yodhe tvayi rathasthe ca madrarāje ca sārathau / rathaśreṣṭho dhruvaṃ saṃkhye pārtho nābhibhaviṣyati
Mit dir als Kämpfer auf dem Wagen und dem Herrn der Madras als Wagenlenker wird gewiss auch Pārtha, der beste der Wagenkämpfer, dich im Kampf nicht überwältigen.“
Wort für Wort
yodhe tvayi rathasthe
während du als Kämpfer auf dem Wagen stehst (Lok.)
ca
und (Konj.)
madrarāje sārathau
während der Herr der Madras Wagenlenker ist (Lok.)
Dann sprach Duryodhana, o König, abermals zu dem schnellkräftigen Herrn der Madras, der die besten Rosse im Kampf lenkte:
Wort für Wort
tataḥ
dann (Adv.)
duryodhanaḥ
Duryodhana (Nom.)
bhūyaḥ
abermals (Adv.)
madrarājam tarasvinam
zum schnellkräftigen Herrn der Madras (Akk.)
uvāca
sprach (3.Sg.Impf.)
rājan
o König (Vok.)
saṃgrāme
im Kampf (Lok.)
saṃyacchantam hayottamān
der die besten Rosse lenkte (Akk.)
[Anm.: An dieser Stelle findet sich im Quelltext eine durch Textlücken (im Original durch **** markiert) beschädigte Einfügung, deren lesbarer Rest ('...als [eine Gelegenheit?] bevorstand, lenke [die Zügel] für Karṇa im Kampf') auf eine Wiederholung der Aufforderung an Śalya hindeutet, für Karṇa die Zügel zu führen; sie wird hier wegen der Unleserlichkeit nicht eigens übersetzt.]
Als Śalya sich bereit erklärt hatte, sprach Karṇa, frohen Sinnes, wiederholt drängend zu seinem [eigenen] Wagenlenker: „Bereite mir eigenhändig meinen Wagen, Wagenlenker!“
Wort für Wort
śalye abhyupagate
als Śalya sich bereit erklärt hatte (Lok. Absol.)
karṇaḥ
Karṇa (Nom.)
sārathim
zu seinem Wagenlenker (Akk.)
sumanāḥ
frohen Sinnes (Nom.)
abravīt
sprach (3.Sg.Impf.)
svam sūta syandanam mahyam
meinen eigenen Wagen für mich, Wagenlenker (Akk./Vok.)
Da bereitete er den siegreichen, vortrefflichen Wagen, einer Gandharva-Stadt gleich, seinem Herrn vorschriftsmäßig und übergab ihn mit den Worten 'Sieg!'
Jenen Wagen - der schon zuvor von dem vedakundigen Hauspriester fertiggestellt worden war - verehrte Karṇa, der beste der Wagenkämpfer, vorschriftsmäßig,
Jene beiden, auf den einen Wagen gestiegen, an Glanz der Sonne und dem Feuer gleich, erstrahlten, wie Sonne und Feuer vereint eine Wolke am Himmel [erstrahlen lassen].
„Die schwierige Tat, die von Droṇa und Bhīṣma im Kampf nicht vollbracht wurde - vollbringe sie, Held, Sohn des Adhiratha, vor den Augen aller Bogenschützen.
tābhyāṃ yad akṛtaṃ vīra vīrakarma mahāmṛdhe / tat karma kuru rādheya vajrapāṇir ivāparaḥ
Die heldische Tat, die von jenen beiden, Held, in der großen Schlacht nicht vollbracht wurde - diese Tat vollbringe, Rādheya, wie ein zweiter Blitzträger.
Heute werde ich, Śalya, Pfeile von höchster Schärfe schleudern - zum Untergang der Pāṇḍavas und zu Duryodhanas Sieg.“
Wort für Wort
adya kṣepsyāmi aham
heute werde ich schleudern (1.Sg.Fut.)
śalya
o Śalya (Vok.)
śarān paramatejanān
Pfeile von höchster Schärfe (Akk.)
pāṇḍavānām vināśāya
zum Untergang der Pāṇḍavas (Dat.)
duryodhanajayāya ca
und zu Duryodhanas Sieg (Dat.)
[Anm.: Zwischen diesen beiden Halbversen steht im Quelltext eine durch Textlücken beschädigte Einfügung, deren lesbarer Rest ('...die Pāṇḍavas samt Janārdana [Kṛṣṇa] ... werde ich im Kampf angreifen, Śalya') denselben Gedanken variiert; sie wird wegen der Unleserlichkeit nicht eigens übersetzt.]
