Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Araṇyakāṇḍa

Sarga 37: Mārīca Vākyam Mārīcas Warnung

tat śrutvā rākṣasendrasya vākyam vākya viśāradaḥ | pratyuvāca mahāprājño mārīco rākṣaseśvaram || 3-37-1

Nachdem er jenes Wort des Herrn der Rākṣasas gehört hatte, erwiderte der redekundige, hochweise Mārīca dem Herrn der Rākṣasas:

Wort für Wort
tat śrutvā rākṣasendrasya
jenes Wort des Herrn der Rākṣasas hörend
vākyam vākya viśāradaḥ
der redekundige [erwiderte] das Wort
pratyuvāca mahāprājño
erwiderte der Hochweise
mārīco rākṣaseśvaram
Mārīca dem Herrn der Rākṣasas

sulabhāḥ puruṣā rājan satatam priya vādinaḥ | apriyasya ca pathyasya vaktā śrotā ca durlabhaḥ || 3-37-2

„Leicht zu finden, o König, sind allezeit Männer, die Angenehmes reden; doch schwer zu finden ist einer, der Unangenehmes, aber Zuträgliches spricht, und ebenso einer, der es hört.

Wort für Wort
sulabhāḥ puruṣā rājan
leicht zu finden, o König, Männer
satatam priya vādinaḥ
die allezeit Angenehmes reden
apriyasya ca pathyasya
des Unangenehmen, aber Zuträglichen
vaktā śrotā ca durlabhaḥ
ein Sprecher und ein Hörer sind schwer zu finden

na nūnam budhyase rāmam mahāvīryam guṇa unnatam | ayukta cāraḥ capalo mahendra varuṇa upamam || 3-37-3

Gewiss erkennst du nicht Rāma, den von großer Kraft, an Tugenden Erhabenen – leichtfertig, von ungeprüften Kundschaftern [berichtet], ihn, der Mahendra und Varuṇa gleicht.

Wort für Wort
na nūnam budhyase rāmam
gewiss erkennst du nicht Rāma
mahāvīryam guṇa unnatam
den von großer Kraft, an Tugenden erhabenen
ayukta cāraḥ capalo
leichtfertig, von ungeprüften Kundschaftern
mahendra varuṇa upamam
Mahendra und Varuṇa gleich

api svasti bhavet tāta sarveṣām bhuvi rakṣasām | api rāmo na saṃkruddhaḥ kuryāt lokam arākṣasam || 3-37-4

Möge doch, Lieber, allen Rākṣasas auf Erden Heil widerfahren! Möge Rāma nicht in Zorn geraten und die Welt frei von Rākṣasas machen!

Wort für Wort
api svasti bhavet tāta
möge doch Heil widerfahren, Lieber
sarveṣām bhuvi rakṣasām
allen Rākṣasas auf Erden
api rāmo na saṃkruddhaḥ
möge Rāma nicht in Zorn geraten
kuryāt lokam arākṣasam
und die Welt frei von Rākṣasas machen

api te jīvita aṃtāya na utpannā janakātmajā | api sītā nimittam ca na bhavet vyasanam mahat || 3-37-5

Möge Janakas Tochter nicht zu deinem Lebensende geboren sein! Möge durch Sītā kein großes Unheil entstehen!

Wort für Wort
api te jīvita aṃtāya
möge zu deinem Lebensende
na utpannā janakātmajā
nicht geboren sein Janakas Tochter
api sītā nimittam ca
möge durch Sītā
na bhavet vyasanam mahat
kein großes Unheil entstehen

api tvām īśvaram prāpya kāma vṛttam niraṃkuśam | na vinaśyet purī laṃkā tvayā saha sa rākṣasā || 3-37-6

Möge, wenn sie dich, den zügellosen, nach Belieben handelnden Herrn, gewonnen hat, nicht die Stadt Laṅkā samt den Rākṣasas mit dir zugrunde gehen!

Wort für Wort
api tvām īśvaram prāpya
dich, den Herrn, gewinnend
kāma vṛttam niraṃkuśam
den nach Belieben handelnden, zügellosen
na vinaśyet purī laṃkā
möge nicht die Stadt Laṅkā zugrunde gehen
tvayā saha sa rākṣasā
mit dir, samt den Rākṣasas

tvat vidhaḥ kāma vṛtto hi duḥśīlaḥ pāpa maṃtritaḥ | ātmānam sva janam rāṣṭram sa rājā hanti durmatiḥ || 3-37-7

Denn ein König deiner Art, der nach Belieben handelt, von schlechtem Charakter, von bösen Ratgebern beraten, vernichtet, übel gesinnt, sich selbst, sein eigenes Volk und sein Reich.

