Rāmāyaṇa · Araṇyakāṇḍa
Sarga 66: Lakṣmaṇa Rāma Anunayaḥ
Lakṣmaṇas Ermahnung
tam tathā śoka saṃtaptam vilapaṃtam anāthavat | mohena mahatā āviṣṭam paridyūnam acetanam || tataḥ saumitriḥ āśvāsya muhūrtāt iva lakṣmaṇaḥ | rāmam saṃbodhayāmāsa caraṇau ca abhipīḍayan || 3-66-1,2
Ihn, so vom Kummer versengt, wie ein Hilfloser klagend, von großer Verwirrung ergriffen, ganz erschöpft, besinnungslos, tröstete daraufhin der Saumitri, Lakṣmaṇa, gleichsam für einen Augenblick, und weckte Rāma auf, ihm die Füße drückend.
Wort für Wort tam tathā śoka saṃtaptam ihn, so vom Kummer versengt vilapaṃtam anāthavat wie ein Hilfloser klagend mohena mahatā āviṣṭam von großer Verwirrung ergriffen paridyūnam acetanam ganz erschöpft, besinnungslos tataḥ saumitriḥ āśvāsya daraufhin tröstete der Saumitri muhūrtāt iva lakṣmaṇaḥ Lakṣmaṇa, gleichsam für einen Augenblick rāmam saṃbodhayāmāsa weckte Rāma auf caraṇau ca abhipīḍayan ihm die Füße drückend mahatā tapasā rāma mahatā ca api karmaṇā | rājñā daśarathena asi labdho amṛtam iva amaraiḥ || 3-66-3
'Durch große Askese, Rāma, und auch durch großes Verdienst, wurdest du vom König Daśaratha erlangt, wie der Unsterblichkeitstrank von den Unsterblichen.'
Wort für Wort mahatā tapasā rāma durch große Askese, Rāma mahatā ca api karmaṇā und auch durch großes Verdienst rājñā daśarathena asi labdho wurdest du vom König Daśaratha erlangt amṛtam iva amaraiḥ wie der Unsterblichkeitstrank von den Unsterblichen tava caiva guṇaiḥ baddhaḥ tvat viyogāt mahipatiḥ | rājā devatvam āpanno bharatasya yathā śrutam || 3-66-4
'Und durch deine Tugenden gebunden, ist der Herr der Erde, durch die Trennung von dir, der König, in die Göttlichkeit eingegangen, wie von Bharata berichtet.'
Wort für Wort tava caiva guṇaiḥ baddhaḥ und durch deine Tugenden gebunden tvat viyogāt mahipatiḥ durch die Trennung von dir, der Herr der Erde rājā devatvam āpanno der König ist in die Göttlichkeit eingegangen bharatasya yathā śrutam wie von Bharata berichtet yadi duḥkham idam prāptam kākutstha na sahiṣyase | prākṛtaḥ ca alpa sattvaḥ ca itaraḥ kaḥ sahiṣyati || 3-66-5
'Wenn du dieses Leid, das dich getroffen hat, Kākutstha, nicht ertragen wirst, welcher andere, gewöhnliche und von geringer Kraft, wird es ertragen?'
Wort für Wort yadi duḥkham idam prāptam wenn dieses Leid, das dich getroffen hat kākutstha na sahiṣyase du, Kākutstha, nicht ertragen wirst prākṛtaḥ ca alpa sattvaḥ ca welcher gewöhnliche und von geringer Kraft itaraḥ kaḥ sahiṣyati andere wird es ertragen āśvasihi naraśreṣṭha prāṇinaḥ kasya na āpada | saṃspṛśanti agnivat rājan kṣaṇena vyapayānti ca || 3-66-6
'Fasse Mut, du Bester der Menschen! Wessen Lebewesen berühren nicht Widrigkeiten, wie Feuer, König, und ziehen sich in einem Augenblick wieder zurück?'
Wort für Wort āśvasihi naraśreṣṭha fasse Mut, du Bester der Menschen prāṇinaḥ kasya na āpada wessen Lebewesen nicht Widrigkeiten saṃspṛśanti agnivat rājan berühren, wie Feuer, König kṣaṇena vyapayānti ca und ziehen sich in einem Augenblick zurück duḥkhito hi bhavān lokān tejasā yadi dhakṣyate | ārtāḥ prajā nara vyāghra kva nu yāsyanti nirvṛtim || 3-66-7
'Denn wenn du, Betrübter, mit deinem Glanz die Welten verbrennst, wohin nur, du Tiger unter den Männern, werden die gequälten Geschöpfe zum Frieden gelangen?'