Nachdem er dieses Wort von ihm gehört hatte, sprach Śalya zu Karṇa dieses Wort: „Sohn eines Sūta, wie kannst du nur die Pāṇḍavas geringschätzen - alle kundig jeder Waffe, große Bogenschützen, allesamt große Wagenkämpfer,
Wenn du im Kampf das Dröhnen der Gāṇḍīva hörst, dem Krachen eines Donnerkeils gleich, Rādheya, dann wirst du nicht mehr so reden. Wenn du im Kampf das von Bhīma niedergestreckte Elefantenheer siehst, mit zersplitterten Stoßzähnen, dann wirst du nicht mehr so reden. Wenn du im Kampf den Sohn des Dharma [Yudhiṣṭhira] siehst, und ebenso die beiden Zwillinge, wie sie mit scharfen Pfeilen die Feinde - leichthändig, unnahbar - gleich Wolkenschatten am Himmel dahinschwinden lassen und niedermähen, und auch andere Fürsten, dann wirst du nicht mehr so reden.“
Wort für Wort
yadā śroṣyasi
wenn du hören wirst (2.Sg.Fut.)
nirghoṣam
das Dröhnen (Akk.)
visphūrjitam iva aśaneḥ
dem Krachen eines Donnerkeils gleich (Akk.)
rādheya
o Rādheya (Vok.)
gāṇḍivasya
der Gāṇḍīva (Gen.)
ājau
im Kampf (Lok.)
tadā na evam vadiṣyasi
dann wirst du nicht so reden (2.Sg.Fut.)
yadā drakṣyasi
wenn du sehen wirst (2.Sg.Fut.)
bhīmena
von Bhīma (Instr.)
kuñjarānīkam āhave
das Elefantenheer im Kampf (Akk.)
viśīrṇadantam nihatam
niedergestreckt, mit zersplitterten Stoßzähnen (Akk.)
tato dundubhighoṣeṇa bherīṇāṃ ninadena ca / bāṇaśabdaiś ca vividhair garjitaiś ca tarasvinām / niryayus tāvakā yuddhe mṛtyuṃ kṛtvā nivartanam
Dann, unter dem Dröhnen der Kriegstrommeln und dem Getöse der Kesselpauken, mit vielfachem Pfeilklirren und dem Gebrüll der Schnellkräftigen, zogen deine [Krieger] in die Schlacht, den Tod zu ihrer einzigen Umkehr gemacht habend.
niścaranto vyadṛśyanta sūryāt sapta mahāgrahāḥ / ulkāpātaś ca saṃjajñe diśāṃ dāhas tathaiva ca / tathāśanyaś ca saṃpetur vavur vātāś ca dāruṇāḥ
Sieben große Planeten wurden sichtbar, wie sie aus der Sonne heraustraten; Meteore fielen, und ebenso brannten die Himmelsrichtungen; Donnerkeile schlugen nieder, und schreckliche Winde wehten.
Wort für Wort
niścarantaḥ vyadṛśyanta
wurden sichtbar, heraustretend (3.Pl.Impf.)
sūryāt
aus der Sonne (Abl.)
sapta mahāgrahāḥ
sieben große Planeten (Nom.)
ulkāpātaḥ ca saṃjajñe
und Meteorfall entstand (3.Sg.Perf.)
diśāṃ dāhaḥ tathā eva ca
und ebenso das Brennen der Himmelsrichtungen (Nom.)
tathā aśanyaḥ ca saṃpetuḥ
und ebenso Donnerkeile schlugen nieder (3.Pl.Perf.)
na ca tān gaṇayām āsuḥ sarve te daivamohitāḥ / prasthitaṃ sūtaputraṃ ca jayety ūcur narā bhuvi / śalyena sahitaṃ dṛṣṭvā karṇam āhavaśobhinam / nirjitān pāṇḍavāṃś caiva menire tava kauravāḥ
Doch alle jene, vom Schicksal verblendet, beachteten sie nicht; und die Menschen auf Erden riefen dem aufbrechenden Sohn des Sūta 'Sieg!' zu. Und als sie Karṇa, mit Śalya vereint, kampfesglänzend, sahen, hielten deine Kauravas die Pāṇḍavas schon für besiegt.
Da, auf dem Wagen stehend, entbrannte der Erschlager feindlicher Helden, der Stier unter den Wagenkämpfern, jener Vaikartana, feuergleich, o Bhārata, als er Bhīṣma und Droṇa - die ihre Kraft [im Kampf gezeigt hatten und gefallen waren] - betrachtete.
