicht auf
jaṭī tāpasa rūpeṇa mayā saha saha anujaḥ |
praviṣṭo daṇḍakāraṇyam dharma nityo dhṛḍha vrataḥ | 3-47-20b,21a
‚Mit Haarschopf, in Asketengestalt, mit mir zusammen, mitsamt dem jüngeren Bruder, zog er, dem Dharma stets ergeben, von festem Gelübde, in den Daṇḍaka-Wald.'
samāśvasa muhūrtam tu śakyam vastum iha tvayā |
āgamiṣyati me bhartā vanyam ādāya puṣkalam |
rurūn godhān varāhān ca hatvā ādāya amiṣān bahu || 3-47-22b,23
‚Beruhige dich einen Augenblick; du kannst hier bleiben. Mein Gatte wird bald zurückkommen, reichlich Waldfrüchte mitbringend, nachdem er Antilopen, Waranen und Wildschweine erlegt und viel Fleisch mitgenommen hat.'
Wort für Wort
samāśvasa muhūrtam tu
beruhige dich einen Augenblick
śakyam vastum iha tvayā
du kannst hier bleiben
āgamiṣyati me bhartā vanyam ādāya puṣkalam
mein Gatte wird zurückkommen, reichlich Waldfrüchte mitbringend
rurūn godhān varāhān ca hatvā ādāya amiṣān bahu
Antilopen, Waranen, Wildschweine erlegt und viel Fleisch mitgenommen habend
saḥ tvam nāma ca gotram ca kulam ācakṣva tattvataḥ |
ekaḥ ca daṇḍakāraṇye kim artham carasi dvija || 3-47-24
‚Nun, sage du mir deinen Namen, dein Gotra und dein Geschlecht der Wahrheit gemäß, und aus welchem Grund du allein im Daṇḍaka-Wald wanderst, o Zweifachgeborener.'
yena vitrāsitā lokāḥ sa deva asura mānuṣā |
aham saḥ rāvaṇo nāma sīte rakṣo gaṇa īśvaraḥ || 3-47-26
‚Der, durch den die Welten – mitsamt Göttern, Asuras und Menschen – in Schrecken versetzt wurden – ich bin jener, mit Namen Rāvaṇa, Sītā, der Herrscher der Rākṣasa-Scharen.'
‚du wünschst den Mandara, den vorzüglichsten der Berge, mit der Hand fortzutragen, du wünschst, nachdem du das Kālakūṭa-Gift getrunken hast, unversehrt fortzugehen,'
‚Du wünschst, mit einem Stein um den Hals gehängt, das Meer zu durchschwimmen, du wünschst, Sonne und Mond mit beiden Händen zu ergreifen, du, der du Rāmas geliebte Gattin zu vergewaltigen wünschst,'
Wort für Wort
avasajya śilām kaṇṭhe
einen Stein um den Hals gehängt
samudram tartum icchasi
das Meer zu durchschwimmen wünschst du
sūryā candramasau ca ubhau prāṇibhyām hartum icchasi
Sonne und Mond mit beiden Händen zu ergreifen wünschst du
yo rāmasya priyām bhāryām pradharṣayitum icchasi
der du Rāmas geliebte Gattin zu vergewaltigen wünschst
yad aṃtaram siṃha śṛgālayoḥ vane |
yad aṃtaram syandanikā samudrayoḥ |
sura agrya sauvīrakayoḥ yad aṃtaram |
tad aṃtaram dāśaratheḥ tava eva ca || 3-47-45
‚Welcher Unterschied zwischen Löwe und Schakal im Wald besteht, welcher zwischen einem Rinnsal und dem Ozean, welcher zwischen dem vorzüglichsten der Götter und einem gewöhnlichen Wein – ebenderselbe Unterschied besteht zwischen dem Sohn des Daśaratha und dir.'
