Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Karṇaparva

Kapitel 20: duryodhanayudhiṣṭhirayuddhe duryodhanasaṃmohaḥ Der Zweikampf zwischen Duryodhana und Yudhiṣṭhira und Duryodhanas Ohnmacht

atitīvrāṇi duḥkhāni duḥsahāni bahūni ca / tavāhaṃ saṃjayāśrauṣaṃ putrāṇāṃ mama saṃkṣayam

„Sehr heftige, unerträgliche und zahlreiche Leiden habe ich von dir, Saṃjaya, gehört, über das Dahinschwinden meiner Söhne.

Wort für Wort
atitīvrāṇi duḥkhāni
sehr heftige Leiden (Akk.+Akk.)
duḥsahāni bahūni ca
unerträgliche und zahlreiche (Akk.+Akk.+Adv.)
tava aham saṃjaya aśrauṣam
habe ich von dir, Saṃjaya, gehört (Gen.+Nom.+Vok.+Perf.)
putrāṇām mama saṃkṣayam
über das Dahinschwinden meiner Söhne (Gen.+Gen.+Akk.)

[Anm.: Die Sprecherangabe 'dhṛtarāṣṭra uvāca' leitet hier - abweichend von den sonst stillschweigend ausgelassenen Sprecherwechseln innerhalb von Saṃjayas Erzählung - einen tatsächlichen Redewechsel der Rahmenerzählung ein: Dhṛtarāṣṭra selbst ergreift das Wort (Vers 001-004) und wird daher, wie andere sprechende Figuren, in Anführungszeichen gesetzt.]

tathā tu me kathayase yathā yuddhaṃ tu vartate / na santi sūta kauravyā iti me naiṣṭhikī matiḥ

So aber berichtest du mir, wie der Kampf vor sich geht, dass es keine Kauravas mehr gibt, Wagenlenker - das ist meine feste Überzeugung.

Wort für Wort
tathā tu me kathayase
so aber berichtest du mir (Adv.+Adv.+Gen.+Präs.)
yathā yuddham tu vartate
wie der Kampf vor sich geht (Adv.+Nom.+Adv.+Präs.)
na santi sūta kauravyāḥ
es gibt keine Kauravas mehr, Wagenlenker (Neg.+Präs.+Vok.+Nom.)
iti me naiṣṭhikī matiḥ
so ist meine feste Überzeugung (Part.+Gen.+Nom.+Nom.)

duryodhanas tu virathaḥ kṛtas tatra mahāraṇe / dharmaputraḥ kathaṃ cakre tasmin vā nṛpatiḥ katham

Wie aber wurde Duryodhana dort im großen Kampf wagenlos gemacht? Was tat dabei der Sohn des Dharma (Yudhiṣṭhira), oder was der König?

Wort für Wort
duryodhanaḥ tu virathaḥ
Duryodhana aber, wagenlos (Nom.+Adv.+Nom.)
kṛtaḥ tatra mahāraṇe
gemacht, dort im großen Kampf (Nom.+Adv.+Lok.)
dharmaputraḥ katham cakre
was tat der Sohn des Dharma (Nom.+Adv.+Perf.)
tasmin vā nṛpatiḥ katham
oder was der König dabei (Lok.+Adv.+Nom.+Adv.)

aparāhṇe kathaṃ yuddham abhaval lomaharṣaṇam / tan mamācakṣva tattvena kuśalo hy asi saṃjaya

Wie war der Kampf am Nachmittag, der die Haare sich sträuben ließ? Das berichte mir der Wahrheit gemäß, denn du bist kundig, Saṃjaya.“

Wort für Wort
aparāhṇe katham yuddham
wie war der Kampf am Nachmittag (Lok.+Adv.+Nom.)
abhavat lomaharṣaṇam
der haarsträubende (Impf.+Nom.)
tat mama ācakṣva tattvena
das berichte mir der Wahrheit gemäß (Akk.+Gen.+Imp.+Instr.)
kuśalaḥ hi asi saṃjaya
denn du bist kundig, Saṃjaya (Nom.+Part.+Präs.+Vok.)

saṃsakteṣu ca sainyeṣu yudhyamāneṣu bhāgaśaḥ / ratham anyaṃ samāsthāya putras tava viśāṃ pate / krodhena mahatāviṣṭaḥ saviṣo bhujago yathā

Während die Heere ineinander verstrickt waren und abschnittsweise kämpften, bestieg dein Sohn, o Herrscher der Menschen, einen anderen Wagen, von gewaltigem Zorn erfüllt, wie eine giftige Schlange.

