Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Araṇyakāṇḍa

Sarga 19: Kharasya Rākṣasa Preṣaṇam Khara befragt Śūrpaṇakhā und schickt vierzehn Rākṣasas aus, um Rāma zu töten

tām tathā patitām dṛṣṭvā virūpām śoṇita ukṣitām | bhaginīm krodha saṃtaptaḥ kharaḥ papracchha rākṣasaḥ || 3-19-1

Als er seine entstellte, blutüberströmte Schwester so hingestürzt sah, fragte der zornentbrannte Rākṣasa Khara sie:

Wort für Wort
tām tathā patitām dṛṣṭvā
sie so hingestürzt sehend
virūpām śoṇita ukṣitām
entstellt, blutüberströmt
bhaginīm krodha saṃtaptaḥ
die Schwester, zornentbrannt
kharaḥ papracchha rākṣasaḥ
fragte der Rākṣasa Khara

uttiṣṭha tāvat ākhyāhi pramoham jahi saṃbhramam | vyaktam ākhyāhi kena tvam evam rūpā virūpitā || 3-19-2

'Steh erst einmal auf, erzähle, lass die Ohnmacht und die Bestürzung fahren; sage deutlich, von wem du, die du so aussahst, entstellt wurdest.

Wort für Wort
uttiṣṭha tāvat ākhyāhi
steh auf, erzähle
pramoham jahi saṃbhramam
lass Ohnmacht und Bestürzung fahren
vyaktam ākhyāhi kena
sage deutlich, von wem
tvam evam rūpā virūpitā
du, die so aussahst, entstellt wurdest

kaḥ kṛṣṇa sarpam asīnam āśī viṣama nāgasam | tudati abhisamāpannam a.ṃguli agreṇa līlayā || 3-19-3

Wer stößt spielerisch mit der Fingerspitze eine schwarze, mit tödlichem Gift versehene Schlange, wenn sie ruhig daliegt und man ihr nahekommt?

Wort für Wort
kaḥ kṛṣṇa sarpam asīnam
wer eine schwarze, ruhende Schlange
āśī viṣama nāgasam
mit tödlichem Gift versehen
tudati abhisamāpannam
stößt sie an, wenn man ihr nahekommt
a.ṃguli agreṇa līlayā
mit der Fingerspitze, spielerisch

kāla pāśam samāsajya kaṇṭhe mohāt na jānate | yaḥ tvām adya samāsādya pītavān viṣam uttamam || 3-19-4

Wer, ohne es aus Verblendung zu wissen, hat sich die Schlinge des Todes um den Hals gelegt, der heute, indem er sich dir näherte, das höchste Gift getrunken hat?

Wort für Wort
kāla pāśam samāsajya
die Schlinge des Todes sich anlegend
kaṇṭhe mohāt na jānate
um den Hals, aus Verblendung nicht wissend
yaḥ tvām adya samāsādya
wer, sich dir heute nähernd
pītavān viṣam uttamam
das höchste Gift getrunken hat

bala vikrama saṃpannā kāmagā kāma rūpiṇī | imām avasthām nītā tvam kena aṃtaka samā gatā || 3-19-5

Du, mit Kraft und Tapferkeit ausgestattet, nach Belieben umherziehend, gestaltwandelnd – von wem wurdest du in diesen Zustand gebracht, wodurch du dem Tod nahe gekommen bist?

Wort für Wort
bala vikrama saṃpannā
mit Kraft und Tapferkeit ausgestattet
kāmagā kāma rūpiṇī
nach Belieben umherziehend, gestaltwandelnd
imām avasthām nītā tvam
du, in diesen Zustand gebracht
kena aṃtaka samā gatā
von wem dem Tod nahe gekommen

deva gandharva bhūtānām ṛṣīṇām ca mahātmanām | ko ayam evam mahāvīryaḥ tvām virūpām cakāra ha || 3-19-6

Unter Göttern, Gandharvas, Geistwesen und großherzigen Rṣis – wer ist dieser von so großer Tapferkeit, der dich entstellt hat?

Wort für Wort
deva gandharva bhūtānām
unter Göttern, Gandharvas, Geistwesen
ṛṣīṇām ca mahātmanām
und großherzigen Rṣis
ko ayam evam mahāvīryaḥ
wer ist dieser von so großer Tapferkeit
tvām virūpām cakāra ha
der dich entstellt hat

na hi paśyāmi aham loke yaḥ kuryāt mama vipriyam | amareṣu sahasrākṣam mahaendram pākaśāsanam || 3-19-7

Denn ich sehe niemanden in der Welt, der mir Unliebes antun könnte – nicht einmal unter den Unsterblichen den tausendäugigen Mahendra, den Bezwinger Pākas.

