Rāmāyaṇa · Araṇyakāṇḍa
Sarga 46: Rāvaṇasya Sītā Darśanam
Rāvaṇa als Bettelmönch
tayā paruṣam uktaḥ tu kupito rāghava anujaḥ |
sa vikāṃkṣan bhṛśam rāmam pratasthe na cirāt iva || 3-46-1
Von ihr mit hartem Wort angesprochen, zornig, der jüngere Bruder des Rāghava, machte er sich, heftig nach Rāma verlangend, wie ohne Verzug auf den Weg.
Wort für Wort tayā paruṣam uktaḥ tu von ihr mit hartem Wort angesprochen kupito rāghava anujaḥ zornig, der jüngere Bruder des Rāghava sa vikāṃkṣan bhṛśam rāmam er, heftig nach Rāma verlangend pratasthe na cirāt iva machte sich wie ohne Verzug auf den Weg tadā āsādya daśagrīvaḥ kṣipram aṃtaram āsthitaḥ |
abhicakrāma vaidehīm parivrājaka rūpa dhṛk || 3-46-2
Da, die Gelegenheit ergreifend, näherte sich der Zehnhalsige rasch, die Gestalt eines Wanderasketen annehmend, der Vaidehī.
Wort für Wort tadā āsādya daśagrīvaḥ da, der Zehnhalsige, sich nähernd kṣipram aṃtaram āsthitaḥ rasch die Gelegenheit ergreifend abhicakrāma vaidehīm näherte er sich der Vaidehī parivrājaka rūpa dhṛk die Gestalt eines Wanderasketen annehmend ślakṣṇa kāṣāya saṃvītaḥ śikhī catrī upānahī |
vāme ca aṃse avasajya atha śubhe yaṣṭi kamaṇḍalū || 3-46-3
In ein glattes safranfarbenes Gewand gehüllt, mit Haarschopf, Schirm und Sandalen, an der linken Schulter Stab und Wasserkrug tragend,
Wort für Wort ślakṣṇa kāṣāya saṃvītaḥ in ein glattes safranfarbenes Gewand gehüllt śikhī catrī upānahī mit Haarschopf, Schirm und Sandalen vāme ca aṃse avasajya an der linken Schulter tragend atha śubhe yaṣṭi kamaṇḍalū dann die schönen [Utensilien] Stab und Wasserkrug parivrājaka rūpeṇa vaidehīm anvavartata |
tām āsasāda atibalo bhrātṛbhyām rahitām vane || 3-46-4
näherte er sich der Vaidehī in Wanderasketengestalt; er, der überaus Mächtige, kam zu ihr, die im Wald ohne die beiden Brüder war,
Wort für Wort parivrājaka rūpeṇa in Wanderasketengestalt vaidehīm anvavartata näherte er sich der Vaidehī tām āsasāda atibalo kam zu ihr, der überaus Mächtige bhrātṛbhyām rahitām vane ohne die beiden Brüder im Wald rahitām sūrya candrābhyām saṃdhyām iva mahat tamaḥ |
tām apaśyat tato bālām rāja putrīm yaśasvinīm || 3-46-5
wie die große Finsternis zur Dämmerung, ohne Sonne und Mond. Er erblickte da die junge, ruhmreiche Königstochter,
Wort für Wort rahitām sūrya candrābhyām ohne Sonne und Mond saṃdhyām iva mahat tamaḥ wie die große Finsternis zur Dämmerung tām apaśyat tato bālām er erblickte da die junge rāja putrīm yaśasvinīm die ruhmreiche Königstochter rohiṇīm śaśinā hīnām grahavat bhṛśa dāruṇaḥ |
tam ugram pāpa karmāṇam janasthāna gatā drumāḥ || 3-46-6
wie Rohiṇī ohne den Mond, wie ein Planet – so, der äußerst Furchtbare. Vor diesem grimmigen, Böses tuenden [Wesen] die Bäume, die in Janasthāna stehen,
