duryodhana uvāca / bhūya eva tu madreśa yat te vakṣyāmi tac chṛṇu / yathā purā vṛttam idaṃ yuddhe devāsure vibho
„Vernimm, o Herr von Madra, noch einmal, was ich dir sagen werde: wie sich dies einst im Krieg zwischen Göttern und Asuras zugetragen hat, o Gebieter.
Wort für Wort
bhūyaḥ eva
noch einmal (Adv.)
tu
aber/nun (Partikel)
madreśa
o Herr von Madra (Vok.)
yat
was (Rel.-Pron., Akk. n.)
te
dir (Dat.)
vakṣyāmi
ich werde sagen (1.Sg.Fut.)
tat
das (Akk. n.)
śṛṇu
höre (Imp. 2.Sg.)
yathā
wie (Adv.)
purā
einst (Adv.)
vṛttam
geschehen (P.P.P., Nom. n.)
idam
dies (Nom. n.)
yuddhe
im Krieg (Lok.)
devāsure
zwischen Göttern und Asuras (Lok.)
vibho
o Gebieter (Vok.)
[Anm.: Die Sprecherkennzeichnung ‚duryodhana uvāca‘ wurde aus dem Text entfernt; Duryodhana ergreift hier erneut das Wort und beginnt eine neue, sehr lange Erzählung (den Tripura-Mythos), die bis zum Ende dieses Kapitels reicht und darüber hinaus in das folgende Kapitel fortgesetzt wird - dort beginnt der Text abermals mit ‚duryodhana uvāca‘. Da die Anführungszeichen-Markierung je Kapiteldatei in sich geschlossen sein muss, wird das Anführungszeichen am Ende dieses Kapitels geschlossen, obwohl die Rede tatsächlich weitergeht.]
yad uktavān pitur mahyaṃ mārkaṇḍeyo mahān ṛṣiḥ / tad aśeṣeṇa bruvato mama rājarṣisattama / tvaṃ nibodha na cāpy atra kartavyā te vicāraṇā
Was der große Weise Mārkaṇḍeya einst meinem Vater erzählt hat, das vernimm nun vollständig von mir, o Bester der königlichen Seher, während ich es erzähle - und es soll dir dabei kein Zweifel kommen.
Wort für Wort
yat
was (Akk. n.)
uktavān
gesagt habend (P.P.A., Nom. m.)
pituḥ
dem Vater (Dat./dem Vater = mahyam pituḥ, 'meinem Vater')
Gewiss ist: Könige geraten in Verwirrung - und doch treffen sie alle, nachdem sie diese überwunden haben, ihre Entscheidungen über Recht und Nutzen.
Wort für Wort
samutpannāḥ
entstanden, geraten (P.P.P., Nom. Pl. m.)
hi
denn/gewiss (Partikel)
rājānaḥ
Könige (Nom. Pl.)
pramohaḥ
Verwirrung (Nom.)
iti
so (Zitatpartikel)
niścayaḥ
die Gewissheit (Nom.)
kṛtvā
gemacht/überwunden habend (Ger.)
ca eva
und gerade (Partikel)
vyavasyanti
sie entscheiden (3.Pl.Präs.)
sarve
alle (Nom. Pl.)
dharmārthaniścayān
Entscheidungen über Recht und Nutzen (Akk. Pl.)
[Anm.: Die Apparatzeilen 08,024.002f*0228_01/02 wurden mit V.2 zu einer Einheit verbunden; der genaue Sinn dieses gnomischen Doppelverses bleibt etwas unklar [?].]
Zwischen Göttern und Asuras kam es einst zu einer gewaltigen Zusammenkunft. Die Söhne der Siṃhikā, damals übermütig geworden, bedrängten die Götter hart; doch die Götter vertrieben und bezwangen die auf ihre Kraft stolzen Dānavas. Es war dies, o König, der erste Kampf, der ‚Tāraka-Kampf‘ genannt wurde; und so haben wir gehört, dass die Daityas damals von den Göttern besiegt wurden. Mit gebrochenem Hochmut und mutlos zogen sie sich in die Unterwelt (Pātāla) zurück.
nirjiteṣu ca daityeṣu tārakasya sutās trayaḥ / tārākṣaḥ kamalākṣaś ca vidyunmālī ca pārthiva / kaś cit prajāpatir ghoras tena sārdhaṃ mahātmanā / yuddham āsīn mahāghoraṃ daivatair na iti śrutiḥ / parābabhūvur asurā dānavaiḥ saha saṃyuge / devair nirastā hy asurā niḥśvasyāmarṣitās tataḥ
Als die Daityas besiegt waren, o König, blieben die drei Söhne Tārakas übrig: Tārākṣa, Kamalākṣa und Vidyunmālin. Mit einem gewissen furchtbaren Prajāpati zusammen - so haben wir gehört - führten sie gegen die Götter einen überaus schrecklichen Kampf, in dem die Asuras zusammen mit den Dānavas unterlagen. Von den Göttern vertrieben, zogen sich die Asuras seufzend und voller Groll zurück.
Wort für Wort
nirjiteṣu
als besiegt waren (Lok. Abs., Pl.)
ca
und (Konj.)
daityeṣu
die Daityas (Lok. Pl.)
tārakasya
Tārakas (Gen.)
sutāḥ trayaḥ
drei Söhne (Nom. Pl.)
tārākṣaḥ kamalākṣaḥ ca vidyunmālī ca
Tārākṣa, Kamalākṣa und Vidyunmālin (Nom. Pl., Eigennamen)
Sie übten furchtbare Askese, in höchster Zucht verharrend, und zehrten, o Feindebezwinger, ihre eigenen Leiber durch die Askese ab. Durch Selbstbeherrschung, Askese und Zucht, o Herrscher, ward der Großvater (Brahmā) ihnen gewogen und gewährte ihnen, der Gaben Gebende, Gaben.
tān abravīt tadā devo lokānāṃ prabhur īśvaraḥ / nāsti sarvāmaratvaṃ hi nivartadhvam ato 'surāḥ / varam anyaṃ vṛṇīdhvaṃ vai yādṛśaṃ saṃprarocate
‚Vollkommene Unsterblichkeit vor allen gibt es nicht; kehrt daher davon ab, ihr Asuras. Erbittet eine andere Gabe, welche euch nur gefällt‘ - so sprach damals zu ihnen der Gott, der Herr und Gebieter der Welten.
vayam icchāma nagaraṃ kartuṃ kāmagamaṃ śubham / sarvakāmasamṛddhārtham avadhyaṃ devadānavaiḥ / yakṣarakṣoragagaṇair nānājātibhir eva ca / na kṛtyābhir na śastraiś ca na śāpair brahmavādinām / vadhyeta tripuraṃ devaṃ prasanne tvayi sādaram
‚Wir wünschen eine prächtige Stadt zu errichten, die sich nach Belieben bewegt, jeden Wunsch in Fülle erfüllt und unangreifbar ist für Götter und Dānavas, für Scharen von Yakṣas, Rākṣasas und Schlangenwesen sowie mancherlei andere Geschöpfe; weder durch Zauberkünste noch durch Waffen noch durch Flüche der Kenner des heiligen Wortes möge diese Dreifachstadt (Tripura) vernichtet werden, o Gott, wenn du, mit Ehrerbietung, uns gewogen bist.
Wort für Wort
vayam
wir (Nom. Pl.)
icchāma
wir wünschen (1.Pl.Präs.)
nagaram
Stadt (Akk.)
kartum
zu machen (Inf.)
kāmagamam
nach Belieben beweglich (Akk.)
śubham
prächtig (Akk.)
sarvakāmasamṛddhārtham
zur Erfüllung jedes Wunsches (Akk.)
avadhyam
unangreifbar (Akk.)
devadānavaiḥ
von Göttern und Dānavas (Instr.)
yakṣarakṣoragagaṇaiḥ
von Scharen von Yakṣas, Rākṣasas und Schlangenwesen (Instr.)
nānājātibhiḥ
von mancherlei anderen Wesen (Instr.)
eva ca
und auch (Konj.)
na kṛtyābhiḥ
nicht durch Zauberkünste (Instr.)
na śastraiḥ
nicht durch Waffen (Instr.)
ca
und (Konj.)
na śāpaiḥ
nicht durch Flüche (Instr.)
brahmavādinām
der Kenner des heiligen Wortes (Gen. Pl.)
vadhyeta
möge vernichtet werden (Opt. Pass.)
tripuram
Tripura, die Dreifachstadt (Nom.)
devam
o Gott (Vok. [metrisch für devaḥ/deva])
prasanne tvayi
wenn du gewogen bist (Lok. Abs.)
sādaram
mit Ehrerbietung (Adv.)
[Anm.: Hier beginnt die direkte Rede der Söhne Tārakas an Brahmā, in der sie um die Gabe der beinahe unbezwingbaren Dreifachstadt Tripura bitten.]
asmākaṃ tvaṃ varaṃ deva prayacchemaṃ pitāmaha / vayaṃ purāṇi trīṇy eva samāsthāya mahīm imām / vicariṣyāma loke 'smiṃs tvatprasādapuraskṛtāḥ
Gewähre uns, o Gott, Großvater, diese Gabe: Wir wollen, nur diese drei Städte bewohnend, auf dieser Erde, in dieser Welt umherziehen, von deiner Gnade begünstigt.
tato varṣasahasre tu sameṣyāmaḥ parasparam / vilayaḥ samayasyānte maraṇaṃ jīvitasya ca / iti cintya vadhopāyaṃ kaṃ cid eva niśāmaya / ekībhāvaṃ gamiṣyanti purāṇy etāni cānagha / samāgatāni caitāni yo hanyād bhagavaṃs tadā / ekeṣuṇā devavaraḥ sa no mṛtyur bhaviṣyati
Dann, nach je tausend Jahren, wollen wir wieder zueinanderkommen. Auflösung am Ende der Frist, und so auch der Tod des Lebendigen - bedenke, o Schuldloser, indem du dies erwägst, ein gewisses Mittel der Vernichtung: Diese Städte werden dann eins werden. Und wer sie, wenn sie zusammengekommen sind, dann mit einem einzigen Pfeil zu treffen vermag, o Bester der Götter - der soll unser Tod sein.‘
Wort für Wort
tataḥ
dann (Adv.)
varṣasahasre
nach tausend Jahren (Lok.)
tu
aber/nun (Partikel)
sameṣyāmaḥ
wir werden zusammenkommen (1.Pl.Fut.)
parasparam
miteinander (Adv.)
vilayaḥ
Auflösung (Nom.)
samayasya ante
am Ende der Frist (Lok.)
maraṇam
Tod (Nom.)
jīvitasya
des Lebendigen (Gen.)
ca
und (Konj.)
iti cintya
so bedenkend (Ger.)
vadhopāyam
Mittel der Vernichtung (Akk.)
kaṃcit eva
ein gewisses (Akk.)
niśāmaya
vernimm/erwäge (Imp. 2.Sg.)
ekībhāvam
Einswerdung (Akk.)
gamiṣyanti
sie werden gelangen (3.Pl.Fut.)
purāṇi etāni
diese Städte (Nom. Pl.)
ca anagha
und o Schuldloser (Vok.)
samāgatāni
zusammengekommen (P.P.P., Akk. Pl.)
ca etāni
und diese (Konj. + Pron.)
yaḥ
wer (Nom.)
hanyāt
töten möge (Opt. 3.Sg.)
bhagavan
o Herr (Vok.)
tadā
dann (Adv.)
ekeṣuṇā
mit einem einzigen Pfeil (Instr.)
devavaraḥ
der Beste der Götter (Nom.)
saḥ
er (Nom.)
naḥ
unser (Gen. Pl.)
mṛtyuḥ
Tod (Nom.)
bhaviṣyati
wird sein (3.Sg.Fut.)
[Anm.: Die Sprecherkennzeichnung ‚brahmovāca‘ (08,024.011b*0233_00) steht mitten in dieser Passage; vermutlich ergänzt hier Brahmā selbst die Bedingung des Segens (die zeitweilige Verschmelzung der drei Städte als einzige Schwachstelle), während die Dānava-Fürsten sie im letzten Halbvers bestätigend übernehmen. Die genaue Sprecherzuordnung bleibt im Text unklar [?] und wurde hier als ein durchgehendes Gespräch wiedergegeben, um eine dritte Anführungszeichen-Ebene zu vermeiden.]
te tu labdhavarāḥ prītāḥ saṃpradhārya parasparam / puratrayavisṛṣṭyarthaṃ mayaṃ vavrur mahāsuram / viśvakarmāṇam ajaraṃ daityadānavapūjitam
Sie aber, erfreut über die erlangte Gabe, wählten nach gegenseitiger Beratung den großen Asura Maya zur Errichtung der drei Städte aus - den alterslosen Baumeister (Viśvakarman der Dānavas), der von Daityas und Dānavas verehrt wird.
tato mayaḥ svatapasā cakre dhīmān purāṇi ha / trīṇi kāñcanam ekaṃ tu raupyaṃ kārṣṇāyasaṃ tathā / kāñcanaṃ divi tatrāsīd antarikṣe ca rājatam / āyasaṃ cābhavad bhūmau cakrasthaṃ pṛthivīpate
Da schuf Maya, der Kluge, durch seine eigene Askesekraft die drei Städte: eine golden, eine silbern, die dritte aus schwarzem Eisen. Die goldene befand sich am Himmel, die silberne im Luftraum, und die eiserne war auf der Erde, feststehend auf einem Rad, o Herr der Erde.
Jede der Städte maß hundert Yojanas in Breite und Länge, war mit Häusern, Söllern und Wachtürmen versehen, mit gewaltigen Mauern und Torbögen; reich an Vorzügen und Fülle, doch ohne Gedränge und frei von Übel, geschmückt mit mancherlei Palästen und Toren.
