Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Araṇyakāṇḍa

Sarga 68: Jaṭāyu Saṃskāraḥ Jaṭāyus Bestattung

rāmaḥ prekṣya tu tam gṛdhram bhuvi raudreṇa pātitam | saumitrim mitra saṃpannam idam vacanam abravīt || 3-68-1

Rāma, als er den Geier, durch die Grausamkeit zu Boden gestürzt, betrachtete, sprach zum Saumitri, seinem treuen Freund, diese Worte.

Wort für Wort
rāmaḥ prekṣya tu tam gṛdhram
Rāma, als er den Geier betrachtete
bhuvi raudreṇa pātitam
durch die Grausamkeit zu Boden gestürzt
saumitrim mitra saṃpannam
zum Saumitri, seinem treuen Freund
idam vacanam abravīt
sprach diese Worte

mama ayam nūnam artheṣu yatamāno vihaṃgamaḥ | rākṣasena hataḥ saṃkhye prāṇān tyajati mat kṛte || 3-68-2

'Dieser Vogel, der sich gewiß in meinem Interesse bemühte, vom Rākṣasa im Kampf erschlagen, gibt seinetwegen — meinetwegen — sein Leben auf.'

Wort für Wort
mama ayam nūnam artheṣu
dieser gewiß in meinem Interesse
yatamāno vihaṃgamaḥ
sich bemühende Vogel
rākṣasena hataḥ saṃkhye
vom Rākṣasa im Kampf erschlagen
prāṇān tyajati mat kṛte
gibt meinetwegen sein Leben auf

ati khinnaḥ śarīre asmin prāṇo lakṣmaṇa vidyate | tathā svara vihīno ayam viklavam samudīkṣate || 3-68-3

'In diesem überaus erschöpften Körper ist noch Leben vorhanden, Lakṣmaṇa; ganz der Stimme beraubt, blickt er verwirrt umher.'

Wort für Wort
ati khinnaḥ śarīre asmin
in diesem überaus erschöpften Körper
prāṇo lakṣmaṇa vidyate
ist noch Leben vorhanden, Lakṣmaṇa
tathā svara vihīno ayam
ganz der Stimme beraubt, er
viklavam samudīkṣate
blickt verwirrt umher

jaṭāyo yadi śaknoṣi vākyam vyāharitum punaḥ | sītām ākhyāhi bhadram te vadham ākhyāhi ca ātmanaḥ || 3-68-4

'Jaṭāyus, wenn du imstande bist, noch einmal ein Wort zu sprechen, so berichte von Sītā — Segen dir! — und berichte auch von deinem eigenen Tod.'

Wort für Wort
jaṭāyo yadi śaknoṣi
Jaṭāyus, wenn du imstande bist
vākyam vyāharitum punaḥ
noch einmal ein Wort zu sprechen
sītām ākhyāhi bhadram te
berichte von Sītā, Segen dir
vadham ākhyāhi ca ātmanaḥ
und berichte auch von deinem eigenen Tod

kim nimitto jahāra āryām rāvaṇaḥ tasya kim mayā | aparādham tu yam dṛṣṭvā rāvaṇena hṛtā priyā || 3-68-5

'Aus welchem Grund raubte Rāvaṇa die Edle? Was für ein Unrecht von mir hat Rāvaṇa gesehen, daß er meine Geliebte raubte?'

Wort für Wort
kim nimitto jahāra āryām
aus welchem Grund raubte er die Edle
rāvaṇaḥ tasya kim mayā
Rāvaṇa, was für ein von mir
aparādham tu yam dṛṣṭvā
welches Unrecht gesehen habend
rāvaṇena hṛtā priyā
von Rāvaṇa geraubt wurde die Geliebte

katham tat candra saṃkāśam mukham āsīt manoharam | sītayā kāni ca uktāni tasmin kāle dvijottama || 3-68-6

'Wie war jenes mondgleiche, herzerfreuende Antlitz? Und welche Worte sprach Sītā zu jener Zeit, du Vorzüglichster der Vögel?'