Wort für Wort rohiṇīm śaśinā hīnām wie Rohiṇī ohne den Mond grahavat bhṛśa dāruṇaḥ wie ein Planet, der äußerst Furchtbare tam ugram pāpa karmāṇam vor diesem grimmigen, Böses tuenden janasthāna gatā drumāḥ die Bäume, die in Janasthāna stehen saṃdṛśya na prakaṃpante na pravāti ca mārutaḥ |
śīghra srotāḥ ca tam dṛṣṭvā vīkṣaṃtam rakta locanam || 3-46-7
ihn erblickend, erzittern nicht, und der Wind weht nicht; und auch die schnellströmende, ihn sehend, wie er mit blutunterlaufenen Augen blickt,
Wort für Wort saṃdṛśya na prakaṃpante ihn erblickend, erzittern sie nicht na pravāti ca mārutaḥ und der Wind weht nicht śīghra srotāḥ ca tam dṛṣṭvā und die schnellströmende, ihn sehend vīkṣaṃtam rakta locanam wie er mit blutunterlaufenen Augen blickt stimitam gaṃtum ārebhe bhayāt godāvarī nadī |
rāmasya tu aṃtaram prepsuḥ daśagrīvaḥ tat aṃtare || 3-46-8
begann der Fluss Godāvarī aus Furcht still zu fließen. Der Zehnhalsige aber, danach trachtend, die Abwesenheit Rāmas zu nutzen, in jenem Zwischenraum,
Wort für Wort stimitam gaṃtum ārebhe begann still zu fließen bhayāt godāvarī nadī aus Furcht, der Fluss Godāvarī rāmasya tu aṃtaram prepsuḥ Rāmas Abwesenheit erstrebend daśagrīvaḥ tat aṃtare der Zehnhalsige, in jenem Zwischenraum upatasthe ca vaidehīm bhikṣu rūpeṇa rāvaṇaḥ |
abhavyo bhavya rūpeṇa bhartāram anuśocatīm || 3-46-9
näherte sich Rāvaṇa der Vaidehī in Bettlergestalt, er, der Unheilvolle, in wohltätiger Gestalt, ihr, die um ihren Gatten trauerte,
Wort für Wort upatasthe ca vaidehīm näherte sich der Vaidehī bhikṣu rūpeṇa rāvaṇaḥ Rāvaṇa in Bettlergestalt abhavyo bhavya rūpeṇa der Unheilvolle, in wohltätiger Gestalt bhartāram anuśocatīm ihr, die um den Gatten trauerte abhyavartata vaidehīm citrām iva śanaiścaraḥ |
sahasā bhavya rūpeṇa tṛṇaiḥ kūpa iva āvṛtaḥ || 3-46-10
näherte sich der Vaidehī, der Wunderbaren, wie der langsam schreitende Planet, plötzlich, in gütiger Gestalt, wie ein mit Gras verdeckter Brunnen.
Wort für Wort abhyavartata vaidehīm citrām iva näherte sich der Vaidehī, der Wunderbaren, wie śanaiścaraḥ der langsam schreitende Planet sahasā bhavya rūpeṇa plötzlich, in gütiger Gestalt tṛṇaiḥ kūpa iva āvṛtaḥ wie ein mit Gras verdeckter Brunnen atiṣṭhat prekṣya vaidehīm rāma patnīm yaśasvinīm |
tiṣṭan saṃprekṣya ca tadā patnīm rāmasya rāvaṇa || 3-46-11
Er blieb stehen, die Vaidehī betrachtend, Rāmas ruhmreiche Gattin; stehend und Rāmas Gattin betrachtend, [dachte] Rāvaṇa da,
Wort für Wort atiṣṭhat prekṣya vaidehīm er blieb stehen, die Vaidehī betrachtend rāma patnīm yaśasvinīm Rāmas ruhmreiche Gattin tiṣṭan saṃprekṣya ca tadā stehend und betrachtend da patnīm rāmasya rāvaṇa Rāmas Gattin, Rāvaṇa śubhām rucira danta oṣṭhīm pūrṇa candra nibha ānanām |
āsīnām parṇaśālāyām bāṣpa śoka abhipīḍitām || 3-46-12
die Holde, mit lieblichen Zähnen und Lippen, mit einem dem Vollmond gleichen Gesicht, in der Laubhütte sitzend, von Tränen und Kummer bedrängt.