Wort für Wort
ekaikam
je eine (Nom./Akk. n.)
yojanaśatam
hundert Yojana (Akk.)
vistārāyāmasaṃmitam
an Breite und Länge bemessen (Akk.)
gṛhāṭṭāṭṭālakayutam
mit Häusern, Söllern und Wachtürmen versehen (Akk.)
In den Städten, o König, gab es je eigene Könige, Daiteyas, die himmlische Kränze und Gewänder trugen, o Bester der Könige. Die wundersame goldene Stadt war die des hochgesinnten Tārakākṣa, die silberne gehörte Kamalākṣa, die eiserne Vidyunmālin.
Diese drei Daitya-Könige, mit ihrem Glanz rasch die drei Welten überschreitend, herrschten dort viele Jahre lang - Prajāpati (war ihr Name, bzw. ihr Herr).
Wort für Wort
trayaḥ te
diese drei (Nom. Pl.)
daityarājānaḥ
Daitya-Könige (Nom. Pl.)
trīn lokān
die drei Welten (Akk.)
āśu
rasch (Adv.)
tejasā
mit Glanz (Instr.)
ākramya
überschreitend (Ger.)
tasthuḥ
sie herrschten/standen (3.Pl.Perf.)
varṣāṇām pūgān
viele Jahre lang (Akk. Pl.)
nāma
namens (Adv.)
prajāpatiḥ
Prajāpati (Nom.)
[Anm.: Die letzte Vershälfte ‚pūgān nāma prajāpatiḥ‘ ist im Sinn unklar [?]; übersetzt als Andeutung, dass ihre Herrschaft Zeitalter überdauerte.]
Zu ihnen, den führenden Dānavas, strömten Myriaden und Abermillionen unbezwinglicher Helden von überallher zusammen, fleischessend, hochmütig und einst von den Göttern gedemütigt; nach großer Macht verlangend, suchten sie Zuflucht in der uneinnehmbaren Feste Tripura.
sarveṣāṃ ca punas teṣāṃ sarvayogavaho mayaḥ / tam āśritya hi te sarve avartantākutobhayāḥ / yo hi yaṃ manasā kāmaṃ dadhyau tripurasaṃśrayaḥ / tasmai kāmaṃ mayas taṃ taṃ vidadhe māyayā tadā
Und Maya, der Vollbringer jeder Verbindung, stand ihnen allen bei; auf ihn gestützt lebten sie alle ohne Furcht vor irgendetwas. Wer immer, in Tripura Zuflucht suchend, im Geiste irgendeinen Wunsch hegte - dem erfüllte Maya durch seine Zauberkunst jenen Wunsch.
tārakākṣasutaś cāsīd dharir nāma mahābalaḥ / tapas tepe paramakaṃ yenātuṣyat pitāmahaḥ / sa tuṣṭam avṛṇod devaṃ vāpī bhavatu naḥ pure / śastrair vinihatā yatra kṣiptāḥ syur balavattarāḥ
Tārakākṣas Sohn aber war Hari, gewaltig an Kraft; er übte höchste Askese, wodurch der Großvater zufrieden ward. Ihn, den Zufriedenen, bat er, den Gott, um eine Gabe: ‚Ein Teich sei in unserer Stadt, in den die durch Waffen Erschlagenen, mögen sie auch noch so gewaltig sein, geworfen werden können.‘
sa tu labdhvā varaṃ vīras tārakākṣasuto hariḥ / sasṛje tatra vāpīṃ tāṃ mṛtānāṃ jīvanīṃ prabho / pūrṇāṃ divyasya toyasya pīyūṣapratimasya vai
Nachdem er, der Held, Tārakākṣas Sohn Hari, diese Gabe erlangt hatte, schuf er dort jenen Teich, welcher die Toten wiederbelebte, o Gebieter, gefüllt mit himmlischem Wasser, das dem Amṛta gleichkam.
yena rūpeṇa daityas tu yena veṣeṇa caiva ha / mṛtas tasyāṃ parikṣiptas tādṛśenaiva jajñivān / saṃpūrṇabalavīryas tu rājañ śauryasamanvitaḥ / evaṃ vīryeṇa saṃyuktāḥ kṛtās tena mahātmanā
In welcher Gestalt und in welchem Aussehen ein Daitya gestorben war, in eben derselben Gestalt wurde er, in jenen Teich geworfen, wiedergeboren - mit voller Kraft und Stärke ausgestattet, o König, und Heldenmut begabt. So wurden sie alle von dem Hochgesinnten (Hari) mit erneuter Kraft versehen.
Nachdem sie diesen Teich erlangt hatten, bedrängten die Bewohner Tripuras alle Welten; durch gewaltige Askese vollendet, mehrten sie die Furcht der Götter. Niemals, o König, gab es für sie im Kampf eine Verminderung.
Wort für Wort
tām
diesen (Akk., auf vāpī bezogen)
prāpya
erlangt habend (Ger.)
traipurasthāḥ tu
die Bewohner Tripuras aber (Nom. Pl.)
sarvān lokān
alle Welten (Akk. Pl.)
babādhire
sie bedrängten (3.Pl.Perf. Med.)
mahatā tapasā
durch gewaltige Askese (Instr.)
siddhāḥ
vollendet (Nom. Pl.)
surāṇām
der Götter (Gen. Pl.)
bhayavardhanāḥ
die Furcht mehrend (Nom. Pl.)
na
nicht (Negation)
teṣām
für sie (Gen. Pl.)
abhavat
gab es (3.Sg.Impf.)
rājan
o König (Vok.)
kṣayaḥ
Verminderung (Nom.)
yuddhe
im Kampf (Lok.)
kathaṃ cana
irgendwie, jemals (Adv.)
[Anm.: Die längeren Apparatzeilen 08,024.027b*0239_01-03, 08,024.027d*0240_01 (über den fortdauernden Aufenthalt Haris und die zehnfache Vermehrung erschlagener Dānavas) wurden hier sinngemäß mit V.27 zusammengefasst, ohne jedes Detail einzeln wiederzugeben.]
tatas te lobhamohābhyām abhibhūtā vicetasaḥ / nirhrīkāḥ saṃsthitiṃ sarve sthāpitāṃ samalūlupan / vidrāvya sagaṇān devāṃs tatra tatra tadā tadā / viceruḥ svena kāmena varadānena darpitāḥ
Da wurden sie, von Gier und Verblendung überwältigt, sinnlos und schamlos, und alle verletzten sie die festgesetzte Ordnung. Sie vertrieben die Götter samt ihren Scharen, hier und dort, wieder und wieder, und streiften, durch die ihnen gewährte Gabe übermütig geworden, nach eigenem Belieben umher.
Alle den Himmlischen lieben Götterwälder, die heiligen Einsiedeleien der Weisen, die Opferpfähle sowie die Landschaften vernichteten die bösartig handelnden Dānavas, die Grenzen der Sitte missachtend.
Die Götter wurden heimatlos gemacht, zusammen mit den Weisen und den Ahnen; von den drei Daityas, jenen Nicht-Göttern, wurden die drei Welten überrannt. Als die Welten so bedrängt wurden, griff Śakra, von den Marut-Winden begleitet, die Städte ringsum mit Blitzschlägen an; doch da Puraṃdara jene unzerstörbaren, vom Schöpfer verliehenen Städte nicht zu durchbrechen vermochte, o Herrscher der Menschen, ließ der erschrockene Herr der Götter schließlich von jenen Städten ab.
te devāḥ sahitāḥ sarve pitāmaham ariṃdama / abhijagmus tadākhyātuṃ viprakāraṃ suretaraiḥ / te tattvaṃ sarvam ākhyāya śirasābhipraṇamya ca / vadhopāyam apṛcchanta bhagavantaṃ pitāmaham
Da gingen die Götter, alle vereint, o Feindebezwinger, zum Großvater, um ihm die von den Nicht-Göttern erlittene Unbill zu berichten. Sie legten ihm den ganzen Sachverhalt dar, verneigten sich mit dem Haupte vor ihm und erfragten von dem erhabenen Großvater ein Mittel zur Vernichtung (Tripuras).
śrutvā tad bhagavān devo devān idam uvāca ha / mamāpi so 'parādhnoti yo yuṣmākam asaumyakṛt / śrūyatāṃ tridaśāḥ sarve yathedaṃ vākyagauravam / asurāś ca durātmānas te cāpi vibudhadviṣaḥ / aparādhyanti satataṃ ye yuṣmān pīḍayanty uta / na tv āstu tān ahaṃ manye ye vai yuṣmān apīḍayan
Nachdem der erhabene Gott dies vernommen hatte, sprach er zu den Göttern also: ‚Auch gegen mich vergeht sich, wer euch übel mitspielt. So vernehmt, all ihr Dreißig Götter, dieses gewichtige Wort: Die bösartigen Asuras, die Feinde der Weisen, die sich stets vergehen und euch bedrängen - sie allein halte ich für schuldig, nicht aber jene, die euch nicht bedrängt haben.‘
ahaṃ hi tulyaḥ sarveṣāṃ bhūtānāṃ nātra saṃśayaḥ / adhārmikās tu hantavyā ity ahaṃ prabravīmi vaḥ / ekeṣuṇā vibhedyāni tāni durgāṇi nānyathā / na ca sthāṇumṛte śakto bhettum ekeṣuṇā puraḥ
‚Ich bin fürwahr allen Wesen gleich gesinnt, daran besteht kein Zweifel; doch die Unrechtmäßigen sollen getötet werden - das verkünde ich euch. Nur mit einem einzigen Pfeil sind jene Festungen zu durchbrechen, nicht anders; und niemand außer Sthāṇu vermag jene Städte mit einem einzigen Pfeil zu durchbrechen.
iti tasya vacaḥ śrutvā devāḥ śakrapurogamāḥ / te devās tena vākyena coditāḥ praṇatāḥ sthitāḥ / divyaṃ varṣasahasraṃ vai tapas taptvā surarṣabhāḥ / śubhātmāno mahātmāno jagmur vai vṛṣabhadhvajam / brahmāṇam agrataḥ kṛtvā vṛṣāṅkaṃ śaraṇaṃ yayuḥ
Nachdem sie, angeführt von Śakra, diese Rede vernommen hatten, standen die Götter, durch dieses Wort ermahnt, verneigt da. Nachdem sie, die Erhabenen, die Stiere unter den Göttern, reinen Sinnes und hochgesinnt, tausend himmlische Jahre Askese geübt hatten, begaben sie sich, Brahmā vorausschickend, in die Zuflucht des Stier-Bannerträgers (Śiva).
Höchste Askese übend, das ewige Wort (Brahman) rezitierend, zusammen mit den Weisen, wandten sich die Rechtskundigen mit ihrem ganzen Wesen Bhava zu - dem Gott der Götter, dem höchsten Sthāṇu, dem Gaben-Gebenden, dem Dreiäugigen, dem Heilsamen, dem Erhabenen, dem Preiswürdigen, dem Ungeborenen, Rudra, dessen Haupthaar mit dem Halbmond geschmückt ist.
Wort für Wort
tapaḥ param
höchste Askese (Akk.)
samātasthuḥ
sie übten (3.Pl.Perf.)
gṛṇantaḥ
rezitierend (Nom. Pl.)
brahma śāśvatam
das ewige Brahman/Wort (Akk.)
ṛṣibhiḥ saha
zusammen mit den Weisen (Instr.)
dharmajñāḥ
rechtskundig (Nom. Pl.)
bhavam
zu Bhava/Śiva (Akk.)
sarvātmanā
mit ihrem ganzen Wesen (Instr.)
gatāḥ
sich wendend (Nom. Pl.)
devadevam
zum Gott der Götter (Akk.)
param sthāṇum
zum höchsten Sthāṇu (Akk.)
varadam
zum Gaben-Gebenden (Akk.)
tryambakam
zum Dreiäugigen (Akk.)
śivam
zum Heilsamen (Akk.)
śarvam
zum Erhabenen/Śarva (Akk.)
īḍyam
zum Preiswürdigen (Akk.)
ajam
zum Ungeborenen (Akk.)
rudram
zu Rudra (Akk.)
śaśāṅkāṅkitamūrdhajam
dessen Haupthaar mit dem Halbmond geschmückt ist (Akk.)
tuṣṭuvur vāgbhir arthyābhir bhayeṣv abhayakṛttamam / sarvātmānaṃ mahātmānaṃ yenāptaṃ sarvam ātmanā / tapoviśeṣair bahubhir yogaṃ yo veda cātmanaḥ / yaḥ sāṃkhyam ātmano veda yasya cātmā vaśe sadā
Sie priesen ihn mit bedeutsamen Worten, ihn, der in Gefahren die höchste Furchtlosigkeit verleiht, die Allseele, den Hochgesinnten, durch den alles mit sich selbst erfüllt ist, der durch mannigfache Askeseübungen die Yoga-Vereinigung seiner selbst kennt, der die Sāṃkhya-Erkenntnis seiner selbst kennt und dessen Selbst stets in seiner eigenen Gewalt steht.
Ihn, den Herrn, den Berg von Glanz, den Gemahl Umās, erblickten die Dreißig Götter durch höchste Anstrengung: Bhava, Śarva, den Gebieter, den in der Welt Unvergleichlichen, den Gelübdetreuen, den Makellosen.
ekaṃ ca bhagavantaṃ te nānārūpam akalpayan / ātmanaḥ pratirūpāṇi rūpāṇy atha mahātmani / parasparasya cāpaśyan sarve paramavismitāḥ
Den einen Erhabenen sahen sie zugleich in vielfacher Gestalt; ihre je eigenen Abbilder erblickten sie in dem Hochgesinnten - und einer sah den anderen in ihm, alle aufs Höchste erstaunt.
