Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Araṇyakāṇḍa

Sarga 1: Daṇḍaka Vana Praveśaḥ Rāma betritt den Daṇḍaka-Wald und wird von den Asketen ehrfürchtig empfangen

praviśya tu mahāraṇyam daṇḍakāraṇyam ātmavān | rāmo dadarśa durdharṣa tāpasa āśrama maṇḍalam || 3-1-1

Nachdem der Besonnene den großen Wald Daṇḍaka betreten hatte, sah Rāma, der Unbezwingbare, den Kreis der Asketen-Einsiedeleien.

Wort für Wort
praviśya tu mahāraṇyam
nachdem er den großen Wald betreten hatte
daṇḍakāraṇyam ātmavān
den Daṇḍaka-Wald, der Besonnene
rāmo dadarśa durdharṣa
sah Rāma, der Unbezwingbare
tāpasa āśrama maṇḍalam
den Kreis der Asketen-Einsiedeleien

kuśa cīra parikṣiptam brāhmaṇyā lakṣmyā samāvṛtam | yathā pradīptam durdarśam gagane sūrya maṇḍalam || 3-1-2

Mit Kuśagras und Baumrindengewändern umgeben, von brahmanischer Schönheit erfüllt, wie die am Himmel leuchtende, schwer anzusehende Sonnenscheibe.

Wort für Wort
kuśa cīra parikṣiptam
mit Kuśagras und Baumrindengewändern umgeben
brāhmaṇyā lakṣmyā samāvṛtam
von brahmanischer Schönheit erfüllt
yathā pradīptam durdarśam
wie die leuchtende, schwer anzusehende
gagane sūrya maṇḍalam
Sonnenscheibe am Himmel

śaraṇyam sarva bhūtānām su saṃmṛṣṭa ajiram sadā | mṛgaiḥ bahubhiḥ ākīrṇam pakṣi sanghaiḥ samāvṛtam || 3-1-3

Eine Zuflucht für alle Wesen, mit stets wohl gefegtem Vorhof, von vielen Wildtieren erfüllt, von Scharen von Vögeln umgeben.

Wort für Wort
śaraṇyam sarva bhūtānām
eine Zuflucht für alle Wesen
su saṃmṛṣṭa ajiram sadā
mit stets wohl gefegtem Vorhof
mṛgaiḥ bahubhiḥ ākīrṇam
von vielen Wildtieren erfüllt
pakṣi sanghaiḥ samāvṛtam
von Scharen von Vögeln umgeben

pūjitam ca upanṛttam ca nityam apsarasām gaṇaiḥ | viśālaiḥ agni śaraṇaiḥ sruk bhāṇḍaiḥ ajinaiḥ kuśaiḥ || samidbhiḥ toya kalaśaiḥ phala mūlaiḥ ca śobhitam | āraṇyaiḥ ca mahā vṛkṣaiḥ puṇyaiḥ svādu phalaiḥ vṛtam || 3-1-4, 3-1-5

Verehrt und beständig von Scharen von Apsaras umtanzt, geschmückt mit weiten Feuerhallen, Opferlöffeln, Antilopenfellen, Kuśagras, Brennholz, Wasserkrügen und Früchten und Wurzeln, umgeben von großen Waldbäumen mit heilvollen, süßen Früchten.

Wort für Wort
pūjitam ca upanṛttam ca
verehrt und umtanzt
nityam apsarasām gaṇaiḥ
beständig von Scharen von Apsaras
viśālaiḥ agni śaraṇaiḥ
mit weiten Feuerhallen
sruk bhāṇḍaiḥ ajinaiḥ kuśaiḥ
Opferlöffeln, Antilopenfellen, Kuśagras
samidbhiḥ toya kalaśaiḥ
Brennholz, Wasserkrügen
phala mūlaiḥ ca śobhitam
und Früchten und Wurzeln geschmückt
āraṇyaiḥ ca mahā vṛkṣaiḥ
und von großen Waldbäumen
puṇyaiḥ svādu phalaiḥ vṛtam
mit heilvollen, süßen Früchten umgeben

bali homa arcitam puṇyam brahma ghoṣa nināditam | puṣpaiḥ ca anyaiḥ parikṣiptam padminyā ca sa padmayā || 3-1-6

Geheiligt durch Opfergaben und Feueropfer, widerhallend vom Klang der Veda-Rezitation, umgeben von Blumen und einem Lotosteich mit Lotosblumen.