Wort für Wort
katham tat candra saṃkāśam
wie war jenes mondgleiche
mukham āsīt manoharam
Antlitz, herzerfreuend
sītayā kāni ca uktāni
und welche Worte wurden von Sītā gesprochen
tasmin kāle dvijottama
zu jener Zeit, du Vorzüglichster der Vögel

katham vīryaḥ katham rūpaḥ kim karmā sa ca rākṣasaḥ | kva ca asya bhavanam tāta brūhi me paripṛcchataḥ || 3-68-7

'Von welcher Tapferkeit, von welcher Gestalt, welcher Taten fähig ist jener Rākṣasa, und wo ist seine Wohnstätte? Sag es mir, Vater, der ich dich befrage.'

Wort für Wort
katham vīryaḥ katham rūpaḥ
von welcher Tapferkeit, von welcher Gestalt
kim karmā sa ca rākṣasaḥ
welcher Taten fähig ist jener Rākṣasa
kva ca asya bhavanam tāta
und wo ist seine Wohnstätte, Vater
brūhi me paripṛcchataḥ
sag es mir, der ich dich befrage

tam udvīkṣya saḥ dharmātmā vilapantam anāthavat | vācā viklavayā rāmam idam vacanam abravīt || 3-68-8

Ihn, der wie ein Hilfloser klagte, betrachtend, sprach jener Rechtschaffene mit verwirrter Stimme zu Rāma diese Worte.

Wort für Wort
tam udvīkṣya
ihn betrachtend
saḥ dharmātmā
er, der Rechtschaffene
vilapantam anāthavat
der wie ein Hilfloser klagte
vācā viklavayā rāmam
mit verwirrter Stimme zu Rāma
idam vacanam abravīt
sprach diese Worte

sā hṛtā rākṣasendreṇa rāvaṇena durātmanā | māyām āsthāya vipulām vāta durdina saṃkulām || 3-68-9

'Sie wurde vom Rākṣasa-Fürsten geraubt, von dem bösgesinnten Rāvaṇa, der sich einer gewaltigen Zauberkunst bediente, verbunden mit Sturm und schlechtem Wetter.'

Wort für Wort
sā hṛtā rākṣasendreṇa
sie wurde vom Rākṣasa-Fürsten geraubt
rāvaṇena durātmanā
von dem bösgesinnten Rāvaṇa
māyām āsthāya vipulām
der sich einer gewaltigen Zauberkunst bediente
vāta durdina saṃkulām
verbunden mit Sturm und schlechtem Wetter

pariklāṃtasya me tāta pakṣau cittvā niśācaraḥ | sītām ādāya vaidehīm prayāto dakṣiṇā mukhaḥ || 3-68-10

'Mir, dem Erschöpften, Vater, schnitt der Nachtwandler die beiden Flügel ab, und Sītā, Vaidehī, ergreifend, zog er nach Süden gewandt fort.'

Wort für Wort
pariklāṃtasya me tāta
mir, dem Erschöpften, Vater
pakṣau cittvā niśācaraḥ
schnitt der Nachtwandler die Flügel ab
sītām ādāya vaidehīm
Sītā, Vaidehī, ergreifend
prayāto dakṣiṇā mukhaḥ
zog er nach Süden gewandt fort

uparudhyanti me prāṇā dṛṣṭir bhramati rāghava | paśyāmi vṛkṣān sauvarṇān uśīra kṛta mūrdhajān || 3-68-11

'Meine Lebenskräfte versagen, mein Blick wird trüb, Rāghava; ich sehe goldene Bäume, mit Uśīra-Wurzeln als Haarschmuck.'