Wort für Wort śubhām rucira danta oṣṭhīm die Holde, mit lieblichen Zähnen und Lippen pūrṇa candra nibha ānanām mit einem dem Vollmond gleichen Gesicht āsīnām parṇaśālāyām in der Laubhütte sitzend bāṣpa śoka abhipīḍitām von Tränen und Kummer bedrängt sa tām padma palāśa akṣīm pīta kauśeya vāsinīm |
abhyagacchata vaidehīm hṛṣṭa cetā niśā caraḥ || 3-46-13
Er, freudig erregten Sinnes, der Nachtwandler, näherte sich der Vaidehī, deren Augen wie Lotusblütenblätter waren, in gelbe Seide gekleidet.
Wort für Wort sa tām padma palāśa akṣīm er, ihr, deren Augen wie Lotusblütenblätter pīta kauśeya vāsinīm in gelbe Seide gekleidet abhyagacchata vaidehīm näherte sich der Vaidehī hṛṣṭa cetā niśā caraḥ freudig erregten Sinnes, der Nachtwandler dṛṣṭvā kāma śara āviddho brahma ghoṣam udīrayan |
abravīt praśritam vākyam rahite rākṣasa adhipaḥ || 3-46-14
Sie erblickend, von den Pfeilen des Liebesgottes durchbohrt, einen brahmanischen Ton hervorbringend, sprach der Herr der Rākṣasas an dem einsamen Ort ein demütiges Wort:
Wort für Wort dṛṣṭvā kāma śara āviddho sie erblickend, von des Liebesgottes Pfeilen durchbohrt brahma ghoṣam udīrayan einen brahmanischen Ton hervorbringend abravīt praśritam vākyam sprach ein demütiges Wort rahite rākṣasa adhipaḥ an dem einsamen Ort, der Herr der Rākṣasas tām uttamām trilokānām padma hīnām iva śriyam |
vibhrājamānām vapuṣā rāvaṇaḥ praśaśaṃsa ha || 3-46-15
Sie, die Vorzüglichste der drei Welten, wie die Glücksgöttin ohne ihren Lotos, durch ihre Gestalt erstrahlend, pries Rāvaṇa:
Wort für Wort tām uttamām trilokānām sie, die Vorzüglichste der drei Welten padma hīnām iva śriyam wie die Glücksgöttin ohne ihren Lotos vibhrājamānām vapuṣā durch ihre Gestalt erstrahlend rāvaṇaḥ praśaśaṃsa ha pries Rāvaṇa kā tvam kāṃcana varṇa ābhe pīta kauśeya vāsini |
kamalānām śubhām mālām padminī iva ca bibhratī || 3-46-16
‚Wer bist du, du von goldenem Glanz, in gelbe Seide gekleidet, die schöne Girlande von Lotosblüten tragend wie ein Lotosteich,'
Wort für Wort kā tvam kāṃcana varṇa ābhe wer bist du, du von goldenem Glanz pīta kauśeya vāsini in gelbe Seide gekleidet kamalānām śubhām mālām die schöne Girlande von Lotosblüten padminī iva ca bibhratī wie ein Lotosteich tragend hrīḥ śrīḥ kīrtiḥ śubhā lakṣmīḥ apsarā vā śubha ānane |
bhūtir vā tvam varāarohe ratir vā svaira cāriṇī || 3-46-17
‚bist du Scham, Glücksgöttin, Ruhm, die holde Lakṣmī, oder eine Apsaras, du von holdem Antlitz, oder Bhūti, du von schöner Gestalt, oder Rati, die nach Belieben wandelt?'