Vor ihm, dem aus allen Wesen Bestehenden, dem Herrn, dem Ungeborenen, dem Gebieter der Welt, berührten die Götter und die Brahmarṣis mit den Häuptern die Erde.
Verehrung dir, dem Gott über den Göttern, dem Bogenträger, dem über die Maßen Zornigen, dem Zerstörer des Opfers Prajāpatis, der von den Prajāpatis gepriesen wird! Verehrung dir, dem Gepriesenen, dem Preiswürdigen, dem stets Gepriesenen, dem Tod, dem Rotgefärbten, Rudra, dem Blauhalsigen, dem Speerträger!
Dem Unfehlbaren, dem Rehäugigen, dem mit vortrefflichen Waffen Kämpfenden, dem Verehrungswürdigen und Reinen, der Vernichtung, dem Zermalmer, dem Unabwehrbaren, dem Glänzenden, dem Brahman, dem Brahmacārin!
Dem Herrscher, dem Unermesslichen, dem Lenker, dem in ein Fell Gekleideten, dem stets in Askese Verharrenden, dem Rötlichen, dem Gelübdetreuen, dem in ein Hirschfell Gekleideten!
Dem Vater Kumāras, dem Dreiäugigen, dem vortreffliche Waffen Tragenden, dem Vernichter der Not der sich Ergebenden, dem Zerschmetterer der Scharen von Brahmanen-Hassern! Verehrung dem Herrn der Bäume, Verehrung dem Herrn der Menschen! Verehrung dem stets währenden Herrn der Kühe, Verehrung dem Herrn der Opfer!
Wort für Wort
kumārapitre
dem Vater Kumāras (Dat.)
tryakṣāya
dem Dreiäugigen (Dat.)
pravarāyudhadhāriṇe
dem vortreffliche Waffen Tragenden (Dat.)
prapannārtivināśāya
dem Vernichter der Not der sich Ergebenden (Dat.)
brahmadviṭsaṃghaghātine
dem Zerschmetterer der Scharen von Brahmanen-Hassern (Dat.)
namo 'stu te sasainyāya tryambakāyogratejase / manovākkarmabhir deva tvāṃ prapannān bhajasva naḥ
Verehrung sei dir, dem mit seinem Heer, dem Dreiäugigen, dem von furchtbarem Glanz! Mit Gedanken, Wort und Tat, o Gott, nimm uns an, die wir uns dir ergeben haben.‘
Da hieß der zufriedene Erhabene sie mit Willkommensgruß willkommen und sprach: ‚Es schwinde die Furcht - sprecht, was soll ich für euch tun?‘ Als die Götter Śarvas Worte vernommen hatten, wurden sie von Freude erfüllt.
Nachdem der Hochgesinnte den Scharen der Ahnen, Götter und Weisen die Gabe gewährt hatte, ehrte Brahmā Śaṃkara und sprach ein den Welten heilsames Wort: ‚Diese Asura-Festungen überrennen die drei Welten, zusammen mit einem gewissen furchtbaren Prajāpati - töte sie alle, ohne Verzug.
Wort für Wort
pitṛdevarṣisaṃghebhyaḥ
den Scharen der Ahnen, Götter und Weisen (Dat. Pl.)
Durch deine Ermächtigung, o Herr der Götter, habe ich, der ich dieses Amt des Prajāpati innehabe, den Dānavas diese große Gabe gewährt. Es gibt, so haben wir gehört, im Kampf keinen anderen, der sie töten könnte; niemand außer dir, o Herr des Gewesenen und Künftigen, vermag jene, die die Grenzen überschritten haben, zu vernichten - du bist ihr Gegner im Töten.
Wort für Wort
tava atisargāt
durch deine Ermächtigung (Abl.)
deveśa
o Herr der Götter (Vok.)
prājāpatyam idam padam
dieses Amt des Prajāpati (Akk.)
mayā adhitiṣṭhatā
von mir, der ich es innehabe (Instr.)
dattaḥ
gewährt (Nom.)
dānavebhyaḥ
den Dānavas (Dat. Pl.)
mahān varaḥ
die große Gabe (Nom.)
na asti anyaḥ
es gibt keinen anderen (Wendung)
yudhi
im Kampf (Lok.)
teṣām
von ihnen (Gen. Pl.)
vai
wahrlich (Partikel)
nihantā
ein Töter (Nom.)
iti naḥ śrutam
so haben wir gehört (Wendung)
tān atikrāntamaryādān
jene, die die Grenzen überschritten haben (Akk. Pl.)
sa tvaṃ deva prapannānāṃ yācatāṃ ca divaukasām / kuru prasādaṃ deveśa dānavāñ jahi śūlabhṛt / tvatprasāj jagat sarvaṃ sukham aidhata mānada / śaraṇyas tvaṃ hi lokeśa te vayaṃ śaraṇaṃ gatāḥ
So erweise du, o Gott, uns Himmlischen, die wir uns dir ergeben haben und dich bitten, deine Gnade, o Herr der Götter; töte die Dānavas, du Speerträger! Durch deine Gnade gedeiht die ganze Welt in Glück, o Ehrenspender; du bist der Zufluchtswürdige, o Herr der Welt - zu dir sind wir als Zuflucht gekommen.‘
hantavyāḥ śatravaḥ sarve yuṣmākam iti me matiḥ / na tv eko 'haṃ vadhe teṣāṃ samartho vai suradviṣām / te yūyaṃ sahitāḥ sarve madīyenāstratejasā / jayadhvaṃ yudhi tāñ śatrūn saṃghāto hi mahābalaḥ
‚Getötet werden sollen all eure Feinde - das ist meine Meinung; doch ich allein bin nicht imstande, jene Widersacher der Götter zu vernichten. Vereint mit meiner Waffenglut, besiegt ihr alle zusammen jene Feinde im Kampf - denn vereinte Kraft ist gewaltig.
bibhartuṃ tejaso 'rdhaṃ te na śakṣyāmo maheśvara / sarveṣāṃ no balārdhena tvam eva jahi śātravān / vayaṃ ca sarvathā deva rakṣaṇīyās tathaiva ca / sa no rakṣa mahādeva tvam eva jahi śātravān
‚Die Hälfte deiner Kraft zu tragen vermögen wir nicht, o großer Herr; mit der Hälfte unser aller Kraft töte du selbst die Feinde. Und wir sollten auf jede Weise beschützt werden, o Gott - so beschütze uns, großer Gott, töte du selbst die Feinde.‘
tatas tatheti deveśas tair ukto rājasattama / ardham ādāya sarvebhyas tejasābhyadhiko 'bhavat / sa tu devo balenāsīt sarvebhyo balavattaraḥ / mahādeva iti khyātas tadāprabhṛti śaṃkaraḥ
Darauf sprach der Herr der Götter, von ihnen so angesprochen, ‚So sei es‘, o Bester der Könige, und wurde, nachdem er von allen die Hälfte ihrer Kraft genommen hatte, an Glanz überlegen. Er, der Gott, war an Kraft mächtiger als alle - seitdem ist Śaṃkara als ‚Mahādeva‘ (der große Gott) bekannt.
tato 'bravīn mahādevo dhanur bāṇadharas tv aham / haniṣyāmi rathenājau tān ripūn vai divaukasaḥ / te yūyaṃ me rathaṃ caiva dhanur bāṇaṃ tathaiva ca / paśyadhvaṃ yāvad adyaitān pātayāmi mahītale
Da sprach Mahādeva: ‚Ich selbst, Bogen und Pfeil tragend, werde im Kampf mit einem Wagen jene Feinde der Himmlischen erschlagen. Beschafft mir einen Wagen, einen Bogen und einen Pfeil - dann schaut zu, wie ich sie heute zu Boden strecke.‘
‚Indem wir die gesamte verkörperte Wesenheit der drei Welten von überallher nehmen, werden wir dir, o Herr der Götter, einen gewaltigen Wagen bereiten.‘ So, mit Bedacht ersonnen und von Viśvakarman kunstvoll gefertigt, bereiteten darauf die Tiger unter den Göttern jenen prächtigen Wagen.
Die Erdgöttin, geschmückt mit weiten, kranzgleich gereihten Städten, mitsamt Bergen, Wäldern und Inseln, die alle Wesen trägt, machten sie damals zum Wagenkorb.
Wort für Wort
vandhuram
zum Wagenkorb (Akk.)
pṛthivīm devīm
die Erdgöttin (Akk.)
viśālapuramālinīm
geschmückt mit weiten, kranzgleich gereihten Städten (Akk.)
mandaraṃ parvataṃ cākṣaṃ jaṅghās tasya mahānadīḥ / diśaś ca pradiśaś caiva parivāraṃ rathasya hi / īṣā nakṣatravaṃśaś ca yugaḥ kṛtayugo 'bhavat / kūbaraś ca rathasyāsīd vāsukir bhujagottamaḥ
Den Berg Mandara machten sie zur Achse, die großen Ströme zu ihren Speichen, die Himmelsrichtungen und Zwischenrichtungen zum Geleit des Wagens. Die Deichsel war der Sternenkranz, das Joch war das Kṛtayuga; die Deichselstange des Wagens aber war Vāsuki, der erhabenste der Schlangen.
Wort für Wort
mandaram parvatam
den Berg Mandara (Akk.)
ca akṣam
zur Achse (Akk.)
jaṅghāḥ
Speichen (Nom. Pl.)
tasya
seine (Gen.)
mahānadīḥ
die großen Ströme (Nom. Pl.)
diśaḥ ca pradiśaḥ ca eva
die Himmelsrichtungen und Zwischenrichtungen (Wendung)
Zu den Radhaltern an der Radnabe machten sie den Himavat und den Berg Vindhya; die Berge des Sonnenaufgangs und -untergangs machten die erhabensten Götter zu Radhaltern. Den Ozean, die vortreffliche Wohnstatt der Dānavas, schufen sie zur Achse; und der Kreis der Sieben Weisen war der Schmuck des Wagens.
gaṅgā sarasvatī sindhur dhuram ākāśam eva ca / upaskaro rathasyāsann āpaḥ sarvāś ca nimnagāḥ / ahorātrāḥ kalāś caiva kāṣṭhāś ca ṛtavas tathā
Gaṅgā, Sarasvatī und Sindhu sowie der Luftraum waren das Zugjoch; alle fließenden Gewässer waren das Wagengeschirr; ebenso Tag und Nacht, die Zeitabschnitte, die Himmelsrichtungen und die Jahreszeiten.
Zu den Unterläufern machten sie die leuchtenden Planeten, zur Wagendecke die Sterne, und zu dem lieblichen, mit Recht, Nutzen und Lust verbundenen Dreifachrohr (einen weiteren Teil); dort waren auch mancherlei Heilkräuter mit vielfältigen Blüten- und Fruchtständen.
Wort für Wort
anukarṣān
zu den Unterläufern (Akk. Pl.)
grahān dīptān
die leuchtenden Planeten (Akk. Pl.)
varūtham
zur Wagendecke (Akk.)
ca api
und auch (Konj.)
tārakāḥ
die Sterne (Nom. Pl.)
dharmārthakāmasaṃyuktam
mit Recht, Nutzen und Lust verbunden (Akk.)
triveṇum
das Dreifachrohr (Akk.)
ca api
und auch (Konj.)
bandhuram
lieblich (Akk.)
oṣadhīḥ vividhāḥ
mancherlei Heilkräuter (Nom. Pl.)
tatra
dort (Adv.)
nānāpuṣpaphalodgamāḥ
mit vielfältigen Blüten- und Fruchtständen (Nom. Pl.)
Sonne und Mond machten sie zu den beiden Rädern des vortrefflichen Wagens; die beiden Monatshälften, die vordere und die hintere, wurden dort zur schönen Nacht und zum schönen Tag gemacht.
Die zehn Schlangenfürsten, angeführt von Dhṛtarāṣṭra, machten sie zur festen Deichsel; zu Zuggurten machten sie schnaubende gewaltige Schlangen; der Himmel war das Joch, die Wolken des Weltuntergangs die Jochpolster.
Kālapṛṣṭha, Nahuṣa, Karkoṭaka und Dhanaṃjaya sowie die übrigen Schlangen wurden zu den Schwanzbändern der Pferde; die Himmelsrichtungen und Zwischenrichtungen waren die Zügel der Wagenrosse; und die vier Veden, geschmückt mit uralten Gliedern, wurden zu den Pferden.
Wort für Wort
kālapṛṣṭhaḥ atha nahuṣaḥ karkoṭakadhanaṃjayau
Kālapṛṣṭha, Nahuṣa, Karkoṭaka und Dhanaṃjaya (Nom., Eigennamen)
itare ca
und die übrigen (Wendung)
abhavan
wurden (3.Pl.Impf.)
nāgāḥ
Schlangen (Nom. Pl.)
hayānām
der Pferde (Gen. Pl.)
vālabandhanāḥ
Schwanzbänder (Nom. Pl.)
diśaḥ ca pradiśaḥ ca eva
die Himmelsrichtungen und Zwischenrichtungen (Wendung)
śamyāṃ dhṛtiṃ ca medhāṃ ca sthitiṃ saṃnatim eva ca / grahanakṣatratārābhiś carma citraṃ nabhastalam / surāmbupretavittānāṃ patīṃl lokeśvarān hayān / sinīvālīm anumatiṃ kuhūṃ rākāṃ ca suvratām / yoktrāṇi cakrur vāhānāṃ rohakāṃś cāpi kaṇṭhakam
Standhaftigkeit und Geisteskraft machten sie zum Jochpflock, Beständigkeit und Demut zu weiteren Teilen; die mit Planeten, Sternbildern und Sternen bunte Himmelsfläche war die Schutzdecke. Die Herren der Götter, der Gewässer, der Verstorbenen und des Reichtums, die Weltenherren, machten sie zu Pferden; Sinīvālī, Anumati, Kuhū und die gelübdetreue Rākā machten sie zu den Zuggurten der Zugtiere sowie zu Aufsteigehilfen und Halsband.
