Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Araṇyakāṇḍa

Sarga 35: Rāvaṇa Mārga Varṇanam Rāvaṇas Fahrt zu Mārīca

tataḥ śūrpaṇakhā vākyam tat śrutvā roma harṣaṇam | sacivān abhyanujñāya kāryam buddhvā jagāma ha || 3-35-1

Nachdem er jenes haarsträubende Wort Śūrpaṇakhās gehört hatte, verabschiedete Rāvaṇa seine Minister, und, seine Aufgabe erkannt habend, zog er fort.

Wort für Wort
tataḥ śūrpaṇakhā vākyam
dann Śūrpaṇakhās Wort
tat śrutvā roma harṣaṇam
jenes haarsträubende hörend
sacivān abhyanujñāya
seine Minister verabschiedend
kāryam buddhvā jagāma ha
seine Aufgabe erkennend, zog er fort

tat kāryam anugamyāṃtar yathāvat upalabhya ca | doṣāṇām ca guṇānām ca sampradhārya bala abalam || 3-35-2

Nachdem er jene Angelegenheit im Innern der Wahrheit gemäß bedacht und die Fehler und Vorzüge, die Stärke und Schwäche abgewogen hatte,

Wort für Wort
tat kāryam anugamyāṃtar
jene Angelegenheit im Innern bedenkend
yathāvat upalabhya ca
und der Wahrheit gemäß erfassend
doṣāṇām ca guṇānām ca
Fehler und Vorzüge
sampradhārya bala abalam
abwägend, Stärke und Schwäche

iti kartavyam iti eva kṛtvā niścayam ātmanaḥ | sthira buddhiḥ tato ramyām yāna śālām jagāma ha || 3-35-3

hatte er den Entschluss gefasst: „So ist es zu tun“ – und, festen Sinnes, ging er darauf zur schönen Wagenhalle.

Wort für Wort
iti kartavyam iti eva
so ist es zu tun, so
kṛtvā niścayam ātmanaḥ
seinen eigenen Entschluss fassend
sthira buddhiḥ tato ramyām
festen Sinnes, darauf zur schönen
yāna śālām jagāma ha
Wagenhalle ging er

yāna śālām tato gatvā pracchannam rākṣasa adhipaḥ | sūtam saṃcodayāmāsa rathaḥ saṃyujyatām iti || 3-35-4

Nachdem er heimlich zur Wagenhalle gegangen war, trieb der Herr der Rākṣasas seinen Wagenlenker an: „Der Wagen soll angespannt werden!“

Wort für Wort
yāna śālām tato gatvā
zur Wagenhalle darauf gehend
pracchannam rākṣasa adhipaḥ
heimlich, der Herr der Rākṣasas
sūtam saṃcodayāmāsa
trieb den Wagenlenker an
rathaḥ saṃyujyatām iti
‚der Wagen soll angespannt werden‘

evam uktaḥ kṣaṇena eva sārathiḥ laghu vikramaḥ | ratham saṃyojayāmāsa tasya abhimatam uttamam || 3-35-5

So angesprochen, spannte der Wagenlenker im Nu, von schneller Bewegung, dessen vorzüglichen, ihm beliebten Wagen an.

Wort für Wort
evam uktaḥ kṣaṇena eva
so angesprochen, im Nu
sārathiḥ laghu vikramaḥ
der Wagenlenker, von schneller Bewegung
ratham saṃyojayāmāsa
spannte den Wagen an
tasya abhimatam uttamam
dessen vorzüglichen, beliebten

kāṃcanam ratham āsthāya kāmagam ratna bhūṣitam | piśāca vadanaiḥ yuktam kharaiḥ kanaka bhūṣaṇaiḥ || 3-35-6

Er bestieg den goldenen, wunscherfüllenden, mit Juwelen geschmückten Wagen, bespannt mit dämonengesichtigen, goldgeschmückten Eseln,

Wort für Wort
kāṃcanam ratham āsthāya
den goldenen Wagen besteigend
kāmagam ratna bhūṣitam
den wunscherfüllenden, mit Juwelen geschmückten
piśāca vadanaiḥ yuktam
bespannt mit dämonengesichtigen [Eseln]
kharaiḥ kanaka bhūṣaṇaiḥ
mit goldgeschmückten Eseln

megha pratima nādena sa tena dhanada anujaḥ | rākṣasādhipatiḥ śrīmān yayau nada nadī patim || 3-35-7

mit einem wolkengleichen Getöse; mit diesem zog der jüngere Bruder Kuberas, der glanzvolle Herr der Rākṣasas, zu dem Herrn der Flüsse und Ströme.