Wort für Wort
uparudhyanti me prāṇā
meine Lebenskräfte versagen
dṛṣṭir bhramati rāghava
mein Blick wird trüb, Rāghava
paśyāmi vṛkṣān sauvarṇān
ich sehe goldene Bäume
uśīra kṛta mūrdhajān
mit Uśīra-Wurzeln als Haarschmuck

yena yāti muhūrtena sītām ādāya rāvaṇaḥ | vipranaṣṭam dhanam kṣipram tat svāmi pratipadyate || 3-68-12

'In derselben Stunde, in der Rāvaṇa mit Sītā fortzog, gelangt verlorenes Gut rasch zurück zu seinem Herrn.'

Wort für Wort
yena yāti muhūrtena
in derselben Stunde, in der er fortzog
sītām ādāya rāvaṇaḥ
Rāvaṇa, Sītā ergreifend
vipranaṣṭam dhanam kṣipram
verlorenes Gut rasch
tat svāmi pratipadyate
gelangt zurück zu seinem Herrn

vindo nāma muhūrto asau sa ca kākutstha na abudhat | tvat priyām jānakīm hṛtvā rāvaṇo rākṣaseśvara | jhaṣavat baḍiśam gṛhya kṣipram eva vinaśyati || 3-68-13

'»Vinda« heißt jene Stunde — doch er, Kākutstha, wußte es nicht: Rāvaṇa, der Rākṣasa-Herr, der deine geliebte Jānakī geraubt hat, geht rasch zugrunde, wie ein Fisch, der den Angelhaken ergreift.'

Wort für Wort
vindo nāma muhūrto asau
'Vinda' heißt jene Stunde
sa ca kākutstha na abudhat
doch er, Kākutstha, wußte es nicht
tvat priyām jānakīm hṛtvā
deine geliebte Jānakī geraubt habend
rāvaṇo rākṣaseśvara
Rāvaṇa, der Rākṣasa-Herr
jhaṣavat baḍiśam gṛhya
wie ein Fisch, den Angelhaken ergreifend
kṣipram eva vinaśyati
geht rasch zugrunde

na ca tvayā vyathā kāryā janakasya sutām prati | vaidehyā raṃsyase kṣipram hatvā tam raṇamūrdhani || 3-68-14

'Und du sollst dich um Janakas Tochter nicht ängstigen; du wirst dich rasch mit Vaidehī erfreuen, nachdem du ihn an der Spitze der Schlacht erschlagen hast.'

Wort für Wort
na ca tvayā vyathā kāryā
und du sollst dich nicht ängstigen
janakasya sutām prati
um Janakas Tochter
vaidehyā raṃsyase kṣipram
du wirst dich rasch mit Vaidehī erfreuen
hatvā tam raṇamūrdhani
nachdem du ihn an der Spitze der Schlacht erschlagen hast

asaṃmūḍhasya gṛdhrasya rāmam prati anubhāṣataḥ | āsyāt susrāva rudhiram mriyamāṇasya sa amiṣam || 3-68-15

Dem noch nicht verwirrten Geier, der zu Rāma sprach, floß, während er im Sterben lag, Blut samt Fleisch aus dem Mund.

Wort für Wort
asaṃmūḍhasya gṛdhrasya
dem noch nicht verwirrten Geier
rāmam prati anubhāṣataḥ
der zu Rāma sprach
āsyāt susrāva rudhiram
floß aus dem Mund Blut
mriyamāṇasya sa amiṣam
während er im Sterben lag, samt Fleisch

putro viśravasaḥ sākṣāt bhrātā vaiśravaṇasya ca | iti uktvā durlabhān prāṇān mumoca patageśvaraḥ || 3-68-16

'Er ist leibhaftig der Sohn des Viśravas und der Bruder Vaiśravaṇas' — so sprechend, gab der Herr der Vögel sein kaum noch vorhandenes Leben auf.

Wort für Wort
putro viśravasaḥ sākṣāt
er ist leibhaftig der Sohn des Viśravas
bhrātā vaiśravaṇasya ca
und der Bruder Vaiśravaṇas
iti uktvā durlabhān prāṇān
so sprechend, sein kaum noch vorhandenes Leben
mumoca patageśvaraḥ
gab der Herr der Vögel auf

brūhi brūhi iti rāmasya bruvāṇasya kṛtāṃjaleḥ | tyaktvā śarīram gṛdhrasya jagmuḥ prāṇā vihāyasam || 3-68-17

Während Rāma, mit gefalteten Händen, 'sprich, sprich!' sagte, verließen die Lebenskräfte des Geiers seinen Körper und zogen in den Himmel.

