Rāmāyaṇa · Araṇyakāṇḍa
Sarga 32: Rāvaṇa Varṇanam
Śūrpaṇakhā erreicht Laṅkā und erblickt Rāvaṇa
tataḥ śūrpaṇakhā dṛṣṭvā sahasrāṇi caturdaśa |
hatāni ekena rāmeṇa rakṣasām bhīma karmaṇām || 3-32-1
Da, nachdem Śūrpaṇakhā gesehen hatte, wie vierzehntausend Rākṣasas von furchtbarem Tun von dem einen Rāma erschlagen worden waren,
Wort für Wort tataḥ śūrpaṇakhā dṛṣṭvā da Śūrpaṇakhā sehend sahasrāṇi caturdaśa vierzehntausend hatāni ekena rāmeṇa erschlagen von dem einen Rāma rakṣasām bhīma karmaṇām Rākṣasas von furchtbarem Tun dūṣaṇam ca kharam caiva hatam triśirasam raṇe |
dṛṣṭvā punar mahānādam nanāda jalada upamā || 3-32-2
und Dūṣaṇa, Khara sowie Triśiras im Kampf erschlagen gesehen hatte, brüllte sie erneut ein gewaltiges Gebrüll, einer Regenwolke gleich.
Wort für Wort dūṣaṇam ca kharam caiva und Dūṣaṇa und Khara hatam triśirasam raṇe und Triśiras im Kampf erschlagen dṛṣṭvā punar mahānādam sehend, erneut ein gewaltiges Gebrüll nanāda jalada upamā brüllte sie, einer Regenwolke gleich sā dṛṣṭvā karma rāmasya kṛtam anyaiḥ suduṣkaram |
jagāma parama udvignā laṃkām rāvaṇa pālitām || 3-32-3
Nachdem sie Rāmas Tat gesehen hatte, die von anderen kaum vollbracht werden konnte, zog sie, höchst bestürzt, nach Laṅkā, das von Rāvaṇa beherrscht wurde.
Wort für Wort sā dṛṣṭvā karma rāmasya sie, Rāmas Tat sehend kṛtam anyaiḥ suduṣkaram von anderen kaum vollbringbar jagāma parama udvignā zog, höchst bestürzt laṃkām rāvaṇa pālitām nach Laṅkā, von Rāvaṇa beherrscht sā dadarśa vimāna agre rāvaṇam dīpta tejasam |
upopaviṣṭam sacivaiḥ marudbhiḥ iva vāsavam || 3-32-4
Sie sah Rāvaṇa, von loderndem Glanz, vorn auf seinem Thronsitz sitzen, umgeben von seinen Ministern, wie Indra von den Marut-Winden.
Wort für Wort sā dadarśa vimāna agre sie sah vorn auf dem Thron rāvaṇam dīpta tejasam Rāvaṇa, von loderndem Glanz upopaviṣṭam sacivaiḥ umgeben sitzend von Ministern marudbhiḥ iva vāsavam wie Indra von den Marut āsīnam sūrya saṃkāśe kāṃcane paramāsane |
rukma vedi gatam prājyam jvalaṃtam iva pāvakam || 3-32-5
Er saß auf einem sonnengleichen, goldenen, vorzüglichen Thron, wie auf einem goldenen Altar, gleich einem lodernden Feuer.