Wort für Wort hrīḥ śrīḥ kīrtiḥ śubhā lakṣmīḥ Scham, Glücksgöttin, Ruhm, die holde Lakṣmī apsarā vā śubha ānane oder eine Apsaras, du von holdem Antlitz bhūtir vā tvam varāarohe oder Bhūti bist du, du von schöner Gestalt ratir vā svaira cāriṇī oder Rati, die nach Belieben wandelt samāḥ śikhariṇaḥ snigdhāḥ pāṇḍurā daśanāḥ tava |
viśāle vimale netre raktānte kṛṣṇa tārake || 3-46-18
‚Gleichmäßig, spitz zulaufend, glänzend, weiß sind deine Zähne; groß und makellos deine Augen, mit rötlichen Rändern und schwarzen Pupillen;'
Wort für Wort samāḥ śikhariṇaḥ snigdhāḥ gleichmäßig, spitz zulaufend, glänzend pāṇḍurā daśanāḥ tava weiß sind deine Zähne viśāle vimale netre groß, makellos deine Augen raktānte kṛṣṇa tārake mit rötlichen Rändern, schwarzen Pupillen viśālam jaghanam pīnam ūrū kari kara upamau |
etau upacitau vṛttau saṃhatau saṃpragalbhitau || 3-46-19
‚breit ist deine Hüfte, voll; deine Schenkel dem Elefantenrüssel gleich, diese beiden, wohlgerundet, fest, kühn erhoben;'
Wort für Wort viśālam jaghanam pīnam breit ist die Hüfte, voll ūrū kari kara upamau die Schenkel dem Elefantenrüssel gleich etau upacitau vṛttau diese beiden, wohlgerundet saṃhatau saṃpragalbhitau fest, kühn erhoben pīna unnata mukhau kāntau snigdha tāla phala upamau |
maṇi praveka ābharaṇau rucirau te payo dharau || 3-46-20
‚voll, aufgerichtet, lieblich, glatten Palmyra-Früchten gleich, mit vorzüglichen Juwelenschmuck geziert, reizend sind deine Brüste;'
Wort für Wort pīna unnata mukhau kāntau voll, aufgerichtet, lieblich snigdha tāla phala upamau glatten Palmyra-Früchten gleich maṇi praveka ābharaṇau mit vorzüglichem Juwelenschmuck geziert rucirau te payo dharau reizend sind deine Brüste cāru smite cāru dati cāru netre vilāsini |
mano harasi me rāme nadī kūlam iva aṃbhasā || 3-46-21
‚du mit reizendem Lächeln, reizenden Zähnen, reizenden Augen, du Anmutige, du raubst mein Herz, o Rāmā, wie das Wasser das Flussufer.'
Wort für Wort cāru smite cāru dati mit reizendem Lächeln, reizenden Zähnen cāru netre vilāsini reizenden Augen, du Anmutige mano harasi me rāme du raubst mein Herz, o Rāmā nadī kūlam iva aṃbhasā wie das Wasser das Flussufer karāntamita madhyā asi sukeśī saṃhata stanī |
na eva devī na gandharvī na yakṣī na ca kiṃnarī || 3-46-22
‚Deine Taille ist so schmal, dass man sie mit den Händen umspannen könnte, deine Haare schön, deine Brüste fest zusammengefügt; du bist weder eine Göttin, noch eine Gandharvī, noch eine Yakṣī, noch eine Kiṃnarī,'
Wort für Wort karāntamita madhyā asi deine Taille ist mit den Händen umspannbar sukeśī saṃhata stanī schöne Haare, fest zusammengefügte Brüste na eva devī na gandharvī weder eine Göttin noch eine Gandharvī na yakṣī na ca kiṃnarī noch eine Yakṣī, noch eine Kiṃnarī na evam rūpā mayā nārī dṛṣṭa pūrvā mahī tale |
rūpam agryam ca lokeṣu saukumāryam vayaḥ ca te || 3-46-23
‚eine Frau von solcher Gestalt habe ich zuvor nicht auf der Erde gesehen. Deine Gestalt ist die vorzüglichste in den Welten, deine Zartheit und deine Jugend'
Wort für Wort na evam rūpā mayā nārī eine Frau von solcher Gestalt habe ich nicht dṛṣṭa pūrvā mahī tale zuvor gesehen auf der Erde rūpam agryam ca lokeṣu die Gestalt die vorzüglichste in den Welten saukumāryam vayaḥ ca te deine Zartheit und Jugend iha vāsaḥ ca kāṃtāre cittam unmathayanti me |
sā pratikrāma bhadram te na tvam vastum iha arhasi || 3-46-24
‚und dein Aufenthalt hier in dieser Wildnis erschüttern meinen Sinn. Kehre um, Heil sei dir; du solltest nicht hier wohnen.'