Wort für Wort
megha pratima nādena
mit wolkengleichem Getöse
sa tena dhanada anujaḥ
mit diesem, der jüngere Bruder Kuberas
rākṣasādhipatiḥ śrīmān
der glanzvolle Herr der Rākṣasas
yayau nada nadī patim
zog zu dem Herrn der Flüsse und Ströme

sa śveta vāla vyajanaḥ śvetaḥ chatro daśānanaḥ | snigdha vaidūrya saṃkāśa tapta kāncana bhūṣaṇaḥ || 3-35-8

Er, mit weißem Haarwedel und weißem Schirm, der Zehngesichtige, glänzend beryllfarben, mit geglühtem Goldschmuck geschmückt,

Wort für Wort
sa śveta vāla vyajanaḥ
er mit weißem Haarwedel
śvetaḥ chatro daśānanaḥ
mit weißem Schirm, der Zehngesichtige
snigdha vaidūrya saṃkāśa
glänzend beryllfarben
tapta kāncana bhūṣaṇaḥ
mit geglühtem Goldschmuck geschmückt

daśagrīvo viṃśati bhujo darśanīya paricchadaḥ | tridaśa ariḥ munīndra ghno daśa śīrṣa iva adri rāṭ || 3-35-9

der Zehnhalsige, mit zwanzig Armen, von prächtigem Gefolge, der Feind der Götter, der Vernichter der besten Munis, mit seinen zehn Häuptern einem Bergkönig gleich,

Wort für Wort
daśagrīvo viṃśati bhujo
der Zehnhalsige, mit zwanzig Armen
darśanīya paricchadaḥ
von prächtigem Gefolge
tridaśa ariḥ munīndra ghno
der Feind der Götter, Vernichter der Munis
daśa śīrṣa iva adri rāṭ
mit zehn Häuptern, einem Bergkönig gleich

kāmagam ratham āsthāya śuśubhe rākṣasādhipaḥ | vidyun maṇḍalavān meghaḥ sa balāka iva aṃbare || 3-35-10

bestieg den wunscherfüllenden Wagen, und der Herr der Rākṣasas erglänzte wie eine Wolke mit Blitzkranz und Kranichen am Himmel.

Wort für Wort
kāmagam ratham āsthāya
den wunscherfüllenden Wagen besteigend
śuśubhe rākṣasādhipaḥ
erglänzte der Herr der Rākṣasas
vidyun maṇḍalavān meghaḥ
eine Wolke mit Blitzkranz
sa balāka iva aṃbare
mit Kranichen, wie am Himmel

sa śailam sāgara anūpam vīryavān avalokayan | nānā puṣpa phalair vṛkṣair anukīrṇam sahasraśaḥ || 3-35-11

Er, der Tapfere, erblickte einen Berg an der Meeresküste, tausendfach mit Bäumen bedeckt, die mannigfache Blüten und Früchte trugen,

Wort für Wort
sa śailam sāgara anūpam
er den Berg an der Meeresküste
vīryavān avalokayan
der Tapfere, erblickend
nānā puṣpa phalair vṛkṣair
mit mannigfachen blüten- und fruchttragenden Bäumen
anukīrṇam sahasraśaḥ
tausendfach bedeckt

śīta maṃgala toyābhiḥ padminībhiḥ samaṃtataḥ | viśālaiḥ āśrama padaiḥ vedimadbhiḥ alaṃkṛtam || 3-35-12

ringsum mit Lotusteichen von kühlem, glückverheißendem Wasser, geschmückt mit weiten Einsiedeleien und Opferaltären,