Wort für Wort
śamyām
zum Jochpflock (Akk.)
dhṛtim ca medhām ca
Standhaftigkeit und Geisteskraft (Akk.)
sthitim saṃnatim eva ca
Beständigkeit und Demut (Akk.)
grahanakṣatratārābhiḥ
mit Planeten, Sternbildern und Sternen (Instr.)
carma citram
die bunte Schutzdecke (Nom.)
nabhastalam
die Himmelsfläche (Nom.)
surāmbupretavittānām patīn
die Herren der Götter, Gewässer, Verstorbenen und des Reichtums (Akk. Pl.)
lokeśvarān hayān
die Weltenherren zu Pferden (Akk. Pl.)
sinīvālīm anumatim kuhūm rākām ca suvratām
Sinīvālī, Anumati, Kuhū und die gelübdetreue Rākā (Akk., Mondphasen-Göttinnen)
nānāvarṇāś ca citrāś ca patākāḥ pavaneritāḥ / vidyudindradhanurnaddhaṃ rathaṃ dīptaṃ vyadīpayat / vaṣaṭkāraḥ pratodo 'bhūd gāyatrī śīrṣabandhanā / yo yajñe vihitaḥ pūrvam īśānasya mahātmanaḥ / saṃvatsaro dhanus tad vai sāvitrī jyā mahāsvanā
Mancherlei bunte, vielfarbige, vom Wind bewegte Fahnen ließen den mit Blitz und Regenbogen durchwirkten, strahlenden Wagen erglänzen. Der Vaṣaṭkāra-Ruf war die Peitsche, die Gāyatrī das Kopfband - jener Vers, der einst beim Opfer des hochgesinnten Herrn (Śiva) verwendet worden war; das Jahr war der Bogen, die tönende Sāvitrī die Bogensehne.
Eine himmlische, kostbare, mit Juwelen geschmückte Rüstung war bereitet, unzerstörbar, staubfrei und dem Rad der Zeit entrückt. Der Berg Meru, der prächtige goldene Berg, war die Fahnenstange; die von Blitzen geschmückten Wolken waren die Banner, die inmitten der Opferpriester wie lodernde Feuer erstrahlten.
Wort für Wort
divyam ca varma vihitam
eine himmlische Rüstung war bereitet (Nom.)
mahārham
kostbar (Nom.)
ratnabhūṣitam
mit Juwelen geschmückt (Nom.)
abhedyam
unzerstörbar (Nom.)
virajaskam vai
staubfrei wahrlich (Nom.)
kālacakrabahiṣkṛtam
dem Rad der Zeit entrückt (Nom.)
dhvajayaṣṭiḥ
die Fahnenstange (Nom.)
abhūt
war (3.Sg.Impf.)
meruḥ
der Berg Meru (Nom.)
śrīmān kanakaparvataḥ
der prächtige goldene Berg (Nom.)
patākāḥ ca
und die Banner (Wendung)
abhavan
waren (3.Pl.Impf.)
meghāḥ
die Wolken (Nom. Pl.)
taḍidbhiḥ samalaṃkṛtāḥ
mit Blitzen geschmückt (Nom. Pl.)
rejuḥ
sie erstrahlten (3.Pl.Impf.)
adhvaryumadhyasthāḥ
inmitten der Opferpriester (Nom. Pl.)
jvalantaḥ iva pāvakāḥ
wie lodernde Feuer (Nom. Pl.)
[Anm.: Dem hier beginnenden Kapitelabschnitt (etwa ab V.83/84 des Grundtextes) folgt im Apparat eine sehr umfangreiche alternative Fassung derselben Wagenbeschreibung (Nebenüberlieferung, gekennzeichnet mit @002, entsprechend den Versen ca. 63cd-83cd), die inhaltlich weitgehend dasselbe Geschehen in anderer Formulierung wiedergibt. Sie wird hier, wie an vergleichbaren Stellen zuvor, aus Gründen der Redundanz nicht gesondert übersetzt.]
kḷptaṃ tu taṃ rathaṃ dṛṣṭvā vismitā devatābhavan / sarvalokasya tejāṃsi dṛṣṭvaikasthāni māriṣa / yuktaṃ nivedayām āsur devās tasmai mahātmane
Als sie den so bereiteten Wagen erblickten, waren die Gottheiten erstaunt; und da sie die Glanzkräfte aller Welten an einem Ort vereint sahen, o Verehrter, meldeten die Götter dem Hochgesinnten, dass alles bereit sei.
So, o großer König, o Tiger unter den Menschen, war jener vortreffliche, die Feinde zermalmende Wagen von den Göttern bereitet. Śaṃkara legte seine eigenen wichtigsten Waffen auf den Wagen; die zum Himmel emporragende Wagenstange versah er mit dem Stier (als Zeichen).
Der Brahma-Stab, der Zeit-Stab, der Rudra-Stab sowie das Fieber standen als Wagenbegleiter dieses Wagens, nach allen Richtungen bereit. Atharvan und Aṅgiras waren die Radhüter des Hochgesinnten; Ṛgveda, Sāmaveda und die Purāṇa-Überlieferung gingen ihm voran.
Wort für Wort
brahmadaṇḍaḥ kāladaṇḍaḥ rudradaṇḍaḥ tathā jvaraḥ
der Brahma-, Zeit- und Rudra-Stab sowie das Fieber (Nom.)
itihāsayajurvedau pṛṣṭharakṣau babhūvatuḥ / divyā vācaś ca vidyāś ca paripārśvacarāḥ kṛtāḥ / tottrādayaś ca rājendra vaṣaṭkāras tathaiva ca / oṃkāraś ca mukhe rājann atiśobhākaro 'bhavat
Itihāsa (die Geschichtsüberlieferung) und der Yajurveda wurden zu den Rückenhütern; himmlische Reden und Wissenschaften wurden zu Begleitern an seiner Seite gemacht. Der Stachelstock und dergleichen, o Herrscher der Könige, sowie der Vaṣaṭkāra-Ruf, und die Silbe Oṃ in seinem Munde, o König, verliehen ihm höchsten Glanz.
Nachdem er das durch die sechs Jahreszeiten wunderbare Jahr zum Bogen gemacht hatte, machte er seinen eigenen Schatten zur unerschöpflichen Bogensehne im Kampf; denn der erhabene Rudra ist die Zeit selbst, dessen Bogen das Jahr ist. Daher wurde die den Menschen todbringende, alterslose Nacht der Zeit zur Bogensehne dieses Bogens gemacht.
iṣuś cāpy abhavad viṣṇur jvalanaḥ soma eva ca / agnīṣomau jagat kṛtsnaṃ vaiṣṇavaṃ cocyate jagat / viṣṇuś cātmā bhagavato bhavasyāmitatejasaḥ / tasmād dhanurjyāsaṃsparśaṃ na viṣehur harasya te
Und der Pfeil war Viṣṇu sowie das Feuer und der Mond; Agni und Soma sind die gesamte Welt, und die Welt wird ‚vaiṣṇava‘, zu Viṣṇu gehörig, genannt. Viṣṇu ist die Seele des erhabenen Bhava von unermesslichem Glanz; daher konnten jene die Berührung von Haras Bogensehne nicht ertragen.
Wort für Wort
iṣuḥ
der Pfeil (Nom.)
ca api
und auch (Konj.)
abhavat
war (3.Sg.Impf.)
viṣṇuḥ
Viṣṇu (Nom.)
jvalanaḥ
das Feuer (Nom.)
somaḥ eva ca
und der Mond (Nom.)
agnīṣomau
Agni und Soma (Nom. Du.)
jagat kṛtsnam
die gesamte Welt (Nom.)
vaiṣṇavam
zu Viṣṇu gehörig (Nom.)
ca ucyate
und wird genannt (3.Sg.Präs. Pass.)
jagat
die Welt (Nom.)
viṣṇuḥ ca ātmā
und Viṣṇu ist die Seele (Nom.)
bhagavataḥ bhavasya
des erhabenen Bhava (Gen.)
amitatejasaḥ
von unermesslichem Glanz (Gen.)
tasmāt
daher (Adv.)
dhanurjyāsaṃsparśam
die Berührung der Bogensehne (Akk.)
na viṣehuḥ
sie konnten nicht ertragen (3.Pl.Perf.)
harasya
Haras (Gen.)
te
jene (Nom. Pl.)
[Anm.: An dieser Stelle (Vers 84 des Grundtextes) setzt im Apparat eine sehr umfangreiche alternative Fassung (@002) der gesamten vorangegangenen Wagenbeschreibung (etwa Verse 63cd-83cd) ein, die inhaltlich weitgehend dasselbe Geschehen noch einmal in anderer Formulierung erzählt. Da sie keinen wesentlich neuen Inhalt gegenüber der bereits übersetzten Fassung bietet, wird sie hier wie an vergleichbaren Stellen zuvor nicht gesondert wiedergegeben.]
In jenen Pfeil entließ der von scharfem Zorn erfüllte Gebieter das unerträgliche, aus dem Zorn von Bhṛgu und Aṅgiras entstandene, überaus unerträgliche Feuer des Zorns - bläulich-rot, rauchfarben, in ein Hirschfell gekleidet, furchterregend, zehntausend Sonnen gleich, von lodernden Glanzflammen umgeben, brennend.
Wort für Wort
tasmin śare
in jenen Pfeil (Lok.)
tigmamanyuḥ
von scharfem Zorn erfüllt (Nom.)
mumoca
entließ (3.Sg.Perf.)
aviṣaham
unerträglich (Akk.)
prabhuḥ
der Gebieter (Nom.)
bhṛgvaṅgiromanyubhavam
aus dem Zorn von Bhṛgu und Aṅgiras entstanden (Akk.)
duścyāvaś cyāvano jetā hantā brahmadviṣāṃ haraḥ / nityaṃ trātā ca hantā ca dharmādharmāśritāñ janān / pramāthibhir ghorarūpair bhīmodagrair gaṇair vṛtaḥ / vibhāti bhagavān sthāṇus tair evātmaguṇair vṛtaḥ
Unerschütterlich, der Erschütterer, der Bezwinger, der Vernichter der Brahmanen-Hasser - Hara, stets der Beschützer wie auch der Vernichter der Menschen, die sich Recht oder Unrecht zugewandt haben. Umgeben von seinen furchtbar gestalteten, schrecklich-gewaltigen Zerstörer-Scharen, erstrahlt der erhabene Sthāṇu, umgeben eben von diesen ihm eigenen Wesenszügen.
Wort für Wort
duścyāvaḥ
unerschütterlich (Nom.)
cyāvanaḥ
der Erschütterer (Nom.)
jetā
der Bezwinger (Nom.)
hantā
der Vernichter (Nom.)
brahmadviṣām
der Brahmanen-Hasser (Gen. Pl.)
haraḥ
Hara (Nom.)
nityam trātā ca hantā ca
stets Beschützer und Vernichter (Nom.)
dharmādharmāśritān janān
der Menschen, die sich Recht oder Unrecht zugewandt haben (Akk. Pl.)
pramāthibhiḥ ghorarūpaiḥ
von furchtbar gestalteten Zerstörer-Scharen (Instr.)
Auf seine Glieder gestützt ruht diese ganze Welt; das Bewegliche und Unbewegliche, o König, erstrahlte in wundersamem Anblick. Als er, gepanzert und den Bogen tragend, jenen himmlischen Wagen erblickt hatte, ergriff er jenen himmlischen Pfeil, der aus Soma, Viṣṇu und Agni entstanden war.
tam āsthāya mahādevas trāsayan daivatāny api / āruroha tadā yattaḥ kampayann iva rodasī / tam ārurukṣuṃ deveśaṃ tuṣṭuvuḥ paramarṣayaḥ / gandharvā devasaṃghāś ca tathaivāpsarasāṃ gaṇāḥ / maharṣibhiḥ stūyamāno vandyamānaś ca bandibhiḥ / upanṛttaś cāpsarasāṃ gaṇair nṛttaviśāradaiḥ
Auf ihn tretend, Furcht selbst unter den Gottheiten verbreitend, bestieg Mahādeva ihn da, bereit, gleichsam Himmel und Erde erzittern lassend. Den im Begriff war aufzusteigen, den Herrn der Götter, priesen die höchsten Weisen, die Gandharvas, die Scharen der Götter sowie die Scharen der Apsaras; von den großen Weisen gepriesen und von Sängern verehrt, wurde er von den tanzkundigen Scharen der Apsaras umtanzt.
Wort für Wort
tam āsthāya
auf ihn tretend (Ger.)
mahādevaḥ
Mahādeva (Nom.)
trāsayan
Furcht verbreitend (Nom.)
daivatāni api
selbst unter den Gottheiten (Akk.)