Wort für Wort
saṃsakteṣu ca sainyeṣu
während die Heere verstrickt waren (Lok.+Adv.+Lok.)
yudhyamāneṣu bhāgaśaḥ
abschnittsweise kämpfend (Lok.+Adv.)
ratham anyam samāsthāya
einen anderen Wagen bestiegen habend (Akk.+Akk.+Abs.)
putraḥ tava viśām pate
dein Sohn, o Herrscher der Menschen (Nom.+Gen.+Gen.+Vok.)
krodhena mahatā āviṣṭaḥ
von gewaltigem Zorn erfüllt (Instr.+Instr.+Nom.)
saviṣaḥ bhujagaḥ yathā
wie eine giftige Schlange (Nom.+Nom.+Adv.)

[Anm.: Die Sprecherangabe 'saṃjaya uvāca' (Vers 005) wurde ausgelassen; Saṃjaya nimmt hier seine gewohnte dritte-Person-Erzählung wieder auf.]

sarvasainyam udīkṣyaiva krodhād udvṛttalocanaḥ / dṛṣṭvā dharmasutaṃ cāpi sainyamadhye vyavasthitam / śriyā jvalantaṃ kaunteyaṃ yathā vajradharaṃ yudhi / duryodhanas tu dṛṣṭvā vai dharmarājaṃ yudhiṣṭhiram / uvāca sūta tvaritaṃ yāhi yāhīti bhārata

Das ganze Heer überblickend, mit vor Zorn verdrehten Augen, und als er auch den Sohn des Dharma erblickte, der inmitten des Heeres stand, den Sohn der Kuntī, der vor Glanz erstrahlte wie der Träger des Donnerkeils (Indra) im Kampf - als Duryodhana so den Dharmakönig Yudhiṣṭhira erblickte, sprach er zu seinem Wagenlenker: „Eile, fahre, fahre!

Wort für Wort
sarvasainyam udīkṣya eva
das ganze Heer überblickend eben (Akk.+Abs.+Part.)
krodhāt udvṛttalocanaḥ
vor Zorn mit verdrehten Augen (Abl.+Nom.)
dṛṣṭvā dharmasutam ca api
und auch den Sohn des Dharma erblickt habend (Abs.+Akk.+Adv.+Part.)
sainyamadhye vyavasthitam
der inmitten des Heeres stand (Lok.+Akk.)
śriyā jvalantam kaunteyam
den vor Glanz erstrahlenden Sohn der Kuntī (Instr.+Akk.+Akk.)
yathā vajradharam yudhi
wie den Träger des Donnerkeils im Kampf (Adv.+Akk.+Lok.)
duryodhanaḥ tu dṛṣṭvā vai
als Duryodhana aber erblickte (Nom.+Adv.+Abs.+Part.)
dharmarājam yudhiṣṭhiram
den Dharmakönig Yudhiṣṭhira (Akk.+Akk.)
uvāca sūta tvaritam
sprach er zum Wagenlenker, eilig (Perf.+Vok.+Adv.)
yāhi yāhi iti bhārata
fahre, fahre! so, o Bhārata (Imp.+Imp.+Part.+Vok.)

[Anm.: Drei Halbverse des textkritischen Apparats (006b*0174_01 bis 03) wurden in diese Einheit eingefügt.]

atra māṃ prāpaya kṣipraṃ sārathe yatra pāṇḍavaḥ / dhriyamāṇena chatreṇa rājā rājati daṃśitaḥ

Bring mich schnell dorthin, Wagenlenker, wo der Pāṇḍava, den Schirm über sich haltend, gerüstet als König erstrahlt.“

Wort für Wort
atra mām prāpaya kṣipram
bring mich schnell dorthin (Adv.+Akk.+Imp.+Adv.)
sārathe yatra pāṇḍavaḥ
Wagenlenker, wo der Pāṇḍava (Vok.+Adv.+Nom.)
dhriyamāṇena chatreṇa
mit dem gehaltenen Schirm (Instr.+Instr.)
rājā rājati daṃśitaḥ
als König erstrahlt, gerüstet (Nom.+Präs.+Nom.)

sa sūtaś codito rājñā rājñaḥ syandanam uttamam / yudhiṣṭhirasyābhimukhaṃ preṣayām āsa saṃyuge

Er, der Wagenlenker, vom König angetrieben, lenkte den vorzüglichen Wagen des Königs im Kampf auf Yudhiṣṭhira zu.