Wort für Wort
śīta maṃgala toyābhiḥ
mit kühlem, glückverheißendem Wasser
padminībhiḥ samaṃtataḥ
mit Lotusteichen, ringsum
viśālaiḥ āśrama padaiḥ
mit weiten Einsiedeleien
vedimadbhiḥ alaṃkṛtam
mit Opferaltären geschmückt

kadalya aṭavi saṃśobham nālikera upaśobhitam | sālaiḥ tālaiḥ tamālaiḥ ca tarubhiḥ ca supuṣpitaiḥ || 3-35-13

geschmückt von Bananen-Hainen, geziert von Kokospalmen, mit Sāla-, Palmyra- und Tamāla-Bäumen sowie schön blühenden Bäumen,

Wort für Wort
kadalya aṭavi saṃśobham
geschmückt von Bananen-Hainen
nālikera upaśobhitam
geziert von Kokospalmen
sālaiḥ tālaiḥ tamālaiḥ ca
mit Sāla-, Palmyra-, Tamāla-Bäumen
tarubhiḥ ca supuṣpitaiḥ
und schön blühenden Bäumen

atyanta niyata āhāraiḥ śobhitam parama ṛṣibhiḥ | nāgaiḥ suparṇaiḥ gaṃdharvaiḥ kiṃnaraiḥ ca sahasraśaḥ || 3-35-14

geziert von höchsten Ṛṣis mit strengster Nahrungsdisziplin, mit tausendfachen Schlangenwesen, Vogelwesen, Gandharvas und Kiṃnaras,

Wort für Wort
atyanta niyata āhāraiḥ
mit strengster Nahrungsdisziplin
śobhitam parama ṛṣibhiḥ
geziert von höchsten Ṛṣis
nāgaiḥ suparṇaiḥ gaṃdharvaiḥ
mit Schlangenwesen, Vogelwesen, Gandharvas
kiṃnaraiḥ ca sahasraśaḥ
und Kiṃnaras, tausendfach

jita kāmaiḥ ca siddhaiḥ ca cāraṇaiḥ ca upaśobhitam | ājaiḥ vaikhānasaiḥ māṣaiḥ vālakhilyaiḥ marīcipaiḥ || 3-35-15

geziert von Siddhas, die ihre Begierden überwunden hatten, und von Cāraṇas, von Vaikhānasa-Asketen, Māṣa-Asketen, Vālakhilya-Zwergweisen und Marīcipa-Asketen,

Wort für Wort
jita kāmaiḥ ca siddhaiḥ ca
von Siddhas, die die Begierden überwunden
cāraṇaiḥ ca upaśobhitam
und von Cāraṇas geziert
ājaiḥ vaikhānasaiḥ māṣaiḥ
von Ājas, Vaikhānasas, Māṣas
vālakhilyaiḥ marīcipaiḥ
Vālakhilyas, Marīcipas

divya ābharaṇa mālyābhiḥ divya rūpābhiḥ āvṛtam | krīḍā rati vidhijñābhiḥ apsarobhiḥ sahasraśaḥ || 3-35-16

umgeben von tausendfachen Apsaras mit himmlischem Schmuck und Girlanden, von himmlischer Gestalt, kundig der Kunst des Spiels und der Liebeslust,

Wort für Wort
divya ābharaṇa mālyābhiḥ
mit himmlischem Schmuck und Girlanden
divya rūpābhiḥ āvṛtam
umgeben von himmlischer Gestalt
krīḍā rati vidhijñābhiḥ
kundig der Kunst des Spiels und der Liebeslust
apsarobhiḥ sahasraśaḥ
von Apsaras, tausendfach

sevitam deva patnībhiḥ śrīmatībhiḥ upāsitam | deva dānava sanghaiḥ ca caritam tu amṛta aśibhiḥ || 3-35-17

aufgesucht von den Gattinnen der Götter, verehrt von den Glänzenden, durchstreift von Scharen der Götter und Dānavas, die vom Nektar zehren,

Wort für Wort
sevitam deva patnībhiḥ
aufgesucht von den Göttergattinnen
śrīmatībhiḥ upāsitam
verehrt von den Glänzenden
deva dānava sanghaiḥ ca
und von Scharen der Götter und Dānavas
caritam tu amṛta aśibhiḥ
durchstreift, von den Nektarzehrenden

haṃsa kraunca plava ākīrṇam sārasaiḥ saṃpraṇāditam | vaidūrya prastaram snigdham sāṃdram sāgara tejasā || 3-35-18

bedeckt mit Schwänen, Kraunca-Vögeln und Wasservögeln, erfüllt vom Ruf der Kraniche, mit glänzendem Berylluntergrund, gesättigt vom Glanz des Meeres,

