Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Karṇaparva

Kapitel 27: karṇaśalyasaṃvādaḥ Der Wortwechsel zwischen Karṇa und Śalya

prayān eva tadā karṇo harṣayan vāhinīṃ tava / ekaikaṃ samare dṛṣṭvā pāṇḍavaṃ paryapṛcchata

Da fragte Karṇa, als er auszog, dein Heer erfreuend, bei jedem einzelnen Pāṇḍava-Krieger, den er im Kampf erblickte:

Wort für Wort
prayān eva tadā karṇaḥ
da Karṇa, als er auszog (Nom.)
harṣayan vāhinīm tava
dein Heer erfreuend (Part.)
ekaikam samare dṛṣṭvā
bei jedem einzelnen im Kampf erblickt (Absol.)
pāṇḍavam paryapṛcchata
fragte er den Pāṇḍava-Krieger (3.Sg.Impf.)

yo mamādya mahātmānaṃ darśayec chvetavāhanam / tasmai dadyām abhipretaṃ varaṃ yaṃ manasecchati

„Wer mir heute den großmütigen Weißrossigen [Arjuna] zeigt, dem will ich die erwünschte Gabe geben, die er sich im Herzen wünscht.

Wort für Wort
yaḥ mama adya
wer mir heute (Nom.)
mahātmānam darśayet
den großmütigen zeigt (3.Sg.Opt.)
śvetavāhanam
den Weißrossigen (Akk.)
tasmai dadyām
dem will ich geben (1.Sg.Opt.)
abhipretam varam
die erwünschte Gabe (Akk.)
yam manasā icchati
die er sich im Herzen wünscht (Akk.)

sa cet tad abhimanyeta tasmai dadyām ahaṃ punaḥ / śakaṭaṃ ratnasaṃpūrṇaṃ yo me brūyād dhanaṃjayam

Und wenn er dem zustimmt, will ich ihm überdies noch einen mit Juwelen gefüllten Wagen geben - wer mir von Dhanañjaya berichtet.

Wort für Wort
saḥ cet tat abhimanyeta
und wenn er dem zustimmt (3.Sg.Opt.)
tasmai dadyām aham punaḥ
will ich ihm überdies geben (1.Sg.Opt.)
śakaṭam ratnasaṃpūrṇam
einen mit Juwelen gefüllten Wagen (Akk.)
yaḥ me brūyāt dhanaṃjayam
wer mir von Dhanañjaya berichtet (3.Sg.Opt.)

[Anm.: An dieser Stelle und im weiteren Verlauf dieser Geschenkliste (bis Vers 13) finden sich im Quelltext zahlreiche umfangreiche apparatus-Einfügungen, die das gleiche rhetorische Muster - immer neue, noch überschwänglichere Gaben für den, der Arjuna meldet - mit weiteren Rindern, Pferden, Dörfern, Wagen und Sklavinnen fortsetzen. Sie werden hier als inhaltlich gleichartige Wiederholungen desselben Motivs übergangen; die Hauptverslinie gibt die Substanz der Aufzählung vollständig wieder.]

sa cet tad abhimanyeta puruṣo 'rjunadarśivān / anyaṃ tasmai punar dadyāṃ sauvarṇaṃ hastiṣaḍgavam

Und wenn der Mann, der Arjuna gesehen hat, dem zustimmt, will ich ihm ein weiteres Geschenk geben: einen goldenen Elefanten samt einem Sechsergespann von Rindern.

Wort für Wort
saḥ cet tat abhimanyeta
wenn er dem zustimmt (3.Sg.Opt.)
puruṣaḥ arjunadarśivān
der Mann, der Arjuna gesehen hat (Nom.)
anyam tasmai punaḥ dadyām
will ich ihm ein weiteres geben (1.Sg.Opt.)
sauvarṇam hastiṣaḍgavam
einen goldenen Elefanten samt Sechsergespann (Akk.)

tathā tasmai punar dadyāṃ strīṇāṃ śatam alaṃkṛtam / śyāmānāṃ niṣkakaṇṭhīnāṃ gītavādyavipaścitām

Und ich will ihm überdies hundert geschmückte Frauen geben, dunkelhäutig, mit goldenen Halsketten, kundig in Gesang und Musik.

Wort für Wort
tathā tasmai punaḥ dadyām
und ich will ihm überdies geben (1.Sg.Opt.)
strīṇām śatam alaṃkṛtam
hundert geschmückte Frauen (Akk.)
śyāmānām niṣkakaṇṭhīnām
dunkelhäutig, mit goldenen Halsketten (Akk.)
gītavādyavipaścitām
kundig in Gesang und Musik (Akk.)

sa cet tad abhimanyeta puruṣo 'rjunadarśivān / anyaṃ tasmai varaṃ dadyāṃ śvetān pañcaśatān hayān

Und wenn der Mann, der Arjuna gesehen hat, dem zustimmt, will ich ihm ein weiteres Geschenk geben: fünfhundert weiße Rosse,

Wort für Wort
saḥ cet tat abhimanyeta
wenn er dem zustimmt (3.Sg.Opt.)
puruṣaḥ arjunadarśivān
der Mann, der Arjuna gesehen hat (Nom.)
anyam tasmai varam dadyām
will ich ihm ein weiteres Geschenk geben (1.Sg.Opt.)
śvetān pañcaśatān hayān
fünfhundert weiße Rosse (Akk.)

hemabhāṇḍaparicchannān sumṛṣṭamaṇikuṇḍalān / sudāntān api caivāhaṃ dadyām aṣṭaśatān parān

mit goldenem Geschirr bedeckt, mit fein geschliffenen Juwelenohrringen - und ich will überdies achthundert weitere, wohl abgerichtete geben.

Wort für Wort
hemabhāṇḍaparicchannān
mit goldenem Geschirr bedeckt (Akk.)
sumṛṣṭamaṇikuṇḍalān
mit fein geschliffenen Juwelenohrringen (Akk.)
sudāntān api ca aham
und ich, wohl abgerichtet (Nom.)
dadyām aṣṭaśatān parān
will ich achthundert weitere geben (1.Sg.Opt.)

rathaṃ ca śubhraṃ sauvarṇaṃ dadyāṃ tasmai svalaṃkṛtam / yuktaṃ paramakāmbojair yo me brūyād dhanaṃjayam

Und ich will ihm einen glänzenden, goldenen, fein geschmückten Wagen geben, mit den besten Kāmboja-Rossen bespannt - wer mir von Dhanañjaya berichtet.

Wort für Wort
ratham ca śubhram sauvarṇam
und einen glänzenden, goldenen Wagen (Akk.)
dadyām tasmai svalaṃkṛtam
will ich ihm fein geschmückt geben (1.Sg.Opt.)
yuktam paramakāmbojaiḥ
mit den besten Kāmboja-Rossen bespannt (Akk.)
yaḥ me brūyāt dhanaṃjayam
wer mir von Dhanañjaya berichtet (3.Sg.Opt.)

anyaṃ tasmai varaṃ dadyāṃ kuñjarāṇāṃ śatāni ṣaṭ / kāñcanair vividhair bhāṇḍair ācchannān hemamālinaḥ / utpannān aparānteṣu vinītān hastiśikṣakaiḥ

Ich will ihm ein weiteres Geschenk geben: sechshundert Elefanten, mit vielerlei goldenem Geschirr bedeckt, mit goldenen Girlanden geschmückt, in den westlichen Landen geboren, von Elefantenlenkern abgerichtet.

Wort für Wort
anyam tasmai varam dadyām
will ich ihm ein weiteres geben (1.Sg.Opt.)
kuñjarāṇām śatāni ṣaṭ
sechshundert Elefanten (Akk.)
kāñcanaiḥ vividhaiḥ bhāṇḍaiḥ ācchannān
mit vielerlei goldenem Geschirr bedeckt (Akk.)
hemamālinaḥ
mit goldenen Girlanden geschmückt (Akk.)
utpannān aparānteṣu
in den westlichen Landen geboren (Akk.)
vinītān hastiśikṣakaiḥ
von Elefantenlenkern abgerichtet (Akk.)

sa cet tad abhimanyeta puruṣo 'rjunadarśivān / anyaṃ tasmai varaṃ dadyāṃ yam asau kāmayet svayam

Und wenn der Mann, der Arjuna gesehen hat, dem zustimmt, will ich ihm noch ein weiteres Geschenk geben: was auch immer er selbst begehrt.

Wort für Wort
saḥ cet tat abhimanyeta
wenn er dem zustimmt (3.Sg.Opt.)
puruṣaḥ arjunadarśivān
der Mann, der Arjuna gesehen hat (Nom.)
anyam tasmai varam dadyām
will ich ihm ein weiteres geben (1.Sg.Opt.)
yam asau kāmayet svayam
was er selbst begehrt (Akk.)

putradārān vihārāṃś ca yad anyad vittam asti me / tac ca tasmai punar dadyāṃ yad yat sa manasecchati

Meine Kinder, meine Frauen, meine Lustgärten, und was ich sonst noch an Gut besitze - auch das will ich ihm überdies geben, was immer er sich im Herzen wünscht.

Wort für Wort
putradārān vihārān ca
meine Kinder, Frauen und Lustgärten (Akk.)
yat anyat vittam asti me
und was ich sonst noch an Gut besitze (Nom.)
tat ca tasmai punaḥ dadyām
auch das will ich ihm überdies geben (1.Sg.Opt.)
yat yat saḥ manasā icchati
was immer er sich im Herzen wünscht (Akk.)

hatvā ca sahitau kṛṣṇau tayor vittāni sarvaśaḥ / tasmai dadyām ahaṃ yo me prabrūyāt keśavārjunau

Und nachdem ich die beiden vereinten Kṛṣṇas [Kṛṣṇa und Arjuna] erschlagen habe, will ich all ihre Güter gänzlich dem geben, der mir von Keśava und Arjuna berichtet.

Wort für Wort
hatvā ca sahitau kṛṣṇau
nachdem ich die beiden vereinten Kṛṣṇas erschlagen habe (Absol.)
tayoḥ vittāni sarvaśaḥ
all ihre Güter gänzlich (Akk.)
tasmai dadyām aham
will ich dem geben (1.Sg.Opt.)
yaḥ me prabrūyāt keśavārjunau
der mir von Keśava und Arjuna berichtet (3.Sg.Opt.)

etā vācaḥ subahuśaḥ karṇa uccārayan yudhi / dadhmau sāgarasaṃbhūtaṃ susvanaṃ śaṅkham uttamam

Diese Worte immer wieder im Kampf aussprechend, blies Karṇa seine vortreffliche, wohlklingende, aus dem Ozean geborene Muschel.“

Wort für Wort
etāḥ vācaḥ subahuśaḥ
diese Worte immer wieder (Akk.)
karṇaḥ uccārayan yudhi
Karṇa im Kampf aussprechend (Nom.)
dadhmau
blies (3.Sg.Perf.)
sāgarasaṃbhūtam susvanam śaṅkham uttamam
seine vortreffliche, wohlklingende, aus dem Ozean geborene Muschel (Akk.)

tā vācaḥ sūtaputrasya tathā yuktā niśamya tu / duryodhano mahārāja prahṛṣṭaḥ sānugo 'bhavat

Als er diese so passenden Worte des Sohnes des Sūta vernommen hatte, wurde Duryodhana, großer König, samt seinem Gefolge hocherfreut.