Wort für Wort
sa sūtaḥ coditaḥ rājñā
er, der Wagenlenker, angetrieben vom König (Nom.+Nom.+Nom.+Instr.)
rājñaḥ syandanam uttamam
den vorzüglichen Wagen des Königs (Gen.+Akk.+Akk.)
yudhiṣṭhirasya abhimukham
auf Yudhiṣṭhira zu (Gen.+Akk.)
preṣayām āsa saṃyuge
lenkte er im Kampf (Perf.+Lok.)

tato yudhiṣṭhiraḥ kruddhaḥ pramatta iva sadgavaḥ / sārathiṃ codayām āsa yāhi yatra suyodhanaḥ

Da trieb der zornige Yudhiṣṭhira, wie ein rasender guter Stier, seinen Wagenlenker an: „Fahre dorthin, wo Suyodhana (Duryodhana) ist.“

Wort für Wort
tataḥ yudhiṣṭhiraḥ kruddhaḥ
da der zornige Yudhiṣṭhira (Adv.+Nom.+Nom.)
pramattaḥ iva sadgavaḥ
wie ein rasender guter Stier (Nom.+Part.+Nom.)
sārathim codayām āsa
trieb er den Wagenlenker an (Akk.+Perf.)
yāhi yatra suyodhanaḥ
fahre dorthin, wo Suyodhana ist (Imp.+Adv.+Nom.)

tau samājagmatur vīrau bhrātarau rathasattamau / sametya ca mahāvīryau saṃnaddhau yuddhadurmadau / tatakṣatur maheṣvāsau śarair anyonyam āhave

Jene beiden Helden, Brüder, die besten der Wagenkämpfer, kamen zusammen; und, zusammengetroffen, die beiden von großer Tapferkeit, gerüstet, kampftrunken, verwundeten die beiden großen Bogenschützen einander mit Pfeilen in der Schlacht.

Wort für Wort
tau samājagmatuḥ vīrau
jene beiden Helden kamen zusammen (Nom.+Perf.+Nom.)
bhrātarau rathasattamau
die Brüder, die besten der Wagenkämpfer (Nom.+Nom.)
sametya ca mahāvīryau
und zusammengetroffen, die beiden von großer Tapferkeit (Abs.+Adv.+Nom.)
saṃnaddhau yuddhadurmadau
gerüstet, kampftrunken (Nom.+Nom.)
tatakṣatuḥ maheṣvāsau
verwundeten die beiden großen Bogenschützen (Perf.+Nom.)
śaraiḥ anyonyam āhave
mit Pfeilen einander, in der Schlacht (Instr.+Akk.+Lok.)

tato duryodhano rājā dharmaśīlasya māriṣa / śilāśitena bhallena dhanuś ciccheda saṃyuge / taṃ nāmṛṣyata saṃkruddho vyavasāyaṃ yudhiṣṭhiraḥ / duryodhanasya kauravya tava putrasya māriṣa

Da zerschnitt König Duryodhana, o Verehrungswürdiger, mit einem steingeschärften Breitpfeil im Kampf den Bogen des Rechtschaffenen (Yudhiṣṭhira); diese Tat Duryodhanas, deines Sohnes, o Kaurava, o Verehrungswürdiger, duldete der zornentbrannte Yudhiṣṭhira nicht.

Wort für Wort
tataḥ duryodhanaḥ rājā
da König Duryodhana (Adv.+Nom.+Nom.)
dharmaśīlasya māriṣa
des Rechtschaffenen, o Verehrungswürdiger (Gen.+Vok.)
śilāśitena bhallena
mit einem steingeschärften Breitpfeil (Instr.+Instr.)
dhanuḥ ciccheda saṃyuge
zerschnitt den Bogen, im Kampf (Akk.+Perf.+Lok.)
tam na amṛṣyata saṃkruddhaḥ
das duldete nicht, der zornentbrannte (Akk.+Neg.+Impf.+Nom.)
vyavasāyam yudhiṣṭhiraḥ
diese Tat, Yudhiṣṭhira (Akk.+Nom.)
duryodhanasya kauravya
Duryodhanas, o Kaurava (Gen.+Vok.)
tava putrasya māriṣa
deines Sohnes, o Verehrungswürdiger (Gen.+Gen.+Vok.)