āruroha
bestieg (3.Sg.Perf.)
tadā yattaḥ
da bereit (Nom.)
kampayan iva
gleichsam erzittern lassend (Nom.)
rodasī
Himmel und Erde (Akk. Du.)
tam ārurukṣum
den im Begriff aufzusteigen (Akk.)
deveśam
den Herrn der Götter (Akk.)
tuṣṭuvuḥ
sie priesen (3.Pl.Perf.)
paramarṣayaḥ
die höchsten Weisen (Nom. Pl.)
gandharvāḥ devasaṃghāḥ ca
die Gandharvas und die Scharen der Götter (Nom. Pl.)
tam abruvan devagaṇā yaṃ bhavān saṃniyokṣyate / sa bhaviṣyati deveśa sārathis te na saṃśayaḥ / tān abravīt punar devo mattaḥ śreṣṭhataro hi yaḥ / taṃ sārathiṃ kurudhvaṃ me svayaṃ saṃcintya māciram
Da sprachen die Götterscharen zu ihm: ‚Wen immer du, o Gebieter, dazu bestimmen wirst, der wird dein Wagenlenker sein, o Herr der Götter, daran besteht kein Zweifel.‘ Da sprach der Gott abermals zu ihnen: ‚Wer besser ist als ich - den macht, selbst nach eigenem Ermessen, ohne Verzug, zu meinem Wagenlenker.‘
Nachdem die Götter dieses vom Hochgesinnten gesprochene Wort vernommen hatten, gingen sie zum Gott, dem Großvater, und sprachen ihn gütlich stimmend also an:
deva tvayedaṃ kathitaṃ tridaśārinibarhaṇam / tathā ca kṛtam asmābhiḥ prasanno vṛṣabhadhvajaḥ / rathaś ca vihito 'smābhir vicitrāyudhasaṃvṛtaḥ / sārathiṃ tu na jānīmaḥ kaḥ syāt tasmin rathottame
‚O Gott, von dir wurde die Vernichtung der Feinde der Dreißig Götter verkündet; und so haben wir es getan - zufrieden ist der Stier-Bannerträger. Und der Wagen wurde von uns bereitet, mit mancherlei Waffen umgeben; einen Wagenlenker aber wissen wir nicht, wer es sein könnte für diesen vortrefflichen Wagen.
Wort für Wort
deva
o Gott (Vok.)
tvayā idam kathitam
von dir wurde dies verkündet (Nom.)
tridaśārinibarhaṇam
die Vernichtung der Feinde der Dreißig Götter (Nom.)
tathā ca kṛtam asmābhiḥ
und so haben wir es getan (Nom.)
prasannaḥ vṛṣabhadhvajaḥ
zufrieden ist der Stier-Bannerträger (Nom.)
rathaḥ ca vihitaḥ asmābhiḥ
und der Wagen wurde von uns bereitet (Nom.)
vicitrāyudhasaṃvṛtaḥ
mit mancherlei Waffen umgeben (Nom.)
sārathim tu na jānīmaḥ
einen Wagenlenker aber wissen wir nicht (1.Pl.Präs.)
kaḥ syāt
wer es sein könnte (Opt. 3.Sg.)
tasmin rathottame
für diesen vortrefflichen Wagen (Lok.)
[Anm.: Hier beginnt die Bitte der Götter an Brahmā, selbst Śivas Wagenlenker zu werden (V.98-106).]
tasmād vidhīyatāṃ kaś cit sārathir devasattama / saphalāṃ tāṃ giraṃ deva kartum arhasi no vibho / evam asmāsu hi purā bhagavann uktavān asi / hitaṃ kartāsmi bhavatām iti tat kartum arhasi
Darum möge, o Bester der Götter, irgendein Wagenlenker bestimmt werden; du solltest, o Gott, o Gebieter, jenes Wort für uns zur Erfüllung bringen. So hast du, o Erhabener, einst zu uns gesprochen: ‚Ich werde euch Gutes tun‘ - das solltest du jetzt erfüllen.
sa deva yukto rathasattamo no durāvaro drāvaṇaḥ śātravāṇām / pinākapāṇir vihito 'tra yoddhā vibhīṣayan dānavān udyato 'sau / tathaiva vedāś caturo hayāgryā dharā saśailā ca ratho mahātman / nakṣatravaṃśo 'nugato varūthe yasmin yoddhā sārathinābhirakṣyaḥ
Dieser unser vortrefflicher, bereiteter Wagen, o Gott, ist schwer zu bändigen und lässt die Feinde erzittern; als Streiter ist hier der den Pināka-Bogen Tragende bereitgestellt, der schon bereitsteht, die Dānavas in Schrecken zu versetzen. Ebenso sind die vier Veden die vortrefflichen Rosse, und die Erde mit ihren Bergen der Wagen, o Hochgesinnter; der Sternenkranz folgt in der Wagendecke - auf ihm ist der Streiter, von einem Wagenlenker zu beschützen.
tatra sārathir eṣṭavyaḥ sarvair etair viśeṣavān / tatpratiṣṭho ratho deva hayā yoddhā tathaiva ca / kavacāni ca śastrāṇi kārmukaṃ ca pitāmaha / tvām ṛte sārathiṃ tatra nānyaṃ paśyāmahe vayam / tvaṃ hi sarvair guṇair yukto devatābhyo 'dhikaḥ prabho
Dafür wird ein Wagenlenker gesucht, ausgezeichnet vor all diesen Dingen; denn auf ihm beruhen der Wagen, o Gott, die Rosse und ebenso der Streiter, die Rüstungen und Waffen und der Bogen, o Großvater. Außer dir sehen wir dafür keinen anderen Wagenlenker; denn du bist mit allen Vorzügen begabt und den Gottheiten überlegen, o Gebieter.
Du, o Gott, bist in dieser Welt imstande, diese dahinstürmenden, den Upaniṣaden verbundenen Ross-Veden zu lenken - werde du selbst unser Wagenlenker! An Kraft, Tugend, Alter und Bescheidenheit für den Kampf muss der Wagenlenker überlegen sein; und es gibt keinen anderen, der überlegener wäre als du.
Wort für Wort
tvam deva śaktaḥ
du, o Gott, bist imstande (Nom.)
loke asmin
in dieser Welt (Lok.)
niyantum
zu lenken (Inf.)
pradrutān imān
diese dahinstürmenden (Akk. Pl.)
vedāśvān
die Ross-Veden (Akk. Pl.)
sopaniṣadaḥ
den Upaniṣaden verbunden (Akk. Pl.)
sārathiḥ bhava naḥ svayam
werde selbst unser Wagenlenker (Imp. 2.Sg.)
yoddhum
für den Kampf (Inf.)
balena sattvena vayasā vinayena ca
an Kraft, Tugend, Alter und Bescheidenheit (Instr.)
adhikaḥ sārathiḥ kāryaḥ
überlegen muss der Wagenlenker sein (Nom.)
na asti ca anyaḥ adhikaḥ bhavān
und es gibt keinen anderen, der überlegener wäre als du (Wendung)
sa bhavāṃs tārayatv asmān kuru sārathyam avyaya / bhavān abhyadhikas tvatto nānyo 'sti bhavitā tv iha / tvaṃ hi deveśa sarvais tu viśiṣṭo vadatāṃ vara / taṃ rathaṃ tvaṃ samāruhya saṃyaccha paramān hayān
So mögest du uns hinüberretten, Unvergänglicher; übernimm das Amt des Wagenlenkers! Du bist überlegen, keiner außer dir wird es hier sein; denn du, o Herr der Götter, bist vor allen ausgezeichnet, o Bester der Redner. Besteige jenen Wagen und lenke die höchsten Rosse!
Wort für Wort
saḥ bhavān tārayatu asmān
so mögest du uns hinüberretten (Imp. 3.Sg.)
kuru sārathyam
übernimm das Amt des Wagenlenkers (Imp. 2.Sg.)
avyaya
o Unvergänglicher (Vok.)
bhavān abhyadhikaḥ tvattaḥ
du bist überlegen im Vergleich zu dir selbst [d.h. schlechthin überlegen] (Wendung)
tava prasādād vadhyeyur deva daivatakaṇṭakāḥ / sa no rakṣa mahābāho daityebhyo mahato bhayāt / tvaṃ hi no gatir avyagra tvaṃ no goptā mahāvrata / tvatprasādāt surāḥ sarve pūjyante tridive prabho
Durch deine Gnade mögen die Dornen der Götter (die Feinde) getötet werden, o Gott; so beschütze uns, Starkarmiger, vor der großen Furcht vor den Daityas! Du bist unsere Zuflucht, Unbeirrter, du unser Beschützer, o an großen Gelübden Reicher; durch deine Gnade werden alle Götter im Dreifachhimmel verehrt, o Gebieter.
Besteige eilends den Platz des Wagenlenkers, lenke die höchsten Rosse - zum Sieg der Herren der drei Himmel, zur Vernichtung der Feinde der Dreißig Götter!‘ So, mit dem Haupte sich verneigend vor dem Großvater, dem Herrn der drei Welten, stimmten die Götter ihn gütlich, damit er das Amt des Wagenlenkers übernehme - so haben wir gehört.
Wort für Wort
sārathye
auf den Platz des Wagenlenkers (Lok.)
tūrṇam āroha
besteige eilends (Imp. 2.Sg.)
saṃyaccha paramān hayān
lenke die höchsten Rosse (Imp. 2.Sg.)
jayāya tridiveśānām
zum Sieg der Herren der drei Himmel (Dat.)
vadhāya tridaśadviṣām
zur Vernichtung der Feinde der Dreißig Götter (Dat.)
‚So ist dies wahr, ihr Götter: Kein anderer ist überlegener. Ich werde das Amt des Wagenlenkers für den hochgesinnten Śaṃkara übernehmen; stets soll ja der Wagenlenker dem Wagenkämpfer an Vortrefflichkeit überlegen sein. Darum, dies der Wahrheit gemäß erkennend und da ihr alle versammelt seid, will ich, o Weise, für den Bezwinger der Zeit die Rosse führen.
Wort für Wort
evam etat
so ist dies (Nom.)
surāḥ
o Götter (Vok.)
tathyam
wahr (Nom.)
na anyaḥ tu abhyadhikaḥ
kein anderer ist überlegener (Wendung)
bhavān
(unpersönlich, s. Anm. zur folgenden Einheit)
sārathitvam kariṣyāmi
ich werde das Amt des Wagenlenkers übernehmen (1.Sg.Fut.)
nātra kiṃ cin mṛṣā vākyaṃ yad uktaṃ vo divaukasaḥ / saṃyacchāmi hayān eṣa yudhyato vai kapardinaḥ
Es ist hierin nichts Falsches an dem Wort, das ihr, Himmlische, gesprochen habt; ich werde die Rosse lenken für den kämpfenden Kapardin (Śiva).‘
Wort für Wort
na atra kiṃcit mṛṣā vākyam
nichts Falsches an dem Wort hierin (Nom.)
yat uktam vaḥ divaukasaḥ
das ihr, Himmlische, gesprochen habt (Wendung)
saṃyacchāmi hayān
ich werde die Rosse lenken (1.Sg.Präs.)
eṣa
eben dieser (Wendung)
yudhyataḥ vai kapardinaḥ
für den kämpfenden Kapardin/Śiva (Gen.)
[Anm.: Die genaue grammatische Beziehung von ‚bhavān‘ in der vorangehenden Einheit bleibt unklar [?]; sinngemäß bestätigt Brahmā hier, dass er selbst - wie von den Göttern erbeten - Śivas Wagenlenker sein wird.]
So gesprochen habend, band der Urgroßvater seine Haarflechten fest zusammen, legte ein straffes Antilopenfell an und setzte seinen Wasserkrug ab; und der Erhabene, die Peitsche in der Hand, bestieg da den Wagen.
Da wurde der erhabene Gott, der Weltenschöpfer, der Großvater, von den Göttern zum Wagenlenker des hochgesinnten Īśāna bestimmt. Als er rasch den von der Welt verehrten Wagen bestieg, eilten jene windschnellen Rosse sogleich mit vorgestreckten Häuptern voran.
āruhya bhagavān devo dīpyamānaḥ svatejasā / abhīṣūn hi pratodaṃ ca saṃjagrāha pitāmahaḥ / maheśvare tv āruhati jānubhyām agaman mahīm / ubhābhyāṃ lokanāthābhyām āsthitaṃ rathasattamam / voḍhuṃ na śaktā vedāśvā jānubhyām apatan mahīm
Nachdem der erhabene Gott, in eigenem Glanz erstrahlend, aufgestiegen war, ergriff der Großvater die Zügel und die Peitsche. Doch als Maheśvara aufstieg, sank der Wagen auf die Knie zur Erde nieder; unfähig, den von den beiden Weltherren bestiegenen vortrefflichen Wagen zu tragen, fielen die aus den Veden gebildeten Rosse auf die Knie zur Erde.
abhīśūn hi trilokeśaḥ saṃgṛhya prapitāmahaḥ / tān aśvāṃś codayām āsa manomārutaraṃhasaḥ / abhīśubhis tu bhagavān udyamya ca hayān vibhuḥ / astu vīryaṃ ca śauryaṃ ca vedāśvānām iti prabhuḥ / rathaṃ saṃcodayām āsa devānāṃ prabhur avyayaḥ
Da ergriff der Urgroßvater, der Herr der drei Welten, die Zügel und trieb jene windes- und gedankenschnellen Rosse an; mit den Zügeln die Rosse aufrichtend, sprach der Gebieter: ‚Kraft und Heldenmut sei den Ross-Veden!‘ - und der unvergängliche Gebieter der Götter trieb so den Wagen an.
tato 'dhirūḍhe varade prayāte cāsurān prati / sādhu sādhv iti viśveśaḥ smayamāno 'bhyabhāṣata / yāhi deva yato daityāś codayāśvān atandritaḥ / paśya bāhvor balaṃ me 'dya nighnataḥ śātravān raṇe
Als der Gaben-Gebende so aufgestiegen war und gegen die Asuras auszog, sprach der Herr des Alls lächelnd: ‚Wohlgetan, wohlgetan!‘ ‚Fahre, o Gott, dorthin, wo die Daityas sind, treibe die Rosse an, unermüdlich; sieh die Kraft meiner Arme heute, wie ich im Kampf die Feinde erschlage.‘
Wort für Wort
tataḥ
darauf (Adv.)
adhirūḍhe varade
als der Gaben-Gebende aufgestiegen war (Lok. Abs.)
prayāte
als er auszog (Lok. Abs.)
ca asurān prati
gegen die Asuras (Wendung)
sādhu sādhu
wohlgetan, wohlgetan (Ausruf)
iti viśveśaḥ
so der Herr des Alls (Nom.)
smayamānaḥ
lächelnd (Nom.)
abhyabhāṣata
sprach (3.Sg.Impf. Med.)
yāhi deva
fahre, o Gott (Imp. 2.Sg.)
yataḥ daityāḥ
dorthin wo die Daityas sind (Wendung)
codaya aśvān
treibe die Rosse an (Imp. 2.Sg.)
atandritaḥ
unermüdlich (Nom.)
paśya bāhvoḥ balam me
sieh die Kraft meiner Arme (Akk.)
adya nighnataḥ
heute erschlagend (Gen./Nom.)