Wort für Wort
tāḥ vācaḥ sūtaputrasya
diese Worte des Sohnes des Sūta (Akk.)
tathā yuktāḥ niśamya tu
so passend, nachdem er vernommen hatte (Absol.)
duryodhanaḥ mahārāja
Duryodhana, großer König (Nom.)
prahṛṣṭaḥ sānugaḥ abhavat
wurde hocherfreut samt seinem Gefolge (3.Sg.Impf.)

tato dundubhinirghoṣo mṛdaṅgānāṃ ca sarvaśaḥ / siṃhanādaḥ savāditraḥ kuñjarāṇāṃ ca nisvanaḥ

Da erhob sich von allen Seiten das Dröhnen der Kriegstrommeln und der Handtrommeln, Löwengebrüll vermischt mit Musik, und das Trompeten der Elefanten,

Wort für Wort
tataḥ dundubhinirghoṣaḥ
da das Dröhnen der Kriegstrommeln (Nom.)
mṛdaṅgānām ca sarvaśaḥ
und der Handtrommeln von allen Seiten (Gen.)
siṃhanādaḥ savāditraḥ
Löwengebrüll vermischt mit Musik (Nom.)
kuñjarāṇām ca nisvanaḥ
und das Trompeten der Elefanten (Nom.)

prādurāsīt tadā rājaṃs tvatsainye bharatarṣabha / yodhānāṃ saṃprahṛṣṭānāṃ tathā samabhavat svanaḥ

erhob sich damals, o König, in deinem Heer, Stier der Bharatas; und ebenso entstand der Lärm der hocherfreuten Krieger.

Wort für Wort
prādurāsīt tadā rājan
erhob sich damals, o König (3.Sg.Impf.)
tvatsainye bharatarṣabha
in deinem Heer, Stier der Bharatas (Lok.)
yodhānām saṃprahṛṣṭānām
der hocherfreuten Krieger (Gen.)
tathā samabhavat svanaḥ
und ebenso entstand der Lärm (3.Sg.Impf.)

tathā prahṛṣṭe sainye tu plavamānaṃ mahāratham / vikatthamānaṃ samare rādheyam arikarśanam / madrarājaḥ prahasyedaṃ vacanaṃ pratyabhāṣata

Während so das Heer frohlockte, und Rādheya, der Feindebezwinger, auf seinem großen Wagen dahinsprang, im Kampf prahlend - da erwiderte der Herr der Madras, lachend, dieses Wort:

Wort für Wort
tathā prahṛṣṭe sainye tu
während so das Heer frohlockte (Lok. Absol.)
plavamānam mahāratham
auf seinem großen Wagen dahinspringend (Akk.)
vikatthamānam samare
im Kampf prahlend (Akk.)
rādheyam arikarśanam
Rādheya, den Feindebezwinger (Akk.)
madrarājaḥ prahasya
der Herr der Madras, lachend (Absol.)
idam vacanam pratyabhāṣata
erwiderte dieses Wort (3.Sg.Impf.)

mā sūtaputra mānena sauvarṇaṃ hastiṣaḍgavam / prayaccha puruṣāyādya drakṣyasi tvaṃ dhanaṃjayam

„Gib nicht, Sohn eines Sūta, aus Stolz den goldenen Elefanten und das Sechsergespann an jenen Mann - heute wirst du selbst Dhanañjaya sehen.

Wort für Wort
mā sūtaputra mānena
gib nicht, Sohn eines Sūta, aus Stolz (Vok./Instr.)
sauvarṇam hastiṣaḍgavam
den goldenen Elefanten und das Sechsergespann (Akk.)
prayaccha puruṣāya adya
an jenen Mann heute (2.Sg.Imp.)
drakṣyasi tvam dhanaṃjayam
wirst du selbst Dhanañjaya sehen (2.Sg.Fut.)

bālyād iva tvaṃ tyajasi vasu vaiśravaṇo yathā / ayatnenaiva rādheya draṣṭāsy adya dhanaṃjayam

Wie aus Kindischsein gibst du Reichtum her, gleich Vaiśravaṇa [Kubera]; ganz ohne Mühe, Rādheya, wirst du heute Dhanañjaya erblicken.

Wort für Wort
bālyāt iva tvam
wie aus Kindischsein du (Nom.)
tyajasi vasu
gibst du Reichtum her (2.Sg.Präs.)
vaiśravaṇaḥ yathā
wie Vaiśravaṇa (Nom.)
ayatnena eva rādheya
ganz ohne Mühe, Rādheya (Instr./Vok.)
draṣṭāsi adya dhanaṃjayam
wirst du heute erblicken (2.Sg.Fut.)

parāsṛjasi mithyā kiṃ kiṃ ca tvaṃ bahu mūḍhavat / apātradāne ye doṣāḥ tān mohān nāvabudhyase

Warum verschwendest du so grundlos so viel, wie ein Narr? Aus Verblendung erkennst du die Fehler nicht, die im Schenken an einen Unwürdigen liegen.

Wort für Wort
parāsṛjasi mithyā kim kim ca
warum verschwendest du grundlos so viel (2.Sg.Präs.)
tvam bahu mūḍhavat
du, wie ein Narr (Nom.)
apātradāne ye doṣāḥ
die Fehler, die im Schenken an einen Unwürdigen liegen (Nom.)
tān mohāt na avabudhyase
die erkennst du aus Verblendung nicht (2.Sg.Präs.)

yat pravedayase vittaṃ bahutvena khalu tvayā / śakyaṃ bahuvidhair yajñair yaṣṭuṃ sūta yajasva taiḥ

Der Reichtum, den du so überreichlich verkündest - damit ließe sich wohl mit vielerlei Opfern opfern; opfere du doch damit, Sohn eines Sūta.

Wort für Wort
yat pravedayase vittam
der Reichtum, den du verkündest (Akk.)
bahutvena khalu tvayā
von dir so überreichlich (Instr.)
śakyam bahuvidhaiḥ yajñaiḥ
damit ließe sich mit vielerlei Opfern (Instr.)
yaṣṭum sūta yajasva taiḥ
opfern; opfere damit, Sohn eines Sūta (Inf./Imp.)

yac ca prārthayase hantuṃ kṛṣṇau mohān mṛṣaiva tat / na hi śuśruma saṃmarde kroṣṭrā siṃhau nipātitau

Und dass du danach trachtest, die beiden Kṛṣṇas zu töten - auch das ist aus Verblendung nichts als Lüge; denn wir haben nie gehört, dass in einem Zusammenstoß Schakale zwei Löwen zu Fall gebracht hätten.

Wort für Wort
yat ca prārthayase hantum
und dass du danach trachtest zu töten (2.Sg.Präs.)
kṛṣṇau mohāt mṛṣā eva tat
die beiden Kṛṣṇas, das aus Verblendung nichts als Lüge (Akk.)
na hi śuśruma saṃmarde
denn wir haben nie im Zusammenstoß gehört (1.Pl.Perf.)
kroṣṭrā siṃhau nipātitau
dass Schakale zwei Löwen zu Fall gebracht hätten (Nom./Instr.)

aprārthitaṃ prārthayase suhṛdo na hi santi te / ye tvāṃ na vārayanty āśu prapatantaṃ hutāśane

Du begehrst, was nicht zu begehren ist; du hast keine wahren Freunde, die dich rasch zurückhalten würden, wenn du ins Feuer stürzt.

Wort für Wort
aprārthitam prārthayase
du begehrst, was nicht zu begehren ist (2.Sg.Präs.)
suhṛdaḥ na hi santi te
du hast keine wahren Freunde (Nom.)
ye tvām na vārayanti āśu
die dich nicht rasch zurückhalten (3.Pl.Präs.)
prapatantam hutāśane
wenn du ins Feuer stürzt (Akk./Lok.)

kālakāryaṃ na jānīṣe kālapakvo 'sy asaṃśayam / bahvabaddham akarṇīyaṃ ko hi brūyāj jijīviṣuḥ

Du weißt nicht, was die Zeit erfordert - du bist ohne Zweifel reif für den Tod. Denn wer, der leben will, würde so viel Unzusammenhängendes, Unanhörbares sprechen?

Wort für Wort
kālakāryam na jānīṣe
du weißt nicht, was die Zeit erfordert (2.Sg.Präs.)
kālapakvaḥ asi asaṃśayam
du bist ohne Zweifel reif für den Tod (Nom.)
bahvabaddham akarṇīyam
so viel Unzusammenhängendes, Unanhörbares (Akk.)
kaḥ hi brūyāt jijīviṣuḥ
wer, der leben will, würde sprechen (3.Sg.Opt.)

samudrataraṇaṃ dorbhyāṃ kaṇṭhe baddhvā yathā śilām / giryagrād vā nipatanaṃ tādṛk tava cikīrṣitam

Wie das Durchschwimmen des Ozeans mit bloßen Armen, nachdem man sich einen Stein um den Hals gebunden hat, oder wie der Sturz von einer Berggipfelspitze - so ist es, was du zu tun beabsichtigst.

Wort für Wort
samudrataraṇam dorbhyām
das Durchschwimmen des Ozeans mit den Armen (Akk.)
kaṇṭhe baddhvā yathā śilām
nachdem man sich wie einen Stein um den Hals gebunden hat (Absol.)
giryagrāt vā nipatanam
oder der Sturz von einer Berggipfelspitze (Nom.)
tādṛk tava cikīrṣitam
so ist, was du zu tun beabsichtigst (Nom.)

sahitaḥ sarvayodhais tvaṃ vyūḍhānīkaiḥ surakṣitaḥ / dhanaṃjayena yudhyasva śreyaś cet prāptum icchasi

Vereint mit allen Kriegern, in Schlachtordnung aufgestellt, wohlbeschützt - so kämpfe mit Dhanañjaya, wenn du dein eigenes Wohl erlangen willst.

Wort für Wort
sahitaḥ sarvayodhaiḥ
vereint mit allen Kriegern (Nom.)
vyūḍhānīkaiḥ surakṣitaḥ
in Schlachtordnung aufgestellt, wohlbeschützt (Nom.)
dhanaṃjayena yudhyasva
kämpfe mit Dhanañjaya (2.Sg.Imp.)
śreyaḥ cet prāptum icchasi
wenn du dein Wohl erlangen willst (2.Sg.Präs.)

hitārthaṃ dhārtarāṣṭrasya bravīmi tvā na hiṃsayā / śraddhatsvaitan mayā proktaṃ yadi te 'sti jijīviṣā

Zum Wohl des Sohnes des Dhṛtarāṣṭra spreche ich zu dir, nicht aus Böswilligkeit; glaube, was ich gesagt habe, wenn du überhaupt leben willst.“

Wort für Wort
hitārtham dhārtarāṣṭrasya
zum Wohl des Sohnes des Dhṛtarāṣṭra (Dat.)
bravīmi tvā na hiṃsayā
spreche ich zu dir, nicht aus Böswilligkeit (1.Sg.Präs.)
śraddhatsva etat mayā proktam
glaube, was ich gesagt habe (2.Sg.Imp.)
yadi te asti jijīviṣā
wenn du leben willst (Nom.)

svavīrye 'haṃ parāśvasya prārthayāmy arjunaṃ raṇe / tvaṃ tu mitramukhaḥ śatruḥ māṃ bhīṣayitum icchasi

„Auf meine eigene Kraft vertrauend, suche ich Arjuna im Kampf; du aber, ein Feind mit dem Gesicht eines Freundes, willst mich erschrecken.