Wort für Wort duḥkhito hi bhavān lokān denn du, Betrübter, die Welten tejasā yadi dhakṣyate mit deinem Glanz, wenn du verbrennst ārtāḥ prajā nara vyāghra die gequälten Geschöpfe, du Tiger unter den Männern kva nu yāsyanti nirvṛtim wohin nur werden sie zum Frieden gelangen loka svabhāva eva eṣa yayātiḥ nahuṣa ātmajaḥ | gataḥ śakreṇa sālokyam anayaḥ tam samaspṛśat || 3-66-8
'Dies ist eben die Natur der Welt: Yayāti, Nahuṣas Sohn, gelangte zur Gleichheit mit Śakras Welt — und Unrecht berührte auch ihn.'
Wort für Wort loka svabhāva eva eṣa dies ist eben die Natur der Welt yayātiḥ nahuṣa ātmajaḥ Yayāti, Nahuṣas Sohn gataḥ śakreṇa sālokyam gelangte zur Gleichheit mit Śakras Welt anayaḥ tam samaspṛśat Unrecht berührte auch ihn mahāṛṣi yaḥ vasiṣṭhaḥ tu yaḥ pituḥ naḥ purohitaḥ | ahnā putra śatam jajñe tathaiva asya punar hatam || 3-66-9
'Der große Weise Vasiṣṭha, der der Hauspriester unseres Vaters ist — an einem Tag zeugte er hundert Söhne, und ebenso wurden sie wieder erschlagen.'
Wort für Wort mahāṛṣi yaḥ vasiṣṭhaḥ tu der große Weise Vasiṣṭha aber yaḥ pituḥ naḥ purohitaḥ der der Hauspriester unseres Vaters ist ahnā putra śatam jajñe an einem Tag zeugte er hundert Söhne tathaiva asya punar hatam und ebenso wurden sie wieder erschlagen yā ca iyam jagato mātā sarva loka namaskṛtā | asyāḥ ca calanam bhūmeḥ dṛśyate kosaleśvara || 3-66-10
'Und diese, die Mutter der Welt, von allen Welten verehrt — auch ihr, der Erde, sieht man Beben, Herr von Kosala.'
Wort für Wort yā ca iyam jagato mātā und diese, die Mutter der Welt sarva loka namaskṛtā von allen Welten verehrt asyāḥ ca calanam bhūmeḥ auch ihr, der Erde, Beben dṛśyate kosaleśvara sieht man, Herr von Kosala yau dharmau jagatām netre yatra sarvam pratiṣṭhitam | āditya candrau grahaṇam abhyupetau mahābalau || 3-66-11
'Die beiden Dharma-Wächter, die Augen der Welt, auf denen alles beruht, Sonne und Mond, die überaus mächtigen, erleiden Finsternis.'
Wort für Wort yau dharmau jagatām netre die beiden Dharma-Wächter, die Augen der Welt yatra sarvam pratiṣṭhitam auf denen alles beruht āditya candrau grahaṇam Sonne und Mond, Finsternis abhyupetau mahābalau erleiden, die überaus mächtigen sumahānti api bhūtāni devāḥ ca puruṣa ṛṣabha | na daivasya pramuṃcanti sarva bhūtāni dehinaḥ || 3-66-12
'Selbst überaus große Wesen, und auch die Götter, du Stier unter den Männern — alle verkörperten Wesen entkommen dem Schicksal nicht.'
Wort für Wort sumahānti api bhūtāni selbst überaus große Wesen devāḥ ca puruṣa ṛṣabha und auch die Götter, du Stier unter den Männern na daivasya pramuṃcanti entkommen nicht dem Schicksal sarva bhūtāni dehinaḥ alle verkörperten Wesen śakra ādiṣu api deveṣu vartamānau naya anayau | śrūyete nara śārdūla na tvam vyathitum arhasi || 3-66-13
'Selbst bei den Göttern mit Śakra an der Spitze walten, wie man hört, Recht und Unrecht — du sollst dich nicht ängstigen, Tiger unter den Männern.'
Wort für Wort śakra ādiṣu api deveṣu selbst bei den Göttern mit Śakra an der Spitze vartamānau naya anayau walten Recht und Unrecht śrūyete nara śārdūla hört man, Tiger unter den Männern na tvam vyathitum arhasi du sollst dich nicht ängstigen hṛtāyām api vaidehyām naṣṭāyām api rāghava | śocitum na arhase vīra yathā anyaḥ prākṛtaḥ tathā || 3-66-14
'Selbst wenn Vaidehī geraubt, selbst wenn sie umgekommen ist, sollst du, Rāghava, nicht so trauern, Held, wie ein anderer, gewöhnlicher Mensch.'