Wort für Wort
tvat vidhaḥ kāma vṛtto hi
denn einer deiner Art, nach Belieben handelnd
duḥśīlaḥ pāpa maṃtritaḥ
von schlechtem Charakter, von bösen [Ratgebern] beraten
ātmānam sva janam rāṣṭram
sich selbst, sein Volk, sein Reich
sa rājā hanti durmatiḥ
vernichtet der übel gesinnte König

na ca pitrā parityakto na amaryādaḥ kathaṃcana | na lubdho na ca duḥśīlo na ca kṣatriya pāṃsanaḥ || 3-37-8

Rāma aber wurde weder von seinem Vater verstoßen, noch ist er in irgendeiner Weise maßlos, noch gierig, noch von schlechtem Charakter, noch die Schande der Kṣatriyas.

Wort für Wort
na ca pitrā parityakto
und nicht von seinem Vater verstoßen
na amaryādaḥ kathaṃcana
nicht maßlos in irgendeiner Weise
na lubdho na ca duḥśīlo
nicht gierig, nicht von schlechtem Charakter
na ca kṣatriya pāṃsanaḥ
und nicht die Schande der Kṣatriyas

na ca dharma guṇair hīnaiḥ kausalyā ānaṃda vardhanaḥ | na ca tīkṣṇo hi bhūtānām sarva bhūta hite rataḥ || 3-37-9

Er, der die Freude Kausalyās mehrt, ist nicht der Tugenden des Dharma bar; und er ist nicht grausam gegen die Wesen, sondern erfreut sich am Wohl aller Wesen.

Wort für Wort
na ca dharma guṇair hīnaiḥ
nicht der Tugenden des Dharma bar
kausalyā ānaṃda vardhanaḥ
der die Freude Kausalyās mehrt
na ca tīkṣṇo hi bhūtānām
und nicht grausam gegen die Wesen
sarva bhūta hite rataḥ
am Wohl aller Wesen erfreut

vaṃcitam pitaram dṛṣṭvā kaikeyyā satya vādinam | kariṣyāmi iti dharmātmā tataḥ pravrajito vanam || 3-37-10

Als er sah, wie sein wahrredender Vater von Kaikeyī betrogen wurde, [sprach er]: ‚Ich werde [sein Wort] erfüllen' – so zog der Dharma-gesinnte hinaus in den Wald.

Wort für Wort
vaṃcitam pitaram dṛṣṭvā
seinen betrogenen Vater sehend
kaikeyyā satya vādinam
von Kaikeyī, den wahrredenden
kariṣyāmi iti dharmātmā
‚ich werde es tun', der Dharma-Gesinnte
tataḥ pravrajito vanam
zog darauf hinaus in den Wald

kaikeyyāḥ priya kāmārtham pitur daśarathasya ca | hitvā rājyam ca bhogān ca praviṣṭo daṇḍakā vanam || 3-37-11

Um Kaikeyīs und seines Vaters Daśaratha liebem Wunsch willen entsagte er Königreich und Genüssen und zog ein in den Daṇḍaka-Wald.

Wort für Wort
kaikeyyāḥ priya kāmārtham
um Kaikeyīs lieben Wunsch willen
pitur daśarathasya ca
und seines Vaters Daśaratha
hitvā rājyam ca bhogān ca
Königreich und Genüsse aufgebend
praviṣṭo daṇḍakā vanam
zog er ein in den Daṇḍaka-Wald

na rāmaḥ karkaśaḥ tāta na avidvān na ajita indriyaḥ | anṛtam na śrutam caiva naiva tvam vaktum arhasi || 3-37-12

Rāma ist nicht hart, Lieber, nicht unwissend, nicht unfähig, seine Sinne zu beherrschen; auch hast du nichts Unwahres über ihn gehört – so solltest du nicht sprechen.

Wort für Wort
na rāmaḥ karkaśaḥ tāta
nicht ist Rāma hart, Lieber
na avidvān na ajita indriyaḥ
nicht unwissend, nicht seiner Sinne unfähig Herr
anṛtam na śrutam caiva
auch Unwahres hast du nicht gehört
naiva tvam vaktum arhasi
so solltest du nicht sprechen

rāmo vigrahavān dharmaḥ sādhuḥ satya parākramaḥ | rājā sarvasya lokasya devānām iva vāsavaḥ || 3-37-13

Rāma ist der Dharma in verkörperter Gestalt, redlich, von wahrhafter Heldenkraft, der König der ganzen Welt, wie Vāsava [es] der Götter [ist].