Wort für Wort
svavīrye aham parāśvasya
auf meine eigene Kraft vertrauend, ich (Nom.)
prārthayāmi arjunam raṇe
suche ich Arjuna im Kampf (1.Sg.Präs.)
tvam tu mitramukhaḥ śatruḥ
du aber, ein Feind mit dem Gesicht eines Freundes (Nom.)
mām bhīṣayitum icchasi
willst mich erschrecken (2.Sg.Präs.)

na mām asmād abhiprāyāt kaś cid adya nivartayet / apīndro vajram udyamya kiṃ nu martyaḥ kariṣyati

Niemand könnte mich heute von diesem Vorsatz abbringen - nicht einmal Indra, den Donnerkeil erhoben; was könnte da erst ein Sterblicher tun?“

Wort für Wort
na mām asmāt abhiprāyāt
nicht mich von diesem Vorsatz (Abl.)
kaḥ cit adya nivartayet
könnte irgendjemand heute abbringen (3.Sg.Opt.)
api indraḥ vajram udyamya
nicht einmal Indra, den Donnerkeil erhoben (Absol.)
kim nu martyaḥ kariṣyati
was könnte erst ein Sterblicher tun (3.Sg.Fut.)

iti karṇasya vākyānte śalyaḥ prāhottaraṃ vacaḥ / cukopayiṣur atyarthaṃ karṇaṃ madreśvaraḥ punaḥ

Am Ende von Karṇas Rede sprach Śalya, der Herr der Madras, diese Antwort, in der Absicht, Karṇa nun noch heftiger zu erzürnen:

Wort für Wort
iti karṇasya vākyānte
am Ende von Karṇas Rede (Lok.)
śalyaḥ prāha uttaram vacaḥ
sprach Śalya diese Antwort (3.Sg.Perf.)
cukopayiṣuḥ atyartham
in der Absicht, noch heftiger zu erzürnen (Nom.)
karṇam madreśvaraḥ punaḥ
Karṇa, der Herr der Madras, wieder (Akk./Nom.)

yadā vai tvāṃ phalgunaveganunnā jyācoditā hastavatā visṛṣṭāḥ / anvetāraḥ kaṅkapatrāḥ śitāgrās tadā tapsyasy arjunasyābhiyogāt

„Wenn dich einst reiherbefiederte, scharfgespitzte Pfeile, von Phalgunas Wucht getrieben, von der Sehne geschnellt, aus geübter Hand entlassen, verfolgend erreichen, dann wirst du unter Arjunas Angriff leiden.

Wort für Wort
yadā vai tvām
wenn dich einst (Akk.)
phalgunaveganunnāḥ
von Phalgunas Wucht getrieben (Nom.)
jyācoditāḥ visṛṣṭāḥ
von der Sehne geschnellt, entlassen (Nom.)
hastavatā
aus geübter Hand (Instr.)
anvetāraḥ kaṅkapatrāḥ śitāgrāḥ
verfolgend, reiherbefiedert, scharfgespitzt (Nom.)
tadā tapsyasi
dann wirst du leiden (2.Sg.Fut.)
arjunasya abhiyogāt
unter Arjunas Angriff (Abl.)

yadā divyaṃ dhanur ādāya pārthaḥ prabhāsayan pṛtanāṃ savyasācī / tvām ardayeta niśitaiḥ pṛṣatkais tadā paścāt tapsyase sūtaputra

Wenn Pārtha, der Beidhändige, seinen göttlichen Bogen ergreifend, das Heer erleuchtend, dich mit scharfen Pfeilen quält, dann wirst du hernach leiden, Sohn eines Sūta.

Wort für Wort
yadā divyam dhanuḥ ādāya
wenn er den göttlichen Bogen ergreifend (Absol.)
pārthaḥ prabhāsayan pṛtanām
Pārtha, das Heer erleuchtend (Nom./Part.)
savyasācī
der Beidhändige (Nom.)
tvām ardayeta niśitaiḥ pṛṣatkaiḥ
dich mit scharfen Pfeilen quält (3.Sg.Opt.)
tadā paścāt tapsyase sūtaputra
dann wirst du hernach leiden, Sohn eines Sūta (2.Sg.Fut.)

bālaś candraṃ mātur aṅke śayāno yathā kaś cit prārthayate 'pahartum / tadvan mohād yatamāno rathasthas tvaṃ prārthayasy arjunam adya jetum

Wie ein Kind, im Schoß der Mutter liegend, den Mond zu ergreifen begehrt, so begehrst du, aus Verblendung dich mühend, auf dem Wagen stehend, heute Arjuna zu besiegen.

Wort für Wort
bālaḥ candram mātuḥ aṅke śayānaḥ
ein Kind, im Schoß der Mutter liegend (Nom.)
yathā kaḥ cit prārthayate apahartum
wie irgendeines begehrt zu ergreifen (3.Sg.Präs.)
tadvat mohāt yatamānaḥ rathasthaḥ
so, aus Verblendung dich mühend, auf dem Wagen stehend (Nom.)
tvam prārthayasi arjunam adya jetum
begehrst du heute Arjuna zu besiegen (2.Sg.Präs.)

triśūlam āśliṣya sutīkṣṇadhāraṃ sarvāṇi gātrāṇi nigharṣasi tvam / sutīkṣṇadhāropamakarmaṇā tvaṃ yuyutsase yo 'rjunenādya karṇa

Einen Dreizack mit überaus scharfer Schneide umarmend, zerreibst du dir all deine Glieder - mit einer der scharfen Schneide gleichenden Tat willst du, Karṇa, heute mit Arjuna kämpfen.

Wort für Wort
triśūlam āśliṣya sutīkṣṇadhāram
einen Dreizack mit scharfer Schneide umarmend (Absol.)
sarvāṇi gātrāṇi nigharṣasi tvam
zerreibst du dir all deine Glieder (2.Sg.Präs.)
sutīkṣṇadhāropamakarmaṇā
mit einer der scharfen Schneide gleichenden Tat (Instr.)
tvam yuyutsase yaḥ arjunena adya karṇa
willst du, Karṇa, heute mit Arjuna kämpfen (2.Sg.Präs.)

siddhaṃ siṃhaṃ kesariṇaṃ bṛhantaṃ bālo mūḍhaḥ kṣudramṛgas tarasvī / samāhvayet tadvad etat tavādya samāhvānaṃ sūtaputrārjunasya

Wie ein junges, törichtes, flinkes Kleintier einen bewährten, gewaltigen, mähnigen Löwen herausfordern würde - so ist diese deine heutige Herausforderung Arjunas, Sohn eines Sūta.

Wort für Wort
siddham siṃham kesariṇam bṛhantam
einen bewährten, gewaltigen, mähnigen Löwen (Akk.)
bālaḥ mūḍhaḥ kṣudramṛgaḥ tarasvī
ein junges, törichtes, flinkes Kleintier (Nom.)
samāhvayet tadvat etat
würde herausfordern; so ist dies (3.Sg.Opt.)
tava adya samāhvānam sūtaputra arjunasya
deine heutige Herausforderung Arjunas, Sohn eines Sūta (Nom.)

mā sūtaputrāhvaya rājaputraṃ mahāvīryaṃ kesariṇaṃ yathaiva / vane sṛgālaḥ piśitasya tṛpto mā pārtham āsādya vinaṅkṣyasi tvam

Fordere nicht, Sohn eines Sūta, den Königssohn heraus, den gewaltig Tapferen, wie ein an Fleisch gesättigter Schakal im Wald einen mähnigen Löwen - bring dich nicht selbst ins Verderben, indem du auf Pārtha triffst.

Wort für Wort
mā sūtaputra āhvaya rājaputram
fordere nicht, Sohn eines Sūta, den Königssohn heraus (2.Sg.Imp.)
mahāvīryam kesariṇam yathā eva
den gewaltig Tapferen, wie einen mähnigen Löwen (Akk.)
vane sṛgālaḥ piśitasya tṛptaḥ
ein im Wald an Fleisch gesättigter Schakal (Nom.)
mā pārtham āsādya vinaṅkṣyasi tvam
bring dich nicht ins Verderben, indem du auf Pārtha triffst (2.Sg.Fut.)

īṣādantaṃ mahānāgaṃ prabhinnakaraṭāmukham / śaśakāhvayase yuddhe karṇa pārthaṃ dhanaṃjayam

Wie ein Hase einen großen Elefanten mit pflugstangenartigen Stoßzähnen, an den Schläfen von Brunftsaft triefend, herausfordert, so forderst du, Karṇa, Pārtha, Dhanañjaya, zum Kampf heraus.

Wort für Wort
īṣādantam mahānāgam
einen großen Elefanten mit pflugstangenartigen Stoßzähnen (Akk.)
prabhinnakaraṭāmukham
an den Schläfen von Brunftsaft triefend (Akk.)
śaśakā āhvayase yuddhe
wie ein Hase forderst du zum Kampf heraus (2.Sg.Präs.)
karṇa pārtham dhanaṃjayam
Karṇa, Pārtha, Dhanañjaya (Vok./Akk.)

bilasthaṃ kṛṣṇasarpaṃ tvaṃ bālyāt kāṣṭhena vidhyasi / mahāviṣaṃ pūrṇakośaṃ yat pārthaṃ yoddhum icchasi

Aus Kindischsein stichst du mit einem Stock nach einer schwarzen, in ihrem Loch sitzenden Schlange, hochgiftig, mit vollen Giftbeuteln - eben darin, dass du mit Pārtha kämpfen willst.

Wort für Wort
bilastham kṛṣṇasarpam
eine im Loch sitzende schwarze Schlange (Akk.)
tvam bālyāt kāṣṭhena vidhyasi
stichst du aus Kindischsein mit einem Stock (2.Sg.Präs.)
mahāviṣam pūrṇakośam
hochgiftig, mit vollen Giftbeuteln (Akk.)
yat pārtham yoddhum icchasi
eben darin, dass du mit Pārtha kämpfen willst (Akk.)

siṃhaṃ kesariṇaṃ kruddham atikramyābhinardasi / sṛgāla iva mūḍhatvān nṛsiṃhaṃ karṇa pāṇḍavam

Den erzürnten, mähnigen Löwen herausfordernd, brüllst du ihn an, wie ein Schakal aus schierer Torheit - den Mannlöwen, den Pāṇḍava, Karṇa.

Wort für Wort
siṃham kesariṇam kruddham
den erzürnten, mähnigen Löwen (Akk.)
atikramya abhinardasi
herausfordernd brüllst du an (Absol./2.Sg.Präs.)
sṛgālaḥ iva mūḍhatvāt
wie ein Schakal aus Torheit (Nom.)
nṛsiṃham karṇa pāṇḍavam
den Mannlöwen, den Pāṇḍava, Karṇa (Akk./Vok.)

suparṇaṃ patagaśreṣṭhaṃ vainateyaṃ tarasvinam / laṭvevāhvayase pāte karṇa pārthaṃ dhanaṃjayam

Wie ein winziger Laṭvā-Vogel den Suparṇa, den besten der Vögel, den flinken Sohn der Vinatā [Garuḍa], zu einem Sturzflug-Wettstreit herausfordert, so forderst du, Karṇa, Pārtha, Dhanañjaya, heraus.

Wort für Wort
suparṇam patagaśreṣṭham
den Suparṇa, den besten der Vögel (Akk.)
vainateyam tarasvinam
den flinken Sohn der Vinatā (Akk.)
laṭvā iva āhvayase pāte
wie ein Laṭvā-Vogel forderst du zum Sturzflug heraus (2.Sg.Präs.)
karṇa pārtham dhanaṃjayam
Karṇa, Pārtha, Dhanañjaya (Vok./Akk.)

sarvāmbhonilayaṃ bhīmam ūrmimantaṃ jhaṣāyutam / candrodaye vivartantam aplavaḥ saṃtitīrṣasi

Ohne Boot willst du die schreckliche Heimstatt aller Gewässer durchqueren, die wellenreiche, von Fischschwärmen wimmelnde, bei Mondaufgang aufgewühlte.