Wort für Wort
haṃsa kraunca plava ākīrṇam
bedeckt mit Schwänen, Kraunca-Vögeln, Wasservögeln
sārasaiḥ saṃpraṇāditam
erfüllt vom Ruf der Kraniche
vaidūrya prastaram snigdham
mit glänzendem Berylluntergrund
sāṃdram sāgara tejasā
gesättigt vom Glanz des Meeres

pāṇḍurāṇi viśālāni divya mālya yutāni ca | tūrya gīta abhijuṣṭāni vimānāni samaṃtataḥ || 3-35-19

ringsum mit weißen, weiten, mit himmlischen Girlanden versehenen Himmelswagen, die von Musik und Gesang erfüllt waren.

Wort für Wort
pāṇḍurāṇi viśālāni
weiß, weit
divya mālya yutāni ca
und mit himmlischen Girlanden versehen
tūrya gīta abhijuṣṭāni
von Musik und Gesang erfüllt
vimānāni samaṃtataḥ
Himmelswagen, ringsum

tapasā jita lokānām kāmagān abhisaṃpatan | gandharva apsarasaḥ caiva dadarśa dhanadānujaḥ || 3-35-20

Der jüngere Bruder Kuberas, dahinfliegend, sah die durch Askese die Welten gewonnenen, wunscherfüllend fliegenden Gandharvas und Apsaras,

Wort für Wort
tapasā jita lokānām
der durch Askese die Welten gewonnen hatten
kāmagān abhisaṃpatan
wunscherfüllend fliegend, dahinfliegend
gandharva apsarasaḥ caiva
und die Gandharvas und Apsaras
dadarśa dhanadānujaḥ
sah der jüngere Bruder Kuberas

niryāsa rasa mūlānām caṃdanānām sahasraśaḥ | vanāni paśyan saumyāni ghrāṇa tṛpti karāṇi ca || 3-35-21

er sah tausendfache, liebliche Wälder von Sandelbäumen mit Harzsaft-Wurzeln, die der Nase Genuss bereiteten,

Wort für Wort
niryāsa rasa mūlānām
mit Harzsaft-Wurzeln
caṃdanānām sahasraśaḥ
der Sandelbäume, tausendfach
vanāni paśyan saumyāni
liebliche Wälder sehend
ghrāṇa tṛpti karāṇi ca
und der Nase Genuss bereitend

agurūṇām ca mukhyānām vanāni upavanāni ca | takkolānām ca jātyānām phalānām ca sugandhinām || 3-35-22

Wälder und Haine von vorzüglichem Aloeholz, von Takkola-Bäumen, von edlen, wohlriechenden Früchten,

Wort für Wort
agurūṇām ca mukhyānām
und von vorzüglichem Aloeholz
vanāni upavanāni ca
Wälder und Haine
takkolānām ca jātyānām
und von Takkola-Bäumen, von edlen
phalānām ca sugandhinām
und wohlriechenden Früchten

puṣpāṇi ca tamālasya gulmāni maricasya ca | muktānām ca samūhāni śuṣyamāṇāni tīrataḥ || 3-35-23

Blüten des Tamāla-Baums, Sträucher des Pfefferstrauchs, und Haufen von Perlen, die am Ufer trockneten,

Wort für Wort
puṣpāṇi ca tamālasya
und Blüten des Tamāla-Baums
gulmāni maricasya ca
und Sträucher des Pfefferstrauchs
muktānām ca samūhāni
und Haufen von Perlen
śuṣyamāṇāni tīrataḥ
die am Ufer trockneten

śailāni pravarān caiva pravāla nicayān tathā | kāṃcanāni ca śṛṃgāṇi rājatāni tathaiva ca || 3-35-24

vorzügliche Berge und Haufen von Korallen, sowie goldene und ebenso silberne Gipfel,