Wort für Wort
brūhi brūhi iti rāmasya
'sprich, sprich!' so von Rāma
bruvāṇasya kṛtāṃjaleḥ
der mit gefalteten Händen sprach
tyaktvā śarīram gṛdhrasya
den Körper des Geiers verlassend
jagmuḥ prāṇā vihāyasam
zogen die Lebenskräfte in den Himmel

sa nikṣipya śiro bhūmau prasārya caraṇau tadā | vikṣipya ca śarīram svam papāta dharaṇī tale || 3-68-18

Er, sein Haupt zu Boden senkend, die Füße ausstreckend, seinen Leib da hin- und herwerfend, fiel auf den Erdboden.

Wort für Wort
sa nikṣipya śiro bhūmau
er, sein Haupt zu Boden senkend
prasārya caraṇau tadā
die Füße ausstreckend
vikṣipya ca śarīram svam
seinen Leib hin- und herwerfend
papāta dharaṇī tale
fiel er auf den Erdboden

tam gṛdhram prekṣya tāmra akṣam gata asum acalopamam | rāmaḥ su bahubhiḥ duhkhaiḥ dīnaḥ saumitrim abravīt || 3-68-19

Als er den Geier betrachtete, mit rot gewordenen Augen, entseelt, einem Berg gleich, sprach Rāma, von überaus vielem Leid elend, zum Saumitri.

Wort für Wort
tam gṛdhram prekṣya tāmra akṣam
als er den Geier betrachtete, mit rot gewordenen Augen
gata asum acalopamam
entseelt, einem Berg gleich
rāmaḥ su bahubhiḥ duhkhaiḥ
Rāma, von überaus vielem Leid
dīnaḥ saumitrim abravīt
elend, sprach er zum Saumitri

bahūni rakṣasām vāse varṣāṇi vasatā sukham | anena daṇḍakāraṇye viśīrṇam iha pakṣiṇā || 3-68-20

'Viele Jahre glücklich unter den Rākṣasas lebend, hat dieser Vogel hier im Daṇḍaka-Wald sein Ende gefunden.'

Wort für Wort
bahūni rakṣasām vāse
viele unter den Rākṣasas wohnend
varṣāṇi vasatā sukham
Jahre glücklich lebend
anena daṇḍakāraṇye
hier im Daṇḍaka-Wald von diesem
viśīrṇam iha pakṣiṇā
hat der Vogel sein Ende gefunden

aneka vārṣiko yaḥ tu cira kāla samutthitaḥ | so ayam adya hataḥ śete kālo hi duratikramaḥ || 3-68-21

'Er, der viele Jahre gelebt, seit langer Zeit erhoben war, liegt nun heute erschlagen — denn die Zeit ist unüberwindlich.'

Wort für Wort
aneka vārṣiko yaḥ tu
er, der viele Jahre gelebt hat
cira kāla samutthitaḥ
seit langer Zeit erhoben war
so ayam adya hataḥ śete
er liegt nun heute erschlagen
kālo hi duratikramaḥ
denn die Zeit ist unüberwindlich

paśya lakṣmaṇa gṛdhro ayam upakārī hataḥ ca me | sītām abhyavapanno hi rāvaṇena balīyasā || 3-68-22

'Sieh, Lakṣmaṇa, dieser hilfreiche Geier ist mir erschlagen worden — denn er setzte sich für Sītā ein, gegen den gewaltigen Rāvaṇa.'