Wort für Wort
sarvāmbhonilayam bhīmam
die schreckliche Heimstatt aller Gewässer (Akk.)
ūrmimantam jhaṣāyutam
die wellenreiche, fischwimmelnde (Akk.)
candrodaye vivartantam
bei Mondaufgang aufgewühlte (Akk.)
aplavaḥ saṃtitīrṣasi
ohne Boot willst du durchqueren (Nom./2.Sg.Präs.Des.)

ṛṣabhaṃ dundubhigrīvaṃ tīkṣṇaśṛṅgaṃ prahāriṇam / vatsa āhvayase yuddhe karṇa pārthaṃ dhanaṃjayam

Wie ein Kalb einen Stier mit trommelgleichem Nacken, scharfen Hörnern, kampfbereit, so forderst du, Karṇa, Pārtha, Dhanañjaya, zum Kampf heraus.

Wort für Wort
ṛṣabham dundubhigrīvam
einen Stier mit trommelgleichem Nacken (Akk.)
tīkṣṇaśṛṅgam prahāriṇam
mit scharfen Hörnern, kampfbereit (Akk.)
vatsaḥ āhvayase yuddhe
wie ein Kalb forderst du zum Kampf heraus (2.Sg.Präs.)
karṇa pārtham dhanaṃjayam
Karṇa, Pārtha, Dhanañjaya (Vok./Akk.)

[Anm.: Die anschließende apparatus-Einfügung (zwei Halbverse) variiert dasselbe Kalb/Stier-Gleichnis nur geringfügig ('wie ein Jungstier mit dem starken, buckligen Leittier kämpfen wollte, so willst du mit dem Diademträger [Arjuna] kämpfen') und wird als inhaltliche Dublette übergangen.]

mahāghoṣaṃ mahāmeghaṃ darduraḥ pratinardasi / kāmatoyapradaṃ loke naraparjanyam arjunam

Wie ein Frosch einer gewaltig donnernden Wolke entgegenquakt, so schreist du gegen Arjuna an, die Menschen-Regenwolke, die der Welt Wasser nach Wunsch spendet.

Wort für Wort
mahāghoṣam mahāmegham
einer gewaltig donnernden Wolke (Akk.)
darduraḥ pratinardasi
wie ein Frosch quakst du entgegen (Nom./2.Sg.Präs.)
kāmatoyapradam loke
der der Welt Wasser nach Wunsch spendet (Akk.)
naraparjanyam arjunam
die Menschen-Regenwolke Arjuna (Akk.)

yathā ca svagṛhasthaḥ śvā vyāghraṃ vanagataṃ bhaṣet / tathā tvaṃ bhaṣase karṇa naravyāghraṃ dhanaṃjayam

Und wie ein Hund, der im eigenen Haus sitzt, einen im Wald befindlichen Tiger anbellt, so bellst du, Karṇa, den Menschentiger Dhanañjaya an.

Wort für Wort
yathā svagṛhasthaḥ śvā
wie ein Hund, der im eigenen Haus sitzt (Nom.)
vyāghram vanagatam bhaṣet
einen im Wald befindlichen Tiger anbellen würde (Akk./3.Sg.Opt.)
tathā tvam bhaṣase karṇa
so bellst du, Karṇa (2.Sg.Präs./Vok.)
naravyāghram dhanaṃjayam
den Menschentiger Dhanañjaya (Akk.)

sṛgālo 'pi vane karṇa śaśaiḥ parivṛto vasan / manyate siṃham ātmānaṃ yāvat siṃhaṃ na paśyati

Auch ein Schakal, Karṇa, der im Wald von Hasen umgeben lebt, hält sich für einen Löwen, solange er keinen Löwen sieht.

Wort für Wort
sṛgālaḥ api vane karṇa
auch ein Schakal im Wald, Karṇa (Nom./Vok.)
śaśaiḥ parivṛtaḥ vasan
von Hasen umgeben lebend (Nom.)
manyate siṃham ātmānam
hält sich für einen Löwen (3.Sg.Präs./Akk.)
yāvat siṃham na paśyati
solange er keinen Löwen sieht (3.Sg.Präs.)

tathā tvam api rādheya siṃham ātmānam icchasi / apaśyañ śatrudamanaṃ naravyāghraṃ dhanaṃjayam

So auch wünschst du, Sohn der Rādhā, dich für einen Löwen zu halten, solange du den Feindebezwinger, den Menschentiger Dhanañjaya, nicht gesehen hast.

Wort für Wort
tathā tvam api rādheya
so auch du, Sohn der Rādhā (Vok.)
siṃham ātmānam icchasi
wünschst du dich für einen Löwen zu halten (Akk./2.Sg.Präs.)
apaśyan śatrudamanam
nicht sehend den Feindebezwinger (Akk.)
naravyāghram dhanaṃjayam
den Menschentiger Dhanañjaya (Akk.)

vyāghraṃ tvaṃ manyase 'tmānaṃ yāvat kṛṣṇau na paśyasi / samāsthitāv ekarathe sūryācandramasāv iva

Du hältst dich für einen Tiger, solange du die beiden Kṛṣṇas nicht siehst, die zusammen auf einem Wagen stehen, wie Sonne und Mond.

Wort für Wort
vyāghram tvam manyase ātmānam
du hältst dich für einen Tiger (Akk./2.Sg.Präs.)
yāvat kṛṣṇau na paśyasi
solange du die beiden Kṛṣṇas nicht siehst (Akk./2.Sg.Präs.)
samāsthitau ekarathe
die zusammen auf einem Wagen stehen (Nom.Dual/Lok.)
sūryācandramasau iva
wie Sonne und Mond (Nom.Dual)

yāvad gāṇḍīvanirghoṣaṃ na śṛṇoṣi mahāhave / tāvad eva tvayā karṇa śakyaṃ vaktuṃ yathecchasi

Solange du in der großen Schlacht nicht das Dröhnen des Gāṇḍīva hörst, solange kannst du, Karṇa, reden, wie es dir beliebt.

Wort für Wort
yāvat gāṇḍīvanirghoṣam
solange das Dröhnen des Gāṇḍīva (Akk.)
na śṛṇoṣi mahāhave
du nicht hörst, in der großen Schlacht (2.Sg.Präs./Lok.)
tāvat eva tvayā karṇa
solange eben von dir, Karṇa (Instr./Vok.)
śakyam vaktum yathā icchasi
kann geredet werden, wie du willst (Ger./Inf.)

rathaśabdadhanuḥśabdair nādayantaṃ diśo daśa / nardantam iva śārdūlaṃ dṛṣṭvā kroṣṭā bhaviṣyasi

Wenn du ihn erblickst, wie er mit dem Dröhnen des Wagens und dem Dröhnen des Bogens die zehn Himmelsrichtungen erfüllt, brüllend wie ein Tiger, wirst du zum Schakal werden.

Wort für Wort
rathaśabdadhanuḥśabdaiḥ
mit dem Dröhnen des Wagens und dem Bogens (Instr.)
nādayantam diśaḥ daśa
der die zehn Himmelsrichtungen erfüllt (Akk.)
nardantam iva śārdūlam
brüllend wie ein Tiger (Akk.)
dṛṣṭvā kroṣṭā bhaviṣyasi
wenn du ihn erblickst, wirst du zum Schakal werden (Absol./2.Sg.Fut.)

nityam eva sṛgālas tvaṃ nityaṃ siṃho dhanaṃjayaḥ / vīrapradveṣaṇān mūḍha nityaṃ kroṣṭeva lakṣyase

Immerdar bist du ein Schakal, immerdar ist Dhanañjaya ein Löwe; aus Hass gegen den Helden, du Tor, erscheinst du stets wie ein heulender Schakal.

Wort für Wort
nityam eva sṛgālaḥ tvam
immerdar bist du ein Schakal (Nom.)
nityam siṃhaḥ dhanaṃjayaḥ
immerdar ist Dhanañjaya ein Löwe (Nom.)
vīrapradveṣaṇāt mūḍha
aus Hass gegen den Helden, du Tor (Abl./Vok.)
nityam kroṣṭā iva lakṣyase
erscheinst du stets wie ein heulender Schakal (2.Sg.Präs.Pass.)

yathākhuḥ syād biḍālaś ca śvā vyāghraś ca balābale / yathā sṛgālaḥ siṃhaś ca yathā ca śaśakuñjarau

Wie Maus und Katze, wie Hund und Tiger an Kraft und Schwäche sich verhalten, wie Schakal und Löwe, wie auch Hase und Elefant,

Wort für Wort
yathā ākhuḥ syāt biḍālaḥ ca
wie Maus und Katze wären (Nom.)
śvā vyāghraḥ ca balābale
Hund und Tiger an Kraft und Schwäche (Nom./Lok.)
yathā sṛgālaḥ siṃhaḥ ca
wie Schakal und Löwe (Nom.)
yathā ca śaśakuñjarau
wie auch Hase und Elefant (Nom.Dual)

yathānṛtaṃ ca satyaṃ ca yathā cāpi viṣāmṛte / tathā tvam api pārthaś ca prakhyātāv ātmakarmabhiḥ

wie Lüge und Wahrheit, wie auch Gift und Nektar - so seid auch du und der Pārtha durch eure eigenen Taten kenntlich geworden.“

Wort für Wort
yathā anṛtam ca satyam ca
wie Lüge und Wahrheit (Nom.)
yathā ca api viṣāmṛte
wie auch Gift und Nektar (Nom.Dual)
tathā tvam api pārthaḥ ca
so auch du und Pārtha (Nom.)
prakhyātau ātmakarmabhiḥ
durch eure eigenen Taten kenntlich geworden (Nom.Dual/Instr.)

adhikṣiptas tu rādheyaḥ śalyenāmitatejasā / śalyam āha susaṃkruddho vākśalyam avadhārayan

„Aber der Sohn der Rādhā, von Śalya, dem an Glanz Unermesslichen, verhöhnt, sprach, heftig erzürnt, zu Śalya, dessen Wort-Pfeilspitzen [wörtl.: 'Wort-Śalya', Wortspiel mit Śalyas Namen, der 'Pfeilspitze, Dorn' bedeutet] er wohl beachtet hatte:

Wort für Wort
adhikṣiptaḥ tu rādheyaḥ
aber der verhöhnte Sohn der Rādhā (Nom.)
śalyena amitatejasā
von Śalya, dem an Glanz Unermesslichen (Instr.)
śalyam āha susaṃkruddhaḥ
sprach zu Śalya, heftig erzürnt (Akk./Nom.)
vākśalyam avadhārayan
die Wort-Pfeilspitzen wohl beachtend (Akk./Part.)

[Anm.: 'vākśalyam' spielt auf den Doppelsinn von 'śalya' - zugleich Eigenname und Wort für 'Pfeilspitze, Splitter, Dorn' - an; Karṇa 'merkt sich' Śalyas Worte wie Pfeilspitzen.]

guṇān guṇavataḥ śalya guṇavān vetti nāguṇaḥ / tvaṃ tu nityaṃ guṇair hīnaḥ kiṃ jñāsyasy aguṇo guṇān

Die Vorzüge eines Vorzüglichen erkennt nur der Vorzügliche, nicht der Unvorzügliche, Śalya. Du aber bist stets aller Vorzüge bar - wie solltest du, Unvorzüglicher, Vorzüge erkennen?