Wort für Wort
śailāni pravarān caiva
und vorzügliche Berge
pravāla nicayān tathā
ebenso Haufen von Korallen
kāṃcanāni ca śṛṃgāṇi
und goldene Gipfel
rājatāni tathaiva ca
und ebenso silberne

prasravāṇi manojñāni prasannāni adbhutāni ca | dhana dhānya upapannāni strī ratnaiḥ āvṛtāni ca || 3-35-25

liebliche, klare und wunderbare Quellen, mit Reichtum und Getreide versehene, von Juwelenfrauen bevölkerte Städte,

Wort für Wort
prasravāṇi manojñāni
liebliche Quellen
prasannāni adbhutāni ca
klar und wunderbar
dhana dhānya upapannāni
mit Reichtum und Getreide versehene
strī ratnaiḥ āvṛtāni ca
und von Juwelenfrauen bevölkerte

hasti aśva ratha gāḍhāni nagarāṇi vilokayan | tam samam sarvataḥ snigdham mṛdu saṃsparśa mārutam || 3-35-26

dicht mit Elefanten, Rossen und Wagen erfüllt, betrachtend; er, in einer überall ebenen, glänzenden Gegend mit sanft berührendem Wind,

Wort für Wort
hasti aśva ratha gāḍhāni
dicht mit Elefanten, Rossen, Wagen
nagarāṇi vilokayan
Städte betrachtend
tam samam sarvataḥ snigdham
jene, überall eben, glänzend
mṛdu saṃsparśa mārutam
mit sanft berührendem Wind

anūpe sindhu rājasya dadarśa tridiva upamam | tatra apaśyat sa megha ābham nyagrodham munibhir vṛtam || 3-35-27

sah an der dem Meereskönig gehörenden Küste, dem Himmel gleich; dort erblickte er einen wolkenfarbenen Nyagrodha-Baum, umgeben von Munis,

Wort für Wort
anūpe sindhu rājasya
an der Küste des Meereskönigs
dadarśa tridiva upamam
sah, dem Himmel gleich
tatra apaśyat sa megha ābham
dort erblickte er, wolkenfarben
nyagrodham munibhir vṛtam
den Nyagrodha-Baum, von Munis umgeben

samaṃtāt yasya tāḥ śākhāḥ śata yojanam āyatāḥ | yasya hastinam ādāya mahā kāyam ca kacchapam || 3-35-28

dessen Zweige sich ringsum hundert Yojanas weit erstreckten, dessen [Baum], nachdem er einen Elefanten und eine riesenhafte Schildkröte ergriffen hatte,

Wort für Wort
samaṃtāt yasya tāḥ śākhāḥ
dessen Zweige ringsum
śata yojanam āyatāḥ
sich hundert Yojanas weit erstreckten
yasya hastinam ādāya
dessen, einen Elefanten ergreifend
mahā kāyam ca kacchapam
und eine riesenhafte Schildkröte

bhakṣārtham garuḍaḥ śākhām ājagāma mahābalaḥ | tasya tām sahasā śākhām bhāreṇa patagottamaḥ || 3-35-29

Garuḍa, der Mächtige, sich auf einen Zweig setzte, um sie zu verzehren; unter dessen Last brach der beste der Vögel plötzlich jenen Zweig ab,

Wort für Wort
bhakṣārtham garuḍaḥ śākhām
zum Verzehr, Garuḍa, auf einen Zweig
ājagāma mahābalaḥ
kam, der Mächtige
tasya tām sahasā śākhām
dessen jenen Zweig plötzlich
bhāreṇa patagottamaḥ
durch die Last, der beste der Vögel

suparṇaḥ parṇa bahulām babhaṃja atha mahābalaḥ | tatra vaikhānasā māṣā vālakhilyā marīcipāḥ || 3-35-30

den blätterreichen, ab, Suparṇa, der Mächtige; dort waren Vaikhānasa-Asketen, Māṣa-Asketen, Vālakhilyas und Marīcipas