śātravān raṇe
die Feinde im Kampf (Akk.)
[Anm.: Hier spricht Śiva zunächst kurz seine Zustimmung aus (‚Wohlgetan‘) und richtet dann, mit eigenem SQ-Zitat, die Aufforderung zur Eile an Brahmā als Wagenlenker.]
Da trieb er (Brahmā) jene an Geschwindigkeit dem Windessturm gleichen Rosse an, hin zu den im Luftraum stehenden Städten der kraftvollen Dānavas, wo jenes von Daityas und Dānavas bewachte Tripura war, o König. Da erhoben sich jene als Veden bezeichneten Wagenrosse jäh und brachten den Gebieter binnen eines Augenblicks zu jenen Städten der Daityas; gleichsam den Luftraum verschlingend, gelangte der Erhabene mit jenen von der Welt verehrten Rossen rasch dorthin, zum Sieg der Bewohner des Dreifachhimmels.
Wort für Wort
tataḥ
darauf (Adv.)
tān codayām āsa
er trieb sie an (3.Sg.Perf. periphr.)
vāyuvegasamān
dem Windessturm an Geschwindigkeit gleich (Akk. Pl.)
prayāte ratham āsthāya tripurābhimukhe bhave / nanāda sumahānādaṃ vṛṣabhaḥ pūrayan diśaḥ / vṛṣabhasyāsya ninadaṃ śrutvā bhayaṃkaraṃ mahat / vināśam agamaṃs tatra tārakāḥ suraśatravaḥ / apare 'vasthitās tatra yuddhāyābhimukhās tadā / tataḥ sthāṇur mahārāja śūladhṛk krodhamūrchitaḥ / trastāni sarvabhūtāni trailokyaṃ bhūḥ prakampate / nimittāni ca ghorāṇi tatra saṃdadhataḥ śaram / tasmin somāgniviṣṇūnāṃ kṣobheṇa brahmarudrayoḥ / sa ratho dhanuṣaḥ kṣobhād atīva hy avasīdati / tato nārāyaṇas tasmāc charabhāgād viniḥsṛtaḥ / vṛṣarūpaṃ samāsthāya ujjahāra mahāratham / sīdamāne rathe caiva nardamāneṣu śatruṣu / sa saṃbhramāt tu bhagavān nādaṃ cakre mahābalaḥ / vṛṣabhasya sthito mūrdhni hayapṛṣṭhe ca mānada / tadā sa bhagavān rudro niraikṣad dānavaṃ puram / vṛṣabhasyāsthito rudro hayasya ca narottama / stanāṃs tadāśātayata khurāṃś caiva dvidhākarot / tataḥ prabhṛti bhadraṃ te gavāṃ dvaidhīkṛtāḥ khurāḥ / hayānāṃ ca stanā rājaṃs tadā prabhṛti nābhavan / pīḍitānāṃ balavatā rudreṇādbhutakarmaṇā
Als der Wagen aufgebrochen war und sich, mit Bhava darauf, Tripura zuwandte, brüllte der Stier einen gewaltigen, die Himmelsrichtungen erfüllenden Schrei. Als sie diesen furchtbaren, gewaltigen Schrei des Stieres vernahmen, gingen die dort befindlichen Tārakas, die Feinde der Götter, zugrunde; andere aber standen dort kampfbereit. Da geriet Sthāṇu, der Speerträger, o großer König, in rasenden Zorn; alle Wesen erzitterten, die drei Welten und die Erde bebten. Und während er dort, von furchtbaren Vorzeichen begleitet, den Pfeil auflegte, sank - durch die Erschütterung von Soma, Agni und Viṣṇu sowie durch die Erregung Brahmās und Rudras - der Wagen unter der Wucht des Bogens gewaltig ein. Da trat Nārāyaṇa aus jenem Pfeilbereich hervor, nahm Stiergestalt an und hob den großen Wagen empor. Während der Wagen einsank und die Feinde brüllten, stieß der erhabene, gewaltige Gott vor Verwirrung einen lauten Schrei aus, stehend auf dem Haupt des Stiers und auf dem Rücken des Pferdes, o Ehrenspender. Da erblickte der erhabene Rudra die Dānava-Stadt; auf dem Stier und auf dem Pferd stehend zerschlug Rudra, o Bester der Menschen, deren Zitzen und spaltete ihre Hufe entzwei. Seitdem, Heil sei dir, sind die Hufe der Kühe gespalten, und seitdem haben die Pferde, o König, keine Zitzen mehr - so bedrängt von dem Mächtigen, dem Wunder Wirkenden, Rudra.
Wort für Wort
prayāte ratham āsthāya
als der Wagen aufgebrochen war (Lok. Abs.)
tripurābhimukhe bhave
als Bhava sich Tripura zuwandte (Lok. Abs.)
nanāda sumahānādam
brüllte einen gewaltigen Schrei (3.Sg.Perf.)
vṛṣabhaḥ
der Stier (Nom.)
pūrayan diśaḥ
die Himmelsrichtungen erfüllend (Nom.)
vṛṣabhasya asya ninadam
den Schrei dieses Stieres (Akk.)
śrutvā bhayaṃkaram mahat
vernommen habend, furchtbar und gewaltig (Ger./Akk.)
vināśam agaman
gingen zugrunde (3.Pl.Impf.)
tatra tārakāḥ suraśatravaḥ
die dortigen Tārakas, Feinde der Götter (Nom. Pl.)
apare avasthitāḥ tatra
andere dort befindlich (Nom. Pl.)
yuddhāya abhimukhāḥ tadā
damals kampfbereit (Nom. Pl.)
tataḥ sthāṇuḥ mahārāja
da Sthāṇu, o großer König (Nom.)
śūladhṛk krodhamūrchitaḥ
der Speerträger, von Zorn überwältigt (Nom.)
trastāni sarvabhūtāni
alle Wesen erzitterten (Nom. Pl.)
trailokyam bhūḥ prakampate
die drei Welten, die Erde bebt (3.Sg.Präs.)
nimittāni ca ghorāṇi
und furchtbare Vorzeichen (Nom. Pl.)
tatra saṃdadhataḥ śaram
während er dort den Pfeil auflegte (Gen./Nom.)
tasmin
dabei (Lok.)
somāgniviṣṇūnām kṣobheṇa
durch die Erschütterung von Soma, Agni und Viṣṇu (Instr.)
brahmarudrayoḥ
Brahmās und Rudras (Gen. Du.)
saḥ rathaḥ
jener Wagen (Nom.)
dhanuṣaḥ kṣobhāt
durch die Erschütterung des Bogens (Abl.)
atīva hi avasīdati
sank gewaltig ein (3.Sg.Präs.)
tataḥ nārāyaṇaḥ
da Nārāyaṇa (Nom.)
tasmāt śarabhāgāt viniḥsṛtaḥ
aus jenem Pfeilbereich hervorgetreten (Nom.)
vṛṣarūpam samāsthāya
Stiergestalt angenommen habend (Ger.)
ujjahāra mahāratham
hob den großen Wagen empor (3.Sg.Impf.)
sīdamāne rathe
während der Wagen einsank (Lok. Abs.)
ca eva nardamāneṣu śatruṣu
und während die Feinde brüllten (Lok. Abs.)
saḥ saṃbhramāt tu bhagavān
er aber, der Erhabene, vor Verwirrung (Nom.)
nādam cakre mahābalaḥ
stieß einen Schrei aus, der gewaltige (3.Sg.Perf. Med.)
vṛṣabhasya sthitaḥ mūrdhni
stehend auf dem Haupt des Stiers (Nom.)
hayapṛṣṭhe ca
und auf dem Rücken des Pferdes (Wendung)
mānada
o Ehrenspender (Vok.)
tadā saḥ bhagavān rudraḥ
da der erhabene Rudra (Nom.)
niraikṣat dānavam puram
erblickte die Dānava-Stadt (3.Sg.Impf.)
vṛṣabhasya āsthitaḥ rudraḥ
auf dem Stier stehend, Rudra (Nom.)
hayasya ca
und auf dem Pferd (Wendung)
narottama
o Bester der Menschen (Vok.)
stanān tadā aśātayata
zerschlug deren Zitzen (3.Sg.Impf.)
khurān ca eva dvidhākarot
und spaltete die Hufe entzwei (3.Sg.Impf.)
tataḥ prabhṛti bhadram te
seitdem, Heil sei dir (Wendung)
gavām dvaidhīkṛtāḥ khurāḥ
der Kühe gespaltene Hufe (Nom. Pl.)
hayānām ca stanāḥ
und der Pferde Zitzen (Nom. Pl.)
rājan
o König (Vok.)
tadā prabhṛti na abhavan
gab es seitdem nicht mehr (Wendung)
pīḍitānām balavatā rudreṇa adbhutakarmaṇā
so bedrängt von dem mächtigen, Wunder wirkenden Rudra (Instr.)
[Anm.: Diese Episode (der zeitweilig einsinkende Wagen, Nārāyaṇas Erscheinen als tragender Stier, und die Ätiologie der gespaltenen Kuhhufe sowie des Fehlens von Zitzen bei Pferden) findet sich nicht im Haupttext, sondern nur in einer längeren Apparatzeile (08,024.111d@004_0001 bis @004_0021), die hier - abweichend von sonst rein duplizierenden Nebenüberlieferungen - als inhaltlich eigenständige Ergänzung mit übersetzt wird, da sie einzigartige, sonst nicht überlieferte Erzählzüge enthält.]
Sodann, den Bogen gespannt und jenen Pfeil aufgelegt, richtete Śarva, ihn mit der Pāśupata-Waffe verbindend, sein Sinnen auf Tripura. Als er, der Zornige, so dastand, den Bogen bereithaltend, o König, gerieten jene Städte damals rechtzeitig in Einswerdung.
Als Tripura zur Einheit gelangt war und sich vereint hatte, erhob sich tosender Jubel unter den hochgesinnten Gottheiten. Da stießen alle Götterscharen, die Vollendeten und die höchsten Weisen, freudig und lobpreisend, Rufe des Sieges aus.
Wort für Wort
ekībhāvam gate
als es zur Einheit gelangt war (Lok. Abs.)
ca eva tripure samupāgate
und als Tripura vereint war (Lok. Abs.)
babhūva tumulaḥ harṣaḥ
erhob sich tosender Jubel (3.Sg.Perf.)
daivatānām mahātmanām
der hochgesinnten Gottheiten (Gen. Pl.)
tataḥ devagaṇāḥ sarve
da alle Götterscharen (Nom. Pl.)
siddhāḥ ca paramarṣayaḥ
die Vollendeten und die höchsten Weisen (Nom. Pl.)
tato 'grataḥ prādurabhūt tripuraṃ jaghnuṣo 'surān / anirdeśyogravapuṣo devasyāsahyatejasaḥ / trīṇi dṛṣṭvaikasaṃsthāni purāṇy atha pinākadhṛk / sa tad vikṛṣya bhagavān divyaṃ lokeśvaro dhanuḥ / trailokyasāraṃ tam iṣuṃ mumoca tripuraṃ prati
Da erschien vor dem Gott, der die Asuras erschlug, dessen furchtbare Gestalt unbeschreiblich und dessen Glanz unerträglich war, Tripura. Als der Speerträger die drei Städte an einem Ort vereint sah, spannte der erhabene Herr der Welt jenen himmlischen Bogen zurück und schoss jenen Pfeil, den Kernkraft der drei Welten, auf Tripura ab.
Wort für Wort
tataḥ agrataḥ prādurabhūt
da erschien davor (3.Sg.Impf.)
tripuram
Tripura (Nom.)
jaghnuṣaḥ asurān
dem die Asuras erschlagenden (Gen./Dat.)
anirdeśyogravapuṣaḥ
dessen furchtbare Gestalt unbeschreiblich (Gen.)
devasya asahyatejasaḥ
des Gottes von unerträglichem Glanz (Gen.)
trīṇi dṛṣṭvā ekasaṃsthāni
die drei an einem Ort vereint gesehen habend (Ger./Akk.)
utsṛṣṭe vai mahābhāga tasminn iṣuvare tadā / mahān ārtasvaro hy āsīt purāṇāṃ patatāṃ bhuvi / ekabāṇena tad devas tripuraṃ parameśvaraḥ / nijaghne sāsuragaṇaṃ devadevo maheśvaraḥ
Als jener vortreffliche Pfeil entsandt war, o Hochbeglückter, erhob sich ein gewaltiger Schmerzensschrei der zu Boden fallenden Städte. Mit einem einzigen Pfeil erschlug jener Gott, der höchste Herr, Tripura samt seiner Asura-Schar, der Gott der Götter, der große Herr.
bāṇatejognidagdhe tat praviśīrṇaṃ sahasradhā / mahad ārtasvaraṃ kṛtvā nāvaśeṣam upāgatam / tat sāsuragaṇaṃ dagdhvā prākṣipat paścimārṇave / evaṃ tat tripuraṃ dagdhaṃ dānavāś cāpy aśeṣataḥ / maheśvareṇa kruddhena trailokyasya hitaiṣiṇā
Von der Glut des Pfeiles und des Feuers verbrannt, zerbarst es tausendfach, stieß einen gewaltigen Schmerzensschrei aus und verschwand ohne Rest. Nachdem er es samt seiner Asura-Schar verbrannt hatte, warf er es in den westlichen Ozean. So wurde jenes Tripura verbrannt, und die Dānavas gänzlich mit ihm, von dem zornigen Maheśvara, der das Wohl der drei Welten suchte.