Wort für Wort
paśya lakṣmaṇa gṛdhro ayam
sieh, Lakṣmaṇa, dieser Geier
upakārī hataḥ ca me
der hilfreiche, ist mir erschlagen worden
sītām abhyavapanno hi
denn er setzte sich für Sītā ein
rāvaṇena balīyasā
gegen den gewaltigen Rāvaṇa

gṛdhra rājyam parityajya pitṛ paitāmaham mahat | mama hetoḥ ayam prāṇān mumoca patageśvaraḥ || 3-68-23

'Das große Geierkönigtum, von Vater und Großvater ererbt, aufgebend, gab dieser Vogelfürst um meinetwillen sein Leben auf.'

Wort für Wort
gṛdhra rājyam parityajya
das Geierkönigtum aufgebend
pitṛ paitāmaham mahat
das große, von Vater und Großvater ererbte
mama hetoḥ ayam prāṇān
um meinetwillen dieser sein Leben
mumoca patageśvaraḥ
gab der Vogelfürst auf

sarvatra khalu dṛśyente sādhavo dharma cāriṇaḥ | śūrāḥ śaraṇyāḥ saumitre tiryak yoni gateṣu api || 3-68-24

'Überall wahrlich findet man rechtschaffene, tugendhafte, heldenhafte, schützenswerte Wesen, Saumitri, sogar unter denen, die in Tiergestalt geboren sind.'

Wort für Wort
sarvatra khalu dṛśyente
überall wahrlich findet man
sādhavo dharma cāriṇaḥ
rechtschaffene, tugendhafte
śūrāḥ śaraṇyāḥ saumitre
heldenhafte, schützenswerte, Saumitri
tiryak yoni gateṣu api
sogar unter denen in Tiergestalt Geborenen

sītā haraṇajaṃ duḥkham na me saumya tathā gatam | yathā vināśo gṛdhrasya mat kṛte ca paraṃtapa || 3-68-25

'Der Kummer, der aus Sītās Raub entstand, wiegt für mich, Sanftmütiger, nicht so schwer wie der Untergang des Geiers um meinetwillen, Feindebezwinger.'

Wort für Wort
sītā haraṇajaṃ duḥkham
der aus Sītās Raub entstandene Kummer
na me saumya tathā gatam
wiegt für mich, Sanftmütiger, nicht so schwer
yathā vināśo gṛdhrasya
wie der Untergang des Geiers
mat kṛte ca paraṃtapa
um meinetwillen, Feindebezwinger

rājā daśarathaḥ śrīmān yathā mama mayā yaśāḥ | pūjanīyaḥ ca mānyaḥ ca tathā ayam patageśvaraḥ || 3-68-26

'Wie der glorreiche König Daśaratha, der Ruhmreiche, von mir zu verehren und zu ehren ist, so auch dieser Herr der Vögel.'

Wort für Wort
rājā daśarathaḥ śrīmān
der glorreiche König Daśaratha
yathā mama mayā yaśāḥ
wie mir, der Ruhmreiche
pūjanīyaḥ ca mānyaḥ ca
zu verehren und zu ehren
tathā ayam patageśvaraḥ
so auch dieser Herr der Vögel

saumitre hara kāṣṭhāni nirmathiṣyāmi pāvakam | gṛdhra rājam didhakṣāmi mat kṛte nidhanam gatam || 3-68-27

'Saumitri, bring Holzscheite, ich werde Feuer entfachen — ich will den Geierkönig verbrennen, der meinetwegen den Tod gefunden hat.'

Wort für Wort
saumitre hara kāṣṭhāni
Saumitri, bring Holzscheite
nirmathiṣyāmi pāvakam
ich werde Feuer entfachen
gṛdhra rājam didhakṣāmi
ich will den Geierkönig verbrennen
mat kṛte nidhanam gatam
der meinetwegen den Tod gefunden hat

nātham pataga lokasya citām āropayāmi aham | imam dhakṣyāmi saumitre hatam raudreṇa rakṣasā || 3-68-28

'Den Herrn der Vogelwelt lege ich auf den Scheiterhaufen — ich werde ihn verbrennen, Saumitri, ihn, der von einem grausamen Rākṣasa erschlagen wurde.'