Wort für Wort
na hi paśyāmi aham loke
denn ich sehe niemanden in der Welt
yaḥ kuryāt mama vipriyam
der mir Unliebes antun könnte
amareṣu sahasrākṣam
unter den Unsterblichen den Tausendäugigen
mahaendram pākaśāsanam
Mahendra, den Bezwinger Pākas

adya aham mārgaṇaiḥ prāṇān ādāsye jīvitāṃtagaiḥ | salile kṣīram āsaktam niṣpiban iva sārasaḥ || 3-19-8

Heute werde ich mit Pfeilen, die dem Leben ein Ende setzen, ihm das Leben nehmen, wie ein Kranich die im Wasser vermischte Milch heraustrinkt.

Wort für Wort
adya aham mārgaṇaiḥ prāṇān
heute werde ich mit Pfeilen das Leben
ādāsye jīvitāṃtagaiḥ
nehmen, die dem Leben ein Ende setzen
salile kṣīram āsaktam
die im Wasser vermischte Milch
niṣpiban iva sārasaḥ
heraustrinkend, wie ein Kranich

nihatasya mayā saṃkhye śara saṃkṛtta marmaṇaḥ | saphenam rudhiram kasya medinī pātum icchhasi || 3-19-9

Von wem, den ich im Kampf erschlagen habe, dessen Lebenspunkte von Pfeilen durchbohrt sind, willst du, Erde, das schaumige Blut trinken?

Wort für Wort
nihatasya mayā saṃkhye
von dem im Kampf von mir Erschlagenen
śara saṃkṛtta marmaṇaḥ
dessen Lebenspunkte von Pfeilen durchbohrt sind
saphenam rudhiram kasya
wessen schaumiges Blut
medinī pātum icchhasi
willst du, Erde, trinken

kasya patrarathāḥ kāyāt māṃsam utkṛtya saṃgatāḥ | prahṛṣṭā bhakṣayiṣyanti nihatasya mayā raṇe || 3-19-10

Wessen Fleisch werden die Vögel, sich versammelnd, aus dem Leib herausschneiden und hocherfreut verzehren, von dem, den ich im Kampf erschlagen habe?

Wort für Wort
kasya patrarathāḥ kāyāt
wessen Vögel aus dem Leib
māṃsam utkṛtya saṃgatāḥ
das Fleisch herausschneidend, versammelt
prahṛṣṭā bhakṣayiṣyanti
werden hocherfreut verzehren
nihatasya mayā raṇe
von dem im Kampf von mir Erschlagenen

tam na devā na gaṃdharvā na piśācā na rākṣasāḥ | mayā apakṛṣṭam kṛpaṇam śaktāḥ trātum iha āhave || 3-19-11

Den werden weder Götter noch Gandharvas noch Piśācas noch Rākṣasas retten können, den von mir Erniedrigten, Elenden, hier im Kampf.

Wort für Wort
tam na devā na gaṃdharvā
ihn weder Götter noch Gandharvas
na piśācā na rākṣasāḥ
noch Piśācas noch Rākṣasas
mayā apakṛṣṭam kṛpaṇam
von mir erniedrigt, den Elenden
śaktāḥ trātum iha āhave
werden retten können hier im Kampf

upalabhya śanaiḥ saṃjñām tam me śaṃsitum arhasi | yena tvam durvinītena vane vikramya nirjitā || 3-19-12

Erlange erst langsam wieder dein Bewusstsein und nenne mir dann jenen, durch den du, von dem Unbeherrschten, im Wald mit Gewalt besiegt wurdest.

Wort für Wort
upalabhya śanaiḥ saṃjñām
langsam wieder Bewusstsein erlangend
tam me śaṃsitum arhasi
sollst du mir jenen nennen
yena tvam durvinītena
durch den, den Unbeherrschten, du
vane vikramya nirjitā
im Wald mit Gewalt besiegt wurdest

iti bhrātur vacaḥ śrutvā kruddhasya ca viśeṣataḥ | tataḥ śūrpaṇakhā vākyam sabāṣpam idam abravīt || 3-19-13

Als sie das Wort ihres Bruders gehört hatte, der besonders zornig war, sprach Śūrpaṇakhā dann unter Tränen dieses Wort:

Wort für Wort
iti bhrātur vacaḥ śrutvā
dieses Wort des Bruders gehört habend
kruddhasya ca viśeṣataḥ
des besonders zornigen
tataḥ śūrpaṇakhā vākyam
dann sprach Śūrpaṇakhā das Wort
sabāṣpam idam abravīt
unter Tränen sprach sie dies

taruṇau rūpa saṃpannau sukūmārau mahābalau | puṇḍarīka viśālākṣau cīra kṛṣṇa ajina aṃbarau || 3-19-14