Wort für Wort
bali homa arcitam puṇyam
geheiligt durch Opfergaben und Feueropfer
brahma ghoṣa nināditam
widerhallend vom Klang der Veda-Rezitation
puṣpaiḥ ca anyaiḥ parikṣiptam
umgeben von anderen Blumen
padminyā ca sa padmayā
und einem Lotosteich mit Lotosblumen

phalamūla aśanaiḥ dāntaiḥ cīra kṛṣṇājina ambaraiḥ | sūrya vaiśvānara ābhaiḥ ca purāṇaiḥ munibhir yutam || 3-1-7

Erfüllt von alten Weisen, die sich von Früchten und Wurzeln ernähren, gezügelt, in Baumrindengewändern und schwarzen Antilopenfellen gekleidet, dem Glanz von Sonne und Feuer gleich.

Wort für Wort
phalamūla aśanaiḥ dāntaiḥ
die sich von Früchten und Wurzeln ernähren, gezügelt
cīra kṛṣṇājina ambaraiḥ
in Baumrindengewändern und schwarzen Antilopenfellen gekleidet
sūrya vaiśvānara ābhaiḥ ca
dem Glanz von Sonne und Feuer gleich
purāṇaiḥ munibhir yutam
erfüllt von alten Weisen

puṇyaiḥ ca niyata āhāraiḥ śobhitam parama ṛṣibhiḥ | tat brahma bhavana prakhyam brahma ghoṣa nināditam || 3-1-8

Geschmückt durch die höchsten Seher mit heilvoller, geregelter Nahrung, jener Hain, gleich der Wohnstatt Brahmās, widerhallend vom Klang der Veda-Rezitation.

Wort für Wort
puṇyaiḥ ca niyata āhāraiḥ
mit heilvoller, geregelter Nahrung
śobhitam parama ṛṣibhiḥ
geschmückt durch die höchsten Seher
tat brahma bhavana prakhyam
jener, gleich der Wohnstatt Brahmās
brahma ghoṣa nināditam
widerhallend vom Klang der Veda-Rezitation

brahma vidbhiḥ mahā bhāgaiḥ brāhmaṇaiḥ upaśobhitam | tat dṛṣṭvā rāghavaḥ śrīmān tāpasa āśrama maṇḍalam || abhyagacchat mahātejā vijyam kṛtvā mahad dhanuḥ | 3-1-9, 3-1-10a

Geschmückt von den hochbeglückten, brahmakundigen Brahmanen - diesen Kreis der Asketen-Einsiedeleien sehend, näherte sich der glanzvolle, hochgewaltige Rāghava, nachdem er den großen Bogen entspannt hatte.

Wort für Wort
brahma vidbhiḥ mahā bhāgaiḥ
von den hochbeglückten, brahmakundigen
brāhmaṇaiḥ upaśobhitam
Brahmanen geschmückt
tat dṛṣṭvā rāghavaḥ śrīmān
dies sehend, der glanzvolle Rāghava
tāpasa āśrama maṇḍalam
den Kreis der Asketen-Einsiedeleien
abhyagacchat mahātejā
näherte sich der Hochgewaltige
vijyam kṛtvā mahad dhanuḥ
nachdem er den großen Bogen entspannt hatte

divya jñāna upapannāḥ te rāmam dṛṣṭvā maharṣayaḥ || abhijagmuḥ tadā prītā vaidehīm ca yaśasvinīm | 3-1-10b, 3-1-11a

Jene großen Seher, mit göttlichem Wissen ausgestattet, kamen, als sie Rāma sahen, erfreut auf ihn und die ruhmreiche Vaidehī zu.

Wort für Wort
divya jñāna upapannāḥ
mit göttlichem Wissen ausgestattet
te rāmam dṛṣṭvā maharṣayaḥ
jene großen Seher, Rāma sehend
abhijagmuḥ tadā prītā
kamen da erfreut heran
vaidehīm ca yaśasvinīm
und zur ruhmreichen Vaidehī

te tu somam iva udyantam dṛṣṭvā vai dharmacāriṇam || lakṣmaṇam ca eva dṛṣṭvā tu vaidehīm ca yaśaśvinīm | maṅgalāni prayuñjānāḥ pratyagṛhṇān dṛḍha vratāḥ | 3-1-11b, 3-1-12

Diese aber, als sie ihn, wie den aufgehenden Mond, den dem Dharma folgenden, sahen, und ebenso Lakṣmaṇa und die ruhmreiche Vaidehī sahen, sprachen sie Segenswünsche aus und empfingen sie, die im Gelübde Festen.