[Anm.: Der Halbvers des textkritischen Apparats (011f*0175_01) wurde in diese Einheit eingefügt.]

apavidhya dhanuś chinnaṃ krodhasaṃraktalocanaḥ / anyat kārmukam ādāya dharmaputraś camūmukhe / duryodhanasya ciccheda dhvajaṃ kārmukam eva ca / athānyad dhanur ādāya pratyavidhyata pāṇḍavam / yudhiṣṭhirasya cikṣepa śarān kanakabhūṣaṇān / rukmapuṅkhān prasannāgrān saviṣān iva pannagān

Den zerschnittenen Bogen fortgeworfen, mit vor Zorn geröteten Augen, ergriff der Sohn des Dharma an der Heeresspitze einen anderen Bogen und zerschnitt Duryodhanas Banner und ebenso den Bogen. Da ergriff jener einen anderen Bogen und durchbohrte den Pāṇḍava zurück; er schleuderte auf Yudhiṣṭhira goldgeschmückte, goldbefiederte Pfeile mit klaren Spitzen, giftigen Schlangen gleich.

Wort für Wort
apavidhya dhanuḥ chinnam
den zerschnittenen Bogen fortgeworfen (Abs.+Akk.+Akk.)
krodhasaṃraktalocanaḥ
mit vor Zorn geröteten Augen (Nom.)
anyat kārmukam ādāya
einen anderen Bogen ergriffen habend (Akk.+Akk.+Abs.)
dharmaputraḥ camūmukhe
der Sohn des Dharma an der Heeresspitze (Nom.+Lok.)
duryodhanasya ciccheda
Duryodhanas zerschnitt er (Gen.+Perf.)
dhvajam kārmukam eva ca
Banner und ebenso Bogen (Akk.+Akk.+Part.+Adv.)
atha anyat dhanuḥ ādāya
da einen anderen Bogen ergriffen habend (Adv.+Akk.+Akk.+Abs.)
pratyavidhyata pāṇḍavam
durchbohrte er den Pāṇḍava zurück (Impf.+Akk.)
yudhiṣṭhirasya cikṣepa
auf Yudhiṣṭhira schleuderte er (Gen.+Perf.)
śarān kanakabhūṣaṇān
goldgeschmückte Pfeile (Akk.+Akk.)
rukmapuṅkhān prasannāgrān
goldbefiederte, mit klaren Spitzen (Akk.+Akk.)
saviṣān iva pannagān
giftigen Schlangen gleich (Akk.+Part.+Akk.)

[Anm.: Zwei Halbverse des textkritischen Apparats (013d*0176_01 und 02) wurden in diese Einheit eingefügt.]

tāv anyonyaṃ susaṃrabdhau śaravarṣāṇy amuñcatām / siṃhāv iva susaṃkruddhau parasparajigīṣayā

Jene beiden, heftig erregt, wie zwei zornentbrannte Löwen, entließen im Streben, einander zu besiegen, Pfeilregen aufeinander.

Wort für Wort
tau anyonyam susaṃrabdhau
jene beiden, heftig erregt, aufeinander (Nom.+Akk.+Nom.)
śaravarṣāṇi amuñcatām
entließen Pfeilregen (Akk.+Impf.)
siṃhau iva susaṃkruddhau
wie zwei zornentbrannte Löwen (Nom.+Part.+Nom.)
parasparajigīṣayā
im Streben, einander zu besiegen (Instr.)

anyonyaṃ jaghnatuś caiva nardamānau vṛṣāv iva / anyonyaṃ prekṣamāṇau ca ceratus tau mahārathau / antaraṃ nāgamat tatra rājā naiva suyodhanaḥ

Und sie schlugen einander, wie zwei brüllende Stiere; und einander anblickend, kreisten die beiden großen Wagenkämpfer; keine Blöße bot dabei der König, noch Suyodhana (Duryodhana).

Wort für Wort
anyonyam jaghnatuḥ ca eva
und sie schlugen einander (Akk.+Perf.+Adv.+Part.)
nardamānau vṛṣau iva
wie zwei brüllende Stiere (Nom.+Nom.+Part.)
anyonyam prekṣamāṇau ca
und einander anblickend (Akk.+Nom.+Adv.)
ceratuḥ tau mahārathau
kreisten jene beiden großen Wagenkämpfer (Perf.+Nom.+Nom.)
antaram na agamat tatra
keine Blöße bot dabei (Akk.+Neg.+Impf.+Adv.)
rājā na eva suyodhanaḥ
der König, noch Suyodhana (Nom.+Neg.+Part.+Nom.)