Wort für Wort
tataḥ rathasthaḥ
da, auf dem Wagen stehend (Nom.)
paravīrahantā
der Erschlager feindlicher Helden (Nom.)
bhīṣmadroṇau āttavīryau
Bhīṣma und Droṇa, die ihre Kraft gezeigt hatten (Akk.)
sa śalyam ābhāṣya jagāda vākyaṃ pārthasya karmāpratimaṃ ca dṛṣṭvā / mānena darpeṇa ca dahyamānaḥ krodhena dīpyann iva niḥśvasitvā
Er wandte sich an Śalya und sprach ein Wort, nachdem er Pārthas unvergleichliche Taten betrachtet hatte, von Stolz und Hochmut verzehrt, wie von Zorn entflammt, schwer aufseufzend:
Wort für Wort
saḥ śalyam ābhāṣya
er, nachdem er sich an Śalya gewandt hatte (Absol.)
nāhaṃ mahendrād api vajrapāṇeḥ kruddhād bibhemy āttadhanū rathasthaḥ / dṛṣṭvā tu bhīṣmapramukhāñ śayānān na tv eva māṃ sthiratā saṃjahāti
„Nicht einmal vor dem zornigen großen Indra, dem Blitzträger, fürchte ich mich, mit gespanntem Bogen auf dem Wagen stehend; doch seit ich Bhīṣma und die anderen Ersten [tot] liegen sah, verlässt mich meine Standhaftigkeit dennoch nicht.
Wort für Wort
na aham
nicht ich (Nom.)
mahendrāt api vajrapāṇeḥ
nicht einmal vor dem großen Indra, dem Blitzträger (Abl.)
kruddhāt
vor dem zornigen (Abl.)
bibhemi
fürchte ich mich (1.Sg.Präs.)
āttadhanuḥ rathasthaḥ
mit gespanntem Bogen, auf dem Wagen stehend (Nom.)
Als jene beiden Untadeligen, dem großen Indra und Viṣṇu gleich, Zermalmer der vortrefflichsten Wagen, Rosse und Elefanten, scheinbar Unbezwingbaren, vom Feind erschlagen wurden - seither ist auch heute noch Bangen in mir im Kampf.
Wort für Wort
mahendraviṣṇupratimau aninditau
dem großen Indra und Viṣṇu gleich, untadelig (Akk.)
rathāśvanāgapravarapramāthinau
Zermalmer der vortrefflichsten Wagen, Rosse und Elefanten (Akk.)
Wenn ich sehe, wie im Kampf Männer, Rosse, Elefanten und Wagen überaus mächtiger Fürsten von Pfeilen erschlagen wurden - wie konnte der Lehrer, der Waffenkundige, der Stier unter den Brahmanen, nicht alle Feinde im Kampf erschlagen?
sa saṃsmaran droṇahavaṃ mahāhave bravīmi satyaṃ kuravo nibodhata / na vo mad anyaḥ prasahed raṇe 'rjunaṃ kramāgataṃ mṛtyum ivograrūpiṇam
Mich an Droṇas Ruf/Schicksal in jener großen Schlacht erinnernd, spreche ich die Wahrheit - Kurus, vernehmt sie: Keiner unter euch außer mir könnte im Kampf Arjuna standhalten, der heranrückt wie der Tod in schrecklicher Gestalt.
Wort für Wort
saḥ saṃsmaran
mich erinnernd (Nom.)
droṇahavam mahāhave
an Droṇas Ruf/Schicksal in jener großen Schlacht (Akk.)
śikṣā prasādaś ca balaṃ dhṛtiś ca droṇe mahāstrāṇi ca saṃnatiś ca / sa ced agān mṛtyuvaśaṃ mahātmā sarvān anyān āturān adya manye
Ausbildung, Gnade, Kraft und Standhaftigkeit, große Waffen und Demut - all das war in Droṇa; wenn jene große Seele in die Gewalt des Todes geriet, so halte ich heute alle anderen für hinfällig.
Wort für Wort
śikṣā prasādaḥ ca balam
Ausbildung, Gnade und Kraft (Nom.)
dhṛtiḥ ca droṇe mahāstrāṇi ca saṃnatiḥ ca
und Standhaftigkeit, große Waffen und Demut waren in Droṇa (Nom.)
saḥ cet agāt mṛtyuvaśam mahātmā
wenn jene große Seele in die Gewalt des Todes geriet (3.Sg.Impf.)
sarvān anyān āturān adya manye
halte ich heute alle anderen für hinfällig (1.Sg.Präs.)
neha dhruvaṃ kiṃ cid api pracintyaṃ vidur loke karmaṇo 'nityayogāt / sūryodaye ko hi vimuktasaṃśayo garvaṃ kurvītādya gurau nipātite
Hier auf Erden gilt nichts als gewiss zu erachten - dies wissen die Weisen, wegen der Unbeständigkeit alles Handelns; denn wer, frei von Zweifel, dürfte bei Sonnenaufgang noch stolz sein, jetzt, da der Lehrer gefallen ist?
na nūnam astrāṇi balaṃ parākramaḥ kriyā sunītaṃ paramāyudhāni vā / alaṃ manuṣyasya sukhāya vartituṃ tathā hi yuddhe nihataḥ parair guruḥ
Fürwahr, weder Waffen noch Kraft, Tapferkeit, rechtes Handeln, kluge Führung oder die besten Waffen genügen, um einem Menschen dauerhaftes Glück zu sichern - denn so ward auch der Lehrer im Kampf vom Feind erschlagen.