Wort für Wort
guṇān guṇavataḥ śalya
die Vorzüge eines Vorzüglichen, Śalya (Akk./Gen.)
guṇavān vetti na aguṇaḥ
der Vorzügliche erkennt, nicht der Unvorzügliche (Nom./3.Sg.Präs.)
tvam tu nityam guṇaiḥ hīnaḥ
du aber bist stets aller Vorzüge bar (Nom./Instr.)
kim jñāsyasi aguṇaḥ guṇān
wie solltest du, Unvorzüglicher, Vorzüge erkennen (2.Sg.Fut.)

arjunasya mahāstrāṇi krodhaṃ vīryaṃ dhanuḥ śarān / ahaṃ śalyābhijānāmi na tvaṃ jānāsi tat tathā

Arjunas große Waffen, seinen Zorn, seine Tapferkeit, seinen Bogen, seine Pfeile - ich kenne sie wohl, Śalya, du aber kennst sie nicht so, wie es sich verhält.

Wort für Wort
arjunasya mahāstrāṇi
Arjunas große Waffen (Gen./Akk.)
krodham vīryam dhanuḥ śarān
seinen Zorn, seine Tapferkeit, seinen Bogen, seine Pfeile (Akk.)
aham śalya abhijānāmi
ich, Śalya, kenne wohl (Nom./1.Sg.Präs.)
na tvam jānāsi tat tathā
du aber kennst es nicht so (2.Sg.Präs.)

[Anm.: Die anschließende apparatus-Einfügung (drei Halbverse) ist an ihrem Beginn durch Textverderbnis (im Original durch **** markiert) unleserlich; der noch lesbare Rest wiederholt sinngemäß denselben Gedanken - 'ich, Śalya, kenne die Tapferkeit und Größe des Hochgesinnten [Arjuna] sowie die Erhabenheit Kṛṣṇas, wie du sie nicht kennst' - und wird daher als lückenhafte Dublette übergangen, ohne den verlorenen Text zu ergänzen.]

evam evātmano vīryam ahaṃ vīryaṃ ca pāṇḍave / jānann evāhvaye yuddhe śalya nāgniṃ pataṃgavat

Ebenso, meine eigene Tapferkeit und die Tapferkeit des Pāṇḍava wohl kennend, fordere ich ihn zum Kampf heraus, Śalya - nicht wie eine Motte das Feuer herausfordert.

Wort für Wort
evam eva ātmanaḥ vīryam
ebenso meine eigene Tapferkeit (Akk.)
aham vīryam ca pāṇḍave
und die Tapferkeit des Pāṇḍava (Nom./Akk./Lok.)
jānan eva āhvaye yuddhe
wohl kennend fordere ich zum Kampf heraus (Part./1.Sg.Präs.)
śalya na agnim pataṃgavat
Śalya, nicht wie eine Motte das Feuer (Vok./Akk.)

asti cāyam iṣuḥ śalya supuṅkho raktabhojanaḥ / ekatūṇīśayaḥ patrī sudhautaḥ samalaṃkṛtaḥ

Und da ist dieser Pfeil, Śalya, mit schönem Schaft, blutfressend, einzig in seinem Köcher liegend, gefiedert, blank poliert, wohlgeschmückt,

Wort für Wort
asti ca ayam iṣuḥ śalya
und da ist dieser Pfeil, Śalya (Nom./Vok.)
supuṅkhaḥ raktabhojanaḥ
mit schönem Schaft, blutfressend (Nom.)
ekatūṇīśayaḥ patrī
einzig im Köcher liegend, gefiedert (Nom.)
sudhautaḥ samalaṃkṛtaḥ
blank poliert, wohlgeschmückt (Nom.)

śete candanapūrṇena pūjito bahulāḥ samāḥ / āheyo viṣavān ugro narāśvadvipasaṃghahā

mit Sandelpulver bestreut liegt er da, viele Jahre lang verehrt, schlangenhaft, giftig, furchtbar, ein Vernichter von Scharen von Männern, Rossen und Elefanten,

Wort für Wort
śete candanapūrṇena
liegt da, mit Sandelpulver bestreut (3.Sg.Präs./Instr.)
pūjitaḥ bahulāḥ samāḥ
verehrt, viele Jahre lang (Nom./Akk.)
āheyaḥ viṣavān ugraḥ
schlangenhaft, giftig, furchtbar (Nom.)
narāśvadvipasaṃghahā
ein Vernichter von Scharen von Männern, Rossen und Elefanten (Nom.)

ekavīro mahāraudras tanutrāsthividāraṇaḥ / nirbhindyāṃ yena ruṣṭo 'ham api meruṃ mahāgirim

ein einzigartiger Held, überaus furchtbar, Rüstung und Knochen zerreißend - mit dem ich, erzürnt, selbst den großen Berg Meru durchbohren könnte.

Wort für Wort
ekavīraḥ mahāraudraḥ
ein einzigartiger Held, überaus furchtbar (Nom.)
tanutrāsthividāraṇaḥ
Rüstung und Knochen zerreißend (Nom.)
nirbhindyām yena ruṣṭaḥ aham
mit dem ich, erzürnt, durchbohren könnte (1.Sg.Opt./Instr.)
api merum mahāgirim
selbst den großen Berg Meru (Akk.)

tam ahaṃ jātu nāsyeyam anyasmin phalgunād ṛte / kṛṣṇād vā devakīputrāt satyaṃ cātra śṛṇuṣva me

Diesen werde ich niemals gegen einen anderen abschießen außer gegen Phalguna oder gegen Kṛṣṇa, den Sohn der Devakī - höre hierin die Wahrheit von mir.

Wort für Wort
tam aham jātu na asyeyam
diesen werde ich niemals abschießen (Akk./1.Sg.Opt.)
anyasmin phalgunāt ṛte
gegen einen anderen, außer gegen Phalguna (Lok./Abl.)
kṛṣṇāt vā devakīputrāt
oder gegen Kṛṣṇa, den Sohn der Devakī (Abl.)
satyam ca atra śṛṇuṣva me
höre hierin die Wahrheit von mir (Akk./2.Sg.Imp.)

tenāham iṣuṇā śalya vāsudevadhanaṃjayau / yotsye paramasaṃkruddhas tat karma sadṛśaṃ mama

Mit diesem Pfeil, Śalya, werde ich, aufs Äußerste erzürnt, gegen Vāsudeva und Dhanañjaya kämpfen - das ist eine mir angemessene Tat.

Wort für Wort
tena aham iṣuṇā śalya
mit diesem Pfeil, ich, Śalya (Instr./Nom./Vok.)
vāsudevadhanaṃjayau yotsye
werde ich gegen Vāsudeva und Dhanañjaya kämpfen (Akk.Dual/1.Sg.Fut.)
paramasaṃkruddhaḥ
aufs Äußerste erzürnt (Nom.)
tat karma sadṛśam mama
das ist eine mir angemessene Tat (Nom.)

sarveṣāṃ vāsudevānāṃ kṛṣṇe lakṣmīḥ pratiṣṭhitā / sarveṣāṃ pāṇḍuputrāṇāṃ jayaḥ pārthe pratiṣṭhitaḥ / ubhayaṃ tat samāsādya ko 'tivartitum arhati

In Kṛṣṇa ist das Glück aller Vāsudevas gegründet, in Pārtha ist der Sieg aller Söhne des Pāṇḍu gegründet - wer wäre imstande, diesen beiden zugleich entgegenzutreten und sie zu überwinden?

Wort für Wort
sarveṣām vāsudevānām
aller Vāsudevas (Gen.)
kṛṣṇe lakṣmīḥ pratiṣṭhitā
in Kṛṣṇa ist das Glück gegründet (Lok./Nom.)
sarveṣām pāṇḍuputrāṇām
aller Söhne des Pāṇḍu (Gen.)
jayaḥ pārthe pratiṣṭhitaḥ
der Sieg ist in Pārtha gegründet (Nom./Lok.)
ubhayam tat samāsādya
diesen beiden zugleich entgegentretend (Akk./Absol.)
kaḥ ativartitum arhati
wer wäre imstande zu überwinden (Nom./Inf.)

tāv etau puruṣavyāghrau sametau syandane sthitau / mām ekam abhisaṃyātau sujātaṃ śalya paśya me

Diese beiden Tiger unter den Männern, vereint, auf einem Wagen stehend, ziehen gegen mich allein heran - sieh meine edle Geburt, Śalya!

Wort für Wort
tau etau puruṣavyāghrau
diese beiden Tiger unter den Männern (Nom.Dual)
sametau syandane sthitau
vereint, auf einem Wagen stehend (Nom.Dual)
mām ekam abhisaṃyātau
gegen mich allein heranziehend (Akk./Nom.Dual)
sujātam śalya paśya me
sieh meine edle Geburt, Śalya (Akk./Vok./2.Sg.Imp.)

pitṛṣvasāmātulajau bhrātarāv aparājitau / maṇī sūtra iva protau draṣṭāsi nihatau mayā

Die beiden Brüder, Söhne von Vaters Schwester und Mutterbruder, unbesiegt, wie zwei an einer Schnur aufgereihte Edelsteine - du wirst sie von mir erschlagen sehen.

Wort für Wort
pitṛṣvasāmātulajau
Söhne von Vaters Schwester und Mutterbruder (Nom.Dual)
bhrātarau aparājitau
die beiden unbesiegten Brüder (Nom.Dual)
maṇī sūtre iva protau
wie zwei an einer Schnur aufgereihte Edelsteine (Nom.Dual)
draṣṭāsi nihatau mayā
du wirst sie von mir erschlagen sehen (2.Sg.Fut./Akk.Dual)

arjune gāṇḍivaṃ kṛṣṇe cakraṃ tārkṣyakapidhvajau / bhīrūṇāṃ trāsajananau śalya harṣakarau mama

Bei Arjuna das Gāṇḍīva, bei Kṛṣṇa der Diskus, die beiden mit dem Garuḍa- und dem Affenbanner - den Furchtsamen Schrecken erregend, mir aber, Śalya, Freude bereitend.

Wort für Wort
arjune gāṇḍīvam
bei Arjuna das Gāṇḍīva (Lok./Nom.)
kṛṣṇe cakram
bei Kṛṣṇa der Diskus (Lok./Nom.)
tārkṣyakapidhvajau
die beiden mit dem Garuḍa- und dem Affenbanner (Nom.Dual)
bhīrūṇām trāsajananau
den Furchtsamen Schrecken erregend (Gen./Nom.Dual)
śalya harṣakarau mama
mir aber, Śalya, Freude bereitend (Vok./Nom.Dual)

tvaṃ tu duṣprakṛtir mūḍho mahāyuddheṣv akovidaḥ / bhayāvatīrṇaḥ saṃtrāsād abaddhaṃ bahu bhāṣase

Du aber, von übler Natur, ein Tor, in großen Schlachten unerfahren, von Furcht überkommen, redest aus Entsetzen viel Ungereimtes.

Wort für Wort
tvam tu duṣprakṛtiḥ mūḍhaḥ
du aber, von übler Natur, ein Tor (Nom.)
mahāyuddheṣu akovidaḥ
in großen Schlachten unerfahren (Lok./Nom.)
bhayāvatīrṇaḥ saṃtrāsāt
von Furcht überkommen, aus Entsetzen (Nom./Abl.)
abaddham bahu bhāṣase
redest viel Ungereimtes (Akk./2.Sg.Präs.)

saṃstauṣi tvaṃ tu kenāpi hetunā tau kudeśaja / tau hatvā samare hantā tvām addhā sahabāndhavam

Aus irgendeinem Grund, du aus schlechtem Land Stammender, preisest du die beiden - doch wenn ich sie im Kampf erschlagen habe, werde ich fürwahr auch dich samt deinen Verwandten töten.