Wort für Wort iha vāsaḥ ca kāṃtāre und der Aufenthalt hier in der Wildnis cittam unmathayanti me erschüttern meinen Sinn sā pratikrāma bhadram te kehre um, Heil sei dir na tvam vastum iha arhasi du solltest nicht hier wohnen rākṣasānām ayam vāso ghorāṇām kāma rūpiṇām |
prāsāda agrāṇi ramyāṇi nagara upavanāni ca || 3-46-25
‚Dies ist der Wohnort furchtbarer, nach Belieben ihre Gestalt wandelnder Rākṣasas. Prächtige Palastspitzen, liebliche Stadtparks'
Wort für Wort rākṣasānām ayam vāso dies ist der Wohnort der Rākṣasas ghorāṇām kāma rūpiṇām der furchtbaren, nach Belieben die Gestalt wandelnden prāsāda agrāṇi ramyāṇi prächtige Palastspitzen, liebliche nagara upavanāni ca und Stadtparks saṃpannāni sugandhīni yuktāni ācaritum tvayā |
varam mālyam varam gaṃdham varam vastram ca śobhane || 3-46-26
‚wohlausgestattet, wohlduftend, geeignet, von dir bewohnt zu werden, vorzügliche Kränze, vorzüglicher Duft, vorzügliches Gewand, o Schöne,'
Wort für Wort saṃpannāni sugandhīni wohlausgestattet, wohlduftend yuktāni ācaritum tvayā geeignet, von dir bewohnt zu werden varam mālyam varam gaṃdham vorzüglicher Kranz, vorzüglicher Duft varam vastram ca śobhane und vorzügliches Gewand, o Schöne bhartāram ca varam manye tvat yuktam asitekṣaṇe |
kā tvam bhavasi rudrāṇām marutām vā śucismite || 3-46-27
‚und einen vorzüglichen Gatten, dir angemessen, halte ich für passend, du Schwarzäugige. Wer bist du – von den Rudras oder den Maruts, du mit reinem Lächeln,'
Wort für Wort bhartāram ca varam manye und einen vorzüglichen Gatten halte ich für tvat yuktam asitekṣaṇe dir angemessen, du Schwarzäugige kā tvam bhavasi rudrāṇām wer bist du, von den Rudras marutām vā śucismite oder den Maruts, du mit reinem Lächeln vasūnām vā varāarohe devatā pratibhāsi me |
na iha gacchaṃti gaṃdharvā na devā na ca kinnarāḥ || 3-46-28
‚oder von den Vasus – als Gottheit erscheinst du mir, du von schöner Gestalt. Hierher kommen weder Gandharvas noch Götter noch Kiṃnaras,'
Wort für Wort vasūnām vā varāarohe oder von den Vasus, du von schöner Gestalt devatā pratibhāsi me als Gottheit erscheinst du mir na iha gacchaṃti gaṃdharvā hierher kommen weder Gandharvas na devā na ca kinnarāḥ noch Götter noch Kiṃnaras rākṣasānām ayam vāsaḥ katham tu tvam iha āgatā |
iha śākhāmṛgāḥ siṃhā dvīpi vyāghra mṛgāḥ tathā || 3-46-29
‚dies ist der Wohnort der Rākṣasas – wie bist du hierher gekommen? Hier gibt es Affen, Löwen, Panther, Tiger und Wildtiere,'
