Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Araṇyakāṇḍa

Sarga 41: Mārīca Punaḥ Pratyākhyānam Mārīcas letzte Warnung

ājñapto rāvaṇena ittham pratikūlam ca rājavat | abravīt paruṣam vākyam niḥśanko rākṣasādhipam || 3-41-1

So von Rāvaṇa auf feindselige, königliche Art angesprochen, sagte er, furchtlos, dem Herrn der Rākṣasas ein hartes Wort:

Wort für Wort
ājñapto rāvaṇena ittham
so von Rāvaṇa angesprochen
pratikūlam ca rājavat
feindselig und auf königliche Art
abravīt paruṣam vākyam
sagte er ein hartes Wort
niḥśanko rākṣasādhipam
furchtlos, zum Herrn der Rākṣasas

kena ayam upadiṣṭaḥ te vināśaḥ pāpa karmaṇā | sa putrasya sa rājyasya sa amātyasya niśācara || 3-41-2

„Wer hat dir, dem Übeltäter, dieses Verderben eingegeben, das deinen Sohn, dein Königreich und deine Minister mit umfasst, o Nachtwandler?

Wort für Wort
kena ayam upadiṣṭaḥ te
wer hat dir dies eingegeben
vināśaḥ pāpa karmaṇā
dieses Verderben, dem Übeltäter
sa putrasya sa rājyasya
mit dem Sohn, mit dem Königreich
sa amātyasya niśācara
mit den Ministern, o Nachtwandler

kaḥ tvayā sukhinā rājan na abhinandati pāpakṛt | kena idam upadiṣṭam te mṛtyu dvāram upāyataḥ || 3-41-3

Welcher Übeltäter freut sich nicht, wenn du, o König, im Glück bist? Wer hat dir dieses Tor des Todes so listig eingegeben?

Wort für Wort
kaḥ tvayā sukhinā rājan
wer, wenn du, o König, glücklich bist
na abhinandati pāpakṛt
freut sich nicht, welcher Übeltäter
kena idam upadiṣṭam te
wer hat dir dies eingegeben
mṛtyu dvāram upāyataḥ
das Tor des Todes, so listig

śatravaḥ tava suvyaktam hīna vīryā niśā cara | icchanti tvām vinaśyantam uparuddham balīyasā || 3-41-4

Deine Feinde, ganz offenkundig, von geringer Kraft, o Nachtwandler, wünschen, dass du zugrunde gehst, bezwungen von einem Stärkeren.

Wort für Wort
śatravaḥ tava suvyaktam
deine Feinde, ganz offenkundig
hīna vīryā niśā cara
von geringer Kraft, o Nachtwandler
icchanti tvām vinaśyantam
wünschen, dass du zugrunde gehst
uparuddham balīyasā
bezwungen von einem Stärkeren

kena idam upadiṣṭam te kṣudreṇa ahita buddhinā | yaḥ tvām icchati naśyantam sva kṛtena niśācara || 3-41-5

Wer hat dir dies eingegeben – ein niederträchtiger, dir übel gesinnter, der wünscht, dass du durch dein eigenes Tun zugrunde gehst, o Nachtwandler?

Wort für Wort
kena idam upadiṣṭam te
wer hat dir dies eingegeben
kṣudreṇa ahita buddhinā
ein niederträchtiger, übel gesinnter
yaḥ tvām icchati naśyantam
der wünscht, dass du zugrunde gehst
sva kṛtena niśācara
durch dein eigenes Tun, o Nachtwandler

vadhyāḥ khalu na vadhyante sacivāḥ tava rāvaṇa | ye tvām utpatham ārūḍham na nigṛhṇanti sarvaśaḥ || 3-41-6

Wahrlich, todeswürdig sind, doch nicht getötet, deine Minister, o Rāvaṇa, die dich, auf Abwege geraten, nicht in jeder Hinsicht zurückhalten.

Wort für Wort
vadhyāḥ khalu na vadhyante
todeswürdig sind, doch werden nicht getötet
sacivāḥ tava rāvaṇa
deine Minister, o Rāvaṇa
ye tvām utpatham ārūḍham
die dich, auf Abwege geraten
na nigṛhṇanti sarvaśaḥ
nicht in jeder Hinsicht zurückhalten

amātyaiḥ kāma vṛtto hi rājā kāpatham āśritaḥ | nigrāhyaḥ sarvathā sadbhiḥ na nigrāhyo nigṛhyase || 3-41-7

Ein König, der nach Belieben handelt und einen schlechten Weg eingeschlagen hat, sollte von seinen Ministern, den Rechtschaffenen, in jeder Weise zurückgehalten werden – doch du wirst, obwohl haltungswürdig, nicht zurückgehalten.