Wort für Wort āsīnam sūrya saṃkāśe sitzend, sonnengleich kāṃcane paramāsane auf goldenem, vorzüglichem Thron rukma vedi gatam prājyam auf einem goldenen Altar, prächtig jvalaṃtam iva pāvakam wie ein loderndes Feuer deva gandharva bhūtānām ṛṣīṇām ca mahātmanām |
ajeyam samare ghoram vyātta ānanam iva antakam || 3-32-6
Er, der für Götter, Gandharvas, Geisterwesen und hochherzige Ṛṣis im Kampf unbezwingbar und furchtbar war, wie der Todesgott mit geöffnetem Rachen,
Wort für Wort deva gandharva bhūtānām für Götter, Gandharvas, Geisterwesen ṛṣīṇām ca mahātmanām und hochherzige Ṛṣis ajeyam samare ghoram unbezwingbar im Kampf, furchtbar vyātta ānanam iva antakam wie der Todesgott mit geöffnetem Rachen deva asura vimardeṣu vajra aśani kṛta vraṇam |
airāvata viṣāṇa agraiḥ utkṛṣṭa kiṇa vakṣasam || 3-32-7
der in den Kämpfen zwischen Göttern und Asuras Wunden von Blitz und Donnerkeil trug und dessen Brust von den Stoßzahnspitzen Airāvatas mit Schwielen bedeckt war,
Wort für Wort deva asura vimardeṣu in den Kämpfen zwischen Göttern und Asuras vajra aśani kṛta vraṇam mit von Blitz und Donnerkeil gemachten Wunden airāvata viṣāṇa agraiḥ von Airāvatas Stoßzahnspitzen utkṛṣṭa kiṇa vakṣasam mit an der Brust hervorgetretenen Schwielen viṃśat bhujam daśa grīvam darśanīya paricchadam |
viśāla vakṣasam vīram rāja lakṣmaṇa lakṣitam || 3-32-8
mit zwanzig Armen und zehn Hälsen, von prächtigem Gefolge, mit breiter Brust, ein Held, gekennzeichnet durch königliche Zeichen,
Wort für Wort viṃśat bhujam daśa grīvam mit zwanzig Armen, zehn Hälsen darśanīya paricchadam von prächtigem Gefolge viśāla vakṣasam vīram mit breiter Brust, ein Held rāja lakṣmaṇa lakṣitam gekennzeichnet durch königliche Zeichen naddha vaidūrya saṃkāśam tapta kāncana kuṇḍalam |
subhujam śukla daśanam mahā āsyam parvatopamam || 3-32-9
beryllfarben, mit geglühten goldenen Ohrringen geschmückt, mit schönen Armen, weißen Zähnen, gewaltigem Antlitz, einem Berg gleich,
Wort für Wort naddha vaidūrya saṃkāśam beryllfarben geschmückt tapta kāncana kuṇḍalam mit geglühten goldenen Ohrringen subhujam śukla daśanam mit schönen Armen, weißen Zähnen mahā āsyam parvatopamam mit gewaltigem Antlitz, einem Berg gleich viṣṇu cakra nipātaiḥ ca śataśo deva saṃyuge |
anyaiḥ śastraiḥ prahāraiḥ ca mahāyuddheṣu tāḍitam || 3-32-10
von Viṣṇus Diskuswürfen hundertfach im Götterkampf, von anderen Waffenschlägen in großen Schlachten getroffen,
Wort für Wort viṣṇu cakra nipātaiḥ ca und von Viṣṇus Diskuswürfen śataśo deva saṃyuge hundertfach im Götterkampf anyaiḥ śastraiḥ prahāraiḥ ca und von anderen Waffenschlägen mahāyuddheṣu tāḍitam in großen Schlachten getroffen āhata aṃgam samastaiḥ ca deva praharaṇaiḥ tathā |
akṣobhyāṇām samudrāṇām kṣobhaṇam kṣipra kāriṇam || 3-32-11
an allen Gliedern von sämtlichen göttlichen Waffen verwundet, der Aufwühler der unerschütterlichen Ozeane, ein schneller Vollbringer,
Wort für Wort āhata aṃgam samastaiḥ ca an allen Gliedern von sämtlichen deva praharaṇaiḥ tathā göttlichen Waffen verwundet akṣobhyāṇām samudrāṇām der unerschütterlichen Ozeane kṣobhaṇam kṣipra kāriṇam Aufwühler, ein schneller Vollbringer kṣeptāram parvata agrāṇām surāṇām ca pramardanam |
ucchettāram ca dharmāṇām para dāra abhimarśanam || 3-32-12
der Bergspitzen zu schleudern vermochte, der Vernichter der Götter, der Zerstörer der Rechtsordnungen, der Schänder fremder Frauen,
