Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Araṇyakāṇḍa

Sarga 55: Rāvaṇa Sītā Saṃvādaḥ Rāvaṇas Werben um Sītā

saṃdiśya rākṣasān ghorān rāvaṇo aṣṭau mahābalān | ātmānam buddhi vaiklavyāt kṛta kṛtyam amanyata || 3-55-1

Nachdem er den acht furchtbaren, überaus starken Rākṣasas Befehl gegeben hatte, hielt sich Rāvaṇa, aus Verwirrung des Verstandes, für einen, der sein Werk vollbracht hat.

Wort für Wort
saṃdiśya rākṣasān ghorān
nachdem er den furchtbaren Rākṣasas Befehl gegeben hatte
rāvaṇo aṣṭau mahābalān
Rāvaṇa den acht überaus starken
ātmānam buddhi vaiklavyāt
sich selbst, aus Verwirrung des Verstandes
kṛta kṛtyam amanyata
hielt für einen, der sein Werk vollbracht hat

sa ciṃtayāno vaidehīm kāma bāṇa saṃprapīḍitaḥ | praviveśa gṛham ramyam sītām draṣṭum abhitvaran || 3-55-2

An Vaidehī denkend, von den Pfeilen des Liebesgottes gequält, betrat er das liebliche Haus, eilig, um Sītā zu sehen.

Wort für Wort
sa ciṃtayāno vaidehīm
er, an Vaidehī denkend
kāma bāṇa saṃprapīḍitaḥ
von den Pfeilen des Liebesgottes gequält
praviveśa gṛham ramyam
betrat das liebliche Haus
sītām draṣṭum abhitvaran
eilig, um Sītā zu sehen

sa praviśya tu tat veśma rāvaṇo rākṣasa adhipaḥ | apaśyat rākṣasī madhye sītām duḥkha parāyaṇam || 3-55-3

Rāvaṇa, der Rākṣasa-Fürst, jenes Haus betretend, erblickte inmitten der Rākṣasīs Sītā, ganz dem Leid hingegeben.

Wort für Wort
sa praviśya tu tat veśma
er, jenes Haus betretend
rāvaṇo rākṣasa adhipaḥ
Rāvaṇa, der Rākṣasa-Fürst
apaśyat rākṣasī madhye
erblickte inmitten der Rākṣasīs
sītām duḥkha parāyaṇam
Sītā, ganz dem Leid hingegeben

aśru pūrṇa mukhīm dīnām śoka bhāra avapīḍitām | vāyu vegaiḥ iva ākrāṃtām majjantīm nāvam arṇave || 3-55-4

Mit tränenerfülltem Gesicht, elend, von der Last des Kummers bedrängt, wie von Windstößen überfallen, einem im Meer versinkenden Schiff gleich.

Wort für Wort
aśru pūrṇa mukhīm dīnām
mit tränenerfülltem Gesicht, die Elende
śoka bhāra avapīḍitām
von der Last des Kummers bedrängt
vāyu vegaiḥ iva ākrāṃtām
wie von Windstößen überfallen
majjantīm nāvam arṇave
einem im Meer versinkenden Schiff gleich

mṛga yūtha paribhraṣṭām mṛgīm śvabhiḥ iva āvṛtām | adhogata mukhīm sītām tām abhyetya niśācaraḥ || 3-55-5

Wie ein Reh, von der Herde getrennt, von Hunden umringt, mit gesenktem Gesicht — zu ihr, Sītā, trat der Nachtwandler.

Wort für Wort
mṛga yūtha paribhraṣṭām
von der Rehherde getrennt
mṛgīm śvabhiḥ iva āvṛtām
wie ein Reh von Hunden umringt
adhogata mukhīm sītām
Sītā, mit gesenktem Gesicht
tām abhyetya niśācaraḥ
zu ihr trat der Nachtwandler

tām tu śoka vaśāt dīnām avaśām rākṣasa adhipaḥ | sa balāt darśayāmāsa gṛham deva gṛha upamam || 3-55-6

Ihr, der Elenden, dem Kummer preisgegeben, ohnmächtig, zeigte der Rākṣasa-Fürst mit Gewalt das Haus, einem Götterhaus gleich.