Wort für Wort
bāṇatejognidagdhe
von der Glut des Pfeiles und des Feuers verbrannt (Lok.)
tat praviśīrṇam sahasradhā
es zerbarst tausendfach (Nom.)
mahat ārtasvaram kṛtvā
einen gewaltigen Schmerzensschrei ausgestoßen habend (Ger.)
sa cātmakrodhajo vahnir hāhety uktvā nivāritaḥ / trailokyam avaśeṣeṇa punar dagdhuṃ pracakrame / kālāgnim iva nirdagdhum utthitaṃ taṃ punaḥ punaḥ / mā kārṣīr bhasmasāl lokān iti tryakṣo 'bravīc ca tam
Doch das aus seinem eigenen Zorn entstandene Feuer, mit dem Ruf ‚Wehe!‘ zurückgehalten, begann darauf, die verbliebenen drei Welten abermals zu verbrennen; wie das Feuer der Weltzerstörung erhob es sich wieder und wieder, um alles zu verbrennen. Da sprach der Dreiäugige zu ihm: ‚Verwandle die Welten nicht zu Asche!‘
Wort für Wort
saḥ ca ātmakrodhajaḥ vahniḥ
das aus seinem eigenen Zorn entstandene Feuer (Nom.)
Da, in ihren natürlichen Zustand zurückversetzt, priesen die Götter, die Welten und die Weisen Sthāṇu, den an Kraft Unvergleichlichen, mit bedeutsamen Worten. Von dem Erhabenen entlassen, gingen sie alle, wie sie gekommen waren, zurück, ihre Wünsche erfüllt durch den Gnädigen - die Götter, angeführt von Prajāpati. So bewirkte der erhabene Gott, der Weltenschöpfer, der große Herr, der Anführer der Götter- und Asura-Scharen, das Heil der Welten.
Wort für Wort
tataḥ prakṛtim āpannāḥ
in ihren natürlichen Zustand zurückversetzt (Nom. Pl.)
devāḥ lokāḥ tathā ṛṣayaḥ
die Götter, die Welten und die Weisen (Nom. Pl.)
tuṣṭuvuḥ vāgbhiḥ arthyābhiḥ
priesen mit bedeutsamen Worten (3.Pl.Perf.)
sthāṇum apratimaujasam
Sthāṇu, den an Kraft Unvergleichlichen (Akk.)
te anujñātāḥ bhagavatā
sie, entlassen von dem Erhabenen (Nom. Pl.)
jagmuḥ sarve yathāgatam
gingen alle zurück, wie sie gekommen waren (3.Pl.Perf.)
kṛtakāmāḥ prasannena
ihre Wünsche erfüllt durch den Gnädigen (Nom. Pl.)
So wie der erhabene Brahmā, der Weltenordner, der Großvater, der höchste Unvergängliche, dort das Amt des Wagenlenkers für Rudra übernahm - so sollst auch du eilends, gleichwie der Großvater für Rudra, aus eigenem Antrieb, um der Welten willen, die Rosse dieses hochgesinnten Sohnes der Rādhā lenken.
Wort für Wort
yathā eva bhagavān brahmā
so wie der erhabene Brahmā (Nom.)
lokadhātā pitāmahaḥ
der Weltenordner, der Großvater (Nom.)
sārathyam akarot tatra
übernahm dort das Amt des Wagenlenkers (3.Sg.Impf.)
rudrasya
für Rudra (Gen.)
paramaḥ avyayaḥ
der höchste Unvergängliche (Nom.)
tathā bhavān api kṣipram
so sollst auch du eilends (Nom.)
rudrasya iva pitāmahaḥ
gleichwie der Großvater für Rudra (Nom.)
svayam lokatrayam sraṣṭā
aus eigenem Antrieb, gleich dem Schöpfer der drei Welten (Nom.)
lokānām hitakāmyayā
um der Welten willen (Instr.)
saṃyaccha tvam hayān asya
lenke du die Rosse dieses (Imp. 2.Sg.)
rādheyasya mahātmanaḥ
des hochgesinnten Sohnes der Rādhā (Gen.)
[Anm.: Hier wendet sich Duryodhana, ohne dass eine neue Sprecherkennzeichnung im Text steht, wieder unmittelbar an Śalya selbst und zieht die Parallele zwischen Brahmās Wagenlenkeramt für Rudra und der von Śalya erbetenen Rolle als Karṇas Wagenlenker.]
tvaṃ hi kṛṣṇāc ca karṇāc ca phalgunāc ca viśeṣataḥ / balato rūpato yogād astrasaṃpada eva ca / samāsaktaṃ mahīpāla kuru me hitam īpsitam / viśiṣṭo rājaśārdūla nāsti tatra vicāraṇā
Du bist nämlich Kṛṣṇa, Karṇa und besonders Phalguna an Kraft, Schönheit, innerer Vereinigung und auch an Waffenreichtum überlegen, o Herrscher der Erde; erfülle mir das damit eng verbundene, ersehnte Wohl, o Tiger unter den Königen - daran besteht kein Zweifel.
Im Kampf gleicht dieser Karṇa Rudra, und du, o Schuldloser, gleichst Brahmā; daher seid ihr beide imstande, meine Feinde zu besiegen, wie einst jene beiden die Asuras. So wie dieser Karṇa heute, o Śalya, den Weißpferdigen, dessen Wagenlenker Kṛṣṇa ist, den Sohn Kuntīs, niederwerfen und töten möge - so möge es rasch bewirkt werden.
Wort für Wort
yuddhe hi
denn im Kampf (Lok.)
ayam rudrakalpaḥ
dieser gleicht Rudra (Nom.)
tvam ca brahmasamaḥ
und du gleichst Brahmā (Nom.)
anagha
o Schuldloser (Vok.)
tasmāt śaktau yuvām
daher seid ihr beide imstande (Nom. Du.)
jetum macchatrūn
meine Feinde zu besiegen (Inf./Akk.)
tau iva asurān
wie jene die Asuras (Wendung)
yathā śalya adya
so wie, o Śalya, heute (Wendung)
karṇaḥ ayam
dieser Karṇa (Nom.)
śvetāśvam kṛṣṇasārathim
den Weißpferdigen, dessen Wagenlenker Kṛṣṇa ist (Akk.)
pramathya hanyāt kaunteyam
niederwerfen und töten möge den Sohn Kuntīs (Opt. 3.Sg.)
tvayi madreśa rājyāśā jīvitāśā tathaiva ca / vijayaś ca tathaivādya karṇasācivyakāritaḥ / tvayā rājyaṃ sukhaṃ caiva jīvitaṃ jayam eva ca / samāsaktaṃ mahīpāla kuru me hitam īpsitam / saṃyacchāsya hayān rājan matpriyārthaṃ paraṃtapa / tvayi karṇaś ca rājyaṃ ca vayaṃ caiva pratiṣṭhitāḥ / vijayaś caiva saṃgrāme saṃyacchādya hayottamān
Auf dir, o Herr von Madra, beruht die Hoffnung auf das Königreich, ebenso die Hoffnung auf Leben, und heute auch der durch Karṇas Waffenbrüderschaft errungene Sieg; durch dich hängen Königreich, Glück, Leben und Sieg zusammen, o Herrscher der Erde - erfülle mir das ersehnte Wohl. Lenke seine Rosse, o König, mir zuliebe, du Bezwinger der Feinde. Auf dir beruhen Karṇa, das Königreich und wir selbst, und ebenso der Sieg im Kampf - lenke heute die vortrefflichen Rosse.
Wort für Wort
tvayi madreśa
auf dir, o Herr von Madra (Lok.)
rājyāśā jīvitāśā tathā eva ca
die Hoffnung auf Königreich und ebenso auf Leben (Nom.)
vijayaḥ ca tathā eva adya
und ebenso heute der Sieg (Nom.)
karṇasācivyakāritaḥ
durch Karṇas Waffenbrüderschaft errungen (Nom.)
tvayā rājyam sukham ca eva
durch dich Königreich und Glück (Instr./Nom.)
jīvitam jayam eva ca
Leben und Sieg (Nom.)
samāsaktam mahīpāla
damit verbunden, o Herrscher der Erde (Nom.)
kuru me hitam īpsitam
erfülle mir das ersehnte Wohl (Imp. 2.Sg.)
saṃyaccha asya hayān
lenke seine Rosse (Imp. 2.Sg.)
rājan
o König (Vok.)
matpriyārtham paraṃtapa
mir zuliebe, du Bezwinger der Feinde (Vok.)
tvayi karṇaḥ ca rājyam ca vayam ca eva pratiṣṭhitāḥ
auf dir beruhen Karṇa, das Königreich und wir selbst (Nom. Pl.)
imaṃ cāpy aparaṃ bhūya itihāsaṃ nibodha me / pitur mama sakāśe yaṃ brāhmaṇaḥ prāha dharmavit
Vernimm nun auch von mir diese andere Erzählung, die ein rechtskundiger Brahmane einst in Gegenwart meines Vaters vorgetragen hat.
Wort für Wort
imam ca api aparam bhūya
auch diese andere nun (Akk.)
itihāsam
Erzählung (Akk.)
nibodha me
vernimm von mir (Imp. 2.Sg.)
pituḥ mama sakāśe
in Gegenwart meines Vaters (Lok.)
yam brāhmaṇaḥ prāha
die ein Brahmane vortrug (Akk./3.Sg.Perf.)
dharmavit
rechtskundig (Nom.)
[Anm.: Hier leitet Duryodhana eine zweite, eingebettete Erzählung ein - die Geschichte von Paraśurāma (Rāma Jāmadagnya), der Karṇa später die göttlichen Waffen übergibt.]
Nachdem du diese wunderbare, mit Grund, Wirkung und Zweck verbundene Rede vernommen hast, handle, Śalya, nach reiflicher Entscheidung - es soll dabei kein Zweifel aufkommen.
Wort für Wort
śrutvā ca etat vacaḥ citram
diese wunderbare Rede vernommen habend (Ger./Akk.)
Im Geschlecht der Bhārgavas wurde Jamadagni geboren, von gewaltiger Askesekraft; dessen als Rāma berühmter Sohn war mit Glanz und Tugend begabt. Er, strenge Askese übend, mit reinem Sinn, gezügelt und mit beherrschten Sinnen, suchte Bhava um der Waffen willen gnädig zu stimmen.
tasya tuṣṭo mahādevo bhaktyā ca praśamena ca / hṛdgataṃ cāsya vijñāya darśayām āsa śaṃkaraḥ / pratyakṣeṇa mahādevaḥ svāṃ tanuṃ sarvaśaṃkaraḥ
Ihm, zufrieden durch seine Hingabe und Gelassenheit, und dessen Herzenswunsch erkennend, zeigte sich Śaṃkara, der alles Heilsame wirkende Mahādeva, ihm sichtbar in eigener Gestalt.
rāma tuṣṭo 'smi bhadraṃ te viditaṃ me tavepsitam / kuruṣva pūtam ātmānaṃ sarvam etad avāpsyasi / dāsyāmi te tadāstrāṇi yadā pūto bhaviṣyasi / apātram asamarthaṃ ca dahanty astrāṇi bhārgava
‚Rāma, ich bin zufrieden; Heil sei dir - bekannt ist mir dein Begehren. Reinige dich selbst, und du wirst dies alles erlangen. Ich werde dir dann die Waffen geben, wenn du rein geworden sein wirst; denn die Waffen verbrennen den Unwürdigen und Unfähigen, o Bhārgava.‘
So von dem Speerträger, dem Gott der Götter, angesprochen, erwiderte der Sohn Jamadagnis, das Haupt gesenkt, dem hochgesinnten Gebieter: ‚Wenn du, o Herr der Götter, mich für würdig hältst, Waffen zu tragen, dann solltest du sie mir, der ich gehorsam diene, gewähren.‘
Wort für Wort
iti uktaḥ
so angesprochen (Nom.)
jāmadagnyaḥ tu
der Sohn Jamadagnis aber (Nom.)
devadevena śūlinā
von dem Gott der Götter, dem Speerträger (Instr.)
pratyuvāca mahātmānam
erwiderte dem Hochgesinnten (3.Sg.Perf.)
śirasā avanataḥ prabhum
das Haupt gesenkt, dem Gebieter (Nom./Akk.)
yadā jānāsi deveśa
wenn du weißt/hältst, o Herr der Götter (2.Sg.Präs.)
tataḥ sa tapasā caiva damena niyamena ca / pūjopahārabalibhir homamantrapuraskṛtaiḥ / ārādhayitavāñ śarvaṃ bahūn varṣagaṇāṃs tadā / prasannaś ca mahādevo bhārgavasya mahātmanaḥ
Da suchte er, durch Askese, Selbstbeherrschung und Zucht, durch Verehrung, Opfergaben und Opferspenden, begleitet von Feueropfern und Sprüchen, Śarva viele Jahre lang zu gewinnen; und Mahādeva wurde dem hochgesinnten Bhārgava gewogen.
Wort für Wort
tataḥ saḥ tapasā ca eva
da er durch Askese (Instr.)
damena niyamena ca
durch Selbstbeherrschung und Zucht (Instr.)
pūjopahārabalibhiḥ
durch Verehrung, Opfergaben und Opferspenden (Instr.)
Er sprach oftmals von dessen Tugenden in Gegenwart der Göttin (Umā): ‚Stets ist mir dieser Rāma ergeben, von festem Gelübde.‘ So erzählte der erfreute Gebieter, der Feindebezwinger, oftmals von dessen Tugenden, in Gegenwart der Götter und Ahnen.