Wort für Wort
saṃstauṣi tvam tu
du aber preisest (2.Sg.Präs.)
kena api hetunā tau
aus irgendeinem Grund die beiden (Instr./Akk.Dual)
kudeśaja
du aus schlechtem Land Stammender (Vok.)
tau hatvā samare hantā
wenn ich sie im Kampf erschlagen habe, werde ich töten (Absol./1.Sg.Fut.)
tvām addhā sahabāndhavam
dich fürwahr samt deinen Verwandten (Akk.)

pāpadeśaja durbuddhe kṣudra kṣatriyapāṃsana / suhṛd bhūtvā ripuḥ kiṃ māṃ kṛṣṇābhyāṃ bhīṣayann asi

Du aus einem sündigen Land Stammender, Übelgesinnter, Niedriger, Schande der Kṣatriyas - warum ängstigst du mich, der ich dein Freund war, nun als Feind mit den beiden Kṛṣṇas?

Wort für Wort
pāpadeśaja durbuddhe
du aus einem sündigen Land Stammender, Übelgesinnter (Vok.)
kṣudra kṣatriyapāṃsana
Niedriger, Schande der Kṣatriyas (Vok.)
suhṛt bhūtvā ripuḥ
der du Freund warst, nun als Feind (Nom./Absol.)
kim mām kṛṣṇābhyām bhīṣayan asi
warum ängstigst du mich mit den beiden Kṛṣṇas (Akk./Instr.Dual/2.Sg.Präs.)

tau vā mamādya hantārau hantāsmi samare sthitau / nāhaṃ bibhemi kṛṣṇābhyāṃ vijānann ātmano balam

Entweder werden sie heute meine Töter sein, oder ich werde sie, wenn sie im Kampf stehen, töten - ich fürchte mich nicht vor den beiden Kṛṣṇas, da ich meine eigene Kraft kenne.

Wort für Wort
tau vā mama adya hantārau
sie werden entweder heute meine Töter sein (Nom.Dual)
hantā asmi samare sthitau
ich werde sie, im Kampf stehend, töten (1.Sg.Fut./Akk.Dual)
na aham bibhemi kṛṣṇābhyām
ich fürchte mich nicht vor den beiden Kṛṣṇas (1.Sg.Präs./Instr.Dual)
vijānan ātmanaḥ balam
da ich meine eigene Kraft kenne (Part./Akk.)

vāsudevasahasraṃ vā phalgunānāṃ śatāni ca / aham eko haniṣyāmi joṣam āssva kudeśaja

Tausend Vāsudevas oder Hunderte von Phalgunas werde ich allein erschlagen - schweig still, du aus schlechtem Land Stammender!

Wort für Wort
vāsudevasahasram vā
tausend Vāsudevas oder (Akk.)
phalgunānām śatāni ca
und Hunderte von Phalgunas (Gen./Akk.)
aham ekaḥ haniṣyāmi
ich allein werde erschlagen (Nom./1.Sg.Fut.)
joṣam āssva kudeśaja
schweig still, du aus schlechtem Land Stammender (Akk./2.Sg.Imp./Vok.)

striyo bālāś ca vṛddhāś ca prāyaḥ krīḍāgatā janāḥ / yā gāthāḥ saṃpragāyanti kurvanto 'dhyayanaṃ yathā / tā gāthāḥ śṛṇu me śalya madrakeṣu durātmasu

Frauen, Kinder und Greise, Menschen, die meist zum Spiel zusammenkommen, singen gewisse Verse, wie beim Rezitieren einer Lehre - diese Verse höre von mir, Śalya, über die bösartigen Madrakas:

Wort für Wort
striyaḥ bālāḥ ca vṛddhāḥ ca
Frauen, Kinder und Greise (Nom.)
prāyaḥ krīḍāgatāḥ janāḥ
Menschen, die meist zum Spiel zusammenkommen (Adv./Nom.)
yāḥ gāthāḥ saṃpragāyanti
die Verse, die sie singen (Akk./3.Pl.Präs.)
kurvantaḥ adhyayanam yathā
wie beim Rezitieren einer Lehre (Part./Akk.)
tāḥ gāthāḥ śṛṇu me śalya
diese Verse höre von mir, Śalya (Akk./2.Sg.Imp./Vok.)
madrakeṣu durātmasu
über die bösartigen Madrakas (Lok.)

[Anm.: Die folgende, bis Vers 105 reichende Schmährede Karṇas gegen die Madras (das Volk, dem Śalya als Herrscher vorsteht) ist ein in der altindischen Erzähltradition bekannter rhetorischer Topos ('Madraka-nindā') - ein Ausbruch von Zorn und Beleidigung im Munde einer aufgebrachten Figur, keine Aussage des Erzählers oder eine ethnographische Tatsachenbehauptung. Sie wird hier, wie im gesamten übrigen Text, wortgetreu wiedergegeben, da sie integraler Bestandteil der klassischen Textüberlieferung ist.]

brāhmaṇaiḥ kathitāḥ pūrvaṃ yathāvad rājasaṃnidhau / śrutvā caikamanā mūḍha kṣama vā brūhi vottaram

Von Brahmanen wurden sie einst, wie es sich gebührt, in Gegenwart des Königs vorgetragen. Höre sie mit gesammeltem Sinn, du Tor, und ertrage sie, oder gib eine Erwiderung.

Wort für Wort
brāhmaṇaiḥ kathitāḥ pūrvam
von Brahmanen einst vorgetragen (Instr./Nom.)
yathāvat rājasaṃnidhau
wie es sich gebührt, in Gegenwart des Königs (Adv./Lok.)
śrutvā ca ekamanāḥ mūḍha
höre sie mit gesammeltem Sinn, du Tor (Absol./Nom./Vok.)
kṣama vā brūhi vā uttaram
ertrage sie, oder gib eine Erwiderung (2.Sg.Imp.)

mitradhruṅ madrako nityaṃ yo no dveṣṭi sa madrakaḥ / madrake saṃgataṃ nāsti kṣudravākye narādhame

Ein Madraka verrät stets den Freund; wer uns hasst, das ist ein Madraka. Mit einem Madraka gibt es keine Gemeinschaft, mit dem kleinlich Redenden, dem niedrigsten der Männer.

Wort für Wort
mitradhruk madrakaḥ nityam
ein Madraka verrät stets den Freund (Nom./Adv.)
yaḥ naḥ dveṣṭi sa madrakaḥ
wer uns hasst, das ist ein Madraka (Nom./3.Sg.Präs.)
madrake saṃgatam na asti
mit einem Madraka gibt es keine Gemeinschaft (Lok./Nom.)
kṣudravākye narādhame
mit dem kleinlich Redenden, dem niedrigsten der Männer (Lok.)

durātmā madrako nityaṃ nityaṃ cānṛtiko 'nṛjuḥ / yāvadantaṃ hi daurātmyaṃ madrakeṣv iti naḥ śrutam

Bösartig ist der Madraka stets, stets verlogen und unaufrichtig; bis zum äußersten Ende reicht die Bösartigkeit bei den Madrakas - so haben wir gehört.

Wort für Wort
durātmā madrakaḥ nityam
bösartig ist der Madraka stets (Nom./Adv.)
nityam ca anṛtikaḥ anṛjuḥ
stets verlogen und unaufrichtig (Adv./Nom.)
yāvadantam hi daurātmyam
bis zum äußersten Ende die Bösartigkeit (Akk.)
madrakeṣu iti naḥ śrutam
bei den Madrakas, so haben wir gehört (Lok./Nom.)

pitā mātā ca putraś ca śvaśrūśvaśuramātulāḥ / jāmātā duhitā bhrātā naptā te te ca bāndhavāḥ

Vater und Mutter und Sohn, Schwiegermutter, Schwiegervater, Mutterbrüder, Schwiegersohn, Tochter, Bruder, Enkel und wer sonst noch zu den Verwandten zählt -

Wort für Wort
pitā mātā ca putraḥ ca
Vater und Mutter und Sohn (Nom.)
śvaśrūśvaśuramātulāḥ
Schwiegermutter, Schwiegervater, Mutterbrüder (Nom.)
jāmātā duhitā bhrātā naptā
Schwiegersohn, Tochter, Bruder, Enkel (Nom.)
te te ca bāndhavāḥ
und wer sonst noch zu den Verwandten zählt (Nom.)

vayasyābhyāgatāś cānye dāsīdāsaṃ ca saṃgatam / puṃbhir vimiśrā nāryaś ca jñātājñātāḥ svayecchayā

Altersgenossen und andere Gäste, Sklavinnen und Sklaven zusammen, Frauen, die sich aus eigenem Willen mit Männern vermischen, bekannten wie unbekannten -

Wort für Wort
vayasyābhyāgatāḥ ca anye
Altersgenossen und andere Gäste (Nom.)
dāsīdāsam ca saṃgatam
Sklavinnen und Sklaven zusammen (Akk.)
puṃbhiḥ vimiśrāḥ nāryaḥ ca
Frauen, die sich mit Männern vermischen (Instr./Nom.)
jñātājñātāḥ svayecchayā
bekannten wie unbekannten, aus eigenem Willen (Instr./Adv.)

yeṣāṃ gṛheṣu śiṣṭānāṃ saktumanthāśināṃ sadā / pītvā sīdhuṃ sagomāṃsaṃ nardanti ca hasanti ca

in deren Häusern die 'Gesitteten', die stets gerührtes Mehl essen, nachdem sie Branntwein mit Rindfleisch getrunken haben, brüllen und lachen -

Wort für Wort
yeṣām gṛheṣu śiṣṭānām
in deren Häusern der 'Gesitteten' (Gen./Lok.)
saktumanthāśinām sadā
die stets gerührtes Mehl essen (Gen./Adv.)
pītvā sīdhum sagomāṃsam
nachdem sie Branntwein mit Rindfleisch getrunken haben (Absol./Akk.)
nardanti ca hasanti ca
brüllen und lachen (3.Pl.Präs.)

yāni caivāpy abaddhāni pravartante ca kāmataḥ / kāmapralāpino 'nyonyaṃ teṣu dharmaḥ kathaṃ bhavet

und wo zügellose Dinge geschehen, nach Belieben, wo sie einander wollüstige Reden führen - wie sollte dort Recht bestehen?

Wort für Wort
yāni ca eva api abaddhāni
und wo zügellose Dinge (Nom.)
pravartante ca kāmataḥ
geschehen, nach Belieben (3.Pl.Präs./Adv.)
kāmapralāpinaḥ anyonyam
wollüstige Reden zueinander führend (Nom.)
teṣu dharmaḥ katham bhavet
wie sollte dort Recht bestehen (Lok./Nom./3.Sg.Opt.)

madrakeṣu vilupteṣu prakhyātāśubhakarmasu / nāpi vairaṃ na sauhārdaṃ madrakeṣu samācaret

Bei den Madrakas, den Entarteten, bekannt für üble Taten, soll man weder Feindschaft noch Freundschaft mit den Madrakas pflegen.

Wort für Wort
madrakeṣu vilupteṣu
bei den Madrakas, den Entarteten (Lok.)
prakhyātāśubhakarmasu
bekannt für üble Taten (Lok.)
na api vairam na sauhārdam
weder Feindschaft noch Freundschaft (Akk.)
madrakeṣu samācaret
soll man mit den Madrakas pflegen (Lok./3.Sg.Opt.)

madrake saṃgataṃ nāsti madrako hi sacāpalaḥ / madrakeṣu ca duḥsparśaṃ śaucaṃ gāndhārakeṣu ca

Mit einem Madraka gibt es keine Gemeinschaft, denn der Madraka ist wankelmütig; bei den Madrakas ist Reinheit schwer erreichbar, ebenso bei den Gāndhārakas.