Wort für Wort
na nūnam astrāṇi balam
nicht fürwahr Waffen, Kraft (Nom.)
parākramaḥ kriyā sunītam
Tapferkeit, Handeln, kluge Führung (Nom.)
paramāyudhāni vā
oder die besten Waffen (Nom.)
alam manuṣyasya sukhāya vartitum
genügen, um eines Menschen Glück zu sichern (Inf.)
hutāśanādityasamānatejasaṃ parākrame viṣṇupuraṃdaropamam / naye bṛhaspatyuśanaḥsamaṃ sadā na cainam astraṃ tad apāt suduḥsaham
Ihn, an Glanz dem Feuer und der Sonne gleich, an Tapferkeit Viṣṇu und Puraṃdara [Indra] vergleichbar, an Klugheit stets Bṛhaspati und Uśanas gleich - auch ihn konnte jene kaum abzuwehrende Waffe nicht bewahren.
Wort für Wort
hutāśanādityasamānatejasam
an Glanz dem Feuer und der Sonne gleich (Akk.)
parākrame viṣṇupuraṃdaropamam
an Tapferkeit Viṣṇu und Puraṃdara vergleichbar (Akk.)
naye bṛhaspatyuśanaḥsamam sadā
an Klugheit stets Bṛhaspati und Uśanas gleich (Akk.)
Nun, da lautes Wehklagen erschallt, Frauen und Kinder weinen, und die Manneskraft des Sohnes des Dhṛtarāṣṭra überwältigt ist, weiß ich, Śalya, was von mir zu tun ist - darum treibe an, hin zum Heer der Feinde.
Wort für Wort
saṃprakruṣṭe
da lautes Wehklagen erschallt (Lok. Absol.)
ruditastrīkumāre
Frauen und Kinder weinen (Lok. Absol.)
parābhūte pauruṣe dhārtarāṣṭre
die Manneskraft des Sohnes des Dhṛtarāṣṭra überwältigt (Lok. Absol.)
yatra rājā pāṇḍavaḥ satyasaṃdho vyavasthito bhīmasenārjunau ca / vāsudevaḥ sṛñjayāḥ sātyakiś ca yamau ca kas tau viṣahen mad anyaḥ
Dorthin, wo der wahrheitsgetreue Pāṇḍava-König steht, samt Bhīmasena und Arjuna, Vāsudeva, den Sṛñjayas, Sātyaki und den beiden Zwillingen - wer außer mir könnte jenen beiden standhalten?
Wort für Wort
yatra rājā pāṇḍavaḥ satyasaṃdhaḥ
dort, wo der wahrheitsgetreue Pāṇḍava-König (Nom.)
Darum, Herr der Madras, treibe schnell im Kampf gegen die Pāñcālas, Pāṇḍavas und Sṛñjayas - entweder werde ich sie im Zusammentreffen erschlagen, oder ich denke, ich werde Droṇa nachfolgen.
Wort für Wort
tasmāt kṣipram madrapate
darum schnell, Herr der Madras (Vok.)
prayāhi raṇe
treibe im Kampf (2.Sg.Imp.)
pāñcālān pāṇḍavān sṛñjayān ca
gegen die Pāñcālas, Pāṇḍavas und Sṛñjayas (Akk.)
tān vā haniṣyāmi sametya saṃkhye
entweder werde ich sie im Zusammentreffen erschlagen (1.Sg.Fut.)
yāsyāmi vā droṇamukhāya manye
oder ich denke, ich werde Droṇa nachfolgen (1.Sg.Fut.)
na tv evāhaṃ na gamiṣyāmi madhyaṃ teṣāṃ śūrāṇām iti mā śalya viddhi / mitradroho marṣaṇīyo na me 'yaṃ tyaktvā prāṇān anuyāsyāmi droṇam
Doch dass ich nicht in die Mitte jener Helden gehen würde - das, Śalya, glaube nicht von mir; Verrat am Freund ist mir nicht zu verzeihen - eher gebe ich mein Leben und folge Droṇa nach.