'Zwei Junge, von schöner Gestalt, zart, von großer Kraft, mit weiten Augen wie weiße Lotosblumen, in Rindenkleidung und schwarze Antilopenfelle gehüllt,

Wort für Wort
taruṇau rūpa saṃpannau
zwei Junge, von schöner Gestalt
sukūmārau mahābalau
zart, von großer Kraft
puṇḍarīka viśālākṣau
mit Augen weit wie weiße Lotosblumen
cīra kṛṣṇa ajina aṃbarau
in Rindenkleidung und schwarze Antilopenfelle gehüllt

phala mūla aśinau dāntau tāpasau brahmacāriṇau | putrau daśarathasya āstām bhrātarau rāma lakṣmanau || 3-19-15

von Früchten und Wurzeln lebend, gezügelt, Asketen, Brahmanenschüler-gleich, waren die beiden Söhne Daśarathas, die Brüder Rāma und Lakṣmaṇa.

Wort für Wort
phala mūla aśinau dāntau
von Früchten und Wurzeln lebend, gezügelt
tāpasau brahmacāriṇau
Asketen, Brahmanenschüler-gleich
putrau daśarathasya āstām
waren die beiden Söhne Daśarathas
bhrātarau rāma lakṣmanau
die Brüder Rāma und Lakṣmaṇa

gandharva rāja pratimau pārthiva vyanjana anvitau | devau vā dānavau - mānuṣau - vā tau na tarkayitum utsahe || 3-19-16

Dem König der Gandharvas gleich, mit königlichen Merkmalen versehen – ob Götter oder Dānavas oder Menschen, das vermag ich nicht zu erraten.

Wort für Wort
gandharva rāja pratimau
dem König der Gandharvas gleich
pārthiva vyanjana anvitau
mit königlichen Merkmalen versehen
devau vā dānavau mānuṣau vā
ob Götter oder Dānavas oder Menschen
tau na tarkayitum utsahe
vermag ich nicht zu erraten

taruṇī rūpasaṃpannā sarvāabharaṇa bhūṣitā | dṛṣṭā tatra mayā nārī tayor madhye sumadhyamā || 3-19-17

Eine junge Frau von schöner Gestalt, mit allem Schmuck geschmückt, mit schöner Taille, sah ich dort zwischen den beiden.

Wort für Wort
taruṇī rūpasaṃpannā
eine junge Frau von schöner Gestalt
sarvāabharaṇa bhūṣitā
mit allem Schmuck geschmückt
dṛṣṭā tatra mayā nārī
sah ich dort eine Frau
tayor madhye sumadhyamā
zwischen den beiden, mit schöner Taille

tābhyām ubhābhyām saṃbhūya pramadām adhikṛtya tām | imām avasthām nītā aham yathā anāthā satī tathā || 3-19-18

Von den beiden gemeinsam, wegen jener Frau, wurde ich in diesen Zustand gebracht, als wäre ich wahrhaft schutzlos.

Wort für Wort
tābhyām ubhābhyām saṃbhūya
von den beiden gemeinsam
pramadām adhikṛtya tām
wegen jener Frau
imām avasthām nītā aham
wurde ich in diesen Zustand gebracht
yathā anāthā satī tathā
als wäre ich wahrhaft schutzlos

tasyāḥ ca anṛju vṛttāyāḥ tayoḥ ca hatayor aham | saphenam pātum icchhāmi rudhiram raṇa mūrdhani || 3-19-19

Von ihr, der Falschherzigen, und von den beiden, wenn sie erschlagen sind, will ich das schaumige Blut an der Spitze der Schlacht trinken.

Wort für Wort
tasyāḥ ca anṛju vṛttāyāḥ
und von ihr, der Falschherzigen
tayoḥ ca hatayor aham
und von den beiden, wenn erschlagen, ich
saphenam pātum icchhāmi
will ich das schaumige trinken
rudhiram raṇa mūrdhani
Blut an der Spitze der Schlacht

eṣa me prathamaḥ kāmaḥ kṛtaḥ tatra tvayā bhavet | tasyāḥ tayoḥ ca rudhiram pibeyam aham āhave || 3-19-20

Dies ist mein erster Wunsch – möge er von dir erfüllt werden: dass ich das Blut von ihr und von den beiden im Kampf trinken kann.'