Wort für Wort
te tu somam iva udyantam
diese aber, wie den aufgehenden Mond
dṛṣṭvā vai dharmacāriṇam
sehend, den dem Dharma folgenden
lakṣmaṇam ca eva dṛṣṭvā
und Lakṣmaṇa ebenso sehend
tu vaidehīm ca yaśaśvinīm
und die ruhmreiche Vaidehī
maṅgalāni prayuñjānāḥ
Segenswünsche aussprechend
pratyagṛhṇān dṛḍha vratāḥ
empfingen sie, die im Gelübde Festen

rūpa saṃhananam lakṣmīm saukumāryam suveṣatām | dadṛśur vismita ākārā rāmasya vana vāsinaḥ || 3-1-13

Die Gestalt, den kräftigen Körperbau, die Schönheit, die Zartheit, die schöne Kleidung Rāmas betrachteten die Waldbewohner mit erstauntem Ausdruck.

Wort für Wort
rūpa saṃhananam lakṣmīm
die Gestalt, den Körperbau, die Schönheit
saukumāryam suveṣatām
die Zartheit, die schöne Kleidung
dadṛśur vismita ākārā
betrachteten mit erstauntem Ausdruck
rāmasya vana vāsinaḥ
Rāmas, die Waldbewohner

vaidehīm lakṣmaṇam rāmam netrair animiṣair iva | āścarya bhūtān dadṛśuḥ sarve te vana vāsinaḥ || 3-1-14

Vaidehī, Lakṣmaṇa und Rāma betrachteten alle jene Waldbewohner mit wie unbeweglichen Augen, als wären es Wunderwesen.

Wort für Wort
vaidehīm lakṣmaṇam rāmam
Vaidehī, Lakṣmaṇa und Rāma
netrair animiṣair iva
mit wie unbeweglichen Augen
āścarya bhūtān dadṛśuḥ
betrachteten sie als Wunderwesen
sarve te vana vāsinaḥ
alle jene Waldbewohner

atra enam hi mahābhāgāḥ sarva bhūta hite ratāḥ | atithim parṇaśālāyām rāghavam saṃnyaveśayan || 3-1-15

Dort ließen die Hochbeglückten, dem Wohl aller Wesen zugetan, den Rāghava, den Gast, in einer Laubhütte Platz nehmen.

Wort für Wort
atra enam hi mahābhāgāḥ
dort diesen die Hochbeglückten
sarva bhūta hite ratāḥ
dem Wohl aller Wesen zugetan
atithim parṇaśālāyām
den Gast in einer Laubhütte
rāghavam saṃnyaveśayan
ließen den Rāghava Platz nehmen

tato rāmasya satkṛtya vidhinā pāvaka upamāḥ | ājahruḥ te mahābhāgāḥ salilam dharmacāriṇaḥ || 3-1-16

Dann, nachdem sie Rāma vorschriftsmäßig geehrt hatten, brachten jene hochbeglückten, dem Dharma folgenden, dem Feuer gleichenden Weisen Wasser herbei.

Wort für Wort
tato rāmasya satkṛtya
dann, Rāma ehrend
vidhinā pāvaka upamāḥ
vorschriftsmäßig, dem Feuer gleichend
ājahruḥ te mahābhāgāḥ
brachten jene Hochbeglückten herbei
salilam dharmacāriṇaḥ
Wasser, die dem Dharma folgenden

maṃgalāni prayuñjānā mudā paramayā yutā | mūlam puṣpam phalam sarvam āśramam ca mahātmanaḥ || nivedayītvā dharmajñāḥ te tu prāṃjalayo 'bruvan | 3-1-17, 3-1-18a

Segenswünsche aussprechend, von höchster Freude erfüllt, boten sie Wurzeln, Blumen, Früchte, alles, und den Einsiedlerhain dem Hochherzigen dar; dann sprachen die Dharmakundigen, die Hände zum Anjali gefaltet.

Wort für Wort
maṃgalāni prayuñjānā
Segenswünsche aussprechend
mudā paramayā yutā
von höchster Freude erfüllt
mūlam puṣpam phalam sarvam
Wurzeln, Blumen, Früchte, alles
āśramam ca mahātmanaḥ
und den Einsiedlerhain, dem Hochherzigen
nivedayītvā dharmajñāḥ
darbietend, die Dharmakundigen
te tu prāṃjalayo 'bruvan
sprachen sie, die Hände zum Anjali gefaltet

dharmapālo janasya asya śaraṇyaḥ ca mahāyaśāḥ || pūjanīyaḥ ca mānyaḥ ca rājā daṇḍadharo guruḥ | 3-1-18b, 3-1-19a

'Der Beschützer des Dharma dieses Volkes, die Zuflucht, der Hochberühmte, verehrungswürdig und geachtet ist der König, der Träger des Zepters, der Lehrer.'