Wort für Wort
na tu eva aham na gamiṣyāmi
dass ich nicht gehen würde (1.Sg.Fut.)
madhyam teṣām śūrāṇām
in die Mitte jener Helden (Akk.)
iti mā śalya viddhi
das glaube nicht, Śalya (2.Sg.Imp.)
mitradrohaḥ marṣaṇīyaḥ na me ayam
Verrat am Freund ist mir nicht zu verzeihen (Nom.)
prājñasya mūḍhasya ca jīvitānte prāṇapramokṣo 'ntakavaktragasya / ato vidvann abhiyāsyāmi pārthaṃ diṣṭaṃ na śakyaṃ vyativartituṃ vai
Am Ende des Lebens ist, für den Weisen wie für den Toren, das Entweichen des Atems [das Los] dessen, der in den Rachen des Todes eingegangen ist; darum, Kundiger, werde ich gegen Pārtha ziehen - das Bestimmte lässt sich fürwahr nicht überschreiten.
Wort für Wort
prājñasya mūḍhasya ca
für den Weisen und für den Toren (Gen.)
jīvitānte
am Ende des Lebens (Lok.)
prāṇapramokṣaḥ
das Entweichen des Atems (Nom.)
antakavaktragasya
dessen, der in den Rachen des Todes eingegangen ist (Gen.)
ataḥ vidvan
darum, Kundiger (Vok.)
abhiyāsyāmi pārtham
werde ich gegen Pārtha ziehen (1.Sg.Fut.)
diṣṭam na śakyam vyativartitum vai
das Bestimmte lässt sich fürwahr nicht überschreiten (Inf.)
kalyāṇavṛttaḥ satataṃ hi rājan vaicitravīryasya suto mamāsīt / tasyārthasiddhyartham ahaṃ tyajāmi priyān bhogān dustyajaṃ jīvitaṃ ca
Denn stets, o König, war der Sohn des Vaicitravīrya [Duryodhana] mir gegenüber von edlem Verhalten; zur Erfüllung seines Anliegens gebe ich meine geliebten Genüsse auf, und auch das nur schwer aufzugebende Leben.
Wort für Wort
kalyāṇavṛttaḥ satatam hi rājan
denn stets von edlem Verhalten, o König (Nom.)
vaicitravīryasya sutaḥ mama āsīt
war der Sohn des Vaicitravīrya mir gegenüber (3.Sg.Impf.)
Diesen mit Tigerfell [überzogenen], mit lautlosen Achsen, mit goldener Dreifachhülle und silbernem Dreifachschaft [versehenen] vortrefflichen Wagen, mit erlesenen Rossen bespannt - diesen gab mir fürwahr Rāma [Paraśurāma].
Wort für Wort
vaiyāghracarmāṇam
mit Tigerfell überzogen [?] (Akk.)
akūjanākṣam
mit lautlosen Achsen [?] (Akk.)
haimatrikośam
mit goldener Dreifachhülle [?] (Akk.)
rajatatriveṇum
mit silbernem Dreifachschaft [?] (Akk.)
rathaprabarham
den vortrefflichen Wagen (Akk.)
turagaprabarhaiḥ yuktam
mit erlesenen Rossen bespannt (Akk.)
prādāt mahyam idam hi rāmaḥ
gab mir dieses fürwahr Rāma (3.Sg.Impf.)
[Anm.: Die genaue Bedeutung der Wagenbeschreibung ('akūjanākṣa', 'haimatrikośa', 'rajatatriveṇu') ist unsicher; die Übersetzung folgt der wahrscheinlichsten Deutung der Einzelglieder. Gemeint ist offenbar der von Paraśurāma an Karṇa verliehene Wagen, vgl. Kap.24.]
dhanūṃṣi citrāṇi nirīkṣya śalya dhvajaṃ gadāṃ sāyakāṃś cograrūpān / asiṃ ca dīptaṃ paramāyudhaṃ ca śaṅkhaṃ ca śubhraṃ svanavantam ugram / astrāṇi divyāny adadān mahātmā
Betrachte, Śalya, die wundersamen Bögen, das Banner, die Keule und die Pfeile schrecklicher Gestalt, das flammende Schwert und die höchste Waffe, und die reine, tönende, gewaltige Muschel - göttliche Waffen gab mir jener Großmütige.
Wort für Wort
dhanūṃṣi citrāṇi nirīkṣya
betrachte die wundersamen Bögen (Absol./Imp.)
śalya
o Śalya (Vok.)
dhvajam gadām sāyakān ca ugrarūpān
das Banner, die Keule und die Pfeile schrecklicher Gestalt (Akk.)
asim ca dīptam paramāyudham ca
und das flammende Schwert und die höchste Waffe (Akk.)