Wort für Wort
tām tu śoka vaśāt dīnām
ihr, der Elenden, dem Kummer preisgegeben
avaśām
der Ohnmächtigen
rākṣasa adhipaḥ sa balāt
der Rākṣasa-Fürst mit Gewalt
darśayāmāsa gṛham
zeigte das Haus
deva gṛha upamam
einem Götterhaus gleich

harmya prāsāda saṃbadham strī sahasra niṣevitam | nānā pakṣi gaṇaiḥ juṣṭam nānā ratna samanvitam || 3-55-7

Verbunden mit Herrenhäusern und Palästen, von tausend Frauen bewohnt, von mancherlei Vogelscharen besucht, mit mancherlei Edelsteinen versehen.

Wort für Wort
harmya prāsāda saṃbadham
verbunden mit Herrenhäusern und Palästen
strī sahasra niṣevitam
von tausend Frauen bewohnt
nānā pakṣi gaṇaiḥ juṣṭam
von mancherlei Vogelscharen besucht
nānā ratna samanvitam
mit mancherlei Edelsteinen versehen

dāntakaiḥ tāpanīyaiḥ ca sphāṭikai rājataiḥ tathā | vajra vaidūrya citraiḥ ca stambhaiḥ dṛṣṭi manoramaiḥ || 3-55-8

Mit Säulen aus Elfenbein, aus geglühtem Gold, aus Bergkristall, aus Silber, mit Diamant und Vaidūrya bunt gefärbt, dem Blick entzückend.

Wort für Wort
dāntakaiḥ tāpanīyaiḥ ca
mit elfenbeinernen und aus geglühtem Gold
sphāṭikai rājataiḥ tathā
aus Bergkristall und ebenso silbernen
vajra vaidūrya citraiḥ ca
mit Diamant und Vaidūrya bunt
stambhaiḥ dṛṣṭi manoramaiḥ
mit Säulen, dem Blick entzückend

divya dundubhi nirghoṣam tapta kāṃcana bhūṣaṇam | sopānam kāṃcanam citram āruroha tayā saha || 3-55-9

Mit göttlichem Paukenklang erfüllt, mit geglühtem Gold geschmückt, stieg er mit ihr die bunte, goldene Treppe hinauf.

Wort für Wort
divya dundubhi nirghoṣam
mit göttlichem Paukenklang erfüllt
tapta kāṃcana bhūṣaṇam
mit geglühtem Gold geschmückt
sopānam kāṃcanam citram
die bunte goldene Treppe
āruroha tayā saha
stieg er mit ihr hinauf

dāntakā rājatāḥ caiva gavākṣāḥ priya darśanāḥ | hema jālā āvṛtāḥ ca āsan tatra prāsāda paṃktayaḥ || 3-55-10

Aus Elfenbein und Silber waren die lieblich anzuschauenden Fenster, mit goldenen Netzen bedeckt — so standen dort Reihen von Palästen.

Wort für Wort
dāntakā rājatāḥ caiva
aus Elfenbein und aus Silber
gavākṣāḥ priya darśanāḥ
lieblich anzuschauende Fenster
hema jālā āvṛtāḥ ca
und mit goldenen Netzen bedeckt
āsan tatra prāsāda paṃktayaḥ
waren dort Reihen von Palästen

sudhā maṇi vicitrāṇi bhūmi bhāgāni sarvaśaḥ | daśagrīvaḥ sva bhavane prādarśayata maithilīm || 3-55-11

Die mit Mörtel und Edelsteinen bunt geschmückten Bodenflächen zeigte der Zehnhalsige in seinem Palast überall der Maithilī.

Wort für Wort
sudhā maṇi vicitrāṇi
mit Mörtel und Edelsteinen bunt geschmückte
bhūmi bhāgāni sarvaśaḥ
Bodenflächen überall
daśagrīvaḥ sva bhavane
der Zehnhalsige in seinem Palast
prādarśayata maithilīm
zeigte der Maithilī

dīrghikāḥ puṣkariṇyaḥ ca nānā puṣpa samāvṛtāḥ | rāvaṇo darśayāmāsa sītām śoka parāyaṇām || 3-55-12

Wasserbecken und Lotosteiche, mit mancherlei Blüten bedeckt, zeigte Rāvaṇa der Sītā, ganz dem Kummer hingegeben.