Wort für Wort
amātyaiḥ kāma vṛtto hi
von den Ministern, [wenn] nach Belieben handelnd
rājā kāpatham āśritaḥ
ein König einen schlechten Weg eingeschlagen hat
nigrāhyaḥ sarvathā sadbhiḥ
sollte in jeder Weise von den Rechtschaffenen zurückgehalten werden
na nigrāhyo nigṛhyase
doch du, haltungswürdig, wirst nicht zurückgehalten

dharmam artham ca kāmam ca yaśaḥ ca jayatām vara | svāmi prasādāt sacivāḥ prāpnuvanti niśācara || 3-41-8

Dharma, Erfolg, Genuss und Ruhm, o Bester der Sieger, erlangen Minister durch die Gnade ihres Herrn, o Nachtwandler.

Wort für Wort
dharmam artham ca kāmam ca
Dharma, Erfolg und Genuss
yaśaḥ ca jayatām vara
und Ruhm, o Bester der Sieger
svāmi prasādāt sacivāḥ
durch die Gnade des Herrn, die Minister
prāpnuvanti niśācara
erlangen [dies], o Nachtwandler

viparyaye tu tat sarvam vyartham bhavati rāvaṇa | vyasanam svāmi vaiguṇyāt prāpnuvanti itare janāḥ || 3-41-9

Im umgekehrten Fall aber wird all das nutzlos, o Rāvaṇa; Unheil erlangen die anderen Leute durch den Fehler ihres Herrn.

Wort für Wort
viparyaye tu tat sarvam
im umgekehrten Fall aber wird all das
vyartham bhavati rāvaṇa
nutzlos, o Rāvaṇa
vyasanam svāmi vaiguṇyāt
Unheil durch den Fehler des Herrn
prāpnuvanti itare janāḥ
erlangen die anderen Leute

rāja mūlo hi dharmaḥ ca jayaḥ ca jayatām vara | tasmāt sarvāsu avasthāsu rakṣitavyo narādhipāḥ || 3-41-10

Denn Dharma und Sieg haben den König zur Wurzel, o Bester der Sieger; darum müssen Herrscher in allen Zuständen beschützt werden.

Wort für Wort
rāja mūlo hi dharmaḥ ca
denn Dharma hat den König zur Wurzel
jayaḥ ca jayatām vara
und der Sieg, o Bester der Sieger
tasmāt sarvāsu avasthāsu
darum in allen Zuständen
rakṣitavyo narādhipāḥ
müssen Herrscher beschützt werden

rājyam pālayitum śakyam na tīkṣṇena niśācara | na ca api pratikūlena na avinītena rākṣasa || 3-41-11

Ein Königreich zu regieren gelingt nicht durch einen Harten, o Nachtwandler, noch durch einen Widerspenstigen, noch durch einen Ungezähmten, o Rākṣasa.

Wort für Wort
rājyam pālayitum śakyam
ein Königreich zu regieren gelingt
na tīkṣṇena niśācara
nicht durch einen Harten, o Nachtwandler
na ca api pratikūlena
noch durch einen Widerspenstigen
na avinītena rākṣasa
noch durch einen Ungezähmten, o Rākṣasa

ye tīkṣṇa maṃtrāḥ sacivā bhajyante saha tena vai | viṣame turagāḥ śīghrā manda sārathayo yathā || 3-41-12

Minister mit harten Ratschlägen werden mitsamt ihm zerbrochen, wie schnelle Rosse auf unebenem Weg, wenn der Wagenlenker langsam ist.

Wort für Wort
ye tīkṣṇa maṃtrāḥ sacivā
Minister mit harten Ratschlägen
bhajyante saha tena vai
werden mitsamt ihm zerbrochen
viṣame turagāḥ śīghrā
auf unebenem [Weg] schnelle Rosse
manda sārathayo yathā
wenn der Wagenlenker langsam ist

bahavaḥ sādhavo loke yukta dharmam anuṣṭhitāḥ | pareṣām aparādhena vinaṣṭāḥ sa paricchadāḥ || 3-41-13

Viele Rechtschaffene auf der Welt, dem Dharma zugetan, ihn übend, sind durch die Schuld anderer zugrunde gegangen, samt ihrem Gefolge.

Wort für Wort
bahavaḥ sādhavo loke
viele Rechtschaffene auf der Welt
yukta dharmam anuṣṭhitāḥ
dem Dharma zugetan, ihn übend
pareṣām aparādhena
durch die Schuld anderer
vinaṣṭāḥ sa paricchadāḥ
zugrunde gegangen, samt Gefolge

svāminā pratikūlena prajāḥ tīkṣṇena rāvaṇa | rakṣyamāṇā na vardhante meṣā gomāyunā yathā || 3-41-14

Von einem widerspenstigen, harten Herrn beschützt, gedeihen die Untertanen nicht, o Rāvaṇa, wie Schafe, von einem Schakal behütet.