Wort für Wort rākṣasānām ayam vāsaḥ dies ist der Wohnort der Rākṣasas katham tu tvam iha āgatā wie bist du hierher gekommen iha śākhāmṛgāḥ siṃhā hier Affen, Löwen dvīpi vyāghra mṛgāḥ tathā Panther, Tiger und ebenso Wildtiere ṛkṣāḥ tarakṣavaḥ kaṃkāḥ katham tebhyo na bibhyase |
mada anvitānām ghorāṇām kuṃjarāṇām tarasvinām || 3-46-30
‚Bären, Hyänen, Reiher – wie fürchtest du dich nicht vor ihnen? Vor den brünstigen, furchtbaren, kraftvollen Elefanten,'
Wort für Wort ṛkṣāḥ tarakṣavaḥ kaṃkāḥ Bären, Hyänen, Reiher katham tebhyo na bibhyase wie fürchtest du dich nicht vor ihnen mada anvitānām ghorāṇām vor den brünstigen, furchtbaren kuṃjarāṇām tarasvinām kraftvollen Elefanten katham ekā mahāraṇye na bibheṣi varāanane |
kā asi kasya kutaḥ ca tvam kim nimittam ca daṇḍakān || 3-46-31
‚wie fürchtest du dich nicht, allein im großen Wald, du Schöngesichtige? Wer bist du, wessen bist du, woher, und aus welchem Grund den Daṇḍaka-Wald'
Wort für Wort katham ekā mahāraṇye wie, allein im großen Wald na bibheṣi varāanane fürchtest du dich nicht, du Schöngesichtige kā asi kasya kutaḥ ca tvam wer bist du, wessen, und woher kim nimittam ca daṇḍakān und aus welchem Grund den Daṇḍaka-Wald ekā carasi kalyāṇi ghorān rākṣasa sevitān |
iti praśastā vaidehī rāvaṇena durātmanā || 3-46-32
‚durchwanderst du allein, du Holdselige, den furchtbaren, von Rākṣasas bewohnten?' So gepriesen wurde die Vaidehī von dem übelgesinnten Rāvaṇa.
Wort für Wort ekā carasi kalyāṇi durchwanderst du allein, du Holdselige ghorān rākṣasa sevitān den furchtbaren, von Rākṣasas bewohnten iti praśastā vaidehī so gepriesen wurde die Vaidehī rāvaṇena durātmanā von dem übelgesinnten Rāvaṇa dvijāti veṣeṇa hi tam dṛṣṭvā rāvaṇam āgatam |
sarvaiḥ atithi satkāraiḥ pūjayāmāsa maithilī || 3-46-33
Ihn, Rāvaṇa, in der Tracht eines Zweifachgeborenen gekommen sehend, erwies ihm die Maithilī alle Ehren eines Gastes,
Wort für Wort dvijāti veṣeṇa hi in der Tracht eines Zweifachgeborenen tam dṛṣṭvā rāvaṇam āgatam ihn, Rāvaṇa, gekommen sehend sarvaiḥ atithi satkāraiḥ mit allen Ehren eines Gastes pūjayāmāsa maithilī ehrte ihn die Maithilī upānīya āsanam pūrvam pādyena abhinimaṃtrya ca |
abravīt siddham iti eva tadā tam saumya darśanam || 3-46-34
bot ihm zuerst einen Sitz an, bewirtete ihn mit Fußwasser, und sagte da zu ihm, dem freundlich Anzuschauenden: ‚Es ist bereit.'