Wort für Wort
dīrghikāḥ puṣkariṇyaḥ ca
Wasserbecken und Lotosteiche
nānā puṣpa samāvṛtāḥ
mit mancherlei Blüten bedeckt
rāvaṇo darśayāmāsa sītām
zeigte Rāvaṇa der Sītā
śoka parāyaṇām
ganz dem Kummer hingegeben

darśayitvā tu vaidehīm kṛtsnam tat bhavana uttamam | uvāca vākyam pāpātmā sītām lobhitum icchayā || 3-55-13

Nachdem er der Vaidehī jenen ganzen prächtigen Palast gezeigt hatte, sprach der Bösgesinnte diese Worte, in der Absicht, Sītā zu verführen.

Wort für Wort
darśayitvā tu vaidehīm
nachdem er der Vaidehī gezeigt hatte
kṛtsnam tat bhavana uttamam
jenen ganzen prächtigen Palast
uvāca vākyam pāpātmā
sprach der Bösgesinnte diese Worte
sītām lobhitum icchayā
in der Absicht, Sītā zu verführen

daśa rākṣasa koṭyaḥ ca dvāviṃśatiḥ atha aparāḥ | varjayitvā jarā vṛddhān bālān ca rajanīcarān || 3-55-14

'Zehn Koṭi Rākṣasas und noch zweiundzwanzig weitere — abgesehen von den durch Alter Betagten und den jungen Nachtwandlern —

Wort für Wort
daśa rākṣasa koṭyaḥ ca
zehn Koṭi Rākṣasas und
dvāviṃśatiḥ atha aparāḥ
zweiundzwanzig weitere
varjayitvā jarā vṛddhān
abgesehen von den durch Alter Betagten
bālān ca rajanīcarān
und den jungen Nachtwandlern

teṣām prabhuḥ aham sīte sarveṣām bhīma karmaṇām | sahasram ekam ekasya mama kārya puraḥsaram || 3-55-15

über all diese, deren Taten furchtbar sind, bin ich der Gebieter, Sītā — jedem einzelnen von ihnen dient je ein Tausend, meinem Auftrag voran.

Wort für Wort
teṣām prabhuḥ aham sīte
über sie bin ich der Gebieter, Sītā
sarveṣām bhīma karmaṇām
über alle, deren Taten furchtbar sind
sahasram ekam ekasya
je ein Tausend jedem einzelnen
mama kārya puraḥsaram
meinem Auftrag voran

yat idam rājya taṃtram me tvayi sarvam pratiṣṭhitam | jīvitam ca viśālākṣi tvam me prāṇaiḥ garīyasī || 3-55-16

Dieses ganze Reichsregiment von mir und mein Leben sind ganz auf dich gegründet; du, Großäugige, bist mir mehr wert als mein Leben.

Wort für Wort
yat idam rājya taṃtram me
dieses mein Reichsregiment
tvayi sarvam pratiṣṭhitam
ist ganz auf dich gegründet
jīvitam ca viśālākṣi
und das Leben, Großäugige
tvam me prāṇaiḥ garīyasī
du bist mir wertvoller als mein Leben

bahvīnām uttama strīṇām mama yo asau parigrahaḥ | tāsām tvam īśvarī sīte mama bhāryā bhava priye || 3-55-17

Über den Besitz an vielen vorzüglichen Frauen, den ich habe — über sie sollst du die Herrin sein, Sītā! Werde meine Gattin, Geliebte!

Wort für Wort
bahvīnām uttama strīṇām
von vielen vorzüglichen Frauen
mama yo asau parigrahaḥ
dieser mein Besitz
tāsām tvam īśvarī sīte
über sie sei du die Herrin, Sītā
mama bhāryā bhava priye
werde meine Gattin, Geliebte

sādhu kim te anyayā buddhyā rocayasva vaco mama | bhajasva mā abhitaptasya prasādam kartum arhasi || 3-55-18

Wozu, Gute, ein anderer Sinn dir? Gefalle dir mein Wort! Wende dich mir zu — mir, dem Entbrannten, geziemt es dir, Gnade zu erweisen.

Wort für Wort
sādhu kim te anyayā buddhyā
wozu dir, Gute, ein anderer Sinn
rocayasva vaco mama
gefalle dir mein Wort
bhajasva mā
wende dich mir zu
abhitaptasya prasādam kartum arhasi
mir, dem Entbrannten, geziemt es, Gnade zu erweisen

parikṣiptā samudreṇa laṃkā iyam śata yojanā | na iyam dharṣayitum śakyā sa indraiḥ api sura asuraiḥ || 3-55-19

Vom Meer umschlossen, hundert Yojanas groß, ist diese Laṅkā — sie kann nicht bezwungen werden, nicht einmal von Göttern und Asuras samt Indra.