Wort für Wort
svāminā pratikūlena
von einem widerspenstigen Herrn
prajāḥ tīkṣṇena rāvaṇa
die Untertanen, von einem harten, o Rāvaṇa
rakṣyamāṇā na vardhante
beschützt gedeihen sie nicht
meṣā gomāyunā yathā
wie Schafe von einem Schakal

avaśyam vinaśiṣyanti sarve rāvaṇa rākṣasāḥ | yeṣām tvam karkaśo rājā durbuddhiḥ ajita indriyaḥ || 3-41-15

Unweigerlich werden alle Rākṣasas zugrunde gehen, o Rāvaṇa, deren König du bist – hart, von schlechtem Verstand, deiner Sinne nicht Herr.

Wort für Wort
avaśyam vinaśiṣyanti
unweigerlich werden zugrunde gehen
sarve rāvaṇa rākṣasāḥ
alle Rākṣasas, o Rāvaṇa
yeṣām tvam karkaśo rājā
deren König du bist, hart
durbuddhiḥ ajita indriyaḥ
von schlechtem Verstand, deiner Sinne nicht Herr

tad idam kāka tālīyam ghoram āsāditam mayā | atra tvam śocanīyo asi sa sainyo vinaśiṣyasi || 3-41-16

So bin ich nun, wie durch den Zufall der Krähe und der Palmyrafrucht, in dieses Schreckliche geraten; hierbei bist du zu beklagen, samt deinem Heer wirst du zugrunde gehen.

Wort für Wort
tad idam kāka tālīyam
dies, wie der Zufall von Krähe und Palmyrafrucht
ghoram āsāditam mayā
das Schreckliche, von mir erreicht
atra tvam śocanīyo asi
hierbei bist du zu beklagen
sa sainyo vinaśiṣyasi
samt deinem Heer wirst du zugrunde gehen

mām nihatya tu rāmo asau acirāt tvām vadhiṣyati | anena kṛta kṛtyo asmi mriye ca api ariṇā hataḥ || 3-41-17

Nachdem er mich getötet hat, wird jener Rāma dich bald darauf töten; durch ihn ist mein Werk vollbracht, und dennoch sterbe ich, von einem Feind getötet.

Wort für Wort
mām nihatya tu rāmo asau
mich getötet habend, jener Rāma
acirāt tvām vadhiṣyati
wird bald darauf dich töten
anena kṛta kṛtyo asmi
durch ihn ist mein Werk vollbracht
mriye ca api ariṇā hataḥ
und dennoch sterbe ich, von einem Feind getötet

darśanāt eva rāmasya hatam mām avadhāraya | ātmānam ca hatam viddhi hṛtvā sītām sa bāndhavam || 3-41-18

Schon durch den bloßen Anblick Rāmas betrachte mich als getötet; und wisse, dass auch du selbst getötet bist, wenn du Sītā raubst, samt deinen Verwandten.

Wort für Wort
darśanāt eva rāmasya
schon durch den bloßen Anblick Rāmas
hatam mām avadhāraya
betrachte mich als getötet
ātmānam ca hatam viddhi
und wisse, dass auch du selbst getötet bist
hṛtvā sītām sa bāndhavam
wenn du Sītā raubst, samt Verwandten

ānayiṣyasi cet sītām āśramāt sahito mayā | na eva tvam asi na eva aham na eva laṃkā na rākṣasāḥ || 3-41-19

Wenn du Sītā aus der Einsiedelei herbeiführst, gemeinsam mit mir, dann wird es weder dich mehr geben noch mich, weder Laṅkā noch die Rākṣasas.

Wort für Wort
ānayiṣyasi cet sītām
wenn du Sītā herbeiführst
āśramāt sahito mayā
aus der Einsiedelei, gemeinsam mit mir
na eva tvam asi na eva aham
dann gibt es weder dich noch mich
na eva laṃkā na rākṣasāḥ
weder Laṅkā noch die Rākṣasas

nivāryamāṇaḥ tu mayā hita eṣiṇā | na mṛṣyase vākyam idam niśācara | pareta kalpā hi gata āyuṣo narā | hitam na gṛhṇanti suhṛdbhiḥ īritam || 3-41-20

Doch von mir, der ich dein Wohl suche, gewarnt, erträgst du dieses Wort nicht, o Nachtwandler; denn Menschen, deren Lebenszeit abgelaufen ist, dem Tode gleich, nehmen das von Freunden gesprochene Wohl nicht an.“

Wort für Wort
nivāryamāṇaḥ tu mayā hita eṣiṇā
doch von mir, der ich dein Wohl suche, gewarnt
na mṛṣyase vākyam idam niśācara
erträgst du dieses Wort nicht, o Nachtwandler
pareta kalpā hi gata āyuṣo narā
denn Menschen, deren Lebenszeit abgelaufen, dem Tode gleich
hitam na gṛhṇanti suhṛdbhiḥ īritam
nehmen das von Freunden gesprochene Wohl nicht an

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