Diesen banner-geschmückten, wie der Fall des Donnerkeils dröhnenden, mit weißen Rossen bespannten, mit schönen Köchern geschmückten vortrefflichen Wagen besteigend, werde ich im Kampf Arjuna mit Gewalt erschlagen.
Wort für Wort
patākinam
banner-geschmückt (Akk.)
vajranipātanisvanam
wie der Fall des Donnerkeils dröhnend (Akk.)
sitāśvayuktam
mit weißen Rossen bespannt (Akk.)
śubhatūṇaśobhitam
mit schönen Köchern geschmückt (Akk.)
imam samāsthāya ratham ratharṣabham
diesen vortrefflichen Wagen besteigend (Absol.)
raṇe haniṣyāmi aham arjunam balāt
werde ich im Kampf Arjuna mit Gewalt erschlagen (1.Sg.Fut.)
[Anm.: Vor diesem Vers steht im Quelltext eine durch Textlücken beschädigte Einfügung ('... die Vortrefflichkeit des Wagens, [gegeben von?] dem Besten der Männer'), die wegen Unleserlichkeit nicht eigens übersetzt wird.]
Wenn der Tod, der alles hinwegrafft, immer wachsam, jenen Sohn des Pāṇḍu im Kampf beschützt, so werde ich ihn entweder im Zusammentreffen erschlagen, oder ich werde, wie Bhīṣma zuvor, zu Yama gehen.
Wort für Wort
tam cet mṛtyuḥ sarvaharaḥ abhirakṣate
wenn der alles hinwegraffende Tod jenen beschützt (3.Sg.Präs.)
sadāpramattaḥ samare pāṇḍuputram
immer wachsam im Kampf den Sohn des Pāṇḍu (Akk.)
tam vā haniṣyāmi sametya yuddhe
so werde ich ihn im Zusammentreffen erschlagen (1.Sg.Fut.)
yāsyāmi vā bhīṣmamukhaḥ yamāya
oder ich werde, wie Bhīṣma zuvor, zu Yama gehen (1.Sg.Fut.)
yamavaruṇakuberavāsavā vā yadi yugapat sagaṇā mahāhave / jugupiṣava ihaitya pāṇḍavaṃ kim u bahunā saha tair jayāmi tam
Und selbst wenn Yama, Varuṇa, Kubera und Vāsava zusammen mit ihren Scharen alle zugleich in dieser großen Schlacht hierherkämen, um den Pāṇḍava zu beschützen - was braucht es viele Worte, ich würde ihn zusammen mit ihnen bezwingen.“
Wort für Wort
yamavaruṇakuberavāsavāḥ vā
Yama, Varuṇa, Kubera und Vāsava (Nom.)
yadi yugapat sagaṇāḥ mahāhave
wenn zugleich mit ihren Scharen in dieser großen Schlacht (Nom.)
jugupiṣavaḥ iha etya pāṇḍavam
hierherkämen, um den Pāṇḍava zu beschützen (Nom.)
kim u bahunā
was [braucht es] viel [Worte] (Instr.)
saha taiḥ jayāmi tam
würde ich ihn zusammen mit ihnen bezwingen (1.Sg.Präs.)
iti raṇarabhasasya katthatas tad upaniśamya vacaḥ sa madrarāṭ / avahasad avamanya vīryavān pratiṣiṣidhe ca jagāda cottaram
Nachdem er diese prahlerische Rede des nach Kampf Ungestümen vernommen hatte, verlachte jener mächtige Herr der Madras ihn verächtlich, widersprach ihm und sprach folgende Antwort:
Wort für Wort
iti raṇarabhasasya katthataḥ
diese Rede des nach Kampf Ungestümen, prahlend (Gen.)
virama virama karṇa katthanād atirabhaso 'syati cāpy ayuktavāk / kva ca hi naravaro dhanaṃjayaḥ kva punar iha tvam upāramābudha
„Lass ab, lass ab, Karṇa, vom Prahlen - allzu ungestüm sprichst du unschickliche Worte. Denn wo ist Dhanañjaya, der beste der Männer, und wo bist wiederum du hier, Unverständiger - hör auf!
Wort für Wort
virama virama karṇa katthanāt
lass ab, lass ab, Karṇa, vom Prahlen (2.Sg.Imp.)
atirabhasaḥ asyati
allzu ungestüm sprichst du (2.Sg.Präs.)
ca api ayuktavāk
und auch unschickliche Worte (Nom.)
kva ca hi naravaraḥ dhanaṃjayaḥ
denn wo ist Dhanañjaya, der beste der Männer (Nom.)