Wort für Wort
nātham pataga lokasya
den Herrn der Vogelwelt
citām āropayāmi aham
lege ich auf den Scheiterhaufen
imam dhakṣyāmi saumitre
ich werde diesen verbrennen, Saumitri
hatam raudreṇa rakṣasā
ihn, der von einem grausamen Rākṣasa erschlagen wurde

yā gatiḥ yajña śīlānām āhita agneḥ ca yā gatiḥ | a para āvartinām yā ca yā ca bhūmi pradāyinām || 3-68-29

'Welches Los denen zuteil wird, die stets opfern, welches denen, die das Opferfeuer bewahrt haben, welches denen, die nicht mehr zurückkehren, und welches denen, die Land verschenkt haben.'

Wort für Wort
yā gatiḥ yajña śīlānām
welches Los denen, die stets opfern
āhita agneḥ ca yā gatiḥ
und welches denen, die das Opferfeuer bewahrt haben
a para āvartinām yā ca
und welches denen, die nicht mehr zurückkehren
yā ca yā ca bhūmi pradāyinām
und welches denen, die Land verschenkt haben

mayā tvam samanujñāto gaccha lokān anuttamān | gṛdhra rāja mahā sattva saṃskṛtaḥ ca mayā vraja || 3-68-30

'jenes Los sollst du erlangen — von mir freigegeben, geh in die höchsten Welten, Geierkönig von großer Kraft, von mir bestattet, geh dahin.'

Wort für Wort
mayā tvam samanujñāto
von mir freigegeben, du
gaccha lokān anuttamān
geh in die höchsten Welten
gṛdhra rāja mahā sattva
Geierkönig, von großer Kraft
saṃskṛtaḥ ca mayā vraja
von mir bestattet, geh

evam uktvā citām dīptām āropya patageśvaram | dadāha rāmo dharmātmā sva bandhum iva duḥkhitaḥ || 3-68-31

So sprechend, den Herrn der Vögel auf den lodernden Scheiterhaufen legend, verbrannte ihn Rāma, der Rechtschaffene, betrübt wie um einen eigenen Verwandten.

Wort für Wort
evam uktvā citām dīptām
so sprechend, auf den lodernden Scheiterhaufen
āropya patageśvaram
den Herrn der Vögel legend
dadāha rāmo dharmātmā
verbrannte ihn Rāma, der Rechtschaffene
sva bandhum iva duḥkhitaḥ
betrübt wie um einen eigenen Verwandten

rāmo atha saha saumitriḥ vanam yātvā sa vīryavān | sthūlān hatvā mahā rohīn anu tastāra tam dvijam || 3-68-32

Rāma dann, zusammen mit dem Saumitri, in den Wald gehend, der Kraftvolle, erlegte große Rohīt-Fische und bestreute damit den Vogel.

Wort für Wort
rāmo atha saha saumitriḥ
Rāma dann, zusammen mit dem Saumitri
vanam yātvā sa vīryavān
in den Wald gehend, der Kraftvolle
sthūlān hatvā mahā rohīn
große, dicke Rohīt-Fische erlegend
anu tastāra tam dvijam
bestreute er damit den Vogel

rohi māṃsāni ca uddhṛtya peśī kṛtvā mahāyaśāḥ | śakunāya dadau rāmo ramye harita śādvale || 3-68-33

Das Fleisch der Rohīt-Fische herausnehmend, in Stücke geschnitten, gab der ruhmreiche Rāma es dem Vogel, auf einer lieblichen, grünen Wiese.

Wort für Wort
rohi māṃsāni ca uddhṛtya
das Fleisch der Rohīt-Fische herausnehmend
peśī kṛtvā mahāyaśāḥ
in Stücke geschnitten, der Ruhmreiche
śakunāya dadau rāmo
gab Rāma es dem Vogel
ramye harita śādvale
auf einer lieblichen, grünen Wiese

yat tat pretasya martyasya kathayanti dvijātayaḥ | tat svarga gamanam pitryam kṣipram rāmo jajāpa ha || 3-68-34

Was die Zweifachgeborenen für den Verstorbenen sprechen, jenen zum Himmel führenden Ahnenspruch murmelte Rāma rasch.