Wort für Wort
yad aṃtaram siṃha śṛgālayoḥ vane
welcher Unterschied zwischen Löwe und Schakal im Wald
yad aṃtaram syandanikā samudrayoḥ
welcher zwischen Rinnsal und Ozean
sura agrya sauvīrakayoḥ yad aṃtaram
welcher zwischen dem vorzüglichsten Gott und gewöhnlichem Wein
tad aṃtaram dāśaratheḥ tava eva ca
ebenderselbe Unterschied zwischen dem Sohn des Daśaratha und dir
yad aṃtaram kāṃcana sīsa lohayoḥ |
yad aṃtaram candana vāri paṃkayoḥ |
yad aṃtaram hasti biḍālayoḥ vane |
tad aṃtaram daśaratheḥ tava eva ca || 3-47-46
‚Welcher Unterschied zwischen Gold und Blei und Eisen besteht, welcher zwischen Sandelduft und Wasserschlamm, welcher zwischen Elefant und Katze im Wald – ebenderselbe Unterschied besteht zwischen dem Sohn des Daśaratha und dir.'
Wort für Wort
yad aṃtaram kāṃcana sīsa lohayoḥ
welcher Unterschied zwischen Gold, Blei und Eisen
yad aṃtaram candana vāri paṃkayoḥ
welcher zwischen Sandelduft und Wasserschlamm
yad aṃtaram hasti biḍālayoḥ vane
welcher zwischen Elefant und Katze im Wald
tad aṃtaram daśaratheḥ tava eva ca
ebenderselbe Unterschied zwischen dem Sohn des Daśaratha und dir
yad aṃtaram vāyasa vainateyayoḥ |
yad aṃtaram madgu mayūrayoḥ api |
yad aṃtaram haṃsa gṛdhrayoḥ vane |
tad aṃtaram dāśaratheḥ tava eva ca || 3-47-47
‚Welcher Unterschied zwischen Krähe und Garuḍa besteht, welcher zwischen Wasserhuhn und Pfau, welcher zwischen Schwan und Geier im Wald – ebenderselbe Unterschied besteht zwischen dem Sohn des Daśaratha und dir.'
Wort für Wort
yad aṃtaram vāyasa vainateyayoḥ
welcher Unterschied zwischen Krähe und Garuḍa
yad aṃtaram madgu mayūrayoḥ api
welcher zwischen Wasserhuhn und Pfau
yad aṃtaram haṃsa gṛdhrayoḥ vane
welcher zwischen Schwan und Geier im Wald
tad aṃtaram dāśaratheḥ tava eva ca
ebenderselbe Unterschied zwischen dem Sohn des Daśaratha und dir
tasmin sahasrākṣa sama prabhāve |
rāme sthite kārmuka bāṇa pāṇau |
hṛtā api te aham na jarām gamiṣye |
vajram yathā makṣikayā avagīrṇam || 3-47-48
‚Solange jener Rāma, von der Macht des Tausendäugigen gleich, mit Bogen und Pfeil in der Hand, weilt, werde ich, selbst wenn von dir geraubt, nicht in deiner Gewalt verwelken – wie ein Diamant, von einer Fliege verschluckt.'
Wort für Wort
tasmin sahasrākṣa sama prabhāve
solange jener, von der Macht des Tausendäugigen gleich
rāme sthite kārmuka bāṇa pāṇau
Rāma weilt, mit Bogen und Pfeil in der Hand
hṛtā api te aham na jarām gamiṣye
werde ich, selbst wenn von dir geraubt, nicht verwelken
So, dieses Wort sprechend, sie, von reiner Gesinnung, sagte zu jenem höchst verdorbenen Nachtwandler dies, und wurde, am ganzen Körper zitternd, gequält, wie eine vom Wind aufgewühlte, schlanke Bananenstaude.
Wort für Wort
iti iva tat vākyam aduṣṭa bhāvā
so, dieses Wort, von reiner Gesinnung
suduṣṭam uktvā rajanī caram tam
zu jenem höchst verdorbenen Nachtwandler sagend
gātra prakaṃpāt vyathitā babhūva
wurde am ganzen Körper zitternd gequält
vāta uddhatā sā kadalī iva tanvī
wie eine vom Wind aufgewühlte, schlanke Bananenstaude
tām vepamānām upalakṣya sītām |
sa rāvaṇo mṛtyu sama prabhāvaḥ |
kulam balam nāma ca karma ca ātmanaḥ |
samācacakṣe bhaya kāraṇa artham || 3-47-50
Sie, die zitternde Sītā, betrachtend, verkündete jener Rāvaṇa, dessen Macht dem Tod gleicht, sein eigenes Geschlecht, seine Kraft, seinen Namen und seine Taten, um Furcht zu erregen.