Wort für Wort upānīya āsanam pūrvam einen Sitz zuerst darbietend pādyena abhinimaṃtrya ca und mit Fußwasser bewirtend abravīt siddham iti eva sagte sie: ‚es ist bereit' tadā tam saumya darśanam da zu ihm, dem freundlich Anzuschauenden dvijāti veṣeṇa samīkṣya maithilī |
tam āgatam pātra kusuṃbha dhāriṇam |
aśakyam uddveṣṭum upāya darśanān |
nyamaṃtrayat brāhmaṇavat yathā āgatam || 3-46-35
Die Maithilī, ihn, gekommen in der Tracht eines Zweifachgeborenen, Bettelschale und safranfarbenes Gewand tragend, betrachtend – da sie ihm nicht ausweichen konnte, ohne die rechte Weise zu kennen, empfing sie den so Gekommenen wie einen Brahmanen.
Wort für Wort dvijāti veṣeṇa samīkṣya maithilī die Maithilī, in der Tracht eines Zweifachgeborenen betrachtend tam āgatam pātra kusuṃbha dhāriṇam ihn, gekommen, Bettelschale und safranfarbenes Gewand tragend aśakyam uddveṣṭum upāya darśanān da nicht auszuweichen, ohne die rechte Weise zu kennen nyamaṃtrayat brāhmaṇavat yathā āgatam empfing sie den so Gekommenen wie einen Brahmanen iyam bṛsī brāhmaṇa kāmam āsyatām |
idam ca pādyam pratigṛhyatām iti |
idam ca siddham vana jātam uttamam |
tvat artham avyagram iha upabhujyatām || 3-46-36
‚Dies ist ein Sitzkissen, o Brahmane, setze dich nach Belieben; und dies ist Fußwasser, nimm es an; und dies ist bereitete, im Wald gewachsene vorzügliche Speise – genieße sie hier, ungestört, für dich bestimmt.'
Wort für Wort iyam bṛsī brāhmaṇa kāmam āsyatām dies ist ein Sitzkissen, o Brahmane, setze dich nach Belieben idam ca pādyam pratigṛhyatām iti und dies ist Fußwasser, nimm es an idam ca siddham vana jātam uttamam und dies ist bereitete, im Wald gewachsene vorzügliche [Speise] tvat artham avyagram iha upabhujyatām genieße sie hier ungestört, für dich bestimmt nimaṃtryamāṇaḥ pratipūrṇa bhāṣiṇīm |
narendra patnīm prasamīkṣya maithilīm |
prasahya tasyā haraṇe dhṛḍham manaḥ |
samarpayāmāsa ātma vadhāya rāvaṇaḥ || 3-46-37
So eingeladen, die vollkommen sprechende betrachtend, die Gattin des Fürsten der Menschen, die Maithilī, richtete Rāvaṇa seinen Sinn fest darauf, sie mit Gewalt zu rauben – zu seinem eigenen Untergang.
Wort für Wort nimaṃtryamāṇaḥ pratipūrṇa bhāṣiṇīm so eingeladen, die vollkommen Sprechende narendra patnīm prasamīkṣya maithilīm die Gattin des Fürsten, die Maithilī, betrachtend prasahya tasyā haraṇe dhṛḍham manaḥ richtete er seinen Sinn fest darauf, sie mit Gewalt zu rauben samarpayāmāsa ātma vadhāya rāvaṇaḥ Rāvaṇa, zu seinem eigenen Untergang tataḥ suveṣam mṛgayā gatam patim |
pratīkṣamāṇā saha lakṣmaṇam tadā |
nirīkṣamāṇā haritam dadarśa tat |
mahad vanam na eva tu rāma lakṣmaṇau || 3-46-38
Da, auf ihren wohlgekleideten, zur Jagd gegangenen Gatten wartend, zusammen mit Lakṣmaṇa, ausschauend, erblickte sie den grünen, großen Wald, doch nicht Rāma und Lakṣmaṇa.
Wort für Wort tataḥ suveṣam mṛgayā gatam patim da, auf ihren wohlgekleideten, zur Jagd gegangenen Gatten pratīkṣamāṇā saha lakṣmaṇam tadā wartend, zusammen mit Lakṣmaṇa da nirīkṣamāṇā haritam dadarśa tat ausschauend erblickte sie den grünen mahad vanam na eva tu rāma lakṣmaṇau großen Wald, doch nicht Rāma und Lakṣmaṇa
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