[Anm.: Der Halbvers des textkritischen Apparats (015d*0177_01) wurde in diese Einheit eingefügt.]

tataḥ pūrṇāyatotsṛṣṭair anyonyaṃ sukṛtavraṇau / virejatur mahārāja puṣpitāv iva kiṃśukau

Da erstrahlten die beiden, einander mit voll gespanntem Bogen entsandten Pfeilen wohlverwundet, o Großkönig, wie zwei blühende Kiṃśuka-Bäume.

Wort für Wort
tataḥ pūrṇāyatotsṛṣṭaiḥ
da mit voll gespannt entsandten (Pfeilen) (Adv.+Instr.)
anyonyam sukṛtavraṇau
einander wohlverwundet (Akk.+Nom.)
virejatuḥ mahārāja
erstrahlten sie, o Großkönig (Perf.+Vok.)
puṣpitau iva kiṃśukau
wie zwei blühende Kiṃśuka-Bäume (Nom.+Part.+Nom.)

tato rājan pratibhayān siṃhanādān muhur muhuḥ / talayoś ca tathā śabdān dhanuṣoś ca mahāhave / śaṅkhaśabdaravāṃś caiva cakratus tau rathottamau / anyonyaṃ ca mahārāja pīḍayāṃ cakratur bhṛśam

Da stießen, o König, die beiden besten Wagenkämpfer immer wieder furchterregende Löwenschreie aus, ebenso Klatschlaute der Handflächen und der Bögen im großen Kampf, und auch Muschelhorn-Laute; und sie bedrängten einander heftig, o Großkönig.

Wort für Wort
tataḥ rājan pratibhayān
da, o König, furchterregende (Adv.+Vok.+Akk.)
siṃhanādān muhuḥ muhuḥ
Löwenschreie immer wieder (Akk.+Adv.+Adv.)
talayoḥ ca tathā śabdān
und ebenso Laute der Handflächen (Gen.+Adv.+Adv.+Akk.)
dhanuṣoḥ ca mahāhave
und der Bögen, im großen Kampf (Gen.+Adv.+Lok.)
śaṅkhaśabdaravān ca eva
und auch Muschelhorn-Laute (Akk.+Adv.+Part.)
cakratuḥ tau rathottamau
stießen sie aus, die beiden besten Wagenkämpfer (Perf.+Nom.+Nom.)
anyonyam ca mahārāja
und einander, o Großkönig (Akk.+Adv.+Vok.)
pīḍayām cakratuḥ bhṛśam
bedrängten sie heftig (Perf.+Adv.)

tato yudhiṣṭhiro rājā tava putraṃ tribhiḥ śaraiḥ / ājaghānorasi kruddho vajravego durāsadaḥ / prativivyādha taṃ tūrṇaṃ tava putro mahīpatim / pañcabhir niśitair bāṇair hemapuṅkhaiḥ śilāśitaiḥ

Da traf König Yudhiṣṭhira deinen Sohn mit drei Pfeilen an der Brust, zornentbrannt, von der Geschwindigkeit des Donnerkeils, schwer anzugreifen; dein Sohn durchbohrte den Herrscher rasch zurück mit fünf scharfen, goldbefiederten, steingeschärften Pfeilen.

Wort für Wort
tataḥ yudhiṣṭhiraḥ rājā
da König Yudhiṣṭhira (Adv.+Nom.+Nom.)
tava putram tribhiḥ śaraiḥ
deinen Sohn mit drei Pfeilen (Gen.+Akk.+Instr.+Instr.)
ājaghāna urasi kruddhaḥ
traf an der Brust, zornentbrannt (Perf.+Lok.+Nom.)
vajravegaḥ durāsadaḥ
von der Geschwindigkeit des Donnerkeils, schwer anzugreifen (Nom.+Nom.)
prativivyādha tam tūrṇam
durchbohrte ihn rasch zurück (Perf.+Akk.+Adv.)
tava putraḥ mahīpatim
dein Sohn den Herrscher (Gen.+Nom.+Akk.)
pañcabhiḥ niśitaiḥ bāṇaiḥ
mit fünf scharfen Pfeilen (Instr.+Instr.+Instr.)
hemapuṅkhaiḥ śilāśitaiḥ
goldbefiedert, steingeschärft (Instr.+Instr.)

tato duryodhano rājā śaktiṃ cikṣepa bhārata / sarvapāraśavīṃ tīkṣṇāṃ maholkāpratimāṃ tadā

Da schleuderte König Duryodhana, o Bhārata, einen ganz aus Eisen gefertigten, scharfen Speer, einem großen Meteor gleich.