Wort für Wort
rāmo vigrahavān dharmaḥ
Rāma ist der verkörperte Dharma
sādhuḥ satya parākramaḥ
redlich, von wahrhafter Heldenkraft
rājā sarvasya lokasya
der König der ganzen Welt
devānām iva vāsavaḥ
wie Vāsava der Götter

katham nu tasya vaidehīm rakṣitām svena tejasā | icchase prasabham hartum prabhām iva vivasvataḥ || 3-37-14

Wie könntest du wünschen, ihm, dessen Gattin, die Vaidehī, durch seine eigene Glut behütet ist, mit Gewalt zu rauben – wie den Glanz der Sonne?

Wort für Wort
katham nu tasya vaidehīm
wie könntest du dessen Vaidehī
rakṣitām svena tejasā
behütet durch seine eigene Glut
icchase prasabham hartum
wünschen, mit Gewalt zu rauben
prabhām iva vivasvataḥ
wie den Glanz der Sonne

śara arciṣam anādhṛṣyam cāpa khaḍga indhanam raṇe | rāma agnim sahasā dīptam na praveṣṭum tvam arhasi || 3-37-15

In das Feuer Rāma, dessen Flammen die Pfeile sind, unangreifbar, dessen Brennstoff im Kampf Bogen und Schwert sind, das plötzlich auflodert, solltest du nicht eindringen.

Wort für Wort
śara arciṣam anādhṛṣyam
dessen Flammen die Pfeile sind, unangreifbar
cāpa khaḍga indhanam raṇe
dessen Brennstoff im Kampf Bogen und Schwert
rāma agnim sahasā dīptam
in das Feuer Rāma, plötzlich auflodernd
na praveṣṭum tvam arhasi
solltest du nicht eindringen

dhanur vyādita dīpta āsyam śara arciṣam amarṣaṇam | cāpa bāṇa dharam tīkṣṇam śatru senā apahāriṇam || 3-37-16

[dessen] aufgerissener, glühender Mund der Bogen ist, dessen Flammen die Pfeile sind, unerbittlich, den Bogen und Pfeil tragend, scharf, das Feindesheer verzehrend –

Wort für Wort
dhanur vyādita dīpta āsyam
dessen aufgerissener, glühender Mund der Bogen ist
śara arciṣam amarṣaṇam
dessen Flammen die Pfeile sind, unerbittlich
cāpa bāṇa dharam tīkṣṇam
Bogen und Pfeil tragend, scharf
śatru senā apahāriṇam
das Feindesheer verzehrend

rājyam sukham ca saṃtyajya jīvitam ca iṣṭam ātmanaḥ | na ati āsādayitum tāta rāma aṃtakam iha arhasi || 3-37-17

— du solltest, Lieber, nicht, Königreich, Glück und dein eigenes liebes Leben aufgebend, dich diesem todbringenden Rāma allzu sehr nähern.

Wort für Wort
rājyam sukham ca saṃtyajya
Königreich und Glück aufgebend
jīvitam ca iṣṭam ātmanaḥ
und dein eigenes liebes Leben
na ati āsādayitum tāta
solltest du dich nicht allzu sehr nähern, Lieber
rāma aṃtakam iha arhasi
diesem todbringenden Rāma hier

aprameyam hi tat tejo yasya sā janakātmajā | na tvam samarthaḥ tām hartum rāma cāpa āśrayām vane || 3-37-18

Denn unermesslich ist die Glut dessen, dessen [Gattin] jene Tochter Janakas ist; du bist nicht imstande, sie zu rauben, sie, die im Wald unter dem Schutz von Rāmas Bogen steht.

Wort für Wort
aprameyam hi tat tejo
denn unermesslich ist jene Glut
yasya sā janakātmajā
dessen [Gattin] jene Tochter Janakas ist
na tvam samarthaḥ tām hartum
du bist nicht imstande, sie zu rauben
rāma cāpa āśrayām vane
sie, im Wald unter dem Schutz von Rāmas Bogen

tasya vai nara siṃhasya siṃha uraskasya bhāminī | prāṇebhyo api priyatarā bhāryā nityam anuvratā || 3-37-19

Jenes Löwen unter den Männern, des Löwenbrüstigen, [ist] die schöne Frau, seine Gattin, ihm stets ergeben, ihm teurer als sein eigenes Leben.