Wort für Wort
abravīt tasya bahuśaḥ guṇān
er sprach oftmals von dessen Tugenden (3.Sg.Impf.)
etasminn eva kāle tu daityā āsan mahābalāḥ / tais tadā darpamohāndhair abādhyanta divaukasaḥ / tataḥ saṃbhūya vibudhās tān hantuṃ kṛtaniścayāḥ / cakruḥ śatruvadhe yatnaṃ na śekur jetum eva te
Zu eben dieser Zeit aber gab es gewaltige Daityas; von ihnen, die durch Hochmut und Verblendung verblendet waren, wurden damals die Himmlischen bedrängt. Da vereinigten sich die Götter, entschlossen, sie zu töten, und mühten sich um die Vernichtung der Feinde; doch vermochten sie nicht, sie zu besiegen.
Wort für Wort
etasmin eva kāle tu
zu eben dieser Zeit aber (Lok.)
daityāḥ āsan mahābalāḥ
es gab gewaltige Daityas (Nom. Pl.)
taiḥ tadā darpamohāndhaiḥ
von ihnen, durch Hochmut und Verblendung verblendet (Instr.)
abādhyanta divaukasaḥ
wurden die Himmlischen bedrängt (3.Pl.Impf. Pass.)
tataḥ saṃbhūya vibudhāḥ
da vereinigten sich die Götter (Nom. Pl.)
tān hantum kṛtaniścayāḥ
entschlossen, sie zu töten (Nom. Pl.)
cakruḥ śatruvadhe yatnam
mühten sich um die Vernichtung der Feinde (3.Pl.Perf.)
abhigamya tato devā maheśvaram athābruvan / prasādayantas taṃ bhaktyā jahi śatrugaṇān iti / pratijñāya tato devo devatānāṃ ripukṣayam / rāmaṃ bhārgavam āhūya so 'bhyabhāṣata śaṃkaraḥ
Da gingen die Götter zu Maheśvara und sprachen zu ihm, ihn mit Hingabe gütlich stimmend: ‚Töte die Feindesscharen.‘ Nachdem der Gott den Göttern die Vernichtung ihrer Feinde zugesagt hatte, rief Śaṃkara Rāma Bhārgava herbei und sprach zu ihm:
akṛtāstrasya deveśa kā śaktir me maheśvara / nihantuṃ dānavān sarvān kṛtāstrān yuddhadurmadān
‚Welche Fähigkeit habe ich, o Herr der Götter, o großer Herr, der ich die Waffen noch nicht erlangt habe, um all die im Kampf verwegenen, waffenkundigen Dānavas zu töten?‘
Wort für Wort
akṛtāstrasya
dessen, der die Waffen noch nicht erlangt hat (Gen.)
avadhīd devaśatrūṃs tān madadarpabalānvitān / mama yuddhaṃ prayacchadhvaṃ daityā yuddhamadotkaṭāḥ / preṣito devadevena vo vijetuṃ mahāsurāḥ / ity uktā bhārgaveṇātha daityā yuddhaṃ pracakramuḥ / sa tān nihatya samare daityān bhārgavanandanaḥ / vajrāśanisamasparśaiḥ prahārair eva bhārgavaḥ
Er erschlug jene Feinde der Götter, die von Rauschsucht, Hochmut und Kraft erfüllt waren: ‚Gebt mir Kampf, ihr Daityas, die ihr vor Kampfeslust rast! Ich bin vom Gott der Götter entsandt, um euch, große Asuras, zu besiegen.‘ So von dem Sohn Bhṛgus angesprochen, begannen die Daityas den Kampf; und er, der Sohn Bhṛgus, erschlug jene Daityas im Kampf mit Schlägen, die der Berührung von Blitz und Donnerkeil glichen.
Wort für Wort
avadhīt devaśatrūn tān
er erschlug jene Feinde der Götter (3.Sg.Impf.)
madadarpabalānvitān
von Rauschsucht, Hochmut und Kraft erfüllt (Akk. Pl.)
mama yuddham prayacchadhvam
gebt mir Kampf (Imp. 2.Pl.)
daityāḥ yuddhamadotkaṭāḥ
ihr Daityas, vor Kampfeslust rasend (Vok.)
preṣitaḥ devadevena
entsandt vom Gott der Götter (Nom.)
vaḥ vijetum mahāsurāḥ
um euch, große Asuras, zu besiegen (Akk./Inf.)
iti uktāḥ bhārgaveṇa atha
so von dem Sohn Bhṛgus angesprochen (Nom. Pl.)
daityāḥ yuddham pracakramuḥ
begannen die Daityas den Kampf (3.Pl.Impf.)
saḥ tān nihatya samare
er, sie im Kampf erschlagen habend (Ger.)
daityān bhārgavanandanaḥ
die Daityas, der Sohn Bhṛgus (Akk./Nom.)
vajrāśanisamasparśaiḥ
der Berührung von Blitz und Donnerkeil gleich (Instr.)
sa dānavaiḥ kṣatatanur jāmadagnyo dvijottamaḥ / saṃspṛṣṭaḥ sthāṇunā sadyo nirvraṇaḥ samajāyata / prītaś ca bhagavān devaḥ karmaṇā tena tasya vai / varān prādād brahmavide bhārgavāya mahātmane
Er, der Sohn Jamadagnis, der Beste der Zweifachgeborenen, an seinem Leibe von den Dānavas verwundet, wurde, sobald von Sthāṇu berührt, sogleich wieder wundenfrei. Und der erhabene Gott, erfreut durch diese Tat, gewährte dem brahmankundigen, hochgesinnten Bhārgava Gaben.
Wort für Wort
saḥ dānavaiḥ kṣatatanuḥ
er, an seinem Leibe von den Dānavas verwundet (Nom.)
jāmadagnyaḥ dvijottamaḥ
der Sohn Jamadagnis, der Beste der Zweifachgeborenen (Nom.)
saṃspṛṣṭaḥ sthāṇunā sadyaḥ
sobald von Sthāṇu berührt (Nom.)
nirvraṇaḥ samajāyata
wurde wundenfrei (3.Sg.Impf. Med.)
prītaḥ ca bhagavān devaḥ
und der erhabene Gott, erfreut (Nom.)
karmaṇā tena tasya vai
durch diese seine Tat (Instr.)
varān prādāt
gewährte Gaben (3.Sg.Impf.)
brahmavide bhārgavāya mahātmane
dem brahmankundigen, hochgesinnten Bhārgava (Dat.)
Und von dem liebevollen Gott der Götter, dem Speerträger, wurde ihm gesagt: ‚Der Schmerz, der dir an deinem Leibe durch das Fallen der Waffen entstand - durch ihn wurde dein menschliches Karma abgestreift, o Sohn Bhṛgus. Empfange nun von mir die himmlischen Waffen, wie du sie begehrst.‘
tato 'strāṇi samastāni varāṃś ca manasepsitān / labdhvā bahuvidhān rāmaḥ praṇamya śirasā śivam / anujñāṃ prāpya deveśāj jagāma sa mahātapāḥ / evam etat purāvṛttaṃ tadā kathitavān ṛṣiḥ
Da, nachdem Rāma alle Waffen und die mannigfachen, im Geiste ersehnten Gaben erlangt hatte, verneigte er sich mit dem Haupte vor Śiva. Nachdem er die Erlaubnis von dem Herrn der Götter erhalten hatte, zog er, der große Asket, von dannen. So hat der Weise einst dieses alte Geschehnis erzählt.
Wort für Wort
tataḥ astrāṇi samastāni
da alle Waffen (Akk. Pl.)
varān ca manasepsitān
und die im Geiste ersehnten Gaben (Akk. Pl.)
labdhvā bahuvidhān rāmaḥ
erlangt habend die mannigfachen, Rāma (Ger./Nom.)
praṇamya śirasā śivam
sich mit dem Haupte vor Śiva verneigt habend (Ger.)
anujñām prāpya deveśāt
die Erlaubnis von dem Herrn der Götter erhalten habend (Ger.)
vṛjinaṃ hi bhavet kiṃ cid yadi karṇasya pārthiva / nāsmai hy astrāṇi divyāni prādāsyad bhṛgunandanaḥ / sūtena vardhito nityaṃ na śūdro nṛpa eva saḥ / viśuddhayoniṃ vijñāya divyāny astrāṇy adāt prabhuḥ
Denn gäbe es irgendeinen Makel an Karṇa, o Herrscher, so hätte ihm der Sohn Bhṛgus die himmlischen Waffen nicht gegeben; von einem Sūta zwar stets aufgezogen, ist er dennoch kein Śūdra, o König - denn seine reine Herkunft erkennend, gab ihm der Gebieter die himmlischen Waffen.
Wort für Wort
vṛjinam hi bhavet kiṃcit
gäbe es denn irgendeinen Makel (Opt. 3.Sg.)
yadi karṇasya pārthiva
an Karṇa, wenn, o Herrscher (Gen.)
na asmai hi astrāṇi divyāni
so hätte ihm nicht die himmlischen Waffen (Akk. Pl.)
prādāsyat bhṛgunandanaḥ
gegeben der Sohn Bhṛgus (Opt./Nom.)
sūtena vardhitaḥ nityam
von einem Sūta stets aufgezogen (Nom.)
na śūdraḥ nṛpa eva saḥ
ist er, o König, dennoch kein Śūdra (Nom.)
viśuddhayonim vijñāya
die reine Herkunft erkannt habend (Ger./Akk.)
divyāni astrāṇi adāt prabhuḥ
gab der Gebieter die himmlischen Waffen (3.Sg.Impf.)
nāpi sūtakule jātaṃ karṇaṃ manye kathaṃ cana / devaputram ahaṃ manye kṣatriyāṇāṃ kulodbhavam / viśiṣṭam avabodhārthaṃ kulasyeti matir mama / sarvathā na hy ayaṃ śalya karṇaḥ sūtakulodbhavaḥ
Auch halte ich Karṇa keineswegs für im Geschlecht eines Sūta geboren; ich halte ihn für einen Göttersohn, entsprossen dem Geschlecht der Kṣatriyas - zur besseren Erkenntnis seines Geschlechts ist dies meine Meinung. Auf keine Weise, o Śalya, ist dieser Karṇa aus dem Geschlecht eines Sūta entsprossen.
Wort für Wort
na api sūtakule jātam
auch nicht im Geschlecht eines Sūta geboren (Akk.)
karṇam manye kathaṃcana
halte ich Karṇa keineswegs (1.Sg.Präs.)
devaputram aham manye
ich halte ihn für einen Göttersohn (Akk./1.Sg.Präs.)
kṣatriyāṇām kulodbhavam
entsprossen dem Geschlecht der Kṣatriyas (Akk.)
viśiṣṭam avabodhārtham kulasya
zur besseren Erkenntnis seines Geschlechts (Akk.)
iti matiḥ mama
so ist meine Meinung (Wendung)
sarvathā na hi ayam śalya
auf keine Weise ist dieser, o Śalya (Nom.)
karṇaḥ sūtakulodbhavaḥ
Karṇa aus dem Geschlecht eines Sūta entsprossen (Nom.)
sakuṇḍalaṃ sakavacaṃ dīrghabāhuṃ mahāratham / katham ādityasadṛśaṃ mṛgī vyāghraṃ janiṣyati / paśya hy asya bhujau pīnau nāgarājakaropamau / vakṣaḥ paśya viśālaṃ ca sarvaśatrunibarhaṇam / na tv eṣa prākṛtaḥ kaś cit karṇo vaikartano vṛṣaḥ / mahātmā hy eṣa rājendra rāmaśiṣyaḥ pratāpavān
Wie sollte eine Hirschkuh einen Tiger gebären, der mit Ohrringen und Panzer geboren, langarmig, ein großer Wagenkämpfer, der Sonne gleich ist? Sieh nur seine beiden kräftigen Arme, dem Rüssel des Elefantenkönigs gleich; sieh seine breite Brust, die alle Feinde vernichtet! Nicht ist dieser Karṇa, der Sohn Vikartanas, ein gewöhnlicher Mann; hochgesinnt ist er, o Herrscher der Könige, der mächtige Schüler Rāmas.“
Wort für Wort
sakuṇḍalam sakavacam
mit Ohrringen und Panzer (Akk.)
dīrghabāhum mahāratham
langarmig, ein großer Wagenkämpfer (Akk.)
katham ādityasadṛśam
wie einen, der der Sonne gleicht (Akk.)
mṛgī vyāghram janiṣyati
sollte eine Hirschkuh einen Tiger gebären (3.Sg.Fut.)
paśya hi asya bhujau pīnau
sieh nur seine beiden kräftigen Arme (Imp./Akk. Du.)
nāgarājakaropamau
dem Rüssel des Elefantenkönigs gleich (Akk. Du.)
vakṣaḥ paśya viśālam ca
sieh seine breite Brust (Imp./Akk.)
sarvaśatrunibarhaṇam
die alle Feinde vernichtet (Akk.)
na tu eṣa prākṛtaḥ kaścit
nicht ist dieser ein gewöhnlicher (Nom.)
karṇaḥ vaikartanaḥ vṛṣaḥ
Karṇa, der Sohn Vikartanas, der Stier/Mann (Nom.)
mahātmā hi eṣa rājendra
hochgesinnt ist er, o Herrscher der Könige (Nom./Vok.)
rāmaśiṣyaḥ pratāpavān
der mächtige Schüler Rāmas (Nom.)
[Anm.: Duryodhanas Rede - und mit ihr dieses Kapitel - bricht hier nicht ab, sondern wird im folgenden Kapitel (Kap.25, wiederum mit der Sprecherkennzeichnung ‚duryodhana uvāca‘ beginnend) fortgesetzt. Da die Anführungszeichen-Markierung je Kapiteldatei ausgeglichen sein muss, wird das eingangs geöffnete Anführungszeichen hier, am Ende dieses Kapitels, geschlossen, obwohl die Rede tatsächlich nahtlos weitergeht.]