Wort für Wort kṣeptāram parvata agrāṇām der Werfer von Bergspitzen surāṇām ca pramardanam und der Vernichter der Götter ucchettāram ca dharmāṇām und der Zerstörer der Rechtsordnungen para dāra abhimarśanam der Schänder fremder Frauen sarva divya astra yoktāram yajña vighna karam sadā |
purīm bhogavatīm gatvā parājitya ca vāsukim || 3-32-13
der über alle himmlischen Waffen verfügte, der stets Opfer störte, der zur Stadt Bhogavatī gezogen war und Vāsuki besiegt hatte
Wort für Wort sarva divya astra yoktāram der Verfüger über alle himmlischen Waffen yajña vighna karam sadā der stets Opfer störte purīm bhogavatīm gatvā zur Stadt Bhogavatī gezogen parājitya ca vāsukim und Vāsuki besiegt habend takṣakasya priyām bhāryām parājitya jahāra yaḥ |
kailāsam parvatam gatvā vijitya nara vāhanam || 3-32-14
und Takṣakas geliebte Gattin nach ihrer Besiegung geraubt hatte; der zum Berg Kailāsa gezogen war und, nachdem er den Fahrer der Menschen [Kubera] besiegt hatte,
Wort für Wort takṣakasya priyām bhāryām Takṣakas geliebte Gattin parājitya jahāra yaḥ nach Besiegung geraubt hatte, der kailāsam parvatam gatvā zum Berg Kailāsa gezogen vijitya nara vāhanam nachdem er den Fahrer der Menschen besiegt hatte vimānam puṣpakam tasya kāmagam vai jahāra yaḥ |
vanam caitraratham divyam nalinīm naṃdanam vanam || 3-32-15
dessen wunscherfüllenden Himmelswagen Puṣpaka geraubt hatte; der aus Zorn den himmlischen Caitraratha-Wald, den Lotusteich Nalinī und den Nandana-Wald der Götter
Wort für Wort vimānam puṣpakam tasya dessen Himmelswagen Puṣpaka kāmagam vai jahāra yaḥ den wunscherfüllenden geraubt hatte, der vanam caitraratham divyam den himmlischen Caitraratha-Wald nalinīm naṃdanam vanam den Lotusteich Nalinī, den Nandana-Wald vināśayati yaḥ krodhāt deva udyānāni vīryavān |
candra sūryau mahā bhāgau uttiṣṭhantau paraṃtapau || 3-32-16
verwüstete, der Tapfere; der Mond und Sonne, die hochgesegneten, feindebezwingenden, beim Aufgehen
Wort für Wort vināśayati yaḥ krodhāt der aus Zorn verwüstete deva udyānāni vīryavān die Göttergärten, der Tapfere candra sūryau mahā bhāgau Mond und Sonne, die hochgesegneten uttiṣṭhantau paraṃtapau beim Aufgehen, die Feindebezwingenden nivārayati bāhubhyām yaḥ śaila śikharopamaḥ |
daśa varṣa sahasrāṇi tapaḥ taptvā mahāvane || 3-32-17
mit seinen Armen aufzuhalten vermochte, er, einem Berggipfel gleich; der zehntausend Jahre lang im großen Wald Askese geübt hatte
Wort für Wort nivārayati bāhubhyām mit den Armen aufhielt yaḥ śaila śikharopamaḥ der, einem Berggipfel gleich daśa varṣa sahasrāṇi zehntausend Jahre tapaḥ taptvā mahāvane Askese geübt im großen Wald purā svayaṃbhuve dhīraḥ śirāṃsi upajahāra yaḥ |
deva dānava gadharva piśāca pataga uragaiḥ || 3-32-18
und einst dem Selbstentstandenen [Brahmā] seine Häupter dargebracht hatte, der Standhafte; er, dessen Sicherheit im Kampf
Wort für Wort purā svayaṃbhuve dhīraḥ einst dem Selbstentstandenen, der Standhafte śirāṃsi upajahāra yaḥ seine Häupter dargebracht hatte, der deva dānava gadharva von Göttern, Dānavas, Gandharvas piśāca pataga uragaiḥ von Piśācas, Vögeln, Schlangen abhayam yasya saṃgrāme mṛtyuto mānuṣād ṛte |
mantraiḥ abhituṣṭam puṇyam adhvareṣu dvijātibhiḥ || 3-32-19
vor dem Tod erlangt war, ausgenommen durch Menschen; er, der durch Zaubersprüche zufriedengestellt