Wer könnte, nachdem er das Haus der Yadus - von Upendra [Kṛṣṇa] beschützt wie der dritte Himmel vom König der Unsterblichen bewacht - mit eigenen Augen erblickt hätte, außer Arjuna gewaltsam die jüngere Schwester jenes besten der Männer [Kṛṣṇas] rauben?
Wort für Wort
yadusadanam
das Haus der Yadus (Akk.)
upendrapālitam
von Upendra beschützt (Akk.)
tridivam iva amararājarakṣitam
wie der dritte Himmel vom König der Unsterblichen bewacht (Akk.)
prasabham iha vilokya
nachdem er es hier gewaltsam erblickt hätte (Absol.)
kaḥ haret
wer könnte rauben (3.Sg.Opt.)
puruṣavarāvarajām
die jüngere Schwester jenes besten der Männer (Akk.)
Welcher Mann hier würde, außer Arjuna, der an Kraft und Macht dem Herrn der Götter gleichkommt, den Schöpfer der drei Welten, den Herrn der Herren [Śiva], in einem Streit um die Erlegung eines Wildes zum Kampf herausfordern?
Wort für Wort
tribhuvanasṛjam īśvareśvaram
den Schöpfer der drei Welten, den Herrn der Herren (Akk.)
kaḥ iha pumān
welcher Mann hier (Nom.)
bhavam āhvayet yudhi
würde zum Kampf herausfordern (3.Sg.Opt.)
mṛgavadhakalahe
in einem Streit um die Erlegung eines Wildes (Lok.)
ṛte arjunāt
außer Arjuna (Abl.)
surapativīryasamaprabhāvataḥ
der an Kraft und Macht dem Herrn der Götter gleichkommt (Abl./Nom.)
Asuras, Götter, große Schlangen, Menschen, Garuḍas, Piśācas samt Yakṣas und Rākṣasas besiegte er mit seinen Pfeilen, aus Ehrerbietung für Agni, und der Sieg brachte ihm die selbst erwünschte Opfergabe dar.
smarasi nanu yadā parair hṛtaḥ sa ca dhṛtarāṣṭrasuto vimokṣitaḥ / dinakaraja narottamair yadā maruṣu bahūn vinihatya tān arīn
Erinnerst du dich nicht, Sohn der Sonne, wie jener Sohn des Dhṛtarāṣṭra [Duryodhana], vom Feind geraubt, von den besten der Männer befreit wurde, als sie in der Wüste viele jener Feinde niedergestreckt hatten,
Wort für Wort
smarasi nanu
erinnerst du dich nicht (2.Sg.Präs.)
yadā paraiḥ hṛtaḥ
als vom Feind geraubt (Nom.)
saḥ ca dhṛtarāṣṭrasutaḥ vimokṣitaḥ
jener Sohn des Dhṛtarāṣṭra befreit wurde (Nom.)
dinakaraja
o Sohn der Sonne (Vok.)
narottamaiḥ
von den besten der Männer (Instr.)
yadā maruṣu bahūn vinihatya tān arīn
als sie in der Wüste viele jener Feinde niedergestreckt hatten (Absol.)
obwohl du selbst als Erster geflohen warst - erinnerst du dich nicht, wie die streitliebenden Söhne des Dhṛtarāṣṭra befreit wurden, als die Pāṇḍavas die Scharen der Himmelswandler [Gandharvas] besiegt hatten?
Wort für Wort
prathamam api palāyite tvayi
obwohl du selbst als Erster geflohen warst (Lok. Absol.)
priyakalahāḥ dhṛtarāṣṭrasūnavaḥ
die streitliebenden Söhne des Dhṛtarāṣṭra (Nom.)
smarasi nanu
erinnerst du dich nicht (2.Sg.Präs.)
yadā pramocitāḥ
als sie befreit wurden (Nom.)
khacaragaṇān avajitya pāṇḍavaiḥ
als die Pāṇḍavas die Scharen der Himmelswandler besiegt hatten (Instr./Absol.)
samuditabalavāhanāḥ punaḥ puruṣavareṇa jitāḥ stha gograhe / sagurugurusutāḥ sabhīṣmakāḥ kim u na jitaḥ sa tadā tvayārjunaḥ
Wiederum wurdet ihr, mit vereinten Truppen und Reittieren, samt dem Lehrer, dem Sohn des Lehrers und Bhīṣma, beim Rinderraub von jenem besten der Männer besiegt - wurde er, jener Arjuna, damals nicht auch von dir besiegt?