Wort für Wort
tataḥ duryodhanaḥ rājā
da König Duryodhana (Adv.+Nom.+Nom.)
śaktim cikṣepa bhārata
schleuderte einen Speer, o Bhārata (Akk.+Perf.+Vok.)
sarvapāraśavīm tīkṣṇām
ganz aus Eisen gefertigt, scharf (Akk.+Akk.)
maholkāpratimām tadā
einem großen Meteor gleich, da (Akk.+Adv.)

tām āpatantīṃ sahasā dharmarājaḥ śilāśitaiḥ / tribhiś ciccheda sahasā taṃ ca vivyādha saptabhiḥ

Ihn, der plötzlich heranflog, zerschnitt der Dharmakönig plötzlich mit drei steingeschärften Pfeilen und durchbohrte ihn (Duryodhana) selbst mit sieben.

Wort für Wort
tām āpatantīm sahasā
ihn, der plötzlich heranflog (Akk.+Akk.+Adv.)
dharmarājaḥ śilāśitaiḥ
der Dharmakönig, mit steingeschärften (Pfeilen) (Nom.+Instr.)
tribhiḥ ciccheda sahasā
mit drei zerschnitt plötzlich (Instr.+Perf.+Adv.)
tam ca vivyādha saptabhiḥ
und ihn durchbohrte mit sieben (Akk.+Adv.+Perf.+Instr.)

nipapāta tataḥ sātha hemadaṇḍā mahāghanā / nipatantī maholkeva vyarājac chikhisaṃnibhā

Da fiel er, der Speer, mit goldenem Schaft, gewaltig schwer, herab, wie ein großer, herabfallender Meteor, feuergleich erstrahlend.

Wort für Wort
nipapāta tataḥ sā atha
da fiel er (der Speer) nieder (Perf.+Adv.+Nom.+Adv.)
hemadaṇḍā mahāghanā
mit goldenem Schaft, gewaltig schwer (Nom.+Nom.)
nipatantī maholkā iva
herabfallend, wie ein großer Meteor (Nom.+Nom.+Part.)
vyarājat śikhisaṃnibhā
erstrahlte, feuergleich (Impf.+Nom.)

śaktiṃ vinihatāṃ dṛṣṭvā putras tava viśāṃ pate / navabhir niśitair bhallair nijaghāna yudhiṣṭhiram

Als dein Sohn, o Herrscher der Menschen, den zerschlagenen Speer sah, traf er Yudhiṣṭhira mit neun scharfen Breitpfeilen.

Wort für Wort
śaktim vinihatām dṛṣṭvā
den zerschlagenen Speer gesehen habend (Akk.+Akk.+Abs.)
putraḥ tava viśām pate
dein Sohn, o Herrscher der Menschen (Nom.+Gen.+Gen.+Vok.)
navabhiḥ niśitaiḥ bhallaiḥ
mit neun scharfen Breitpfeilen (Instr.+Instr.+Instr.)
nijaghāna yudhiṣṭhiram
traf er Yudhiṣṭhira (Perf.+Akk.)

so 'tividdho balavatām agraṇīḥ śatrutāpanaḥ / duryodhanaṃ samuddiśya bāṇaṃ jagrāha satvaraḥ

Er, der schwer verwundete Erste der Starken, der Feindepeiniger, ergriff eilig einen Pfeil, auf Duryodhana gezielt.

Wort für Wort
saḥ atividdhaḥ balavatām
er, schwer verwundet, der Starken (Nom.+Nom.+Gen.)
agraṇīḥ śatrutāpanaḥ
der Erste, der Feindepeiniger (Nom.+Nom.)
duryodhanam samuddiśya
auf Duryodhana gezielt habend (Akk.+Abs.)
bāṇam jagrāha satvaraḥ
ergriff eilig einen Pfeil (Akk.+Perf.+Nom.)

samādhatta ca taṃ bāṇaṃ dhanuṣy ugraṃ mahābalaḥ / cikṣepa ca tato rājā rājñaḥ kruddhaḥ parākramī

Und der Starkkräftige legte jenen furchtbaren Pfeil auf den Bogen; und da schoss der König, zornentbrannt, der Tapfere, ihn gegen den König (Duryodhana) ab.