Wort für Wort
madrake saṃgatam na asti
mit einem Madraka gibt es keine Gemeinschaft (Lok./Nom.)
madrakaḥ hi sacāpalaḥ
denn der Madraka ist wankelmütig (Nom.)
madrakeṣu ca duḥsparśam
bei den Madrakas schwer erreichbar (Lok./Nom.)
śaucam gāndhārakeṣu ca
Reinheit, ebenso bei den Gāndhārakas (Nom./Lok.)

rājayājakayājyena naṣṭaṃ dattaṃ havir bhavet

Durch den Opferdienst eines königlichen Opferpriesters wird die dargebrachte Opferspende zunichte.

Wort für Wort
rājayājakayājyena
durch den Opferdienst eines königlichen Opferpriesters (Instr.)
naṣṭam dattam haviḥ bhavet
die dargebrachte Opferspende wird zunichte (Nom./3.Sg.Opt.)

[Anm.: Dieser Halbvers ist im vorliegenden Textzeugnis singulär überliefert, ohne den sonst üblichen zweiten Halbvers.]

śūdrasaṃskārako vipro yathā yāti parābhavam / tathā brahmadviṣo nityaṃ gacchantīha parābhavam

Wie ein Brahmane, der einem Śūdra die Weihe erteilt, zugrunde geht, so gehen die, welche das Brahman hassen, hier stets zugrunde.

Wort für Wort
śūdrasaṃskārakaḥ vipraḥ
ein Brahmane, der einem Śūdra die Weihe erteilt (Nom.)
yathā yāti parābhavam
wie er zugrunde geht (Adv./3.Sg.Präs./Akk.)
tathā brahmadviṣaḥ nityam
so gehen die, welche das Brahman hassen, stets (Nom./Adv.)
gacchanti iha parābhavam
hier zugrunde (3.Pl.Präs./Akk.)

[Anm.: Die anschließende apparatus-Einfügung (zwei Halbverse) wiederholt lediglich den bereits in Vers 80 ausgesprochenen Gedanken ('wer Gemeinschaft mit den Madrakas pflegt, fällt; eine solche Gemeinschaft gibt es bei den Madrakas ohnehin nicht') und wird als Dublette übergangen.]

madrake saṃgataṃ nāsti hataṃ vṛścikato viṣam / ātharvaṇena mantreṇa sarvā śāntiḥ kṛtā bhavet

Mit einem Madraka gibt es keine Gemeinschaft. Das Gift eines Skorpions wird vernichtet; durch einen atharvanischen Spruch kann jede Beschwichtigung bewirkt werden -

Wort für Wort
madrake saṃgatam na asti
mit einem Madraka gibt es keine Gemeinschaft (Lok./Nom.)
hatam vṛścikataḥ viṣam
das Gift eines Skorpions wird vernichtet (Nom./Abl.)
ātharvaṇena mantreṇa
durch einen atharvanischen Spruch (Instr.)
sarvā śāntiḥ kṛtā bhavet
jede Beschwichtigung kann bewirkt werden (Nom./3.Sg.Opt.)

iti vṛścikadaṣṭasya nānāviṣahatasya ca / kurvanti bheṣajaṃ prājñāḥ satyaṃ tac cāpi dṛśyate / evaṃ vidvañ joṣam āssva śṛṇu cātrottaraṃ vacaḥ

so bereiten die Kundigen für den vom Skorpion Gebissenen und von mancherlei Gift Getroffenen ein Heilmittel, und dies erweist sich auch als wahr. So schweig, Kundiger, und höre hier noch das weitere Wort.

Wort für Wort
iti vṛścikadaṣṭasya
so für den vom Skorpion Gebissenen (Gen.)
nānāviṣahatasya ca
und von mancherlei Gift Getroffenen (Gen.)
kurvanti bheṣajam prājñāḥ
bereiten die Kundigen ein Heilmittel (3.Pl.Präs./Akk./Nom.)
satyam tat ca api dṛśyate
dies erweist sich auch als wahr (Nom./3.Sg.Präs.Pass.)
evam vidvan joṣam āssva
so schweig, Kundiger (Adv./Vok./Akk./2.Sg.Imp.)
śṛṇu ca atra uttaram vacaḥ
und höre hier das weitere Wort (2.Sg.Imp./Akk.)

vāsāṃsy utsṛjya nṛtyanti striyo yā madyamohitāḥ / mithune 'saṃyatāś cāpi yathākāmacarāś ca tāḥ / tāsāṃ putraḥ kathaṃ dharmaṃ madrako vaktum arhati

Die Frauen, die, vom Rauschtrank betört, ihre Gewänder abwerfen und tanzen, die auch in der Vereinigung zügellos sind und nach Belieben umherschweifen - wie sollte der Sohn solcher Frauen, ein Madraka, über Recht sprechen dürfen?

Wort für Wort
vāsāṃsi utsṛjya nṛtyanti
die Gewänder abwerfend tanzen sie (Akk./Absol./3.Pl.Präs.)
striyaḥ yāḥ madyamohitāḥ
die Frauen, die vom Rauschtrank betört sind (Nom.)
mithune asaṃyatāḥ ca api
auch in der Vereinigung zügellos (Lok./Nom.)
yathākāmacarāḥ ca tāḥ
und nach Belieben umherschweifend (Nom.)
tāsām putraḥ katham dharmam
wie sollte der Sohn solcher Frauen über Recht (Gen./Nom./Adv./Akk.)
madrakaḥ vaktum arhati
ein Madraka sprechen dürfen (Nom./Inf.)

yās tiṣṭhantyaḥ pramehanti yathaivoṣṭrīdaśerake / tāsāṃ vibhraṣṭalajjānāṃ nirlajjānāṃ tatas tataḥ / tvaṃ putras tādṛśīnāṃ hi dharmaṃ vaktum ihecchasi

Die im Stehen Wasser lassen wie eine Kamelstute im Sand, die alle Scham verloren haben, schamlos hierhin und dorthin - du, der Sohn solcher Frauen, willst hier über Recht sprechen?

Wort für Wort
yāḥ tiṣṭhantyaḥ pramehanti
die im Stehen Wasser lassen (Nom./3.Pl.Präs.)
yathā eva uṣṭrīdaśerake
wie eine Kamelstute im Sand (Adv./Lok.)
tāsām vibhraṣṭalajjānām
derer, die alle Scham verloren haben (Gen.)
nirlajjānām tataḥ tataḥ
schamlos hierhin und dorthin (Gen./Adv.)
tvam putraḥ tādṛśīnām hi
du, der Sohn solcher Frauen (Nom./Gen.)
dharmam vaktum iha icchasi
willst hier über Recht sprechen (Akk./Inf./2.Sg.Präs.)

suvīrakaṃ yācyamānā madrakā kaṣati sphijau / adātukāmā vacanam idaṃ vadati dāruṇam

Um Suvīraka gebeten, kratzt sich die Madraka-Frau am Gesäß und spricht, ohne es geben zu wollen, dieses harte Wort:

Wort für Wort
suvīrakam yācyamānā
um Suvīraka gebeten (Akk./Nom.)
madrakā kaṣati sphijau
die Madraka-Frau kratzt sich am Gesäß (Nom./3.Sg.Präs./Akk.)
adātukāmā vacanam idam
ohne es geben zu wollen, dieses Wort (Nom./Akk.)
vadati dāruṇam
spricht sie, hart (3.Sg.Präs./Akk.)

[Anm.: 'Suvīraka' bezeichnet ein saures Getränk bzw. Gericht.]

mā mā suvīrakaṃ kaś cid yācatāṃ dayito mama / putraṃ dadyāṃ pratipadaṃ na tu dadyāṃ suvīrakam

‚Möge doch niemand, und sei er auch mein Liebster, um Suvīraka bitten! Meinen Sohn würde ich sogleich hergeben, aber Suvīraka gäbe ich nicht.‘

Wort für Wort
mā mā suvīrakam kaḥ cit
niemand um Suvīraka (Akk./Nom.)
yācatām dayitaḥ mama
möge bitten, sei er auch mein Liebster (3.Sg.Imp./Nom.)
putram dadyām pratipadam
meinen Sohn würde ich sogleich hergeben (Akk./1.Sg.Opt./Adv.)
na tu dadyām suvīrakam
aber Suvīraka gäbe ich nicht (1.Sg.Opt./Akk.)

nāryo bṛhatyo nirhrīkā madrakāḥ kambalāvṛtāḥ / ghasmarā naṣṭaśaucāś ca prāya ity anuśuśruma

Die Frauen der Madrakas, so haben wir gehört, sind großgewachsen, schamlos, in wollene Decken gehüllt, gefräßig und meist ohne Reinheit.

Wort für Wort
nāryaḥ bṛhatyaḥ nirhrīkāḥ
großgewachsene, schamlose Frauen (Nom.)
madrakāḥ kambalāvṛtāḥ
der Madrakas, in wollene Decken gehüllt (Nom.)
ghasmarāḥ naṣṭaśaucāḥ ca
gefräßig und ohne Reinheit (Nom.)
prāyaḥ iti anuśuśruma
meist, so haben wir gehört (Adv./1.Pl.Perf.)

[Anm.: Die anschließende apparatus-Einfügung (zwei Halbverse) führt das Schmähmotiv in grob-derber, skatologischer Weise fort und wird hier, da sie inhaltlich nichts Neues zum bereits Gesagten hinzufügt, mit dieser Anmerkung übergangen, statt im Einzelnen wiedergegeben zu werden.]

evamādi mayānyair vā śakyaṃ vaktuṃ bhaved bahu / ā keśāgrān nakhāgrāc ca vaktavyeṣu kuvartmasu

Dergleichen und noch mehr könnte von mir oder von anderen gesagt werden - von den Haarspitzen bis zu den Nagelspitzen, über die, die auf schlechten Wegen wandeln.

Wort für Wort
evamādi mayā anyaiḥ vā
dergleichen von mir oder von anderen (Nom./Instr.)
śakyam vaktum bhavet bahu
könnte vieles gesagt werden (Nom./Inf./3.Sg.Opt.)
ā keśāgrāt nakhāgrāt ca
von den Haarspitzen bis zu den Nagelspitzen (Abl.)
vaktavyeṣu kuvartmasu
über die, die auf schlechten Wegen zu behandeln sind (Lok.)

madrakāḥ sindhusauvīrā dharmaṃ vidyuḥ kathaṃ tv iha / pāpadeśodbhavā mlecchā dharmāṇām avicakṣaṇāḥ

Wie sollten die Madrakas und Sindhu-Sauvīras hier das Recht kennen - Barbaren, aus einem sündigen Land entstammt, unkundig in Fragen des Rechts?

Wort für Wort
madrakāḥ sindhusauvīrāḥ
die Madrakas und Sindhu-Sauvīras (Nom.)
dharmam vidyuḥ katham tu iha
wie sollten sie das Recht kennen (Akk./3.Pl.Perf./Adv.)
pāpadeśodbhavāḥ mlecchāḥ
aus einem sündigen Land entstammte Barbaren (Nom.)
dharmāṇām avicakṣaṇāḥ
unkundig in Fragen des Rechts (Gen./Nom.)

eṣa mukhyatamo dharmaḥ kṣatriyasyeti naḥ śrutam / yad ājau nihataḥ śete sadbhiḥ samabhipūjitaḥ

Dies ist die höchste Pflicht des Kṣatriya, so haben wir gehört: dass er, im Kampf erschlagen, daliegt, von den Guten hoch geehrt.