Wort für Wort hṛtāyām api vaidehyām selbst wenn Vaidehī geraubt naṣṭāyām api rāghava selbst wenn sie umgekommen ist, Rāghava śocitum na arhase vīra sollst du nicht trauern, Held yathā anyaḥ prākṛtaḥ tathā wie ein anderer gewöhnlicher tvat vidhā nahi śocanti satatam sarva darśinaḥ | sumahatsu api kṛcchreṣu rāma anirviṇṇa darśanāḥ || 3-66-15
'Menschen deinesgleichen trauern nicht, die stets alles durchschauen — selbst in überaus schweren Nöten, Rāma, ohne den Anschein von Verzweiflung.'
Wort für Wort tvat vidhā nahi śocanti Menschen deinesgleichen trauern nicht satatam sarva darśinaḥ die stets alles durchschauen sumahatsu api kṛcchreṣu selbst in überaus schweren Nöten rāma anirviṇṇa darśanāḥ Rāma, ohne den Anschein von Verzweiflung tattvato hi naraśreṣṭha buddhyā samanuciṃtaya | buddhyā yuktā mahāprājñā vijānanti śubha aśubhe || 3-66-16
'Denn erwäge es der Wahrheit nach mit Verstand, Bester der Menschen — mit Verstand ausgestattete, überaus weise Menschen erkennen Glück und Unglück.'
Wort für Wort tattvato hi naraśreṣṭha denn der Wahrheit nach, Bester der Menschen buddhyā samanuciṃtaya erwäge es mit Verstand buddhyā yuktā mahāprājñā mit Verstand ausgestattete, überaus weise vijānanti śubha aśubhe erkennen Glück und Unglück adṛṣṭa guṇa doṣāṇām adhṛvāṇām ca karmaṇām | na aṃtareṇa kriyām teṣām phalam iṣṭam ca vartate || 3-66-17
'Bei Taten, deren Vorzüge und Fehler ungesehen und ungewiß sind, entsteht ohne deren Ausführung kein gewünschtes Ergebnis.'
Wort für Wort adṛṣṭa guṇa doṣāṇām deren Vorzüge und Fehler ungesehen sind adhṛvāṇām ca karmaṇām und deren Taten ungewiß sind na aṃtareṇa kriyām teṣām ohne deren Ausführung phalam iṣṭam ca vartate entsteht kein gewünschtes Ergebnis mām evam hi purā vīra tvam eva bahuśo uktavān | anuśiṣyāt hi ko nu tvām api sākṣāt bṛhaspatiḥ || 3-66-18
'Denn genau dies hast du, Held, mir früher selbst immer wieder gesagt — wer nur könnte dich belehren, selbst wenn er leibhaftig Bṛhaspati wäre?'
Wort für Wort mām evam hi purā vīra denn genau dies mir früher, Held tvam eva bahuśo uktavān hast du selbst immer wieder gesagt anuśiṣyāt hi ko nu tvām wer nur könnte dich belehren api sākṣāt bṛhaspatiḥ selbst wenn er leibhaftig Bṛhaspati wäre buddhiḥ ca te mahāprājña devaiḥ api duranvayā | śokena abhiprasuptam te jñānam sambodhayāmi aham || 3-66-19
'Dein Verstand, du überaus Weiser, ist selbst von den Göttern schwer zu ergründen — ich wecke dein Wissen wieder, das vom Kummer eingeschläfert ist.'
Wort für Wort buddhiḥ ca te mahāprājña und dein Verstand, du überaus Weiser devaiḥ api duranvayā ist selbst von den Göttern schwer zu ergründen śokena abhiprasuptam te dein vom Kummer eingeschläfertes jñānam sambodhayāmi aham Wissen wecke ich wieder auf divyam ca mānuṣam ca evam ātmanaḥ ca parākramam | ikṣvāku vṛṣabha avekṣya yatasva dviṣatām vadhe || 3-66-20
'Betrachte deine göttliche und menschliche Tapferkeit, du Stier der Ikṣvākus, und strebe nach der Vernichtung der Feinde.'
Wort für Wort divyam ca mānuṣam ca die göttliche und die menschliche evam ātmanaḥ ca parākramam so auch deine eigene Tapferkeit ikṣvāku vṛṣabha avekṣya betrachtend, du Stier der Ikṣvākus yatasva dviṣatām vadhe strebe nach der Vernichtung der Feinde kim te sarva vināśena kṛtena puruṣa ṛṣabha | tam eva tu ripum pāpam vijñāya uddhartum arhasi || 3-66-21
'Was nützt dir die Vernichtung von allem, du Stier unter den Männern? Du solltest lieber jenen bösen Feind erkennen und ihn vernichten.'
Wort für Wort kim te sarva vināśena was nützt dir die Vernichtung von allem kṛtena puruṣa ṛṣabha getan, du Stier unter den Männern tam eva tu ripum pāpam lieber jenen bösen Feind vijñāya uddhartum arhasi solltest du erkennen und vernichten
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