Wort für Wort
parikṣiptā samudreṇa
vom Meer umschlossen
laṃkā iyam śata yojanā
diese Laṅkā, hundert Yojanas groß
na iyam dharṣayitum śakyā
sie kann nicht bezwungen werden
sa indraiḥ api sura asuraiḥ
nicht einmal von Göttern und Asuras samt Indra

na deveṣu na yakṣeṣu na gaṃdharveṣu na ṛṣiṣu | aham paśyāmi lokeṣu yo me vīrya samo bhavet || 3-55-20

Weder unter den Göttern noch den Yakṣas, weder den Gandharvas noch den Weisen sehe ich in den Welten einen, der mir an Tapferkeit gleichkäme.

Wort für Wort
na deveṣu na yakṣeṣu
weder unter den Göttern noch Yakṣas
na gaṃdharveṣu na ṛṣiṣu
noch Gandharvas noch Weisen
aham paśyāmi lokeṣu
sehe ich in den Welten
yo me vīrya samo bhavet
einen, der mir an Tapferkeit gleichkäme

rājya bhraṣṭena dīnena tāpasena padātinā | kim kariṣyasi rāmeṇa mānuṣeṇa alpa tejasā || 3-55-21

Was willst du mit Rāma anfangen — dem des Reiches Verlustigen, dem Elenden, dem Büßer, dem Fußgänger, dem Menschen von geringer Kraft?

Wort für Wort
rājya bhraṣṭena dīnena
dem des Reiches Verlustigen, dem Elenden
tāpasena padātinā
dem Büßer, dem Fußgänger
kim kariṣyasi rāmeṇa
was willst du mit Rāma anfangen
mānuṣeṇa alpa tejasā
dem Menschen von geringer Kraft

bhajasva sīte mām eva bhartā aham sadṛśaḥ tava | yauvanam hi adhruvam bhīru ramasva iha mayā saha || 3-55-22

Wende dich mir zu, Sītā! Ich bin ein Gatte, dir ebenbürtig. Die Jugend ist ja nicht von Dauer, Furchtsame — freue dich hier mit mir!

Wort für Wort
bhajasva sīte mām eva
wende dich mir zu, Sītā
bhartā aham sadṛśaḥ tava
ich bin ein dir ebenbürtiger Gatte
yauvanam hi adhruvam bhīru
die Jugend ist ja nicht von Dauer, Furchtsame
ramasva iha mayā saha
freue dich hier mit mir

darśane mā kṛthāḥ buddhim rāghavasya varānane | kā asya śaktiḥ iha āgaṃtum api sīte manorathaiḥ || 3-55-23

Richte deinen Sinn nicht darauf, den Rāghava wiederzusehen, Schönangesichtige! Welche Macht hat er denn, hierher zu kommen, selbst nur in Gedanken, Sītā?

Wort für Wort
darśane mā kṛthāḥ buddhim
richte deinen Sinn nicht auf das Wiedersehen
rāghavasya varānane
des Rāghava, Schönangesichtige
kā asya śaktiḥ iha āgaṃtum
welche Macht hat er, hierher zu kommen
api sīte manorathaiḥ
selbst nur in Gedanken, Sītā

na śakyo vāyuḥ ākāśe pāśaiḥ baddham mahājavaḥ | dīpyamānasya vā api agneḥ grahītum vimalām śikhām || 3-55-24

Ebensowenig wie der Wind am Himmel mit Schlingen gebunden werden kann, der überaus schnelle, oder die makellose Flamme des lodernden Feuers ergriffen werden kann.

Wort für Wort
na śakyo vāyuḥ ākāśe
der Wind am Himmel kann nicht
pāśaiḥ baddham mahājavaḥ
mit Schlingen gebunden werden, der überaus schnelle
dīpyamānasya vā api agneḥ
oder auch des lodernden Feuers
grahītum vimalām śikhām
die makellose Flamme ergriffen werden

trayāṇām api lokānām na tam paśyāmi śobhane | vikrameṇa nayet yaḥ tvām mat bāhu paripālitām || 3-55-25

In allen drei Welten sehe ich niemanden, Schöne, der dich mit Gewalt fortführen könnte, dich, die von meinen Armen behütet wird.