Wort für Wort
tasya vai nara siṃhasya
jenes Löwen unter den Männern
siṃha uraskasya bhāminī
des Löwenbrüstigen, die schöne Frau
prāṇebhyo api priyatarā
teurer als sein Leben
bhāryā nityam anuvratā
die Gattin, stets ergeben

na sā dharṣayitum śakyā maithilī ojasvinaḥ priyā | dīptasya iva huta āśasya śikhā sītā sumadhyamā || 3-37-20

Sie kann nicht vergewaltigt werden, die Maithilī, die Geliebte des Kraftvollen; Sītā, die Schöngeschmückte, gleicht der Flamme eines lodernden Opferfeuers.

Wort für Wort
na sā dharṣayitum śakyā
sie kann nicht vergewaltigt werden
maithilī ojasvinaḥ priyā
die Maithilī, die Geliebte des Kraftvollen
dīptasya iva huta āśasya
wie eines lodernden Opferfeuers
śikhā sītā sumadhyamā
die Flamme, Sītā, die Schöngeschmückte

kim udyamam vyartham imam kṛtvā te rākṣasādhipa | dṛṣṭaḥ cet tvam raṇe tena tat aṃtam tava jīvitam || 3-37-21

Wozu, Herr der Rākṣasas, diese vergebliche Anstrengung von dir? Wirst du von ihm im Kampf erblickt, dann ist das das Ende deines Lebens.

Wort für Wort
kim udyamam vyartham imam
wozu diese vergebliche Anstrengung
kṛtvā te rākṣasādhipa
von dir gemacht, Herr der Rākṣasas
dṛṣṭaḥ cet tvam raṇe tena
wirst du von ihm im Kampf erblickt
tat aṃtam tava jīvitam
so ist das das Ende deines Lebens

jīvitam ca sukham caiva rājyam caiva sudurlabham | yat icchasi ciram bhoktum mā kṛthā rāma vipriyam || 3-37-22

Wenn du wünschst, Leben, Glück und das so schwer zu erlangende Königreich noch lange zu genießen, so tue Rāma nichts Unliebes an.

Wort für Wort
jīvitam ca sukham caiva
Leben und Glück
rājyam caiva sudurlabham
und das so schwer zu erlangende Königreich
yat icchasi ciram bhoktum
wenn du wünschst, lange zu genießen
mā kṛthā rāma vipriyam
tue Rāma nichts Unliebes

sa sarvaiḥ sacivaiḥ sārdham vibhīṣaṇa puraskṛtaiḥ | maṃtrayitvā tu dharmiṣṭhaiḥ kṛtvā niścayam ātmanaḥ || 3-37-23

Berate dich mit allen deinen Ministern, an ihrer Spitze Vibhīṣaṇa, die dem Dharma treu sind, und fasse [erst dann] deinen eigenen Entschluss,

Wort für Wort
sa sarvaiḥ sacivaiḥ sārdham
zusammen mit allen Ministern
vibhīṣaṇa puraskṛtaiḥ
an deren Spitze Vibhīṣaṇa
maṃtrayitvā tu dharmiṣṭhaiḥ
dich beratend mit den dem Dharma treuen
kṛtvā niścayam ātmanaḥ
und deinen eigenen Entschluss fassend

doṣāṇām ca guṇānām ca saṃpradhārya bala abalam | ātmanaḥ ca balam jñātvā rāghavasya ca tattvataḥ || 3-37-24

nachdem du Fehler und Vorzüge, Stärke und Schwäche abgewogen und deine eigene Kraft sowie die des Rāghava der Wahrheit gemäß erkannt hast.

Wort für Wort
doṣāṇām ca guṇānām ca
Fehler und Vorzüge
saṃpradhārya bala abalam
abwägend, Stärke und Schwäche
ātmanaḥ ca balam jñātvā
und deine eigene Kraft erkennend
rāghavasya ca tattvataḥ
und die des Rāghava der Wahrheit gemäß

aham tu manye tava na kṣamam raṇe | samāgamam kosala rāja sūnunā | idam hi bhūyaḥ śṛṇu vākyam uttamam | kṣamam ca yuktam ca niśācara adhipa || 3-37-25

Ich aber meine, dass eine Begegnung im Kampf mit dem Sohn des Königs von Kosala dir nicht angemessen ist. So höre denn nochmals dieses vorzügliche, angemessene und zuträgliche Wort, o Herr der Nachtwandler.“

Wort für Wort
aham tu manye tava na kṣamam raṇe
ich aber meine, dir sei im Kampf nicht angemessen
samāgamam kosala rāja sūnunā
eine Begegnung mit dem Sohn des Königs von Kosala
idam hi bhūyaḥ śṛṇu vākyam uttamam
so höre nochmals dieses vorzügliche Wort
kṣamam ca yuktam ca niśācara adhipa
angemessen und zuträglich, o Herr der Nachtwandler

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