Wort für Wort
dharmapālo janasya asya
der Beschützer des Dharma dieses Volkes
śaraṇyaḥ ca mahāyaśāḥ
die Zuflucht und der Hochberühmte
pūjanīyaḥ ca mānyaḥ ca
verehrungswürdig und geachtet
rājā daṇḍadharo guruḥ
der König, der Zepterträger, der Lehrer

indrasya eva caturbhāgaḥ prajā rakṣati rāghava || rājā tasmād varān bhogān raṃyān bhuṅkte namaskṛtaḥ | 3-1-19b, 3-1-20a

'Ein Viertel Indras selbst beschützt die Untertanen, o Rāghava; deshalb genießt der König, verehrt, vorzügliche, angenehme Genüsse.'

Wort für Wort
indrasya eva caturbhāgaḥ
ein Viertel Indras selbst
prajā rakṣati rāghava
beschützt die Untertanen, o Rāghava
rājā tasmād varān bhogān
deshalb der König vorzügliche Genüsse
raṃyān bhuṅkte namaskṛtaḥ
angenehme genießt er, verehrt

te vayam bhavatā rakṣyā bhavad viṣaya vāsinaḥ | nagarastho vanastho vā tvam naḥ rājā janeśvaraḥ | 3-1-20b-c

'Wir, die wir in deinem Gebiet wohnen, sollen von dir beschützt werden; ob in der Stadt oder im Wald weilend, du bist unser König, der Herrscher der Menschen.'

Wort für Wort
te vayam bhavatā rakṣyā
wir sollen von dir beschützt werden
bhavad viṣaya vāsinaḥ
die wir in deinem Gebiet wohnen
nagarastho vanastho vā
ob in der Stadt oder im Wald weilend
tvam naḥ rājā janeśvaraḥ
du bist unser König, der Herrscher der Menschen

nyasta daṇḍā vayam rājan jita krodhā jitendriyāḥ | rakṣaṇīyāḥ tvayā śaśvad garbha bhūtāḥ tapodhanāḥ || 3-1-21

'Wir, die wir Gewalt abgelegt haben, o König, den Zorn und die Sinne besiegt haben, sollen von dir stets beschützt werden, wie ungeborene Kinder, wir, die an Askese Reichen.'

Wort für Wort
nyasta daṇḍā vayam rājan
wir, die wir Gewalt abgelegt haben, o König
jita krodhā jitendriyāḥ
den Zorn und die Sinne besiegt habend
rakṣaṇīyāḥ tvayā śaśvad
sollen von dir stets beschützt werden
garbha bhūtāḥ tapodhanāḥ
wie ungeborene Kinder, die an Askese Reichen

evam uktvā phalaiḥ mūlaiḥ puṣpair anyaiḥ ca rāghavam | vanyaiḥ ca vividha āhāraiḥ sa lakṣmaṇam apūjayan || 3-1-22

So sprechend, verehrten sie den Rāghava mit Früchten, Wurzeln, anderen Blumen und mannigfaltigen Waldspeisen, ihn zusammen mit Lakṣmaṇa.

Wort für Wort
evam uktvā phalaiḥ mūlaiḥ
so sprechend, mit Früchten und Wurzeln
puṣpair anyaiḥ ca rāghavam
und anderen Blumen, den Rāghava
vanyaiḥ ca vividha āhāraiḥ
und mit mannigfaltigen Waldspeisen
sa lakṣmaṇam apūjayan
verehrten sie ihn mit Lakṣmaṇa

tathā 'nye tāpasāḥ siddhā rāmam vaiśvānara upamāḥ | nyāya vṛttā yathā nyāyam tarpayāmāsur īśvaram || 3-1-23

Ebenso befriedigten andere erfolgreiche Asketen, dem Feuer gleichend, von rechtem Wandel, den Herrn Rāma, wie es sich gebührt.

Wort für Wort
tathā 'nye tāpasāḥ siddhā
ebenso andere erfolgreiche Asketen
rāmam vaiśvānara upamāḥ
dem Feuer gleichend, den Rāma
nyāya vṛttā yathā nyāyam
von rechtem Wandel, wie es sich gebührt
tarpayāmāsur īśvaram
befriedigten den Herrn

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