Wort für Wort
samādhatta ca tam bāṇam
und legte auf jenen Pfeil (Impf.+Adv.+Akk.+Akk.)
dhanuṣi ugram mahābalaḥ
auf den Bogen, den furchtbaren, der Starkkräftige (Lok.+Akk.+Nom.)
cikṣepa ca tataḥ rājā
und da schoss ihn ab, der König (Perf.+Adv.+Adv.+Nom.)
rājñaḥ kruddhaḥ parākramī
gegen den König, zornentbrannt, der Tapfere (Gen.+Nom.+Nom.)

sa tu bāṇaḥ samāsādya tava putraṃ mahāratham / vyamohayata rājānaṃ dharaṇīṃ ca jagāma ha

Jener Pfeil aber, an deinen Sohn, den großen Wagenkämpfer, herangekommen, betäubte den König, und er sank zu Boden.

Wort für Wort
sa tu bāṇaḥ samāsādya
jener Pfeil aber, herangekommen (Nom.+Adv.+Nom.+Abs.)
tava putram mahāratham
an deinen Sohn, den großen Wagenkämpfer (Gen.+Akk.+Akk.)
vyamohayata rājānam
betäubte den König (Impf.+Akk.)
dharaṇīm ca jagāma ha
und sank zur Erde, fürwahr (Akk.+Adv.+Perf.+Part.)

tato duryodhanaḥ kruddho gadām udyamya vegitaḥ / vidhitsuḥ kalahasyāntam abhidudrāva pāṇḍavam

Da erhob der zornentbrannte Duryodhana, eilig, eine Keule und stürmte, das Ende des Streits herbeiführen wollend, auf den Pāṇḍava los.

Wort für Wort
tataḥ duryodhanaḥ kruddhaḥ
da der zornentbrannte Duryodhana (Adv.+Nom.+Nom.)
gadām udyamya vegitaḥ
eine Keule erhoben habend, eilig (Akk.+Abs.+Nom.)
vidhitsuḥ kalahasya antam
das Ende des Streits herbeiführen wollend (Nom.+Gen.+Akk.)
abhidudrāva pāṇḍavam
stürmte er auf den Pāṇḍava los (Perf.+Akk.)

tam ālakṣyodyatagadaṃ daṇḍahastam ivāntakam / dharmarājo mahāśaktiṃ prāhiṇot tava sūnave / dīpyamānāṃ mahāvegāṃ maholkāṃ jvalitām iva / yamadaṇḍanibhāṃ ghorāṃ kālarātrim ivāparam

Als der Dharmakönig ihn erblickte, die Keule erhoben, wie den Todesgott mit dem Stab in der Hand, schleuderte er gegen deinen Sohn einen großen Speer, flammend, von großer Geschwindigkeit, wie ein loderndes großes Meteor, dem Stab Yamas gleichend, furchtbar, wie eine zweite Nacht des Weltuntergangs.

Wort für Wort
tam ālakṣya udyatagadam
ihn erblickt habend, die Keule erhoben (Akk.+Abs.+Akk.)
daṇḍahastam iva antakam
wie den Todesgott mit dem Stab in der Hand (Akk.+Part.+Akk.)
dharmarājaḥ mahāśaktim
der Dharmakönig einen großen Speer (Nom.+Akk.)
prāhiṇot tava sūnave
schleuderte gegen deinen Sohn (Impf.+Gen.+Dat.)
dīpyamānām mahāvegām
flammend, von großer Geschwindigkeit (Akk.+Akk.)
maholkām jvalitām iva
wie ein loderndes großes Meteor (Akk.+Akk.+Part.)
yamadaṇḍanibhām ghorām
dem Stab Yamas gleichend, furchtbar (Akk.+Akk.)
kālarātrim iva aparam
wie eine zweite Nacht des Weltuntergangs (Akk.+Part.+Akk.)

[Anm.: Der Halbvers des textkritischen Apparats (029f*0178_01) wurde in diese Einheit eingefügt.]

rathasthaḥ sa tayā viddho varma bhittvā mahāhave / bhṛśaṃ saṃvignahṛdayaḥ papāta ca mumoha ca / bhīmas tam āha ca tataḥ pratijñām anucintayan / nāyaṃ vadhyas tava nṛpa ity uktaḥ sa nyavartata

Er (Duryodhana), auf dem Wagen stehend, von ihm getroffen, den Panzer durchbohrend, im großen Kampf, mit heftig erschrockenem Herzen, fiel nieder und wurde ohnmächtig. Da sprach Bhīma zu ihm (Yudhiṣṭhira), an sein Gelübde denkend: „Dieser ist nicht von dir zu töten, o König“ - so angesprochen, wandte er sich ab.