Wort für Wort
trayāṇām api lokānām
auch in allen drei Welten
na tam paśyāmi śobhane
sehe ich den nicht, Schöne
vikrameṇa nayet yaḥ tvām
der dich mit Gewalt fortführen könnte
mat bāhu paripālitām
dich, von meinen Armen behütet

laṃkāyām sumahat rājyam idam tvam anupālaya | tvat preṣyā mat vidhā caiva devāḥ ca api cara acaram || 3-55-26

Dieses überaus große Reich in Laṅkā sollst du beherrschen — dir dienstbar sollen auch meinesgleichen sein, ja die Götter und alles Bewegliche und Unbewegliche.

Wort für Wort
laṃkāyām sumahat rājyam idam
dieses überaus große Reich in Laṅkā
tvam anupālaya
sollst du beherrschen
tvat preṣyā mat vidhā caiva
dir dienstbar auch meinesgleichen
devāḥ ca api cara acaram
und die Götter samt allem Beweglichen und Unbeweglichen

abhiṣeka udaka klinnā tuṣṭā ca ramayasva mām | duṣkṛtam yat purā karma vana vāsena tad gatam || 3-55-27

Vom Weihewasser der Salbung benetzt, zufrieden, erfreue mich! Was auch immer du früher an schlechter Tat begangen hast, ist durch das Waldleben schon vergangen.

Wort für Wort
abhiṣeka udaka klinnā
vom Weihewasser der Salbung benetzt
tuṣṭā ca ramayasva mām
und zufrieden erfreue mich
duṣkṛtam yat purā karma
was auch immer an schlechter Tat früher
vana vāsena tad gatam
ist durch das Waldleben vergangen

yat ca te sukṛto dharmaḥ tasya iha phalam āpnuhi | iha sarvāṇi mālyāni divya gaṃdhāni maithili || 3-55-28

Und welchen guten Dharma du erworben hast, dessen Frucht erlange hier. Hier sind alle Blumenkränze, alle göttlichen Düfte, Maithilī.

Wort für Wort
yat ca te sukṛto dharmaḥ
und welcher gute Dharma dein ist
tasya iha phalam āpnuhi
dessen Frucht erlange hier
iha sarvāṇi mālyāni
hier sind alle Blumenkränze
divya gaṃdhāni maithili
alle göttlichen Düfte, Maithilī

bhūṣaṇāni ca mukhyāni tāni seva mayā saha | puṣpakam nāma suśroṇi bhrātuḥ vaiśravaṇasya me || 3-55-29

Und die vorzüglichsten Schmuckstücke — genieße sie mit mir! Den Puṣpaka genannten, o Schönhüftige, den ich meinem Bruder Vaiśravaṇa,

Wort für Wort
bhūṣaṇāni ca mukhyāni
und die vorzüglichsten Schmuckstücke
tāni seva mayā saha
genieße sie mit mir
puṣpakam nāma suśroṇi
den Puṣpaka genannten, Schönhüftige
bhrātuḥ vaiśravaṇasya me
meinem Bruder Vaiśravaṇa gehörigen

vimānam sūrya saṃkāśam tarasā nirjitam raṇe | viśālam ramaṇīyam ca tat vimānam mano javam || 3-55-30

der Sonne gleichenden Wagen, im Kampf mit Kraft errungen, jenen weiten, lieblichen Wagen, geschwind wie der Gedanke.

Wort für Wort
vimānam sūrya saṃkāśam
den der Sonne gleichenden Wagen
tarasā nirjitam raṇe
im Kampf mit Kraft errungen
viśālam ramaṇīyam ca
weit und lieblich
tat vimānam mano javam
jenen Wagen, geschwind wie der Gedanke

tatra sīte mayā sārdham viharasva yathā sukham | vadanam padma saṃkāśam vimalam cāru darśanam || 3-55-31

Dort, Sītā, ergötze dich mit mir nach Belieben.' — Ihr Antlitz, dem Lotos gleich, makellos, lieblich anzuschauen.

Wort für Wort
tatra sīte mayā sārdham
dort, Sītā, mit mir
viharasva yathā sukham
ergötze dich, wie es dir beliebt
vadanam padma saṃkāśam
ihr Antlitz, dem Lotos gleich
vimalam cāru darśanam
makellos, lieblich anzuschauen

śoka ārtam tu varārohe na bhrājati vara ānane | evam vadati tasmin sā vastra antena vara aṃganā || 3-55-32

vom Kummer gequält erstrahlte nicht, an ihr, der Schönhüftigen, mit dem schönen Angesicht. Während er so sprach, verhüllte die vorzügliche Frau ihr Gesicht mit dem Zipfel ihres Gewandes.