Wort für Wort
samuditabalavāhanāḥ punaḥ
wiederum mit vereinten Truppen und Reittieren (Nom.)
puruṣavareṇa jitāḥ stha gograhe
wurdet ihr beim Rinderraub von jenem besten der Männer besiegt (2.Pl.Perf.)
sagurugurusutāḥ sabhīṣmakāḥ
samt dem Lehrer, dem Sohn des Lehrers und Bhīṣma (Nom.)
kim u na jitaḥ saḥ tadā tvayā arjunaḥ
wurde er, jener Arjuna, damals nicht von dir besiegt (Nom.)
idam aparam upasthitaṃ punas tava nidhanāya suyuddham adya vai / yadi na ripubhayāt palāyase samaragato 'dya hato 'si sūtaja
Hier steht dir nun wiederum, zu deinem Verderben, heute fürwahr ein rechtes Gefecht bevor; wenn du nicht aus Furcht vor dem Feind fliehst, bist du, in den Kampf gezogen, heute schon so gut wie tot, Sohn eines Sūta.“
Wort für Wort
idam aparam upasthitam punaḥ
dies steht dir wiederum bevor (Nom.)
tava nidhanāya
zu deinem Verderben (Dat.)
suyuddham adya vai
ein rechtes Gefecht heute fürwahr (Nom.)
yadi na ripubhayāt palāyase
wenn du nicht aus Furcht vor dem Feind fliehst (2.Sg.Präs.)
samaragataḥ adya hataḥ asi sūtaja
bist du, in den Kampf gezogen, heute so gut wie tot, Sohn eines Sūta (2.Sg.Präs.)
Während so der übellaunige Herr der Madras dieses überaus harte Lob des Feindes [Arjunas] aussprach, sprach der heftig erzürnte Stier, der Führer des Kaurava-Heeres, weiter zu dem Herrn der Madras:
Wort für Wort
iti bahuparuṣam prabhāṣati
während er dies überaus Harte aussprach (Lok. Absol.)
pramanasi madrapatau
während der übellaunige Herr der Madras (Lok. Absol.)
ripustavam
das Lob des Feindes (Akk.)
bhṛśam atiruṣitaḥ
heftig erzürnt (Nom.)
param vṛṣaḥ
der überaus [erzürnte] Stier (Nom.)
kurupṛtanāpatiḥ āha madrapam
der Führer des Kaurava-Heeres sprach zum Herrn der Madras (3.Sg.Perf.)
bhavatu bhavatu kiṃ vikatthase nanu mama tasya ca yuddham udyatam / yadi sa jayati māṃ mahāhave tata idam astu sukatthitaṃ tava
„Genug, genug! Was prahlst du so? Steht nicht der Kampf zwischen ihm und mir bereits bevor? Wenn er mich in jener großen Schlacht besiegt, dann sei dieses dein schönes Prahlen gerechtfertigt.“
Wort für Wort
bhavatu bhavatu
genug, genug (Ausruf)
kim vikatthase
was prahlst du (2.Sg.Präs.)
nanu mama tasya ca yuddham udyatam
steht nicht der Kampf zwischen mir und ihm bevor (Nom.)
yadi saḥ jayati mām mahāhave
wenn er mich in jener großen Schlacht besiegt (3.Sg.Präs.)
tataḥ idam astu sukatthitam tava
dann sei dieses dein schönes Prahlen [gerechtfertigt] (3.Sg.Imp.)
sa rathaḥ prayayau śatrūñ śvetāśvaḥ śalyasārathiḥ / nighnann amitrān samare tamo ghnan savitā yathā
Jener Wagen, mit weißen Rossen bespannt, Śalya als Wagenlenker, fuhr auf die Feinde zu, die Gegner im Kampf niederschlagend, wie die Sonne die Finsternis vertreibt.
tataḥ prāyāt prītimān vai rathena vaiyāghreṇa śvetayujātha karṇaḥ / sa cālokya dhvajinīṃ pāṇḍavānāṃ dhanaṃjayaṃ tvarayā paryapṛcchat
Dann fuhr Karṇa, hocherfreut, auf seinem mit Tigerfell [bedeckten], mit weißen Rossen bespannten Wagen davon; und als er das Heer der Pāṇḍavas erblickte, erkundigte er sich eilig nach Dhanañjaya.
Wort für Wort
tataḥ prāyāt prītimān vai
dann fuhr hocherfreut davon (3.Sg.Impf.)
rathena vaiyāghreṇa
auf dem mit Tigerfell bedeckten Wagen (Instr.)
śvetayujā atha karṇaḥ
mit weißen Rossen bespannt, Karṇa (Nom.)
saḥ ca ālokya dhvajinīm pāṇḍavānām
und als er das Heer der Pāṇḍavas erblickte (Absol.)
dhanaṃjayam tvarayā paryapṛcchat
erkundigte er sich eilig nach Dhanañjaya (3.Sg.Impf.)