Wort für Wort
rathasthaḥ sa tayā viddhaḥ
er, auf dem Wagen stehend, von ihm getroffen (Nom.+Nom.+Instr.+Nom.)
varma bhittvā mahāhave
den Panzer durchbohrend, im großen Kampf (Akk.+Abs.+Lok.)
bhṛśam saṃvignahṛdayaḥ
mit heftig erschrockenem Herzen (Adv.+Nom.)
papāta ca mumoha ca
fiel nieder und wurde ohnmächtig (Perf.+Adv.+Perf.+Adv.)
bhīmaḥ tam āha ca tataḥ
da sprach Bhīma zu ihm (Nom.+Akk.+Perf.+Adv.+Adv.)
pratijñām anucintayan
an sein Gelübde denkend (Akk.+Part.)
na ayam vadhyaḥ tava nṛpa
dieser ist nicht von dir zu töten, o König (Neg.+Nom.+Nom.+Gen.+Vok.)
iti uktaḥ sa nyavartata
so angesprochen wandte er sich ab (Part.+Nom.+Nom.+Impf.)

[Anm.: Zwei Halbverse des textkritischen Apparats (030d*0179_01 und 02) wurden in diese Einheit eingefügt.]

tatas tvaritam āgatya kṛtavarmā tavātmajam / pratyapadyata rājānaṃ magnaṃ vai vyasanārṇave

Da kam Kṛtavarman eilig herbei und nahm sich des Königs, deines Sohnes, an, der in einen Ozean der Bedrängnis versunken war.

Wort für Wort
tataḥ tvaritam āgatya
da eilig herbeigekommen (Adv.+Adv.+Abs.)
kṛtavarmā tava ātmajam
Kṛtavarman, deines Sohnes (Nom.+Gen.+Akk.)
pratyapadyata rājānam
nahm sich des Königs an (Impf.+Akk.)
magnam vai vyasanārṇave
der versunken war in einen Ozean der Bedrängnis (Akk.+Part.+Lok.)

bhīmo 'pi mahatīṃ gṛhya gadāṃ hemapariṣkṛtām / abhidudrāva vegena kṛtavarmāṇam āhave / duryodhanaṃ samādāya palāyanaparo 'bhavat / evaṃ tad abhavad yuddhaṃ tvadīyānāṃ paraiḥ saha / kruddhānāṃ puruṣavyāghra nighnatām itaretaram / aparāhṇe mahārāja kāṅkṣatāṃ vijayaṃ yudhi / kṣayaṃ narāśvanāgānāṃ yamarāṣṭravivardhanam

Bhīma aber, eine große, goldverzierte Keule ergreifend, stürmte mit Wucht auf Kṛtavarman los im Kampf; dieser aber, Duryodhana aufnehmend, wandte sich zur Flucht. So war dieser Kampf der Deinigen mit den Feinden, o Menschentiger, der zornentbrannten, die einander erschlugen, am Nachmittag, o Großkönig, nach Sieg im Kampf strebend - ein Gemetzel von Männern, Pferden und Elefanten, das Yamas Reich mehrte.

Wort für Wort
bhīmaḥ api mahatīm gṛhya
Bhīma aber, eine große ergriffen habend (Nom.+Part.+Akk.+Abs.)
gadām hemapariṣkṛtām
eine goldverzierte Keule (Akk.+Akk.)
abhidudrāva vegena
stürmte mit Wucht los (Perf.+Instr.)
kṛtavarmāṇam āhave
auf Kṛtavarman, im Kampf (Akk.+Lok.)
duryodhanam samādāya
Duryodhana aufgenommen habend (Akk.+Abs.)
palāyanaparaḥ abhavat
wandte sich zur Flucht (Nom.+Impf.)
evam tat abhavat yuddham
so war dieser Kampf (Adv.+Nom.+Impf.+Nom.)
tvadīyānām paraiḥ saha
der Deinigen mit den Feinden (Gen.+Instr.+Adv.)
kruddhānām puruṣavyāghra
der zornentbrannten, o Menschentiger (Gen.+Vok.)
nighnatām itaretaram
die einander erschlugen (Gen.+Akk.)
aparāhṇe mahārāja
am Nachmittag, o Großkönig (Lok.+Vok.)
kāṅkṣatām vijayam yudhi
die nach Sieg im Kampf strebten (Gen.+Akk.+Lok.)
kṣayam narāśvanāgānām
ein Gemetzel von Männern, Pferden und Elefanten (Akk.+Gen.)
yamarāṣṭravivardhanam
das Yamas Reich mehrte (Akk.)

[Anm.: Vier Halbverse des textkritischen Apparats (032d*0180_01 sowie 032f*0181_01 bis 0183_01) wurden in diese Einheit eingefügt.]

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