Wort für Wort
śoka ārtam tu varārohe
vom Kummer gequält, an der Schönhüftigen
na bhrājati vara ānane
erstrahlte nicht, mit dem schönen Angesicht
evam vadati tasmin
während er so sprach
sā vastra antena vara aṃganā
sie, die vorzügliche Frau, mit dem Zipfel ihres Gewandes

pidhāya indu nibham sītā maṃdam aśrūn avartayat | dhyāyantīm tām iva asvasthām sītām ciṃtā hata prabhām || 3-55-33

verhüllend, ihr mondgleiches Antlitz, ließ Sītā leise Tränen fließen; sie, die versunken schien, wie unwohl, Sītā, deren Glanz von Sorge geschwunden war.

Wort für Wort
pidhāya indu nibham
verhüllend, das mondgleiche
sītā maṃdam aśrūn avartayat
ließ Sītā leise Tränen fließen
dhyāyantīm tām iva asvasthām
sie, wie versunken, unwohl
sītām ciṃtā hata prabhām
Sītā, deren Glanz von Sorge geschwunden war

uvāca vacanam vīro rāvaṇo rajanī caraḥ | alam vrīḍena vaidehi dharma lopa kṛtena te || 3-55-34

Da sprach der heldenhafte Rāvaṇa, der Nachtwandler, dieses Wort: 'Genug der Scham, Vaidehī, die durch die Verletzung des Dharma bei dir entsteht.'

Wort für Wort
uvāca vacanam vīro
es sprach dieses Wort der Held
rāvaṇo rajanī caraḥ
Rāvaṇa, der Nachtwandler
alam vrīḍena vaidehi
genug der Scham, Vaidehī
dharma lopa kṛtena te
die durch die Verletzung des Dharma bei dir entsteht

ārṣo ayam devi niṣyando yaḥ tvām abhigamiṣyati | etau pādau mayā snigdhau śirobhiḥ paripīḍitau || 3-55-35

'Dies, Göttin, ist ein von den Weisen gebilligter Brauch, wenn ich mich dir nahen werde. Diese meine liebevollen Füße wurden schon von Häuptern gedrückt.'

Wort für Wort
ārṣo ayam devi niṣyando
dies ist ein von den Weisen stammender Brauch, Göttin
yaḥ tvām abhigamiṣyati
wenn er sich dir nahen wird
etau pādau mayā snigdhau
diese meine liebevollen Füße
śirobhiḥ paripīḍitau
wurden von Häuptern gedrückt

prasādam kuru me kṣipram vaśyo dāso aham asmi te | imāḥ śūnyā mayā vācaḥ śuṣyamāṇena bhāṣitāḥ || 3-55-36

'Erweise mir schnell deine Gnade — dienstbar, dein Diener bin ich. Diese leeren Worte spreche ich, dahinsiechend.'

Wort für Wort
prasādam kuru me kṣipram
erweise mir schnell Gnade
vaśyo dāso aham asmi te
dienstbar bin ich dein Diener
imāḥ śūnyā mayā vācaḥ
diese leeren Worte von mir
śuṣyamāṇena bhāṣitāḥ
gesprochen, während ich dahinsieche

na ca api rāvaṇaḥ kāṃcit mūrdhnā strīm praṇameta ha | evam uktvā daśagrīvo maithilīm janaka ātmajām | kṛta anta vaśam āpanno mama iyam iti manyate || 3-55-37

Und niemals würde Rāvaṇa sich vor irgendeiner Frau mit dem Haupte verneigen.' So zu Maithilī, Janakas Tochter, sprechend, in der Gewalt seines nahenden Endes, dachte der Zehnhalsige: 'Sie ist mein.'

Wort für Wort
na ca api rāvaṇaḥ kāṃcit
und niemals würde Rāvaṇa irgendeiner
mūrdhnā strīm praṇameta ha
Frau mit dem Haupt sich verneigen
evam uktvā daśagrīvo
so sprechend, der Zehnhalsige
maithilīm janaka ātmajām
zu Maithilī, Janakas Tochter
kṛta anta vaśam āpanno
in der Gewalt seines nahenden Endes geraten
mama iyam iti manyate
dachte: 'sie ist mein'

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