Wort für Wort
eṣa me prathamaḥ kāmaḥ
dies ist mein erster Wunsch
kṛtaḥ tatra tvayā bhavet
möge er von dir erfüllt werden
tasyāḥ tayoḥ ca rudhiram
das Blut von ihr und von den beiden
pibeyam aham āhave
möge ich trinken im Kampf

iti tasyām bruvāṇāyām catur daśa mahābalān | vyādideśa kharaḥ kruddho rākṣasān aṃtakopamān || 3-19-21

Während sie so sprach, beauftragte der zornige Khara vierzehn überaus kraftvolle Rākṣasas, dem Tode gleich,

Wort für Wort
iti tasyām bruvāṇāyām
während sie so sprach
catur daśa mahābalān
vierzehn überaus kraftvolle
vyādideśa kharaḥ kruddho
beauftragte der zornige Khara
rākṣasān aṃtakopamān
die Rākṣasas, dem Tode gleich

mānuṣau śastra saṃpannau cīra kṛṣṇa ajina aṃbarau | praviṣṭau daṇḍakāraṇyam ghoram pramadayā saha || 3-19-22

'Zwei Menschen, mit Waffen versehen, in Rindenkleidung und schwarze Antilopenfelle gehüllt, sind mit einer Frau in den furchtbaren Daṇḍaka-Wald eingedrungen.

Wort für Wort
mānuṣau śastra saṃpannau
zwei Menschen, mit Waffen versehen
cīra kṛṣṇa ajina aṃbarau
in Rindenkleidung und schwarze Antilopenfelle
praviṣṭau daṇḍakāraṇyam ghoram
eingedrungen in den furchtbaren Daṇḍaka-Wald
pramadayā saha
mit einer Frau

tau hatvā tām ca durvṛttām upāvartitum arhatha | iyam ca rudhiram teṣām bhaginī mama pāsyati || 3-19-23

Nachdem ihr die beiden getötet habt und jene Missetäterin, sollt ihr zurückkehren; und diese meine Schwester wird ihr Blut trinken.

Wort für Wort
tau hatvā tām ca durvṛttām
die beiden getötet habend und die Missetäterin
upāvartitum arhatha
sollt ihr zurückkehren
iyam ca rudhiram teṣām
und deren Blut diese
bhaginī mama pāsyati
meine Schwester wird trinken

manoratho ayam iṣṭo asyā bhaginyā mama rākṣasāḥ | śīghram saṃpadyatām gatvā tau pramathya sva tejasā || 3-19-24

Dieser Wunsch meiner Schwester soll erfüllt werden, Rākṣasas; geht rasch und vollbringt dies, die beiden mit eurer eigenen Kraft niederschlagend.

Wort für Wort
manoratho ayam iṣṭo
dieser gewünschte Wunsch
asyā bhaginyā mama rākṣasāḥ
meiner Schwester, Rākṣasas
śīghram saṃpadyatām gatvā
möge rasch erfüllt werden, gehend
tau pramathya sva tejasā
die beiden mit eigener Kraft niederschlagend

yuṣmābiḥ nirhato dṛṣṭvā tau ubhau bhrātau raṇe | iyam prahṛṣṭā muditā rudhiram yudhi pāsyati || 3-19-25

Wenn sie sieht, dass die beiden Brüder von euch im Kampf getötet wurden, wird sie, hocherfreut und froh, das Blut im Kampf trinken.'

Wort für Wort
yuṣmābiḥ nirhato dṛṣṭvā
von euch getötet gesehen habend
tau ubhau bhrātau raṇe
die beiden Brüder im Kampf
iyam prahṛṣṭā muditā
diese, hocherfreut und froh
rudhiram yudhi pāsyati
wird das Blut im Kampf trinken

iti pratisamādiṣṭā rākṣasāḥ te catur daśa | tatra jagmuḥ tayā sārdham ghanā vāteritāḥ yathā || 3-19-26

So beauftragt, zogen jene vierzehn Rākṣasas dorthin, zusammen mit ihr, wie vom Wind getriebene Wolken.

Wort für Wort
iti pratisamādiṣṭā
so beauftragt
rākṣasāḥ te catur daśa
jene vierzehn Rākṣasas
tatra jagmuḥ tayā sārdham
zogen dorthin, zusammen mit ihr
ghanā vāteritāḥ yathā
wie vom Wind getriebene Wolken

tatastu te tam samudarga tejasam tathāpi tīkṣṇa pradarā niśācarā | na śekur enam sahasā pramarditum vanadvipā dīptvam iva agnim uthitam || 3-19-27

Doch jene Nachtwandler, trotz ihrer scharfen Waffen, vermochten jenen, dessen Glanz über den Ozean erhaben war, nicht plötzlich zu überwältigen, so wie wilde Elefanten nicht ein loderndes, entfachtes Feuer bezwingen können.

Wort für Wort
tatastu te tam samudarga tejasam
doch jene ihn, dessen Glanz über den Ozean erhaben war
tathāpi tīkṣṇa pradarā niśācarā
dennoch die scharfbewaffneten Nachtwandler
na śekur enam sahasā pramarditum
vermochten ihn nicht plötzlich zu überwältigen
vanadvipā dīptvam iva agnim uthitam
wie wilde Elefanten ein loderndes, entfachtes Feuer

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