Wort für Wort
yat tat pretasya martyasya
was für den verstorbenen Sterblichen
kathayanti dvijātayaḥ
die Zweifachgeborenen sprechen
tat svarga gamanam pitryam
jenen zum Himmel führenden Ahnenspruch
kṣipram rāmo jajāpa ha
murmelte Rāma rasch

tato godāvarīm gatvā nadīm nara vara ātmajau | udakam cakratuḥ tasmai gṛdhra rājāya tau ubhau || 3-68-35

Dann, zum Fluß Godāvarī gehend, verrichteten die beiden Söhne des vorzüglichsten Mannes, sie beide, das Wasseropfer für jenen Geierkönig.

Wort für Wort
tato godāvarīm gatvā nadīm
dann, zum Fluß Godāvarī gehend
nara vara ātmajau
die beiden Söhne des vorzüglichsten Mannes
udakam cakratuḥ tasmai
verrichteten für ihn das Wasseropfer
gṛdhra rājāya tau ubhau
für den Geierkönig, sie beide

śāstra dṛṣṭena vidhinā jale gṛdhāya rāghavau | snātvā tau gṛdhra rājāya udakam cakruḥ tadā || 3-68-36

Nach der in der Schrift festgelegten Vorschrift, im Wasser badend, verrichteten die beiden Rāghavas dann für den Geierkönig das Wasseropfer.

Wort für Wort
śāstra dṛṣṭena vidhinā
nach der in der Schrift festgelegten Vorschrift
jale gṛdhāya rāghavau
im Wasser für den Geier, die beiden Rāghavas
snātvā tau gṛdhra rājāya
gebadet, für den Geierkönig
udakam cakruḥ tadā
verrichteten sie dann das Wasseropfer

sa gṛdhra rājaḥ kṛtavān yaśaskaram su duṣkaram karma raṇe nipātitaḥ | maharṣi kalpena ca saṃskṛtaḥ tadā jagāma puṇyām gatim ātmanaḥ śubhām || 3-68-37

Jener Geierkönig, der eine ruhmbringende, überaus schwere Tat vollbracht hatte, im Kampf niedergestreckt und wie ein großer Weiser bestattet, ging dann zu seinem verdienten, glückverheißenden Ziel.

Wort für Wort
sa gṛdhra rājaḥ kṛtavān
jener Geierkönig, der vollbracht hatte
yaśaskaram su duṣkaram karma
eine ruhmbringende, überaus schwere Tat
raṇe nipātitaḥ
im Kampf niedergestreckt
maharṣi kalpena ca saṃskṛtaḥ
und wie ein großer Weiser bestattet
tadā jagāma puṇyām gatim ātmanaḥ śubhām
ging dann zu seinem verdienten, glückverheißenden Ziel

kṛtodakau tau api pakṣi sattame sthirām ca buddhim praṇidhāya jagmutuḥ | praveśya sītā adhigamane tato mano vanam surendrau iva viṣṇu vāsavau || 3-68-38

Nachdem sie beide das Wasseropfer für den vortrefflichen Vogel vollbracht und ihren Sinn fest auf die Wiedererlangung Sītās gerichtet hatten, betraten sie darauf den Wald, wie die beiden Götterfürsten Viṣṇu und Vāsava.

Wort für Wort
kṛtodakau tau api pakṣi sattame
nachdem sie beide das Wasseropfer für den vortrefflichen Vogel vollbracht hatten
sthirām ca buddhim praṇidhāya jagmutuḥ
und ihren Sinn fest gerichtet, gingen sie
praveśya sītā adhigamane tato mano
ihren Sinn auf die Wiedererlangung Sītās gerichtet, darauf
vanam surendrau iva viṣṇu vāsavau
betraten sie den Wald, wie die Götterfürsten Viṣṇu und Vāsava

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