Wort für Wort
suparṇaḥ parṇa bahulām
Suparṇa, den blätterreichen [Zweig]
babhaṃja atha mahābalaḥ
brach dann ab, der Mächtige
tatra vaikhānasā māṣā
dort waren Vaikhānasas, Māṣas
vālakhilyā marīcipāḥ
Vālakhilyas, Marīcipas

ajā babhūvuḥ dhūmrāḥ ca saṃgatāḥ paramarṣayaḥ | teṣām dayāartham garuḍaḥ tām śākhām śata yojanām || 3-35-31

zu Ziegen und Rauchfarbenen geworden, versammelte höchste Ṛṣis; aus Mitleid mit ihnen trug Garuḍa jenen hundert Yojanas langen Zweig,

Wort für Wort
ajā babhūvuḥ dhūmrāḥ ca
zu Ziegen und Rauchfarbenen wurden
saṃgatāḥ paramarṣayaḥ
die versammelten höchsten Ṛṣis
teṣām dayāartham garuḍaḥ
aus Mitleid mit ihnen, Garuḍa
tām śākhām śata yojanām
jenen hundert Yojanas langen Zweig

bhagnam ādāya vegena tau ca ubhau gaja kacchapau | eka pādena dharma ātmā bhakṣayitvā tat āmiṣam || 3-35-32

den abgebrochenen, mit Schnelligkeit fort, samt den beiden, dem Elefanten und der Schildkröte; der Gerechte verzehrte jene Beute mit einer einzigen Klaue,

Wort für Wort
bhagnam ādāya vegena
den abgebrochenen, mit Schnelligkeit fortnehmend
tau ca ubhau gaja kacchapau
samt beiden, Elefant und Schildkröte
eka pādena dharma ātmā
mit einer Klaue, der Gerechte
bhakṣayitvā tat āmiṣam
jene Beute verzehrend

niṣāda viṣayam hatvā śākhayā patagottamaḥ | praharṣam atulam lebhe mokṣayitvā mahāmunīn || 3-35-33

schlug mit dem Zweig das Land der Niṣādas nieder, der beste der Vögel, und empfand unvergleichliche Freude, da er die großen Munis befreit hatte.

Wort für Wort
niṣāda viṣayam hatvā
das Land der Niṣādas niederschlagend
śākhayā patagottamaḥ
mit dem Zweig, der beste der Vögel
praharṣam atulam lebhe
empfand unvergleichliche Freude
mokṣayitvā mahāmunīn
die großen Munis befreiend

sa tena tu praharṣeṇa dviguṇī kṛta vikramaḥ | amṛta ānayanārtham vai cakāra matimān matim || 3-35-34

Durch diese Freude verdoppelte er seine Kraft, und der Kluge fasste den Entschluss, den Nektar zu holen,

Wort für Wort
sa tena tu praharṣeṇa
er durch diese Freude
dviguṇī kṛta vikramaḥ
seine Kraft verdoppelt habend
amṛta ānayanārtham vai
um den Nektar zu holen
cakāra matimān matim
fasste der Kluge den Entschluss

ayo jālāni nirmathya bhittvā ratna gṛham varam | mahendra bhavanāt guptam ājahāra amṛtam tataḥ || 3-35-35

zerschlug die Eisennetze, durchbrach das vorzügliche Juwelenhaus und raubte darauf den in Indras Palast bewachten Nektar.

Wort für Wort
ayo jālāni nirmathya
die Eisennetze zerschlagend
bhittvā ratna gṛham varam
das vorzügliche Juwelenhaus durchbrechend
mahendra bhavanāt guptam
aus Indras Palast, den bewachten
ājahāra amṛtam tataḥ
raubte darauf den Nektar

tam maharṣi gaṇaiḥ juṣṭam suparṇa kṛta lakṣaṇam | nāmnā subhadram nyagrodham dadarśa dhanada anujaḥ || 3-35-36

Jenen von Scharen großer Ṛṣis besuchten, von Garuḍa gezeichneten Nyagrodha-Baum, mit Namen Subhadra, sah der jüngere Bruder Kuberas.