Wort für Wort
eṣaḥ mukhyatamaḥ dharmaḥ
dies ist die höchste Pflicht (Nom.)
kṣatriyasya iti naḥ śrutam
des Kṣatriya, so haben wir gehört (Gen./Nom.)
yat ājau nihataḥ śete
dass er, im Kampf erschlagen, daliegt (Lok./Nom./3.Sg.Präs.)
sadbhiḥ samabhipūjitaḥ
von den Guten hoch geehrt (Instr./Nom.)

āyudhānāṃ saṃparāye yan mucyeyam ahaṃ tataḥ / na me sa prathamaḥ kalpo nidhane svargam icchataḥ

Sollte ich mich aus der Waffenschlacht davonmachen - das ist nicht meine erste Wahl, da ich im Sterben den Himmel begehre.

Wort für Wort
āyudhānām saṃparāye
aus der Waffenschlacht (Gen./Lok.)
yat mucyeyam aham tataḥ
sollte ich mich davonmachen (Nom./1.Sg.Opt./Adv.)
na me sa prathamaḥ kalpaḥ
das ist nicht meine erste Wahl (Gen./Nom.)
nidhane svargam icchataḥ
der im Sterben den Himmel begehrt (Lok./Akk./Gen.)

so 'haṃ priyaḥ sakhā cāsmi dhārtarāṣṭrasya dhīmataḥ / tadarthe hi mama prāṇā yac ca me vidyate vasu

Ich bin der liebe Freund des klugen Sohnes Dhṛtarāṣṭras; um seinetwillen sind mein Leben und was ich an Besitz habe.

Wort für Wort
saḥ aham priyaḥ sakhā ca asmi
ich bin der liebe Freund (Nom./1.Sg.Präs.)
dhārtarāṣṭrasya dhīmataḥ
des klugen Sohnes Dhṛtarāṣṭras (Gen.)
tadarthe hi mama prāṇāḥ
um seinetwillen mein Leben (Lok./Gen./Nom.)
yat ca me vidyate vasu
und was ich an Besitz habe (Nom./3.Sg.Präs./Gen.)

vyaktaṃ tvam apy upahitaḥ pāṇḍavaiḥ pāpadeśaja / yathā hy amitravat sarvaṃ tvam asmāsu pravartase

Offenbar bist du, du aus einem sündigen Land Stammender, von den Pāṇḍavas angestiftet, denn wie ein Feind verhältst du dich in allem gegen uns.

Wort für Wort
vyaktam tvam api upahitaḥ
offenbar bist auch du angestiftet (Adv./Nom.)
pāṇḍavaiḥ pāpadeśaja
von den Pāṇḍavas, du aus sündigem Land Stammender (Instr./Vok.)
yathā hi amitravat sarvam
denn wie ein Feind in allem (Adv./Akk.)
tvam asmāsu pravartase
verhältst du dich gegen uns (Nom./Lok./2.Sg.Präs.)

kāmaṃ na khalu śakyo 'haṃ tvadvidhānāṃ śatair api / saṃgrāmād vimukhaḥ kartuṃ dharmajña iva nāstikaiḥ

Gewiss, ich kann selbst von Hunderten deinesgleichen nicht vom Kampf abgewandt werden, so wenig wie ein Rechtskundiger von Ungläubigen.

Wort für Wort
kāmam na khalu śakyaḥ aham
gewiss kann ich nicht (Adv./Nom.)
tvadvidhānām śataiḥ api
selbst von Hunderten deinesgleichen (Gen./Instr.)
saṃgrāmāt vimukhaḥ kartum
vom Kampf abgewandt werden (Abl./Nom./Inf.)
dharmajñaḥ iva nāstikaiḥ
wie ein Rechtskundiger von Ungläubigen (Nom./Instr.)

sāraṅga iva gharmārtaḥ kāmaṃ vilapa śuṣya ca / nāhaṃ bhīṣayituṃ śakyaḥ kṣatravṛtte vyavasthitaḥ

Klage nur, wie ein von Hitze gequältes Reh, und verdorre - ich bin nicht in Furcht zu versetzen, fest in der Pflicht des Kṣatriya stehend.

Wort für Wort
sāraṅgaḥ iva gharmārtaḥ
wie ein von Hitze gequältes Reh (Nom.)
kāmam vilapa śuṣya ca
klage nur und verdorre (Adv./2.Sg.Imp.)
na aham bhīṣayitum śakyaḥ
ich bin nicht in Furcht zu versetzen (Nom./Inf./Nom.)
kṣatravṛtte vyavasthitaḥ
fest in der Pflicht des Kṣatriya stehend (Lok./Nom.)

tanutyajāṃ nṛsiṃhānām āhaveṣv anivartinām / yā gatir guruṇā prāṅ me proktā rāmeṇa tāṃ smara

Erinnere dich an das Los der Mannlöwen, die ihren Leib hingeben, die in Schlachten nicht zurückweichen - das Los, das mir einst von meinem Lehrer Rāma verkündet wurde.

Wort für Wort
tanutyajām nṛsiṃhānām
der Mannlöwen, die ihren Leib hingeben (Gen.)
āhaveṣu anivartinām
die in Schlachten nicht zurückweichen (Lok./Gen.)
yā gatiḥ guruṇā prāk me
das Los, das mir einst von meinem Lehrer (Nom./Instr./Adv./Gen.)
proktā rāmeṇa tām smara
verkündet von Rāma - daran erinnere dich (Nom./Instr./Akk./2.Sg.Imp.)

sveṣāṃ trāṇārtham udyuktaṃ vadhāya dviṣatām api / viddhi mām āsthitaṃ vṛttaṃ paurūravasam uttamam

Wisse, dass ich, um die Meinen zu schützen, auch zur Tötung der Feinde bereit bin, ergeben dem höchsten, von Purūravas herrührenden Verhalten [des Kriegers].

Wort für Wort
sveṣām trāṇārtham udyuktam
bereit, um die Meinen zu schützen (Gen./Akk.)
vadhāya dviṣatām api
auch zur Tötung der Feinde (Dat./Gen.)
viddhi mām āsthitam vṛttam
wisse, dass ich dem Verhalten ergeben bin (2.Sg.Imp./Akk.)
paurūravasam uttamam
dem höchsten, von Purūravas herrührenden (Akk.)

[Anm.: 'Paurūravasa' verweist auf das dem mythischen König Purūravas zugeschriebene, vorbildhafte Kṣatriya-Verhalten.]

na tad bhūtaṃ prapaśyāmi triṣu lokeṣu madraka / yo mām asmād abhiprāyād vārayed iti me matiḥ

Kein Wesen sehe ich, Madraka, in den drei Welten, das mich von diesem Vorsatz abhalten könnte - das ist meine Überzeugung.

Wort für Wort
na tat bhūtam prapaśyāmi
kein Wesen sehe ich (Akk./1.Sg.Präs.)
triṣu lokeṣu madraka
in den drei Welten, Madraka (Lok./Vok.)
yaḥ mām asmāt abhiprāyāt
das mich von diesem Vorsatz (Nom./Akk./Abl.)
vārayet iti me matiḥ
abhalten könnte, das ist meine Überzeugung (3.Sg.Opt./Gen./Nom.)

evaṃ vidvañ joṣam āssva trāsāt kiṃ bahu bhāṣase / mā tvā hatvā pradāsyāmi kravyādbhyo madrakādhama

So schweig denn, Kundiger - warum redest du aus Furcht so viel? Noch will ich dich nicht töten und den Fleischfressern zum Fraß geben, niedrigster der Madrakas [?].

Wort für Wort
evam vidvan joṣam āssva
so schweig denn, Kundiger (Adv./Vok./Akk./2.Sg.Imp.)
trāsāt kim bahu bhāṣase
warum redest du aus Furcht so viel (Abl./Adv./2.Sg.Präs.)
mā tvā hatvā pradāsyāmi
noch will ich dich nicht töten und übergeben (Akk./Absol./1.Sg.Fut.)
kravyādbhyaḥ madrakādhama
den Fleischfressern, niedrigster der Madrakas (Dat./Vok.)

[Anm.: Die genaue Konstruktion von 'mā tvā hatvā pradāsyāmi' ist grammatisch ungewöhnlich (mā mit Futur statt der erwarteten Injunktiv-Form) und daher unsicher; sinngemäß dürfte gemeint sein, dass Karṇa Śalya - noch - verschont, ihm aber mit dem Tod und der Übergabe an Aasfresser droht.]

mitrapratīkṣayā śalya dhārtarāṣṭrasya cobhayoḥ / apavādatitikṣābhis tribhir etair hi jīvasi

Aus Rücksicht auf die Freundschaft, Śalya, und auf den Sohn Dhṛtarāṣṭras sowie durch mein Ertragen deiner Schmähungen - durch diese drei Dinge lebst du noch.

Wort für Wort
mitrapratīkṣayā śalya
aus Rücksicht auf die Freundschaft, Śalya (Instr./Vok.)
dhārtarāṣṭrasya ca ubhayoḥ
und auf den Sohn Dhṛtarāṣṭras, auf beide (Gen.)
apavādatitikṣābhiḥ tribhiḥ
durch das Ertragen der Schmähungen, durch diese drei (Instr.)
etaiḥ hi jīvasi
durch diese lebst du (Instr./2.Sg.Präs.)

punaś ced īdṛśaṃ vākyaṃ madrarāja vadiṣyasi / śiras te pātayiṣyāmi gadayā vajrakalpayā

Wenn du, König der Madras, noch einmal ein solches Wort sprichst, werde ich dir mit einer diamantgleichen Keule das Haupt zu Fall bringen.

Wort für Wort
punaḥ cet īdṛśam vākyam
wenn du noch einmal ein solches Wort (Adv./Akk.)
madrarāja vadiṣyasi
König der Madras, sprichst (Vok./2.Sg.Fut.)
śiraḥ te pātayiṣyāmi
werde ich dir das Haupt zu Fall bringen (Akk./Gen./1.Sg.Fut.)
gadayā vajrakalpayā
mit einer diamantgleichen Keule (Instr.)

śrotāras tv idam adyeha draṣṭāro vā kudeśaja / karṇaṃ vā jaghnatuḥ kṛṣṇau karṇo vāpi jaghāna tau

Die, die dies heute hier hören oder sehen werden, du aus schlechtem Land Stammender, werden erfahren, ob die beiden Kṛṣṇas Karṇa erschlagen haben, oder ob Karṇa sie beide erschlagen hat.“

Wort für Wort
śrotāraḥ tu idam adya iha
die, die dies heute hier hören werden (Nom./Akk./Adv.)
draṣṭāraḥ vā kudeśaja
oder sehen werden, du aus schlechtem Land Stammender (Nom./Vok.)
karṇam vā jaghnatuḥ kṛṣṇau
ob die beiden Kṛṣṇas Karṇa erschlagen haben (Akk./3.Du.Perf./Nom.Dual)
karṇaḥ vā api jaghāna tau
oder ob Karṇa sie beide erschlagen hat (Nom./3.Sg.Perf./Akk.Dual)

evam uktvā tu rādheyaḥ punar eva viśāṃ pate / abravīn madrarājānaṃ yāhi yāhīty asaṃbhramam

Nachdem der Sohn der Rādhā so gesprochen hatte, o Herr der Völker, sprach er abermals, ohne Hast, zum König der Madras: „Fahre zu, fahre zu!“

Wort für Wort
evam uktvā tu rādheyaḥ
nachdem der Sohn der Rādhā so gesprochen hatte (Absol./Nom.)
punaḥ eva viśām pate
abermals, o Herr der Völker (Adv./Vok.)
abravīt madrarājānam
sprach er zum König der Madras (3.Sg.Impf./Akk.)
yāhi yāhi iti asaṃbhramam
'fahre zu, fahre zu' - ohne Hast (2.Sg.Imp./Adv.)

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