Wort für Wort abhayam yasya saṃgrāme dessen Sicherheit im Kampf mṛtyuto mānuṣād ṛte vor dem Tod, ausgenommen durch Menschen mantraiḥ abhituṣṭam puṇyam durch Zaubersprüche zufriedengestellt, heilig adhvareṣu dvijātibhiḥ bei den Opfern, von den Zweifachgeborenen havirdhāneṣu yaḥ somam upahanti mahābalaḥ |
prāpta yajña haram duṣṭam brahma ghnam krūra kāriṇam || 3-32-20
bei den heiligen Opferhandlungen der Zweifachgeborenen, der Mächtige, der den Soma-Trank bei den Opfergaben raubte, der die Opfer störte, der Böse, der Brahmanen-Mörder, der Grausamtätige,
Wort für Wort havirdhāneṣu yaḥ somam bei den Opfergaben den Soma upahanti mahābalaḥ raubte, der Mächtige prāpta yajña haram duṣṭam der die Opfer störte, der Böse brahma ghnam krūra kāriṇam der Brahmanen-Mörder, der Grausamtätige karkaśam niranukrośam prajānām ahite ratam |
rāvaṇam sarva bhūtānām sarva loka bhayāvaham || 3-32-21
der Harte, Mitleidlose, der am Unheil der Geschöpfe sein Vergnügen fand – jenen Rāvaṇa, der allen Wesen und aller Welt Furcht einflößte,
Wort für Wort karkaśam niranukrośam der Harte, Mitleidlose prajānām ahite ratam am Unheil der Geschöpfe sein Vergnügen findend rāvaṇam sarva bhūtānām jenen Rāvaṇa, für alle Wesen sarva loka bhayāvaham und aller Welt Furcht einflößend rākṣasī bhrātaram krūram sā dadarśa mahābalam |
tam divya vastra ābharaṇam divya mālya upaśobhitam || 3-32-22
den grausamen, mächtigen Bruder, erblickte die Rākṣasī, ihn, geschmückt mit himmlischen Gewändern und Schmuck, mit himmlischen Blumengirlanden geziert,
Wort für Wort rākṣasī bhrātaram krūram den grausamen Bruder, die Rākṣasī sā dadarśa mahābalam erblickte sie, den Mächtigen tam divya vastra ābharaṇam ihn, mit himmlischen Gewändern und Schmuck divya mālya upaśobhitam mit himmlischen Girlanden geziert āsane sūpaviṣṭam tam kāle kālam iva udyatam |
rākṣasendram mahābhāgam paulastya kula nandanam || 3-32-23
auf seinem Thron sitzend, gleich dem zur rechten Zeit sich erhebenden Tod, den hochgesegneten Herrn der Rākṣasas, die Freude des Pulastya-Geschlechts.
Wort für Wort āsane sūpaviṣṭam tam auf dem Thron gut sitzend, ihn kāle kālam iva udyatam gleich dem zur rechten Zeit sich erhebenden Tod rākṣasendram mahābhāgam den hochgesegneten Herrn der Rākṣasas paulastya kula nandanam die Freude des Pulastya-Geschlechts upagamya abravīt vākyam rākṣasī bhaya vihvalā |
rāvaṇam śatru hantāram maṃtribhiḥ parivāritam || 3-32-24
Sie trat heran und sprach, von Furcht überwältigt, zu Rāvaṇa, dem Feindevernichter, umgeben von seinen Ministern, diese Worte:
Wort für Wort upagamya abravīt vākyam herantretend sprach sie das Wort rākṣasī bhaya vihvalā die Rākṣasī, von Furcht überwältigt rāvaṇam śatru hantāram zu Rāvaṇa, dem Feindevernichter maṃtribhiḥ parivāritam umgeben von seinen Ministern tam abravīt dīpta viśāla locanam |
pradarśayitvā bhaya lobha mohitā |
sudāruṇam vākyam abhīta cāriṇī |
mahātmanā śūrpaṇakhā virūpitā || 3-32-25
Śūrpaṇakhā, die vom Hochherzigen entstellt worden war und die sich sonst furchtlos umherbewegte, sprach, von Furcht und Begehren verwirrt, zu ihm, dem mit den leuchtenden, weiten Augen, dieses überaus schreckliche Wort, ihre Wunden zeigend.
Wort für Wort tam abravīt dīpta viśāla locanam sie sprach zu ihm, dem mit leuchtenden, weiten Augen pradarśayitvā bhaya lobha mohitā ihre Wunden zeigend, von Furcht und Begehren verwirrt sudāruṇam vākyam abhīta cāriṇī ein überaus schreckliches Wort, die sonst Furchtlose mahātmanā śūrpaṇakhā virūpitā Śūrpaṇakhā, vom Hochherzigen entstellt
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