Wort für Wort
tam maharṣi gaṇaiḥ juṣṭam
jenen von Scharen großer Ṛṣis besuchten
suparṇa kṛta lakṣaṇam
von Garuḍa gezeichneten
nāmnā subhadram nyagrodham
mit Namen Subhadra, den Nyagrodha-Baum
dadarśa dhanada anujaḥ
sah der jüngere Bruder Kuberas

tam tu gatvā param pāram samudrasya nadī pateḥ | dadarśa āśramam ekāṃte puṇye ramye vanāṃtare || 3-35-37

Nachdem er zum jenseitigen Ufer des Meeres, des Herrn der Flüsse, gefahren war, sah er eine Einsiedelei an abgelegenem, heiligem, lieblichem Ort inmitten des Waldes,

Wort für Wort
tam tu gatvā param pāram
dorthin fahrend, zum jenseitigen Ufer
samudrasya nadī pateḥ
des Meeres, des Herrn der Flüsse
dadarśa āśramam ekāṃte
sah er eine Einsiedelei an abgelegenem Ort
puṇye ramye vanāṃtare
an heiligem, lieblichem Ort im Wald

tatra kṛṣṇa ajina dharam jaṭā valkala dhāriṇam | dadarśa niyata āhāram mārīcam nāma rākṣasam || 3-35-38

dort sah er, in schwarzes Antilopenfell gekleidet, mit Jaṭā-Locken und Rindenkleidung, von strenger Nahrungsdisziplin, den Rākṣasa namens Mārīca.

Wort für Wort
tatra kṛṣṇa ajina dharam
dort, in schwarzes Antilopenfell gekleidet
jaṭā valkala dhāriṇam
mit Jaṭā-Locken und Rindenkleidung
dadarśa niyata āhāram
sah er, von strenger Nahrungsdisziplin
mārīcam nāma rākṣasam
den Rākṣasa namens Mārīca

sa rāvaṇaḥ samāgamya vidhivat tena rakṣasā | mārīcena arcito rājā sarva kāmaiḥ amānuṣaiḥ || 3-35-39

Rāvaṇa, der König, nachdem er sich vorschriftsmäßig mit jenem Rākṣasa getroffen hatte, wurde von Mārīca mit allen übernatürlichen Genüssen geehrt.

Wort für Wort
sa rāvaṇaḥ samāgamya
er, Rāvaṇa, sich treffend
vidhivat tena rakṣasā
vorschriftsmäßig mit jenem Rākṣasa
mārīcena arcito rājā
von Mārīca geehrt, der König
sarva kāmaiḥ amānuṣaiḥ
mit allen übernatürlichen Genüssen

tam svayam pūjayitvā ca bhojanena udakena ca | arthopahitayā vācā mārīco vākyam abravīt || 3-35-40

Nachdem er ihn selbst mit Speise und Wasser geehrt hatte, sprach Mārīca mit bedeutungsvoller Stimme dieses Wort:

Wort für Wort
tam svayam pūjayitvā ca
ihn selbst ehrend
bhojanena udakena ca
mit Speise und Wasser
arthopahitayā vācā
mit bedeutungsvoller Stimme
mārīco vākyam abravīt
sprach Mārīca dieses Wort

kaccit te kuśalam rājan laṃkāyām rākṣaseśvara | kena arthen punaḥ tvam vai tūrṇam eva iha āgataḥ || 3-35-41

„Ist alles wohl mit dir, o König, in Laṅkā, Herr der Rākṣasas? Aus welchem Grund bist du wohl so eilig hierher gekommen?“

Wort für Wort
kaccit te kuśalam rājan
ist alles wohl mit dir, o König
laṃkāyām rākṣaseśvara
in Laṅkā, Herr der Rākṣasas
kena arthen punaḥ tvam
aus welchem Grund wohl du
vai tūrṇam eva iha āgataḥ
so eilig hierher gekommen

evam ukto mahātejā mārīcena sa rāvaṇa | tataḥ paścāt idam vākyam abravīt vākya kovidaḥ || 3-35-42

So von Mārīca angesprochen, sprach der glanzvolle Rāvaṇa, kundig der Rede, darauf dieses Wort:

Wort für Wort
evam ukto mahātejā
so angesprochen, der Glanzvolle
mārīcena sa rāvaṇa
von Mārīca, er, Rāvaṇa
tataḥ paścāt idam vākyam
darauf dieses Wort
abravīt vākya kovidaḥ
sprach, kundig der Rede

Interaktive Leseansicht des ganzen Werks